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Jüdische Rundschau · 1927-03-11 · Heft 20 (11.3.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 20 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 142 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 20 Wir haben, ohne daß es uns gelungen ist, alle oder auch nur die große Mehrheit zu gewinnen, durch ein eigenes Werk einen Beweis erbracht, wie etwa die große thorahtreue Gesamtheit im Rahmen des ge* samten Volkes wirken müßte, um die Lehre wieder in ihre Rechte einzusetzen, damit sie wieder Herrscherin sei. Für Palästina haben wir insbesondere gezeigt, wie Kinder als Juden, die dem Leben gewachsen sind, erzogen werden müssen, und haben dabei den Triumph gehabt, daß die hebräischen und jüdisehen Kenntnisse unserer Schüler weit weit über das hinausgehen, was je etwa in Deutschland an einer orthodoxen Schule zu erreichen gehofft wurde. Wir haben die Gefahr gebannt, daß jüdisches Leben im alten Sinn geistig und in Dingen der Wirtschaft unproduktiv werden muß. Irdische Aufgaben haben wir gefanden und gelehrt und unserer Lehre dadurch neue Haltepunkte im Diesseits gegeben. Erneut sollte die Welt erfahren, daß der Weg zum himmlischen Jerusalem ירושלם של מעלה über das irdische יתעלם של ממה und seinen Aufbau geht. Zweitens aber: Die junge nationaljüdische Bewegung, der Zionismus Herzls und seiner Nachfolger, begriff wohl nicht in vollem Umfang die Bedeutung der Teilnahme traditionstreuer Elemente an dem Werk der Wiedergeburt. Ganz gewiß war das Verständnis für die Bildung einer eigenen Föderation nicht eben groß. Aber vorurteilsfreie Menschen und gewiß künftige ge* rechte Historiker werden ohne Einschränkung zugeben, welcher Segen der Gesamtbewegung aus dieser Gruppierung erwuchs. Dem Stürmen und Drängen der von keiner Ueberlieferung gehemmten, den vielen, teils bedeutenden, teils unzulänglichen Versuchen auf kulturellem und kulturpolitischem Gebiet setzten wir die Reihe der ihres Erbteils Frohen (nicht. Blasierten) entgegen. Es ist nicht annähernd abzuschätzen, wieviel unerprobtes, oft leichtfertiges Experimentieren durch unsere Verbundenheit mit dem Zionismus entweder durch unsere Gegenwirkung abgeschwächt oder neutralisiert wurde oder von vornherein unterblieb. Das sind Fragen, die man auf der Rechten nie anerkennt, ja bei kritischer Stellungnahme zu uns gar nicht in Rechnung stellt; und auf der Linken (im religiösen Sinn) wird hier nicht selten übertrieben und unsere Haltung als lediglich retardierend, entwicklungshemmend bezeichnet. — Ich weiß, daß nicht alles Billigung verdient, was wir taten. Wir waren manchmal in Wahrung traditioneller Interessen zu schwach, und manchmal mangelte es uns in Kulturfragen an wagendem Mut; vielleicht hätten wir das eine oder das andere Mal ohne allzu ängstliche Rücksicht- «ahme auf die nichtzionistische Orthodoxie entschluB« freudiger und aktivisiucher sein dürfen. Aber nicht diese, . 15■ GtishfeMfl'riÄ 'steift Wir *ttr 'Debatte' 18"’ geht' Wer nur um die grundsätzliche Einstellung, um unsere große Aufgabe, die uns als einer Besonderheit im typlogischen Sinn erwächst. Und da, meine ich, haben wir unsere Aufgabe erfaßt und. können weder als untreu dem Geist der Tradition noch als Reaktionäre gelten. Ich schäme mich nicht, zu bekennen, daß wir dem Volk oft gedient haben und dienen, wenn wir uns dem hemmungslosen, entfesselten Strom entgegengestellt haben, der Dämme einzureißen und die Ebene zu überschwemmen drohte. Wir dienen nicht lediglich einer intellektualisierten Schicht, sondern dem Volke, das seine Traditionen liebt und vor allem leben will. Ein Religionsphilosoph