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Jüdische Rundschau · 1927-04-01 · Heft 26 (1.4.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 26 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,33 (ioldmar JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W15, Meinekectrafie 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, ▼ierteljthrlieh 5,25 Goldmark. Au«)aodaabo»cemests werden in der Wfibrang der einzelnen Linder berechnet Nummer 26 | Berlin, 1. IV. 1927 Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Aasrigtaptels: S Je>p»ltNorp*rtillenil« 0,50 O.-M, SteUcngM«che 0,25 G.-M. AaielgenicUaBi DlcnitaJ «ad Freitag ntefcmittag 4 Uhr. Telephon .־ Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392 Für Oesterreich» Fostsparkauenamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowskei: rostspirkassciumt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen» Poalipirkauenamt Warschau, Konto Nr- 190 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag.?"סח אדר ס חרם | xxxii. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jlldfscli« Volk die Schaffung einer dffentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte ln PaiSstlna. ״Baseler Programm.“ Achtzig Jahre Zur Frage der Arbeitskonflikte RW. Berlin, 31, Marz. Angesichts der verworrenen Lage auf dem A r b e i t s - markt und der immer größer werdenden Entfremdung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Palästina sollte eine Anregung Beachtung finden, die der Chefredakteur des ״Haarcz“, Dr. Oläckson, mehrfach gemacht hat: die Einsetzung einer unparteiischen, Vertreter beider Teile umfassenden Untersuchungskommission. Nicht nur die Ausarbeitung von Vorschlägen für die Regelung der Arbeitsverhältnisse in der Zukunft ist von größter Dringlichkeit, sondern selbst die Feststellung von Tatsachen bei vorliegenden Konflikten ist heute infolge des Fehlens einer derartigen Instanz fast zur Unmöglichkeit geworden. Bei jedem Arbeitskonflikt erscheinen in den Zeitungen Kundgebungen beider Parteien, die jede einseitig ihre Behauptungen vortragen, und die Kluft zwischen den beiden wird durch die Polemik und die politischen Leidenschäften immer größer. Die im Lande bestehenden Instanzen, die zionistische Exekutive und der Waad Leumi, reichen für diese Spezialaufgabe nicht aus. Ein deutliches Zeichen für die Abnormalität der Lage bietet der Konflikt in der Streichhol/.fabrik ״Nur" in Akko, über den wir bereits mehrfach berichtet haben. Der Besitzer der Fabrik, Herr Wcizmann aus Kowno, hat kürzlich in der ihm nahestehenden Presse eine ausführliche Erklärung veröffentlicht, worin er die Produktionsbedingungen seiner Industrie darlegt und erklärt, die Erfüllung der Forderungen der Arbeiter sei mit dem Fortbestand der Industrie unvereinbar. Gleichzeitig leugnet er die von seiten der Arbeiter behauptete hygienische Unzulänglichkeit und auch den Mißbrauch der Kinderarbeit. Herr Weizmann hat sich freilich ins Unrecht gesetzt, indem er die von der Arbeiterschaft akzeptierte Vermittlung des Waad Leumi ablehnte. Wenn er jedoch seine Drohung wahr macht und die Fabrik schließt, dann ist nur die Zahl der Arbeitslosen vermehrt und weder der Arbeiterschaft noch dem Aufbau Palästinas gedient. Trotzdem ist es verständlich, daß die Arbeiterschaft auf solche Drohungen hin nicht nachgibt. Denn