Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 29-30 (13.4.1927)
- Date
- 1927-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 28/30 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 215 Die Stellung der amerikanisdien Zionisten Ein Interview mit Louis Lipsky. Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Herr Louis Lipsky, der zwecks Teilnahme an der außerordentlichen Beratung der zionistischen Exekutive gegenwärtig in London weilt, sprach sich in einem Interview mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur über die Rolle der amerikanischen Juden im Aufbau Palästinas aus. Er sagte: Die Atmosphäre des Friedens und der freundschädlichen Zusammenarbeit, die jetzt unter den verschiedenen Gruppen der amerikanischen Judenheit, die sich noch im vergangenen Jahre bekämpften, herrscht, wird sicherlich die diesjährige Kampagne des United Palestine Appeal sehr wohltätig beeinflussen. Wir erwarten in diesem Jahre eine Zunähme der Geldeingänge um ungefähr 30 0/0, Die Juden New Yorks werden statt der im vergangenen Jahre zustandegebrachten 1100 OCO Dollar in diesem Jahre mindestens anderthalb Millionen Dollar beitragen. Auch in anderen Zentren, wie 7- B. Boston und Chicago, sind die Geldeingänge stark gestiegen. Man kann heute noch nicht sagen, welche Endsummen der Appeal erbringen wird, da in vielen Städten die Kampagne überhaupt noch nicht begonnen hat. Gegenüber den im vergangenen Jahre, abgesehen von den normalen Eingängen der ständigen Fonds zusammengebrachten dreieinyiertei Millionen Dollar, hoffen wir in diesem Jahre, eine Gesamtsumme von mehr als 4 Millionen Dollar zu erreichen. Interessant ist, daß die Zunahme der Geldeingänge nicht auf die Erhöhung der einzelnen großen Beiträge, sondern auf die Vermehrung der Zahl der Beitragenden zurückzuführen ist. Immer mehr amerikanische Juden beginnen sich für Palästina zu interessieren. Auch wo die Gesamtsumme der Beiträge sich nicht gesteigert hat, waren erheblich mehr Spender zu verzeichnen. In allen Kreisen der amerikanischen Judenheit herrschte Freude, als das Abkommen zwischen Dr. Weizmann und Marshall geschlossen worden ist Man empfand den Konflikt, der die amerikanische Judenheit in zwei Lager spaltete, als unerträglich. Das Interesse an dem jüdischen Kolonisationswerk in Rußland, fuhr Herr Lipsky fort, scheint seit kurzem nachzulassen. Obwohl kein Zweifel darüber besteht, daß das Experiment fortgeführt werden wird, steht es doch nicht mehr im Vordergrund des jüdischen Interesses. Die Zionisten wollen niemanden daran hindern, zu versuchen, den rassischen Juden an Ort und Stelle zu helfen. Der geschlossene Friedenspakt wird eine allgemeine Zusammenarbeit im Gefolge haben. Der überwundene Konflikt hat jedenfalls das Ergebnis gehabt, ein richtigeres Gefühl für Proportion hinsichtlieh der palästinensischen und der russischen Kolonisation zu wecken. Als objektive Tatsache muß festgestellt werden, daß im allgemeinen das Interesse der amerikanischen Juden an europäischen Angelegenheiten im Abnehm en begriffen ist Die amerikanische Judenheit ist innerlich und äußerlich gewachsen, sie muß sich um die eigenen Institutionen bkUBmmemt ׳ da :eratet■ Lirtfe zam Schutze dar Interesse» dw:;europäischen Jadtembegründete Körperschaft, ist etwas passiv, und der American Jewish Congreß, der aktiver ist, findet nicht die notwendige finanzielle Unterstützung. Man hält die Zeit für gekommen, da die europäischen Juden ihre Interessen selbst in die Hand nehmen müssen, was natürlich nicht bedeuten will, daß die amerikanischen Juden nicht willens sind, ihren Brüdern in Osteuropa zu helfen. Der Grundton des jüdischen Lebens in Amerika ist amerikanisch. Englisch ist jetzt die Hauptsprache der jüdischen Bevölkerung. Ein