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Jüdische Rundschau · 1927-03-11 · Heft 20 (11.3.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 20 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 20 JUED15CHE RUNDSCHAU Seite 143 Palästina •Chronik Regierung und Arbettsloaigkeli - Ein arablichcr Ueber/all - Eine neue Partei Von unserem Korrespondenten. AG. Tel-Awiw, den 2. März 1927. Um mit dem Kardinalproblem zu beginnen: im Kampfe zur Hebung der Arbeitslage werden neue Streitkräfte eingestellt Die Regierung, von allen Seiten kritisiert und mit Forderungen angegangen, sich ebenfalls um die Arbeitslosigkeit ihrer jüdischen Landeseinwohner zu kümmern, scheint geneigt zu sein, den Anträgen Gehör zu schenken und sich an der Be- Schaffung von Arbeitsqueilen zu beteiligen. Es scheint ihr einzuleuchten, daß man ein produktions- und steuerwichtiges Element, wie es die Juden im Lande darstellen, nicht in einer schweren Stunde gleichmütig sich selbst überlassen kann, während man in den ״Tagen des Glückes“ ebenso gleichmutig die Steuern eingehoben hat Die Lage hat sich in den letzten Wochen um nichts gebessert. Die Exekutive Ist bemüht um Arbeitslosenunter- Stützung und die Vorbereitung neuer Beschäftigungsmöglich־ keiten. Der Waad Leumi hat eine Hilfsaktion geschaffen, die aus verschiedenen Verbänden besteht und neben den amtlichen Unterstützungen schwerster Not abhelfen soll. Halbprivate Organisationen, wie z. B. die ״Oie Polanlah“, bereiten eine Aktion für die Pessachtage vor, um für Tausende das Fest erträglich zu machen. Daneben sind Einzelne in verschiedenen Unternehmungen an der Arbeit. Unter diesen Umständen hat der Jaffaer Arbeiterrat gleich nach einer Arbeitslosenversamm• Jung in Tel-Awiw, die von der Linken zu einer Demonstration ausgenutzt wurde, wo es Prügel und Arrest gab, den B c - zirksgouverneur aufgesucht, um ihn zur Mitarbeit an der Hebung der Arbeitslage zu bewegen. Der Gouverneur bewies — nicht zum erstenmal — Verständnis für die aktuellen Probleme der Juden seines Bezirks. Er versprach, einen Plan für bestimmte Arbeiten aufzustellen und bestimmte zu seiner Unterstützung eine Kommifsion. Diese soll unter dem Vorsitz von Edwin Samuel (dem Sohn Sir Herberts) als Vertreter der Regierung, aus Vertretern der Munizipalität Tel-Awiw und des Arbeiterrates bestehen und so schnell als möglich der Regierung Vorschläge für Arbeiten vorlegen. An den Kosten soll sich die Exekutive beteiligen. Die Kommission ist an der Arbeit Parallel gehen die Verhandlungen in Haifa und die mit der Zentralregierung, die Kisch namens der zionistischen Exekutive mit dem Sekretariat des High Coramissioners führt und die allem Anschein nach positive Ergebnisse haben werden. Es handelt sich um öffentliche Arbeiten der Zentralnegierung und eventuell um eine Anleihe aus der Regierungskasse an die zionistische Exekutive. Bei einem Besuche Lord Plumers in Tel-Awiw, wo er die Oranfo«.< ausst׳*Uung eröffnete, benutzte die Munizipalität die Gelegenheit, um ..