Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1927)
- Date
- 1927-03-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 24 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 173 Der Karmel als Siedlungsgebiet Von Richard Kauffmann, Jerusalem. Entwicklungstendenzen von Haifa. Der Karmel als Wohngebiet verdient vor allen übrigen palästinensischen Plätzen besondere Beachtung infolge seiner speziellen Lage zu Haifa. Haifa verspricht von allen Städten Palästinas die bedeutendste verkehrstechnische und Wirtschaftliehe Entwicklung. Wirtschaftsgeographisch stellt es nicht nur den Schlüsselpunkt zum Lande selbst, sondern auch den zu seinen wichtigsten Hinterländern, mehr oder weniger zu diesem ganzen Teil des vorderen Orients dar. An der Verkehrslinie Kairo—Haifa-Beirut—Konstantinopel—Europa gelegen, der zu ihrem vollen Ausbau nur noch die verhältnismäßig kurze Strecke Akko—Beirut (zirka 120 km) fehlt*), bildet es den Verknüpfung«- punkt, Ausgangs- bzw. Kreuzungspunkt mit einer anderen Verkehrsstrecke der Zukunft von gleicher Bedeutung, nämlich der Uebersce—Haifa—Transjordanien—Bagdad (evtl. Mossulf—Indletj-Linie**). Wird nun der Hafen an der für ihn naturgegebenen Stelle, nämlich bei Haifa, gebaut, so ist der wichtigste An* knüpfungspunkt für diese Strecke gegeben. Es liegt nicht fern, daß mit dem Ausbau dieser Verkehrslinie die Wirtschaftsgebiete Palästinas und seiner Hinterländer nach Haifa als Umschlags* platz und zum Teil auch als Produktionsort tendieren werden, so daß Haifa damit einer starken und gesunden wirtschaftlichen Entwicklung entgegensehen wird. Somit erhält auch hierdurch der Karmel eine erhöhte Beifeutung als Wohngebiet, die noch gesteigert wird durch seine vorteilhafte Lage zu Haifa und dessen Entwicklungsgebiet selbst. Der Karmel ist Haifa nach Westen zu gegeu das Mittelmeer hin vorgelagert. Was bedeutet dies? Die hauptsächlichsten und wichtigsten winde Palästinas gerade zur Sommerszeit sind die Küsten-Westwinde, die den größten Teil des Tages vom Meer her landeinwärts wehen. Sie erreichen über das schmale Küstenband zwischen dem Meer und dem Karmelfuß unmittelbar die Hänge und Höben des Kannelgebirges und streichen dann erst über Haifa und die weite anschließende Ebene hinweg. Das heißt also: die Entwicklung von Haifa mit seinem Hafen, ausgedehnten Bahnhofsanlagen und Industriegebiet kann nur in der Ebene östlich und nordöstlich des Karmel vor sich gehen. Die Westwinde, die von dem Kanne! nach diesem sich entwickelnden Haifa und der Ebene hin wehen, werden die Abgase und den Rauch der Industrie nach Osten zu dem landwirtschaftfichen Gebiete der Ebene hin abweiten, so daß der Karmel als Wohngebiet verhältnismäßig frei bleiben wird von diesen Schädigungen der Großstadt, und trotz seiner Nähe zu ihr reine Berg• und Seeluft haben wird. Karmelgelände in jüdischem Besitz. Im Hinblick auf die Vorzüge des Karmel als Wohngebiet hat die Palestinc Land Development Company wichtige Gelände auf dem Karmel in jüdischen Besitz gebracht Es wurden von ihr im ganzen etwa 6000 Dunam, das sind zirka 550 ha, erworben, die nach ihrer Lage vorläufig mit den Bezeichnungen Zentral-, West- und Süd-Karmel belegt wurden. Zentral* und West-Karmel, die in Einzclparzellcn parzelliert sind, sind von der P. L. D. C. zum größten Teil im Laufe der letzten Jahre an Zionisten in Palästina, Deutschland, Oesterreich, den Ländern des Ostens, Amerika, Aegypten usw. verkauft worden. Zurzeit ist nur noch eine verhältnismäßig kleine Anzahl Parzellen, die zum Verkauf stehen, im Besitz der P.L.D.C. Der sogenannte Süd-Karmel ist bereits vor