Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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.׳ . . . ' י י ' י Nr,;»; .;; JÜEPI5CHE RUNDSCHAU Die Purimfeier in Td-Awiw Von C. Sirkes, Tel-Awiw. Drei Tage und vier Nächte dauerte diesmal das freudige Test, an die Ueberlieferung der Errettung des Volkes «von der Vertilgung geknüpft. Mitten in die schwere Not, die sorgenvolle Gegenwart, schlug die Feier gewaltsam eine Bresche und holte aus den verschütteten Tiefen der Gemüter die Lebensfreude heraus, die sich zu einem Freudentaumel des ganzen Volkes ohne Rücksicht auf Alter und Stand entwickelte. , Aus den Kolonien, aus Jerusalem und Haifa kamen dicht« gefüllte Züge an, füllten die Straßen mit Menschengewimmel, Trubel und Lärm. Das Bedürfnis, Feste zu feiern, den Alltag mit Glanz und Fröhlichkeit zu verbrämen, ■die Fähigkeit zum Humor und Scherz kamen selten so zum Ausdruck wie in diesen Tagen. » Am Donnerstag, abends, begann es mit dem Vorlesen der Megilalh Ester, dem ein Fackelzug, von sämtlichen Jugend- Organisationen veranstaltet, folgte. An der Spitze des unübersehbaren Zuges schritten mit launiger Würde Ester, der König, Haman und der gesamte Hofstaat in glitzernden Larven mit Musikbegleitung durch die Straßen. Nachher wurde in den Ausstellungsräumen, die für den Mummenschanz entsprechend ausgestattet waren, getanzt bis in den grauenden Tag hinein. Masken, Masken,vMasken. Araber, Beduinen, Mekkapilger, Prinzessinnen und Prinzen, Charlie Chaplin, der Dieb von Bagdad, Apachen, moderne Revuegestalten, politische Karikaturen, unter denen die ״Vermahlung von Weizmann und Marshall״ besonders auffiel, und andere. Am Freitag, am eigentlichen Purimtag, sah man schon am frühen Morgen überall kostümierte, singende Kinderscharen; Palästina ist ja vorwiegend das Land des Kindes. Einzeln und in Gruppen, von Kindergärtnerinnen begleitet, zogen sie singend und tanzend durch die Stadt. Das helle Glück, welches von ihnen ausging, strahlte auch auf die Erwachsenen aus. Die Heiterkeit wirkte ansteckend, zog immer weitere Kreise' um sich. Bald prangten auch die Sodawasserbuden in flatterndem Papierschmuck. der Mann hinter dem Ladentisch trug eine lustige Lar¥ef der ,Milchmann schmückte seinen Esel, die Gemüsefrau, der Schuhputzer, der Brotmann, der ZeWungsausträger besorgten ihre Obliegenheiten geschminkt, verkleidet. Aus den hell erleuchteten Fenstern am Abend tönten von überall Musik und־ Gesang, auf den Straßen wurde unermüdlich bis in den Morgen hinein Hora getanzt. Dasselbe am Sabbat. Und am Abend wiederum Maskenfeste, in jedem Lokal Tanz und Musik, die Straßen voll von Schaulustigen und Masken. Die Feststimmüng erreichte am Sonntag ihren Höhepunkt. F» Straßen, beim herrlichsten Frühlingswetter wimmelnd von Menschen, kostümierte Kinderscharen, die zum Ausstellungsplatz eilten, ■wo ein' Kinderfest .stattfinden., sollte. Dort waren schon־ gegen'lehn Uhr vormittags die Säle, der große Garten dicht mit kleinen, allerliebst aussehenden Masken besät. Das Karussel,; 'Riesenrad oder Springbrunnen, Jazzbandorchester, der.. .Kiosk, 'ווו dem Trompete«, Papiersehleifen, Konfetti und allpflei Jusfigfs,'Zeug verteilt wurden, waren 'umlagert von Schate*, - .die' ׳siel»•' .w»׳ B’Äijde־,''»g*f- «»eilt•- fassen ׳ konnten; ׳ Und dazwischen frotje Eltens, .Erzieherinnen, Freunde, Photographen, Filmoperatcure, Araberinnen,!die hie und da ihre Kinder auch verkleidet hatten, mit gelüftete! Gesichisschleier, Staunen in den weit geöffneten-Äugen. Ein wundervolles, buntes Bild, von dein man sich nur schwer trennen konnte. Und-nachmittags der Maskenumzug. Von Musik und Horatärtzen eingeleitet, bewegten sich die zahlreichen Maskengruppen langsam durch die überfüllten Straßen. Voran die Erzeugnisse des Lahdes (Tozereth Häarez), die landwirtschaftliche Schule ״Mikweh Israel״ mit Kuh und Geflügel, Landwirte aus den Kolonien' im grünen Schmuck der Bodenfrflchte, Kamele mit Sändkörben und Orangenkisten, eine riesengroße Puppe aus Seidenstoffen und Handarbeitenproben zusammengestellt, Möbelmuster «sw., dazwischen Hochzeitsgruppen, blumengeschmückte Radfahrertruppen, Sportvereinigungen, Handwerkerabordnungen, verkleidete Araber, eine schauspielernde Wandertruppe, das befreite Rußland mit Gefän־ '״״“ttern, Ketten und roter Armee, ein winziges, verhutzeltes Männlein, streng militärisch ausgerüstet mit einer großen Tafel, ״Jabotinskys Traum“ und viele andere, dann Autos, Autos, Autos, umrahmt von schauenden Massen, die jedes winzigste Plätzchen ausfiifltcn. Alle Fenster, Terrassen, Balkons und die flachen l'Jächer waren _ überfüllt, ln . der.-Menge ragten in großer Fülle rote Feze und Turbane der Araber, die aus näh und fern gekommen waren/ sowie arabische Frauen und Kinder־ in unübersehbarer Zahl. Der Trubel ließ die trennenden Grenzen fallen, Gegensätze verstummen, es feierten alle, ausnahmslos, durch die Lebensfreude verbrüdert, versöhnt. Der unendliche Menschenstrom wogte, drängte, man wurde getragen, vorwärts geschoben, kam gar nicht zur Besinnung vor Uebermut, Lachen und Lustigkeit. Ein Farbengewimmel, dem die Augen kaum standhaften konnten. Erst mit anbrechender Dunkelheit begannen sich die Menschenmassen zu verziehen. Ein großes Volksfest beendete die Feier. Und seltsam: In den vier Näghten und drei Tagen, in denen alles, was lebte und sich nur bewegen konnte, sich auf den Straßen aufhielt, wurde in den leerstehenden Häusern kein einziger Diebstahl verübt, keine Schlägerei, kein Unfall kam trotz dem lebensgefährlichen Gedränge zur Anzeige. Das große Aufgebot der Polizei konnte ungehindert an den Spielen teilnehmen, ohne auch nur ein einziges Mal dienstlich eingreifen zu müssen. Sanilälsdjeosl in den jßdischen Siedlungen Im Oktober 1926 kam es zu einem Übereinkommen zwischen dem Sanitätsdepartement der palästinensisehen Regierung und dem Wa ad Habriuth der Palästina- Exekutive, wonach das Sanitätsdepartemeui den sanitären Einrichtungen in den jüdischen Siedlungen mehr Aufmerksamkeit zuwengetj wird• Der Waad Habriuth wird einen permanenten Inspektionsdienst einrichten, um den Kontakt mit den jüdischen Siedlungen und mit der Regierung zu stärken. Auf Grund dieses Uebeteinkommens wurden vom Regierungs- «anitälsdepartement drei jüdische Sanitätsinspektoren für die Distrikte von Jaffa, Haifa und Nazareth ernannt. Sie traten ihren Dienst am l. Februar an. Drei weitere lnspektoren sollen demnächst ernannt werden. Der Waad Habriuth ernannte Dr. Ratner aus' Haifa zum inspizierenden Arzt in den jüdischen Siedlungen. Er