Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 208 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28 ״Antisemitismus und Jugend“ Ein Vortrag• Arnold Zweigs. Im gastlichen Hause von Herrn und Frau Siegfried Hirse 11 sprach vor einer größeren Gesellschaft Arnold Zweig über ״Antisemitismus und Jugend“. Der Vortrag fand im Rahmen eines Zyklus über Erziehungsträger! statt, der von der ״J ü - dischen Waisenhilfe E. V., Gesellschaft zur Forderung und Erziehung jüdischer Waisenkinder zu produktiver Arbeit“ veranstaltet wird. Nach einer feinsinnigen Einführung seitens des Gastgebers entwickelte Arnold Zweig in gedrängter Form seine Gedanken über Erziehung der jüdischen Jugend, die er — wie er sagte — in einem demnächst erscheinenden Buche ,.Caliban oder Politik und Leidenschaft“ breiter und gründlicher behandelt. Daß die jüdische Jugend unter dem Antisemitismus zu leiden hat, sagte er, ist kein normales Phänomen. Sogar im Tierleben kämpfen die Erwachsenen gegeneinander, die Kinder bleiben außer Spiel; man kämpft ja nur gegen seinesgleichen. Nur bei großen Katastrophen werden diese Lebensgesetze überschritten. Der Antisernitismus aber hat Katastrophencharakter, da er nicht der Lieberlegimg, sondern Affekten entspringt. Erst nachträglich sucht man für diese Affekte eine ,,wissenschaftliche“ Grundläge. Aber gerade diese Form des ״Krypto-Antisemitismus“, der sich als kühl abwägend gibt, aber doch vorn Affekt vergiftet Ist, ist der gefährliche, weil er sich schwerer abreagiert. Man schämt sich, mit nackten Affekten herumzulaufen und drapiert sich mit ״Wissenschaft“. Der Antisemitismus tritt als Gruppenaffekt auf und hat darum ansteckende Kraft. Er infiziert die weniger widerstandsfähige Jugend leichter. Die traurigsten Erscheinungen zeitigt der Antisemitismus unter der jüdischen Jugend. Dies zeigt sich am charakteristischsten im ״Fall Ratlienau“. Dieser geniale Mann war, sobald er in die Öffentlichkeit trat, wie erstarrt, als ob ein Eis auf ihn gefallen wäre. Er war von dem Gefühl beherrscht; wie verhalte ich mich, um bei den Antisemiten Gnade zu finden? Er wollte als der ״edle Jude“ erscheinen. Diese Gefahr der Vergiftung des Eigenlebens ist bei der Jüdischen Jugend akut. Der junge Jude wird durch das immerwährende Verneintwerden besinnlich, statt tataffektisch. Der Wille wird gebrochen. Er weiß im Anfang nicht, wie er mit seinem Weg fertig werden wird, ob er ihn zu Ende gehen wird. Er wird zu sehr vergeistigt, oder zaghaft, oder hochmütig ablehnend der Welt gegenüber. Das" Losreißen dieser Jugend von ihrer seelischen Isolierung ist 1tn Interesse der Gemeinschaft notwendig״ Die Gruppenerziehung ist ein Mittel zu diesem Ziel; die Jugend kann sich gegenseitig jene Stütze sein, die zum Bestehen des Lebenskampfes als Jude und Mensch notwendig ist. Er pries die Arbeit der ״Jüdischen Waisenfürsorge“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Waisenkinder in Kinderrepubliken zu erziehen und der Jugend die Möglichkeit zu geben, konfliktlos zu leben. Im Verlauf des Abends sprachen noch einige Mitarbeiter von Dr. Siegfried Lehmann, des Schöpfers des schon zum Begriff gewordenen ״Kownoer Kinderhauses“, so u. a. Herr Czuczka, Rabbiner Dr. Wiener, der die Anregung zur Bildung eines Junggesellenverbandes für