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Jüdische Rundschau · 1927-03-18 · Heft 22 (18.3.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 22 (18.3.1927)
Date
1927-03-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite ISS Vor Ankunft der Agency-Kommission Von Gerda Arlosorof f-Goidberg. Tel-Awiw, den 10. März 1027. I. Eine Diskussion zwischen den Anhängern und den Gegnem der Jewish Agency, wie sie jahrelang zwischen und auf 'den . letzten Kongressen getobt hat, gibt es, heute nicht mehr. Wohl wurden nach Empfang der ersten unvollstän* dige» Telegramme über die Verhandlungen Weizmann-Marshall einige. Artikel geschrieben und dann einige Wochen lang fijr und wider gestritten, ■ Aber außer den Revisionisten, die ׳nach' wie vor erklären, daß sie mit allen diesen Ab* riiachungeii nichts zu tun haben wollen, gibt es heute keine Gruppe Im Lande, die es sich einfallen ließe, die Funken des alten Brandes wieder anzufaehen. Man steht vor einem fait accoinpll und der einzige Unterschied besteht darin, daß die verschiedenen Lager sich mit Seufzen, mit Gleichgültig* teil oder sogar jnit freudigen Hoffnungen In das Unvermeidliehe - gefügt haben. Gefügt aber haben sich alle. Der Plan eitler Expertenkommission der Jewish Agency, die tinfji, Wirtschafts־ und Finanzplan des nächsten Jahrzehnts aufstellen und die bisher angewandten Methoden prüfen soll, hat die Diskussion auf sich konzentriert. Man hat In Palästina mit praktischen Vorbereitungen Zum Empfang der Kommission begonnen. Der Finanz- und Wirtschaftsrat beginnt mit der Samthlung Von Material über die verschiedenen Ge- Mete der Kolonisation, in anderen Kreisen und Körperschaften feeginheft amtliche und nichtamtliche Beratungen über die Vorschläge, die den Vertretern der Agency zu unterbreiten sind. Es liegt doch über allem eine Stimmung, die auf umwälzende Änderungen wartet. Diese Stimmung ist bei den einzelnen Gruppen verschieden begründet. Bei den Bürger* liehen hofft man, daß sich jetzt die ganze ״Fehlwirtschaft der Arbeiter“ enthüllen und alle* in gerade, d. h. überall in der Welt akzeptierte Wege umschwenken wird. Bei den Befürwortern der Industrie gehen Träume um über eine große industrielle Entwicklung und die Beschneidung der Landwirtschaft. Bei den Arbeitern mischt sich die Furcht vor den Eingriffen ״Fremder“ mit einem Gefühl der Er* leiehterung, daß jetzt jemand auftaucht, der die allzu schwere Bürde tragen hilft und Reformen einzuführen kommt, die man selbst nicht durchzuführ«! die Kraft hatte. So steht jeder auf das Kommende von seinem Standpunkt au«. Alle aber nähren die mehr oder weniger zu gestandene Hoffnung, daß sich jetzt vieles Indem müsse. . Die großen Namen, die mit der Kommission verbunden wenden, sind leicht dazu angetan, die Situation falsch zu beleuchten. Geblendet durch den Nimbus der Readiflg und Samuel sieht man plötzlich ein ganz anderes Palästina vor sich. Es will fast bedünken, als wäre die gegenwärtige Krisis nur die notwendige dunkle Folie, die einen Wirkung«- vollen Hintergrund für die strahlende neue Zeit abzugeben hat. Dabei wird fast vergessen, daß diese Kommission mit all ihren Qualitäten das kleine Palästina nicht ausweiten, die Steinböden nicht umschaffen, die Sanddünen nicht in Planttlrenerde verwandeln kann. Alles was sie tun kann, ilji die Wege und die Mittel zu Suchen, um die vorhandenen MÖ|ieM;e1t|f, ,#!» ,Und-da»,.