begann seine Tätigkeit am 1. Dezember. » Sfr Herbert Samnel über die White Paper -Polltk London, 27. März. (J.T.A.) Sir Herbert Samuel, der dieser Tage in Manchester weilte und in der riesigen Free Trade Hall eine eindrucksvolle Ansprache an die Liberalen Von Manchester hielt, empfing nachher eine Abordnungder Zionisten von Manchester, die Ihm ihre Wert- Schätzung bezeugten. Sir Herbert sprach sich in seiner Erwiderung über die verschiedenen Erklärungen der englischen Regierung betreffs der Palästinapolitik aus und kam zu dem Schlüsse, daß die von ihm als damaligen Oberkommissar von Palästina angeregte Politik sich durchaus bewährt habe und wohl in Zukunft fortgeführt werden würde. Die Verwaltung Palästinas stand anfangs vor unvermeidlichen Schwierigkeiten. Im Lande lebte bereits eine Bevölkerung von einer halben Million Menschen, die einer anderen Religion, wo nicht auch einer anderen Rasse angehörten als die Juden. Sic seien durch das, was man ihnen als Zionismus interpretierte, in große Erregung geraten, und es wJP notwendig geworden, diese Befiirehtungen zu zerstreuen. Er habe dieses Ziel stets klar im Auge behalten und es ungeachtet mancherlei Kritik verwirklicht. J Die Abordnung befragte Sir Herbert Samuel über seine Meinung bezüglich der Interpretation des Mandats. Er erwiderte, es sei dem, was in den Regicrungsorganen zur Zeit seiner Amtstätigkeit erschienen w׳ar, nichts hinzuzufügen. Das White Paper von 1922 erscheine ihm als die einzige in Palästina durchführbare Politik. Die Politik, die ich einleitete, fuhr Sir Herbert fort, ist seitdem weitergeführt worden; ich denke, sie wird auch in Zukunft der leitende Gesichtspunkt b'.eibcn. Die Arbeit in Palistina wird nicht allein für dieses Land getan, sondern für das jüdische Volk in der ganzen Welt. Die Wiederhcrstellung der alten jüdischen Kultur in der alten Heimat würde auf das Leben der Juden in der ganzen Welt anfeuernd wirken. Auch die Juden Manchesters, die in verhältnismäßig glücklichen Umständen leben, werden von der Belebung des jüdischen Geistes in Palästina eine Ermunterung erhalten. An dem gleichen Tage veranstaltete der Verein zionistischer Frauen von Manchester zu Ehren von Lady Samuel ein Frühslück. Lady Samuel appellierte an die jüdischen Frauen, an der Zukunft des jüdischen Volkes mitzuarbeiten. Lntgl Luzzatti In Rom ist, wie die Tagespresse meldete, am 29. März, kurz nach Vollendung des 86. Lebensjahres, Luigi Luzzatti gestorben. Luzzatti entstammte einer der angesehensten jüdischen Familien Venedigs und blieb Zeit seines Lebens dem Judentum treu. Erst vor wenigen Monaten wips er i!1 einem interview njit dem Vertreter der J. T. A. voller Empörung die. Aeußerung eines rumänischen Staatsmannes zurück, der erzählt hatte. Luzzatti wäre aus dem Judentum ausgetreten. Wenn ef sich auch niemals längere Zeit speziell jüdischen Angelegen- «eiten widmete, so hatte ־ er doi: nie verfehlt, ׳ wo immer JudenVerfolgungen und Kectilsbeschrlnkuugen ausgesetzt waren, bei diplomatischen׳ Zusammenkünften diese zur Sprache und — wo hier/«!