Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 23 (22.3.1927)
- Date
- 1927-03-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Warschau, Mitte März. Es wimmelt in Polen von palästinensischen und zionistisehen Gästen. Nach Deedes, der sozusagen die große zionistische Offensive in Polen eingeleitct hat, kam die vier- ״liedrigere Keren Hajessod-Delegation aus Erez-Israel (Le- «■־in, Ostrowski, Tschernowitz und Borowoi), dann kamen aus Paris die Führer der Revisionisten: Jabotinskyund Großmann; nachher trafen ein: die bekannten hebräischen Dichter Natan Bistritzki und Frau Elischewa; den ״Misrachi“ besuchte Rabbi Meir Berlin aus Amerika und vom Hauptbureau des Nationalfonds begrüßten wir Dr. Wo11 stein. Auch Schalom Asch, der während!eines letzten Aufenthaltes in Polen gleichfalls in die zioni- •tische Diskussion eingriff, soll in diesem Zusammenhänge erwähnt werden. Eine Flut von Reden, Versammlungen, Vorträgen, Diskussionsabenden, Banketten, Zeitungsaufsätzen, Unterredungen, Parteizusammenkünften ergoß und ergießt sich noch über die polnischen Juden. Man kann manchmal kaum Atem holen. Ein großer Apparat wurde in Bewegung gesetzt und die Maschine arbeitet mit Volldampf. Die Produkte, die da erzeugt werden, bestehen zwar noch größtenteils in Worten, Phrasen und verschiedenen Redensarten; aber es kann nicht geleugnet werden, daß diese theoretische Auseinandersetzung von großer propagandistischer Bedeutung ist und viel dazu beitragen kann, aas polnische Judentum zur zionistischen Tat aufzumuntern. Kaum ein Land jüdischer Siedlung ist so eng verbunden mit der gegenwärtigen Krise in Palästina. Hat doch Polen viel zu ihrem Entstehen beigetragen und bekommt auch am schwersten ihre Folgen zu spüren. Nun hat die Erkenntnis, daß die Aufbaukrise nicht nur eine ökonomische ist, sondern auch in großem Maße eine innere Krise der zionistischen Bewegung bedeute, in Polen in den breiten Massen auch der Zionistischen Organisation kein richtiges Verständnis gefunden. Man sah nur die ökonomischen Zusammenhänge, und diese betrachtete man oft auch nur rein äußerlich und oberflächlich. Die Agitation der Zurückgekehrten, von der wir seinerzeit berichteten, hat dazu viel beigetragen und die Masse desorientiert. Der Mangel einer stark fundierten zionistischen Erziehung, der jetzt sehr scharf in Erscheinung tritt, bewirkte, daß des polnischen Judentums sich eine Schlaffheit bemächtigte, welche für unsere Bcwegung zur ernsten Gefahr wurde. Die führenden Kreise fanden keinen Ausweg aus dieser schweren Lage und eine Apathie trat ein, der sich bald auch die besten hingabeu. Wie überwindet man die Krise hier und dort? Welcher ist der Ausweg? Man wußte keine Antwort. Allerdings verlor man die Hoffnung nicht. Sprach man doch meistens in Polen von einer — fünften Alijah. Aber es war mehr eine Art .Messiasglaube, ein Ausdruck starker Sehnsucht als gut begründete und ernst durchdachte Anschauung. So kam es, daß in den Wintermonaten (1926), die sonst eine Periode intensivster Tätigkeit darstellten, jetzt fast die ganze zionistische Arbeit brach lag. Die Sammlungen für die zionistischen Fonds stockten, die Propaganda für den Schekel hatte sehr geringe Ergebnisse, die Aufklärungsarbeit war gleich Null, die Organisationen führten ein Scheindasein. Hic und da leistete man — ein begrüßenswerter Anfang — zionistische Kleinarbeit, vorwiegend auf kulturellem