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Jüdische Rundschau · 1927-03-15 · Heft 21 (15.3.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 21 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 152 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 21 Nachdenklichkeiten Von Sch. 0 0re Hk. Unlängst hörte ich jemanden erzählen: Sir Alfred Mond gab der Oeffentlichkeit bekannt, daß an dem Oerücht, er sei zum Christentum übergetreten, nichts wahres sei. Zwar — versicherte er — könnten ihm aus solchem OlaubensWechsel große Vorteile entstehen, aber er ließe es dennoch beim Alten bleiben und werde dem Oott und dem Volke der Juden Treue bewahren. Ich denke dabei: Sir Alfred Mond ist Mitglied des Unter• hauscs, ist ein sehr reicher Mann, war Minister, Partei* führer, und nun möchte ich wissen, was in aller Welt könnte er noch werden, damit wir die Größe des dargebrachten Opfers würdigen können. Führer der Konservativen? Minister- Präsident von England? * Es mag den verantwortlichen Zionisten recht schwer FMen, die Aspirationen des Zionismus zu reduzieren, damit endlich die Harmonie mit der Wirklichkeit, mit den einmal gegebenen Realitäten hergestellt wird. Schweren Herzens wird Uebung in Selbstbeschränkung und Mäßigung vorgenommen, Mau sehe aber zu, daß durch diese strenge Kur die Seele der Bewegung nicht zu stark zu Schaden kommt. Es scheint, daß in dieser Hinsicht die Gefahren einer Blutarmut, einer Verkalkung nicht von der Hand zu weisen sind. Die Realitäten in allen Ehren, Aber kann der Zionismus leben, ohne daß ihm einiger Raum auch für die Phantasie gelassen wird? Es ist ein quälender Oedanke, miterleben zu müssen, daß, während die Tätigen um den ״ORT“, ״Ozet“, ״Joint“ sich Spaziergänge, Ausflüge im Reiche der Phantasie erlauben, just der Zionismus cs sein soll, der das Antlitz der Nüchtern• heit und der Bescheidenheit anzunehmen hat. ♦ Die Geschichte des jüdischen Volkes im Ooltis ist an Beispielen der großen Sehnsucht nach Zion überreich. Biswellen scheint es sogar, daß es sein Hauptziel war, wieder dorthin zu gelangen, daß es immer auf dem Wege nach Zion begriffen war, mit Rastpausen zwar, die viele Jahrhunderte dauerten. Und während dieser Rast entfaltete es eine Riesentätigkeit, sein Eifer an den Dingen und Ereignissen der Welt und der Völker sind von solcher Intensität und Leidenschaft, daß sie das Hauptziel, den eigentlichen Weg, vergessen machen. Es ist ungefähr so, wie wenn einer, der etwas ganz Bestimmtes vor hat, immer abgelenkt, von anderen angezogen wird, nicht imstande ist, die einzige Tat, um deretwillen er sich auf dem Marsche befindet, auszuführen. Dann melden sich von Zeit zu Zeit die großen Ermahner und rütteln das Volk auf. Aus der Unruhe, die dann entsteht, erkennt man erst, wie lebendig, wie stark die Sehnsucht war. Weil aber dies Volk so zerstreut ist, zu allerlei Ablenkungen liinneigt, muß es stets erinnert werden, muß an den Pfosten seiner Seele mächtig geklopft werden. * Für den Historiker der Ideenbewegungen in der menschliehen Gesellschaft dürften nur zwei Hauptperioden von Wichtigkeit sein. Ehe erste, die die Periode dies Ausziehens heißen soll, kennzeichnet jenen bedeutsamen Zustand, wenn die Anhänger der Idee vom Opfersinn erfüllt sind, wenn sie das Ich (vom Standpunkt der Nüchternen) in unerklärlicher Verblendung vernachlässigen. Sich ausziehen, alles von sich abtun, was Kleinliches, Allzutäglich^ in sich birgt, und jene Atmosphäre der Begeisterung, der Hingabe schaffen, die jede Bewegungnureinmai, nur ein einziges Mal in ihrer Entwicklung kennt. Es folgt dann in unabwendbarer Gesetzmäßigkeit die zweite Periode, die wir die Periode des Anziehens nennen möchten, das heißt, es kommt die Zeit, wenn die Idee sich großer Verbreitung rühmen darf und durch eine mächtige Zahl von Beamten bedient werden muß. Die Idee verzichtet auf Ihre Helden, weil sie als Kostgeberin einer Riesenbürokratie