englischer Redner kann in jeder Versammlung amerikanischer Juden verstanden werden, während ein jüdischer Redner in dieser Hinsicht scharfe Grenzen findet. Die früheren Ein- Wanderer fühlen sich als Amerikaner, der Modus ihres ganzen Lebens ist amerikanisch. Erstaunlich ist es, zu welchem Reichtum es russische und polnische Juden in Amerika gebracht haben. Es gibt Zehntausende von Juden, deren jährliebes Einkommen fünf bis sechs Tausend Dollar beträgt. Die früheren Einwanderer rücken von der New York City Der Kammerjäger von Litauen Von Moses W a 1 d m a n 11. Die Oberammergauer Sind bekanntlich auf die Unterammergauer schlecht zu sprechen. Wen kann es da wundernehmen, wenn die ukrainischen Juden in den polnischen Juden etwas Minderwertiges erblicken, und wenn beide zusammen sich bekreuzen — man verzeihe dieses Bild in Verwendung auf fromme Juden — wenn die Rede auf die litauischcn Juden kommt. Denn ein Litwak ist doch bekanntlich ein Zelem-Kopf, d. h. im Kopfe jedes litauischen Juden ist ein Kreuz vorhanden, das ihn, den Träger, noch schlimmer macht als einen Goj. Bei uns pflegte man zu sagen: wenn Du nicht glaubst, daß der Litwak einen Zeiem im Kopf hat, so spalte ihm den Schade! und sieh nach... Solltest Du aber doch keinen Zeiem (Kreuz) finden, so ist eben ein Litwak weniger auf der Welt und der Schaden nicht groß. Ich erinnere mich, «laß in unserer Gegend, was seit urivordenklichen Zeiten niemals vorgekommen war,' ein jüdisches Mädchen ein uneheliches Kind bekam. Auch dieses Mädchen fand schließlich einen Mann., Neugierig fragte ich einmal meine Großmutter, wer dem! dieses Mädchen geheiratet hätte. ״Weiß ich, irgendein Litwak“, lautete die Antwort meiner Großmutter. Andererseits hat man vor den scharfen Köpfen der Litauer sehr viel Respekt. Sie haben eiserne Schädel und kupferne Mäuler, was besagen will, daß sie äußerst scharfsinnig sind und ausgezeichnet diskutieren. Vor allem rühmt man den Lerneifer der litauischen Juden. Eine ständige Redewendung bei den ukrainischen Juden lautet: Wenn ein Litwak in die Kirche geht, sich taufen zu lassen, und der Pfarrer sich verspätet hat, dann rennt der Litwak noch rasch ins Beth Hamidrasch, um vor der Taufe ein Blatt Gemore zu lernen. Nach all diesen Kindheitserfahrungen war meine Neugierde natürlich aufs höchste gespannt, als Ich vor einiger Zeit in die Lage kam, nach Litauen zu reisen. Ich war acht Jahre lang nicht mehr unter Ostjuden gewesen und ich gestehe, daß freudige Erwartung in mir in dem Gedanken an ein Wiedersehen mit Ostjuden aufstieg. Im Laufe der Jahre hatte ich erfahren können, dafi die litauischen Jfaden in Wirklichkeit nach dem Westen vor und nehmen wichtige Positionen im Handel und in der Industrie der amerikanischen Union ein. Amerika und Palästina. Es besteht kein Zweifel daran, daß die amerikanischen Juden es in der Macht hätten, Palästina au fzubauen, wenn ihr Interesse am Jüdischen Nationalhcira wachgerüttelt wäre und wenn man sie darauf Hinweisen könnte, daß sich die Lage in Palästina ständig bessert, leider sind die Nachrichten, die aus Palästina nach Amerika gelangen, nicht sehr ermunternd, Palästina, sagte Lipsky weiter, wird jetzt Amerika nicht allein durch die Presse, sondern auch durch die Tausende amerikanischer Juden, die Palästina besuchen, nähergebracht Alle aus Palästina Kommenden sprechen in hohen Tönen der Begeisterung über das Land und über die jüdische Arbeit darin. Es ist aber die allgemeine Ansicht — und dies ist auch die Ansicht der amerikanischen zionistischen Führer —, daß die Lage in Palästina wirtschaftlich wie politisch weit davon entfernt ist, zufriedenstellend zu sein. Es ist für jeden Besucher klar, daß die Palästina- Regierung nicht alles tut, was sie vermag, um den