mag die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen und ihn, den Sinn, und damit das Leben selbst verneinen. Das Volk, auch das geistig. gehobene — denn wir denken beim Wort: Volk nicht an die abergläubische, sondern an die gläubige Masse — kann, solange es gesund ist, nur bejahen. Mit Absicht verweile Ich gerade heute bei diesen Erwägungen. Allzu oft sieht man, wie unsere politischen Führer nicht umhin können, mit ihrer politischen Theorie auch andere Lehren zu verknüpfen, die ge* rade modern oder interessant sind, aber wirklich weder mit der Sendung unseres Volkes, seinen Bedürfnissen und seiner Wiedererstarkung etwas zu tun haben. Es ist das tragische Geschick moderner traditionsloser Menschen, daß sie weder Entsagungskraft noch kritische Einsicht in ausreichendem Maße besitzen, um so stets zu wissen, was einer nationalen Bewegung dienlich ist Sie müßten doch sonst begreifen, daß die Maßstäbe des Indimdualismus (auf geistigem Gebiet) den Forderungen der nationalen Wiedergeburt nicht entsprechen, und daß gerade die Verquickung der letzteren mit andereh lebensphilosophischen usw. Theoremen jene gefährdet, weil die unkritischen Anhänger der Bewegung allzu schnell an einen inneren Zusammenhang beider glauben, wo er gar nicht besteht, und dann leicht beide gemeinsam über Bord werfen, wenn ihnen eines bedeutungslos geworden ist. Ich sage nicht, daß man die freie Meinungsäußerung in Sachen des Denkens unterdrücken sollte. Nur soll man nicht stets gewaltsame Synthesen konstruieren oder gar Zusammenhänge aufweisen, die nicht vorhanden sind. Es muß immer wiederholt werden, weil es überhört wird, daß man das Volk, wenn man es in die Heimat zurückführen und wieder zum Subjekt der Geschichte erheben will, nach den Gesetzen, die in ihm schlummern, und nach den Kriterien nationalen Anstiegs formen muß; das aber bedeutet in jeder Hinsicht Zuversicht und nicht Schwächung durch Skepsis, Zweifel und Dekadenz. Wir Misrachisten haben eine schwere * Mittlerrolle übernommen, die in ihrer Durchführung außerordentliehen Widerständen begegnet. Ehe Liebe zum ganzen Volke, zum Aufbau des Landes und zur großen Tradition unserer Nation, die in dem gewaltigen Bau des Gesetzes kulminiert, sie alle verpflichten uns, und oft muß aus dem Motiv der Liebe heraus streng gesprochen werden. Wer uns verstehen will, w׳ird unsere Schwierigkeiten und unser gelegentliches Versagen ohne Uebelwollen beurteilen. Wir gewähren auch ln unseren Reihen dem Einzelnen genug Bewegungsfreiheit. Aber als Gruppe haben wir eine Resultante zur Richtung, (Jie gebührend den Differenzierungen unserer Landsmarinschäften gerecht wird. Möglich, daß es gelingen könnte, die Gesamtheit zu größerer innerer Geschlossenheit, an Stelle taktischen Ausgleichs, zusammenzureißen, wenn es größere Führer von stärkerer suggestiver Kraft gäbe. Die können nicht aus dem Boden gestampft werden. Unsere Hoffnung wende! sich der Zukunft zu: möchten sie uns bald erstehen. Bis zu der Stunde aber, wo sie uns zuteil werden, gibt es nur das eine: ehrlichstes Bemühen ׳ der vielen Treuen die.« 01$ gefc§fe!k0der,., דד.דך •יד. ׳ Nach 25 Jahren stehen wir einem Werk gegenüber, das nicht genügt, das insbesondere den gigantischen Anstrengungen unserer Ersten nicht entspricht. Aber doch ist unsere Leistung augenfällig: unsere palästinen* sische Arbeit ist in erfreulichem Wachsen. 