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Jüdische Rundschau · 1927-03-15 · Heft 21 (15.3.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 21 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 21 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 153 Das Jubiläum des Misrachi Am Sonntag, den 13. d. M., fand aus Anlaß des fünhmdzwanzigjährigen Jubiläums des Misrachi in Berlin ein vom deutschen Landesverband Misrachi veranstalteter Festakt statt Der Vorsitzende des deutschen Misrachi, Dr. Wo.lt** berg, begrüßte die Versammlung mit einer hebräischen An• spräche und teilte mit, die Leitung de* Misrachi habe be* schlossen, das Präsidium der Veranstaltung Herrn Sanitätsrat Dr. Franck, Altona, der die Kontinuität der Entwicklung der Bewegung geradezu personifiziert, zu übergeben. Dr. Franck übernahm den Vorsitz und gab in seiner Ansprache einen Ueberblick über die Misrachi-Bewegung in den letzten Jahren. Der Zionismus, so führte er aus, sei seinem We»n nach Anknüpfung an die Vergangenheit, Wiederaufnahme einer uralten Tradition. Diese Bewegung könne nur dann ihren Sinn haben, wenn auch die jüdischcLebensform und der jüdische Geist in voller Treue zur Tradition gestaltet werde. Wenn eine Gruppe im Zionismus sich diesen Gedanken zum speziellen Programm gemacht habe, so sei in einer solchen Differenzierung keine Schwache, sondern eine Bereicherung der Gesamtbewegung zu finden. Der Misrachi strebe danach, den Massen aes Volkes Verständnis für die wahren Quellen des Judentums zuzuführen, aber er ist keine klerikale Partei, die Gewissenszwang ausübeti wollte, er vertraut vielmehr auf die Kraft des Thoragedankens, der sich in der nationalen Bewegung durchsetzen muß. Darum zeugen auch die Angriffe, die von seiten der Trennungsorthodoxie gegen den Misrachi gerichtet werden, von völligem Mangel an Verständnis für seine Idee. Die Orthodoxie kopiert zwar die Formen unserer Organisation, ja sie spricht in der letzten Zeit sogar von Jüdischer Einheit, von der Pflicht zum Palästina-Aufbau, sogar vereinzelt von der hebräischen Sprache; aber sie ignoriert die gewaltigen Leistungen, die der Misrachi auf diesen Gebieten bereits vollbracht hat Der Misrachi will die Brücke schlagen zwischen den alten Lebensformen und dem neuen jüdischen Leben. Denn er ist sich bewußt, daß eine nationale Renaissance, die unter dem Zeichen eines Bruches mit der Tradition vor sich geht, ein Golem ohne Seele sein muß. Dr. Franck begrüßt sodann die anwesenden Vertreter von Korporationen, und zwar der Jüdischen Gemeinde Berlin, der Repräsentanten-Versammlung der Jüdischen Oemeinde, Berlin, des Rabblnats der Jüdischen Gemeinde, Berlin, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, des Hauptbüros des Keren Hajessod für Deutschland, des Keren Kajemeth Lejisraei, des Landesverbandes der Zionisten-Revislonisten, der zionistischen Arbeiterpartei ״Hitachduth“, der Berliner Zionistisehen Vereinigung, des Pro Palästina-Komitees, des Deutsch* Israelitischen Oemelndebundes, des Dozentenkolieglums des Rabbiner-Seminars Berlin, der Ortsgruppe Berlin der Agudas IIsrael, der Ortsgruppe Berlin der ״Acnduth“, der Jüdischen Volkspartei, der Jehuda HalevRoge, Berlin, der Gesellschaft zur Forderung der Wissenschaften