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Jüdische Rundschau · 1927-04-01 · Heft 26 (1.4.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 26 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 188 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 26 brötelei und der Pfennigfuchscrei nicht zunahctretcn, die in ihrer Kurzsichtigkeit sich der Vorteile, auch der materiellen, des Beitritts zum Landesverband selbst beraubt. Der Landesverband bleibt ein Torso. Was die Ordnung der Verhältnisse der Einzel* gemeinde anlangt, so hat die Regelung des Proportional* Wahlrechts eine nicht sehr wesentliche Abänderung erfahren: Ein Zehntel der Stimmberechtigten können, wenn cs mindestens 20 sind, die Einführung dieses Wahlrechts erzwingen. Ueber das Frauenwahlrecht kam ein Beschluß nicht zustande. Wiewohl sämtliche Parteien sieh als Freunde des Frauenwahlrechts bczeichneten, wurde es mit Rücksicht auf religiöse Bedenken der Konservafiveii abgelehnt, die Gemeinden zur Einführung zu ■/wingen. Es gelang der Jüdischen Volksparte! nicht, die zweijährige Karenzzeit auf ein Jahr zu ermäßigen, so daß künftig die jüdische Gemeinde die rückständigste Karenzzeit haben wird, die in Deutschland existiert. Die Jugend wird es sich merken, daß die Mehrheit unwillig ablehnte, mit solchen Quisquilien, wie es die Dauer der Karenzfrist sei, die Zeit zu verlieren, und der schnelleren Erledigung wegen sich mit ihrem eigenen Beschluß vom 25. Juni 1022 in Widersprach setzte. Doch im Mittelpunkt des Kampfes stand der Streit um die Gleichberechtigung aller Juden, also auch der Ausländer, im Gemeindevorstand. Die Jüdische Volkspartei erklärte feierlich ihre Entschlossenheit, den ganzen ״Entwurf“ abzulehnen, falls für Juden in der Gemeinde zweierlei Recht gelte. Es handelt sich hier um einen hohen Grundsatz, um den die Anhänger der Voikspartei seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland, allein, viele schwere Kämpfe bestanden und immer siegreich bestanden haben. Als Oskar Cohn bei lautloser Stille ein aus reinem Herzen kommendes Bekenntnis zum Gesamtjudentum und für unsere östlichen Brüder ablegte, als er die wahren Motive für die Haltung der Mehrheit enthüllte, da war zu bemerken, daß auch abgehärtetste Gemüter ein wenig erschüttert waren. Welches Opfer verlangten wir von dein Liberalismus der Liberalen, wenn wir eine Verschlechterung des gegenwärtigen Rechtszustandes verbindern, Juden nicht zu Gemeindebürgern zweiter Klasse degradieren lassen und diejenigen Grundsätze gewahrt wissen wollten, zu denen sich die jetzigen Gegner der Gleichberechtigung am 25. Juni 1922 einhellig selbst bekannt hatten? Die einem allgemeinen, jetzt wie früher geltenden Rcchtssatz entsprechen, der einer Mehrheit verbietet, einer Minderheit ein mit der Mitgliedschaft verbundenes ideales Recht zu entziehen; die auch denjenigen deutschen Juden schützen würden, der in ehemals besetzten Gebieten aus guten Gründen optiert und jetzt nach Deutschland zurückgewandert ist. Ueber alle diese Prinzipien ging man verblendet hinweg. Maßgebliche Liberale machten kein Heb! daraus, und niemand # wird auch daran zweifeln, daß man die jetzt geschaffene * Möglichkeit zur Entrechtung _ von Ostiudeg in den Oe״!־ fheindea zur Anwendung bringen wird. Wir befürchten allerdings nicht, daß diese Beschlüsse Gesetz werden. Die Regierung, die seit 80 Jahren Juden vor Juden in der Gemeinde wirksam geschützt hat, wird diesen Entwurf nicht genehmigen. Wir werden weiter kämpfen wie bisher, um, wie es die Jüdisch- Liberale Zeitung in ihrer letzten Nummer in fetter Ueberschritt instinktiv richtig und unsern Anträgen entsprechend nennt, ein ״Gesetz für die jüdischen Gemeinden“ zu schaffen und die Konfessionalisierung und Verengerung des jüdischen Aufgabenkreises zu verhindem. 