Gebiete, ln Galizien war es entschieden besser, aber auch dort fehlte Schwung und Stimmung. Die neuen Leiter des Hauptdirektoriums des Keren Hajesaod, welche wohl die Sprache der Keren Hajessod-Ziffjrn du•• :,Polen ׳verstanden ׳'und •au* ״feigener ״bester ׳ 'Erftftrwrig den starken Zusammenhang zwischen Fondssarmhlung und zionistischem Bewußtsein gut kenngn, faßten einen überaus glückliehen Entschluß, daß sie eine Delegation nach Polen sandten. Es ist das Verdienst der Mitglieder dieser Delegation, ins• besondere ihres Führers, Dr. Schmarjahu L e w i n , das pol-!rische Judentum, vornehmlich die Zionisten Polens, aufgerütielt und vor ihnen die Lage ins wahre Licht gerückt zu haben. Was Schmarjahu Lcwin gegenwärtig seit Wochen in Polen leistet, kann gewissermaßen mit seiner Pionierarbeit in Amerika verglichen werden. Der Prozeß ist vielleicht kürzer, aber gar nicht leichter. Die Aufgabe nicht minder schwerer und nicht weniger dankbar. Den fundamentalen Unterschied seiner Mission bezeichnete Lew in selbst, indem er uns schilderte, wie er in Amerika vor einer eisernen kalten Wand stand und lange Jahre hindurch mühselig ״kratzen" mußte, bevor er an die nackte jüdische Seele herankam. Hier aber in Polen, meinte er, habe er doch im ersten Anrühren den ״nackten" Juden vor sich. Und trotzdem begriff Schmarjahu Lewin bald wach seiner! Ankunft in Polen die Schwierigkeit seiner Aufgabe. Die Delegation ging rasch an ihre Arbeit heran, und Tag für Tag, allabendlich, in allen größeren und mittleren Städten Polens wird geweckt und gerüttelt, gehämmert und geschliffen. In erster Linie wird diesmal — wohlerwogene Absicht — die zionistische Masse aufgerufen. Warum ist die Mühe hier so schwer, beinahe so schwer wie in Amerika? Wir glauben, die Antwort hierauf folgendemaßen formulieren zu können: der amerikanische Jude ist sehr schwer zu erobern. Bis man ihn erreicht und von ihm sein amerikanisches Golusklcid herunterreißt, muß sehr viel Mühe und Schweiß geopfert werden. Erscheint er aber endlich vor uns mit seiner nackten jüdischen Seele, wie es Schmarjahu Lcwin ausdrückt, gewahren wir eine gewisse Naivität, Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit, welche Eigenschaften es ungemein erleichtern, ihn für das zionistische, palästinensische Ideal zu gewinnen. Anders in Polen. Vielleicht in ganz Osteuropa. Die nackte Seele entblößt sich recht bald. Aber meistens schlägt dir Kälte entgegen, hörst du Klügeln und Rechnen, gewahrst du Un- Wahrhaftigkeit, Kurzsichtigkeit tmd Verständnislosigkeit. Bei den Zionisten wiederum kann man beobachten; Ermüdung, Mangel an Schwung und Opferbereitschaft, in gewissen Fällen eine Demoralisation im organisatorischen Sinne. Wir wissen nicht, ob die palästinensische Delegation, die die Schwere der Lage erfaßte, dieselbe Diagnose wie wir stellte. Wer aber Gelegenheit hatte, z. B. als Keren Hajessod- Sammler, unmittelbar nach einem Pr0paganda״angriff" Schmarjalru Lewins und seiner Genossen unter die Leute zu kommen und über die Ergebnisse iiachdachtc - muß zu unserem Schlüsse kommen. Schmarjahu Lettin begriff sofort, was zu tau sei. Das Heilmittel, das er empfahl und selbst anwandtc, war kein neues und kein anderes als das der Erziehung. Also dieselbe Aufgabe, die er in Amerika unternahm, aber viel schwieriger, wegen des oben angedeuteten Unterschiedes in der Verfassung des Erziehungsobjekts, wegen der Kürze