einigen Jahren als geschlossene Elf che an dne repänt«;hr Acfcusah übertragen worden, die Aijsiedlungeo auf diesem ö«׳finde uhtet;d'fem Watne*׳ ״Achusah Herbert Samuel“ 'in Angriff genommen hat. Die Bebauungspläne für diese Karmelböden, ehe von dem Verfasser entworfen wurden, sehen den Forderungen der Palestine Land Development Company entsprechend die Aufteilung dieses Geländes in Einzelwohnparzellen vor. Plätze für Gemeinschaft«- bauten verschiedener Art sind in hierfür geeigneten Teilen der Siedlung vorgesehen. Die Hänge sind offen gehalten für Aufforstung als Waldgebiet im Gemeinbesitz der Siedlungen. Jeder dieser Karmelböden hat seine besonderen Vorzüge, was Lage und Aussicht anbelangt. Von fast allen Teilen des West- Karmel überblickt man die weite blaue Fläche des Mittelmeeres, während der Zentraf-Karmef hauptsächlich die mannigfaltigsten Ausblicke in die Bergtäler, auf die Hänge des Karmel und auf die nähere und weitere Umgebung ermöglicht und die ״Aehusah Herbert Samuel“, je nach der Lage, Grundstücke mit allen diesen Blickpunkten hat. Hierbei haben im allgemeinen die Plätze auf den Höhen den Vorteil einer ebeneren Gestaltung, die Grundstücke an den Randstraßen sind mehr oder weniger steil, haben jedoch den großen Vorzug, daß, wenn hei manchen von ihnen das Bauen selbst schwieriger sein dürfte, die freie Aussicht niemals verbaut werden kamt. *) Ausbau bereits geplant. **) Die Bahnlinie Haifa-Damaskus besteht bereits. tueb auf dem Tisch vor dem Wachstuchsofa. Aber in den letzten Seiten, als die Luft schon schwer und gewitterdrohend geworden ist, da erscheint wie eine Vision vor den Augen des schwerkranken jüdischen Versicherungsagenten, der im! Krankenhause liegt, das Elternhaus in dem kleinen böhmischen Städtchen: neben den Gebetbüchern Heines Gedichte in Goldschnitt und mit Illustrationen, die Bibliothek seiner Eltern; und da erscheint auch schon die zwerghafte Greisin, die seine Mutter war, hat ihm ״Kücherln“ mitgebracht und sieht, daß ihr Kind ״sehr schlecht aussieht“. Wie aus dieser Idylle die Tragik — ja: das tragische Heldentum hervonvächst, das ist das Thema des kleinen Buches. Der Magazinaufseher Fiala, der einst in Pelz und silberbetreßtem Dreispitz nichts gelängeres als Portier bei der Finanzlandesprokuratur war und noch von den glorreichen Erinnerungen an diese Glanzzeit seines Daseins lebt, hat sich mit dem letzten Rest der Ersparnisse, den ihm die mörderische Zeit übrig ließ, in einer Lebensversicherung eingekauft, damit nach seinem Tode seine Frau und sein armer schwachsinniger Sohn nicht aufs all-?©meine Versorgungshaus angewiesen seien. Vierundsechzig ahre ist er alt — ״hundert Jahre wird er werden“, wie ihm der beflissene Versicherungsagent beteuert —, und wenn das Ableben nach vollendetem fünfundsechzigsten Lebensjahre erfolgt, dann wird das Kapital mit reichen Zinsen den Erben ausgezahlt. Vierundsechzig Jahre ist er alt; da wird er krank. Und nun erwächst aus dem Kleinbürger der tragische Held. Es beginnt ein heroischer Wettlauf mit dem Tode; und in Qual und Pein und Wunden siegt der unerbittliche Wille des Menschen. Er stirbt zwei Tage nach seinem fünfundsechzigsten Geburtstage. ״Zwei Tage über sein Ziel war er hinausgerannt wie ein guter Läufer.“ Unter seinem Kopfkissen findet man den leeren Kalenderblock, der sein verzweifeltes Ringen begleitete. Wenn Werfel im ersten Teile der Novelle das Leben des Kleinbürgers in seinem Alltag schildern will, spürt man wohl manchmal, daß er auf fremden Wegen wandelt; manchmal stört eine leichte Ueberbetontheit: ״Seht ihr, das kann ich auch!