des Judentum*, des Bachurim-Vereins am Rabbiner-Seminar, des Bundes Jüdischer Akademiker, der Vereinigung jüdischer Akademiker, der Gesellschalt ״ORT“, der jugendgruppe der Agudas Jisroel und der Hochschule für die Wissenschaften des Judentums. Er begrüßt ferner besonders die Vertreter der MisracM-Ortsgruppen Hambürg, Breslau, Leipzig, Wiesbaden, Nürnberg, und den Verfreier des Oesterreichischen Landesverbandes des Misrachi, Herrn Bloch. •— Begrüßungsschreiben sind eingelaufen von der israelitischen Synagogengemeinde ״Adaß Jisroel", von Herrn Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, von der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, dem American Joint Distribution Committee, vom Deutschen Landesverband des ,,Hechaiuz“, von der Miarachl-Ortsgruppe Emden, von der Misrachi -Ortsgruppe Hamburg-Altona. S0d2m ׳ fedmm der-Var$mettde, iffe-Versaarottog׳' steh »ob lei Pützen erhebt, der Toten der Bewegung. Es feige« die Begrüßungsansprachen. Dr. Bleichrode spricht namens der Berliner Rabbiner hebräisch und weist hin auf die Veränderung der Zeiten, die sieh darin zeige, daß heute die Gesamtheit der Rabbiner eine Bewegung wie den Misrachi begrüße. Dr. Aron Barth begrüßt namens der Welt- Organisation Misrachi und gedenkt der Verdienste der deutschen Landesorganisation. Dr. Martin Roseuhlütb würdigt namens der Zionistischen Vereinigung für Deutschland die Leistungen des Misrachi innerhalb des Zionismus, in Palästina und in der Diaspora. Mit Stolz könne der Misrachi auf seine Erfolge Hinweisen. Die ganze zionistische Bewegung hofft, daß to neuen jüdischen Volksleben in Palästina auch die religiöse Schöpferkraft unseres Volkes wieder erwachen wird. Wenn es beute innerhalb des Zionismus, der alle Kreise Umfaßt, selbstverständlich eine geistige Auseinandersetzung gibt. 80 müssen wir uns doch bewußt sein, daß dahinter die einigende Kraft der zionistischen Bewegung steht. Der Direktor des Keren Hajessod, Herr Alfred Berger, spricht die Hoffnung aus, daß der Misrachi auch in Zukunft in der vordersten Reihe derer stehen wird, die sich bewußt sind, daß Palästina von uns auch materielle Opfer fordert. Wenn heute eine schwere Krise in Palästina ist, so schöpfen wir Mut aus einem Ereignis, das wie dieses Jubiläum uns zeigt, welche Kräfte in der zionistischen Bewegung aufgespeieherf sind. Im Namen des Vorstandes der Berliner jüdischen Oemeitfde begrüßte Dr. Sandler, im Namen der Repräsentantenver- Sammlung Dr. Abraham Löb, für die Ortsgruppe Berlin des deutschen Misrachi Herr Lazarus Barth, für die Jüdische Volkspartei Dr. Klee, für die Jüdisch-nationale Frauenvereinigung Frau Lina W a :1 e r - T a u b e r. Sodann fand die Feier einen würdigen Abschluß durch die fedankenreiche Festrede des Herrn Dr. Oskar Wolfsberg. n den Festakt schloß sich ein. Festbankett an, das die Vorkämpfer der Misrachi-ldee in Deutschland und eine große Anzahl von Freunden noch lange Zeit In festlicher Stimmung beijammenhielt. Palästina aal der leipziger tose . L.e'P^? - q■ (J T.A.) Auch auf der diesjährige leipziger Frühjahrsmesse, die am 6. März begonnen ha ist das jüdische Palästina vertreten. In Halle 7 der Tect die iftadtpläne von Tel- &wiw, Naha 1 ai und andere Städten und Siedlungen Palästinas zu