mit dieser Drohung könnte dann jeder Unternehmer auch % > .,Ale,,ן#*ויןן!1^;ן8*41#י. »Jlt Wi' Äiaffung eines sfindlfeft Sch'!tdl|ef{efitei eine dringende und unerläßliche Notwendigkeit für alle, die den Aufbau einer jüdischen Heimstätte in Palästina nicht durch sinnlose, alle Teile schädigende innere Kämpfe gefährden lassen wollen. Auch der Streit um den Bau des Lehrerseminars in Jerusalem, der den Anlaß zu den Demonstrationen in Jerusalem gegeben hat, beleuchtet die Verworrenheit der Situation. Wir haben bereits vor kurzem den Standpunkt der Arbeiterschaft dargelegt: Die Arbeiterorganisation kann die Herrschaft über die Masse der Arbeitslosen nur dadurch behalten, daß sie die Arbeit rationiert und durch ihr Arbeitsbüro den bei ihr organisierten Arbeitern nach einem bestimmten System zuweist. Hilft man der Arbeiterorganisation nicht in dieser schwierigen Rolle dadurch, daß man wenigstens die dem Einfluß unserer nationalen Instanzen unterliegenden Arbeiten durch sie vergibt, dann macht man ihre Stellung unmöglich und die heroischen Anstrengungen einer Organisierung des Arbeitsmarktes werden vom Chaos abgelöst. Zu- Für Rettung der Heilquellen von Tiberias Der bekannte deutsche Thermenforscher, Sanitätsrat Dr. Lach mann (Landeck) schreibt im ״Berliner Tageblatt“ über die Heilquellen von Tiberias u. a. wie folgt: ״ln Palästina wartet ein Schatz nur auf die geschickte Hand, um gehoben zu werden, und zwar die Heilquellen; unter ihnen vor allem die von Tiberias. In wunderbarster landschaftlicher Umgebung entspringen hier die schon seit fast zwei Jahrtausenden bekannten und unterbrochen in An- Wendung befindlichen Quellen in einer Ergiebigkeit, um die jedes Weltbad das Land beneiden könnte. Es handelt sich um heiße schwefelhaltige Solquellen mit einem Salzgehalt von rund 30 Gramm im Liter. Die Temperatur der Quellen beträgt im Mittel 60 Grad Celsius, liegt also in etwa gleicher Höhe wie die Temperaturen der Quellen von Wiesbaden und Aachen. Aber der Salzgehalt der Aachener Kaiserquelle beläuft sich nur auf 4,7 Gramm, der des Wiesbadener Kochbrunnens auf 8,6 Gramm im Liter. Der Schwefelgehalt der Quellen von Tiberias, der bis zu 25 Gramm beträgt, übertrifft den der Aachener Kaiserquelle um ein Vielfaches. Leider muß befürchtet werden, daß Unkenntnis und Dilettantismus, dem die Exekutive, wie es scheint, ruhig zusieht, die Quellen in ihrem ganzen Fortbestände aufs schwerste gefährdet.... Mineralquellen bestehen nur solange, wie ihre unterirdischen und nicht zugänglichen natürlichen Dichtungen gegen die anderen Wässer im Gestein unverletzt sind. Jetzt aber hat man in Tiberias mit Bauten im Quellgebiet begonnen ohne Rücksicht auf den Verlauf der Gesteinspalten. Man hat Röhrenleitungen nach einem im Bau befindlichen Hotel gelegt ohne Rücksicht auf den damit geschaffenen Wasserspiegel. Und das wichtigste: in wenigen Jahren wird die Durchführung des Rutenberg-Projektes, das ein Staubecken in dieser Gegend Vorsicht, den Spiegel des. Sees um 1,20 m erhöhen und damit die ganzen Grundwasserverhältnisse entscheidend andern. ... Wird jetzt sofort eine sachgemäße Quellfassung vorgenominen, so werden alle diese Schäden beseitigt und weitere vermieden; wenn nicht, so wird unsere Zeit und die gleich aber sind wir verpflichtet, auch die Stellungnahme der anderen Seite zu berücksichtigen. Es