aufzutreten gezwungen ist. Gezwungen, wenn sie nicht nur Idee bleiben, sondern auch Wirklichkeit werden will. Sie muß den Diensttuenden sogar eine gewisse Rentabilität aufweisen können. Manchmal aber verirrt sich einer mit den Begriffen und Vorstellungen der ersten Periode in die zweite und dann, wehe ihm! Wehe ihm, der die völlige Temperatur- Veränderung nicht bemerkt, von Sich-Ausziehen spricht, während — in Anbetracht der eingetretenen Kälte — alles längst angezogen und zugeknöpft ist...... Philosophen und nicht in dem philosophischen System. Der Künstler, der über Spinoza nachdenkt, stellt ihn nicht in die Reihe von Descartes, Leibnlz, Kant, er stellt ihn unter die Weisen und wahrhaft Gerechten. * Was man in einem guten Hause eines deutschen Juden von jüdischer Literatur, vom jüdischen Schriftsteller noch für Begriffe hat, mag folgende Episode lehren. Ich mußte mich in einer Angelegenheit vor einem solchen achtbaren älteren Herrn gewissermaßen legitimieren, und als er vernahm, ich sei jüdischer Schriftsteller, erkundigte er sich liebenswürdig und sehr ernst: Schreiben Sie auch jüdische Witze? * Ich möchte einen christlichen Judenfreund sehen, der den Verdacht, daß in seinen Adern jüdisches Blut fließt, ruhig auf sich sitzen läßt und es nicht für notwendig hält, die Echtheit seiner Judenfreundlichkeit damit zu bekräftigen, daß, obwohl in seinen Adern usw.Da dieses obligate ״obwohl“ niemals unterbleibt, ist man geneigt zu glauben, daß trotz allen Wohlwollens, aller Freundschaft sogar, der Verdacht derart peinlich ist, daß man schnellstens sich von ihm reinwaschen möchte, und daß es auf dieses Sich-Reinwaschen hauptsächlich ankommt. * In seiner Gelehrtenstube in seinem Heuhatdorf Recandti sinnt der einsame und kranke Dichter Leopardi über einen Text in der Kabbala, wo von einem mystischen Hahn erzählt wird, dessen Kamm in den Himmel ragt und der allmorgendlich die Menschen mit einem ergreifenden Gesang weckt, ״schir detarnogol bara lezafra“. Leopardi befragt jüdische Gelehrte, Rabbiner, Kabbalisten über diesen Text, und es entsteht jenes erschotternde Fragment ״Der Gesang des mystischen Hahn“, das wir in seinen Schriften finden. Im übrigen: Es gibt viel mehr glückliche Menschen auf dieser Erde, als wir uns vorstellen. Das einzige Exemplar der ausgewählten Werke von Leopardi bot mir der Buchhändler zu dem billigsten Preise an, denn er konnte dieses einzige Exemplar nicht loswerden. Es wollte keiner etwas zu tun haben mit einem unglücklichen, kranken Dichter, der über die Eitelkeit der Welt derart bitter und überzeugend klagt, $ in einer kurzen Besprechung eines Buches von Lew Schestow wird die tiefe russische Seele dieses ausgezcichneten Schrittstellers besonders hervorgehoben. Lew Schestow ist ein tiefer Mensch und ist vermutlich auch im Besitze einer tiefen Seele, aber dann muß es eine tiefe jüdische Seele sein, da er Jude ist, ein Jude aus Kiew namens Schwarzbard. Die Schestow wenig wohlgesinnten Kritiker aus dem antisemitischen Lager in Rußland behaupten gerade, das Jüdische in seinem Wesen entdeckt zu haben und wollten damit das nach ihrer Meinung Zersetzende seiner Skepsis begründen. Die Landeskonferenz des Hechaluz Die Landeskonferenz: 'df* «leutscheit .Landesverbafi«fesr Hje* chahiz wurde Sonnabend, den 12. d. M., abends, im Gemeindehause, Rosenstraße, von Dr, Elieser Ascher in hebräischer Sprache eröffnet. Den Generalbericht des Büros des deutschen Hechaluz erstattete Ernst Böhm, worauf die Generaldebatte eröffnet wurde. In der Generaldebatte, die Sonntag fortgesetzt wurde, wurde die Tätigkeit des Merkas einer scharfen Kritik unterzogen, in der Sonntag^itzung hielt Dr. Lubinski ein Referat über die Problematik des deutschen Hechaluz, das durch ein Korreferat von Perlmutter (En Charod) ergänzt wurde. Im Verlauf der Nachmittagssitzung hielt Berl Locker eine Gedenkrede auf die Gefallenen von Tel-Chai, deren Todestag (11. Adar) sich gerade in diesen Tagen zum siebenten Male jährt In der Abendsitzung vom Sonntag hielt Dr. Arlosoroff, der auf der Durchreise von Amerika nach Palästina einige Tage in Berlin weilt, eine Ansprache, in der er die Hauptprobleme des deutschen Hechaluz vom Standpunkt der palästinensischen Arbeiterschaft beleuchtete. Die Tagung wurde Montag fortgesetzt und dauert bei Redaktionsschluß noch an. Wir werden nach Abschluß darüber berichten. Die Ansirittsbewegnng Untenstehend veröffentlichen wir einen Interessanten Artikel einer Breslauer Zeitung, ih dem von nichtjüdischer Seite darauf hingewiesen wird, daß in Breslau angesehene und wohlhabende Juden aus steuerlichen Gründen entweder aus der jüdischen Oemeinde oder auch ganz aus dem Juden• tum austreten. Diese Austrittsbewegung macht sich leider nicht nur in Breslau bemerkbar, sondern sie hat in ganz Deutschland um sich gegriffen. In den Kommissionen des Landesverbandes preußischer Gemeinden hat man sich sogar gezwungen gesehen, dieses Problem zu behandeln. Oft wird der Austritt aus einer Judengemeinde oder aus dem Judentum damit motiviert, daß man gar kein Interesse für die jüdischreligiösen Einrichtungen habe und von seinem Judentum sozusagen ״keinen Gebrauch mache“. Deswegen fühle man sich nicht verpflichtet, für jüdische Zwecke Steuern zu zahlen. Derartige Ausreden sind nicht nur Symptome einer weitgehenden Entjudung, sondern auch ein Zeichen dafür, daß parallel mit der Loslösung von der jüdischen Gemeinschaft eine bei Juden früherer Zeit nicht vorhanden gewesene Abstumpfung gegenüber charitativen Verpflichtungen vor sich geht. Vom menschlichen Standpunkt aus könnte man noch die Weigerung begreifen, an die jüdischen Gemeinden (die den größten Teil ihrer Erträgnisse wohltätigen Zwecken zuführen) Steuern zu zahlen, wenn die Austretenden einen gleich hohen oder einen geringeren Betrag der allgemeinen sozialen Wohlfahrt zuführen würden. Das ist aber fast niemals der Fall. Die Fahnenflüchtigen sind also nicht mir schlechte Juden, sondern zumeist auch schlechte Menschen. Zu bemerken ist, daß Angehörige jener Kreise, aus denen sich die Austretenden rekrutieren, im kaiserlichen Deutschland auf allen Spendenlisten — auch für Kirchen — an erster Stelle zu finden waren. Freilich gab es damals Adlerorden 4. Klasse, Kommerzienratstitel und dergleichen Firlefanz. Vielleicht würden sich die ״prinzipiell“ das Judentum ablehnenden Herrschaften einer anderen Haltung befleißigen, wenn die jüdischen Gemeinden Orden zu vergeben hätten. Im übrigen ist dieses Kapitel dermaßen ernst, daß sich die jüdische Oeffentlichkeit mit ihm eingehend beschäftigen muß. * Unter der Ueberschrift ״Folgenschwere Austritte aus dem Judentum“ schreibt die Breslauer ״Nachtost“ u. a.: Einsichtige wissen, daß das Kapital nichts mit ation, Religion, blonden Haaren oder krummen Nasen zu tun hal sondern eine internationale Angelegenheit ist, und daß die Herrschaft des Kapitalismus nicht gebrochen wird, wenn man ein paar Dutzend Juden totschlägt. Aber aus agitatorischen Gründen verschweigt man, daß'es arme Juden gibt, so daß es z. B. in Breslau in gewissen Stadtteilen jüdisches Elend, jüdische Flüchtlingskatastrophen und jüdische Kriegsverletztentragödien gibt. Die Jüdische Gemeinde hat sich ein eigenes Wohlfahrtsamt eingerichtet, das alle Hände voll zu tun hat und dessen Mittel ebensowenig zur Linderung der schlimmsten Not ausreichen, wie die Mittel des städtischen Wohlfahrtsamtes. Es ist jedenfalls außerordentlich dankenswert, daß die Jüdische Gemeinde der Stadt einen, wenn auch kleinen Teil ihrer Sorge« um die Aermsten der Armen abniromt. Das Jüdische Krankenhaus ist eine in Breslau sehr bekannte und berühmte Institution; die übrigens fast stets von Christen mehr benutzt wird als ,von;Juden. Und es ist tief bedauerlich, wenn man hört, daß dieses vorbildlich geleitete Krankenhaus heute schon nicht mehr weiß, wo es seine