“ Aber wenn er das Ringen des Menschenqeistes mit dem Tode darstellt, da ist er ganz er selbst, seine Welt — die Schöpfung, die um des Menschen Willen geschaffen wurde... Vielleicht der größte Augenblick der Er- Zahlung: als die Frau, die, kleinlich und gedrückt, schon mit dem Tode des Gatten sich abgefanden hat, während er noch Stand der Besiedlung auf dem Karmel. Auf allen dreien dieser genannten Karmel-Böden haben sich bereits Siedler niedergelassen. Straßen sind gebaut, Häuser errichtet und Gärten angelegt worden. Erst im vergangenen Jahre hat die P. L. D C sowohl im Zentralwie auch im West-Karmel Erdarbeiten für eine große Anzahl von Straßen ausgeführt, einige Straßen chaussiert und so eine wichtige Arbeit zur Erschließung dieser Böden geleistet. Außer diesen lokalen Gelände-Aufschließungs-Straßen werden zwei Möglichkeiten für die allgemeine Karmel-Er• Schließung mittels seiner Verbindung mit Haifa erwogen, von denen wohl die wichtigste die von Ingenieur Ruthenberg geplante Zahnradbahn ist, deren Projekt gesichert erscheint. Außerdem plant man, eine Straße zu bauen, die den Karmef direkt mit Hadar-Hakarmel, der neuen jüdischen Oartenvorstadt von Haifa, verbindet Dieses System von Verbin• düngen würde mit den bereits vorhandenen zwei Zufahrt- Straßen zu dem Karmel eine ausgezeichnete Verbindung mit Haifa gewährleisten. Heute versehen einige Auto-Omnibusse sowie Kleinere Autos den Verkehr zwischen Haifa und dem Karmel. Diese bereits geleisteten Erschließungsarbeiterl sind von der Absicht getragen und an sich dazu angetan, einen weiteren Anstoß für die Besiedlungstätigkeit des Karmel zu geben. Die Mitarbeit bei der Aufbauarbeit, die sich jeder Parzellenbesitzer zur Pflicht machen sollte, scheint nicht sehr schwierig und ist in jedem Fall eine durchaus produktive Betätigung. Es sind vor allem zwei Dinge, die hier empfohlen werden sollen; einmal die sofortige Be- Pflanzung der Einzclparzellcn sowie die Aufforstung der Berghänge und andererseits die Errichtung von Wohnebauden, auch solche von bescheidenerem Umfang auf iesen Parzellen. Beide Arbeiten stellen produktive und gute Investitionen dar. Einmal wird die Nachfrage nach Wohnungen auf dem Karmel sowohl für in Haifa Tätige als auch für Familien, die während der heißen Jahreszeit einen Kuraufenthalt auf dem Karmel in Anspruch nehmen wollen, immer größer, andererseits ist für jeden der Par- Zellenbesitzer von einleuchtendem Vorteil, ein Wohnhaus mit Garten an dieser bevorzugten Stelle des Landes zu besitzen, das ihm zu vorübergehendem oder dauerndem Aufenthalt zur Verfügung steht. Es sei hierbei noch besonders erwähnt, daß die Zahl von ägyptischen Familien (insbesondere von Zionisten, die zur heißen Jahreszeit die gegenüber Aegypten klimatisch bevorzugten Gebiete Palästinas, besonders des Karmels aufsuchen) im Wachsen begriffen ist. Geographisches. Die geographische Struktur Palästinas ist gekennzeichnet durch allgemein von Süd nach Nord verlaufende' Richtungslinien. Die Meeresküste sowie die Küstenebene, das cisjordanische Bergland, der Einschnitt der Jordansenke mit dem Toten Meer sowie das transjordanische Bergland weisen alle diese typischen Richtungslinien auf. Nur in einem Teil ihres Verlaufs unterbricht eine Ebene diese Struktur: der Emek-Jesreel die Kischon-Ebene, letztere im Süden begleitet von dem Bergzug des Karmel. Von dem Gebirge Ephraim im Süden ausgehend, dringt der Karmel als keilförmiges Gebirgsmassiv mit seiner Spitze im Norden zwischen der Küsten-Ebene im Westen und der Kischon-Ebene im Osten in nordwestlicher Richtung bis zum Meer vor, am sogen. Karmel-Kap nordwestlich