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Jüdische Rundschau · 1927-04-01 · Heft 26 (1.4.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 26 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 28 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 18© Die Tagung des Landesverbandes Die dritte Pie na Tilgung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden ist am Montag, den 28. März, in später Abendstunde geschlossen worden. Der von uns ausgesprochene Wunsch, daß sich ein Uebereinkomtnen in der Frage des Judengesetzentwurfes finden lassen und damit dessen einstimmige Annahme ermöglicht werden wird, hat sich nicht erfüllt. Damit ist leider der ganze Entwurf wertlos und die Arbeit vieler Wochen problematisch geworden. Denn es ist kaum anzunehmen, daß die Regierung einen Entwurf gcnehmigen wird, der nur von einem Teil der deutschen Juden angenommen wurde, von einem Teil dagegen als unakzeptabel bezeichnet wird. Lieber den Verlauf der Diskussion berichten wir nachstehend und zu dem Ergebnis der Tagung nimmt an anderer Stelle unseres Blattes ein prominentes Mitglied der Jüdischen Volkspartei Stellung. So sehr es zu bedauern ist, daß die Mehrheit des Landesverbandes, die liberale Fraktion, den berechtigten Wünschen der Volkspartei gegenüber taub geblieben und damit ihren eigenen Prinzipien, die sie in früheren Jahren verkündet hat, untreu geworden ist, so wollen wir doch die Hoffnung nicht aufgeben, daß es in weiteren Verhandlungen, bei gutem Willen aller Beteiligten, möglich tein wird, noch eine Einigung in letzter Stunde herbei- *uführen. Es sollte das Bestreben aller Teile sein, zu einem Resultat zu gelangen, daß der Regierung eine brauchbare Handhabe für die Gesetzgebung bietet. * Die Montag-Sitzung. Spezialdebatte des Jadengeselzes Montag, 101/4 Uhr, eröffnet Präsident Heinrich Stern die Sitzung, das Haus geht sofort in die Spezialbera• tnng des Judengesetzes ein. Die §§ 1 bis 9 wurden mit Kleinen redaktionellen Aenderungen meist einstimmig angenommen. Bei § 10 (Austrittsfrage) entspinnt sich eine eingehende Debatte. Dr. F r e u n d ־ Hannover (Kons.) will den Austritt nur aus .,religiösen Bedenken“ zulassen, die konservative Fraktion hält ״Gewissensbpdenken“ für zu verschwommen. Dr. Franken stein (Lib.) tritt dieser Auffassung entgegen, da es auch Leute gibt, die aus politischen und anderen Gründen austreten zu müssen glauben. E p s t e i n - Duisburg (Volksp.) schließt sich der konservativen Auffassung an. Hirse hberg ־ Breslau (Kons.) begründet einige konservative Erschwerungsanträge gegen den Austritt. Dr. Breslauer (Lib.) ergänzt Frankensteins Ausführungen, meint aber doch, daß einige Liberale dem Antrag betreffend ״religiöse Bedenken“ zustimmen. K o c h m a n n -Gleiwitz (Lib.) stimmt der konservativen Auffassung zu und wünscht Verständigung mit dem Halberstädter Verband, Dr. Sandler (Volksp.) meint, die Liberalen wollten sich offenbar die Möglichkeit offen halten, aus den Gemeinden auszutreten, wenn sich dort die Mehrheitsverhältnisse entscheidend änderten. Die heutigen ״Religionsgemeinden“ erfüllen nicht allein religiöse Aufgaben, aber das Wort ,,Volksgemeinde“ ist den Liberalen ein Kinderschreck. Schon das Spielen mit dem Austrittsgedanken ist ein Verbrechen am Judentum. Dr. Sandler wünscht aus Opportunitätsgründen eine Verständigung mit Halberstadt. Dr. B a e r w a 1 d ־ Frankfurt/M. wendet sich scharf gegen Sandlers