52 Schulen und 6500 Schüler sind unser, Schulbauten erheben sich, die Zeugnis von unserem Opferwillen und Können ablegen, ein ausgezeichneter Stab von Lehrern weckt berechtigten Stolz, Kolonien und andere Siedlungen unserer Menschen entwickeln sich, eine Arbeiterschaft, die qualifixiert ist, rechnet sich zu uns, Jugend und Chaluziuth gibt auch uns Zukunftshoffnung, Gemeindeführer, Rabbiner und Denker sind vielerorts unsere Parteifreunde, — es fehlt nicht an Licht. Nie kann eine solche Betrachtung wie diese hier erschöpfend sein. Ein anderes war mein Wunsch, als ich obiges niederschrieb: möchte doch diese Stunde, die uns freudig eint im Qedenken an die großen Verklärten, wie Reinei, Jawltz, Glasner, Kowalski, Nobel und Ungenannte, im Dank an unsere Führer in Erez Jiarael, wie Berlin, Fischmann, Pick, Struck u. a., in uns große Entschlüsse reifen lassen, um in der Zukunft Großes zu wirken. Laßt uns, ihr Freunde, hier und überall, treu zu dem großen Aufbauwerk stehen, in Liebe zur Zionistischen Organisation, in Treue zum ganzen Volke. Wisset aber, daß wir nur in restloser Hingabe an Gott und seine Lehre, die Thorath Chajim, zum Erfolge gelangen werden. Das aber heißt: Verwirklicht die großen Vorsitze unseres Misraclu, opfert, werbet, schaffet für ihn ohne Rast. Auch um die Liebe und das Verständnis der Juden werben wir, die nur einen Teil unserer Ideale bekennen, sei es nun das religiöse oder nationale. Ihr Verständnis wird uns und ihuen den Pfad ebnen. Nach weiteren 25 Jahren werden, so hoffen wir, nicht nur die Ruinen des Landes gebaut, sondern auch ein gut Stück Arbeit auf dem Weg geleistet sein, das jüdische Volk zu befrieden. Wir wollen an beidem arbeiten. Brüder, ans Werk! Palästina and das britische Reich London, 8. März. (J. T. A.) Im Unterhaus« fragte Colonel Wedgwood den Staatssekretär für die Kolonien, weshalb es britischen Untertanen, die in Palästina wohnen, nicht erlaubt sein soll, an den Gemeindewählen in Palästina teilzunehmen. Minister Amery erwiderte: Beim Entwurf der Gemeindewahlordnung in Palästina hat man darauf Bedacht genommen, das Wahlrecht zu den Gemeindewahlen nur palästinensischen Bürgern zu geben: aus Gründen der allgemeinen Politik wurde es als unerwünscht angesehen, mit Bezug auf bri lisch« Bürger eine Ausnahme zu machen Colonel Wedgwood: Kann Herr Amery sonst ein Beispiel anführen, daß irgendwo im gesamten britischen Reich ein britischer Staatsbürger vom Wahlrecht ausgeschlossen sein soll? Amery: Die Position Palästinas als Mandatsterri- 10 r ium ist eine eigentümliche, weshalb man es für erwünscht hielt, nur palästinensischen Bürgern das Wahlrecht zu geben. Wedgwood: Warum sollen in allen anderen Teilen des British Empire britische Staatsbürger wählen dürfen, nur nicht in Palästina? Amery: Ich bin nicht sicher, ob Palästina im vollen Sinne des Wortes zum British Empire gehört. Ferner fragte Colonel Wegdwood den Staatssekretär für die Kolonien, warum in Palästina Frauen von der Teilnähme an den Gemeindewahlen ausgeschlossen sind. Minister Amery erwiderte• der O'ArklJ* 1.1LL * bitte Ihm mitgeteilt, daß die Mehrheit der jpalaÄtneiisifeben Bevölkerung ־י" . _§ loben- und dort dürfen die Traut» auch stimm««. - Pe Fragewird :dureh:elae'-* f• . :,״*זי:; י ן־ •V'v*. י־- Jerusalem, 6. März. (J.f.A.) Die zionistische Ex«- iiifüve hat der Regierung eia Memorandum unterbreitet, das die dringende Aufforderung enthält, an der B ek ä in p f u n g_ der jetzt in Palästina herrschendes Arbeitslosigkeit mitzuwirken und insbesondere in angemessenerer Weise als bisher zu dem Budget für jüdische Erziehung und Gesundheitsarbeit beizutragen. Die Regierung wies die Distriktskammissare an, Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitsloslgk eit z 11' t ref f en. Dem Pro Palästina-Komitee sind in letzter % eit u. folgende Herren beigetreten: Oeh. Reg.-Rat Prof. Dr. Aereboe, Berlin; Oeh. Justizrat Dr. Bon d 1, Dresden; Prof. Dr. Falck, von der Forsthochschule in Hann.