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Jüdische Rundschau · 1927-04-08 · Heft 28 (8.4.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 28 (8.4.1927)
Date
1927-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 JÜEOISCHE RUNDSCHAU Seite 205 Der A*toan Palästinas als Aulgabc aüer laden Die Reden Weizmanns und Marshalls in New York Wir haben bereits über das Diner kurz berichtet, das am 22. März In New York m Ehren von Marshall und Weltmann stattfand uttd bei welchem Dr. Weizmann zum letzten Male vor seiner Abreise sprach. Es liegen jetzt ausführliche Berichte Ober diese Veranstaltung und der Wortlaut der Reden vor, die als hochwichtige Kundgebungen zu werten sind. Der ״Friedensschluß'4 hat schon mehrfach praktische Ergebnisse gehabt. So hat z. B. Marshall bei einer Veranstaltung in Far Rockaway, N. Y., am 13. März eine große Rede zugunsten des ״United Paiestine Appeal“ gehalten. Bei dieser Gelegenheit polemisierte Marshall sehr heftig gegen die landläufige Auffassung, das ״Reform-Judentum“ (in Deutschland ״liberales Judentum“ genannt), sei mit der Palästina-Idee unvereinbar. In der Bankettrede vom 22. März bezeichnet^ Marshall klar und deutlich den Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina als Aufgabe a 11 er Juden. Wir geben nachstehend den Bericht der ITA über das Bankett wieder. New York, 23. März (J, T. Ä.) Mehr als 800 prominente Juden New Yorks, Zionisten und Nichtzionistcn, wohnten dem Diner bei, welches ein aus Zionisten und Nichtzionisten zusammengesetztes Ehrenkomitee den Herren Dr. Weizmann und Louis Marshafl gegeben hat. Richter Lehmann, der die Veranstaltung leitete, hielt an die beiden Ehrengäste eine Ansprache, in der er aus!ährte: Als wahre und treue Führer habt Ihr Eure Anhänger aufgefordert, die Ansichten, über die man nicht übereinstimmt, der Zeit zu überlassen und sich sofort über das zu einigen, was jetzt nottut. Diese Versammlung ist die Antwort auf Euern Ruf. Als sich aus Dr. Weizmann zu einer Ansprache erhob, wurde ihm eine langdauemde Ova* tlon bereitet und ein großer Teil der Anwesenden stimmte die Hymne ״Hatikwah“ an. Ich halte es für meine Pflicht, zu betonen, sagte Dr. Weizmann, daß die Kommission, die ira Begriffe ist, sich nach Palästina und dem Orient zu begeben, um dort Prüfungen und Erwägungen anzustellen, nicht darüber zu entscheiden haben wird, ob Palästina aufgebaut werden soll oder nicht. Eine solche Entscheidung ist schon vor Tausenden von Jahren getroffen worden. Die Kommission wird nur darüber zu befinden haben, welches die besten Wege und Mittel zum Aufbau sind. Es ist nicht möglich, die Ergebnisse einer solchen Prüfung vorwegzunehmen; aber es ist mir vollkommen klar, daß ein Teil der bisherigen Methoden abgeändert, modifiziert, ein anderer Teil kritisiert, ein weiterer Teil schließlich gebilligt werden wird. Im Namen aller überzeugungstreuen Zionisten kann ich versichern, daß uns eine faire, unparteiische und vorurteilsfreie Prüfung sehr genehm ist, da wir sehr wohl wissen, daß das Resultat sokjiea . Btifaeg.; eine; JP’d rd « r h'.n g "« s'd'. I n f e n - slvierung unserer Bemühungen sein wird. Ich wage es, heute auszusprechen, daß die Besten in Israel, ob sie sich nun Zionisten nennen oder nicht, es deutlich empfinden, daß nun die Zeit gekommen ist, da kein einziger Jude es unterlassen dürfe, einen Stein zu dem Aufbau von Jertischalajem schel mattah beizutragen, um auf diese Weise eine Verwirklichung von Jeruschalajctn schel maalah herbeiführen zu helfen. Zu Marshall gewendet sagte Weizmann: Ich wende mich an Sie, Herr Marshall, der Sie als ein Führer der amerikanischen Judenheit den Weg zur Realisierung dieser