Meinung, die Liberalen würden einen Austritt aus politischen Gründen in Erwägung ziehen. (Lebh. Beifall b. d. Ubeuhlen.) Dr. Sandler habe zürn Fen ter Mn ausgesprochen •und״«ine eigene«׳ FHedeusworfe destv fökrt. ' ■■ Bei den hieraut folgenden Abstimmungen wurde § 10 mit der Formel ״religiöse Bedenken“ angenommen. Auch § II wird bei Ablehnung eines Antrags der Volkspartei, dein Austretenden noch längere Zeit Lasten aufzuerlegen, mit 47 gegen 40 Stimmen angenommen. Kammergerichtsrat Wolff und Justizrat Lilienthal begründeten zuvor den ablehnenden Standpunkt der Ratsmehrheit, Hirschberg und Sandler die Auffassung der Minderheit. Paragraph Zwölf: Ausländer- und Frauentage Zu § 12 liegen viele Amendements vor. Dr .Breslauer (Lib.): Wenn die Konservativen die Forderung des ’Proporzwahlsystems als Eingriff in die Autonomie der Gemeinden betrachten und darum streichen wollen, so ist dies unverständlich und den primitivsten Forderungen der Zeit widersprechend. Es soll keine Scheidung zwischen Ausländern und Inländern bei Wahlen und sonstigen Rechten Platz greifen, aber nur unter dem Gesichtspunkte der Religionsgemeinde. Eine Karenzzeit sei jedenfalls notwendig. Dr. Peyscr (Lib.): Auch den Ausländern soll ihr Recht werden; graduelle Unterschiede müssen Platz greifen. Der Zuwandernde muß sich erst eingewöhnen. Daß er inzwischen Pflichten zu erfüllen hat, ist keine Unbilligkeit. Auch mein Standpunkt ist absohit jüdisch, wenn ich fordere, daß wir unser Judentum so deutsch wie nur möglich formen. Die Träger des Widerstandes gegen dies Prinzip muß man zunächst von der Einwirkung auf die deutschjüdischen Vcrhältnisse fernhalten. Frau Wronsky (Volksp.) wendet sich sehr wirkungsvoll gegen jede Beschränkung des Wahlrechts der Frauen. Es sei falsch, in einer so grundsätzlichen konstitutionellen Frage den Gemeinden Autonomie zu geben. Es handelt sich nicht um religiöse Bedenken, denn viele rabbinische Autoritäten erklärten sich für das Frauenwahlrecht. Die Frauen bringen neues Leben in die Gemeinden, sie sind ein wichtiger Teil des Volkes und man darf die neuen Kräfte, die besonders auf dem Gebiet der sozialen Arbeit wertvolle Dienste leisten können, nicht zurikkstoßen. Justizrat Makower (Rat): Wir dürfen das Frauen- Wahlrecht nicht oti'igatorisch statuieren, um nicht unseren konservativen Gemeinden und dem Halberstädter Bund starke Oe wissensbedenken zu geben; durch den dann sich ergebenden Einspruch würde die Einheitlichkeit unseres Auftretens nach außen zerstört sein. Dr. Horovitz - Frankf. (Kons.) will sich nicht gegen das Frauenwahlrecht festlegen, sondern nur Eingriffe in die Gemeindeautonomie verhindert wissen. Beim Ausländerwahlrecht aber darf die Autonomie nicht einem Mißbrauch jüdischer Rechtsbeugung Vorschub leisten. Dr. Frank-Altona (Volksp.) schließt sich fiir seine Person den Darlegungen von Horovitz an. Dr. Oskar Cohn (Poale Zion): Ich bin aus der deutscheu Politik zur jüdischen Betätigung gekommen und spreche heute zum erstenmal in diesem Hause. Der Krieg lehrte mich Judentum und Juden jenseits der Grenzen kennen. Eine Konzession in der Frage der Gleichberechtigung der Ausländer gibt es nicht und dürfte es auch für die Sozialisten unter den Liberalen nicht geben; hat doch selbst eine reaktionäre sächsische Regierung jede Einschränkung der Gleichberechtigung abgelehnt. Die Ostjuden sind für uns nicht Gäste, hat doch bitterste Notwendigkeit sie aus ihrer Heimat