wird der Arbeiterorganisation zum Vorwurf gemacht, daß sie, die durch ihre zentrale Kooperative Solel-Boneh selbst Unternehmer ist, gleichzeitig die Arbeitsregelung bei den anderen Unternehmern in der Hand behalten wifl. Man befürchtet, sie könnte diese Machtstellung dazu ausnützen, den privaten Unternehmern die Durchführung ihrer Arbeiten zu erschweren, um dem Solel-Boneh einen Vorsprung zu sichern. Wir können angesichts des Fehlens einer unparteiischen Untersuchung nicht feststellen, ob an diesen Vorwürfen etwas Richtiges ist. Die Behauptung wird von der einen Seite mit derselben Bestimmtheit aufgestellt, wie sie von der anderen Seite mit Entrüstung zurückgewiesen wird. Wenn nun, wie im Falle des Seminarbaues, die Arbeit an einen privaten Unternehmer vergeben wurde, weil die Offerte des Solel-Boneh erheblich teurer war -- cs handelte sich, wenn wir nicht irren, um eine Differenz von mehreren tausend Pfund —, trug das Komitee Bedenken, dem Unternehmer außer der Verpflichtung zur Beschäftigung jüdischer Arbeiter und zur Zahlung eines Minimailohnes auch noch den Zwang aufzuerlegen, nur die vom Arbeitsbüro ihm zugewiesenen Arbeiter zu beschäftigen. Dies hat den Jerusalemer Arbeiterrat, wie bereits berichtet, zu lebhaften Protesten veranlaßt und zu den Ereignissen geführt, die sicherlich auch von den verantwortliehen Führern der Arbeiterschaft bedauert werden. Der Vcrlauf der Demonstration hat bewiesen, daß es sehr schwer ist, eine solche Bewegung in der Hand zu behalten, wenn man sie entfesselt hat. Die radikalen und antizionistischen Elemente in der Arbeiterschaft haben die gute Gelegenheit zur Agitation ausgenützt. So wurde z. B. der Selbstmord einer kurdischen Jüdin, der Frau eines Arbeitslosen, die seit einiger Zeit an Depressionen litt, zu einer sehr bedenklichen Detnonstration vor dem Gebäude der Exekutive ausgenützt, wobei nur das große Polizeiaufgebot Zwischenfälle verhinderte. Was nützt es, wenn später der Vertreter des Jerusalemer Arbeiterrates eine Erklärung abgab, in welcher er die ganze Schuld an den Vorfälle« auf die Mitglieder der ״Frakzie“, der links- -der. Üoci» veratefe« ®!!«seit, i»ibftiif:־*Ä11iroi*derang־ gung an diesem Begräbnis schwerlich ohne Folgen sein wird. Wir wollen m.t den verantwortlichen Faktoren nicht über die Fehler rechten, die in der Aufregung dieser Tage begangen worden sind. Aber für das Gefühl der zionistischen Welt ist es unverständlich, daß aus einem relativ so geringfügigen Anlaß wie die Differenzen beim Seminarbau so schädliche Wirkungen entstehen konnten. Der Jerusalemer Arbeiterrat verhandelt gegenwärtig mit dem Bauunternehmer, Herrn Glückstein, wegen der Arbeitsbedingungen, und es wäre zu wünschen, daß doch noch eine Einigung zustande kommt. Aber nach unserer Meinung wären viele Schwierigkeiten erspart worden, wenn eine autoritative Instanz vorhanden wäre, die in solchen Fällen eingreift und auch die Aufgabe hat, vorgekommene Konflikte zu untersuchen und der Oeffentlichkeit zu berichten, schon um zu vermeiden, daß die Gegensätze durch beiderseitige Agitation immer mehr aufgebauscht werden und durch übertreibende Darstellungen die Sache des Palästina-Aufbaus geschädigt wird. Männer, in deren Hand die Verantwortung liegt, sich den Vorwurf machen lassen müssen, ein solches Gut des Landes und der ganzen Welt nicht