sehen. Ein reiche Bildmaterial veranschaulicht die jüdische Landwirtschaft, di Industrie, das Erziehungs- und das Gesundheitswesen i Palästina. In der Sonderausstellung ״Leipziger Messe-Pre paganda“, die im alten Rathaus untergebraehf Ist, sieht ma unter den Zeitungen und Zeitschriften aller Länder auc Exemplare der hebräischen Tages- und Fachpresse Palästina: One amerikanische Gesellschaft für PalstUa-Wirfsehall Jerusalem, 10. März. (J.T.A-) Die Abordaui der Gruppe amerikanischer Geschäftsleute, die in den letzt Tagen in Palästina geweilt hat, sandte an die Pal. Tel.-A vom Schiff aus eine Mitteilung des Inhalts, daß die A Ordnung bereits eine Gesellschaft für Palästina-Wirtschi mit einem Grundkapital von einer Million Dollar begrüne hat 400 000 Dollar wurden von den Mitgliedern der De gatten bereits voll eingezahlt. Direktor der neuen Oes« chaft ist Herr Max Schulman. Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. Mittwoch, den 16. März abends 8»/# Uhr Jüdisch-Nationale Frauenvereinigung, im Sitzung«^!, MelnekestraBe 10. Erweiterte Vorstandssitzung. Tagesordnung: 1. Vorschläge zur Jugendarbeit: Frau Dr. Baer; 2. Chaluzfürsorge; 3. Berichte der Gruppen; 4. Diverses. — Interessierte Gesinnung*־ genossen sind herzlich eingeladen. ' Abends S*/# Uhr Gruppe Sßd, im Heim, Kommaudantenstr. 62, im Hause des Colosseum. Herr Prof. Dr. Heinrich Loewe: ״Sinn und Bedeutung der jüdischen Feiertage." Donnerstag, den 17. März abends 8ו/י Uhr Erlch-Rosenkranz-Bund, bei Dr. Louis Sternberg, Kantstr, 150a. Vortrag von Herrn Dr. Rudi Pick: ״Die Situation des K. J. V. vom Standpunkt der Alten Herren“. Alte Herren des K. J. V. als Gäste sind herzlich willkommen. "" ־ Abends 8 Uhr Arbeitsgemeinschaft des Keren Kajemeth Rosenstraße 2/4. Vortrag Alfred Berger (Thema wird noch bekanntgegeben). Abends 8 Uhr Verband jüdischer Studentenvereine in Deutschland, im Schubertsaal, Bülowstraße 104. Herr Prof. Dr. Theodor Lessing über: B. Spinoza. Karten zu M. 1,—, für Studierende 0,50 erhältlich bei Wertheim, Bote & Bock und an der Abendkasse. Dienstag, den 22. März abends 8:/5 Uhr Gruppe West, im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestraße 10. Herr Dr. Aron Barth: ״Bruch mit der Tradition." Abends 8'/; Uhr Gruppe des XII. Bezirks, im Cafl Bohne, Steglitz, Albrechtstr. 127 (am Bhf. Steglitz). Herr Dr. E. Ascher: ״Jüdische Bevölkerungs- und Einwinderungspolitik in Palästina . _ Jedgn Donnerstag abends 9 Uhr Zusammenkunft der Charlottenburger Zionisten im Cafd Kersten, Kurffirstendamm 90. Die Palistioa-ßBwaBÜerang tat Jahre tili London, 11. März. (J. T. a.) Des Kofonialamt teilt amt- Ich mit. daß Im Jahre 1936 13066 Juden in Palästina ein• g.$W««4er.L and, 7340. t|1.9gewa;nd«rt sind, ■ Die Zu« ׳Bhwandeh1ng־t>etrug: dem- Im Monat Januar 1927 sind in Palästina 181 Personen «ingewandert und 536 Personen ausgewandert. Kleine Nachrichten Die Liste der PaJästinabesncJier der letzten Zeit enthält die Namen Sir Edward und Lady Stern aus London, Dr. A. Fürstenberg, Präsident der Jüdischen Gemeinde von Stockholm, Baron Felix de Menasse, Vizepräsident des Keren Hajessoa-Komitees von Alexandrien. Jerusalem, 7. März. (J.T.A.) Die Regierung hat eine Wtniüberwachungskommissfon zur Leitung der demnächst stattfindenden