-■Ist. für, Mh§i;4urchauf genug. :Man träumt zurzeit wieder von großen Ausweitqhgen. Die Anwesenheit von Shuckburgh, dem Ver* ireter des Colonial Office, der das Hafenproblem studiert und an die Konzession des Toten Meeres rührt, die Vor* bereitüngen Ruthenbergs für die Kraftetaüönen im Jordantal, der Passus des Marshall-Vertrages, der über die Untersuchungen der Kommission ״in den angrenzenden Ländern“ handelt, all das ließ Palästina aufhorchen. Soweit sich diese Empfindungen auf der Erkenntnis aufbauen, daß in Palästina noch große Möglichkeiten ungenutzt daliegen, sind sie begründet. Soweit sie diese Möglichkeiten als neue Ent* deekungea betrachten und dadurch ein# Stimmung schaffen, di« täglich auf neue Funde hoffen läßt haben sie keinerlei Basis. Neben diese Stimmung der ״unbegrenzten Möglichkeiten“ tritt die der ,,unbegrenzten Reformen“. An Kritik hat es im Zionismus und in Palästina nie gefehlt. Es war das ein instinktiv geschaffenes Gegengewicht gegen die durch die eigenartige Finanzierung•#^ Aufbaus erzwungene übermäßige Propaganda. Aber so stark, wie jetzt ist der Schrei nach ״Reformen“ noch nie gewesen. Er erschallt von allen Seiten gleichzeitig und wird begründet durch die verschiedensten Beweise. Zuerst einmal muß auch heute gewissermaßen post festum noch einmal betont werden, daß es 2׳u bedauern ist, daß sich Palästina zu Reformen erst dann durchringt, wenn die Gefahr besteht, daß sie von außen her aufgezwungen werden. Nur eine Umwandlung von innen heraus, unter eigener initiative der durch die Aeftdhrungen Betroffenen, kann fruchtbar sein. Wichtig ist jedenfalls, daß die neuen Methoden von uns, d. 11. von Pa- Iästina selbst ausgearbeitet und vorgeschlagen werden, als gäbe es■ keine äußere Macht, die uns beeinflußt. Geschieht dies nicht, so wird die Zusammenarbeit in Zukunft ungeheuer erschwert und vielleicht unmöglich gemacht werden. Ailßcrdem ist cs von hoher Wichtigkeit, daß in den Grundlinien der Arbeitspläne eine weitgehende Uebcreinstiniinung zwischen den einzelnen Lagern des Jischuw erreicht wird. Sonst wird man das lächerliche Schauspiel erleben müssen, daß die versehiedenen Richtungen ihre inneren Zwistigkeiten vor ein Forum tragen, dar. Palästina noch gar nicht und die zio• nistisdic Bewegung kaum kennt und jede einzelne Riehtung es "versucht, die Mitglieder de! K0mmi**i0rt ftir ihr Programm zu gewinnen. II. Und doch hegt das Programm in-seinen großen Linien absolut klar zutage. Der letzt« Kongreß ha* «s als Grundlage der Verhandlungen über die Jewish Agency kehr klär formuliert. Die-Forderungen hießen damals und heißen •heute: Nationaler Boden, hebräische Sprache, Landwirtschaft und.-jüdische Arbeit als Grundlage der Kolonisation.. Aber Palästina ist •nicht verlegen um solche allgemeinen Formeln. Es ist auchnicht verlegen um Köloni8atiön*pl»ne. Die Fehler, die gemacht worden sind, beruhen nicht auf dem Mangel . großer Linien, wie heute manche beweisen wollen. Die großen Fehler beruhen zu einem Telle auf Geldmangel. Darübe!־ braucht man heute nicht zu sprechen. Das Problem begin.n t an der Stelle, wo die Frage der Mittel aufhört. Bisher hat man niemals eines vöm JUEPISCHE RÜWPSCHÄU andern unterseheld« können. Jede Diskussion ertrank in dieser Immer wtederirehremten Wage: reieht nteM״. So blieb es bei den alten aufreibenden Methoden. Kolonisation mit unzureichenden Mithin. Resultat: unerhörter Verbrauch an Gesundheit, Spannkraft und Fähigkeit der Siedler. Zu große Unternehmung« der Institute mit unzureichenden Mitteln. Resultat: Defizite, vergrößerte Kreditwirtschaft. Dfe Parole der Konsolidierung wurde zum Schein, Immer Bur konnte ein Teil von dem gemacht werden, was nötig war. Wenn nun die Gewißheit bestünde, daß mit dem Moment, wo sieh die Mittel verdoppeln oder verdreifachen, all die Mißstinde sich einfach lösen, das Unnormale ins Normale sic« wandelt; so hätte man von der Agency im Grunde nur eines zu erwart«: Geld. Und es gibt sicher, Leute, die so denken und alles auf das Gebiet der Mittelbeschaffung abschieben. Wer das Räderwerk unserer Kolonisation®- masehlne in seinen einzelnen Teilen kennt, muß diese An* sieht ablehnen. Es sind vielleicht fast alle Mißstinde, die es heute in Palästina gibt, mit Geldmangel zu er* klären, eventuell auch zu entschuldigen, verschwinden werden sie durch die Erschließung neuer finanzieller