Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1927)
- Date
- 1927-03-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Rund um Palästina QI. Syrien und Mesopotamien') Von Joseph Friedfeld. Die Entwicklung dieser beiden Länder hat in den Ietrten zwei Jahren eine völlig verschiedene Richtung genormen. Das französische Mandatsgebiet in Syrien war seit dem Frühjahr 1925 Zeuge eines Aufstandes, der, ursprünglich als lokale Revolte entstanden, alle Kreise der Bevölkerung Syriens erfaßt hat und noch heute nicht ganz erloschen ist. Mesopotamien hat dagegen in den letzten zwei Jahren unter englischer Mandatsführung eine ruhige und gesicherte Ent- Wicklung genommen. Seit dem Ausbruch des Aufstandes hat Frankreich seinen Hochkommissar, der, wie bis dahin stets, ein General gewesen ist, abberufen und durch einen Zivilisten ersetzt. Der erste zivile Hochkommissar Syriens war ein Journalist und Parlamentarier, de Jouvenel, der wohl zum Unterschied von den bisherigen Qenerälen versucht hat, durch persönliche Liebenswürdigkeit die dafür stets empfänglichen Orientalen zu gewinnen, der aber andererseits in seinen vielen Reden und Proklamationen jeder aufrichtigen Stellungnahme auswich und so bald in die Stellung geriet, daß die sehr hellhörigen Syrer ihm nicht trauten. Als de Jouvenel, die Aussichtslosigkeit seiner Mission erkennend, nach kaum acht Monaten seiner Tätigkeit zurücktrat, folgte ihm Henri Ponsot, der derzeitigje Hochkommissar Syriens, der zum Unterschiede von de Jouvenel ein auch im Kolonialdienstc und im Auswärtigen Amte erfahrener Verwaltungsbeamter war und während der Monate seines Aufenthaltes im Lande sich einer vorsichtigen Zurückhaltung in allen seinen Aeußerungen befleißigte, so daß er auch jetzt noch, da er zur Berichterstattung nach Paris gereist ist, um dort über weitere Regelung des Verhtltnisses zwischen Frankreich und Syrien die notwendigen Beschlüsse herbeizuführen, die syrische Bevölkerung vollständig im Unklaren über seine Pläne und Absichten gelassen hat. Kann auch der syrische bewaffnete Aufstand derzeit als praktisch erloschen gelten, so dauert die Entschlossenheit aller Kreise in Syrien weiter an, die Ziele dieses Aufstande! zu erreichen. Die Deputationen sämtlicher größeren Städte und Ortschaften in Syrien haben Ponsot gleichlautende Forderungen überreicht, deren Inhalt darauf hinausgeht, in Syrien *in ähnliches Verhältnis zu der Mandatarmacht herzustellen, wie es in Mesopotamien zwischen dem dortigen Königreich und Großbritannien besteht. Frankreich solle mit Syrien «inen Bündnisvertrag abschließen, der an Stelle des Mandats träte und einen Zeitraum voraussehe, nach dessen Eintreten des Mandatsverhältnis beendet wäre und Syrien in den Völkerbund eintrlte. Dieser Zeitraum wird im allgemeinen mit dreißig Jahren angegeben. Weiter wird die Einberufung einer frei gewählten Verfassunggebenden Nationalversammlung verlangt, die die künftige Staatsform Syriens und die rechtlichen Grundlagen seines öffentlichen Lebens festlegen solle. Wie weit Frank- •reich diesen Forderungen Syriens nachkommen wird, ist völlig ungewiß. Die bei den letzten Sitzungen des Völkerbundes wie auch im britischen Parlament wiederholt nachdrücklich betonte Auffassung, das Mandatsverhältnis sei im Grunde das gleiche, wie zu Kolonialländem, nur mit der Einschränkung, daß über die Verwaltung der Mandatsgebiete die Mandatarmacht in