״t d«..., Hig'.. Commissioner direkt über die Lage der Stadt und die Mithilfe der Zentralinstanzen zu verhandeln. Plumer zeigte Verständnis für die Situation, drückte den Arbeitern seine Anerkennung über ihre Disziplin aus und versprach, sich der Dinge anzunehmen und verschiedene StraBenbauten In;und ׳,bei ..JekAwiw. JniÄngrBJzu nehmen, AB«' in׳’ allem ist man berechtigt. agi tollen,Maß ■; die Re• giertmg in größerem oder Weinerem Maße gewilflfWr an der Arbeitsbeschaffung zu beteiligen. Eine Tatsache, aie zu be׳ grüßdn ist, sowohl ihrem aktuellen Wert nach als auch als Präzedenzfall. Nach einer verhältnismäßig langen Ruhezeit fiel in die letzten Wochen wieder ein arabisch-jüdischer Kon• f 1 i k t, der im Lande viel Staub aufgewirbeit hat. ln Sa׳ maria, in den Dünen bei Cäsarea, hatte die ״Pica“ vor Jahren «ine Konzession zur Aufforstung der Sandstrecken von der Regierung bekommen. Eine Zeit verfloß mit Versuchen, wie die Arbeit am besten durchzuführen sei. Indessen hatte ein arabischer Anwalt, der unter den nationalen Extremisten be kannt ist, eine Aktion eingeleitet, und die Beduinen der Umgegend veranlaßt, sich bei der Regierung über die Konzession zu beklagen, weil sie Ansprüche auf den Boden hätten Das Oberkonunissariat, dem vor allem an Aufrechterhaltung der Ruhe gelegen war, veranlaßte darauf die Einstellung der Arbeiten und es blieb bei den Versuchen. Vor kurzem, nach dem Jahre verflossen waren, und sich die Umstände in vielem geändert hatten, gab die Regierung der ״Pica“ zu verstehen, daß ihrer Aufforstungsarbeit nichts mehr im Wege stände. Es ist klar, daß die Regierung an solchen Unternehmungen, wie Bepflanzung von Dünen, interessiert sein muß, weil das eine Amelioratlonsarbeit ist, die von Rechts wegen ihr Amt ist und sie daher alles zu tun hat, um einer Gesellschaft, die ihr diese unrentable Aufgabe abnimmt, Vorschub zu leisten. Nachdem bereits eine stattliche Anzahl von Räumen gepflanzt waren, kamen an einem Tage die Beduinen unter der Leitung eben jenes Wadi el Bostani, der früher gegen die Konzession gekämpft hatte, zusammen, rissen die Pflanzen aus, zerstörten die Umzäunungen und alles, was bisher getan worden war. Bostani selbst feuerte sie an' und beschwichtigte ihre Gegnerschaft und ihr Zaudern mit der Versicherung ״die Regierung sei mit ihm“ 1 Dieser Akt des Vandalismus hat eine berechtigte Erbitterung hervorgerufen. Die Regierung ist zurzeit noch mit der ״Untersuchung“ des Falles beschäftigt, hat aber den Vertretern der ״Pica“ auf ihre heftige Beschwerde hin versprachen, das Gelände der Konzession als ״unter dem Aufforstungsschutz der Regierung stehend“ zu erklären und damit ihre Ansprüche sicher zu stellen. So ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, daß die Sache selbst zugunsten der ״Pica“ geregelt werden wird. Eine andere Frage ist die gerichtliche Beurteilung des Falles, die besonders erschwert wird, da Bostani vermutlich alles tun wird, um seine persönliehe Sache zu einer nationalen zu machen, woran die anderen Faktoren, die Regierung voran, natürlich desinteressiert sind. Im allgemeinen schmeckt die ganze Affäre sehr nach dem berühmten ״Sturm im Wasserglase“. Die arabische Presse scheint den Fall nicht sehr begierig aufgegriffen zu haben. Sie ist zurzeit in der Hauptsache durch zwei Dinge absorbiert: die Familienkämpfe der Husseins und Naschaschibis um die Vorherrschaft in den Stadtverwaltungen, vor allem in Jerasalem, und die Gerüchte über die Ausweitung der Grenzen Palästinas. Um diese Zukunftsmöglichkeiten kreist nicht nur die arabische Inlandspresse, sondern in mindestens ebenso starkem Maße die Syriens und Aegyptens. Nach einigen Artikeln kommt der Eindruck