Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 JÜEÖISCHE RUNDSCHAU Sehe 7m ,»Protektorate" über Literatur (Einige Worte zum PEN.) Von Dr. Israel Rubin. Wir geben iin folgenden der Zuschrift eines derzeit in Berlin wohnhaften jiddischen Literaten Raum, wdche sich mit der Frage der Aufnahme einer jüdischen Sektion in den internationalen Literatenverbaml ״PEN'*‘ hesehäftigt Der Sachverhalt ist auch für eine Reihe ähnlich liegender Fülle (/,. B. die internationale Studentenorganisation) charakteristisch. Daher wäre zu wünschen, daß einmal eine prinzipielle Lösung gefunden wird, die, wie uns scheint, bei den ,,Völkerlnindligeii" bereits versucht wurde. Red. Der Verein jüdischer Literaten in Warschau hat vor kurzer Zeit den Beschluß gefaßt, sich dem internationalen Klub der Dichter und Schriftsteller ״PEN’" an/uschließen, der im Mai vorigen Jahres einen Kongreß in Berlin veranstaltet hatte. Das Gesuch, mit dem der jüdische Literatenvereiu seine Aufnähme anstrebte, wurde von dem Londoner Sekretär des PEN-Klubs wie folgt beantworte{: ״Die Frage, oh die Literaten eines exterritorialen Volkes sich zu einer Sektion innerhalb des PEN-Klubs zusammenschließen können, wurde bereits auf dem Berliner Kongreß aufgerollt. Es war unmöglich, diese Frage abstrakt zu behandeln, und zwar deshalb, weil Depeschen aus Warschau einlicfcn, welche den jüdischen •Schriftstellern die Zustimmung, eine Sektion innerhalb ihrer Abteilung zu bilden, versagten. Da die Zeit, diese Frage zu behandeln, kurz bemessen war, beschloß man, eine Kommission zu bilden, die den Fragenkomplex durchberaten sollte, damit sie auf dem nächsten Kongreß in Brüssel 1027 behandelt werden kaftu. Das vorliegende Schreiben ergeht an Sie im Namen dieser Kommission. Wir stellen fest, daß wir vorerst solange nichts unternehmen können, solange der Klub jüdischer Literaten in Warschau nicht mit der polnischen PEN’-Abteilung in Konnex treten wird, um eine Verständigung herbeizuführen. Die Aufgabe des PEN-Klubs besteht doch darin, einen Zusammen- Schluß der Schriftsteller auf freundschaftlicher Basis herbeizuführen, und eben darum können wir die Schaffung einer jüdischen Sektion in Warschau nicht in Vorschlag bringen, solange die ausschlaggebende Gruppe nämlich die polnische Abteilung - dagegen ist. ge/. Hermann Uld, Sekretär des Londoner PE.N'-Zentrums." Damit ist also die Frage des Anschlusses der jüdischen Literaten au die Schriftstellerinternationale von der zu einem Protektor erhobenen - polnischen PEN-Abteihitig abhängig. Dann ergeben sich aber die folgenden Fragen: 1. Sind für Literaturen Protektorate überhaupt notwendig? 2. Und mit welchem Recht werden denn gerade die polnischen Literaten zum Protektor über die jüdische Literatur erhoben? Auf die erste Frage ist zu sagen: Literatur muß ihrem Wesen nach unabhängig sein, sie muß außerhalb des Rahmens irgendwelcher Protektorate gestellt sein! Nimmt man ihr ihr natürliches Recht, so nimmt man ihr das Wesentliche, die Seele! Noch schlimmer ist es, wenn jene an sich schon unzulässige Ein- Stellung, welche Protektorate über die Literatur schaffen will, ihrer Absicht die politische Geographie zugrundelegt. In unserer Epoche des Nationalitätenstaates sind die von der politischen Geographie gezogenen Grenzen meist zufällige und mechanische. Es ergibt sich meist, daß ein Staat unter •der ־■׳ VorhüiÄliMtiViiflfteklWdlies *)fäd&i umfaßt. Dadurch allein aber, daß ein bestimmtes Volk zum herrschenden wurde, kommt ihm doch nicht das Recht zu, über alles, was die beherrschten Völker betrifft, zu entscheiden und schon gar nicht dazu, über die besonderen Eigenarten und den Wert ihrer nationalen Kulturen und Literaturen zu richten. Das Verhältnis, welches in unserem heutigen Nationalitätenstaat zwischen den Herrschern und den Beherrschten besteht, ist doch nichts weniger als idyllische Eintracht. Die herrschenden Völker .