Wahlen in die Stadträte Palästinas ernannt Der Kommission gehören zwölf Beamte, unter ihnen zehn Engländer und zwei Araber, an. Kein einziger Jude gehört der Kommission an■ Anläßlich ihres kürzlichen Besuches in Palästina spendete Frau Felix M. Warburgi 1000 als Beitrag zum Milchfonds der medizinischen Organisation Hadassah. Leonard S. Montef lore, Präsident der Angto Jewish Association und Ratsmitglied der ICA, ein Sohn des jüdischliberalen Theoretikers Claude Montefiore (des bekannten Anti- Zionisten), fuhr am 9. d. M. von London nach Palästina. Das Institut für Mathematik und Physik an der Hebräl» schenUuiversitätin Jerusalem veranstaltet aus Anlaß des 200. Todestages isaac Newtons, der auf den 31. März d. J. fällt, eine Gedenkfeier sowie eine Serie von vier Vorlesungen über Leben und Lehten von Isaac Newton. An der hiesigen Universität wird eine religionswissenschaftliehe Sammlung für die Zwecke des akademischen Unterrichts errichtet werden. Wie der J. T, A.-Vertreter erfährt, soll im Rahmen dieser Sammlung auch eine besondere jüdische Abteilung errichtet werden. In Tel-Awiw wurde eine Gesellschaft zur Organisierung eines Automobilverkehrs zwischen Haifa und Bagdad (via Zemach) gegründet Diese Verbindung hat große Bedeutung für die Handelsentwieklung Palästinas. (Ziko.) Wie verlautet, beabsichtigt die palästinensische Regierung, in Kürze gesetzliche Bestimmungen über dieZuiassungvon Aerxten zur Ausübung der medizinischen Praxis im Lande und über die Regierungsaufsicht über die ärztliche Tätigkeit zu veröffentlichen. (Ziko.) Die Palestine Electric Corporation entsandte in diesen Tagen ihre Arbeiter nach Rischon-Ie-Zion, uro das dortige Eiektrizitätsnetz; von dem bereits seit einiger Zeit die Weinkellereien versorgt werden, auf die ganze Kolonie ausztidehnen. Im Laufe des Monats März wird auch M1 k w e h I s r a e l an die Belieferung mit elektrischem Strom angeschiossen werden. (Ziko.) Wie der ״Dawar״ erfährt, nehmen die Verhandlungen mit der palästinensischen Regierung über den Bau einer Chaussee von Rischon-le-Zion nach Recboboth einen befriedigenden Verlauf, entd es ist zu erwarten, daß sie in Kürze hi einem positiven Ergebnis führen werden. (Ziko.) Ein Telegramm aus Haifa meldet die Ankunft des bekannten rheinischen Dichters Herbert Eulenberg. Er wurde u. a. von Hermann Struck und Ussischkin empfangen Du Direktorium du Keren Hajessod hat beschlossen, in den nächsten Tagen nach Aden eine Delegation zu entsenden. Der Wiener Maler Jehudo Epstein hat sich nach Pa- Ustlna begeben. Eine zionlsflsdie MäfldienDeweüunä Als ich vor etwa einem Jahr den Entschluß faßte, den organisatorischen Rahmen für eine zionistische Mädchenbewe* gung zu schaffen, geleitet von dem Gedanken, daß die jetzt Heranwachsenden Mädchen nie der Frauentvpus werden können, den der Aufbau des Volkes und des Landes braucht, war ich mir der Schwere und Tragweite der Aufgabe vollkommen bewußt In der Zwischenzeit habe Ich viele Teile von Oesterreich, Deutschland, der Tschechoslowakel und der Schweiz bereist und mich eingehend mit der Mädchenfrage an den verschiedensten Orten belaßt. Was Ich dabei fand, bestätigte die Notwendigkeit meines Unternehmens, seine Dringlichkeit und die Schwierigkeit seiner