Zuschüsse zur weiteren Existenz hemehmen soll. Die Jüdische Gemeinde hat in dem Bestreben, die Mittel für ihre wohitätigkeitsarbeit aufzubringen, den Steuerbogen in vielen Fällen erheblich überspannt, so daß die recht folgenschwere Tatsache zu konstatieren ist, daß viele angesehene und reiche Juden der hohen Steuern wegen zum Teil aus dem Judentum, zum Teil nur aus der Breslauer Jüdischen Oemeinde aus treten. Als kurz nach der Inflation Alfred Gittler eine Synagogensteuerrechnung von 32000 M. präsentiert wurde, zahlte er und trat aus der Gemeinde aus. Jetzt hört man, daß auch Justizrat M am rot 11, dem angeblich 8000 M. Steuern abverlangt wurden, aus der Gemeinde ausgetreten ist. Diesen Beispielen prominenter fuden folgen fast allwöchentlich andere. So ist neuerdings Rechtsanwalt Eugen Bandmann, einer der meistverdiendenden Breslauer Anwälte, aus der Jüdischen Oemeinde ausgetreten, ebenso der Kaufmann Franz Stein mit seiner Gattin. Interessant ist ferner, daß zwei prominente Mitglieder unseres Stadttheaterensembles, der Kapellmeister Patin und der Opernregisseur Dr. Herbert Graf nicht nur a^s der Jüdischen Gemeinde, sondern überhaupt aus dem Judentum ausgetreten sind, und man darf wohl annehmen, daß hier noch andere als nur steuerliche Gründe ausschlaggebend sind. Wese Dinge, meint der Artikelschreiber, gehen die Allgemeinheit an. Es kann niemandem, es kann vor allem der Stadt nicht׳ gleichgültig sein, wenn die Jüdische Gemeinde die für ihre um- Fangreiche Wohitätigkeitsarbeit notwendige Steuerkraft ihrer reichsten Mitglieder verliert, denn was die Jüdische Gemeinde nicht aus eigenen Mitteln leisten kann, fällt der Stadt zur Last und, wie gesagt, das jüdische Elend in Breslau ist größer, als Ahnungslose glauben, nur daß es sich nicht aufdringlich zeigt und nicht lärmhaft von sich reden macht (Leider beschränkt sich die Austrittsbewegung wohlhabender Juden aus steuerlichen Gründen nicht auf Breslau allein. Anm. d. Red.) Die Laihkspolilik der tschechoslowakischen Zionisten Das Zentralkomitee der Landesorganisation der tschec > slowakischen Zionisten hielt in Prag eine Plenarsitzung *י und faßte den folgenden Beschluß: Nach Anhören des! Referats des Herrn Dr. Rufeisen stellt das Zentralkomitee fest, daß über die Grundlagen und die prinzipiellen Riehtlinien der nationalen Landespolitik der jüdischen nationalen Minderheit, deren Notwendigkeit vom Z.-K. selbstverständlich grundsätzlich bejaht wird, volle Uebereinstimmung herrscht und daß daher für die Demission des Herrn Dr. Ludwig Singer ein Anlaß nicht gegeben ist. Herr Dr. Singer zog daraufhin seine Demission zurück. Zur Führung und Ueberwachung der politischen Tätigkeit der Zionisten bestellte das Z.-K. eine politische Reichskommission. Diesen Beschlüssen ging eine lebhafte Debatte über die Frage der Betätigung der Zionisten in der Landespolitik voraus, an der sich der Vorsitzende Gustav Finzi, der Vorsitzende der Exekutive des Zionistischen Landesverbandes Dr. Joseph Rufeisen, Dr. W. Kohner, Dr. Emil Margulies, Dr. Singer u. a. m. beteiligten. Anläßlich der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendel ssohns im Jahre 1929 bereitet ein Komitee eine kritische Gesamtausgabe der Schriften Moses Mendelssohns vor. Da es alles erreichbare Material zu verwerten bestrebt ist, bittet es alle diejenigen, die Handschriften, seltene Drucke oder Briefe Moses Mendelssohns (von ihm und an ihn) besitzen, um Nachricht und, wenn nötig, um leihweise Ueberlassung. Alle Zuschriften sind an die Adresse von Hern! Prot. Dr. Julius Guttmann, Berlin NW87, Wullenweberstraße 2, zu richten. * Obwohl das ganze Streben Achad Haams auf Zion, auf hebräische Kultur gerichtet war, blieb er doch der einzige unter den jüdischen Schriftstellern, dem keine orientalischen Gebärden, kein orientalisches Pathos eigen war. Das Merkmal seines äußeren wie auch seines inneren Wesens war vornehme Stille, vornehme