Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1927)
- Date
- 1927-04-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 200 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27 wir helfen ihm durch Arbeitsvieh, und zwar den Kibbuzim sowohl als auch dem einzelnen Arbeiter in den Kolonien. Das Problem des jüdischen Arbeiters in der Kolonie, in der privaten Wirtschaft des Kolonisten, ein Problem, das das zionistische Denken im Laufe der letzten 20 Jahre beschäftigt hat, nähert sich vielleicht seiner L ö s u n ק. Dieser Weg zum Siege ist aber voller Leiden. Die Arbeit in den Kolonien ist keine Arbeit für das ganze Jahr. Es ribt Monate der natürlichen Arbeitslosigkeit; außerdem ist der Lohn minimal. Wenn die Arbeiter auch ständig arbeiten, genügt der Ertrag nicht für den Unterhalt in den Pause-, wie in den Regentagen. Es gibt aber noch wichtigere Probleme. Es gibt das Problem der Verwurzelung. Wir betrachten dieses Werk von verschiedenen Standpunkten. Wir haben hier eine Ausbiläungstätigkeit vor uns. Vorläufig hat der erwachsene jüdische Arbeiter im Lande keine bessere landwirtschaftliche Schule als die Wirtschaft des Kolonisten. Wir haben hier auch das Ziel vor uty, Arbeitsmärkte zu erobern. Ich muß erwähnen, daß eine der schwersten Fragen beim Eindringen des jüdischen Arbeiters in die Kolonie die Bodenfrage ist. Der Boden in Kolonien befindet sich in privatem Besitz. Wenn die Kibbuzim in die Kolonie kommen, haben sie keinen Boden, um ihre Zelte oder Baracken aufzustellen. Letztens sind wir zu der Errichtung von Gebäuden übergegangen. An einigen Stellen hat man begonnen, Gebäude für denselben Preis zu bauen, für den man vorher Baracken errichtet hat. Die verschiedenen Gruppen haben daher für eine kurze Zeit eine geringe Bodenfläche gepachtet Bei der gegenwärtigen Konjunktur der Plantagenwirtschaft aber geht der Bodenpreis in den Kolonien in die Höhe, und der Arbeiter ist nicht sicher, ob ihm der Boden nicht eines schönen Tages weggenommen wird. Welche Perspektiven hat der Arbeiter in der Kolonie für seine Verwurzelung? Er kann sich in der Kolonie verwurzeln, denn es lassen rieh hier niriit nur Ledige, sondern auch Familienväter nieder. In Petach Tikwali und Ein Ganim haben sich mehrere jüdischorientalische Familien niedergelassen, ein ausgezeichnetes Menschenmaterial, dem wir wahrscheinlich mit einigen Dunam pro Familie ihre Existenz sichern konnten. Es besteht der Plan der Schaffung von Arb:itervierteln rings um die Kolonien. Es handelt sich jetzt um eine kollektive Kolonisation rings am die Kolonien mit einer kleinen Wirtschaft, in der der Arbeiter neben seinem Lohn in der Kolonie seinen Unterhalt finden soll. im Zusammenhang mit diesem Posten will ich erwähnen, daß das Arbeitsdenartement in diesem Jahre den Betrag von £E 3000 als Investiemngskapital dem neuen kooperativen landwirtschaftlichen Unternehmungsbüro der Arbeiter (Misrad Kablani) gegeben hat, da der jüdische Arbeiter, wenn er von einem Kolonisten eine Wirtschaft zur Bearbeitung in Akkord erhält, das Geld nicht im voraus bekommt, sondern erst nach Vollendung der Arbeit. Der dritte Post״n in unserer Arbeit, den ich als Ehrenposten unseres Departements betrachte, ist das Problem der Mädchen. Es kamen vor zwei Jahren viele Mädchen aus dem Galuth, sowohl Chaluzoth als sonstige jüdische Mädchen, solch ' mit Ausbildung und solche ohne Ausbildung, ins Land. Sie kamen hierher und fanden weder Arbei;, noch ein Zu'inchtO.im. Das Arbeitsdenariement hat sich, zusammen