der Zeit und anderer Umstände, auf die u׳ir noch zurückkommen werden. Man erwartete allseits von Lewin eine genaue und exakte Schilderung de! jetzigen Verhältnisse im Lande, eine Stellungnähme zu diesem und jenem Problem unserer palästinensischen Wirklichkeit, andere befürchteten ein allzu strenges — Geldmahnen. Alle wurden aber enttäuscht, und darjn erblicken wir das größte Verdienst Schmarjahu Lewins. Er schob sozusagen das zionistische Denken und Trachten in ein ganz anderes Geleise, er schob die jüdische Masse in höhere Regionen empor, er gab statt Wirklichkeit — Geschichte, statt Jammertalblick — frohes Zukunftssehauen. Lewin war erstaunt, zu sehen, wie wenig der polnische Jude die Wandlung, die in der jüdischen Geschichte der letzten Jahre vor sich ging, begriff. Seine Vorträge galten also vornehmlich dieser Aufgabe; nt zeigen und zu erläutern, welche Stellung das jüdische Volk irt der Welt heute cinnimmt und wie dringend aus dieser geänderten Position die Konsequenzen in unserem Denken und Tun zu ziehen sind. Er verlangte Revision unserer inneren Beziehung zu uns selbst mul zu der uns umringenden Welt. Es konnte Lewin feiner nicht entgehen, wie sich die Be- Ziehung des polnischen Juden und Zionisten zum Aufgabenkreis des Zionismus verändert hat. Er versuchte nun die echten Zusammenhänge zwischen Idee und Wirklichkeit aufzudccken, sprach überzeugend von der Freiheit eines Volkes, wie sie gewährt und wie sie — erlangt wird. Die Krise, wie sie in uns selbst lebt und sich nur 111 Palästina auswirkt, verstand Le wir! meisterhaft zu schildern und brachte so diese Erkenntnis, die bisher rtin wenige in Polen hatten, breiteren Kreisen bei. ... Die Hauptprinzipien und manche vergessenen Grundsätze ׳ cfc echten Zionismus fahrt ׳ ׳ mm -die polnischen Juden nun wieder. Und was Lewin und seine Mitarbeiter den zionistisehen Führern zu sagen hatten, war edelster Mahnruf und stärkste Aufforderung zur Selbstbesinnung. Wir stehen nicht an, zu behaupten, daß auf diese Weise die beste Propaganda für den Keren Hajessod geleistet wird, wenn auch das materielle Ergebnis zurzeit noch klein ist. Damit geerntet wird, muß gesät, jetzt in Polen tief und lang gesät werden, da der Boden verwahrlost ist. Die Früchte werden reifen, wenn auch langsam. Man vergaß in Polen allmählich, was Spezifisches und Eigenartiges die Keren Hajessod-Leistung bedeute. Es sei hier die Wahrheit ausgesprochen, daß letztens diese Leistung ganz herabgewürdigt wurde zu kleinen Almosen, wie sic ähnlich für viele philanthropische Zwecke gespendet werden. Auch hier gilt es wiederum, Erziehungsarbeit zu leisten und dem Bewußtsein nicht nur der Geber, aber auch der Nehmer einzuprägen, daß wir, wenn es schon nicht immer möglich ist, Eine amerikanische Jüdin (Rebckah Kohut, My Portion. An Autobiographv. New Vork, Th. Seltzer, 1925.) Mancherlei Stimmen sind in den letzten Jahren aus dem jüdischen Amerika zu uns herübergedrungen, die eine allmähliche Wandlung in der Stellung des amerikanischen Juden zu seiner Umwelt erkennen ließen. Da erklang zuerst die begeisterte Stimme der russischen Jüdin Mary Anti 11, die in Amerika das neue ״Gelobte Land" (The Promised Land nannte sie ihr Buch) entdeckte. Die Naturalisation des russischen Juden bedeutete für sie ״die Adoption Amerikas durch das jüdische Herz", ln den beiden Bekenntnisbüchern Ludwig Lewisohns ״Gegen den Strom“ (Up Stream) und ״Israel“ hörte man schon andere Töne. Zwar die Begeisferung des jüdischen Einwanderers für das Geistesleben der neuen Heimat ist die gleiche geblieben; es ist ja bekannt, wie Lewisohn im geistigen Amerika selbst zu einer geistigen Macht wurde. Aber die Haltung der Umwelt — die ״offenen Arme", von denen Mary Antin erzählt — wandelte sieh. Bekanntlich hat Lewisohn in seinem zweiten Buche aus den bitteren Erfahrungen des ״Kampfes gegen den Strom“ seine Theorien über den Zusammenhang der bankerotten Assimilation und des erwachenden Antisemitismus entwickelt; bis er dann im Lande Israel seine Lösung der drängenden Frage fand: die Lösung auch für den amerikanischen Juden, der als Jude sein Teil zur Kultur der Menschheit beizutragen strebte. —• Viel schärfer noch und stoßkräftiger hatte dann Maurice Samuel in dem beherzten Buche ״You Gentiles“ — den Titel kann man eigentlich nur durch ״Ihr Gojim“ wiedergeben — die tiefe Kluft gekennzeichnet, die zwischen den Juden und den Völkern der Erde immer bcstanden hat, überall besteht und bis zu den Tagen des Messias bestehen muß, soll nicht das Judenvolk Recht und Anspruch auf die Ewigkeit seines Einzeldaseins verlieren. In der Mitte zwischen diesen aus der Verneinung geborenen und mit ihr kämpfenden Büchern steht nun das Lebensbuch einer amerikanischen Jüdin, das ganz auf Bejahung gestellt ist; Bejahung des eigenen Jude-Seitts und des Anders-Seins der Völker. Ein Buch der Versöhnung; doch nicht einer schwächlichen und feigen Versöhnung durch Angliederungen an die Umgebung. Denn einer der Hauptunterschiede zwischen den Lebenserinnerungen der Frau Kohut und den eben erwähnten Büchern besteht darin, daß alle jene Bücher von mehr oder weniger judentumsfremden Menschen stammen . Mary Antin ist stolz darauf, mit dem Ghetto der alten Heimat auch die Ghetto- Sitten und Gebräuche des alten Glaubens abgestreiff zu haben, und Ludwig Lewisohn, dessen Kindheit unter dem Zeichen des Christbaumes stand, ringt sich erst langsam zu neuer Erkenntnis des alten Vätererbes hindurch. Rebekah Kohut dagegen entstammt dem Adel jüdischen Geisteslebens und ist sich in ihrem reichen Leben der Verpflichtung dieser Abstammung immer und getreulich bewußt geblieben. ״Tochter, Gattin und Mutter, eines Rabbiners“ so nennt sic sich einmal selbst. Gern möchte man glauben, daß die harmonisierende Stimmung ihres schönen Buches nicht nur der glücklichen Veranlagung dieser Frau, sondern auch der Atmosphäre des jüdischen Rabbinerhauses zu danken ist. Und vielleicht sind in der Tat das Reizvollste in diesem inhaltsreichen Buche die Bilder aus dem Leben zweier jüdischer Rabbinerhäuser, aus ihrem Vaterhause und aus dem Hause ihres Gatten. Ihr Vater, Dr. Bef teihe im, entstammte einer weitberühmten ungarisch-jüdischen Familie, deren Häupter entweder Rabbiner oder Aerzte gewesen waren; er selbst begann noch in reiferen Jahren, nachdem er mit Frau und sechs Kindern als Rabbiner nach Amerika gekommen war, dort Medizin zu studieren. Wie Juden und Christen sich zu seinen hebräischen Lehrstunden drängten; wie sein bescheidenes Haus in Richmond, wo doch der Mangel kein seltener Gast war, allmählich fast etwas wie eine kleine Republik des Geistes bedeutete inmitten einer materialisierten Welt, das erzählt die Tochter mit Liebe und Stolz; und etwas von wahrhaft messianischer Stimmung umschwebt die erschütternde Erzählung von seinem Tode auf offener See, auf der Rückkehr von einem letzten Besuche der alfen Heimat: seine Freunde und Reisegefährten, zwei katholische Geistliche, die er im Hebräischen unterrichtet hatte, lasen für ihn die Sterbegebete aus seinem eigenen Sidur. — Alexander Kohut, der glänzend begabte Führer der amerikanischen Orthodoxie im Kampfe der Rabbiner!, dessen sich aus seiner Studienzeit .