beschränktem Ausmaße zu einer Rechensehaftslegung an da! Völkerbund verpflichtet sei, läßt kaum vermuten, daß die Entwicklung des Mandatsverhältnisses auch in Syrien in einem entschieden freiheitlichen Geiste vor sich gehen werde. Es ist sicher, daß Frankreich dem Verfangen «ach nationalen Reformen der Syrer Konzessionen machen wird, die freilich mehr formaler Natur sein werden als inhaltlieber. Aehnliches ist in der Republik des Groß-Libanon geschehen, die im vorigen Jahre geschaffen wurde und die nach außen hin tatsächlich ein vollkommenes Sfaatsgebilde darstellt, mit einem gewählten Abgeordnetenhaus und einem gewählten Senat, einem Staatspräsidenten und einem körnpletten Ministerium. Aber in Wirklichkeit sind die Machtbefugnisse all dieser Personen beschränkt und die wahre Macht ruht auch weiterhin in den Händen des französischen Hochkommissariats und seiner Beamten. Das schwierigste Problem wird aber die von de« Syrern immer wieder erhobene Forderung nach einer Vereinheitlichung des gesamten Mandatsgebietes darstellen. Die französische *) Siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. tl und 16 d. j. JÜEDISCHE RUNDSCHAU Politik ging bis in den Herbst 1924, bis zur Ankunft des Hochkommissars General Sarrail, dahin, den christlichen Teil der Bevölkerung Syriens, der sich vor allem im Libanon befindet, zu begünstigen und sich auf ihn als auf einen loyalen Kern zu stützen. De Christen stellen in Gesamt-Syrien nur eine kleine Minorität dar, etwa ein Sechstel der Bevölkerung, sie sind aber eine Majorität in dem eigentlichen Libanon, der schon zu türkischer Zeit eine autonome Provinz gebildet hat, deren Protektor Frankreich gewesen ist. Diese autonome Provinz hatte damals nur das libanesische Bcrglaiid umfaßt. Am 1. September 1620 haben die Franzosen diesem Libanongebiet eine Reihe wichtiger und überwiegend von Mohammedanern bevölkerter fruchtbarer Landstriche beigefügt, vor allem den gesamten Küstenstrich mit Bcvrut, Tripolis und Sidon, die fruchtbare Ebene der Bckaa und das Gebiet um Baibeck. So haben sie den Staat dos Groß-Libanon geschaffen, der eine geringe christliche Mehrheit in der Bevölkerung aufweist, dessen mohammedanische Bewohner aber die Wiedervereinigung mit dem übrigen Syrien zu verlangen, nicht aufgehört haben. Die christlichen Libanesen fürchten dagegen, durch eine solche Vereinigung ihren Einfluß zu verlieren und die bevorzugte Steilung, die sie jetzt einnehmen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß in diesem Punkte die französische Mandats- Verwaltung den syrischen Forderungen in einer gewissen Weise entgegenkommen und zwischen dem syrischen Staate, der sämtliche Gebiete außerhalb des Groß-Libanon umfassen wird, und dem Groß-Libanon ein Biindnisverhältnis hcrstellen wird, das Zoll, Münzwesen, Eisenbahn, Heerwesen und anderes zu einer gemeinsamen Angelegenheit beider Staaten machen wird, wodurch das zahlenmäßig bedeutendere Syrien ein natüriiches Uebergewicht in diesem Bundes Verhältnis erlangen wird. Weniger problemhaft und viel beständiger haben sich die letzten zwei Jahre in Mesopotamien erwiesen. Das wichtigste Ereignis dieser Zeit war die Entscheidung des Völkerbundes über die Zugehörigkeit des Mossui-Gebietes, das, lange Jahre zwischen der Türkei und dem britischen Mandatsgebiet Mesopotamiens strittig, durch Völkerbundsentscheid Mesopotamien zugesprochen wurde unter der Bedingung, daß