mit den besten Kräften der Bewegung der ־ Arbeitcrinirri, mit diesem Prob'em befaßt. Wir suchten einen Weg. um der Frau die Möglichkeit zu schaffen, ein produktives Lehai zu führen. Wir haben dieses Problem im vorigen Jahre als besonderen Posten hinge?teilt. Wir hielten es für nötig, beim Arbeitsdepartement ein■ besondere! Sekretariat - - Pßi{rfc_fe .Arbeiterin zu errichten und wir haben große ‘Erfolge bet dieser Tätigkeit zu vermerken!' Wir haben zehn kooperative Mädchengnnnen in den Städten errichtet. Es wurde ein gemeinsames Helm in der Stadt geschaffen. Des weiteren haben wir Gelder in verschiedene U n t e r n e h m u n g e n investiert, die imstande sind. Arbeits- Möglichkeiten zu schaffen. Es gibt in Erez-lrrad sehr wenige Arhcitsqueßen. daher müssen wir Jede Arbeitsmöglichkeit ergreifen. Wir haben ein gewisse? Mineral, den Stein in Jeru- -־a!«n und Tiberias der eine gute Ware werden kann. Dieser Stein wird nach der Bearbeitung eventl. auch eine Exportwäre werden können. Wir haben in diesem Jahre der jüdischen Steint)rachunterndimung (״Haseiah“) den Betrag von £E 2000 gegeben; auch das Departement für städtische Kolonisation hat in dieses Unternehmen den Betrag von CE 2000 investiert. Dieses Unternehmen ist als ein Pionierwerk zu betrachten. Ferner gibt es in unserem Budget einen Posten für die Handwerker. Wir haben vor kurzem den Betrag von C 2000 für Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter den Hand werkern bewilligt, außer den £E 1000, die das Denartement für städtische Kolonisation für diesen Zweck bewilligt hat. Wir haben keine genaue Statistik über die Zahl der jüdischen Handwerker im Lande, es ist aber allzunehmen, daß es zirka 5000 Handwerker in Palästina gibt, eine Zahl, die zu den Bedürfnissen des Landes in keinem Verhältnis steht. Die Handwerker sind meistens Familienväter. Wir haben es also zusammen mit den Familien mit etwa 12 000 bis 18 (W0 Seelen zu tun. Es gibt 200!) Tischler. Wenn sich auch die Einwanderung und dis Bautätigkeit erneuern werden, so wissen wir nicht, ob auch dann eine solche Zahl von Tischlern Beschäftigung finden wird. Dasselbe trifft bei den Schustern und Schneidern zu. Es ist uns noch nicht klar, wie die Krise dieser Kreise zu lösen ist. Vielleicht wird hier eine Rcproduktivierung erfolgen? Diese läßt sich kaum vorstellen, da diese Menschen meist in einem Alter sind, in dem dies schwer denkbar ist. Vielleicht wird hier eine Proletarisiernng erfolgen müssen. Aber auch dies ist kaum denkbar, da der Körper dic%pr Menschen sich schon an ein gewisses Handwerk angepaßf hat. Vielleicht ist das Problem dadurch zu lösen, daß hier eine Zerstreuung auf das ganze Land erfolgt. Die masten Handwerker haben sich in unseren zwei, drei Städten konzentriert. In den arabischen Städten werden sie zwar mit dem arabischen Handwerker zu konkurrieren haben. Wir haben aber doch gewisse Beträge für die Ucberführung von Handwerkern nach neuen Orten bewilligt, wie Gaza, Ramleh, Djenin. Wir geben auch ziem'ieh große Summen für Informationszweckc und die Aroeitsbiiros aus. Das Arbeitsdeparterr.ent hat bei seiner Arbeit mit vier Arbeitsbüros im Lande zu tun, mit dem Arbeitsbüro der allgemeinen Arbeiter- Organisation, des Hapoel Hamisrachi, der Handwerker in Jaffa und Haifa und auch der Jemeniten. Wir geben auch gewisre Beträge für kulturelle Zwecke unter den erv, a. hienen Arbeitern aus: für Erlernung der hebräischen Sprache und für Vorträge. Der jüdische Arbeiter ist bis jetzt der Vorkämpfer