ziehen lasser!. Wir müssen im Gegenteil das gegen die Ostjuden begangene Unrecht zu einem kleinen Teile wieder gutmachen. Kulturelle Unterschiede hier vorzubringen, ist unjüdisch, bedeutet aber auch eine lieber- Schätzung äußerer Merkmale. Die Ostjuden sind geistigkulturell den deutschen Juden mindestens ebenbürtig! -- Die Autonomie der Gemeinden darf nicht zu einer Benachteiligung der sozial Schwächeren führen. (Die Rede Dr. Cohns wird vom ganzen Hause mit großer Aufmerksamkeit angehört und findet auf beiden Flügeln lebhaften Beifall.) Epstein- Duisburg (Volksp.) bekämpft nochmals Ausdehnung der Karenzzeit, die dem jüdischen Gesetz und jüdischer Ueberlieferung widerspricht. W oyd a-Berlin (Lib.) erklärt, daß für die Liberalen der deutsche Charakter der Gemeinden ausschlaggebend sei, daß sie damit aber kein Werturteil gegen die Ostjuden verbinden. Alfred Berger (Poale Zion) tritt für volle Gleich- Berechtigung der Frauen ein. Die Gleichberechtigung der Ostjuden ist für uns Weltanschauungsfrage. Jedes Abgehen von diesen Prinzipien macht die Vorlage fiir uns u n a n - «ehmbar. Nach der Mittagspause eröffnet Vizepräsident Dr. Kollenscher die Sitzung um 4,10 Uhr. Alfred Berger beantragt, die noch strittigen Punkte des § 12 einer Kommission, zu überweisen, um eine möglichst ein mütige Annahme" ües׳Entwurfs zu sichern. Der Vorschlag wird einstimmig ahgeWtftiinetl. ■Das fährt'»eif!1 fort. § 13 wird einstimmig angenommen, §!4 wird ausgesetzt. 15 bis 20 werden einstimmig angenommen, ebenso § 21. Zu § 22 beantragt Dr. Breslauer (Lib.) Beseitigung des Steuerrechts der Landesverbände. Dr. ismar Freund (Berlin) tritt für Steuerrecht ein, ebenso Dr. Horovitz. § 22 mit geringen Aenderungen angenommen. § 23 angenommen. § 24 schreibt vor, daß jede Gemeinde einem anerkannten Verbände angehören müsse. Dr. Freund (Berlin) verteidigt die Fassung auch im Interesse der Beamten und ihres Rechts. Katzenstein (Cassel) unterstützt Freund lebhaft, das gleiche tut Rabb, Freund-Hannover. Dr. Arthur Lilienthal (Lib.) ist gegen die Zwangsorganisation. Wiener- Beuthen (Volksp.) tritt wärmstens für die Zwangs- Organisation ein. Auch Makower (Rat) verteidigt die Fassung des Entwurfs. — § 24 wird jedoch mit 40 Liberalen gegen 31 Stimmen der Volkspartei, der Konservativen und der Mitteipartei abgelehnt. §§ 25—28 werden angenommen. Wiener (Volksp.) beantragt, die Vorlage zu benennen ״Gesetz über die jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbände in Preußen“ (Entwurf: ״Gesetz über die jüdische fassenden Kant-Darsteilung. Und gerade bei einer hebräischen Kant-Darstellung wäre zwecks Orientierung — vom Leser aus gesehen — ein besonderes einleitendes Kapitel über das Schicksal des Kantischen Systems und über die verschiedenen Kant- Auffassungen und Kant-Deutungen, von ganz besonderem Belang. Dies und manch anderes wäre bei einer zweiten Auflage, die wir diesem Buche von Herzen wünschen, sehr stark in Erwägung zu ziehen. Zum Schluß soll noch ganz kurz auf die Einteilung des Bergmannschen Buches hingewiesen werden. Dem Buche wird eine ״Einleitung“ vorausgeschickt, in der Verfasser den transzen- I dentalen Idealismus Kants in Zusammenhang mit den Philoj sophemen Descartes, Leibnizens, Lockes, Berkeleys, Humes zu » bringen versucht (Seite 1 — 17). Im darauf folgenden ersten ' Kapitel wird vorwiegend die ״Kritik der reinen Vernunft“ und die gesamte theoretische Philosophie Kants behandelt (Seite 17 bis 106). Lias zweite Kapitel knüpft an den Schluß des ersten an und ist der Darstellung der Kantischen praktischen Philosophie, der Ethik, gewidmet. ״Grundlegung der Metaphysik der Sitten‘•, ,,Kritik der praktischen Vernunft“, ״Metahysik der Sitten“, das sind die Werke Kants, die ier analysiert werden (Seite 107—132). Das dritte Kapitel handelt von Kants Geschichtsphilosophie (Seite 133—141). Das vierte Kapitel befaßt sich mit dem Erziehungsproblem bei Kant. Hier liefert das im Aufträge Kants von seinem Jünger F. Th. Rink herausgegebene Buch (1803) ״Kant über Pädagogik“ die Grundlage für das zu behandelnde Problem (S. 141—150). Im fünften Kapitel, das die Analyse der ״Kritik der Urteilskraft" zu seinem Gegenstand hat, also die Darstellung der Kantischen bahnbrechenden Theorie der Aesthetik wie auch seine Behändiung des teleologischen Problems erlangt die systematische Auseinandersetzung wieder ihre erfreuliche Schärfe (Seite 151 bis 189). Das sechste Kapitel, das letzte, handelt von Kants Religionsphilosophie (Seite 190—202). In diesem kurzen Abschnitte wird auch manches über Kants Stellung zum Judentum, auf die Abhandlungen von Herrmann Cohen und Julius Guttmann gestützt, berichtet. Was die Juden zur Zeit der Blüte des deutschen Idealismus für die Kantische Philosophie bedeutet haben, bezeugt allzugenüge das bekannte Wort Schleiermachers, daß ״unter drei oder vier gebildeten jüdischen Hausvätern‘׳ mindestens ein Kantianer nachzuweisen war.... Will man sich die ungeheueren Verdienste der Juden um die Fortbildung und Weiterführiing des Kantianismus vergegenwärtigen, so genügt es, nur an Safomon Maimon und Herrmann Conen zu denken. Begrüßenswert ist es ebenfalls, daß der Verfasser seinem Buche eine Uebersicht über die im Buche vorkommenden philosophischen hebräischen Termini nachgeschickt hat. Bei der besonderen Schwierigkeit der neueren philosophischen Pachterminologie im Hebräischen dürfte wohl kaum ein hebräisches philosophisches Buch ohne Terminologie-Register herausgegeben werden. Der Verfasser war zwar nicht verpflichtet, wie er es mit Recht betont, sich in historische Untersuchungen über die Quellen der von ihm gebrauchten Termini einzulassen. Jedoch dürfte er kaum manche doch schon in der älteren iiebräisehen philosophischen Literatur üblichen Termini modernen Schriftstellern zuschreiben. Aber hier ist nicht der Ort, sich mit Fragen der hebräischen philosophischen Terminologie eingehender zu befassen. Ein Sach- und Personenregister bildet den Abschluß dieses schön ausgestatteten und gut gedruckten Buches, das sicherlieh mit großer Freude von dem philosophisch interessierten hebräischlesenden Publikum aufgenommen werden wird. Für die an modernen philosophischen Büchern sehr arme hebräische Literatur bedeutet ein solches Buch, das die hebräisch Er- 1 zogenen mit einem der wichtigsten gedanklichen Systeme . bekanntmacht, eine große Bereicherung. Es ist ein Verdienst des Autors, trotz allen Schwierigkeiten, die die Rücksichtnähme auf ein in anderen geistigen Bedingungen lebendes Publikum bietet, die Philosophie des Kantischen Idealismus dem hebräischen Leser so zugänglich gemacht zu haben, daß er sich darin orientieren kann. Prof. Perles’ Vorlesungsprogramm am Institut für jüdische Studien der Hebräischen Universität im Sommersemer.tcr umfaßt: Einführung in die Bibel; Kritik biblischer Texte: Auslese aus dem Büch der Psalmen und anderer