- nicht ausgenommen selbst die noch gestern beherrschten — streben vielmehr danach, die beherrschten Völker völlig zu negieren, ihre Eigenart zu verleugnen und der äußeren Welt gegenüber den bunten Nationalitätenbestand ihres Staates mit der Fiktion zu verhüllen, daß sich sein Leben voll und ausschließlich in ihrer nationalen Kultur auspräge. Wie stünde das Problem, wenn man auf dieselben Polen, die jetzt zu Protektoren der jüdischen Kultur erhoben worden sind, vor eit Jahren dasselbe Prinzip angewandt hätte, das man jetzt der jüdischen Literatur gegenüber gebraucht; d. 11. wenn ihre Aufnahme als Sektion einer Internationalen Literaturvereini- ״!mg davon abhängig gemacht worden wäre, daß eine Verständigung mit den Litcratenorganisntionen der sie beherrschenden Völker, also denen der Russen und Deutschen, herbeigeführt wird. Es stellt außer Zweifel, daß die Polen in diesem Falle weitere Bemühungen 11m ihre Aufnahme abgelehnt hätten, und das Recht wäre auf ihrer Seite: Denn eine Verständigung ohne tragbare Opfer hätte unter diesen Umständen nicht, erzielt werden können. ln gleicher Weise stellt jetzt vor uns die Frage der Verständigung der jüdischen mit den polnische(! Literaten. Und damit komme ich zur zweiten obengenannten Frage. Polen ist das Land, das die jüdische Literatur mehr als irgendein anderes systematisch negiert 11ml verleugnet; Polen ist das Land, in dem die Sprache clor jüdischen Literatur, die Sprache von vier :Millionen Juden schikaniert und zu einem Jargon herabgewürdigt wird. Nirgends hat daher auch der Appell der PEN-Kommission zur Verständigung weniger Aussicht auf Gehör, als bei den polnischen Literaten. Bedeute! es daher nicht die tatsächliche Nichtaufnahme der Juden in die internationale Vereinigung•, wenn sie von der Zustimmung jener abhängig gemach! wird? Der PEN ist eine internationale Vereinigung von Literaten und gerade darum darf er sich nicht auf die politische Geographie stützen, weil in unserer Zeit, wie schon gesagt wurde, Staat und Nation keineswegs Synonyme darstellen• Wenn die ukrainische, weißrussische oder die deutsche Literatur dem PEN angesclilosscn werden, so bedeutet das gewiß nicht, daß Ukrainer, Weißrussen oder Deutsche eines hestimmten Staates vertreten sind, vielmehr diese Nationen in ihrem vollen Umfange ohne Rücksicht aut die Ansiedhmgs-!ander (Ukrainer aus Polen, Rußland, Rumänien: weißrtissisclu׳ Literaten aus Polen, Rußland; deutsche außerhalb Deutsch• laiuis aus Oesterreich, Schweiz, Rumänien, Italien Usw.). Die jüdische Literatur ist nicht nur auf Polen begrenzt, sie umfaßt alle Länder und Staaten, in dan n sich jüdische Massensiedlungen befinden. ln Wahrheit aber braucht die jüdische Literatur ebenso• wenig wie irgendeine andere ein Protektorat, es sei denn jenes, welches sie selbst über sich nusiibt. Und ist es so, wie Hermann Uld im Namen der PEN-Kommission schreibt, «laß der Anschluß einer