der hebräischen Sprache und deren Verbreitung. Theoretisch sollten wir dieses Jahr für diesen Zweck den Betrag von £E 9—10 000 verausgaben, in Wirklichk.it v, ' aber dieser Betrag infolge der Arbeitslosigkeit reduziert werden. Ferner haben wir einen Posten für chronische Kranke. Junge Menschen haben an Malariastei’.en gearbeitet und wurden krank. Wir müssen uns also mit ihnen befassen. Es war beabsichtigt, eine Kasse für Invaliden zu gründen, die ihre Einnahmen von allen Arbeitern erl:allen >!lte, neben einem gewissen Betrag unsererseits. Dies sind schon gewissermaßen Regierungsaufgaben. Wir errichten hier Embrios, die im Laufe der Zeit Regierungsir.. ,.;׳.ute werden sollen. Wir haben auch einen Posten ״Darlehen an Einzelne“. In vielen Fällen konnte sich dieser und Jener Erwerbszweig durch den Besitz von Eseln und dgl. einordnen. Gegenwirtig ist dieser Posten eingeschränkt worden. Da es keine Bautätigkeit gibt, hat der Jude auch für die Esel keine Beschäftigung. Dieser Posten beträgt etwa ,£ 1500—2000, Wir verhandeln mit der Regierung wegen der Verbesserung der Arbeitsbedingungen bezüglich der sozialsfaatlichen Seite. Im vorigen Jahre setzten wir uns mit dem Internationalen Arbeitsbüro In Verbindung. Als Resultat dessen wurde beim Internationalen Arbeitsbüro beim Völkerbund ein halboffizieller Vertreter der Zionistischen Organisation ernannt. Nur durch die Sicherung dieser Bedingungen und deren Annäherung an die modernen Bedingungen, unter denen der Arbeiter in der ganzen Welt existiert, wird die Existenzmöglichkeit der jüdischen Arbeiter, hier gegeben sein, und er wird nicht mehr mit prähistorischen Bedingungen zu kämpfen haben. Nun zur Frage der Arbeitslosigkeit. Laut den offiziellen Angaben gibt es cs. 8000 A r b eri t s lose. Es gibt auch noch inoffizielle Zahlen, nämlich die der Erwerbs- und Brotlosen. Es erübrigt sich, auf die Ur- Sachen der Krise einzugehen. Bei der Sitzung de§ A.-C. in London habe ich einen Budgetposten für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Höhe von £E 75 000 vorgebracht. Gegenwärtig muß dieser Betrag als sehr bescheiden gelten, aber Seinerzeit wurde auch dieser Betrag nicht bewilligt. Von dem gesamten Betrag für das Arbeitsdepartement in Höhe von £E 135 000 wurden £E 60 000 bewilligt. Es gibt Grund zu behaupten, daß, wenn wir seinerzeit die £E 75 000 erhalten und strategisch die Arbeitslosigkeit hätten bekämpfen können, die Zahl der Empfänger der Arbeitslosen- Unterstützung gegenwärtig viel geringer gewesen wäre. Wir haben bei einer Sitzung der Exekutive über den Bedarf eines weiteren Budgets für Arbeitslosigkeit gesprochen. Es wurde ein Programm für die Tätigkeit aufgestellt. Laut dem aufgestcllten Plan sollte die Arbeitslosigkeit von 7000 Arbeitern für neun Monate liquidiert Werden. Wir haben ££ 30 pro Person gerechnet; schon 4*5 ergibt den Betrag von £E 2100M). wir* haben die Mitarbeit folgender Institutionen in Rechnung gezogen: Paleitine Economic Board, London, und Palestine Economic!Corporation in Amerika. Wir haben die Rechnung aufgesieilf, daß, falls diese Gesellschatten £E 70 000 beurteilen uni tut« neue £E 100 MM) bewilligt weiden, außer den Mitlein, die schon vorher bewilligt wurden, wir die Arbeitslosigkeit für eine längere Zeit liquidieren können. Wir werden wahrscheinlich diese Mittel ausgeben, aber post factum und nicht laut dem Programm. Es fanden in der Exekutive mehrere Sitzungen wegen dieser Frage statt. Die Beträge, die wir von anderen Institutioneu erhofften, kamen