gehütet zu haben. Palästina ist reich an Quellen, wie es bei einem Lande, das in seiner jetzigen Gestalt vulkanischen Kräften seinen Ursprung dankt, nicht anders zu erwarten steht. Werden alle diese Schätze gehoben, so wird damit nicht nur dem Lande in seiner augenblicklichen wirtschaftlichen Notlage eine neue und schnelle Einnahme erschlossen, sondern darüber hinaus dem ganzen vorderen Orient, vielleicht der Welt ein Heilschatz geschenkt, zu dem die Kranken noch nach Jahrhunderten pilgern werden. Möge es unserer Zeit beschießen sein, den Fortbestand dieser Quellen gegen alle Gefahren der Zukunft zu sichern.“ Wir sind der Ansicht, daß die Warnung eines Fachmannes dieser Art nicht überhört werden darf. Die palästinensische Regierung und auch die Zionistische Exekutive haben die Verpflichtung, darüber zu wachen, daß Palästina nicht eines seines größten natürlichen Reichtums beraubt wird. Wir glauben, daß eine s o f o r t i g e genaue Unter s 11 c 11 t! 11 g der Sache am Platz ist. Ein Darlehenslonds für Palästina New York, 28. März. (J.T. A.) Herr Nathan Lamport hat eine Summe von 100 000 Dollar zwecks Errichtung einer ,,Lamport Free Loan Foundation“ in Palästina gestiftet und sich Vorbehalten, diesen Betrag nach Bedarf zu erhöhen. Herr Samuel Charles Lamport, Mitglied der Exekutive der Zionistisehen Organisation Amerikas, wurde von Herrn Nathan Lamport ermächtigt, die Gründung der Foundation zu vollziehen, Kapitalsanlagen von Sir Robert Waley Cohen Jerusalem, 26. März. (J.T.A.) Der hier weilende Si! Robert Waley Cohen, der Präsident des Londoner Winschaftsrates für Palästina, hat hier in mehreren Unternehmungen beträchtliche Kapitalien investiert. U. a. hat er in Verbindung mit der Pica in der Nähe von Chedera ein Landareal im Umfang von 20000 Dunam zwecks Anlage von Pflanzungen erworben. Von Harry Epstein. Die soeben beendete Tagung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden hat mit 61 gegen 33 Stimmen bei 2 Enthaltungen einen Gesetzesvorschlag beschlossen, der den vom ״Rat“ vorgelegten ״Entwurf eines Gesetzes betreffend die jüdische Religionsgemeinschaff in Preußen“ nirgends verbessert, wohl aber in wesentlichen Punkten verschlechtert. Nur eine Fraktion, die liberale, stimmte geschlossen dafür, die Jüdische Volkspartei stimmte geschlossen dagegen, während die Stimmen der übrigen Parteien geteilt waren. Das klare Ziel der Jüdischen Volkspartei war, der Idee der Einheit des Judentums den Weg zu bahnen; Ein Recht für alle Juden in der Gemeinde; alle Juden in der Ortsgemeinde; keine Gemeinde außerhalb des Verbandes der Gemeinden. Dies Ziel ist nicht erreicht worden. Jedem soll es künftig möglich sein, jederzeit vor dem Amtsrichter ״wegen religiöser Bedenken“ den Austritt aus der örtlichen Gemeinde zu erklären. Der Versuch der Liberalen, für Leute mit weitem Gewissen die religiösen Bedenken in ״Gewissensbedenken“ abzuschwächen und so den Austritt noch mehr zu erleichtern, mißlang allerdings. Nur in seltenen Fällen hat der Ausgetretene noch einige Zeit gewisse Abgaben zu leisten. Der Antrag der Jüdischen Volkspartei, die Steuerdrückebergerei dadurch unmöglich zu machen, daß nach dem Austritt an den Landesverband Zahlungen weiter zu leisten seien, wurde von den Liberalen abgelehnt. Das ist die Regelung zugunsten derjenigen, die sich der jüdischen Steuerpflicht entziehen, aus atavistischen Empfindungen trotzdem nicht aus dem Judentum austreten wollen, jedoch keinen Wert darauf legen, Mitglieder einer jüdischen Gemeinschaft zu sein. Für diejenigen, die nur wenig Steuern zahlen wollen, aber billigeweise dafür nur eine geringere Gegenleistung verlangen, sollen künftig ״Personalgemeinden“ einjeriefctei wetten, deren Mitglieder aus der Ortsgemeinde* *'"'ätüstreten, 'jedoch nicht an 'eihetö׳'"'C4‘1i "zu M KJfiukk,.