Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1927)
- Date
- 1927-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 . _. . ...jfüEDISCHE RUNDSCHAU Seite tS) Engen Landan Herr Generalkonsul Eugen tmidau feierte am 17. März einen 77jährigen Geburtstag. Generalkonsul Landau ist eine Persönlichkeit seltenen Ausmaßes. Im besten Sinne ein Verfreier der ״Hautc-Finance“, ein Grandseigneur alten Stiles ist er aber nicht nur ein Wirtschaftsfachmann ungewöhnliehen Grades, sondern gleichzeitig ein Mann des Gemein- -inns u!1d der Wohltätigkeit, Im jüdischen Lebet! nimmt 1 r einen hervorragenden Platz ein. Seit jeher sozialen Problauen zugewandt,, hat Eugen Landau sieh in der jüdischsozialen Tätigkeit ein besonderes Arbeitsgebiet geschaffen. Als im Jahre 1894 der große jüdische Durchwandererstrom cinsetzte, organisierte er das Hilfskomitee und leitete deren Arbeiten. Er ist Verwalter, und man darf ruhig sagen Erkalter des Auerbachschen Waisenhauses, einer der hekanntesten und bestgeleitetsten jüdischen Anstalten dieser Art. So war es nur folgerichtig, daß ein Mann dieses jüdi-;■eben Bewußtseins und dieser Tatkraft mit offenem Blick die Bedeutung Palästinas für das gesamte indische 1 eben erkannt hat. Generalkonsul Eugen Landau hat vor lijnf Jahren, als er schon das biblische Alter von 70 Jahren erreicht hatte, den deutschen neutralen Keren Hajessod mitbegründet und gehört seither dessen Präsidium an. Und nicht nur den formellen Vorsitz führte er. Immer und immer wieder ist Eugen Landau im vertrauten Kreise und in der Oeffentlichkeit für das jüdische Aufbauwerk in Palästina eingetreten, ln seinem gastlichen Hause war mehrfach die beste jüdische und niehtjüdisebe Gesellschaft Berlins versammelt, tun über die Bedeutung des Palästina-Aufbaus informiert ttiid iiir dieses Werk gewönne« zu werden. Eugen Landau hat aus seiner nichtzionistischen Gesinnung nie ein Hehl gemacht, aber als Nichtzionist und, wie er sagt, gerade als Nichtzionist fördert er das Aufbauwerk in Palästina. So reihen auch wir uns dem unübersehbaren Strom der Gratulanten ein und wünschen, daß es dem Jubilar noch lange vergönnt sein möge, in seiner Art znm Wöhle der Allgemeinheit zu schaffen und zu wirken. * Die deutsche Presse feiert ohne Ausnahme in spaltenlangen Artikeln den Geburtstag Eugen Landaus, dessen Verebenste um die Wirtschaft Deutschlands, aber auch um die soziale Fürsorge eingehend dargestellt werden. I!! verschiedenen Zeitungen, so 11. a. im ״Berliner Tageblatt“, findet sich der Hinweis, daß Eugen Landau das Palästinawerk fördert und dem Präsidium des deutschen Keren Hajessod angehört. Unter den zahllosen Glückwünschen, die Herrn Landau /ugegangen sind, befindet sich auch ein herzliches Telegramm von Dr. Weizmann aus New York. Tagung des bayerischen Gemeindeverbaiides Fürth, 13. März. (J. T. A.) Die Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden wurde am 13. März unter dem Vorsitz von Oberkindesgerichtsrat Prof. Dr. Silber* Schmidt eröffnet. Der Vorsitzende teilt mit, daß Kommerziellrat B r a u n s c h w e i g e r, Wiirzburg, und Katzenberger, Nürnberg, in den Rat eintreten. Dem Berichte des Präsidenten des Verbandes, Oberlandes* gerichtsrats Dr. Neumeyer, war zu entnehmen, daß die Einnahmen des Jahres 1926 rund 320000 M. gegenüber 2T1000 M. des Vorjahres betrugen. Hiervon entfallen 32 0'u auf München, 24«/« auf Nürnberg, 12 »4 auf Fürth, 6«’« auf Äupfaur!«^ *־»י Slitlto«cb>״fi׳־b«ö»fjW.800־tAL,.:Der.-.Oes1ntt.