fundamentalen Bestrebungen gewiesen haben. In diesem Jahre sind Sie 70 Jahre alt geworden, und Sie haben an Leistungen für das jüdische Volk einen Rekord gestellt. Sie haben nun diesem Rekord eine Tat beigefügt, die ewig fortwirken wird. Palästina macht jetzt eine schwere Zeit durch. Die Schwierigkeiten liegen aber nicht in Palästina selbst, sondern in erster Linie in der ungeheuer kritischen Lage der Juden in Osteuropa. Der Druck auf die Tore Palästinas ging über die Aufnahme in ö 1 ״? c h k e i t c n des Landes hinaus. Wir müssen dieser zeitweiligen Schwierigkeiten Herr werden. Ich hoffe, daß Zionisten wie Nichtzionisten uns ihre Kräfte hierzu leihen werden, damit der Weg gebahnt wird für weitere Prüfung und weitere Bemübung. Louis Marshall, von ianganhalfendem Applaus begrüßt, führte aus: Ich sehe keinen hier, der es wagte, sich einen A n t i 1 io - nisten zu nennen. Wir haben alle Etiketten vor unseren Namen abgetan und sind als Juden zusammengekommen. Wir sind durch verschiedene Etappen gegangen. Als zuerst die Idee einer jüdischen Kolonbation in Palästina ntiflcbtc, da war es notwendig, Propaganda zu treiben, um das Interesse der Juden zu wecken. Wir sind aus dieser Periode hinaus und in die Periode des Experiments cingctrclcn, die in der Anlegung von Siedlungen, in der Heranbringung von Kolonisten und solchen, die Palästina zu ihrer Heimat machten, bestand. Wir sind nun auch über diese Etappe hinaus und in die weitere Etappe des praktischen Aufbaus eingetreten. Wir sind jetzt in einer sehr wichtigen Periode der Geschichte Palästinas und der Geschichte der Juden überhaupt. Ich bin nicht Zionist, bin nie einer gewesen, fuhr Marshall fort. Einige Leute würden denken, dies sei e i!1 Scherz, aber ich wiederhole es, wie ich es immer gefühlt habe: ich bin etwas Besseres als Zionist oder Nichtzionist ich bin Jude. Unsere Vorfahren standen alle auf dieser selben Plattform. Es ist nun die Zeit gekommen, da wir über alles andere hinweg an die Tatsache denken müssen, daß das Problem Palästina ein jüdisches Problem ist. Es gab in der Vergangenheit Differenzen, es wird auch in der Zukunft Differenzen geben. Das Leben wäre sehr uninteressant, wenn wir alle nur die gleichen Ansichten hätten. Meinungsverschiedenheiten sollte es stets geben, aus verschiedenen Meinungen kristallisiert sich schließlich die Wahrheit heraus. Die Differenzen der Vergangenheit sind nun schon überwunden, die Wahrheit hat sich herauskristallisiert. Blicken wir nicht zurück, blicken wir vorwärts! Seitdem die Ralfour- Deklaration veröffentlicht worden ist, die auch an das American Jewish Comrhittee direkt gerichtet war, steht die amerikanische Judenheit auf der Plattform der Mitarbeit an dem Aufbau Palästinas. Als vor mehr als zwei Jahren Dr. Weizmann, der ein Idealist und Humanist ist, dabei über Diplomatie und feinen Takt verfügt, zu uns kam und uns fragte: ״Seid Ihr als Nichtzionisten bereit, mit den Zionisten zusammen zu arbeiten, indem Ihr in die auf unparteiischer Basis begründete Jewish Agency cintretet?4', da sagten wir aufrichtig: ״Ja.“ Wir wollten in die Agency eintreten. Unnötig, auf die Gründe einzugehen, die die endgültige Aktion hinausschoben. Es mag die Feststellung genügen, daß niemand auch nur einen Augenblick läng daran gedacht hat, die Idee an sich aufzugeben. Heute sind wir an dem Punkte an gelangt, da unsere Pläne un mittelbar vor der Vollendung stehen, wir werden in ein paar Tagen in der Lage sein, genau mitzuteilen, was getan werden muß und wer es tun muß. Es gibt einige, die ungeduldig werden, wenn man im Hinblick auf Palästina von praktischen Erwägungen ausgeht, ich würde es aber als einen Fehler