Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 17 (1.3.1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652894--18938-2676758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 122 JUEDISCHE RONßSCHXÜ Nr. 17! Industrie und Industriebank Auf <len Artikel von f)r. Georg■ Landauer in Nr. 4 der ,.jüdischen Rundschau“ sind uns eine Reihe von Fntgeguungcn zugegangen, die wir aus Raummangel nicht vollmiialtlieh abdrucken können, zumal da sie zahlreiche Argumente wiederholen. Ls scheint uns freilich, daß die Bedenken Dr. l.andatters durch alle Fntgegnungen in den entscheidenden Punkten 1;״r nicht he rührt werden. Leider ist auf den meisten Gebieten der palästinensischen Wirtschaft der Unfug cingcrissi-n, daß jede sachliche Kritik oder sachliche Auseinandersetzung unmöglich gemacht wird, indem man den Diskussfcmsgegner feindselige Absichten gegen diese oder jene Bcvölkerungsgrappe unterschiebt und, statt seine Argumente zu prüfen, sich in allgemeinen Darlegungen über die Bedeutung der Gruppe, der man selbst angehört, ergeht. Wenn z. B. jemand die Meinung äußert, daß manche Unternehmungen der Arbeiterwirtschaft besser gedeihen würden, wenn niehf nach dem Prinzip der Ueberspannuug der Kräfte gearbeitet, sondern zunächst Konsolidierung angestrebt würde, so sprechen manche Wortführer der Linken von einer ״Hetze gegen die Arbeitersdiaft“. Wenn jemand verschiedene industrielle Projekte kritisiert, um Unheil auf dem Gebiete der Industrie zu verhüten, erhebt sich ein Sturm gegen den sogenannten ,,Feind der Industrie“. Liner so geführten Kampagne mit all ihren aus den Zusammenhängen unseres öffentlichen Lebens resuitierenden Folgen müssen, so meint man, die Vevwaltungs- Instanzen erliegen. Da es sich aber bei uns um die V e r w a 1 tung öffentlicher Gelder handelt, so sind wir verpflichtet, gegenüber allen Interessenten höchste Verantwortung der Verwaltungsinstanzcn zu fordern. Wenn daher anläßlich der bevorstehenden Gründung der Industriebank davor gewarnt wird, diese Bank mit einem Subventionsfonds m verwechseln, der in Anspruch genommen wird im Vertrauen auf die Zwangslage der Zionistischen Organisation, die die ״Bank“ nicht fallen lassen und mit immer neuen Spendengeldern speisen müßte, so scheint uns das ein durchaus gerechtfertigter Hinweis, dem sich alle ehrlichen Freunde der Industrie anschließen müßten. Wenn gefordert wird, daß zwischen Fonds und Bank aus leicht begreiflichen Gründen ein strenger Unterschied gemacht wird, und die psychologischen Wirkungen der Gründung einer Industriebank unter derartig ungeklärten Bedingungen erörtert werden, so scheint uns dies eine wichtige sachliche publizistische Pflicht. Dies einfach als ״Industriefeindschaft“ hinzustellen, grenzt an Demagogie, die in Wirtschaftsfragen besonders bedenklieh ist. Wir haben in der vorigen Nummer die Entgegnung des Herrn Ernst Davis auf den Artikel von Dr. Landauer wiedergegeben. Wir lassen hier noch Auszüge aus zwei andern Artikeln folgen, deren erster uns seitens des Industriellenverbandcs in Tel-Awivv zugesandt wurde. Dieser Arfikel ist darum interessant, weil er den Zweck der Industriebank in einer Reihe von Punkten umschreibt, die etwas ganz anderes besagen, als unseres Erachtens die zionistische Welt sich bisher vorgestelit hat. Bisher dachte man, es handle sich um eine Bank, die langfristige Investitionskredite für industrielle Zwecke geben soll. Nach Dr. Jewnin ist dies nicht der Fall, und die von anderer Seite aufgeworfene Frage, warum Aicht ,eine der bestehenden Banken die von Dr. jewnin charakk'riäierte Funktion — eventuell unter Erhöhung ihres Kapitals mit Beteiligung des Keren Hajessod — übernehmen soll, drängt sich wieder auf. Wir hoffen, daß die Diskussion zur Klärung der Probleme beitragen wird. 1. Von Dr. M. J c vv n i!1, Tel-Awisv. Der Artikel kommt nach einer zum Teil sehr scharfen, zum Teil ironisierenden Polemik gegen Dr. Landauer zu folgender Conclusion: .... Ich will an dieser Stelle nur noch aufklären, was uns Palästina-Mittel- und -Kleinfabrikanten dazu brachte, eine eigene Bank zu benötigen, und was wir von dieser uns erhoffen: 1. Der europäische Fabrikant bekommt das von ihm gebrauchte Rohmaterial oft innerhalb eines Tages. Er bekommt es auch mit nicht bedeutend aufgeschlagenen Preisen in kleinen Quantitäten. Wir bekommen hier das europäische Rohmaterial, aut das wir angewiesen sind, innerhalb dreier Monate nach Bestellung. 2.. Der europäische Fabrikant muß sich in der Regel mit Rohmaterial eindecken für eine Zeit, die um viele Monate kürzer ist, als es bei dem palästinensischen Fabrikant der Fall ist. 3. Das Fertigfabrikat wird oft langsamer abgesetzt, weil der palästinensische Konsument an das palästinensische Fabrikat noch nicht gewöhnt ist und weil der Großhändler ihn zu 11mgehen sucht. 