80 Jahre lang besteht das alte, bewährte Judengesetz. Die leichtfertigen Beschlüsse *der letzten Tagung, welche das alte Gesetz abzulösen sich anmaßen, schmerzen uns und mit uns manche liberale Männer deshalb, weil sie den Verfall des jüdischen Einheitsgedankens und wahrhaft liberaler Gesinnung enthüllen. An die deutschen Juden! ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.“ Das ist die einfache Formel des Baseler Programms — dreißig Jahre jüdischer Geschichte haben ihr Fülle und Leben verliehen. Das Schicksal des jüdischen Volkes in aller Welt hat — oft in schmerzlicher Weise — erwiesen, daß die zionistische Auffassung der Judenfragc in allem wesentlichen Recht behalten hat. Gegen alle Widerstände, gegen Engherzigkeit und Trägbeit, gegen ängstliche Bedenken und veraltete Anschauungen hat sich die Bewegung im Judentum durchgesetzt. Die politischen Grundlagen, die Herzl forderte — als Träumer verlacht —, sie sind fest verankert in der Balfourdeklaration, im Mandat, in der Zustimmung des Völkerbundes. Das Aufbauwerk im Lande — wieviel auch noch zu tun bleibt — bezeugt unser inneres Recht und unsere Kraft, es hat doch heute schon neues jüdisches Volkstum, neue I!cbräische Kultur fest gegründet. Das Ziel ist groß — es bedeutet die Erlösung der Judenheit aus materieller und seelischer Not, des Judentums aus Erstarrung und Verfall, die Befreiung der Welt vom Druck der Judenfrage. Der Weg ist unendlich schwer. Die Zionistische Organ!־ sation, die die Bedingungen für die Errichtung der nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina schafft, kann nur dann die Verantwortung tragen und das Ziel erreichen, wenn das jüdische Volk durch ein sichtbares Zeichen bekundet, daß cs hinter ihr steht. Dies Zeichen ist der Schekel. Wer den Schekel entrichtet, erklärt seine Zustimmung zum Baseler Programm, d. 1. zu der Sach-, die die Zionistische Organisation vertritt. Die Zahl der;'ciici el muß der Größe der Bewegung Ausdruck verleihen. Mit dem Schekel ist das Wahlrecht zum Kongreß verknüpft. Der Zionisteukongreß, der in diesem Jahre zum fünfzehnten Mal tagt, ist das jüdische Parlament geworden, das über die konkreten Fragen des Aufbaus und der Politik zu entscheiden hat. Deutsche Juden, arbeitet mit an der jüdischen Zukunft! Bekennt euch zur Sache des jüdischen Volkes! Zahlt und verbreitet den Schekel! Das Problem der Nolstandsgrbelten In einer Sitzung des Waad Poel der Histadruth. die sich mit der.Arbeitstage befaßte, erklärt — wie wir dem ״Da war“ entnehmen K a p I a n s k v , die Palästina-Exekutive habe das Programm der Histadruth zur Beschäftigung von zweitausend Arbeitern akzeptiert. Die geplanten Arbeiten zusammen mit den bevorstehenden öffentlichen Arbeiten der Regierung werden die Möglichkeit schäften, die Zahlung von Arbeitslosenunterstützung in Jerusalem, Haifa und A f u 1 c einzustellen. Der Beschluß der Exekutive erfordert eine Vergrößerung des Budgets um £ 90 000. Die Exekutive bat telegraphisch die Londoner Exekutive um ihre Zustimmung ersucht. Wir nehmen an, daß sich die Londoner Exekutive nach der in den nächsten Tagen erfolgenden Ankunft von W e i 7!11 a n 1t und Lipsky mit dieser Frage befassen wird. Bekanntlich werden auch Sprinzak und Dizengoff als Vertreter der Palästina-Exekutive, sowie Dr. Hantkc als Vertreter des Keren Hajessod an den Londoner Beratungen teilnehmen. Weizmanns Abschiedsboischatt an die Juden Amerikas New York, 27. März. (J. T. A.) Dr. Ch. Wcizmann und Louis Lipsky traten am 25. März an Bord der ״Otympk“ die Reise nach London an, wo sie in den ersten Tagen des April eintreffen und am 6. April an der Sondersitzung der zionistischen Exekutive teilnehmen werden. Dr. Weizmann erließ eine Abschiedsbotschaft