Großbritannien sein Mandat mindestens fünfundzwanzig Jahre ausübe und so für die Stabilität des neuen Staatswesens die Bürgschaft übernehme. Durch diese Zuweisung des Gebietes Mossuis gewann England eine strategisch außerordentlich wichtige Position, da die Höhen um Mossui herum nicht mir gegen Süden den britischen Weg nach Indien schützen, der von Transjordanien durch Mesopotamien nach Persien geht, sondern auch nach Norden hin eine starke Position gegenüber der Türkei, dem im Kaukasus festgesetzten Sowjetrußland und Persien bietet. England erlangte aber durch den Besitz Mossuis auch eine stärkere Stellung in Mesopotamien selbst. Das mesopotamische Parlament, das mit Schwierigkeit vorher einen an Steile des Mandates tretenden Bündnisvertrag zwischen Großbritannien und .Mesopotamien auf vier Jahre ratifiziert hatte, stimmte nun einer fiinfundzwanzigjährigen Dauer des in < Bündnisform gekleideten Mandatsverhältnisses zu unter der Voraussetzung־, daß das Vertragsverhältnis jede vier Jahre revidiert werden soll. Mesopotamien besitzt nach außen hin die meisten Merkmale eines unabhängigen Staates. Es ist ein konstitutionelles Königreich mit eigenem Ministerium und eigenem Parlament, und die Süßeren PormW des arabischen Nationalismus werden dort strenge gewahrt. Das Parlament kennt wohl noch keine Bildung von Parteien im europäischen Sinne, und das politische Leben selbst ist nur in Bagdad und Basra, wo es eine größere Anzahl Zeitungen und Klubs gibt, rege. Die parlamentarischen Gruppen sammeln sich eher als um Prinzipien um Personlichkeiten. Aber dennoch hat das Parlament in den letzten Jahren bewiesen, daß es durchaus einen eigenen Willen hat, den es auch den Wünschen des britischen Hochkommissars entgegenzusetzen vermag, ln wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht sind die Fortschritte des Landes in den letzten Jahren nicht groß gewesen, und eher hat sich auf dem Gebiete des Erziehungswesens der Einfluß progressiven Geistes stärker fühlbar gemacht. Auch hier ist, wie in Aegypten, der revolutionäre Geist, der die ersten Jahre nach dem Weltkrieg ausgezeichnet hat, erstorben und das Land hat sich in den Gang einer langsamen und stetigen Entwicklung zurückgefunden, die freilich gegenüber den Verhältnissen vor dem Kriege noch immer als eine schnelle bezeichnet werden kann. Es ist auch langsam gelungen, die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen, wenn auch in Mesopotamien keineswegs auf diesem Gebiete jene großen Erfolge erzielt wurden wie Seite 151 etwa in Palästina. Das mesopotamische Eisenbahnwesen, das bis in die letzte Zeit unter Verwaltung anglo-indischer Beamter stand und außerordentlich viel an Leistungsfähigkeit zu wünschen übrig ließ, soll jetzt unter Führung erster britischer Experten reorganisiert und ausgebaut werden, so daß es ein brauchbares Glied in dem künftigen großen Eisenbahnnetz darstellen wird, das vom Suezkanal und vom Roten Meer nach Mittelasien führen soll. Das Land steht gegenwärtig unter dem Zeichen einer Ministerkrisis. Der bisherige Ministerpräsident Jaffar Pascha ei Askari, der mir während drei Monaten dieses Amt bekleidet hat und vorher mesopotamischer Gesandter in London gewesen war, hat seine Demission gegeben. Der Grund ist darin zu suchen, daß Jaffar Pascha versucht liat, die allgemeine Wehrpflicht in Mesopotamien einzuführen. Er tat dies aller Wahrscheinlichkeit