betrachten, wenn wir fortfahren würden, in der Luft zu schweben. Für uns ist Palästina etwas Lebendiges, kein bloßer Traum. Wir sind durch die Träume hindurchgegangen. Man kann von Träumen nicht leben; Palästina braucht jetzt Brot. Diejenigen, die mit der Zionistischen Organisation auf der Basis der Jewish Agency Zusammenarbeiten wol'en, verfolgen keinerlei Privatinteresseru Sie wollen nur ihre Pflicht als Juden erfüllen. Eine besondere Mahnung an diese Juden erübrigt sich, sie wissen, daß die große Sache materielle und moralische Mittel erfordert Was uns nottut, ist nicht Streit, sondern Frieden und Einigkeit. Nabmn Sokolow in Amsterdam Der Vörkerbund - Kommissar Zimmermann über Palästina Amsterdam, 2. April (J. T. A.) Nahuni Sokolow sprach bei einer Kundgebung der Liga holländischer Zionisten zu Amsterdam, die unter dem Vorsitz von Dr. Henri Edc rsheim stattfand, über die jetzige Lage im Zionismus. Er war Gegenstand großer Ehrungen. In einer Keren Hajessod-Versammlung zu Rotterdam sprach der frühere Oberkommissar des Völkerbundes in Oesterreich und frühere Bürgermeister von Rotterdam, Dr. A. R. Zimmermann, über ״Palästina und der Völkerbund.“ Er gab einen historischen Ueberblick über das Palästina-Mandat und kam zu dem Schlüsse, daß die ganze Weit an einer guten Verwaltung Palästinas interessiert sei. — Anwesend waren der frühere Minister Dr. J. Th. dp Visser, sowie zahlreiche Politiker und Gelehrte. Präsident Masaryk io Palästina Für den Aufenthalt des Präsidenten der tschechoslowakisehen Republik, Masaryk, der am 8. April von Kairo nach Jerusalem abreist, ist folgendes Programm vorgesehen: In Jerusalem wird der Präsident, der inkognito reist, weshalb kein offizieller Empfang stattfindef, von Instituten nur die jüdische National- und Universitätsbibliothek besichtigen. Auf seiner Reise durch das Land wird Dr. Masaryk von Haifa aus die vornehmlich von tschechoslowakischen Juden besiedelte Iandwirtschaftliche Kooperative Beth-Alph a (״Kwuza Chefziba“) besuchen und von dort aus bei Beth Scnan über die neue Jordanbrücke auf das östliche Jordanufer fahren, wo er Daganiah besuchen wird. In Nazareth wird der Präsident übernachten und am nächsten Tage die von der zionistischen Frauenorganisation unterhaltene Mädchenlehrfarm in N 3 h a 1 a 1 und das Dort Nahalai besichtigen. Der tschechoslowakische Konsul in lerusalem, Dr. Fritz, wird den Präsidenten durch das Land begleiten, ln Nahalai werden sich ihm die Mitglieder der zionistischen Exekutive und die Leiter des Keren Hajessod und des Jüdisches Nationalfonds vorstellen. Der Kampf um den Seminarbau Jerusalem, 5. April. (J.T.A.) Die Zöglinge des Jerusalemer hebräischen Lehrerseminars traten in den Streik, um zu erzwingen, daß der Bauunternehmer, der das neue Seminargebäude aufführt, die Arbeiter durch das jüdische Arbeitsbüro engagiert. Der pädagogische Rat des Seminars verfügte daraufhin die Schließung der Anstalt. Der Kampf um die Anerkennung des Arbeitsamtes als Zentralstelle der Arbeitsverteilung wird in Jerusalem mit Erbitterung fortgesetzt. Die Arbeiterorganisation be harrt auf ihrer Forderung, daß bei einem aus öffentlichen, nationalen Mitteln bestrittenen Bau das Arbeitsbüro, das die ganze Last des nationalen Notstandes der Arbeitslosigkeit trägt, nicht au״ geschaltet werden darf, da dies die Position des Arbeitsbüro:■, untergraben and die weitere Erfüllung seiner schwierigen Aufgaben vereiteln würde. Auch die Arbeitsabteilung der Zionistischen Exekutive sowie der Waad Lcumi haben die Forderung der Arbeiterorganisation unterstützt. Trotzdem hat das Komitee den Vertrag mit dem Unternehmen unterzeichnet, ohne die Klausel aufzunehmen, die