an die Judenheit Amerikas, in der er der Genugtuung über die Fortschritte Ausdruck gibt, die die Sache des Zionismus in Amerika erzielt hat und ausführt, daß mit Geduld und gutem Willen die Einigungdcrgesaniten Judenheit in der Sache des Palästina-Aufbaues zustandekommen wird. Es wird dies eine Einigung nicht nur in! Ziele, sondern auch in der praktischen Arbeit sein. Die Entsendung einer unparteiischen Sachverständigenkommission zur Erforschung der Möglichkeiten Palästinas wurde von den Zionisten angeregt. Indessen aber dürfe man die dringenden Probleme des Tages nicht aus dem Auge Lassen. Die Botschaft schließt mit einem Appell an alle Zionisten, in der Anstrengung zur Lösung des Problems des Aufbaus Palästinas nicht zu erlahmen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Deutscher Landesverband Mlsrachi. Deutscher Landesverband Hltachduth. Gruppe der Radikalen Zionisten. Deutscher Landesverband der Zionlsten-Revisionisten. An die deutedien Zionisten! Gesinnungsgenossen! Der XV. Kongreß naht. Grund- Probleme des Aufbaus, der Organisation und der Politik müssen auf ihm behandelt und gelöst werden. Die Mahlung breitester Schichten soll in 4ett Wahlen zum Kongreß zum '"׳•׳ ' ״“׳- Däs Wahlrecht ist an die Zahlung des Sehekels für das Jahr 5687 geknüpft. Die Anzahl der Kongreßmar.date ist von der Zahl der Schekalim abhängig. Deshalb zahlt und verbreitet den Schekel! Eine ehrenvolle Tradition verbindet den deutschen Zionismus mit der Geschichte der Kongresse. Weicher Richtung wir auch angehören — wir alle wollen, daß auch auf diesem Kongreß die Stimme des deutschen Zionismus sich Geltung verschaffen kann. Deutsche Zionisten, sichert Euch eine würdige Vertretung! Zionistische Vereinigung für Deutschland. Deutscher Landesverband Misrachi. Deutscher Landesverband Hitachduth. Gruppe der Radikalen Zionisten. Deutscher Landesverband der Zionlsten-Revisionisten. Deutscher Landesverband Poale Zion. Palästlnafragen im Unterhaus London, 29. März. (J. T. A.) Colonel Wcgdwood fragte im Unterhaus, ob der Bau einer Eisenbahnlinie von Port Fuad mit Anschluß an das palästinensische Hauptnetz erwogen werde. Kolonicnminister A m e r y erwiderte, ein solcher Plan stehe noch nicht zur Diskussion. Herr Beckett fragte, welche Qualifikationen für die Ausübung des Wahlrechts in Palästina notwendig seien, Amery erwiderte: Jede männliche Person genießt in Palästina aktives und passives Wahlrecht, die 1. die patästinensische Staatsangehörigkeit besitzt und ein Alter von 25 Jahren erreicht hat; 2. deren Unfähigkeit nicht rechtlich fcstgcstellt ist; 3. die in Palästina nicht zu einer Gefängnisstrafe von einem oder mehreren Jahren verurteilt worden ist; 4. die vor dein letzten 31. Dezember Steuern für das vergangene Jahr auf Ufflbeweglkbes Eigentum im?Aintlestbefrage *von ׳®;/PJastWft' geleistet hat. Colonel Wedgwood fragte, ob der Minister wisse, daß sowohl Juden wie Araber in Palästina es wünschen, dab in den Schulen englisch gelehrt wird, und ob für eine genügende Zahl qualifizierter Lehrkräfte für englisch gesorgt ist. Ä m e ry erwiderte: Es ist die ständige Sorge der Palästina* Regierung, den englischen Unterricht in den Regierungsschulen, und zwar an Elementarwie an Mittelschule!!, zu verbessern. Es werden Stipendiaten von der Regierung zur Ausbildung an die amerikanische Hochschule zu Beirut und auch an englische Universitäten gesandt. Gegenwärtig sind acht solcher Stipendiaten an Universitäten, die alle verpflichtet sind, nach Vollendung der Universitätsstudien für eine Reihe von Jahren im Erziehungsdepartement tätig zu sein. Gegenwärtig unterrichten in Palästina 37 Engländer und Amerikaner die englische Sprache. Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. Der Geschäftsführendc Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Landesvorstand für Sonntag, den 1. Mai, nach Berlin einzuberufen. Ein hebräisches Kanibuch Von Dr. S. R a w i d o w i c z. Das uns vorliegende hebräische Buch über Immanuel r\ a n t von Dr. Hugo Bergmann*) (Jerusalem) kann als das erste umfassende Buch in hebräischer Sprache über Kants P111iosophie bezeichnet werden. Vereinzelt lassen sich zw>r schon früher mehrere hebräische Abhandlungen nachweiscn, die entweder dem gesamten Kan tischen Probiemenkomplex־ oder dem einen oder anderen Problem aus der Kantischen Philosophie gewidmet waren. Viele dieser Arbeiten entstanden nicht aus rein historisch darstellendem Interesse. Den einen oder anderen jüdischen Denker hebräischer Sprache, wenn dieser Ausdruck gestattet ist, haben auch Motive systematischer Natur, metaphysischer oder erkenntnistheorcfischer Art, veranlaßt, sich mit Kants Philosophie auseinanderzusetzen. Es sei hier nur andeutungsweise auf einen der größten Systematiker unter den neueren jüdischen Denkern, aut Salomen Mainion, hingewiesen, der in seinem leider bis heute noch nicht umfassend gewürdigten Kommentar zum ״Moreh Newuchim“ —• in seinem ״Giwat Hamoreh“ — eine ganz eigenartige und lehrreiche Synthese zwischen dem transzendentalen Idealismus des ״großen Königsberger“ und der aristotelisch-scholastischen Philosophie des ״großen Adlers“, Moses ben Maimon, anzubahnen versucht. Aber dieser von Kant bekanntlich philosophisch sehr geschätzte ״polnische Jude“ steht nicht allein. Auch der Begründer der neuen jüdischen Wissenschaft in hebräischer Sprache, Nachnian Krocnmai, fand seinen Weg zur Kantischen Philosophie, die ihm neben den anderen Systemen des deutschen Idealismus als die Quintessenz der Philosophie überhaupt gegolten hat. Ein lehrreiches Zeugnis davon legt Krochmals kurzer philosophischer Brief an Zwi Menachem Pinekß über einige Punkte der transzcndentalen Aesthetik und transzendentalen Logik der ״Kritik der reinen Vernunft“ ab. Nach Maimon, Krochmal und anderen haben eine Reihe von hebräisch schreibende״ Denkern manche Anläufe gemacht, die Kantische Philosoph e im neuen hebriiisehen Schrifttum heimisch zu machen. Auel, der 1921 gefeierte zweihundertjährige Geburtstag Kants veranlaßt manche philo¬ *) Hophilo$oph!a!1 send Immanuel Kant, \on Hugo Bei-- mann, Verlagsbuchhandlung ״Tarbuth“, Jerusalem-Tcl-Awiw, 5687, 216 Seite» sophisch interessierte hebräische Schriftsteller, in verschiedenen Skizzen die Philosophie Immanuel Kants zu würdigen. So hat der kürzlich verstorbene Religionsphilosoph David Neu mark anläßlich der genannten Kantfeier eine größere komprimierte Abhandlung über Kants philosophisches System in der ״Hatekufah“ veröffentlicht. Hugo Bergmanns Kantbuch ist aber kein ״Gelegenheits“buch. Der Verfasser will die Kantische Philosophie um ihretwillen, nicht um irgendeines anderen Zweckes willen darstellen. Für ihn ist die Kantische Philosophie keine bloß historische Angelegenheit, sie scheint ihm philosophisch sehr aktuell zu sein. Er stellt Kant in die gegenwärtige Diskussion der wichtigsten erkenntnistheoretischen und metaphysischen Probleme mitten hinein. Daß Kants Philosophie auch für die neueste Gegenwart fruchtbar gemacht werden kann und muß, diese sich nach und nach durchsetzende Ansicht scheint auch der Verfasser zu teilen. Sehr wichtig ist cs daher, daß der Verfasser bemüht ist, die bedeutendsten Momente des Kantischen Systems in einen inneren Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Stand dieser Probleme zu bringen. So wird zum Beispiel, um nur einiges anzudeuten, bei der Analyse des Kantischen Raum-Zeit- Problems auf die Raum-Zeit-Union der Relativitätstheorie, auf Heinrich Hertz (S. 29ff.), beider Besprechung der