nicht so schnell. Wenn wir den Laut der Verhandlungen mit der Exekutive mit $tm der Ver- Handlungen mit den nichtzionistischen i«StituJiop|n in London oder in New York vergleichen, sä' wird man der Exekutive nichts vorzuwerfen haben. Dies/ £’£, 170000 stehen aber vorläufig nicht mehr als Probhm zur ן Debatte. Wir hatten ein Arbeitspragramm, wir fanden Stet kcDn Programm, wie diese Mittet ausfindig zu machen seien. Wir wollten sichere Darlehen aufn.hmen, bei unserer Bürgschaft, fftr den Aufbau des Landes, lür rentable Unternehmungen in d«§;.i1fehstcu Jahren. Wir erhielten aber keine neuen Mittel. Di$.׳MLtt׳<t! ko* men immer um drei Monate zu' mfispem die Menschen ihren ynterttalt-fiaden.: ־ ןuns Worin*,׳beitefrF dar־:lihg1iei-''d# doppelter, Art: Hunger und Unterstüt!mtf;fL Durch den Hunger verhungert der Mensch, die Uhjgffst&tynng erniedrigt seine Ehre. Er hört auf, ein Mensch zu sein.' Unter den normalen Verhältnissen aller anderen Volker erniedrigt die Fürsorge als staatliche Leistung nicht die Ehre des Menschen, w1׳e dies bei uns der Fall ist. Der‘Mensch arbeitet dort seit Generationen; wenn er nicht arbeitet, erhält er Unterstützung. Unsere Menschen kamen, nicht um ihren Unterhalt hier zu finden. Für mich ist nicht der Hunger das größte Unglück; das größte Unglück ist, daß Tausende von jungen Kräften zugrunde gehen. Die Menschen kamen hierher aus der Idee der Erlösung. Man hat auf diese Menschen, die Chaluzim. Generationen lang gewartet. Nicht das interessiert mich, daß diese jungen Leute hungern, sondern daß sie nichts schaffen. Es vergeht ein Tag nach dem anderen, eine Woche nach der anderen, und es wird nichts geschaffen, es wird nichts erobert. Wer weiß, ob die kommende Generation uns noch Chaluzim hergeben wird. Darin liegt das Schreckliche des Problems. 8000 Mitglieder der Ehrenlegion der jüdischen Geschichte sinken nieder, nicht bei der Eroberung der Festung, sondern infolge von Müßiggang. Gegenwärtig erhalten 5000 Menschen Unterstützung. Damit sie Arbeit finden, würden wir den vier- bis fünffachen Betrag brauchen, und auch dann werden sie nur zwei bis drei Tage in der Woche arbeiten. Ueberdies haben wir Versuche gemacht, mit den Geldern c'$r Unterstützung verschiedene Unternehmungen durchzuführen. Wie erfolgt die Unter- Stützung? Man kommt täglich ins Arbeitsbüro um Arbeit, nach Verlauf von zwei Monaten Arbeitslosigkeit tritt der Arbeiter automatisch in die Liste der Empfänger der Unterstützung. Es gibt Juden, die es riskieren und sagen, wir werden doch Unterstützung erhalten. Um diese Gefahr zu vermeiden, haben wir versucht, verschiedene Arbeiten durchzuführen m der Meinung, daß dann ein Teil der sich Meldenden ausbleiben werde. Wir haben Kiesel hersteilen lassen; es hat sich aber gezeigt, daß der Jude zur Arbeit geht. Außer dem Kiesel braucht man noch andere Mittel, um das Gebäude der Exekutive zu errichten. Die Akkumulation aller Unterstützungsmittel hätte uns nicht die Errichtung dieses Gebäudes gefiebert. Wir haben auch in Tel-Awiw verschiedene Arbeiten mit den Unterstützungsmitteln durchgeführt. Sie müssen aber eines wissen: Wenn der Mensch einmal in der Woche Arbeitet und nicht weiß, ob er in der nächsten Woche arbeiten wird, wie es bei den Fürsorgearbeitern der Fall Ist, so hat diese Arbeit keinen Wert; der Mensch betrachtet diese Art Arbeit als eine Unterstützung. Er kann auch keine andere Stellung dazu einnehmen, wenn er nicht weiß, ob er an den anderen Tagen Arbeit haben wird. Bei solchen