ihn zur Benutzung des Arbeitsamtes verpflichten sollte. Es verlautet, daß ein Mitglied des Komitees (Kalvarisk)j aus diesem Grunde demissioniert hat. Aus dem obigen Telegramm ist zu ersehen, daß die Sache zu weiteren Komplikationen geführt hat. Kault Palästina-Mazzotb! Jerusalem, 5. April. (J.T.A.) Der Oberrabbiner von Palästina, K u k, und die übrigen Mitglieder des palästinensischen Rabbinats erlassen einen Aufruf an das Judentum der ganzen Welt, zu den kommenden Passah-Tagen Mazzoth von der Grand Moulin zu Haifa zu kaufen, da die dortige Mazzoth-Herstellung nach streng rituellen Vorschriften ge* schieht, wobei hunderte jüdische Arbeiter beschäftigt werden. In dem Aufruf wird weiter gesagt, daß durch Bevorzugung der P a 1 ä $ t i 11 a - M a z z o t h der Aufbau des Heiligen Landes unterstützt wird. Die Rabbiner in der ganzen Welt werden aufgefordert, im Sinne dieses Aufrufes zu wirken. Die Manizipalwalden ln Jerusalem Die Juden stimmen für NaihatUbl Zwischen der Juden schalt Jerusalems (dem Waad Ha-ir) und den beiden arabischen Parteien, der vom Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi geführten gemäßigten Partei und der von Muss Kazim Pascha geführten extremen Partei der arabischen Exekutive, wurde nach langwierigen Verhandlungen ein Wahlabkommen geschlossen. Die Juden Jerusalems werden für 6 (von 8) Kandidaten der Nashashibi-Partei stimmen und bezüglich zweier Kandidaten sieh der Stimme enthalten, so daß die Hussein{- Partei diese zwei Plätze erobern kann. Damit ist eine Mehrheit für den bisherigen Bürgermeister Nashashibi gesichert, der sich verpflichtet hat, die jüdischen Forderungen nach größerem Anteil an den öffentlichen Arbeiten, mehr jüdischen Beamten und größere Berücksichtigung des Hebräischen zu unterstützen. Beide Parteien haben mit hebräischen Flugblättern um die jüdischen Stimmen geworben. Die Hussein!* Gruppe repräsentierte die scharf ,׳intizionisiisclic Partei der ,,arabischen Exekutive״, während die Nashashibi-Partei mit den Juden zu kooperieren bereit ist. Es ist in manchen Kreisen nicht verstanden worden, wieso bei dem bestehenden Kuriensystem die Juden einen Einfluß auf die arabischen .Mandate haben. Dies ist damit zu erklären, daß kein reines Kuriensystem, bei dem jeder Wähler nur in seiner Gruppe wählt, besteht. Vielmehr wurde nur die Zahl der Mandate jeder Gruppe entsprechend der Zahl der Wähler festgesetzt, und zwar 5 Mohammedaner, 4 Juden und 3 Christen; jeder Wähler jedoch hat alle zwölf Kandidaten zu ־wählen. Da die Juden eine Einheiisliste aufgestellt haben und keine andere jüdische Liste eingcrcicht wurde, sind die vier offiziellen jüdischen Kandidaten gewählt, ohne daß die Araber einen Einfluß ausüben könnten. Dagegen haben die Juden in der mohammedanischen und christlichen Kurie (zusammen 8 Mandate), wo konkurrierende arabische Listen stehen, den ausschlaggebenden Einfluß. Die Wahlen haben bereits begonnen, das Resultat ist noch nicht bekannt. Die Tote Meer -Konzession Wie ״Daily Chroniclc“ meldet, wird das Kolonial- Ministerium in Verbindung mit der Palästina-Regierung ln der nächsten Zeit die Konzession für die Ausbeutung der Mineralien des Toten Meeres vergeben. Nach dem genannten Blatte wurde vor eineinhalb Jahren ein offizieller Wettbewerb ausgeschrieben, es haben sich aber nur wenige Bewerber gemeldet. Die zwei oder drei Anwärter, die noch bestehen, werden sich wahrscheinlich zu einem Konsortium verschmelzen. Andere Zeitungen sprechen davon, daß der chemische Trust, an dessen Spitze Sir Alfred Mond steht, sich für das Konsortium interessiert. Die Konzession soll auf einundzwanzig oder fünfundzwanzig Jahre vergeben werden. Lösung des