Durchführung. Was fand ich denn allerorten vor? Ein großer Teil der Mädchen indifferent, genußsüchtig, unnatürlich, unjugendlich, schon in ganz jungem Alter damenhaft, ausgefüllt von Dinge®, die erheblichen Schaden in ihrer jungen Seele anrlehten, so geworden, weil kein Mensch da war, der erzieherisch auf die Jungen Seelen eingewirkt hätte. Hier liegt die Wurzel des Problems, das Grundübel, welches, von unseren Jugenderzlehern zu wenig beachtet, unserer fewegung eines wertvollen Teiles ihres Nachwuchses beraubt. Man gibt für die Jugendarbeit die Parole: Hebraltlerung, jüdische Geschichte, Vorbereitung für Palästina aus. Da* sind in der Tat wichtige Aufgaben für Menschen, die durchdrungen sind von der nationalen Idee. Sind wir aber ehrlich, dann müssen wir die viel zu geringe Anzahl solcher Menschen unter den Jugendlichen zugeben. Daraus folgt für uns zwingend die Notwendigkeit, ihre Anzahl zu vergrößern. Dann können wir aber nicht mit Hebräisch anfangen, besonders bei den Mädchen ist es schwer. Sie kommen aus assimilierten Häusern, in denen man sie verwöhnt und lehrt, nur an Ihre Garderobe zu denken, wo Oefallpucht, Eitelkeit und Genuß im Mittelpunkte stehen. Es ist das eine traurige Tatsache, der wir uns aber nicht verschließen dürfen, weiieiezu and erni8t,wenn sie richtig angefaßt wird. Da muß zunächst von uns aus eine menschliche Erziehung einsetzen, die Zuverlässigkeit, Opfersinn. Ernsthaftigkeit und vor allen Dingen Verantwortung für die Gesamtheit lehrt Diese Mädchen müssen zuerst Judentum, Palästina, Volksbelebung, Heimataufbau verstehen fernen, dann werden sie auch Verständnis für die Geschichte und Sprache unseres Volkes bekommen und beides mit Ausdauer und Ernst aus innerem Bedürfnis heraus, erlernen. Daß man mit der Hebraisierung der weiblichen Jugend wirklich nur nach und nach beginnen kann, bewies mir die Einstellung der Mädchen, wie ich sie persönlich auf meinen Reisen kennentemte. Einen sehr großen Teil der Mädchenjugend, besonders im Westen Deutschlands, fand Ich liberal organisiert Nicht so sehr durchdrungen vom Liberalismus, als vom AntizionistntU. Zionistinnen fand ich meist nur in ganz geringer ZahL Sie erkannten zum Teil mit großer Betrübnis die unerquickliche Lage, waren sehr deprimiert, suchten nach Auswegen, sahen aber keine Möglichkeit, etwas zu erreichen, weil Ihnen An* regung, Kenntnisse, Zusammenhänge mit einer Gemeinschaft fehlten. Von lebender zionistischer Bewegung unter den jungen Mädchen war nirgends etwas zu sehen. Hier und da in der Tschechoslowakei und in der Schweiz ein Blau-Weißbund, der aber mehr die Kinder als die heranwachsende Jugend erfaßt In Deutschland war die Mädchen Jugendbewegung vollkommen verschwunden. Der 1.1. \V. B. ist mit vollem Recht eine voll-!»«niene Chaluzbewegung, nicht geeignet für Mldchtn, die auch im Galuth zionistisch wirken wollen. - •5,>■ km* det'Xv« U»1 «!t?