••■■in: G :'־*׳{■';:heit war — durch die?'resse vor das europäische, Forum zu. bringen. In den letzten Jahren seines Lebens־ hat er sich oft über sein jüdisches Credo ausgesprochen, sich mit Empörung gegen die Judenverfolgungen in Rumänien gewandt und dem j Ü d i s c h e n A u f b ä u i n P a 1 ä s t i n a I n t e r e s s e und Sympathie bezeugt. , Luzzatti war schon als Sechsundzwanzigjähriger Staatswirtschaftslehrer in Padua und später an der Universität Rom. Als Finanzminister und als Politiker, der über ein halbes Jahrhundert der Kammer und ,seit sechs Jahren dem Senate angehörte, hat er bei allen großen Aktionen im Bereiche der italienischen Finanz- und Wirtschaftspolitik beratend und bestimmend mitgewirkt. Fünfmal" war Luzzatti italienischer Finanzminister und eifi Jahr lang, von 1910 bis 1911, Minister- Präsident. An seinem 80. Geburtstag war er der Gegenstand roßer Ehrungen in seinem Vaterlande. — Auch die deutsche resse widmet dem verstorbenen Staatsmann eingehende Würdigungeti. ' ___ Nathan Straus’ Spende für Tel-Awiw Nizza, 29. März. (J. T. A.) Nathan Straus, der gegenwärtig hier weilt, hat. von Bi a 1 i k einen Bericht über die Verteilung der.Summe von 20 DM Dollar erhalten, die Nathan Straus tür schnelle Hilfe an Bedürftige in Tel-Awiw־ gespendet hat. Die Summe kam folgenden Kategorien zugute: Handwerkern und ungelernten Arbeitern piit einer Gesamtzahl von 3250 Seelen; bedürftigen Angehörigen.des Mittelstandes mit insge- *samt 5250 Seelen; ferner notleidenden Frauen, Witwen und Müttern von Rabbinern, Schriftstellern und Künstlern. Bialik dankte im Namen der Unterstützten. Um Unterstützung haben sich 40 Hilfsinstitutionen und 600 Einzelfamilien (18 000 Seelen) beworben. Das Komitee aber teilte mit, daß die Summe nur für plötzlich in Not geratene Personen, denen mit entsprechenden Beträgen schnell wieder geholfen werden kann, verwendet werden soll. — Nathan Straus erwiderte, er sei glücklich, daß so schnell, klug und wirksam seitens des Komitees vorgegangen worden sei. Nathan Straus tritt am Donnerstag, den 31. März, an Bord des Dampfers ״Adriatic“ die Heimreise nach New York an. Me Arbeiten des Misrad Kablani Seit seinem Bestände hat der im Oktober v. J. gegründete Misrad Kablani (Unternehmerbüro des Merkas Chaklai) fiint Aufträge im Betrage von ££ 5000 ausgeführt. Die Arbeiten werden unter Leitung eines landwirtschaftlichen Sachverständigen von Arbeiter-Kwuzoth durchgeführt. Es werden jetzt mit der ,Zionistischen Exekutive Verhandlungen wegen deren Beteiligung am Grundkapital geführt. Das Aktienkapital soll auf £E 10p00 erhöht werden. Es wurde beschlossen! daß die Arbeit des ersten Jahres sich hauptsächlieh konzentrieren soll auf I. Aufstellung von Kibbuzim für die Arbeit und Zuziehung von Fachleuten für alle Zweige der landwirtschaftlichen Betätigung;. 2. Besorgung der nötigen Arbeitsgeräte; 3. Schaffung einer Zentralstelle für Pflanzungsarbeiten; 4. Sicherung des Grundkapitals; 5. Popularisierung des Misrad Kablani in und außerhalb Palästinas. Der Misrad beschäftigt derzeit 250 Arbeiter. Die Palästina- Regierung hat dem Misrad Kablani den Auftrag zur Durchfühjung der Aufforstungsarbeit zwecks An- Pflanzung von 39 000 Eukalyptusbäumen im Bezirk T u l k e r e m erteilt. (Ziko ) Die Palästinaregierung hat 500 Ein re i se-Zcrtifikate für Arbeiter-Einwanderer für die Zeit April—September 1927 bewilligt. Oie Zertifikate gelte für 250 Manna־ und 250 Frauen. Seite!91 Liberale Sabbln»* and