Waisenerziehung gab, und Frl. Dr. Dukas, die namens des Arbeitsaus- Schusses die Geschichte der Lehmannschen Gründung erzählte und insbesondere das Erwachen der Persönlichkeit der früher dem Verkommen preisgegeben gewesenen Waisenkinder schilderte. Unter der Devise ״Von der Straßenhorde zur Gemeinschaft“ sammelte Dr. Lehmann die in den Straßen sich herumtreibenden jüdischen Kriegs- und Pogromwaisen, konzentrierte sie in dem Kownoer Kinderhaus, wo er sie zu stelzem und nützlichen Menschen erzog. Diese etwa 200 Kinder sind jetzt zum größten Teil in der schönen Kolonie ״B e 11 Schemen“ in Palästina untergebracht, die Kinder verwalten ihre Kolonie musterhaft, führen alle Arbeiten, sogar die Bauliehkeiten, mit eigenen Händen aus. Geplant ist die Schaffung einer Musterkolonie von 800 bis 1000 Waisenkindern. Laut der Statistik des Joint gibt es in Osteuropa zirka 25 000 jüdische Waisen. Herr Dr. Mark Wischnitzer schilderte die Tätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden auf dem Gebiete der Waisenerziehunpp Zum Schluß appellierte der Gastgeber, Herr Siegfried Hirsch, an die Anwesenden, den Gedanken der jüdisehen Waisenhilfe in weitere Gesellschaftskreise zu tragen, damit das von Dr. Siegfried Lehmann begonnene große Werk zu einem guten Ende geführt werde. (J.T. A.) Jubiläumsfeier des K. K. L. in Kopenhagen Am Donnerstag, den 31. März, fand in Kopenhagen eine Jubiläumsfeier anläßlich des 25 jährigen Bestehens des K. K. L. statt. In einer kurzen Einleitungsrede skizzierte Herr Dr. Werner Bloch die vom K. K. L. geleistete Arbeit und dessen Aufgaben. Zugleich führte er die Erschienenen in die wichtigsten Fragen des palästinensischen Jischuw ein, um auf diese Weise das Publikum für den dann folgenden Liehtbildervortrag vorzubereiten. Fräulein Flelga Melchior, die Tochter des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, die soeben von einer längeren Palästinareise zurückgekehrt ist, zeigte über 60 eigene schöne Photographien aus Palästina. Der Vortrag vermittelte einen persönlichen unmittelbaren Eindruck der Reisenden. Der jüdische Gesangverein ״Hasamir“ beschloß durch guten Vortrag einiger Chorlieder den ■würdig verlaufenen Abend. Zum XV. Kongreß Im Aufträge der Landesschekelkommission für Deutschland haben wir bisher an 352 Orte Schekelblocks versandt und die Leitungen der Ortsgruppen bzvv. die Ortsschekelkommissionen ersucht, die Blocks unverzüglich zu verteilen und für den sofertigen Beginn der Sammlung Sorge zu tragen. Wir hoffen, daß die Schckelsammlung bereits überall mit größter Intensität durchgeführt wird, und verweisen an dieser stelle noch einmal auf den Schekelaufruf in der ״Jüdischen Rundschau“, der von allen Parteien und Gruppen im deutschen Zionismus gemeinschaftlich erlassen wurde. Alle Angehörigen der Zionistischen Organisation, Männer und Frauen, Jung und Alt, sind verpflichtet, den Schekel zu entrichten und in ihrem Bekanntenkreise für ihn zu werben. Der Preis des Einheitsschekels beträgt 1 M. D a s Wahlrecht zum Kongreß ist von der Zahlung des Schekels für das Jahr 5687 abhängig. Wir bitten die Leitungen unserer Ortsgruppen bzw. die Ortsschekelkommissionen dringend um laufende Berichterstattung über das Ergebnis der Schckelsammlung und um m o n a t - liene üeberweisung der vereinnahmten Schekelgelder. (Die erste Üeberweisung der Schekelgelder aus jedem Orte muß bis spätestens 30. April d. J. erfolgen.) Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W 15, Meinekestr. 10, Postscheckkonto: Berlin 8091. Die A n g 1 o P a 1 e s t i n e Company teilt mit, daß Herr S, Shababo, der Leiter ihrer Filiale in Haifa, aus Gesundheitsrücksichien von seinem Posten zurücktreten mußte und daher nicht mehr zeichnunasberechtigt ist. Kleine Nachrichten Samuel Untermyer, der sich augenblicklich auf einer Weltreise befindet, wird von Kairo aus im Flugzeug in den ersten Apriltagen in Jerusalem cintreffcn und zwei Tage in Palästina verweilen. Professor August Gampcrt von der theologischen Fakultat der Universität in Genf weilt jetzt in Palästina. Er will die neuen archäologischen Funde in Palästina besichtigen und das jüdische Aufbauwerk am Lande kennenlernen. Prof. Gambert hat der zionistischen Exekutive ein Einführungsschreiben von Prof. R a p p a r d vorgelegt. Das Jubiläum des Misrachi wurde in Palästina am 25. und 213. Adar gefeiert. In einer Massenversammlung in Jerusalem sprachen Oberrabbiner Kttk, Rabbiner Meyer Berlin und Rabbiner J. L. Fischmann, Ein ähnliches Meeting fand in Tel-Awiw statt. Zu Ehren von Leo M o t z k i n , der sieh zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalt nach Palästina begibt, fand in Paris ein Bankett statt, dem zahlreiche führende jüdische Persönlichkeiten beiwohnten. Im Verlauf des Monats Februar wänderten 320 Personen aus Palästina aus, un'er ihnen waren 289 Juden. Im Verlauf des Monats März sind 164 Personen aus Polen nach Palästina eingewandert, unter ihnen 20 Passah-Touristen. Herr Dr. Jehuda W i 1 e n s k y, der Delegierte des Hauptbiiros für Brasilien, hat die Städte Pernambuco, Bahia, Rio de Janeiro, Macio, Sao Paulo, Santos und Curtyba besucht und Zeichnungen im Betrage von £ 4000 erzielt. Sein Besuch hat erheblich zur Stärkung der zionistischen Bewegung Brasiliens beigetragen. Herr Dr. Wilcnsky begibt sich von Brasilien aus nach Chile und von dort nach Argentinien. Die Keren Hajessod-Aktion in Jugosiavien hat dank der Leitung durch Herrn Lazar Abramovitch, des Delegierten des Hauptbüros, Herrn Prof. Pazi, in diesem Jahre einen großen Aufschwung genommen. Im Monat März allein erhielt das Hauptbüro des Keren Hajessod aus Jugosiavien als Ergebnis der Kampagne in Zagreb den Betrag von über £ 1000. Die erste Sitzung der speziellen Sanierungskoni־ mission für die Eniek-Siedlungen, die von der zionistischen Palästinaexekutive bestellt wurde und die aus Vertretern des Waad .Habriuth, des Kolonisations- und Technischen Departments besteht, wurde in J e r u s a 1 e m am 28. März abgehalten. Dr. H a r k n e s s, Direktor-Stellvertreter des Public Health Departments, nahm an dieser Sitzung als Vertreter der Reg i c r u n g teil. In den ersten fünf Monaten des Kalenderjahres 5687 haben 4594 Personen in Palästina sich zur Zahlung eines Betrages von £E 9523 an den Keren Hajessod verflichtet. Das Keren Kajemeth- Komitee für Palästina erichtet für dieselbe Periode Bareingänge im Betrage von £E 1883. Die größte Einnahmequelle für den Nationalfonds waren Büchsen und Goldene Buch-Eintragungen. Dr. David Prato, der neue Oberrabbiner von Alexandrien, machte einen kurzen Besuch