Quellen nicht. Sie werden nicht verschwinden, weil die Ausführung, die Verwaltung, der Apparat, lückenhaft sind, (Der Apparat, nicht der Leitgedanke!) Es gibt keinen einzelnen großen Kardinalfehler im Lande, sondern eine Unzahl kleiner Mängel und Schwächen, die Überall hemmend wirken und zusammen ein erdrückendes Gewicht erhalten. Diese kleinen Mängel sind schwer besonders außerhalb Palästinas — zu beweisen, sie sind auch nicht allgemein bekannt. Da werden für Kleinigkeiten Ungebührlich höhe Summen ausgegeben, während an wichtigen Dingen gespart, wird. Da wird eine Stelle mit einem falschen Menschen besetzt, oder mit einem Neuling, der sich erst einarbeiten muß und Lehrgeld kostet. Da wird — kurz es ist undenkbar, diese Einzelheiten aneinanderzureihen bei riehtiger Absicht und richtigem Plan das Werk in seiner Ausführung gefährdet, AI! dieses wird sieh nicht einfach ändern, wenn genügend Geld vorhanden Ist, wenn auch gewisse Fehler dabei automatisch vermieden werden, (Man stelle sich nur vor״ was es allein zu bedeuten hätte, wenn die Exekutive durchweg mit Bargeld wirtschaftete und zur richtigen Zeit auf Heiler und Pfennig ihre Verpflichtungen zu lösen imstände wäre!) Aber es bleiben zwei Dinge, die durchgreifend geändert werden müssen. Erstens muß eine Um- und Durehorganisierung des gesamten Apparat« erfolgen, von der Exekutive bis zu den Arbeiterräten. Da* Ziel muß die Hebung der ,,efficieney“ sein. Es ist heute sehr unpogulir, an diese Einzelheiten zu rühren. Solche Dinge sind kein ״Programm“, und es ist nicht würdig, sich mit ihnen ablugeben. Da man aber in Palästina und im Zionismus nichts durch Be* fehle und Erlasse erreichen kann, bleibt nichts übrig, als die öffentliche Meinung zugunsten dieser ״Kleinrefor*. m e n“ zu beeinflussen. In einem Land, das nicht reich an Naturschätzen, aber uffl 90 reicher an Problemen ist, mit Studenten und Händlern zu kolonisieren, Ist an sich eine Herkulesarbeit, wenn man aber diese Studenten und Händler nicht gründlich für ihre Arbeit verbildet und Höchst* Rüstungen von ihnen verlangt — das gilt auch für die unwiehtigiten Stellen,.. «׳*»;roo ■-.|abb ־ ׳a«*h. ein; ''*nlÄt:.;h«fe»t» v* ־ Ein zweiter und **hr schwieriger Punkt ist die Be- Handlung der Menschen: Mit der bei! uns üblichen Schnelle ist man in der letzten Zeit , von der Lobpreisung der ״Chaluzim“ zu einer scharfen Kritik Übergegangen. Bei allen diesen Diskussionen wird aber meistens ein Punkt übersehen: die Menschenökonomie. Was wür an kostbarem Material dieser Gattung durch unmenschliche Anforderungen zerstört haben, ist ungeheuerlich, Heute ist das Resultat schneidend klar: Wir haben von unseren Men* sehen zuviel verlangt. Diese Wahrheit wird In Palästina sehr ungern angehört und ist vor allem ütiter den Arbeiter» selbst fast identisch mit Verrat Denn sie rührt an di« ״Challziuth“. Unter diesem Begriff hat «an verstanden, daß man Unter den tollsten materiellen Verhältnissen zu arbeiten habe. Der Betrieb War alles, der Siedler nichts. Man sparte am Essen und verlor dann durch Krank* heit Arbeitstage. Man hatte keine Wohnungen und war da* durch empfindlicher für MatariaanfÄlle, Man kolonisierte um jeden Preis, d h. um den Preis von Menschenleben. Es hat keinen Sinnt zu wiederholen, daß uns das die Kolonisation verteuern muß. Das ist selbstverständlich. Aber es ist wichtig, klar zu Sagen, daß unsere Menschen auch seelisch unter diesen Umständen versagen müssen. Einzelne bleiben aufrecht, der größere Teil wird niedergeschlagen, hoffnungs* los, d, h. für ein Kölonisatlonsland unbrauchbar. In Paiästina ist man gewöhnt, über solche Fälle zur Tages* Ordnung überzugehen. Das sind Kampfverluste. Aber fnan hat sich so daran gewöhnt, immer an der Grenze des Un* möglichen zu balancieren, daß inan schön heute voraus* sagen kann, daß auch ein größeres Budget nichts Indern wird. Wenn man 1000 