Zionismus Wir erhalten folgendes CommunlquC: Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands hat am 29. März d. J. im Repräsentantensaal der Jüdischen Oe. meindc Berlin unter reger Beteiligung ihre ordentliche Mitgliedervcrsammiung abgehalten. Anwesend waren מ liberale Rabbiner aus allen Teilen Deutschlands. Der Vorsitzende der Vereinigung, Herr Rabbiner Dr. S e 11‘gmann •Frankfurta.M., eröffnete die Tagung, begrüßte die erschienenen liberalen Rabbiner und hieß die eingeladenen Ehrengäste willkommen. Von diesen dankte Kammergerichtsrat Wolff als Vertreter des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, R.-A. Dr. Klee als Vertreter der Repräsentantenversammlung, R.-A. Heinrich Stern als Vertreter der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland und der World-Union for Liberal Jews. Von Vertretern der jüdischen Wissenschaft״.waren anwesend Prof. Dr. Elbogen und Dir. Dr. Hclzmann. Dr. Scliginann wies auf die Bedeutung der Tagesordnung hin, deren Hauptpunkte ein Bericht des Vorsitzenden über ״Weltkonfcrenz in London und Wcltverband des religiösliberalen Judentums“ und die Referate Vogelstein-Breslau» Wiener-Berlin über ״Stellu 11 g des religiös-liberalen Judentums zum Zionismus“ waren. Nach den Referaten fand eine eingehende Aussprache statt, deren Ergebnis nachstehende, einstimmig angenommenc Resolution war: ״Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands erklärt, daß der Grundcharakter des Judentums religiös ist und hlciben muß. Sie lehnt jeden Versuch der Deutung des Judentums als eines ausschließlich nationalen Gebildes entschieden ab. Sie überläßt es dem persönlichen Verantwortungsgefühl eines jeden einzelnen, welche Stellung'er gegenüber dem Zionismus einnimmt Sie hofft, daß die Be- Siedlung Palästinas in einem Ödste erfolgt, der eine Belebung der jüdischen Religiosität verbürgt.“ (Wir enthalten uns der Stellungnahme, bis nähere Einzelheiten über den Verlauf der Tagung, von der die Presse ausgeschlossen war, bekannt werden. — Red.) Nationaldentsche Juden gegen Central-Vereiu Der Verband nationaldeutscher Juden veröffentlicht ein Flugblatt, das sehr scharfe Angriffe gegen den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens enthält Es wird daraut hingewiesen, daß die mit Hilfe von Kreisen des Central- Vereins begründete ״Sozial-Gesellige Vereinigung“ ein ״gesell״ schaftliches Ghetto“ erbaut. In dem Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten schlägt ein im Berliner Landesverband führendes Mitglied des Central-V7ereins die Schaffung von iüdisehen Schieds- und Ehrengerichten vor. Aber das• alles, heißt es in dem Flugblatt weiter; sind Kleinigkeiten. Daneben arbeitet man zielbewußt an der ״inneren Befriedung des deutschen Judentums“. Was bedeuten diese Worte? Ganz einfach — die Einheitsfront der Jüdischnationalen mit allen übrigen Juden. Man;־erhandelt geheimnisvoll hinter sorgsam verschlossenen Türen, setzt jeder neugierigen Frage dumpfes Schweigen eitgegen und eines Tages werden wir vor der vollendeten Tatsachc stehen. Der •Aufbau der englischen KoSo.nl e Palästina, zweifellos heute die größte Sorge der ״unbeirrt Deutschen“, ist der äußert Anlaß.