״,. aufwandL°2? Verb»*.,לי und der*Gemeinden belief sich auf über', 2 300 Oüd M. Die Besoldungszuschüsse des Verbandes befragen 161000 M. gegen 123000 M. des Vorjahres. 3( Ge* meinclen bezogen ständige Zuschüsse des Verbandes zu den Besoldungen für Beamten. Von den 15 Rabbinatsbezirkcn erhielten sechs Bezirke Zuschüsse za ihren Gehältern. Dr. Neumeyer erklärte ferner, die a n t i s e in i t i s c h e Bewegung in Bayern sei, nicht zuletzt dank der energischen Haltung der Staatsregierung, zurückgegangen. Hinsichtlich der Verhältnisse an den Hochschulen sei es besonders der Rektor der Münchener Universität, Gchcimr'at Dr. Vossl e r , gewesen, der bei den jungen jüdischen Kommilitonen den Gedanken der Gerechtigkeit wiederhergestelit habe. Wichtiger noch als die Frage des Antisemitismus ist die des Asemitismus. des Ausschlusses der Juden aus der Gesellschaft. Hier sei die Gefahr, daß die Juden aus einem Gefühl beleidigten Stolzes Schranken zwischen sich und den übrigen Mitbürgern errichten. An dem Zustandekommen einer Reichs Organisation der deutschen Juden mitzuwirken, fuhr der Redner fort, habe der Verband den Versuch gemacht, ohne sich aufdrängen zu wollen. Der Rat des Preußenverbandes habe den vorgelegten Entwurf gebilligt. Die Landesversammlung habe ihn a b g e - lehnt. Nicht Ehrgeiz habe den bayerischen Verband zur Mit* arbeit getrieben, sondern der Wunsch, die hier bewährten Methoden auf die Reichsorganisatioit zu übertragen. Es sei versucht worden, mit geringem Aufwand einen möglichst großen Effekt zu erzielen. -- Wie bereits bekannt, hätten sich die süddeutschen Verbände zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen* geschlossen. Die Hauptaufgabe der diesjährigen Tagung sei die Schaffung von Mustersatzungen für die Ge* in ein den; die Gemeinden könnten diese annehmen, abändern oder auch verwerfen. Ein Eingriff in die Selbstverwaltung sei nicht beabsichtigt. Dies sei eines der letzten und schwierigsten Gesetzgebungswerke des Verbandes, durch die jahrhundertealte Weltanschauungsgegensätze und -kämpfe zum Abschluß gebracht wurden. Üebrig bliebe nur noch die Bezirksgcmcindcordnung. Me Sebiditirage i» Bayer■ Die bayerische Rabbiner ko 11 ferenz bat mit Rücksicht auf das drohende Schächfvrrbof und die damit verbundene bedrohte Gewissensfreiheit der bayerischen Juden einen Fast- und Bußtag angeordnet. Es heißt in der Kundgebung: ״Die Gefahr des Schächtverbotcs schwebt drohend über unseren bayerischen Gemeinden. Wir hoffen zu Gott, daß er diese Gefahr von uns abwende und beschreiten im Aufblick zu ihm den Weg religiöser Einkehr, des Gebetes und der Wohltätigkeit, um uns seiner Hilfe würdig zu erweisen. Aus diesem Grunde wird die Abhaltung eines ״Jom Kippur koton“ angesetzt. Oie?ionislitsehe Föderation in Frankreich Am 2b. und 27. Februar fand in Paris die Wahl in das Zentralkomitee der zionistischen Föderation Frankreichs statt. Von den 2200 in Paris wohnenden Wählern beteiligten sich 560 an der Wahl (333 persönlich, 231 schriftlich). Von den drei überreichten Listen erhielt die Liste I der ״Allgemeinen Zionisten'‘ 17 Vertreter, Liste 11 (Block der ״Politischen Zionisten“) 14 Vertreter und die ״Union der Arbeiter“ 9 Verfreier. Unter den gewählten allgemeinen Zionisten befinden sich Andre S p i r e, Aimö P a 11 i e r e , Edmond F 1 e g . Fernand Cor cos, Mc. Netter, Naiditsch, General Geismar, Motzkin , Zlatopolsky. BaumwoUkuliur in Palästina Von jeftuda Prashkcr, Tel-Awiw, dzt. Berlin. Das nachstehende (gekürzt wiedergegebene) Projekt versucht das Problem der Baumwollkultur in Palästina zu lösen. Bisher wurden zwar gelungene Versuche