Gruppe an den internationalen Literatenverband von der am meisten interessierten Literatengruppe abhängig gemacht werden muß; dam! ist diese Gruppe eben keine andere als die, um deren Anschluß es sieh handelt. Die Konferenz über Wanderungswesen Paris, 5. April. (J. T. A.) Die Konferenz des Vereinigten Rates von Ica, I lins und Einigdirekt, der zwecks Zentralisierung des jüdischen Watiderungswesens in den Auswanderimgs* und Eiiiwatideningskändern gebildet worden ist, ist heute zu Ende gegangen. Es wurde ein Exekutiv-Komitee gebildet, zu dessen Präs i d e 111 e 11 f ii r e i 11 Jahr Dr. Oskar C o 1111 (B e 1 1 i n) ״ e w ä 11 11 w o 1 d e 11 ist. Das Exekutiv-Komitee wird seinen ständigen Sitz in Berlin haebn. Zum Präsidenten des Rates von Ica-f iias-Emigdirekt ist, wie schon mitgeteilt, Herr Dr. James Simon gewählt worden. Die nächste Sitzung des Rates wird iin Monat Mai in Berlin stattfinden. Der Rat setzt sich aus zehn Vertretern der Ica und zehn Vertretern von Hias-Emigdirekt zusammen. Die Vertreter der fea sind: Dr. James Simon, Prof. Mittwoch, Prot. Joseph Reinach, Philippson, Dr. Stern und Edouard Ungar. Die Vertreter von Hias-Emigdirekt sind: Dr. James Bernstein. Dr. J. Brulzkus, Oskar' Colin, Dr. Klein, Dr. M. Krainiii. W. Latzki-Bertholdi, Dr. Jacob Lestschinsky, Dr. D. Lvoviteb, Leo Motzkin und Sch. Rudel. Dr. James Bernstein, Dr. Louis Oungre und Dr. M. Krainin repräsentieren im Rai die Gesellschäften Ilias, Ica und Einigdirekt. Zionistische Tätigkeit in Kanada Auf einer *Sitzung des Council der kanadischen Zionistenföderation gab Herr Freiniau, der Präsident der Zionist!־ sehen Organisation für Kanada, nach seiner Rückkehr aus Ralästina einen Bericht über seine Eindrücke und entwickelt•.* einen Plan für den praktischen Wiederaufbau auf breiterer Grundlage. Die Organisierung dieses Planes will er jedoch erst nach Durchführung der Keren Hajessinl-Kainpagiic aufnehmen. Herr Archibald Pier•■■•. Montreal, bemühe sich 11111 die Bildung einer Gesellschaft die 300 0.10 Dollar in Landkaufen für Orangeiipl a 111 a g e 11 investieren soll. Ferner erstattete Herr Freimann einen besonderen Bericht über die Mädchenfarm in Nahalal, die von der kanadischen Hadassah errichtet worden ist. Den zionistischen B e a m t c n in Palästina sprach er seine besondere Anerkennung aus. Die Keren Ha je ssod-k'ara p a g 11 o in Kanada wurde, wie von uns bereits berichtet, am 11. März von Dr. W e 1 / - m a 1111, Sir Wyndham I) c e d c s und Herrn V r e 1 m a 11 eröffnet. Die für" Kanada festgesetzte Quote beträgt in diesem Jahre eine Vierte! Million Dollar. A111 2(1. April wird die Kampagne in Toronto eröffnet werden mul wird sich durch die wichtigeren Städte nach dem Westen hin bis Mitte Juni hinziehen, also bis etwa einen Monat vor der Konvention, die Mitte Juli in Winnipeg stattfiudeu soll. (Ziko.) Der Leser würde sich übrigens in einem Irrtum befinden, wenn er annähme, daß Albert Ehrenstein oder llja Ehrenburg zu denen zählen, die nicht besonders entzückt sind, wenn man über ihre Angehörigkeit zum Judentum spricht. Im Gegenteil, sie heben diese Tatsache immer selbst hervor. Sie würden sich wahrscheinlich wundern, wenn man sic nicht als stolze Juden ansehen wollte. Für den Assiinilanien. für den, der sein Judentum verleugnet, hat Ehrcnstcin mir Spott und Hohn, und der hier zitierte Aufsatz von Ehrenburg ist von großem Judenstolz durchdrungen. Aber