zustande, als wäre Palästina im Begriff, sich im Osten bis aff die arabische Wüste, im Süden bis an den Quai des Suezkanals auszudehnwt. Eine geplante wissenschaftliche Expedition der Versuchsstation in die Sinai- Halbinsel wird als ein wichtiger politischer Akt dargestellt und auf diese Weise maßlos übertrieben. Auf der anderen Seite gehören von seiten der Juden die Klagen nicht auf, daß die Regierung für die Ausweitung des Landes im anderen Sinne, wie Erschließung durch Bahn- und Häfen bau, keine Anstalten mache tmd damit die wirtschaftliche Entwicklung aufhalte. In der Tat geht die Arbeit der Verwaltung in dieser Riehtung mit typisch englischer Langsamkeit vor sich. Der Hafenbau von Haifa scheint erst in twei Jahren aktuell zu werden, weil die Meinungsverschiedenheiten über seine Lage im Colonial Office noch nicht entschieden sind. Wie bekannt, behauptet ein Teil der Sachverständigen, daß es günstig sei, den Hafen in der Gegend von Bath Galim anzulegen, während die anderen für den Teil der Bucht zwischen der jetrigea Stadt und dem Haifa-Bay-Gelände eintreten. Der t: Bäte Tier" Moto׳ io Jtffa scheint der VerwirldichunB näher zu sein. Ehe Arbeiten, die sich auf die Summe •von £115000 belaufen, sollen in wenigen Monaten beginnen. Es war inmitten der palästinensischen ״Hausse“, in der Blüte der vierten Alijah, als wir zum erstenmal von einem Aufstieg und der beginnenden Organisierungder Mittelk 1 a s s e berichteten. Unterdessen ist die Mittelklasse in ihrer Entwicklung und dementsprechend in ihrer Organisierung zurückgeworfen worden. Das war ein Unglück für die einzelnen, die in ihrem materiellen und ideellen Widerstand geschwächt wurden, weil sie den vernichtenden Kräften der Krise als zerstreute Atome gegenüberstanden. Unter dem Druck der Umstände hat ein großer Teil der Mittelklasse den Boden unter den Füßen verloren und natürlich für nichts Sinn gehabt als für die Sorgen des Tages und der Stunde. Ein anderer ist seinem Standard nach heute zur Arbeiterschaft zu rechnen und wird, wenn nicht heute, so morgen unter der Kraft der Tatsache und des Niveaus auch seinen ideologischen, oder wenn man will, Klassenstandpunkt ändern. Der Rest setzt die vor zwei Jahren begonnene Entwicklung fort. Es ist kein Zufall, daß diese Entwicklung, die Tendenz nun Zusammenschluß, gerade in letzter Zeit deutlich übersehbare organisatorische Formen annimmt. Die ״bürgerlichen Elemente“ im Lande sind heute nicht nur zahlreicher, sondern auch stärker als früher. Der Kampf gegen die Arbeiterschaft hat schärfere Formen angenommen. Der vor kurzem begründete Verband der Industriellen hat trotz det relativ kleinen Zahl der Mitglieder sich bereits eine gewichtige Stellung geschaffen. Ist dieser Verband ein vorwiegend wirtschädlicher, der sein Gewicht nur gelegentlich politisch verwertete, so ist in letzter Zeit ein Verband ins Leben getreten, der durchaus das Zeug dazu hat, eine Partei zu werden, wenn er es nicht schon heute ist. Es ist das die ״Hitachduth csrachith Leumith“, Bürgerlich-nationale Vereinigung. Entstanden durch die Initiative einzelner, zur besseren Wahrung der bürgerlichen Interessen im Jischuw (zurzeit besteht der Verband nur in Tel-Awivr, hat aber die Tendenz, sich auszubreiten), hat der Verband cs verstanden, altes um sich zu scharen, was heute die. Stütze der bürgerlichen Tendenzen in