nach auf Veranlassung der britischen Kolonialbehörde, denn Jaffar Pascha ist ein ergebener Freund Englands, mit dem ihn von seinem Londoner Aufenthalt her viele Sympathien verbinden. Der Vorschlag anf Einfülinmg der allgemeinen Wehrpfliciit stieß aber nicht nur bei der gesamten mesopotamischen Bevölkerung, sondern auch im mesopotamischen Parlament und selbst in einem großen Teil des Ministeriums auf entschiedenen Widerstand, und Jaffar Pascha, der in der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht das wichtigste Programm gesehen hatte, als er die Regierung übernahm, stellte den König vor die Alternative, entweder das Parlament aufzulösen oder seine!Demission anzunehmen. Der König entschied sich für das letztere und Mesopotamien befindet sich heute in einer Ministerkrise, deren Lösung angesichts des in mehrere Parteien gespaltenen mesopotamischen Parlaments, deren Führer zu einem einheitlichen Ministerium zu vereinigen schwer ist, nicht leicht gefunden werden wird, die aber auf jeden Fall nichts an der bisherigen ruhigen Ent- ■wicklung des Landes und seiner Politik ändern wird. Arbeitslosen - Demonstration in Palästina Jerusalem, 11. März. (J.T.A.) Hunderte jüdische Arbeitslose veranstalteten gestern vor dem Gebäude der Zionistischen Exekutive eine Demonstration, die ziemlich turbulent verlief. Die Arbeitslosen verlangten eine erhöhte Unterstützung. Die Polizei griff ein, ein Arbeitsloser wurde verletzt, vier andere wurden verhaftet. Lord PUimer und der Keren Hajessod Wie der Ziko unter dem 11. d. M. aus Jerusalem telegraphkrt wird, wurden die geschäftsführenden Direktoren des Keren Hajessod, Herr Dr. Arthur H a n t k e und Herr Leib Jaffe, in Begleitung des Generalsekretärs des Direktoriums, Herrn Leo Herr mann, am 11. d. M. vom palästinensischen High Commissioner, Lord P I u m e r , in Audienz empfangen. Sie informierten den High Commissioner über die Bedeutung des Keren Hajessod für den Aufbau Palästinas. Der Appell des Keren Hajessod an das Judentum der ganzen Welt, die Mittel für den Aufbau der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina bereitzustelien, sei durch die Verlegung des Zentrums der Tätigkeit des Keren Hajessod nach Jerusalem wesentlich verstärkt worden. Lord Plumer drückte in seiner Antwort seine volle Sympathie für die Aufgaben des Keren Hajessod aus und begrüßte besonders die Verlegung des Hauptbüros des Keren Hajessod nach Jerusalem- Nathan Straus-Spende Jerusalem, 6. März. (J.T.A.) Nathan Straus, der in den letzten Tagen hier weilte, um der feierlichen Grundsteinlegung des •von ihm gestifteten Gcsundheits- Zentrums beizuwohnen, hat Palästina verlassen, um nach New York zurückzükehren. Auf dem Bahnhof zu Jerusalem fanden sich zahlreiche Personen ein, um sich von Herrn Straus zu verabschieden. Nathan Straus hat in Aussicht gestellt, sich mit einem größeren Betrag an der Bnei Benjamin-Bank, dem finanziellen Instrument der palästinensischen Kolonistensöhne, zu beteiligen. — Wie schon mitgeteilt, hat Nathan Straus 20000 Dollar zwecks Linderung der Not der Arbeitslosen in Tel-Awiw gespendet, ln einem Schreiben an den Bürgermeister von Tel-Awiw sprach er den Wunsch aus, daß diese Summe ohne Aufschub, ohne Ansehung des Standes und der Ueberzcugung der Unterstützungsbedürftigen zur Verteilung gelangt. Einzig maßgebend soll die ״Hilfsbedürftigkeit sein. Es wurde ein Verleilungskomitee ernannt, das