diese positiven Momente, dieses Bejahen ist — so scheint es — bei unseren Literaten nur eine Folge des Geschmacks und des ästhetischen Gewissens. Wenn sie erhobenen Hauptes verkünden: ״Wir sind Juden“, so heißt es noch nicht, daß sic sich die Mühe gegeben haben, über das Schicksal ihres Volkes nachzudenken. ״Du bist kein Freund, Du bist ein Stilist", ruft irgendwo ein Held bei Dostojewski aus. Und diesen Vorwurf ist man berechtigi, auch den hier besprochenen Literaten zu machen. Die literatenhaften Geistreicheleien über das Ringen des eigenen Volkes nach neuem Leben sind geeignet, unseren Widerwillen zu wecken gerade jetzt, wo der Zionismus schweres durchwacht. Wie viele unter den Zionisten sind es, die die herrschende Depression zu mildern versuchen, indem sie zu den Erinnerungen Zuflucht nehmen, zu all den leuchtenden Gestalten, die den Zionismus zu einem großen Ideal und zum Ziel ihres Lebens gemacht haben? Der Jude im Film Von dem wachsenden Unwillen über das antisemitelnde Gebaren mancher deutscher Filmgesellschaften zeugen die folgenden Zuschriften: 1. Vorausgesagt sei, daß dieser Artikel weder ein Beitrag zu den augenblicklichen Finanz- und Subventionsfragen des Ufakonzerns, noch eine Polemik gegen ev. antisemitische Schlagwörter, wie ״judcnfilmc“ oder ״Der vcrjudetc Film“ ist. Ich will hier nur einige Bemerkungen zu Filmen machen, elie jüdische Motive enthalten. Hin und wieder tauchen in Filmen jüdische Gestalten auf, die immer einen gewissen ,,jüdischen Typ•‘ repräsentieren, dessen Bedeutung und Wirl<ung gerade wir jüdischen Zuschauer —- trotz der nieist kleinen Episodenrolle - nicht übersehen sollten. Dieser jüdische Typ ist entweder der jüdische Konfektionär, vom Stift bis zum Chef des Hauses, oder als knalliger Gegensatz zu diesem Modefatzken, der alle krumme Ostjude mit schmutzigem Kaftan und wallenden Peies, Gleichzeitig, um die Wirkung zu unterstreichen und den fehlenden Humor zu ersetzen, bringt man abgeschmackt: jüdische Wit/.e als Zwischentitel. So mußte inan in den! letzten l’fafilm .,Durchlaucht Radieschen“ den kleinen Staat, in dem er spielen soll, ausgerechnet .,Mazz.e-Goinien“ nennen, und als in diesen! gesegneten Ui'aland eine Revolution beginnt, muß natürlich ein alter Ostjude erscheinen, um noch schnell Lebensver- Sicherungsverträge abzuschließen. Wir begegnen hier de« gleichen liebeln, die wir früher in der minderwertigen, aber sehr verbreiteten Literatur fanden. Wer einmal eines dieser kleinen Kinos besucht hat — und gerade sie machen die, Masse aus wird leicht bemerken, wie sich bei Erscheinen eines solchen ״jüdischen Typ“ stets ein großes Gelächter erhebt, das anders klingt, als das sonstige Lachen. Diese Darstellung, die noch meist durch nicht jüdische Darsteiler verzerrt wird, bedeutet eine systematische Verhetzung des Publikums, eine Wirkung, die der betreffende Regisseur von dieser oft nur kleinen Episodenrolle vielleicht *gar nicht erwartet hat, als er wohl an einen Lacherfolg, aber nicht an die Art und den Grund eines solchen Gelächters gedacht hat. Fs ist hohe Zeit, daß diese Mißständc aufhören. M a \ K o 1 p e 11 i t / k v. Der Jude im deutschen Film ist und bleibt eine Kabarettkarikatur. So sah man neulich in dem Film ״Brennende Grenze“ eine komisch sein sollende Szene mit einem Juden: Ein Freibeuterhauptmann überfällt einen Gutshof und requiriert die Pferde, welche er an einen