Palästina-Aufbau zu fördern. Die britische Regierung handelt nicht großzügig gegenüber den Juden und der jüdischen Arbeit in Palästina, ln der Durchführung der gemeinsamen Aufgabe bleibt sie ihr Teil schuldig. Es ist eine unerträgliehe Lage, daß die zionistische Exekutive soviel Energie und Aktivität darauf verwenden muß, um die dem Aufbau entgegenstehenden Hindernisse aus dem Wege zu räumen, während dies eine klarsehende Regierung aus eigener Initiative viel leichter zuwege bringen könnte. Wenn nicht unsere Arbeit in Palästina vollkommen reorganisiert wird, wird es schwer fallen, das Interesse der amerikanischen Juden an den palästinensischen Angelegenheiten wachzuhalten. Die Leute, die jahraus jahrein zu den zionistischen Fonds beitragen, möchten endlich greifbare Resultate sehen. Ich kann nicht sagen, daß wir Amerikaner von der Idee mancher Gruppen in Palästina, die den Lebensstandard so tief als möglich zu halten suchen, begeistert sind. Der Gedanke des Standards des Hungerns, des möglichst kleinen Verbrauchs bei gesteigerter Leistung finden bei den atnerika* nischen Juden kein Verständnis. Wir wollen die Juden Palästinas auf einem höheren Standard sehen. Der geübte Hungerleider (״experienced starver“) der Kwuzah ist nicht unser Ideal, und diese Form kann nicht die Basis des Palästina-Aufbaus sein. Das ganze System muß geändert werden. Der privaten Initiative muß mehr Spielraum gewährt werden; dem Individuum muß Gelegenheit gegeben werden, seine Leistung wie sein Lebensniveau zu steigern. Es muß in unseren Methoden eine radikale Aenderung platzgreifen. Die amerikanisdien Juden sind an jedem gesunden wirtschaftiichen Unternehmen in Palästina interessiert. Wir haben z. B. soeben die Unterbringung von 7 0/» Mortgage Bank Bonds (Hypotheken-Pfandbriefe) in die Wege gdeitet und haben bereits solche im Werte von 160000 Dollar verkauft Sie haben auf dem Markt eine große Zukunft, da sie von Finanz- Sachverständigen als eine sehr gute Kapitalsanlage angesehen werdest.■׳— ,ל— ■׳ ——i■׳׳ ■י י 1׳.״•׳ -— 1'-v — * :Sobald der zionistische Kongr eß Zusammentritt, schloß Herr Lipsky, werden die amerikanischen Zionisten durch eine starke Delegation vertreten sein. Wir zählen jetzt rund 70000 organisierte Mitglieder, und wir können außerdem noch über weitere 100 000 Schekel-Zahler verfügen. Pressekonferenz des Keren Hafessod Blumenfeld und Buber in Jerusalem Jerusalem, 7. April. (Ziko.) Die fünfte vom Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem veranstaltete Pressekonferenz war der Frage des Erziehungswesens gewidmet. Von Gästen aus Deutschland nahmen an der Besprechung der Vorsitzende der Z.V.f.D. Kurt Blumenfeld und Dr. Martin Buber teil. Der Leiter des Waad Hachinuch Dr. Lurie gab eine Uebersicht über die grundlegenden Ideen unseres Lrziehungssystems. Schein besprach die Prinzipien der Unterrichtsarbeit des Kulturausschusses der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, vor allem in den Dorfschulen in den Keren Hajessod-Siedlungen. der geistig höchststehende Teil der Ostjudenheit sind und ich hielt es für ein Glück, daß ich gerade in den litauischen Juden die Ostjudenheit Wiedersehen sollte. Allerdings waren seit der Zeit, wo ich zum ersten Male von den litauischen Juden gehört hatte und den Tagen, da ich sie in ihren Städten und Städtchen sah, viele Jahre voll schrecklichen Erlebens und ungeheurer Veränderungen in der Struktur der Ostjuden vorübergegangen. Ich bin mir darum bewußt, daß ich richtiges litauisches Jildentum nicht mehr zu Gesicht bekam. Aber schon die Ueberreste ehemaliger streng regulierter jüdisch-litauischer Lebensformen üben noch auf denjenigen; dem Ostjudentum Urgrund des Wesens ist, übermächtigen Eindruck. Sicherlich ist das jüdisclie