“ Zum Schluß heißt cs: ״Deutschfühlende Juden, wollt Ihr weiter mitansehen, daß Euch das von huertt Vätern gebaute Haus der deutschen Freiheit und Gleichberechtigung von jüdisehen Händen über dem Kopfe abgerissen wird? Wollt Ihr warten, bis man die Steine zum Bau neuer Ghettomauern verwendet? Wachet auf! Noch ist es nicht zu spät. Pocht mit fester Hand an die verschlossenen Türen, hinter denen Euer Deutschtum an Zionisten und Antisemiten verhandelt wird.“ Kommentar überflüssig. Die Cemeindewahlen in K51n Der Verlust der absoluten Mehrheit in der Kölner jüdisehen Gemeindestube hat die Kölner Liberalen so schwer getroffen, daß sie in ihrem Blatt, der ״Kölner Jüdisch-liberalen Zeitung“ (einem Ableger der ״Jüdischen liberalen Zeitung“, Berlin), sich zu schönen Aufrichtigkeiten hinreißen lassen. In der Nummer vom 18. März lesen wir Im Artikel ״Repräsentanten wählen“: ״Die zionistische Volkspartei erhielt in den Landesverbandswahlen zusammen mit den Konservativen 2440 Stirnmen. Bringen wir die Stimmen der Frauen in Abzug, so verbleiben rund 1200 Stimmen der männlichen Wähler. Hiervon dürften auf die Zionisten entfallen etwa 800 Stirnmen. Das war vor zwei Jahren. Diesesinal haben die Zionisten allein 1012 Stimmen aufgebracht. Das bedeutet ein Mehr von rund 200 Stimmen, woher dieser Zuwachs? Es sind keineswegs die einheimischen Kreise, aus deren Reihen den Zionisten bemerkenswerte Kräfte zugeflossen sind. Wenn die Anzeichen nicht trügen, dann ist der Rausch längst vorüber, der einst unseren jungen Juden erfaßte und ins Lager der Zionisten trieb. Nein, es sind die im Laufe der letzten Jahre aus dein Osten zugewanderten Menschen, die bereits als glühende Zionisten hierher kamen, ihr Wahlrecht ausübten und so das winzige Häuflein Eingesessener stützten und stärkten und mit ihm gemeinsam die Zusammensetzung der Gemeindevertretung mitbestimmen helfen in einem Ausmaß, das zu allerernstester Sorge Anlaß gibt. Wenn die nächsten Jahre einen weiteren Zustrom bringen werden, so bedarf es keines besonderen Weitblickes, um schon jetzt sagen zu können, daß die nächste Wahl bereits eine Reprasentantenmehrheit bringen wird, der gegenüber das deutsch-kulturelle Element völlig in den Hintergrund gedrängt sein wird. Was das für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde, des deutschen Westens und der deutschen (udenheit überhaupt bedeutet, ergibt sich von selbst. jEs ist jetzt nicht die geeignete Zeit, näher auf diese Dinge einztigehen. Unsere Pflicht aber ist es, auf die drohende Gefahr hinzuweisen und all denen die Augen zu öffnen, die sich offenbar um die Zukunft unserer Kölner Gemeinschaft keine Gedanken machen.“ Bei nächster Gelegenheit aber werden die Liberalen sich selbst wieder als ״Freunde der Ostjuden“ aufspielen, wenn cs Stimmen zu fangen gilt. Man soll sich daher sq eine Aeußerung gut merken. _ Diesen Sommer wird Frau Dr. Ninah Adlerbloom aus New York, Vorsitzende des Kulturkomitees der Hadas sah, anläßlich einer Mittelmeerreise an Bord des Schiffes einen Kursus über die Geschichte Palästinas,seine historische Bedeutung und moderne Entwicklung abhalte. Auch hebräische Sprachkurse werden an Bord organisiert werden, so daß die Touristen mit der hebräischen Sprache ein wenig vertraut werden können. Die Reise beginnt von New York aus am 30. Juai und wird am 1. September bcendigt sein.