Juden verkauf!, um das Geld in Sekt umwatideln zu können. Ein Regierung— kommissar will sich der Dame gefällig zeigen und läßt ihr die Pferde zurückbringen. Da komm( der Jude mit Schläfen¬ Gustav Wtttkowsky Aelüumlvierzig Jahre alt, auf der Höhe eines Lebens der Tat, der Kraft und des ungebrochenen Willens ist Gustav Wittkowsky abberufen worden. Um diesen Mann trauert nicht seine Familie allein. Der gesamte Zionismus, dem _er sein Leben geweiht hatte, seit Herz! seinen ersten Hut erschallen ließ, hat ihn verloren. Die Vollmenschen, die ganzen Persönlichkeiten sind ja tiberall zu spärlich gesät, als daß der vorzeitige Tod eines solchen Mannes nicht eine schwer ,־itixzufüllemle Lücke in unseren Reihen hätte!unterlassen sollen. Viele mögen nur wenig von ihm wissen. Demi er vermied es immer, mit seiner Person Siervorzutrden, Und doch hatte schon WO! sein Auftreten auf der ־/,weiten Kattowit/er Konferenz als ein Ereignis gewirkt. Kein Geringerer als W o I f f s o h 11 hat schon früh erkannt und ausgesprochen, daß in Wittkowsky die Eigenschaften des echten Führers vereinigt waren. Die selbstlose Bescheidenheit hat ihn nie• mals gehindert, sich überall da mit seiner ganzen Persönlihkeil in die vorderste Kampffront zu werfen, wo es ihm למען ציון erforderlich schien, oder wo er Unrecht sah. Es ist für ihn bezeichnend, daß er im Berliner Zionismus zum ersten Male hervortrat, als es galt, für die Sache des zu l/nrecltf aus seinem Amt entfernten Rabbiners Emil Cohn sich ciiizuseizen. Er hatte an sich seihst bereits erfahren, wie Unrecht und Unduldsamkeit wirken. Anfänglich in einer westfälischen Stadt als Arzt tätig, hatte er sich bereits die Zuneigung und Anhänglichkeit einer zahlreichen Klientel er• worben, als es dem Vikar einfiel, seine Gemeinde zu warnen, sieh von dem Juden hehandelii 711 lassen. So kam er nach Berlin und schuf sich dort durch sein ärztliches Wissen und Können sowie durch seine Menschenfreundlichkeit einen umfangreichen Wirkungskreis. Das hat ihn nicht gehindert, einen großen Teil seiner Zeit und Arbeitskraft seinen jüdischeu und zionistischen Idealen zu widmen. Als während des Weltkrieges eine kleine Zahl älterer Zionisten zu einer konservativ eingestellten Gruppe sich zusammentaten, da war es Wittkowsky, der einen großen Teil der Arbeit leistete und sogar von der Front her Leitartikel für die ״Jüdische Presse" schickte, die damals dieser Gruppe gehörte. Als später nach dem Kriege sich die zionistische Sondergruppe ״Bitijan Haare/“ bildete, gehörte Wittkowsky zu ihren führenden Köpfen. Noch in den fetzten Jahren, als bereits die Krankheit ihre ersten Schatten auf sein Leben warf, hat er mit seinen Freunden Hildesheimer und Th eil- 11 a hr r eine Aer/tevereiiiiguug gegründet, um für die Freiheit des Amt «.-Standes zu kämpfen, und auch hier hat ihm erst der Allbe/wingcr Tod die Feder aus der Hand nehmen können. Im Besitz eines eigenen umfangreichen ärztlichen Wirkungskreises stand er doch in den vordersten Reihen im Kampf 11m Freiheit und Recht des jungen ärztlichen Nach- Wuchses. Die Jugend war es vorzüglich, der er sein Herz, sein Wissen lind sein Können widmete, Wittkowsky besaß eine ungewöhnlich große Bildung auf den verschiedensten wissenscliaftlichen und kulturellen Gebieten, und afles das steiite er in Schriften und Vorträgen uuennüdlich in den Dienst der Jugend. Keine geistige Neuerscheinung blieb ihm