der Kolonisation darstellt. Neben Einzelpersonen umfaßt die Vereinigung den in den ״Bnc Bin ja min" vertretenen Teil der Kolonisten, die Industriellen, die Handwerker, Hausbesitzer und eine ganze Reihe von landsmannschaftlichen, noch etwas unklaren Gebilden. Heute ist die neue Vereinigung noch im Stadium der Vorbereitung. Wichtig sind diese Ansätze einer Konsolidierung und Organisierung, ganz abgesehen davon, wie man sich zu der Richtung dieser neuen Partei stellen mag. Denn der Prozeß der Kristallisierung der Einwanderung wird dadurch gefördert und nichts gibt ein schwereres Element für kolonisatorische Politik ab als eine atomisierte Masse, die keine Zusammenfassung und damit auch keine Vertretung kennt. Wenn der Jischuw sich in verschiedene Lager teilt, so wird die Gefahr der Reibungen zwar vergrößert, zugleich aber gibt die Scheidung der Geister auch Möglichkeiten der Verständigung und damit der Zusammenarbeit, was für die Leitung der Geschäfte in Palästina von Wichtigkeit ist. Orangen-Aussldlunff 18 TeMwiw Die Orangenausstellung 1927 wurde in der Ausstellungshall» in T e i * A w i w durch Lord Plumer am Freitag, den 25. Februar, eröffnet. Unter den Anwesenden befanden sich Herr Nathan Strauß, Colonel F. H. Kisch, die Bürgermeister von Tel-Awiw und Jaffa, und die Mitglieder des Re* gierungskomitees, welches die Ausstellung veranstaltete, ln seiner Eröffnungsrede hob Lord Plumer hervor, daß die Orangenausstellung sich zu einem bedeutenden Ereignis im palästinensischen Leben entwickelt. Die Landwirtschaft Ist die wichtigste ״Industrie“ Palästinas und muß es bleiben. Die palästinensischen Orangen schneiden bei einem Vergleich mit den Orangen von Malta, welche von den Produzenten für die besten der Welt gehalten werden, sehr gut ab. Die palästinensische Regierung tut alles, was in ihrer Macht steht, um den Orangenhandel zu fördern. Die meisten Aussteller waren Juden, und Juden erhielten die meisten Preise. Den ersten Preis für die besten Orangen erhielt Herr J. L. Goldberg, der auch den Preis für die beste Packung erhielt. Preise für Bananen erhielten Araber aus Jericho. Bedeutende Preise gewann auch die PICA (Palestine lewish Colonisation Association). Lady Phtmer verteilte die FffifSC• *. * « ־■>* *■־־.•*׳■“י > ׳*•.*•יי• . ■■it* 5.<׳*., i Der Streik bei ,Jim» Das Kreisgericht in Haifa hat das Urteil des Friedensgerichts in Akko, wodurch acht Streikposten, die bei dem Streik in der Zündholzfabrik ״Nur“ mit der Polizei in Konflikt gekommen waren, und zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt wurden (s. ״J. R.“ Nr. 18), aufgehoben und dahin abgeändert, daß die Beschuldigten zu je £ 1 Geldstrafe verurteilt wurden. Der Waad Leumi hat seine Vermittlung in dem Streik angeboten. Die Arbeiter haben seine Vermittlung angenommen, die Antwort des Fabrikbesitzers steht noch aus, soweit die Berichte der zuletzt eingetroffenen Zeitungen reichen. Die Zeitung ״D a w a r“ veranstaltet eine öffentliche Sammlung zugunsten der Streikenden. Die Arbeiterschaft des Landes hat in vielen Resolutionen und Telegrammen ihrer Sympathie für die Streikenden Ausdruck gegeben. Der Stadtrat von Tel-Awiw hat der Gesellschaft palästincnsischer Schriftsteller ein Grundstück zum Aufbau eines Schriftstellerheims zur Verfügung gestellt Werke von Julias Bab Julius Bab, der feinsinnige Kritiker und