des heutigen Haifa endend. In derselben Richtung geht seine mehr oder weniger ausgesprochene Höhenlinie, beginnend mit einer Höhenlage von etwa 150 m bei dem Französischen Karmef- Kloster ,®berfiSß m bei dem Karmel-Hotel, bis er in seinem südöstlichen Teil Höhen von rund 50u m, m seinem höchsten Gipfel, dem Quambu’at durzijje etwa 550 m erreicht. Nach der Kischon-Ebene zu ist sei« Abfall ziemlich steil, während er nach dem Meer zu flacher ist. Zahlreiche Wadis (Bergtäler, die nur zur Regenzeit Wasser führen) durchschneiden seine Hänge zu beiden Seiten. Einige Quellen entspringen in seinem Gebiet, von denen die sogenannte Elias-Quelle die bekannteste ist. Das Hauptmassiv des Karmel besteht aus einem mittelharten Kalkstein, der in seinem südwestlichen Teile etwas eisenhaltig ist, und dadurch eine rötliche Färbung aufweist. An vielen Stellen, besonders an flacheren Teilen, ist der Fels mit einer fruchtbaren, kalkhaltigen Erde bedeckt, die mir an den Steilhängeu der Wadis zum Teil ausgewaschen ist. Klimatisches. Klimatisch stellt der Kännel ein besonders bevorzugtes Gebiet dar, ist er doch der einzige Teil Palästinas, der Höhen- und Seeklima gleichzeitig vereinigt und schon darum nicht nur als bevorzugtes Wohngebiet anzusprechen ist, sondern auch als künftiger Luftkurort dienen kann. Bewirken die hohen Temperaturen heißer Sommertage eine noch so drückende Hitze in Haifa, so ist auch dann die Temperatur auf dem Karmel eine viel kühlere, nicht nur verursacht durch seine Höhenlage an sich, sondern auch durch die immer lebt, plötzlich nach einem Gespräch mit ihrer hexenhaffen Schwester, anfängt, etwas von dem Geheimnis seines Kampfes mit dem Tode zu ahnen.Es war der erste und einzige Schreck vor Gott, den sie in ihrem Leben empfand...“ Neben diesem erlesenen kleinen Kunstwerk, das sehr tief in die Abgründe des Menschenherzen hineinführt, erscheint die Einleitung zu den von P. Stefan übersetzten Briefen Verdis (gleichfalls im P. Zsolnay-Verlag) fast wie eines jener schönen und ausruhsamen Werke, bei denen sich der gebildete Künstler von Glut und Qual des Schaffens zu erholen gedenkt. Wir wissen, daß sich Werfel seit vielen Jahren schon mit der Geschichte der Oper und besonders mit Verdi beschäftigt; die Uebersetzung Verdischcr Operntexte und besonders den großen Verdi-Roman verdanken wir diesen Studien. Hier sucht der Künstler nun das Bild jener Lieblingsgestalt, das er schon einmal im Roman in einem Wendepunkte des Lebens zu erfassen sich bemühte, historisch darlegend wiederzugeben. Sehr klar werden hier die Gründe dieser Liebe des jungen Werfel zu diesem monumentalen Menschen. Ergänzung, Befreiung von sich selbst findet der Romantiker, der immer Aufgewühlte und Verzehrte in dieser heroischen ,,Soldatennatur1•, in diesem naiven Menschen, der doch in Schicksal und Werk das tiefste Problem birgt ״Die Musik Verdis unterliegt der Kritik und dem Wandel des Zeiturteils. Sein Lehen ist paradigmatisch und weist als ein Vorbild in die Zukunft.“ Als man Verdis Leiche zur Bestattung führt, da dringt aus der Riesenseele der Menge, ohne Absicht und Plan, aus unerklärlieber Eingebung geboren, der Chor aus ״Nabucco“ . . . ,,Va Pensiero . . der Sehnsuchtsgesang der Hebräer an den Wassern Babylons nach den Worten des Psalms. Bertha Badt-Strauß. Vorlesung Werfel- Der letzte Dichterabend des Verbandes deutscher Erzähler — er galt Franz. Werfel — brachte dem Künstler und den Veranstaltern einen außerordentlichen warmherzigen und verdienten Erfolg. Nach einer vortreffliehen Würdigung der künstlerischen Persönlichkeit Werfels durch Jakob Schaffner