* brauchen, vielmehr über das ganze Land zerstreut sein können. Diese Personalgcmeinden, die in der Geschichte der Judenheit ein Novum bilden und im Gegensatz zum Begriff der Kehillah stehen, sollen ausgesprochenermaßen auch denjenigen Zuflucht gewähren, die aus einer Gemeinde glauben fliehen zu müssen, in der eine zionistische Minderheit zur Mehrheit geworden ist und programmgemäß die Gemeinde als ״Volksgemeinde“ ansieht und behandelt, also, wie vorher, nicht nur Kultus-, sondern auch Kultur- und soziale Aufgaben erfüllt und sich infolge der Aenderung der Mehrheitsverhältnisse als Objekt einer Majorisierungspolitik nicht mehr eignet. Mittels Verschlechterung des Entwurfs zimmerte die Mehrheit des Verbandstages diese Personalgemeinde ad usum proprium zurecht; Die lückenhaften Kautelen, die man für Verfassung und Verwaltung der Ortsgemeindc sich hatte abringen lassen, sollen für die Personalgemeinde nicht gelten. Sie wird ein ostjudenreines Konzentrationslager reicher, nur jüdisch bedürfnisloser Steuerflüchtlinge mit transportabler Notsynagoge und jährlich zweimaligem geistlichen Zuspruch sein. Beim Abzug aus der Kehillah wird man die Zionisten und Ostjuden, den Kampf um die Durchsetzung der Frauenrechte, die Geldsorgen der Gemeinde hinter sich lassen und das Goethewort Lügen strafen: ״Widersacher, Weiber, Schulden, ach, kein Ritter wird sie los!“ Solange man aber die Ortsgemeinde noch nicht verlassen hat, wird man, wie bisher, durch Drohung mit Austritt oder liebertritt zur Personalgemeinde und Entziehung des Geldbeutels große Wirkungen erzielen und sogar als Minderheit einer Gemeindevertretung den Willen aufzwingen können. Was wird die Personalgemeinde erreichen? Sie kann nichts schaffen, sie kann nur zerstören. Auch die vom Rat beschlossene Bestimmung, jede Gemeinde müsse irgendeinem Geineindeverband, dem großen oder dem Halberstädter angehören, wurde von der Mehrheit des Verbandstages umgestoßen. Die Gründe des Nichtbeitritts zum Gemeindeverband sind für die abseitsstehenden Gemeinden keine andern als die Gründe des Austritts aus der Gemeinde für den einzelnen Juden: Vor dem Klal kommt das Geld. Nicht einmal religiöse Bedenken braucht die Gemeinde vorzubringen, die sich von der Allgemeinheit ausschließt. Sie kann das ja auch nicht, weil es ihr freistände, einem Verbände ihrer Richtung beizutreten. Was man dem Gesetz von 1847 mit Recht vorgeworfen hat, die Versagung der Zusammenfassung aller Gemeinden, die das Gesetz aus Gründen der Staatsraison damals für nötig hielt, ist durch die Reichs- Verfassung nunmehr beseitigt. Die Judenheit hat ihr Schicksal selbst in der Hand. Sie hat jetzt das Recht, sich zu einer Einheit zusammenzuschweißen. Sic hat es aber nicht verstanden, von diesem schönen Recht Gebrauch zu machen. Man wollte der starrsinnigen Eigen-

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