sich aus Ch. N. B i a 1 i k , Dizengotf, dem Oberrabbiner von Tel-Awiw, und Herrn B a r s k y rusarnmensetzt. trivial, das aus ihnen sprechende Urteil oft nur ein Vorurteil minderer Art, die Autoren sind weder sonderlich klug noch weise, ein Ausfall, der in der modernen Literatur schwer einzubringen ist. Aber sie bearbeiten jungfräulichen Boden; palästinensische Geschichten sind noch nicht viele erzählt worden und von den Erscheinungen des palästinensischen Lebens ein wahres Zeugnis ablegen, so gut man es eben vermag, bleibt ein Verdienst. Da dieses Verdienst eben kein künstlerisches mit Ewigkeitsaspekten, sondern mehr ein soziales, zeitlich begrenztes ist, so muß es dem palästinensischen Unterhaitungsroraan zum Guten gedacht werden, wenn er eine Generation anspricht, deren Blickfeld begrenzt, deren Urteilsschema dürftig ist, auf die aber ein Spiegelbild der eigenen Welt vielleicht wie ein Lehrgedicht wirken kann. Demi diese Selbstbegegnung könnte zur Entladung der palästinensischen Atmosphäre nicht wenig beitragen, besonders, wenn es dem palästinensischen Roman glücken würde, auch die jüngste Vergangenheit in seinen Stoffkreis einzubeziehen, E. Scholem. Spanien Md die Joden Am 1. Januar 1927 erschien in Madrid die erste Nummer der literarischen Zeitschrift ״La Gaceta Lite rar!a“, di« nach dem Muster der Berliner ״Die Literarische Welt‘‘ und der״Nouvelles Litteraires“ zugeschnitten ist. Hinter dieser Zeitschrift, die alle 14 Tage veröffentlicht wird, steht die froße spanische Zeitung ״El Sol“. Der Herausgeber ist . Oitgenz Caballero. In der Eröffnungsnummer bringt die Gaceta unter dem Titel ״Jude n“ einen großen Artikel von AmericoCastro, der mit folgendem Absatz schließt: ״Auf, Juden, schnürt Euer Bündel! Der König gebietet Euch, das Meer zu überqueren! — aber heute 1m umgekehrten Sinn, ein lockendes Ziel für viele Hebräer aufzeigend, die, trotz alles Erlittenen, nicht aufhören, Spanien als eine — wenn auch widernatürliche und verleugnende —- aber doch Mutter zu betrachten; so sehr, daß sie noch heute in Konstantinopel das Fest des 12. Oktober feiern.״ Castro beginnt seinen Aufsatz mit den Worten, die David Ebron am 9. Dezember 1597 an Philipp II. richtete: ״Und flehet den Himmel an, Herr, daß es in Eurem Reich Juden unter den gleichen Bedingungen geben möge, wie sie ihnen der Papst zubliligt — in Rom, in Venedig, in Mailand, Neapel, in Ragusa und Florenz, Pisa, Ferrara, Mantua und in ganz Italien. Und daß sie von hier, aus Konstantinopel und der Berberei, durch Eure Reiche ziehen dürften, von einem Ende zum anderen — mit den Rechten, wie die übrigen; und daß ich nicht aus Euren Diensten treten müsse. — Und wenn dem so geschähe, würden Eure Länder, glaube ich, reicher und üppiger an Gütern werden; ich weiß nicht, aus welchem Gruna Eure Majestät dieses Vorteils nicht genießen wollen, so wie anderer. Wenn in Spanien Juden lebten, gäbe es viele ״Omeins“, und manche von ihnen gelangten zum Himmel — denn die Juden flehen zu Gott, schreien, bitten für die Könige, die ihnen Gutes tun und sie in ihrem Reich mit Demut und Barmherzigkeit aufnehmen — ernährt doch Gott in ihrem Schoß alles Lebende dieser Welt; und sie werden nicht so sehr vergessen von Ihm, als daß er nicht wenigstens eine Schar von ihnen erhörte,“ Und fügt dann an: ״Immer erregte es mein lebhaftes Befremden, daß die Spanier päpstlicher sein wollten, als der Papst; es ist bekannt, daß Juden, die von hier vertrieben worden sind, sich friedlich im schützenden und verstehenden Schatten Sankt Peters angesiedelt haben.