biblischer Poesie, Die Hebräische Universität veranstaltete am 27. März gemeinsam mit der Jerusalemer Musikgesellschaft im Amphitheater auf dem Scopus ein großes Beethovenkonzert, anläßlich des hundertjährigen ,Todestages von Beethoven Religionsgemeinschaft in Preußen“). Der Antrag will die Finheit des Judentums zum Ausdruck bringen. Makower (Rat) bittet, den Antrag abzulehnen, ebenso Dr. Seligsohn (Lib.). Dr. Oskar Cohn (Poale Zion) unterstützt den Ab- Änderungsantrag. Rabb. Dr. Rosenthal-Köln (Kons.) tritt dem Antrag der Volkspartci entgegen. Dr. Kollenscher (Volksp.) polemisiert gegen die Gegner des Antrags der Volkspartei. Die Fassung des Rates wird angenommen. Damit ist der Gegenantrag der Volkspartei abgelehnt. Präsident Stern eröffnet nach einer Pause 6,50 Uhr. § 12 Abs. 1 und 2 werden angenommen. Der Antrag der Konservativen, den Abs. 3 (Proporzzwang) ganz, zu streichen, wird abgelehnt. Beschlossen wird Zwangsproporz, wenn 10 0/0, mindestens aber 20 Gemeindemitglieder das gleiche Proporzwahlrecht wollen. Mit den Stimmen eines Teiles der Liberalen, eines Teiles der V'otkspartei, der Konservativen und der Mittelpartei (60 gegen 32) wird beschlossen, daß die Autonomie der Gemeinden in der Frage des F r :1 u e n w a 11! r e c 111 s gewahrt bleiben soll. Gemäß der Vorlage werden zwei Jahre als Karenzzeit beschlossen. — § 12 Äbs. 4 (Gegen die Wahl von Ostjuden in den Vorstand) wird mit 56 gegen 40 Stimmen angenommen. § 12 als ganzer wird gegen die Volkspartei angenommen. Vor der öesamtabstimmung gibt sodann Dr. Köllenscher (Volksp.) namens der Jiid. Volkspartei folgende Erklärung ab: Viele Jahre haben wir mitgearbeitet. Wir haben alle nur möglichen Konzessionen gemacht. Diesen Entwurt aber können wir nicht verantworten. 1. § 12 hält die Benachteiligung jüdischer Brüder aufrecht. 2. Die Regelung der A u s t r i 11 s f r a g e ist unzulänglich. 3. Die Aufhebung des Zwangscharaktcrs des Verbandes ist für uns unannehmbar. Wir werden daher das Gesetz nicht nur ablehnen, sondern unseren Widerspruch auch an anderen Stellen zur Geltung bringen. (Lebhafter Beifall bei der Volkspärtei.) Dr. Breslauer (Lib.): Eine Entrechtung der Ausländer haben wir nie beschlossen. Gegen die Regelung des Frauen- Wahlrechts haben wir stärkste Bedenken. Der Einheit wegen haben wir zugestimmt, aber unser prinzipieller Standpunkt bleibt gewahrt. Dr. Horovitz (Kons.): Wegen Benachteiligung der Ausländer werden einige Konservative gegen den Entwurt stimmen. Auch die Regelung der Austrittsfrage beklagen wir. Makower (Rat) beklagt Kollenschers Ankiindigung, den Widerstand nach außen zu tragen. Der Gesamtentwurf wird mit 61 gegen 3 3 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen. Auf Antrag von Dr. Isi Kahn (Kons.) wird beschlossen, sich vor der Ueberreichung des Entwurfs an die Behörde mit dem Bund traditionell gesetzestreuer jüdischer Gemeinden ins Benehmen zu setzen. Annahme des Etats Fischer- Barmen erstattet das Referat über den Etat und begründet jede einzelne Position. Er behandelt auch die Frage der Mitbeteiligung des Halberstädter Bundes an den Leistungen. Kareski (Rat) macht Ergänzungen und Ausstellungen. Berger (Poale Zion) protestiert gegen die Benachteiligung der Arbeiterkultur- und Sportvereine. Die Vorlage wird in der Fassung der Kommission a n - genommen. Die Subvention an die Arbeiterkulturvereine von 3000 M., die erst auf einen Antrag der Liberalen gestrichen