kenntnisreiche Literaturforscher, dem wir auch manche kluge Analyse des jüdischen Wesens in der Literatur verdanken, hat in letzter Zeit eine Rahe von Werken erscheinen lassen, die das Interesse literatur- und theaterliebender Leser verdienen. Zunächst sei ein Schriftchen ״Goethe und die Juden“ (Philo- Verlag, Berlin) erwähnt, das dem apologetischen Zweck, dem Mißbrauch Goethes durch die antisemitische Agitation zu begegnen, mit Takt und Geschick nachkommt. Goethes abfällige Aeußerungen über Juden und seine Entrüstung über die Judenemanzipation sind aus seiner Erziehung und sozialem Milieu zwanglos zu erklären; doch sein Menschentum überbrückte auch solche Vorurteile und ließ ihn jeder generellen Herabsetzung des Judentums widerstreben, zumal er auch die historische Gestalt und das Werk des Judentums würdigte. Bab führt aus Goethes Werken und Briefen alle wuchtigen Stellen an, die sich auf Jüdisches beziehen. Auch wer sich von der apologetischen Wirkung solcher Arbeiten wenig verspricht, wird die Schrift mit Interesse lesen. Wie sehr Bab seinen Goethe kennt und liebt, beweist sein Buch ״Faust, das Werk des Goethesch en Lebens“ (Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 6 M), ein Hiitsbuch rum Verständnis der Dichtung, das man gern Jugendlichen in die Hand geben wird. In der Vorbemerkung weist Bab darauf hin, wie sehr schon den Knaben Goethe der Doppelsinn des hebräischen Wortes ״barech“ in dem das Hiob-Buch einleitenden Dialog zwischen Gott und Satan (segnen — fluchen) erschüttert hat, diese Stelle, auf der der ״Prolog im Himmel“ fußt Ein Gegenstück zum Faust ist der in gleicher Ausstattung in demselben Verlag erschienene Band ״Shake- *peare, Wesen und werke“, enthaltend Bat» Einleitungen zu Shakespeares Dramen, die er in einer neuen Bearbeitung der Schlegel-Tieckschen Uebersetzimg herausgegeben hat. Bab bewährt sich auch hier als hterarischer Vermittler (dieser typisch jüdischen Rolle) hohen Ranges, er leitet an, Shakespeares Größe zuinnerst zu fühlen und zugleich die Dramen in ihrem menschlichen und künstlerischen Gehalt kritisch zu verstehen. Und schließlich spendet er uns noch fine ״Chronik des deutschen Dramas 1919 — 1926“ (Ocsterheld & Co. Verlag, Berlin), in der die Nachkriegsdramatik an uns vorbeiaeht, von einem liebevollen und doch streng scheidenden und wertenden Auge gesehen. Hier bildet nicht mir der Verfasser das jüdische Element, sondern auch seine Objekte sind zum Teil Juden: Toller, Heimann, Kornfeld, Sternheim, Wolfenstein, Döblin, Werfel, Rehfisch, Feuchtwanger, Emil Bernhard, Schnitzler, Beer-Hofmann, Borchard, Lissauer — ohne Anspruch auf Vollzähligkeit Von jüdischen Dramen werden behandelt etwa Heimanns ״Weib des Akiba", Beer-Hofmanns ״Jaakobs Traum“, Bernhards ״Jagd Gottes“. Es würde zu weit führen, auf Einzelheiten hier einzugehen; Bab würdigt die jüdische Note in der Dichtung ebenso wie in der Schauspielkunst, der er gleichfalls ein Such widmet; ״Schauspieler und Schauspielkunst“ (gleichfalls Oesterheld, 6,50 M.). Daß unter den drei Dutzend Schau- Spielern, deren künstlerische Porträts Bab entwirft, auch ein Teil Juden sind, bedarf klum der Betonung (z. B. Ernst Deutsch, Pallenberg, Kortner, Graetz usw.); ein eigenes Kapitel aber (die Darstellungen sind sachlich in Kapitel gruppiert) ist überschrieben ״Ostjüdische Generationen“: Schildkraut