in Palästina. Oberrabbincr Prato war früher mehrere Jahre in Florenz als Generalsekretär des italienischen Keren Hajessod. Ab 1. März beschäftigte der Solei Boneh 1311 Arbeiter, und zwar: 589 hei Baliarbeiten, 307 bei Ausgrabungsarbeiten, der Rest bei Transport, Tischlerei, Steinbrucharbeiten, Metallarbeiten, Ueberwachung usw. Kontrakte im Betrage von £E 79789 sind noch auszuführen. Wie die Pal. Tel. Ag. meldet, hat das Jerusalemer Hauptbüro der großen Londoner Ingenieurfirma Sir John Jackson Ltd., welche voriges Jahr auch die Wasserversor• gung in Jerusalem regelte, den Auftrag erhalten, eine Brücke über den Euphrat, bei Fallujah, zu bauen, v die die Hauptstraße zwischen Damaskus und Bagdad verbindet. Die Gesellschaft hofft, in kurzem auch einige "große Kontrakte für öffentliehe Arbeiten in Palästina abzuschließen. In der ״Official Gazette“ der palästinensischen Regierung wird die offizielle Benennung von Kfar J e c h e s k i e l verzeichnet. Der Keren Kajemeth hat diesem Kleinsiedlcrdorf auf seinem Boden bei Nuris in der Jesreel-Ebene diesen Namen nach dem Wunsche eines Spenders, der £ 3&000 für die Er- Werbung des Bodens gewidmet hat, gegeben. In der dieser Tage in New Y o r k abgehaltencn Konferenz der amerikanisch-jiiaischen Wandererschutz-Gesellschaft Hias wurden offizielle Mitteilungen der Regierungen der Südamerikanischen Republiken Peru und Paraguay verlesen, aus denen hervorgeht, daß die südamerikanischen Staaten einer jüdischen Einwanderung in diese Länder freundlich gegenüberstehen. Die in Salt Lake City verstorbene Frau Klara Weinstein hinterließ 23 000 Dollar für den Keren Hajessod. Der Präsident der Wilnaer jüdischen Gemeinde, Dr. Jacob W y g o d s.k y, einer der populärsten jüdischen Führer in Polen, beging in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag. Es ist geplant, in Palästina einen Landesverband der ״W e 11 j u g e n d I i g a“ zu gründen. Das provisorische Sekretariat befindet sich im Austria Hospice, P. O. B. 265, Jerusalem. Kowno, 5. April. (J.T. A.) Das Todesurteil gegen den jüdischen Arbeiter Chaiin Melamed wurde vollstreckt, während die gleichzeitig zum Tode verurteilten zwei christlichen Sozialdemokraten zu langjährigem Kerker begnadigt wurden. Cherson, 2*!“ März. (J.T. A.) Die erste Session der Sowjets des neugeschaffenen autonomen jüdischen Rayons, die in Sede Menucho, dem Verwaltungszentrum des neuen Rayons, stattfand, ging am Freitag zu Ende. Es wurde ein Distrikts-Exekutivkomitee gewählt, das aus 17 Personen, 8 Kommunisten und 9 Unparteiischen, bestellt. Zum Präsideuten wurde Abraham Strashun gewählt. In Lodz verstarb im Alter von 58 Jahren der Rabbiner von Konsk, Nathan David Rabinowicz, ein Sohn des einst berühmten Konskcr Rabbi Pinchas. In Strikow verstarb im Alter von 83 Jahren der sehr populäre Ortsrabbiner David Bär Rosenberg. 