Zurückgezogenheit Manchmal schien es, als bekleidete er das Amt eines Sachverständigen beim jüdi* sehen Volk, der gelegentlich, von Zeit zu Zeit, weise Ratschlage in höchst wichtigen Dingen erteilte. Und diese Ratschlage — die übrigens selten befolgt wurden — übten eine große erzieherische Wirkung aus. * In den Stätten der Einsiedler, im Kreise der wahrhaft Stillen und Bescheidenen, deren Bemühen es ist, gerecht zu leben, deren große Sehnsucht die Vollkommenheit ist, sollte man den 250. Geburtstag Spinozas feiern. Statt dessen kalte offizielle Reden in Gegenwart beglaubigter Diplomaten. Und der Psychoanalytiker, der immer dabei sein muß, der sich immer aufdrängt, hat natürlich auch Spinoza unter seine Lupe genommen. Aus dem Haag wird nämlich gemeldet, daß unter den verschiedenen Vorträgen auch einer über das Thema ״Spinoza und die Psychoanalyse“ gehalten wurde. * Nicht der Spinozlsmus, sondern Spinoza der Mensch i t es, der auch jetzt noch den Zauber auf so viele ausübt. 11, allgemeinen läßt der Philosoph den Künstler ziemlich ka;t. Womit erklärt cs sich aber, daß gerade Spinoza auf viel: große Künstler (besonders in Frankreich) eine überaus mach Hge Wirkung ausübte? Man muß das erhabene Leben, das Spinoza gelebt hat, vor Augen haben, die feierliche Stille, die ihn umgab, die stoische Geduld, mit der er Krankheit, Einsamkeit ertrug, muß man sich vorstellen, um zu begreifen, warum künstlerische Naturen, die immer Vollkommenheit ersehnen, aber niemals erlangen, derart von der Gestalt Spinozas fasziniert sind. So ist man beispielsweise überrascht, in den Briefen Flauberts an George Sand eine begeisterte Stelle über Spinoza zu finden. Der Grund liegt in der Persönlichkeit des Tagungen der jüdischen Landesverbände Der Verband Bayerisch«: is ra eli tisch er G eraei ndcn tritt in Fürm am 13. und 14. März d. J. zusammen. Am 13. März vormittags werden die Fraktionen, und zwar die liberale Fraktion, die Fraktion der Jüdischen Volkspartei und der Konservative Block, ihre Sitzungen abhalten. Es erfolgt alsdann die Eröffnung der Tagung, die Begrüßung durch aie Kultusgemeinde Fürth, ein Vortrag des Fürther Rabbiners Dr. Behrens über die Ideale religiöser Lehre und religionssittliehen Wandels im Geiste der jüdischen Religion“, lieber die soziale Arbeit des Verbandes berichtet Justizrat Dr. Elias S t r a u s - München, über die Frage des Reichsverbandes der deutschen Juden referiert Justizrat Dr. H o m m e 1 - Schweinfurth, über die historische Kommission des Verbandes Rabbiner Dr. Freudenthai-Nürnberg und über die Aufnahme der jüdischen Kunstdenkmäler in Berlin der Kunsthistoriker Theo Harburgcr-München. Der zweite Tag ist hauptsächlich den Mustersatzungen für die Gemeinden gewidmet. Die Referate hierüber haben Oberlandesgerichtsrat Neumeyer und Dr. Stein- Schweinfurth übernommen. Am 27. März tritt in Berlin der Verband preußischjüdischer Gemeinden zu einer Tagung zusammen. Hauptpunkt der Tagesordnung ist die Beratung des neuen Gesetzentwurfes, betreffend die jüdische Religionsgemeinschaft in Preußen. Außerdem wird der Etat zu beraten sein. An Stelle des verstorbenen Justizrate Hugo Sonnenfeld wird ein neuer Präsident der Tagung gewählt werden. Wie der J. T. A.- Vertreter erfährt, werden die Fraktionen der Jüdischen Volks- Partei und der Konservativen Partei der Liberalen Fraktion als der stärksten es überlassen, aus ihrer Mitte den Kandidaten zu•;!Dtninieren. Genannt wird als aussichtsreichster Kandidat Rechtsanwalt Heinrich Stern in Berlin. Weizmann und die Arbeiter-Organisation. Wie die Ziko mitteilt, entspricht die Nachricht palästinensischer Blätter, daß Dr. Weizmann auf die Drohung der Histadruth, ihre Vertreter aus der zionistischen Exekutive zurückzuzichen, an den Vorsitzenden der Histadruth, Ben Gurion, telegraphiert habe, daß dann auch er zurücktreten werde, nicht den Tatsachen.

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