§ 2*#tbe*• vareinigüngeft gerade lt#Tldrtfge8 Augenblick,* ttte' wert*׳ volle Teile der weiblichen Jugend für unsere Bewegung *8 retten oder neu zu gewinnen. Der ״Kontinentalbund" steht seine Aufgabe darin, einen neuen Mädchentrous zu schaffen, der äußerlich und innerlich alter jüdischer wurde entspricht, nat&r• lieh erfüllt von ernsthaften Idealen und Pflichten, dabei aber frisch und lebendig ist , , ,' Wir wollen keine schulmeisterliche Erziehung, vielmehr ihren Weg ernsthaft diskutieren und sie durch ein Leben in lebendiger Gemeinschaft zur Selbsterziehung anregen. Wir wollen ihnen jüdische Erlebnisse geben, jüdische Freu* den, enge Verknüpfung mit Palästina, damit sie aus innerem Bedürfnis und nicht einem Zwange folgend den ihnen zukoinmenden Anteil am Werke tragen. Sie sollen nicht nur Mitläuferinnen sein, die hier und aa, wenn man sie zu Vorträgen, Sammelzwecken oder Festen benötigt, mitarbetten, vielmehr den Zionismus so begriffen haben, daß er ihnen für ihr ganzes Leben Ueberzeugung wird und darin wirkt Deshalb führen wir den Mädchen ihr Volk, wie es lebt vor Augen, zeigen ihnen die Entwicklung, die zum Zionismus geführt hat und mit ihm alle anderen Strömungen, sprechen mit ihnen von Palästina mit all seinen Vor- und Nachteilen und erörtern mit ihnen ihre Einwendungen. Wir sagen ihnen vom ersten Moment an, daß Zionist sein heißt, Opfer bringen und Pflichten erfüllen, und wir überlasten es dann ihnen selbst, ob sie sich anschließen wollen oder nicht. Wir geben ihnen zionistisches Wissen, damit sie imstande sind, andere zu ge* wlnnen, stellen ihnen Aufgaben für Oaluth und Palästina und sorgen dafür, daß sie sich dauernd in einer zionistischen Atmo* Sphäre bewegen, die Arbeit von Ihnen fordert, aber auch Freu* den gibt. Es ist ernsthaften Mädchen der heutigen Zeit, die Bailsaal und oberflächliche Genüsse satt haben, schönstes Er* lebnis in enger Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu leben, und etwas zu schaffen. Natürlich ist das nur zu erreichen, wenn die Mädchen In Vereinen oder Klubs zusammengeschlossen sind. Gerade dieser Zusammenschluß in eigenen Mldchenvereinen ist die Aufgabe, die zu erfüllen der Kontinentalbund ausgeht Was hat nun der Bund in dem ersten Jahre seiner Tätigkeit geschaffen? Es wurden etwa 30 zionistische Mädchenvereine «gründet oder reorganisiert. Die Vereine stehen in engem onnex mit dem Bund. Alle zwei Monate werden Berichte ausgetauscht und kritisiert. Der Bund sorgt dafür, daß die Vereine in seinem Sinne arbeiten. Die Bundesleitung hat für ihre erzieherischen Aufgaben Material gesammelt, und wir sehen, daß die Mädchen, die Interesse an ernsthafter Arbeit haben, nach diesen Hilfsmitteln greifen. Sie können dann allmählich Mädchenvercine leiten und so wirken, wie wir es wünschen. Eine große Zahl jüdischer Mädchen ist dem Zionismus verlorengegangen, weil eine geeignete Mädchenorganisation fehlte. Die Erfahrungen im letzten Jahre zeigen, daß unser Weg der richtige ist. Deshalb treten wir jetzt an die breite Oeffentlichkeit und appellieren an das Verantwortlichkeits* gefühl der jungen Zionistinnen und Freunde unserer Sache. Wir sind gewiß, das nicht vergeblich zu tun. Edith Lacbtnann, Vorsitzende des ״Kontinentalbundes zionistischer Midchenvereinigungen", Breslau, Gartenstr. 40. Der erste Band einer Reihe hebräischer Lehrbücher, herausgegeben von der Hadassah, wird demnächst unter folgendem Titel erscheinen: ״Ein Lehrbuch der Augenkrankhelten für Schwestern". Der Autor ist Dr. Feigenbaum, leitender Augenarzt der medizinischen Organisation Hadassah.

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