mit Baumwolle in Palästina gemacht, doch wurde die Frage, oh dies für eine jüdische Kolonisation in Betracht kommt, bisher von «allen Experten negativ beurteilt. Wir können daher natürlich nicht entscheiden, welche Aussichten das vorliegende Projekt hat. Wir ״tauben, daß es eine der Hauptaufgaben der bevorstehenden E v p c r t c n - K 0 m m i s s i o n sein wird, Fragen dieser Art unter Zugrundelegung der palästinensisenen Tatsachen und der Eigenart des jüdischen Volkes genau zu prüfen. Red. Für uns Juden ist die Einführung der Baumwollkultur In Palästina von kolossalster Bedeutung, weil wir dadurch folgendes gewinnen könnten: 1. Daß viele jüdische Familien auf den Bauinwollplantagen angesiedelt werden könnten. Nach unseren Feststellungen gibt es in Palästina genügend Baumwollboden. um 50 000 jüdische Familien auf solchem ansiedeh! zu können. 2. Es wird ein Exportartikel ersten Ranges geschaffen, welcher die passive Bilanz Palästinas in eine aktive umwandeln könnte. (Palästina importierte im Jahre 1923 dreimal soviel als es exportierte.) 3. Durch den Baumwollsameukuclieii und das Heu, welches auf den Plantagen geerntet wird, gewinnen xvir erstklassige Futtermittel, an weichen es bisher in Palästina noch mangelt, und die viel zur Hebung unserer Viehzucht und Milchwirtschaft beitragen können. 4. Größere jüdische Kapitalien, welche sich bisher von Palästina ferngehalten haben, werden durch die Baumwollplantagengesellschaft zur Mitarbeit herangezogen, was von ungeheurer Wichtigkeit für die weitere wirtschaftliche Entvvicklung unseres Landes sein kann. Es wird meistens angenommen, daß Baumwolle nur dort gepflanzt werden kann, wo es billige Arbeitskraft gibt. Da die jüdischen Arbeiter einen höheren Arbeitslohn beanspruchen werden als die Kulis oder Stidaneser, so glaubt man, daß es nicht lohnend ist, solche bei den Plantagenarhcitcn zu besclniftigen. Ein Vergleich zwischen den Arbeitslöhnen auf den Plantagen in Amerika, wo ein Neger zweieinhalb Dollar verdient und Palästina, wo wir den Arbeitern von!0 bis 12 Piaster 50 bis 60 Cent zahlen müssen, überzeugt uns, wie grundlos diese Annahme ist. Sogar in Aegypten zahlt man von 5 bis 12 Piaster pro .Arbeitstag, wozu noch kommt, daß der jüdische Arbeiter viel produktiver ist als der ägy ptische Fcllah. Was die klimatischen Bedingungen Palästinas betrifft, entsprechen diese ungefähr denen Aegvptens, und was im letzteren Lande der Nil leistet, das soll in kleinerem Maße der Jordan leisten. Bis zur Realisierung des Rnthenbcrgschen Bewiisserungs- Planes für ganz Palästina ist das Jordantal einstweilen das einzige Gebiet, welches für die Baumwollkultur in Betracht kommt, da es leicht ohne große Kosten und Anlagen bewässert werden kann. Es sind dort zirka 600000 Dunam auf dieser Seite des Flusses vorhanden, welche für die Raumwoükultur sich gut eignen und sich leicht ausebnen lassen. Dort wird eben der Baumwollbau von Arabern mit guten Resultaten betrieben. Der Durchschnittsertrag an Baumwolle ist dort den ägvptisehen Erträgen ungefähr entsprechend, sogar um eine Klein!