sprach Werfel für die auf immer versunkene Welt des alten Oesterreichs einige Worte dankbaren Gedenkens; Oesterreich, das Land, in dem cs Rassen gab, die noch keine Völker, Völker, die noch keine Staaten wehende Seebrise, die, vom Mittelmeer kommend, seine Höhet! und Hänge bestreicht. Der Feuchtigkeitsgehalt der Atmo• Sphäre auf dem Karmel ist ein verhältnismäßig hofier, ein Umstand, der /um Teil auch zu seiner üppigen Vegetation beiträgt. Flora. Das reiche Pflanzenkleid des Karmel ist neben seinen sonstigen naturgegebenen Vorzügen und seiner herrlichen Lage einer seiner wesentlichsten Anziehungspunkte; verdankt er doch schon seinen Namen Karmel, d. i. ״Baumgarten“, dieser Tatsache. Wenn die heißen Perioden der trockenen Jahreszeit schon in den meisten Teilen des Land« die üppige Vegetation zum großen 1 eile verwischt hat, erfreut sich der Karmel immer noch eines lebendigen Pflanzenwuchses. Vor allem gedeihem hier eine Menge immergrüner Bäume, Sträuche!־ und Büsche das ganze Jahr hindurch. Fast nirgendwo in Palästina ^wächst die palästinensische Pinie so schön wie auf dem Karmel. Die Waldungen, die die Deutschen gepflanzt haben, sind vortrefflich gediehen, und auch die von uns angelegten Pinienwälder sind zum Teil schon in üppigem Wüchse übermannshoch geworden; auch die jung angelegten gedeihen vortrefflich. Von sonstigen Büttmen wachsen bcsonders schön auf dem Karmel noch der Johannisbrotbaum (Charub), d[e־ Kasuarine, Zypresse, palästinensische Eiche, Terebinthe, Leige, Olive und andere. Wild wachsen: Lorbeer. Pistazie und viele andere Buscharien. Sein herrlichstes Kleid trägt der Karmel im Frühling, dann ist er über und über bedeckt mit wild wuchernden Gräsern, Kräutern und Blumen in den leuchtendsten Farben. Ein Blumenteppich aus wilden Anemonen, Cyklamen (Alpenveilchen), Clematis, Hyazinthen, Orchideen. Margueriten und allen möglichen anderen Blumenarten vom reinsten Weiß, Rot, Blau, Violett und Gelb bedeckt seine Höhen und Hänge und erfreut das Auge durch sein herrliches Farbenspiel. Fauna. Der üppigen Flora entspricht ein ebenso reiches T!erleben, ln früheren Zeiten lebten noch Bären in seinen Hängen und Schluchten. Die schlanke, schnellfüßige Gazelle trifft "man ab und zu auf .Wanderungen; eine Unzahl anderer Säugetiere lebt außerdem noch in seinem Gebiet. Daß die üppige Vegetation, das mannigfaltige Buschwerk und die Bäume gleichzeitig die Heimat vieler Singvögel bildet, ist nicht verwunderlich Ihr jubilierender Gesang, die unzähligen Arten von bunten Schmet• terlingen, Faltern und Schwärmern ergänzt glücklich den Zauber der wilden Blumenlandschaft. Sehr häufig sind die Reptilien, von denen das farbenwechselnde Chamäleon und der drollige Mauergeko die interessantesten sind. Schönheit des Karmel. Schon die geschilderten Tatsachen allein würden genügen, den Karmel besonders anziehend zu gestalten; weit über diese hinaus kommt diesem begnadeten Bergzug jedoch noch seine herrliche Lage zugute. Von fast allen seinen Teilen, den Höhen und Hängen aus eröffnen sich die herrlichsten Ausblicke über Schluchten und Täler in grünem Pflanzenkleid hinweg auf die dunkelblaue weitgedehnte Fläche des Mittelmeeres, dann wieder auf den unvergleichlichen schönen Golf von Haifa- Akko mit seiner elegant geschwungenen Küstcnlinie, Akko und die Berge Nord-Galiläas mit dem schneebedeckten Hermon und Libanon im Hintergrund oder die Täler und Höhenzüge des Karmel selbst mit dem Tale des Kischon, dem Emek- Jesreel und den fernen transjordanischen Bergen. Der Karmel ist ein herrliches Wandergebiet und ein begnadetes Wohngelände. Wir hoffen