Städtchen im Vergleich zur Zeit vor dreißig Jahren sehr verändert. Man denke nur daran, daß die Lektüre einer Zeitung selbst für die große Masse der Juden im Osten zu den Selbstverständlichkeiten des Alltags gehört und dazu beigetragen hat, die Kraft der Legendenbildung zu zerstören. Zionismus und Sozialismus haben die jüdische Gasse aufgewühlt; das Oktobermanifest vom Jahre 1905, der Weitkrieg, die deutsche Okkupation, dis bolschewistische Revolution und schließlich die Begründung der neuen Nationalstaaten haben alles durcheinander gewirbelt. Dazu gesellte sich die ungeheure Emigration nach Uebersee, die in stärkster Weise auf die jüdische Gasse in der alten Heimat zurückgewirkt hat. So ist es denn gekommen, daß unverfälschtes jüdisches Leben, wie es zu der Großväterzeit geherrscht hatte, nur noch sehr selten in versteckten schwer zugänglichen Winkeln anzutreffen ist. Manchmal nur verirrt sich ein Typus jenes Milieus in die große Welt und wirkt als Original. Will man einen Vertreter der altfränkischen Zeit finden, so darf man ihn in der Regel nicht in den Orten suchen, die mit der Eisenbahn leicht zu erreichen sind. Man muß sich schon Mühe geben und darf Fahrten auf landesüblichen Fuhrwerken im Morast der schlechten Landstraßen nicht scheuen. Hat man aber Glück, so trifft man, ohne Mühseligkeiten einer besonderen Expedition, ein derartiges Menschenkind von ungefähr und dann ist man belohnt für manch unerfreuliches Erlebnis. Ich hatte auf meinen Kreuz- und Querfahrten in den litauischen Eisenbahnwägen Glück und ich will von einer Begegnung mit einem altes Juden erzählen. Der dealsche Keren Hafessod im ersten Halbjahr 5681 An der günstigen Entwicklung der Einnahmen des Gesamt-Keren Hajessod ist erfreulicherweise der Keren Hajessod in Deutschland sehr stark beteiligt. Das erste Quartal des Jahres 5687, in dem die großangelegte Sokolow-Aktion durchgeführt wurde, hatte bereits ein sehr gutes Ergebnis gezeitigt. Auch das zweite Quartal hat gegenüber dem Vorjahr erhebliche Mehreinnahmen gebracht, obwohl gerade von führenden Zionisten sehr zahlreiche Vorauszahlungen im ersten Quartal geleistet worden waren, die natürlich im zweiten Quartal fehlten. Es ist trotzdem gelungen, auch im zweiten Quartal die Einnahmai um einen Nettobetrag von fast £ 3000 zu erhöhen, so daß im ersten Halbjahr für Palästina aus Deutschland nach Abzug aller Unkosten fast £ 8000 mehr überwiesen werden konnten als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Steigerung der Bruttoeinnahmen beträgt genau 51,5°/« gegenüber dem Vorjahr, Da die Unkosten nicht gestiegen sind, sondern sich im Gegenteil gegenüber dem Vorjahr verringert haben, sind die Nettoeingänge prozentual noch erheblich stärker gestiegen. Während an der günstigen Entwicklung des ersten Quartals die Sokolow-Aktion und die Vorträge von Professor Oppenheimer einen hervorragenden Anteil hatten, kamen im zweiten Quartal die Vorträge der Herren General von Schoenaich, Regierungspräsident Dr. Hausmann und Ministerialdirektor Schaffer vom Reichswirtschaftsministerium dem Keren Hajessod sehr zugute. Daneben hat naturgemäß die Gründung des Pro Palästina-Komitees ebenfalls stimulierend gewirkt und mit dazu beigetragen, manche Vorurteile zu beseitigen. Der Keren Hajessod in Deutschland kann also mit Befrledigung einen guten Abschluß des ersten Halbjahres 5687 verzeichnen. Präsident Masaryk in Palästina Ueber den Besuch des Präsidenten der tschechoskiwaklschen Republik Prof. Masaryk wird der Ziko telegraphiert: Präsident Masaryk ist Freitag, am S. d. M., früh, in Jerusalem angekommen, wo er am Bahnhof vom Chief Secretary Col.Symes und von BürgermeisterRagheb elNashashlbi, ferner vom Polizeichef und anderen Beamten begrüßt wurde. Am Sonnabend besuchte