״* keit höher. Letzteres ist auf die Tatsache Zurückzuführen, daß dlFyftoaen dort noch wenjg ausgenützt ist. Auf obengenannte Tatsachen gestützt und in deF'Absicht, den Baumwollanbau den breiten Massen zugänglich zu machen, was nur möglich ist, wenn keine zu großen Kapitalserforder• nissc an die einzelnen Ansiedler gestellt werden, haben xvir die ״Pale st ine Cotton Growers Association“ gegründet. Zweck der G e s e 11 s e 11 a f t: Anlegung von grollen Baumwoilplanfagcn in allen Teilen Palästinas, wo der Boden sich dazu eignet; Handel mit Baumwolle und allen anderen (and* wirtschaftlichen Produkten, welche als Nebenprodukte auf den Plantagen gewonnen werden. Die Aktiengesellschaft wird als rein kommerzielles Unternehmen betrieben und auf gewinnbringender Basis arbeiten. Kapital. Die Gesellschaft wird ein Anfangskapital von v 7501» 10 haben. Die genannte Summe soll in der Weise aufgebracht werden, daß £ '200 000 durch die Ansiedler selbst, die sogenannten Mitglieder, die restlichen £ 55ÖOOO durch Kapitalisten gezeichnet werden. Durch die Beschaffung des obengenannten Betrages wird uns die Möglichkeit gegeben, die ersten tausend Familien anzusiedeln. Aktive Mitglieder. Ais aktive Mitglieder werden nur Familien angenommen, die zumindest zwei erwachsene arbeitsfähige Leute stellen können, jedes aktive Mitglied hat für £ 200 Aktien unserer Gesellschaft zu zeichnen: es wird den weniger bemittelten aktiven Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, diese Summe im Laufe von fünf Jahren an die Gesellschaft auszuzahlen. Die A.-G. ist die alleinige Eigentümerin des Bodens. Die aktiven Mitglieder sind Arbeiter der Gesellschaft und zugleich Aktionäre derselben. Für ihre Arbeit bekommen die aktiven Mitglieder ihren festgesetzten Tagcsiohn. Die A.-O. wird jeder Familie ein Häuschen, bestehend aus Zimmern, Küche, Bequemlichkeiten und Veranda, zur Verfügung steilen. Dieselben werden als ■Einheitstype gebaut, um die Baukosten zu verbilligen. Jedes Häuschen bekommt noch drei Dunam bewässcrbaren Boden für einen Gemüsegarten, welcher unter der persönlichen Aufsicht des Ansiedlers sein wird. Da eine der Hauptaufgaben der Gesellschaft die Schaffung; kleiner, unabhängiger Baumwollpflanzer ist, glauben wir. daß der Ansiedler, nachdem er 5 bis 6 Jahre auf den Plantagen der A.-G. gearbeitet hat. erlernt haben wird, wie eine Plantage geführt werden soll- Wir wollen ihm die Möglichkeit ״eben, seine Unabhängigkeit in der Weise zu erringen, daß «ach Ablauf der ersten vier Jahre alljährlich 23 י,״ der aktiven Mitglieder ausgelost werden. Jedes ausscheidende aktive Mitglied bekommt sein Häuschen samt Gemüsegarten und 30 Dunam bewässerbaren Boden für eine Baumwollplantage als sein Eigentum. Den Wert der Parzelle muß der Pflanzer im Laufe von 10 bis 15 Jahren der Gesellschaft auszahlen. Der Nennwert der Aktien, die im Besitze des Pflanzers sind, wird von der Summe abgezogen und die Aktien werden Eigentum der Gesellschaft. Der somit unabhängige Baumwollpflanzer übernimmt die Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber, alljährlich die Hälfte seines Areals mit Baumwolle zu bestellen und dieselbe an die Gesellschaft zu Marktpreisen abzuliefern. Letztere zieht von dem Betrage für die Baumwolle die Jahresrate ab, den Rest bekommt der Pflanzer in har. Der Boden für die Plantagen wird teils von der Regierung Palästinas, teils von Privathand angeworben. Von 23 bis 30 Aktienkapital soll dazu verwendet werden. Die allgemeinen Aktionäre werden sicherlich eine gute Investition gemacht haben, «,eiche voraussichtlich, nach unseren sehr vorsichtigen Kalkulationen, gute Dividenden abwerfen wird. Es wurde immer Geld an Baumwolle verdient. Uns wird keine Streikgefahr drohen, da in unserem Falle die Arbeiter gleichzeitig Aktionäre der Gesellschaft sind (zirka 30 ״/<>), welcher Fall schon den größten Teil der Gegensätze wischen Kapital und Arbeit aifsschließt. Die Ansiedler, durchaus Familienleute, sind einer konservativeren Gesinnung und werden auch verstehen, daß