und müssen dafür Sorge fragen, daß unsere und künftige Generationen das verstehe ri werden, und daß es uns und ihnen gelingen wird» sich diese besonderen Vorzüge nutzbar zu machen, blühende Wohn sslsd'imgeii *dort Kt etädtisa .1א«צ .w sJJe* jutät. selig», ״•7י«ו־ kanfesten Teile, die schönsten Höhen, Täler und Hinge der Allgemeinheit offen zu halte«, und zwar durch Errichtung öffentlicher Anlagen, Forste und Naturschutzparks (Reservationsgebiete). Geschichtliches. Kraft seiner besonderen Bedingungen und Vorzüge mancherlei Art, auf die oben flüchtig־ eingegangen wurde, hat der Karmel schon von Urzeiten her eine wichtige Rolle gespielt. Viele Geschlechter sind über ihn hinweggegangen, Siedlungen sind entstanden und wieder verschwunden, um ständig wieder neuen Platz zu schaffen. — Seine Geschichte ist noch verhältnismäßig wenig erforscht, doch zeigen uns Funde und Ueberreste, aaß zu verschiedenen Zeiten Siedlungen dort bestanden haben. Bei einer Kammwanderung über den Karmel findet man an vielen Stellen des Grates die Reste einer prähistorischen Straße »wie Zeichen ganz früher Siedlungen. Auch in den Zeiten der Blüte Palästinas unter jüdischer Herrschaft muß der Karmel eines der bevorzugtesten Siedlungsgebiete gewesen sein. Seine Schönheit wind oft in der Bibel gerühmt. Der Karmel galt als ״Berg Gottes“ und war den Einwohnern heilig. Verfolgte suchten hier Zuflucht, wovon noch zahlreiche Höhlen Zeugnis ableeen. Pythagoras soll, von Aegypten kommend, sich eine Zeitlang auf den Karmel aufgehalten haben. bildeten, war die große Wiege für viel fruchtbares Geschehen. Die Heimat von vielerlei Begabung, Schmiegsamkeit des Fuhlens und alter Kultur, geschaffen und zusammengehalten durch eine tausendjährige Schicksalsgemeinschaft. Werfel las dann die Novelle der ״Tod des Kleinbürgers“ (im Buch bei Zsolnay) als Requiem auf ein Stück Altösterreicli. In Wahrheit wurde sie aber viel inehr, nämlich ein Menschheitsdokument, ein zwar weniger romantisches aber ebenso großes Heldenlied der Gegenwart. (Eine Besprechung dieses Werkes finden unsere Leser an anderer Stelle. — A. d. R.) Werfel war seiner Novelle und einigen sehr wertvollen neuen Gedichten ein wundervoller Interpret. Ruth M o r 0 I d. Novell!, Sechs religiöse und Familienszenen aus dem Leben der Juden in Venedig, ausgangs des 18. Jahrhunderts. Mit erläuterndem Text von Dr. Otto Ebstein, ln eleganter Mappe M. 28,— , Luxusausgabe auf Bütten M. 50,—. (Verlag des Literarischen Instituts für Kirnst und Wissenschaft, Berlin W 30.) — Nach den fast vergessenen, der Allgemeinheit nicht mehr zugänglichen meisterhaften Kupferstichen des venezianischen Malers und Radierers Novelli sind in der Berliner Reichsdruckerei diese künstlerisch vollendeten Re- Produktionen hergestellt worden. Wir können die Anschaftung dieser Kunstblätter, die sich auch vorzüglich als Wandschmuck eignen, unseren Freunden aufs angelegentlichste empfehlen. ,JCirjath Sepher'‘, Dieser Tage erschien das vierte Heft des dritten Jahrgangs der bibliographischen Vierteljahrsschrift ״Kiriath Sepher“, dem Organ der Jüdischen National- und 1Universitätsbibliothek Jerusalem. Das Heft enthält: Nachrichten der Bibliothek. Palä’stinabibliographie. Bibliographie der Hebraica und Judaica. S. Assaf: lieber das Buch Mischpete Schwuoth. J. L. Fleischer: Dreitausend Manuskriptseiten von R. Wolf Boskowitz. Aus den Manuskripten der Bibliothek: f. Benzwi: Die Geschichte der aschkeaasischen Siedlung in f’ekin. A. Tauber: Bemerkungen hierzu. B. Dinaburg: Brief von S. J. Rapoport. Mit diesem Heft schließt der dritte Jahrgang von ״Kirjath Sepher“.