synthetischen und analytischen Urteile auf die neueren Strömungen m der modernen Mathematik hingewiesen. (Hier könnte z. B. noch auf Sigwarts Auseinandersetzung mit Kants Urteilstheorie eingegangen werden.) Ebenso wird Kants Ethik (״Kritik der praktischen Vernunft“ u. a.) mit manchen wichtigen neueren Systemen der Ethik kurz konfrontiert. Auch in der Darstellung der anderen Partien des Kantischen Systems wird vom Verfasser auf gegenwärtig aktuelle Probleme, wenn auch manchmal etwas zu schlagwortmäßig, hingewiesen. Manche Einzelheiten äußerlich - architektonischer wie immanent-kritischer Natur, die man an diesem Buche auszusetzen versucht ist, müssen wohl darauf zurückgeführt werden, daß der Verfasser zwischen einer historischen Darstellung und einer systematisch-kritischen Entwicklung der Kantischen Philosopliie schwankt. Dieses Schwanken, das zweifellos von der Rücksicht auf das hebräische Leserpublikum und vom Stand der originell-hebräischen Kantforschung mitbedingt ist, bringt es mit sich, daß manche Abschnitte etwas referatmäßig, man die dagegen stark-systematisch, beinahe unter Vernachlässigung des tatsächlich Historischen ausfallen. Manche Parallelen, die der Verfasser z. B. zwischen Kant und Descartes u. a. zieht, können unseres Erachtens von philosophisch anders Orientierten -.dir bezweifelt werden. Ueberhaupt sind Parallelen dieser Art nur vom rein darstellerischen Gesichtspunkte aus zu rechU'e: ti״en. Wenn man aber schon zum Cartesianismus greift, um irgendwelche Berührungspunkte zwischen diesem und der Kantischen Philosophie ausfindig zu machen, so könnte doch beispielsweise ein Hinweis auf den Occasionaiisten Arnold Geulincx!!ich; am falschen Platze sein. Wird doch von manchen ( o!11־!'.<! •׳ (E.Grimm 11.a.) die Geulincxschc Erkenntnistheorie als di•■ V׳>!■- läuferin der Kantischen Philosophie betrachtet, und sprechen •־'och daher manche von einem ״Geulincx-Kantschen Standpunkte״. Auch der wahrscheinlich von Geulincx beeinflußte Ri l’:1!d Burthogge, Autor des ״Organum vetus et novum“ itmJ upon reason and the nature of spirits“, wird z. B. von kein.!:! Geringeren als von Ernst Cassirer (,,Das Erkenntnis;;;o’-k 1!׳ in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit", i, 5. i<k\ 596) als ein Vorläufer des Kritizismus gekennzeichnet. Di ־ e und andere von dem Cartesianismus ausgehenden Phi'•) •y!;.':1 wären viel mehr als Cartesius selbst hcranzuz.iehen. Aber auf alle Fälle ist es doch unerläßlich, hei einer Kar•‘- darstellung auf die wirklichen Vorgänger Kants cinzngei! *n, -,׳. H man überhaupt das historische Bild des Zeitalters y! das Bild des historischen Kant richtig verstehen. Von!!דיי• aus gesehen, vermissen wir in dein uns vorliegenden Buch .•i״!r;e prinzipiellere Hinweise auf Kants Stellung m seinem י׳ roßen Vorgänger Christian Wolff, von dem Kaut ursprünglich ansging. Die Antithetik zwischen den Leibniz-Volff-elnn L'ד ־ .׳!, ׳ einerseits und zwischen den Hume-Newtonschen Eicr.u!!;׳■׳! I;t Kants philosophischer Entwicklung hätte noch scharicr in;- gearbeitet werden können. Auch eine systematische Dar־-׳;'<c!hwg müßte sich eingehender mit den geschichtlichen Voraus^ei/iinc•':! der Kantischen Philosophie überhaupt beschäftigen. Citsiii- :ui! seiner Unterscheidung zwischen logischem und Realgnm.i Martin Knutzcn -- Kants Lehrer — der Newtons Nat11rpi>;!1־- sophie aufgenommen hat und einen entscheidenden Einf'u:;! Kants philosophischer Entwicklung in dieser Richtun:; דדgeübt nat, Lambert, der mit seiner Unterscheidung zwi .:רד Inhalt und Form der Erkenntnis Kant sehr viel vorgom b<kt•g hat, diese hier genannten und noch einige Zeitgenossen ־,ecdienten sicherlich eine besondere Berücksichtigung in einer um-

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