Arbeiten entstehen nur Verluste, man erhält nur 50 bis 60 «/o des Aequivalents der Arbeit. Wir haben aber außer der Unterstützung und dem normalen Arbeitsbudget noch £E. 45 000 in diesem Jahr für verschiedene konstruktive Arbeiten ausgegeben resp. bewilligt. Einige dieser Arbeiten sind schon abgeschlossen, einige noch dicht. Es besteht das Gefühl, daß wir den Ausweg finden werden. Ich habe über das Endziel mit Absicht nicht gesprochen. Es bestanden niemals solche Hoffnungen wie jetzt, wie z. B. die Konzessionen des Rutenberg-Unternehme ns, die Plantagen, die nationalen Arbeiten. Es besteht ein Endziel. Wie sollen wir aber die Ucbergangsmonate überstehen? Es besteht das Gefühl, daß, wenn wir gegenwärtig die £E. 100 OM) erhalten werden, wir dann nicht nur die Ehre des Chaluz wahren, sondern auch konstruktive Werke aut unserem Boden mit unseren Eroberungen durchführen werden, die noch in den nächsten Jahren ihren Segen bringen werden. Prase^Sdian Eine revklonliüsche Stimme lür Verschiebung des Kongresses Der ״Rassvlet“ vom 27. März veröffentlicht einen Artikel von J. Borissov, in welchem die Ankündigung, daß der 15. Kongreß im September 1927 — möglicherweise Tn Basel — abgehalten werden soll, abfällig kommentiert wird. Es stehe gerade der gegenwärtigen Exekutive schlecht an, konstltutio• neuer zu sein, als es der gesunde Me nschen verstand erfordert. Die Exekutive wünsche offenbar den Kongreß in einer Atmosphäre absoluter Unklarheit über die Ansichten der Marshall-Gruppe abzuhalten, in einer Atmosphäre, die jede Art vager Auslegungen und unbestimmte* Versprechungen be• gflnstigt. Ist dagegen der Kongreß über die Vorschläge der Marshall-Gruppe und die Reichweite ihrer Forderungen wirklieh informiert, so wird cs für die Exekutive viel schwerer sein, Blankovollmacht zu erhalten und die Organisation beschämenden Verpflichtungen auszusetzen. Es ist interessant, daß ein Revisionist für den ״gesunden Menschenverstand“ plaidiert. Wir wissen nicht, ob die Ver- Schiebung des Kongresses nach der Sachlage sich empfiehlt. Aber wäre sie vernünftig, dann müßte sie wahrscheinlich trotzdem unterbleiben, wie vieles andere, was der ״gesunde Menschenverstand“ gebietet; weil eine factitiöse Öpposition jede Sache ausnützt, um Parteikapital daraus m schlagen und weil die zionistische Luft von Demagogie aller Art verpestet wird — und keine Exekutive es verantworten könnte, dieser Agitation einen willkommenen simplen Stoff zu bieten. Die Verfolgung des HebrSIseben in Rußland Jerusalem, 1. April. (J.T.A.) Die hebräische Tageszeitung ״Dawar“ veröffentlicht eine Zuschrift der in Lening r a d lebenden hebräischen Schriftsteller, ia welcher die hebräischen Schriftsteller in der ganzen Welt ersucht werden, eine neue Protestbewegung gegen die Verfol* gu ng der hebräischen Sprache seitens der jßdisehen Kommunisten in den Ländern der Sowjet-Union etqzuleiten. In dem Schreiben wird geklagt, daß die in Sowjetrußland lebenden hebräischen Schriftsteller ihre Werke weder veröffent-' liehen, noch öffentlich vortragen dürfen. Heine Nachrichten Aus Kreisen, die der Zionistischen Exekutive nahestehen, erfährt J. T. A., daß der XV. Zionistenkongreß Anfang $ep* tember 1927 wahrscheinlich in Basel abgehalten werden wird. Wie ״Haarez“ berichtet, soll das Colonial Office den Voranschlag für das Jahr 1927/28 an die Palästina-Regietnng mit der Forderung zurückverwiesen haben, weitere Ersparn i s s e von £E 50 000 vorzunehmen. Am 10. Mai 1927 wird in London eine Konferenz der