-»...- ..——...... eine Maassersteuer, ao doch eine verhältnismäßig große Pflichterfüllung zu fordern haben. Also, wie wir sehen, überall haben wir mit Erziehung zu tun, und in diesem Lichte gesehen, begann die Keren Hajessod- Delegation eine erstrangige und ftmdamcntalc zionistische Tätigkeit. Kaum hat diese Propaganda begonnen, traf Vladimir Jabotinsky in Polen ein und begann mit seiner Agitation für den Revisionismus. Seine Tournee dauert an, aber schon jetzt, nachdem er die wichtigsten Städte besucht hat, ist es möglich, die mutmaßlichen Resultate festzustellen. Nach dem oben Geschilderten werden wir Jabotinskys Auftreten vom Standpunkte der «richtigsten zionistischen Aufgabe, in Polen, der der Erziehung, zu beurteilen haben. Dtvide el impera! Warschau, 18. März. (J.T.A.) Zwischen dem Klub jüdischer Deputierter und Senatoren in Polen und der polnischen Mehrheitsfraktion war es in den letzten Tagen zu einer gewissen Spannung gekommen, indem seitens der polnischen Rechtsparteien für die künftigen Sejm- und Senatswahlen eine neue Wahlkreiseinteilung vorgeschlagen wurde, nach der die einzelnen Wahlkreise so zugeschnitten werden, daß die Kandidaten der Minderheiten, insbesondere die jüdischen Kandidaten, schwer durchdringen würden. Die übrigen polnischen Parteien waren bereit dieser Wahlkreiseinteilung zuzustimmen. Auf Initiative des Sejm-Präsidenten Rataj fand im Sejm-Gebäude eine interparteiliche Konferenz statt die sieb mit dem Vorschlag der neuen Wahlkrciseinteilung befaßte. Die Zahl der Sejmdeputierten soll von 444 auf rund 300 herabgesetzt werden. Den jüdischen Deputierten und den anderen Minderheitsvertretern wurden für den Fall ihrer Zustimmung zum neuen Wahlgesetz Garant icn geboten, daß eine Mindestzahl i h r er Kandidaten gewählt xverden würde. Dem Jüdischen Klub wurde insbesondere die Konzession gemacht, daß nicht nur eine bestimmte Zahl Sitze den Juden tm Sejm und Senat reserviert bliebe, sondern daß auch eine besondere jüdische Wahlkommission zur Wahlkontrolle eingesetzt werde. Dafür sollten sich die Juden verpflichten, auch gegen den Willen der anderen Minderheiten für das neue Wahlgesetz zu stimmen. Der Jüdische Klub hat jedoch das Angebot mit der Erklärung zur ii ckge wiesen, daß er nicht willens sei, seine Interesse« auf Kosten der übrigen Minderheiten zu sichern. * Warschau , 18. März. (J.T.A.) Thomas Mann, der vom Warschauer P. E. N.-Klub nach Polen eingeladen wurde, war bei seinem Aufenthalt in Warschau Gegenstand _ großer Ehrungen seitens der polnischen Schriftstellerwelt. Der jüdische Schriftstellerverein wurde aber zu den Veranstaltungen nicht eingeladen. Der Verein sandte an Thomas Mann eine schriftliche Begrüßung und sprach dabei das Bedauern aus, daß ihm durch Nichteinladung keine Gelegenheit gegeben ist, mit dem Gast persönlich in Berührung zu kommen. In einem Gesprach mit dem Vertreter von ״Nasz Pszegiond“ sagte Thomas Mann, die Nichteinladung des jüdischen Scnriftstellenrereins betrachte er als einen dunklen Punkt in seinem