111 der rabbinischen Welt genoß er wegen seiner immensen Gelehrsamkeit hohes Ansehen. Warschau, 4. April. (J.T. A.) Aus Hornel in Sowjetrußland trifft die Nachricht vom Ableben des bekannten Schriftstellers und Pädagogen Salonion Berman, der ein Alter von 70 Jahren erreicht hat, ein. Berman war eine Zeitlang der führende hebräische Pädagoge. Im Verlag ״Tuschiah“ erschienen von ihm mehrere Lehrbücher und Chrestomathien, sowie kurzgefaßte jüdische Geschichtswerke. Er begann auch eine großangelegte Geschichte der hebräischen Literatur, die aber nur bis zum Abschluß des Talmud gcdiehen und veröffentlicht worden ist. Er war auch Mitrcdakteur des von Ben-Jehuda herausgegebenen hebräisch-russischen Wörterbuches. Zum Generalsekretär des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wurde Herr Rechtsanwalt Dr. C h a r i g gewählt. Herr Dr. Chang war bisher in Emden Rechtsanwalt; er hat sein Amt am 4. April d. J. angetreten. Anzeigen als Anzeichen Ein Freund unseres Blattes macht uns auf folgendes Inserat in der ״Frankfurter Zeitung“ aufmerksam: 8rür meinen '״■«!mb, bem t» {riet an peflenber ©«!anmiämtt Irtit. fttt&e it& eitte $cau ®?ein greunb ift ätgronom in!Regierung#• bienften 80 3ajcc, grobe, fiattli$e (ftfAeittutta. ®r ift irt Silanen geboren Hölle SergteiamiliA in Scutießlanb erpgert, nt feinem ®eien burffl unb burtf! bcutfdj; ljorbgebUbeter telimöier tief־ tmpfinbenbec 'iRenfdr, frarfc ®erfönliajleit. ®ä fommnt nur in 4)ctracf,t junge ®?äbetren non trornefmter ®enfungbart. biä 25 3. au£ nur guter beutüb־iüb1fdjcr gamilie gefunb, |übf®, feijr inieHigcnt unb gut, bie ftiibiidi unb tapfer ba» Sebcn ju itefrmen oerftcoen — Vermögen niefrt etforbctfttf), ba anftänbtge» ®inlpnnse« oorbanbm. - •JJaturltrbc ®Tabiben. bie att ber Seite eines treuen ®?atme# in ®aläftitta!eben rootleit, mögen mit fflilb fdjreiben unter ,,Sfaronattt" 1*0 jf aas, «aifa, ®!Sfrelion!ugefttficrl unb oeronot Ein seltsames Gewächs muß dieser aus Litauen stammende, in Palästina wohnende, im Dienst der eng- I i s c h e n Mandatsmacht stehende, ״durch und durch deutsche“ — Jude sein! Der Verband ostjiidischer Organisationen in Deutschland ersucht uns um Abdruck nachstehender Mitteilung des polnischen Generalkonsulats: I. Sämtliche Militärpflichtige, die im Jahre 1927 musterungspflichtig sind, also die Jahrgänge 1904—1906, die in den Militärstammrollen eingetragen wurden, erhalten bis auf weiteres Aufschub des Musterungstermines im Sinne der Verordnung des Ministeriums für Heereswesen Nr. 5629/27 Tjn. Pob. Org. 31. 1. 1927. II. Die Musterungspflichtigen obiger Jahrgänge, die in die MiHtärstammrollen nicht eingetragen sind, können ebenfalls Aufschub des Musterungstermines nach Einreichung entsprechender Anträge erhalten. HI. Obige Vorschriften betreffen nicht die Musterung®- pflichtigen, welche a) sich vorübergehend im Auslande aufhalten (Urlaub, Kur, Studium usw.), b) unlegal Polen verlassen haben, mit der Absicht, sich der Militärdienstpflicht zu entziehen, c) in Polen bereits gemustert worden sind. — In bezug auf obige Kategorien bleiben die bisherigen Be- Stimmungen in Kraft. Vermischtes Der Schalom-AIeichem-Verein veranstaltet am Sonn• I abend, den 9. April, um 8 Uhr abends, im eigenen Lokal I (Kleistr. 9) einen Vortrag des ehemaligen ersten Ministers füi I jüdische Angelegenheiten in der Ukraine, Herrn Dr. Moses I Silberfarb, über das Thema: ״Die Februar-Revolution I und das Schicksal der national-personalen Autonomie“. I Gruppe der Zionisten aus dem Osten. Am Montag, den I 11. April, abends 8 LJhr, spricht im Gemeindehaus, Rosenstraße 2/4, Herr Dr. Soloweitschik über ״Die gegenwärtige Lage im Zionismus“. Wir erwarten recht zahlreichen Besucn. Leo Gollanin gibt am Mittwoch, den 13■ April) abends 8;Uhr״ in• der, .Singaferfeff1|e..