sie für ihre eigene zukünftige unabhängige Existenz arbeiten. Das wird sie zwingen, gut zu arbeiten, wie auch geduldig zu sein. Wir haben schon die ersten tausend Deklarationen, welche seitens der zukünftigen Ansied Icrfamilicn unterzeichnet wurden. Es sind dies eine Gruppe von über eintausend in Palästina schon ansässiger Familien, größtenteils Juden ans Persien. Buchara, Turkestan und Transkaukasus, die schon Baumwollbau in ihrer Heimat betriehen haben und an das heiße Klima des Jordantales gewöhnt sind. Es liegen bereits mehrere schriftliche Erklärungen seitens der größten Baumwollpflanzer und Exporteure von Aegypten vor, in welchen sie ihre Bereitwilligkeit erklären, sich an der Neugründung finanziell zu beteiligen. Auch in England haben verschiedene Finanzgruppen ihr Interesse an diesem Unternehmen erklärt. Briet ans Leipzig Die Leipziger Juden batten vor einigen Taget! Gelegehheil, einen Vortrag des Wiener Oberrabbiners, Prof. Dr. Cha je s, über ״Judenheit und Umwelt“ zu hören. In schlichten Worte«, lediglich durch den Schwung des Gedankens und gestützt auf tiefgehende Erkenntnis der jüdischen Geschichte, brachte der Vortragende seine Auflassung der zionistischen Bewegung der aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft zum Ausdruck. Dieser Vortrag war keine willkürliche Konstruktion und keine Partei: Sache. Die von Dr. Chajes entwickelte Lehre ■wurzelt im uni mittelbaren religiösen Erlebnis des Judentums. Möge dieser Vortrag den Beweis dafür erbringen, *daß der wahre Idealismus zu Taten treibt und in diesem Sinne also eminent praktisch wirken kann. Nachstehend eine kurze Wiedergabe des Vortrages: Die Frage: Was kann ein Volk für die übrigen Völker tun? ist eine spezifisch jüdische Frage. Im Altertum hat kein ander«* Volk diese Frage aufgeworfen. 13er messianische Gedanke charakterisiert den jüdischen Geist. Nicht aus praktischen Gründen sollte die Tätigkeit für andere Völker erfolgen. Denn ״am Ende der Tage“, da kein praktisches Bedürfnis mehr für gegenseitige Annäherung der Völker voriiegen wird, sollte sich den Völkern die mcssianische Wahrheit offenbaren- Die Feinde von heute sind die Brüder von morgen. Dabet lag es nicht im Sinne des Judentums, andere zu Juden zu machen. Die Mensehen sollten nicht zu Juden, — sie sollten zu ״Gottesfürehtigen“ erzogen werden. Das war die Form der jüdischen Propaganda. Ihre Spuren konnten noch bei den Ausgrabungen bei Milet entdeckt werden, wo eine Inschrift lautete: ״Das ist der Platz der Juden und der Gottesfürchtigen“. Das Bestreben, dem rnessianischen Gedanken eine allgemeine menschliche Grundlage zu verleihen, Ist z. B. auch aus den beiden Formen des Dekalogs (der zehn Gebote), wie sie im Pentateuch gegeben sind, ersichtlich. Wahrend in Ex. 34 auf besondere jüdische kultische Vorschriften hingewiesen wird, liefert Ex. 20 das Material für die allgemein menschliche Propaganda der jüdischen Lehre. Ohne Abfall, ohne Abtrünnigkeit sollten andere Völket die jüdische Lehre annehmen. Auf solcher Grundlage wäre die Judaisieruug für die geistige Entwicklung der antiken Welt critscheidend gewesen, wäre nicht Paulus dazwischen getreten und hätte nicht der Grundsatz der Bildlosigkeit Gottes — ein anderes Geschenk, das das Judentum der Welt gebracht hat — der Verbreitungsmöglichkeit der jüdischen Lehre Schranken gesetzt. Der messianische G *danke gehört zu den größten Errungen•!