Leute im Jahre ansiedeln kann, wird man 2000 ansetzen wollen, und wenn man 10 000 koloni* sieren kann, wird auch das nicht genügen. Mah!miß rtatilr* lieh zugeben, daß diese Tendenz aus reinen nationale!! Motiven erwächst, aber sie führt zil einer katastrophalen Kotonisation&pöiilik, die uns niemals au* den Schulden, Krank* heiten, Zusammenbrüchen herausführen wird, ln diesem Sinn# müssen wir selbst der Kommission der Agency ein KönsöU* dierungsprogramm vorlegen, einen Plan, der nicht die Not- Wendigkeiten, sondern die Möglichkeiten als Grundlage hat, III. ' ־ ■ ' .;/ Bei der heutigen Verteilung der Budgetpotten, die für die Landwirtschaft im besten Falle die Hälfte übrig lassen, scheint es freilich fast illusorisch, daß wir auch bei reichere« Hilfsquellen die nötige Anzahl von Einwanderern werden ansiedeln und sogar noch unter guten Bedingungen werden ansiedeln können. (Heute sind in den Kolonien etwa 5000 Lohnarbeiter, von denen ein großer. Teil Kandidaten für Ansiedlung sind!) Der Ruf «ach einer durchgreifenden Um* Gruppierung der Budgetposten hat ®ich in den letzten Jahren bereits einige Male leise und zaghaft **■ selbstverständlich ohne Erfolg — hervorgewagt. Aber je ■mehr unsere Arbeit ünd unsere Ansprüche wachsen, desto klarer wird es, daß wir neben den direkten Kolonisationsaufgaben, wie Bodenkauf, Amelioration, Ansiedlung usw. nicht •noch di« relativ unge* heuer hohen Posten wie Erziehung und Sanität trägen können. Auch wenn man annimmk daß die Privatinitiative einen Nr,» —...—.... Höheren Prozentsatz von Einwanderern unterbringt als bisher, ־werden die Ansprüche an dal nationale Kapital dadurch kaum kleiner. Wer für Einschränkung der genannten Kulturposten eintritt, muß freilich zeigen, wie es anders zu machen Ist. Denn «fie Antwort, daß die Regierung «01 diese Dinge abnehmen müßte, ist zwar richtig, aber ungenügend, weil sie die speziellen Verhältnisse nicht berücksichtigt. Wir Wollen ein Beispiel nehmen. Das jüdische Publikum benutzt heute die sanitären Einrichtungen der Regierung so gut wie gar nicht. Oer Jude ist, was ärztlichen Rat betnfffc wählerisch. Er geht nicht leicht zu Fremden. Aber abgesehen davon ist der Jude in einem Regierung*- spltal wie auf einer fremden Insel. Die Aerzte und Schwestern sprechen arabisch, alle Sitten, alle Einrichtungen sind ihm' fremd. Dazu sind die Regierungsspitäler nach Aussige von Fachleuten nicht immer auf der Höhe und nicht immer ausreichend. Es Ist aber auf der anderen Seite durchaus nicht angängig, daß wir einfach von der Regierung verlangen, daß sie unsere, d. h. jüdische Krankenhäuser unterhilf, wenn bei Schulen aus nationalen Gründen die Autonomic bestehen bleiben muß, so ist das bei Spitälern nicht einzuseheh. Unter diesen Umständen kann es nur einen Ausweg geben, die Anpassung der Regierungsspitller an die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung. Es ist daher zweierlei zu betonen: erstais, daß eine Entlastung des Palästinabudgets von den Ausgaben der Erziehung und der Sanität kommen muß, wenn der Zionismus Tempo in die Kolonisation hinelnbrlngen will. Und zweitens, daß eine solche Umwälzung nicht durch einen Beschluß des Kongresses und durch Sturm auf die Regierung allein durchgeführt werden kan«, sonder« daß eine lange und gründliche Vorbereitung dazu gehört, ohne die nur ein ungeheures Fiasko entstehen müßte. Zum Schluß noch ein Punkt, der eng an das anschiießf, was zu Beginn darüber gesagt worden ist, daß « nicht allein auf Geld und nicht allein auf große Pläne, sondern auf gute und genaue Methoden der Ausführu n g ankommt. Es ist in der letzten Zeit ein wütender Streit um die palästinensische Industrie entstanden, I« der Polemik ist es auch diesmal so.gegangen wie meistens im Wortgefecht: Man hat das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Vor allem gilt das in der Kontroverse über die » Industriebank. Nun liegen aber auch hier die Probleme Zum Teil auf einer anderen als auf der finanziellen Ebene. Die Industrie in Palästina leidet itielit so sehr unter Kapitalmangei (den ihr die £ 25 0P0 der Bank auch nicht beseitigen würden), als darunter, daß ihr die experimentelle Unterstützung fehlt. Ein klassisches Beispiel dafür'ist die T|bakindustrie. Nachdem der große Anbautaumel verflogen, war, hat man die ganze Sache liegen lassen und wer h«1t wagt, an den Tabak zu erinnern, wird über, die Achsel angesehen, weil die Leute, die zu viel und un־ passende Sorten gebaut haben, viel Geld bei der Sache verloren, Dabei hatte man mit den Versuchen noch gaf nicht begonnen, Denn das Problem beginnt ja nicht beim Anbau, sondern bei der Verarbeitung und dabei muß man Versuche machen und ihre Resultate verwerten. Aehnlieh* : Btfahrifetfe« -i-i'riSriiüla'eh'1׳׳־ ittd,-“ ktl»*׳ l&ßMftm'ehte* •:gpwicÄt * werden und so jeder einzelne von Anfang beginne«, und dieselben. Rückschläge durcbmacheii muß. Auf jedem Gebiet, das min betrachtet erkennt man dieselbe Erscheinung: Nicht neue große Pläne sind es, die uns retten werden, sondern neben einem ausreichenden Budget gut fundierte detaillierte Arbeifs- Programme in Zusammenhang mit einem produktiv arbeitenden Apparat. Me läge in Litanei Kowno, 11. März. (J. T. AG Die materielle Lage der jüdischen Bevölkerung In Litauen verschlimmert sich zusehends,!.aut der Statistik der Handelskammer sind im Jahre 1027 dreitausend Handelsunterriehmungen weniger als 1026 registriert. 4)ie verbliebenen Handeisunternehmungen arbeiten mit verringertem Kapital. Die Handelskammer er* suchte die Regierung, die Zwangssonntagsruhe abzuschaffen, die Steuerleistungen zu vermindern, um den bestehenden Handel nicht noch mehr dem Ruin zuzuführen. Die Rei e r u n g s p r e 8 8 e aber hetzt weiter gegen dis jüdische andeiselement und die Regierung zwang die Köwnoer Stadtverwaltung, die Steuern um 20 0/״ zu erhöhen. Eine Ver- Sammlung jüdischer Kauflcute hat die Entsendung einer Abordnung an die •Regierung beschlossen, um dieselbe über den ruinösen Stand des Handels auf zuklären. * Kowno, 16. März. (J. T. A) 220 jüdische Landwirte' aus Litauen traten gestern die Reise nach Brasilien an, wo sie auf dem Boden der Jewish Colonlsation Association (ICA) seßhaft gemacht werden sollen. Die jüdische Auswin* derungaus Litauen wächst. Durch die Kownoer Abteilung von Hias-Emigdirekt wurden vor kurzem 300 jü-; dische Auswanderer nach Südafrika befördert. Man erwartet für die nächsten Monate eine verstärkte Auswanderung aus Litauen. 14a ProzeB gegen Henry Forti New York. 15. März. (LT, A.) Heute begann vor dtm Gericht in Detroit der Prozeß gegen Henry Ford wegen Beleidigung, und Schädigung des Herrn Aaron Sapirö aus Chicago. Der Prozeß trägt alle Zeichen der Sensation,. dem ,Ausgang desselben wird in ganz Amerika mit großer Spannung entgegengesehen. Das Organ Henry Fords ״The Dearborn Independent" behauptete in einer Reihe von Artikeln, Sipiro stehe an der Spitze einer ״Internationalen jüdischen Versehwörung“ zur Knechtung und Ausbeutung der amerikanischen Land* Wirtschaft. Herr Sapirö fühlte sich durch diese Behauptungen sieht nur beleidigt, .sondern auch geschäftlich geschädigt und klagte wegen Verleumdung und Schadenersatz in Höhe von elfter Million Dollar. Bei Beginn der Verhandlung erklärt# Richter Raymond, er werde nicht erlauben, daß die J udenfrage im Prozeß erörtert werde. Der Vertreter von Ford, Senator Reed, erklärte im Namen seines Mandaten, wenn vom ״Juden“ Sapirö die Rede - war, 8ö war es nicht in der Absicht von Henry Ford gelegen, die gesamte jüdische Rasse zu beleidigen; die Vorwürfe richteten sieh einzig und allein gegen die Person SapirOs und hätten seine persönliche Tätigkeit m der amerikanischen Land* Wirtschaft zum Inhalt.

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