Masaryk die Omarmoschec, die Grabeskirche und Bethlehem, Sonntag vormittags die Hebräische Universität und die Univcrsitäts- und Nationalbibliothek in Jerusalem. Nachmittags fand in der Cburbah- Synagoge ein Festempfang durch die Oberrabbiner statt, und in Meah Schearim ein Empfang durch die orthodoxen slowakischen Juden. Der für Freitag in Aussicht genommene Besuch Präsident Masaryks in Tel-Awiw mußte infolge des schlechten Wetters verschoben werden. Der Besuch des Präsidenten in Rischon- Lezion und Tel-Awiw findet Dienstag, den 12. April statt. In Tel-Awiw wird Masaryk am Grabe Achad Haams einen Kranz niederlegen, Mittwoch besucht der Präsident Afuleh, Beth Alpha LDaganiah uw* Kaperaaum, nnd .^^.Qphneratoi-^'flhi.alaJi Haifa, wo (err>;tda$^|«^* nikum besichtigen wird, und die k'wuzah Bibraeha (tseheehoslowakische Chaiuzim). 0% palästinensische Gemeiatiegesetz London, 8. April. (J. T. A.) Das britische Kolonialamt in London telegraphierte an den Waad Leumi (Nationalrat der palästinensischen• Juden), daß das Gesetz über die Autonomie der jüdischen Gemeinden in Palästina in ganz kurzer Zeit von der Regierung bestätigt und in Kraft treten wird. Baron von tiichtbolea in Palästina Jerusalem, 7. April. (J.T.A.) Der Dirigent es Orient-Departements des deutschen Außenministeriums, B«**n von Richthofcn, ist heute hier eingetroffen. (Richthofen ist bekanntlich Mitglied des Präsidiums des Pro Palästina- Comit£s. Reist man auf den Karawanenstraßen der Sahara, so mag man wohl einen Löwenjäger treffen. Denn in der Sahara leben Löwen. In Litauen sind die gefährlichen Tiere weder Löwen noch Tiger noch giftige Schlangen sondern kleine Lebewesen, die einem den Aufenthalt in den Gasthäusern verbittern, ich meine, man verzeihe die Erwähnung dieser Quälgeister, ganz gewöhnliche Wanzen. Unsauberkeit ist eine Folge von Armut und Enge. Man müht und reckt sich wohl in Litauen, ״hygienisch zu werden“ und die Häuser und Wohnungen nach westlichen Vorbildern einzurichten. Aber der Erfolg dieser Bemühungen steckt noch in den Anfängen und so gibt es Ueberreste aus der guten alten zaristischen Zeit. Man mag also atuiehmen, daß dieser Uebeistand ein Erbteil des Zarismus ist. Tatsache ist jedoch, und dies läßt sich leider nicht leugnen, daß man noch heute in litauischen Gasthäusern hie und da Ungeziefer findet. Was liegt also näher, daß sich ein Jude fand, der diese Tatsache zur Grundläge seiner ״Parnosse“ machte. Sogar im zivilisierten reicheren Westen finden wir den segensreich wirkenden Kammerjäger. Ura wieviel natürlicher ist es, daß sich auch im Osten ein derartiger Beruf als nötig und einträglich erweist. Trotzdem ist er im allgemeinen nicht verbreitet. — Und bis zum Zusammentreffen mit dem Juden, von dem ich erzählen will, habe ich nicht gewußt, daß es jüdische Kammerjäger gibt Allerdings ist meine Unkenntnis verzeihlich, wenn man in Betracht zieht, daß der Wanzentöter, den ich traf, seiner Aussage nach, der einzige in ganz Litauen ist. Ich fuhr in einem der großen russischen Eisenbahnwagen, die so eingerichtet sind, daß jeder Reisende seinen Liegeplatz hat und die von der alten russischen Eisenbahnverwaltung dem jungen litauischen Staat vererbt wurden, von Memel nach Kowno. Zur Bewältigung dieser Strecke braucht die litauische Eisenbahn eine ganze Nacht. Der Eisenbahnwagen war durch eine Kerze notdürftig beleuchtet und man konnte nicht lesen. Schlafen konnte man auch nicht, denn der Wagen stieß and rollte zu stark. Ich hockte also ln meinem Winkel und döste vor mich hin. Es mochte vielleicht drei Uhr nachts gewesen sein, da hörte ich aus dem gegenüberliegendem Winkel einen eigentümlichen Singsang, ich lauschte und erkannte, daß eine Stimme mit tiefer Inbrunst Psalmen aufsagte:. Im Dimmer