-chatten des jüdischen Geistes. Weser Gedanke bedeutet elfte Verpflichtung des Volkes anderen Völkern gegenüber uad kann als Vorläufer _ des Völkerbundgedankens bezeichnet werden, '■'ABtSr; sütfintf ״itanr jUdtsfche “Votlr seine seffcsüfoÄgleft «ciutiä»' hat, hat es auch diese edelste Form des Verhältnisses zu attdefeh Völkern verloren. Und auch seitens anderer Völker haben die Juden der Diaspora bestenfalls die Anerkennung als Bürger erlangt, sie wurden nicht mehr als Juden geschätzt. Die alt« messianische Idee, die verantwortungsvolle Frage: was können die Juden als solche für andere Völker leisten, - diese Frage ging samt dem natürlichen Selbstbewußt'.ein den Juden verloren. Erst als der Gedanke an eine selbständige Existenz des jüdisehen Volkes wieder wach wurde, erst durch die zionistische Bewegung wurde für die Juden wieder die Möglichkeit .geschaffen, ein natürliches Vernältnis zu der Umwelt zu gewinnen. Das Interesse, das andere Völker der zionistischen Bewegung widmen, bezeugt, daß mau von der Wiedergeburt des jüdischen Volkes einen Nutze» für die ganze menschliche Kultur erwartet. Der messianische Gedanke lebt wieder auf. Wir sind berufen, Diener und Herrscher dieses Gedankens zu werden. Dr. S. L. Ein ״Bund der Freunde des arbeitenden Palästina" Auf Anregung der Jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei ״Poalc Zion“, Ortsgruppe Jena, ist soeben ein ״Bund der Freunde des arbeitenden Palästina“ gegründet worden, dem sich eine große Zahl nichtjüdischer und jüdischer Persönlichkeiten anschloß. Der Gründung ging nach eingehender Aussprache die Annahme nachstehender Ent- Schließung voraus. Das jüdische Koionisatioiiswcrk in Palästina, an dessen Realisierung die jüdische Arbeiterschaft aller Länder mitwirkt, ist geeignet, die anormale wirtschaftliche Struktur der jüdischen Volksmässen in erheblichen! Maße umzugestalten. Die Anstrcn* ״tingcn und Leistungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina und die Schaffung neuer Formen des wirtschaftlichen und gesellschaftiicheu Zusammenlebens auf kollektiver und genossenschaftlicher Grundlage stellen ein beachtenswertes Werk sozia-!ist!sehen Schaffens dar. Der Klassenkampf der jüdischen Arbeiterscliatt in Palästina dient der Verbreitung des Gedankens der gewerkschaftlichen und politischen Organisierung der arbeitenden Massen im Nahen Osten. Das Aufbauwerk der jüdischon Arbeiterschaft in Palästina verdient daher die Aufmerksamkeit der internationalen Arbeiterbewegung. Die Unterzeichrieten beschließen die Gründung eines ״Bundes der Freunde des arbeitenden Palästina“ mit den! Ziele, obige Gedankengänge in die Kreise der Arbeiterschaft Thüringens weiterzutragen nnd das Aufbauwerk des jüdischen Proletariats in Palästina zu fördern. Das Komitee des ״Bundes“ setzt sich zusammen aus: H. Berger, Diplom-Volkswirt, Dr. Herschkowitz, wissenschaftl. Mitarbeiter bei der Fa. Zeiß, Dr. Klein, Syndikus aus Erfurt, A. Kranold , Hauptschriftleitcr des Thüring. sozialdem. Landesorgans ״Das Volk“, H. Leber, Präsident des Landtags von Thüringen, Vorsitzender des Bezirksvorstandes Großthüringen der S. P. D., Dr. Linke, Universitätsprofessor, M. I ipschütz» cand. med., Sch. Milkonowitzki, Dipl* Landwirt, Dr. Peters, Universitätsprofessor, Vorstand des Psvchologfechen Instituts an der Universität Jena, O. Potschter, Djpl.-Landwirt, W. Prietzel, Vorsitzender des Unterbczirks III der Thüringer sozialdem. Partei, Dr. K. L.Schmidt, Universitätsprofessor. Am Warschauer Polytechnikum hat dieser Tage da zionistischer Student zur Erlangung des Abgangsdtpkm» eine wissenschaftliche Arbeit eitigcreicht, die sieb mit der Kan alt* sation von Tel-Awiw befaßt, (Oka•) /