H8tl3s$ä * Koiilfflcts Aus Jerusalem wird der Ziko unter dem, 6. ä. M. telegraphiert: Die Kommission der amerikanischen Hadassah, die seit einiger יZeif i® Lande A«׳e?lt, ”11׳ der, 483er«! BeiAw der' Hadassah In Palästina zu kontrollieren und zu neuen Ver* einbarangen mit der zionistischen Exekutive hinsichfficli der Aufbringung der Mittel und der Kontrolle der Tätigkeit der Hadassah zu gelangen, hat im Namen der Hadassah mit der zionistischen Palästina-Exekutive eine Vereinbarung, die natürlich noch vom ZionistenkongrcB bestätigt werden muß, getroffen, wonach die Hadassah die volle Verantwortung für ihr vom Kongreß genehmigtes Budget übernimmt. Der Keren Hajessod wird somit dei Hadassah weiterhin keine Subventionen mehr zukommen lassen. Die Kontrolle der Hadassah obliegt dem amen• kanischen Direktorium unter Hinzuziehung eines Vertreters der zionistischen Palästina-Exekutive. In Palästina selbst wird die Hadassah von einem beratenden Komitee kontrollieri werden, das aus 6 Mitgliedern bestellt, von denen 4 von der Hadassah und 2 von der zionistischen Palästina-Exekutive ernannt werden. Die Ueberwindimg der Krise ״Haschofar“, das Organ der bulgarischen Zionisten, beschäftigt sich in Nr. 19 seines Blattes mit dem vielbesprochenen Ultimatum der Histadruth an die zionistische Exekutive bezüglich der Schaffung von Notstandsarbeiten und führt u. a. aus: Mit Recht empört sich die Arbeiterschaft gegen die Apathie der zionistischen Oeffentlichkeit, die den Jischuw seinem eigenen Schicksal überläßt. Das Ultimatum richtet sich nicht nur an die Leitung, sondern an das ganze Galuth. Der Krise muß ein Ende gemacht werden. Der beste Teil unserer Organisation darf nicht an Entbehrungen und Arbeitslosigkeit zugrunde gehen. Unsere Mittel dürfen nicht für unproduktive Unterstützungen verbraucht werden. Ats einfache Soldaten haben wir ein Recht zu fragen: Haben wir eine Leitung, die die Lage beherrscht? Unsere Oberleitung hat die Pflicht, die Oeffentlichkeit über die Maßnahmen aufzuklären, die sie trifft oder zu treffen gedenkt, um die Krise zu überwinden. Ist sic der Ansicht, daß sic nicht über die nötigen Mittel verfügt, oder daß sie von der Organisation nicht genügend unterstützt wird, so ist sic verpflichtet, schleunigst die höheren Instanzen anzurufen — das Aktions-Comite, ja den Kongreß — damit die nötigen Maßnahmen rechtzeitig getroffen werden. Wir sind tief überzeugt davon, daß Mittel gefunden werden können, mögen sie auch aus dem Gebiete der Chirurgie stammen. Bei der Regierung müssen Schritte unternommen werden, um für die Arbeitslosen Arbeit zu schaffen. Auch andere jüdische Organisationen •müssen herangezogen werden. Das Gefühl der Verantwortung muß im Galuth wachgerufen und eine verstärkte Tätigkeit für Palästina muß erzeugt werden. Eine aIIse it ige Mobilmachung ist erforder• lieh. Ausgaben für andere Zwecke müssen bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit herabgesetzt werden, und wenn auch dann noch nicht für alle Arbeit gefunden werden kann, dann muß die Leitung den moralischen Mut haben die Emigration jener Elemente zu organisieren, die in• folge Untauglichkeit oder aus anderen Gründen keine »Aussicht haben, im Lande wirtschaftlich Fuß zu fassen. Kein mißverstandenes Schamgefühl darf auch vor einer solchen Maßnahmen zurückschrecken. Der Weg muß frei gemacht werden für eine neue Immigration und Kolonisation, die dieses Mal nicht auf dem Zufall beruhen darf, sondern sich organisch entwickeln muß. (Es ist interessant, au dieser Stelle ähnliche Gedanken zu finden, wie sie auch in der ״J. R.“ ausgesprochen wurden. — A. d. R.)

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