“ ״Das Seltsame an der Sache", fährt Castro dann fort, ״besteht darin, daß die Hebräer, trotz ihrer Isolierung, Sprache und Tradition bewahrt haben —; und diese Abtrennung ist für alle Sefardim seit dem 17. Jahrhundert vollständig; für viele unter ihnen schon seit einem Jahrhundert zuvor. Zusammen mit der Sprache, bleiben literarische Erinnerungen lebendig, Hausgebräuche, Gebet und Liturgie. Der Sefardi (Sefarad bedeutet Spanien) hat aristokratischen Stolz und pflegt, dem germanisch-slawischen Israeliten gegenüber, auf seinen spaninischen Ursprung als Adels-Siegel zu verweisen.“ Nach einer längeren historischen Betrachtung ruft der Autor schließlich aus: ״Bei Gott — uns fehlt etwas, seitdem die Juden ausgewandert sind, das wir nicht durch Gleichwertiges zu ersetzen gewußt haben. Mit Vergnügen wiederhole ich das hier beim Morgengrauen der ״Gaceta Literaria“ und denke dabei an einen möglichen Leser in Rhodos, Smyrna, Tetuin oder Sarajewo. Nicht nur, daß uns das Geld tehlte — aus diesem materiellen Grund wollte der Herzog von Oiivares das Ausstoßungs-Edikt widerrufen —. Aber mit den Juden verzog sich der internationale Geist, der Geist einer großzügigen, feingliedrigen Kultur. — Dank der spanischen ״Grandezza“ ist viel gemacht worden: Kunst, Literatur, Wissenschaft, Kolonisation von Amerika. Aber.“ Und der Verfasser zeigt, daß die Juden das Salz der spanischen Kultur gewesen sind, der Sauerteig für die Neu- Schöpfungen. Er verweist auf Rojas, den Juden, Verfasser der ״Cciestina“, ein Buch, dessen Grad der Bedeutung für die spanische Literatur sich nur im ״Don Quichote“ wiederholt. Er deutet auf Spinoza. Und er schließt: ״La Gaceta Literaria“ erhebt heute die schwache Stimme des neugeborenen Kindes zu unseren Brüdern durch Sprache und Tradition — in Marokko und im Orient. Unser Programm ist: Vereinen und Verstehen, Und wir möchten keine Lücke lassen, indem wir die spanischen Hebräer in diesen Bereich von Liebe und Einsicht etwa nicht mit cinbeschließen.“ M. J. Kahn (Toledo). Dr. Abraham Schwadron, der im Laufe von 31 Jahren eine einzig dastehende Sammlung von 2700 Autogrammen und 1300 Photographien bekannter jüdischer Persönlichkeiten angelegt hat, hat seine Sammlung der Hebräischen Universitäts* bibiiothek in J erusalem übergeben. Unter den Autogrammen befinden sich Originalunterschriften von Rabbi Akiba Euer, Rabbi Elijahu Gaon aus Wilna, Samson Raphael Hirsch, Kurt Eisner, Sara Bernhard, Graetz, Gutmacher, Benjamin Disraeli, Heine (ein Brief, in weichem er seine Taufe bedauert), Henriette Herz, Zamenhof, Lombroso, Lassalle, Rosa Luxemburg, Gustav Mahler, Moses Mendelsohn, Meyerbecr, Mendelsohn-ßartholdy, Karl Marx, Peretz Smolensk!, I. L. Peretz, Zunz, Rachel, Rubinstein, Steinschneider, Otto Weininger. Josef Horovltz, Koranlsche Untersuchungen. Berlin 1926 Walter de Gruyfer & Co. (Studien zur Geschichte und Kultur des islamischen Orients). In diesem für alle Arabisten und Islamforscher wichtigen Buch hat der Frankfurter Professor Horovitz, der auch beim Aufbau des orientalischen Instituts der Jerusalemer Universität leitend mitwirkt und in Jerusalem Vorlesungen gehalten hat, eine Studie über die erzählenden Abschnitte des Koran und eine über die koranischen Eigennamen «reinigt