(Am,Ka«tenie!jwIkfcl»e.n,״l%ter den Linden) einen Arien- und Liederabend unttr Mitwirkung V von Fe’ix Robert Mendelssohn (Cello). Begleitung Coenraad V. Bos. Das Programm enthält Arien von Gluck und Händel (zum Teil mit Cellobegleitung) und Lieder von Beethoven ,Schubert und Brahms. Karten bei Bote & Bock und A. Wertheim. K, J. V. ln kleinerer westdeutscher Stadt besteht Niederlassungsmöglichkeit für einen Augenarzt. Wohnung vorhanden. Meldungen an das Büro des K. J. V.״ Berlin W!5, Meinekestr. 10. Misrachi, Berlin. Die Büroriume des Zentralbüro des deutschen Misrachi befinden sich jetzt Weinmeisterstr. 18, 2 Treppen. Die Gesellschaft ORT, Abt. Deutschland, hat am 1. April in Berlin einen Kursus zur Ausbildung jüdischer Chauffeure errichtet. Dank einem mit dem Verbände der Droschkenbesitzer abgeschlossenen Vertrage ist die Anstellungsmöglichkeit der den Kursus absolvierenden und einen entsprechenden Führerschein erlangenden Chauffeure gesichert. In dem ersten Kursus sind zehn junge Leute aufgenommen worden. Ihrer Staatszugehörigkeit nach zählt man unter den Kursusteilnehmern: 4 Preußen, 3 Staatenlose, 1 Russe, 1 Pa! äst inenser und 1 Tschechoslowaken. Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Am Sonntag, den 3. April, fand im Repräsentanten-Sitziingssaa! der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die Mitgliederversammlung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden statt, die aus allen Teilen des Reiches zahlreich besucht war. Der Geschäftsführer Herr Dr. OUendorff erstattete deit Tätigkeitsbericht; den Rechnungsabschluß legte für den Vorstand Herr Otto Eskeles, Berlin, vor. Dem bisherigen geschäftsführenden Vorstand wurde Entlastung erteilt. Die neue Satzung der Zentralwohlfahrtsstelle wurde einstimmig angenommen. Zum Vorsitzenden der Zentralwohlfahrtsstelle wurde Herr Rabb. Dr. Leo Baeck, Berlin, gewählt. Die Wahl einer Anzahl Sachverständiger zu Mitgliedern des Gesamtvorstandes folgte. An die Mitgliederversammlung schloß sich eine ebenfalls zahlreich besuchte Sitzung des neuen Gesamtvorstandes an, der einen geschaftsführenden Vorstand von zunächst 13 Mitgliedern bestimmte. Gesellschaft ״Raananiiah". Die sechste allgemeine jährliehe Versammlung der Gesellschaft ״Raananijah“ findet am Sonntag, den 24. April d. J., in Tel-Awiw, Erez-lsrael, Shderoth Rothshild, im Zionistischen Klub, statt. Falls die Mitglieder sich zu dieser Versammlung nicht in einer den Satzungen genügenden Anzahl einfinden werden, so wird die Versammlung auf 8 Tage verschoben und findet am Sonntag, den 1. Mai d. J., in demselben Raume, zu derselben Zeit, statt, und ist sie dann bei jeder Mitgliedsanzahl gesetzlich. Verwaltung der Gesellschaft ״Raananijah“, m. b. H., Tel- Awiw, P.O.B. 291. Berichtigung. In der Notiz über die von Prof. Perles in Jerusalem zu haltenden Vorlesungen muß es statt ״Kritik biblischer Texte“ richtig heißen: ״Uebungen zur Textkritik der hebräischen Bibel“. Unter der Redaktion von Leon Kornitzer, Hamburg, erscheint seit 1. April eine Zweimonatsschrift des Allgemeinen Deutschen Kantoren-Verbandes unter dem Titel ״Der jü־ dische Kantor“. Die Zeitschrift soll den Wissenschaftliehen und sozialen Interessen des Kantorenstandes dienen.