und Gr ,mach. Während bei andern Schauspielern der jüdische Wesenszug eine wichtige, aber nicht immer eine zutageliegende Nuance ausmacht, Ist hier die Verwurzclung im jüdischen Wesen ganz offenbar. Bab zeigt dies an Schildkrauts Shylock, dessen charakteristische Note das Vaterfefüht ist, eine ganz ins Jüdische transponierte Menschlicheit; Granadi dagegen stammt aus einer andern Zeit, die auf- Wühlendes Erleben und nationale Erweckung über die jüdische S;nd gebracht hat, er hat seine letzte Ausdrucksstufe noch t gefunden. Eine wertvolle Bereicherung des gut gedruckten Buches bilden die 32 guten Photographien der besprochenen Künstler. - fr. Das einzige palästinensische Wochenblatt in englischer Sprache ״The Palestine Weekly“ (Jerusalem P.O. B. 255) ist am 14. Januar 1927 als Spezial-Touristennummer erschienen. Das umfangreiche, mit vielen Illustrationen ausgestattete Heft bringt eine Reihe ausgezeichneter Zusammen* Fassungen aller für Palästina wichtigen Vorkommnisse In den letzten Jahren. Das Heft vermittelt dem Leser eine ausgezeichnete Uebersicht über Land und Bewohner und unterrichtet auch über die verschiedensten Handels- und Industrieunternehmen in Erez-Israei. Buch- und Bibliothekswesen Die Jüdische National- und Universitäts-Bibliothek erhielt von dem Komitee der Freunde der Universität in Warschau fünf Kisten mit Büchern. Unter den eingesandte« Werken befinden sich Bücher, welche der kürzlich verstorbene Bibliograph Jakov ben lakov der Bibliothek hinterlassen hat. — Die von der Gesellschaft der Freunde der Jerusalem- Bibliothek E. V. in B e r 1 i n übersandten 50 Bücherkisten sind nunmehr in Jerusalem angelangt. — Die Bibliothek erhielt das Archiv der Jewish Territorial Organization. Das Archiv enthält die gesamte Korrespondenz der Gesell- Schaft und wichtige Dokumente zur Geschichte der nationalen Bewegung. — Advokat Dr. M. Eliasch in Jerusalem, der seinerzeit Mitglied der Kommission war, welche Sir Herbert Samuel zur Untersuchung der Ausschreitungen im Mai 1921 eingesetzt hatte, übergab der Bibliothek das gesamte Material, weiches er in dieser Eigenschaft gesammelt hatte. — Herr Ignacio Bauer, Madrid, welcher der Bibliothek schon wiederholt sehr wertvolle Zuwendungen aus dem Gebiete der jüdisch-spanischen und spanischen Literaturgeschichte zum Geschenke gemacht hat, hat der Bibliothek wieder ein wertvolles Geschenk überwiesen: Eine Sammlung von Autographen berühmter Juden, Dokumente aus dem 16. Jahrhundert über die spanische Inquisition und eine Anzahl von hebräischen Inkunabeln. Freunde des jüdischen Buches. Unser Wiener l.th- Korrespondent berichtet: Dank der Initiative des zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, das insbesondere auf dem Gebiete der Kulturarbeit, der Jugenderziehung und der Fonds eine rege Tätigkeit entfaltet, ist in Wien eine ״Gesellschaff der Freunde des jüdischen Buch es“ ins Leben gerufen worden. Als erstes Werk wird der vor kurzem in Palästina erschienene Gedichthand von Elischewa den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Es ist beabsichtigt, auch andere hebräische und deutsche Werke jüdischen Inhalts zu erwerben und an die Mitglieder entweder kostenlos oder «1 niedrigen Preisen abzugeben, um auf diese Weise ztrr Verbreitung des jüdischen Buches heizutrageu.

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