-Münden; Dr. Ph. Metz, Dozent an der Universität Frankfurt a. M-; Gen.-Konsul Dr. Nord, Jerusalem; Universitätsprofessor Dr. Rudolf Otto, Marburg; Reg.-Präsldent Dr. Poeschel, Liegnitz; Abg. Dr. Schiemann, Riga, Vizepräsident des Minoritäten-Kongresses; Rabbiner Dr. Unna, Mannheim; Bürgermeister Dr. Schramm, Hamburg. Dm Hebräische in der Schule Von Dr. Armin Blau, Hamburg. Das Misrachi-Zentralbüro für Deutschland gibt anläßlich des 25jährigen Jubiläums des Weltmisrachi eine Festschrift heraus, die in 30 verschiedenen Aufsätzen und Briefen früherer und jetziger Misrachiführer einen Ueberblick über die Entwicklung und den heutigen Stand der Misrachi-Bewegung ermöglicht, ln der Festschrift befinden sich u. a. Artikel von Raw J. J. Reines 8. A., Raw M- A. Glasner, 1. lawetz s. A., Oberrabbiner Brody, Prag, Raw Meier Berlin, Jerusalem, Rabbiner Feuchtwang, Wien, Prof. Pick, Jerusalem, Dr. A, Barth, Dr. O. Wolfsberg, Dr, Michael, Berlin, Dr. Blau, Hamburg. Die Schrift erscheint zum Teil in'hebräischer, zum Teil in deutscher Sprache. Aus dem Inhalt der Broschüre geben wir einen Ausschnitt aus dem Artikel ״Gedanken über jüdisehe Erziehung in Deutschland“ von Dr. Armin Blau, Hamburg, wieder. Die Forderung, das Hebräische als lebendige Sprache an den gesetzestreuen höheren Schulen Deutschlands zu lehren, ist schon wiederholt Gegenstand von jüdischen Lehrertagungen und Fachkonferenzen gewesen, zuletzt in der Hamburger Erziehungs-Konferenz, Dezember 1924. Zwei Bedenken sind es im wesentlichen, die gegen diese Forderung von den Vertretern des Status quo ante erhoben wurden. Das eine Bedenken, schwerwiegend genug, ist: Durch einen modernisierten Sprachbetrieb des Hebräischen wird der Gesinnungs-Unterricht leiden. Mit der Einfügung des Hebräischen als Lehrziel sei notwendig ein Opfer an Zelt verbunden, das besser der religiösen Einwirkung und Vertiefung des Stoffes gewidmet werde. Mit anderen Worten: man befürchtet von dieser Seite eine Profanierung des hebräischen Unterrichts, indem Stoffe hineingetragen werden, die Alitägliches behandeln, Ereignisse und Vorfälle der Umwelt und Gegenwart, die so gar nicht zur entrückten Welt von Bibel und Talmud passen, und die leicht zu einem Konversationston verführen, der dem Wortvorrat unserer Heiligen Schrift fremd ist. Dieser Einwand ist nur zum geringsten Teil berechtigt. Er trifft für die Welt des Talmud und der späteren Schriften gar nicht zu, deren stoffliche und sprachliche Mannigfaltigkeit eine Trennung von profanem und auf Heiliges bezüglichem Vokabelschatz nicht zuläßt. Für das Tenach, dessen Stil- und Darstellungsmittel überhaupt mehr der Poesie als der Prosa angehören, mag das Bedenken seine scheinbare formale Berechtigung haben. Jedoch ein anderes entscheidendes Moment wirft den ganzen Einwand über den Haufen: Man übersieht die Grund- Voraussetzung für unsere Forderung, das ist die psycholo- Ische. Wir behaupten, es gibt für den frommen Juden eine Trennung zwischen Heiligem und Profanem in der hebräischen Sprache. Die hebräische Sprache, ihre Laute und Lautwerte sind für uns religiöse Juden kein beliebig zu weehselndes Gewand, keine bloße Hülle zum Ausdruck der Gedanken und Wallungen, sondern sie ist Kern und Schale mit einem Male, das Gewand ist uns heilig. Achad Haam hat einmal in einem klassischen Essay ausgeführt, daß auf gewissen heiligen Gebieten das viel mißbrauchte Wo/t: ״Der Zweck heiligt die Mittel“ eine edle Bedeutung und Berechtigung gewonnen nabe, auf dem Gebiete des Heiligen sei oft das Mittel zum Selbstzweck eworden. Dasselbe behaupten wir von der heiligen Hebräischen prache. Es