Warschauer Besuch; er bitte, den jüdischen Schriftstellern seinen Dank für die Begrüßung auszudrücken. Mi&rsshi «ad Agodah Dem ״| ü di sch en Wochenblatt“ in Frankfurt a.M wird aus Breslau mitgeteilt, daß dort im Zusammenhang mit tkr Festversammlung zur Feier des 25 jährigen InbiiSums der Weltorganisation Misrachi, bei der Ministerialrat Goslar (Berti»)׳'die Festrede MeM, am gfekhen ׳Xmat&lMtg *ät&lBfiCy’ Versammlung im Hause eines führenden Misraehlsten abfehilte« würde, an der etwa 60 Personen teilnahmen und die ein be merkenswertes Novum brachte; die Agudas jisroel war bei dieser Veranstaltung durch ihre Breslauer Führer und durch den bekannten Dr. Sal. Ehrmann vertreten, der sich mit einer möglichen Zusammenarbeit zwischen Misrachi und Agudah bei ihren Arbeiten in Erez-Israel befaßte. Es wurde eine Resolution gefaßt, deren Wortlaut zwar noch nicht _ vorliegt, die aber besagt, die Leitungen der beiden Organisationen sollten einen Weg zu finden versuchen, der aut dem Gebiet der Erz i e h 1111 gsa rb eit ein völlig reibungsloses Nebeneinanderarbeiten, bzw. die Vorbereitungen zu einer Zusammenarbeit in Erez-Israel ermöglicht. Die Vlll. Landeskonferenz der polnischen Zionisten soll am 5., 6. und 7. Juni stattfinden. (Sko.) in Deutschland auch hier noch manche unter der älteren Generation erinnern, wurde dann ihr Gatte. Fast gegen den Willen ihrer Familie, die vor den Opfern eines solchen Lebens für die geliebte Tochter und Schwester zurückschreckte, entschloß sieh das junge Mädchen, dem früh verwitweten Manne die Gattin, seinen acht Kindern die Mutter zu ersetzen. Erst als der jugendlich schöne Mann, dessen dunkelbärtiger Kopf an Theodor Herz! erinnerte, ihr durch allzu frühen Tod geraubt war, als sie seine — und ihre! — acht Kinder zu selbständigem Leben ausgerüstet hatte, kehrt die rcichbegabte Frau zu ihrer eigenen Wirksamkeit, zu de« Idealen ihrer Jugend zurück: zu ihrer sozialen Arbeit Und so wird dies Buch schließlich auch zu einem höchst intercssanten Abriß der Entwicklung der sozialen Arbeit der Frau in Amerika: von den kindlichen Blumenspenden des halbwüchsigen Mädchens au die Armen zu der erst allmählich organisierten Fürsorge für die Flüchtlinge, und zu der großen Aufgabe des glücklicheren Amerika, der Sorge für die Opfer des Weltkrieges. Ihre Reisen nach Holland, Lettland, Rußland, ihre Teilnahme an dem Weltkongreß der jüdischen Frauen, der 1923 in Wien stattfand, sind unter uns unvergessen. Wir wollen’s ihr auch nicht verargen, daß sie bei in dem im übrigen sehr interessanten Kapitel, das von ihren Erlebnissen auf dem Weltkongreß berichtet, aus der Fülle ihres guten Herzens über die Vertreterinnen der deutschjüdischen Frauenwelt einen überreichen Regen von Superiativen, Titeln und akademischen Würden ausschüttet, der jene verdienten Frauen, die damit beglückt wurden, gewiß höchlichst verwundert hat. Sie heißen bei ihr alle Magister, heißen Doktor gar; kleine Gedächtnisfchkr, die bei einer Neuauflage des Buches leicht zu tilgen sind. Es ist sehr zu begrüßen, daß, wie wir hören, eine deutsche Uebersetzung des sehr lesenswerten Buches bereits in Angriff genommen worden ist. Die deutsche Jüdin, stehe sic nun rechts oder links, kann manches lernen aus diesem Buche einer amerikanischen Jüdin, das niemanden anklagt und niemanden verurteilt, sondern im eigentlichen Sinne ״alljüdisch“ durchblutet ist. Bertha Badt-Strauß.