worden war, wird wieder hergestellt. Dabei kommt es zu erregten Szenen, als Dr. Klee in einem Zuruf den Liberalen Arbeiterfei!1dschllft״^orwarf, worauf die Liberalelf ״!» ״aft-fögisitea. ׳ Btf ׳Ä»ew3!2II• «rft eine Reihe persönlicher Erklärungen beendet. Für die Subvention stimmten auch zwei Liberale und der Vorsitzende Stern, so daß sie mit einer Stimme Mehrheit angenommen wurde. Vorsitzender Stern schließt sodann die Tagung mit einem kurzen Rückblick, nachdem Dr. Horovitz namens aller Fraktionen der Verhandlungsleitung den Dank ausgesprochen hatte. * Für innerlfldische Verständigung Dr. Sandlers Rede im Landesverband. Wir haben bereits im Verhandlungsbericht über den Landesverbandstag (s. vorige Nummer) die Rede Dr. Sandlers zur allgemeinen Aussprache kurz wiedergegeben. Wir halten es aber für richtig, noch eine ausführlichere Wiedergabe nachzutragen. Der Redner führte aus: Bei der allgemeinen Aussprache auf der Verbandstagung vom November v. I. war das Bestreben mehrerer Redner, den Willen zur Verständigung durchblicken zu lassen, unverkennbar. Verständigung kann aber nicht den Sinn haben, daß etwa in Weltanschauung und Konzerte Ein wertvolles Konzert unter der Devise ״Synagogale alte jüdische Musik“ veranstaltete der Dirigent Ch. W i n a w e r in der Hochschule für Musik. Das Programm bot eine Fülle so gut wie nie gehörter Musiken älterer Art, die sowohl historisch interessant wie künstlerisch eiridrucksvoll sich dem Kenner Und Laien darboten. In seinen einleitenden, sachlich und herzlich gut fundierten Ausführungen betonte Hermann Swet, daß dies alles nur ein Anfang für eine neu aufstrebende Kultur des synagogalen Gesanges bedeute, und damit traf er den Nagel auf den Kopf. Nichts nämlich ist so schwierig, wie das Gebiet der synagogalen Musik, nirgends herrscht in weiten und engen Kreisen soviel Unkenntnis, Verkehrtheit und Vorurteil, und nirgends wird so gesündigt. Künstlerisch am wertvollsten war wohl das U'n'ssane- , tokef von M if n e r, obgleich diese Musik mehr neurussisch! als hebräisch ist. Dennoch schlagen in dieser Komposition! einige Motive so tief an, daß man fühlt: hier ist ein großer jüdischer Musiker am Werk. Vielleicht ist die Fuge in dieser Nummer neben den Gesängen des unsterblichen Rossi und den wunderbaren in Deutschland völlig unbekannten Kompositionen des vor etwa zwei Jahrzehnten verstorbenen Franzosen Samuel David, auf den ich immer und immer wieder; bitweisen möchte, die überhaupt bestgeschriebene Synagogenmtisik. — Die K’duschah, die winaver in alter Manier geschickt | und hübsch bearbeitet hat, ist meines Wissens nicht von Seidel Rowner, wie das Programm angibt. Aber was liegt daran: | die meisten Kompositionen dieser Gattung, die wie der russi- 1 sehe Glaubensgenosse sich ausdrückt, nichts weiter als ״alte ' Schmattes" sind, entwachsen einem heiligen Boden, und es; hat schon seine Gründe, warum ein jüdisches Herz bei ihrem Airhoren weinen möchte. Dennoch: über diese Art Synagogenmusik müssen wir hinaus! Anknüpfen müssen wir an Du naj e f s k i, von dem das Programm das herrliche Raschkiwenu brachte, und eben an Miiner, Nowakowski und wenige, wenige andere. Das entzückendste Stück des Programms, neben dem etwas schleppend aber geistvoll dargebofenem ״Barne madlikin“ von Birnbaum (Czcnstodiau), das dem schönen Abend einen j wirksamen Abschluß gab, war Hawdolo von Gilberts,

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