gibt kein Gebiet des Lebens, welches durch das Medium der hebräischen Sprache für das strenglaubig eingestellte Kind nicht geheiligt werde! Fürchten wir aher nicht, daß durch Besprechung täglicher Geschehnisse in hebräischer Sprache dieser der Nimbus der Heiligkeit geschmälert werde, im Gegenteil, ihre Wertschätzung wird beim Kinde um so mehr erhöht, wenn es sieht, wie schöpferisch und ewigjung das Hebräische alle klassischen Sprachen überdauert und die feinsten seelischen wie die alltäglichsten Gedanken auszudrücken imstande ist. Dies zur Erwiderung auf die formale Seite des Einwandes. Doch auch die materialen Bedenken gegen die allzu ausgedehnte Anwendung des Hebräischen ira Unterricht lassen sich aus dem Felde schlagen. Man befürchtet, das Maß der nötigen hebräischen Kenntnisse des Schülers würde sieh mit dem Hineintragen weltlicher Stoffe vermindern, die nicht ausschließlich der Bibelwelt und heiligen Stoffen entnommen sind. Diesen ewigen Zauderern erwidern wir: Wir können uns auf die Dauer nicht damit begnügen, daß das Ideal-■*• und Endziel des hebräischen Unterrichts auf die Begriffs- und Vorstellungswelt von Bibel und Talmud allein Beschränkt bleibe, unsere Welt muß größer werden. Wir wollen unsere Söhne die großen Wandlungen, die sich in und um Erez-lsrael fast vor unseren Augen vollziehen, verstehen lehren; wir wollen ihnen unsere ganze gesamte National-Liieratur vorbereitend erschließen helfen, von den Geistesschätzen des Tenach und Talmud angefangen, bis herab auf die jüngsten Sprossen der Literatur unserer Tage, bis auf die Werke eines Bialik, Schalem Alechem, Mendele, Perez und Jakob Kohen. Und wir behaupten, wir wollen und können dies erreichen, ohne Einbuße an der Kenntnis der ewigen Grundlage alles unseres Wissens, der Thorah. Nur eines sei die Vorbedingung: Gebt unseren Kindern die volle, ungeteilte hebräische Sprache frei, gebt sie Ihnen nach den Methoden der Arbeitsschule in lebendiger moderner Wechselrede! Vor allen Dingen wendet das Hebräische als lebendiges Organ, als methodisch-gestaltendes Prinzip auf der Unterstufe der Schule an, als Unterbau , geduldet euch mit der Darbietung des Pentateuch bis zum neunten Lebensiahre, bis zur Mittelstufe des Kindes, das dann die heiligen Bücher mit ganz anderem, reiferem Verständnis und selbstständigerer Mitarbeit erlernen wird. Diese Methode braucht deshalb die elementare Behandlung einzelner Originalpartien des Pentateuch und der Gebete nicht auszuschließen, nur sei diese nicht Buch für Buch die Grundlage des Unterrichts auf der Unterstufe. Und wir behaupten weiter: ist einmal der Boden für das Formal-Sprachliche des Hebräischen vom 6, bis 10. Lebensjahr im Kinde gelockert und empfänglich gemacht worden durch alle Mittel moderner Pädagogik, durch Aäschauungsbilder, Arbeitsunterricht, durch Erzählungen, durch Sprach• Und Sprechunterricht auf allen Gebieten, aber vorwiegend auf jüdischem, dann brauchen wir auch um die gesinnungsmäßige religiöse Ausbeute der heiligen Schriften von Thorah und Newiim nicht zu bangen, das reifere Erfassen verbürgt den freudigen religiösen Sinn, und der mechanisch-öde Uebersetzungsbetrieb durch Vor- und Nachübersetzen eines heiligen Buches nach dem andern, der bei dem heutigen System in vfelen Klassen noch vorherrscht, wäre unmöglich gemacht Beim reiferen, sprachlich geschulten Knaben werden größere Zusatnmenbänge erzielt, das Kennen wird zum Können und das Wissen zum schöpferischen Vorgang. Das judaistische Institut der Hebräischen Universität zu , Talmud abzufassen. Die Arbeit ist für eipe Dauer von fünf Jahren berechnet

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