fremd. Ob er über Politik oder Sozialwissenschaft sprach oder schrieb, oh über Spengler oder die Funde von Tel Amarna, Musik oder Sport, immer vermochte er die Jugend mit sich fortzureilicii und auch den Reiferen etwas zu geben. Hat doch seine Arbeit über die jüdische Prophetie ihm Anerkennung auch aus den wissenschaftlichen Fachkreisen eingetragen;‘ ־ _ '־ •"; ‘ ""’’ '׳■" '’ ׳ So ist Gustav W i 11 k o w s k y aus einem Leben voll Tat und Rat dahingegangen, und es sind nicht seine Familie, nicht seine Freunde allein, die ihm nnchrufen: ״Denn er war unser." E. S i m o 11 s o n. * Am Dienstag, den 3. d. Mts., fand unter großer Beteiligung die Beisetzung' von Dr. Gustav Wittkowsky in Wetten* see statt. Rabbiner Dr. Emil C o h 1t hielt eine tief empfundene Gedenkrede. Namens der Z. V. f. D. und des engeren Freundeskreises sprach Dr. Alfred Klee und namens der jüdischen Aerzteschaft Dr. S. Hildesheimer. Die Berliner Wahlprolesie Die nochmalige Feststellung des Wahl res ult a t c s der Berliner jüdischen Repräsentantenversammtung gemäß den bekannten neuen Verfügungen des Berliner Polizei- Präsidenten findet Sonntag, den 10. d. M.. 9 Uhr vorm., in den S o p 11 i c n s ä t c 11 (Sophienstr. 17/18, heim Bhf. Börse) statt. Die Prozedur ist öffentlich, für Publikum ist der Zutritt zur Galerie frei. locken und Schaftstiefeln gelaufen und ruft, während er mit den Händen gestikuliert: ״Für mein Gehl! Für mein Geld!“ Der H.1uptmann lacht und brüllt im Lachen: ״Stellt ihn an die Wand." Der Jude zittert übertrieben in komischer Angst, steckt dem Feldwebel heimlich einen Geldschein zu und rennt knuumbeinig weg. — In dem deutschen Film ״Die dritte Eskadron“ sieht mau eine ähnliche Karikatur eines Juden: Ein jüdischer Gehlverleiher rennt seinem Schuldner, einen! jungen Oberleutnant, nach, um den fälligen Wechsel ein/ulösen. Der Offizier will die ״Klette" abschütteln und ruft seinen Soldaten zu: ״Jungens, auf den Feind!“ Die Soldaten stürzen sich mit Besen und Schippen auf den Juden. Der Offizier lacht und das Kinopublikmn lacht mit. — Ich habe nichts dagegen, wenn böse Juden dargesteift werden, aber es sollen Gestalten sein und keine Karikaturen. David Ar je 11. Kollektivausstellung Pasternak. Der in Berlin lebende bekannte russische Maler, Professor Leonid Pasternak, vollendete am 4, April sein 65. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß wird demnächst in Berlin eine K o 11 e k t i v a u s - stell 11 n g seiner Bilder, Zeichnungen und Graphiken eröffnet werden. Pasternak war 20 Jahre lang Lehrer an der Kunsthochschule zu Petersburg und gehörte zu dem Freundes, kreise Tolstois, dessen ״Auferstehung“ er illustriert hat, 11! den russischen Galerien hängen zahlreiche seiner Bilder, und auch das Luxembourg-Museum in Paris besitzt einiger seiner Werke. Pasternak hat vor einigen Jahren Palästina be* sucht; die künstlerische Ausbeute sind eine Reihe Zeichnungen und Gemälde des alten und neuen Palästina, deren Vereinigung zu einem ״Palästina-Album" geplant ist. Pasternak hat eine Reihe jüdischer Persönlichkeiten porträtiert, so u. a. Lin* stein, Sokolow, Bialik, Joel Engel, den Moskauer Oberrabbiner Mase u. a." m. Bekannt sind seine Porträts von Lovis Corinth und Adolf v. Harnack. Lovls Corinth hat in seinem letzten Lebensjahre Lconid Pasternak porträtiert. im Rmai Jheatre in London wurde soeben ״Dybttk" in englischer Uebersetzung gegeben,