Gouverneure oder Chefbeamten der sich nicht selbst reglerendeji Kolonien, Protektoratsländer und Mandatsterri• torien zusammentre+en. Palästina w;r Deugt, der englischen Koloniaikonfermz j״!.:•!! len Bevölktי, '־■׳־ P’.;:;־ jg, Mr. Mills, vern tז:1:'ל >״״Andererseits Auf de»?1״, versiehe!analen Kongreß Mr Boden- Probleme, der in Washington ahgehritwwfri, wird die Palästina -Regierung durch den'Direktor des Landv>;rtsehaltsdepartements, Herr» Saw y er, nnd Ae Hebräische IMmgit’it durch Herrn■ Reifenberg-tfriretoi sein״ . , -;;■■•< . ■F; ־■ . •&A1 J Zwischen dem 22. August und den» 28. September freist in Montreal die britische Reichskoitferenz :är Bergbau und Metallurgie statt, die alle drei JrAre Zusammentritt. Auch P a 1 i s tl n a wird hier verbeten .ein. Die diesjährige 30. Convention der ameflkiiif* sehen Zionistischen Organisation wird Ende Juni in Atlantic City stattti״den. Der Unterstaatssekretär des Colonial Office, Sir John Shukburgh, lehnte, laut Meldung des ״Sut el Aschab“, den Empfang einer Delegation ־,er arabischen Exekutive unter Führung von Musa*Kasim Pascha ab. Herr C. Q. Henriques, Leiter der technischen Ab* teilung der zionistischen Palästina-Exekutive, wurde zum Mit• glied der zentralen Städtebaukommission der pa* lästinensischen Regierung ernannt. Am 21. März wurde mit einem Zensus der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeit in Palästina begonnen. Da» De* partment für landwirtschaftliche Kolonisation der Palästina• Exekutive führt den Zensus gemeinsam mit den jüdischen Kolonisationsgesellschaften und der Union Jüdischer Farmer von Judäa, Samaria und Galiläa aus. In Minsk starb dieser Tage im Alter von 69 Jahren der populäre hebräische und jiddische Schriftsteller und Humorist Schaje Nisson Goldberg, der unter dem Pseudonym ״Jaknehos“ geschrieben hat. Vor drei Jahren bewilligte ihm die Sowjetregierung eine jährliche" Staatspension. Am 27. März fand in Warschau unter Vorsitz von Dr. Schmarja Levin eine Beratung der in Polen wohnenden Mitglieder des A.-C. über die Möglichkeit der Reorgamsierung der zionistischen Arbeit in Polen statt. Laut dem ״Haint“ trat in der Besprechung die Tendenz der Vereinigung der zionistischen Tätigkeit auf verschiedenen Arbeitsgebieten zutage. Zu Ehren des Abg. Jizchak Grünbaum wurde ln New York ein Bankett aus Anlaß yeiner Abreipe gegeben, bei dem die Herren Bftijamin Winter und Richter Julian W. Mack sprachen. Die nächste Konferenz des Weltverbandes des liberalen Judentums soll im Jahre 1928 in Berlin oder Frankfurt a. M. stattfinden. Am 1. und 2. April beging der Rabbiner der Gemeinde Frankfurt a. M., Dr. Cäsar Seligmann, der bekannte Führer des jüdischen Liberalismus, das 25jährige Jubiläum seines Dienstantritts. Am 1. April waren es 30 Jahre, seitdem Herr Direktor Albert Silberberg die israelitische Gartenbauschule in Ahlem leitet. Anläßlich des 100. Todestages Beethovens veranstaltete das jüdische Palästina im ganzen Lande Beethoven- Feiern. Außer symphonischen Beethoven-Konzerten in Jeru• salem und Tel-Awiw fanden auch in allen anderen jüdischen Zentren, selbst in den kleinsten Kolonien und Kwuzoth musikalische Veranstaltungen statt. Die elektrische Beleuchtung in Rischon-Ie-Zion wurde am 16. März zum ersten Male in Betrieb gesetzt. ) DrGnslav WllkowskTI Wie wir nach Redaktionsschluß erfahren, ist unser Ge* sinnungsgenosse Dr. Gustav WitkowsRy soeben* gestorben. Die Nachricht wird in allen zionistischen Kreisen mit schmerzlichem Bedauern aufgenommen werden.