4. Die vorhandenen Banken sind zurzeit für Kreißte an die Industrie noch nicht eingestellt; weder haben sie spezielle Sachverständige, noch lohnt es sich für sie überhaupt, den noch schwach auf den Füßen stehenden Fabrikanten gegen den Importeur, den der Fabrikant mit seinen einheimischen Fabrikanten übrig macht, zu verhelfen. Das Fertigfabrikat des hiesigen Fabrikanten ist noch für die Bank kein Marktartikel, der wie die europäische Ware des Großhändlers für sie als Sicherheit gelten kamt. Auch die Maschinen, und ihr unbekannten, und im Lande anderweitig kaum zu gebrauchenden Rohmaterialien, können ihr nicht als Deckung dienen. Unter dem einen oder dem anderen Vorwand sucht sich jedenfalls der Bankier einer Kreditgewährung an die hiesige Industrie soweit als möglich zu entziehen. 5. Unser Export tendiert nach dem Nahen Osten, nach unseren Nachbarstaaten. Unsere Banken sind eingestellt auf Import aus Europa und auf Export von Orangen ebenfalls dorthin. Zum Inkasso und für die Durchführung von Verträgen mit Kaufleuten, Regierungen, Institutionen benachbarter Länder, sind unsere Banken kaum in Betracht zu ziehen. Im Grunde genommen sind die Geschäfte der neu zu gründenden Industriebank prinzipielldieselben, wie eine jede Handelsbank sie in Europa durchführen würde: Hauptsächlich gesicherte und kurzfristige Transaktionen. Sie unterscheidet sich von jenen nur dadurch, daß sie sich auf eine Arbeit mit Fabrikanten spezialisiert. Haben Sie schon Ihren Goldenen Schekel fürs Jahr 5687 bezahlt? I .Eine Bank dieser Art fordert heute der Industriellen-Verband Palästinas von der zionistischen Leitung. Wenn diese trotz mehrmaligem Versprechen, trotz KongreBbeschlüssen, diese Bank doch nicht zur Ausführung bringen wird, so wird der Fabrikantenverband Mittel und Wege finden, sie sich ohne die zionistische Exekutive zti schaffen. If. Von Dr. Victor Grünwald, Tcl-Awiw. Der Artikel Dr. Grünwalds polemisiert mit den in der ״Jüdischen Rundschau“ erschienenen Artikeln von Landauer und Bcilinson und stellt sich im wesentlichen auf den Boden der von Heinrich Margulics in den Spalten dieses Blattes ausführlich dargelegten Anschauungen. Er schildert auch die Schwierigkeiten, mit denen die Industrie in Palästina wegen Vernachlässigung von seiten der Regierung und der Zionistischen Organisation zu kämpfen hat. .... Die Arbeitslosigkeit ist nicht durch die vierte Alijah entstanden und steht mit ihr in keinem kausalen Zusammenhang: Diejenigen Elemente der vierten Alijah, die hier keinen testen Fuß fassen konnten, sind zum Teil zuriiekgewandert. Die Arbeitslosigkeit hat ihre Ursache in der Einwanderung unbemittelter Elemente ohne gleichzeitige Einwanderung von Unternehmern und Kapital. Die vierte Alijah hat diese Tatsache für eine Zeit lang verschleiert, aber jetzt kommt sie dcutlieh ztim Ausdruck: Es besteht eine feste Relation zwischen Einwanderung und Zustrom produktiven Kapitals. Wird diese Relation gestört, entsteht Arbeitslosigkeit. Die heutigen Arbeitsloscn sind Zcrtifikatisten, die während der vierten Alijah beim Bau beschäftigt waren und die jetzt in einer schrecklichen Lage sind, weil das Bauen aulgehört hat. Es ist und war doch klar, daß man nicht in alle Ewigkeit fortbauen konnte. Auch die Notstandsarbeiten, die jetzt mit aller Gewalt verlangt werden, sind nur ein vorübergehendes Hilfsmittel, das la longue wirkungslos bleibt. Die einzige Rettung ist die dau• ernde Beschäftigung in produktiven Unternehmungen, und solch eine Beschäftigung kann nur die Industrie gewähren. Und da traut sich Herr Bcilinson jene Leute anzugreifen, die sich für Industrie einsetzen, und behauptef, daß sie eine neue Krise vorbereiten. Gerade das Gegenteil ist wahr. Aus den Kreisen, denen Herr Bcilinson angehört, ist stets der Ruf nach einer unbeschränkten Alijah von Arbeitern ertönt, und jene Kreise sind es, die nach seinen Worten eine ״starke Entwicklung von Handel und Industrie für unmöglich halten“ und sie bekämpfen, wo sie nur können.... .... Ich möchte nur feststellen, daß wir in Palästina bereits Handelsbanken, eine Hypothekenbank, eine Arbeiterbank, aber keine Bank haben, die für die spezifischen und legitimen Bedürfnisse der Industrie vorsorgt. Uebrigens haben wir auch keine Agrarbank — leider. Es interessiert mich dabei nicht, ob man eines der bestehenden Institute für die Industrie ausbaut, falls dies möglich ist, oder ein neues Institut schafft, aber klar ist, daß etwas geschehen muß. Die Polemiker gegen die Industriebank machen sich die Sache leicht. Sie stellen ein Zwerginstitut dar, schlecht geleitet, das Kredite ohne genügende Sicherheit gibt usw., und dann polemisieren sie dagegen. Es ist klar, daß die Industriebank über ein genügendes Kapital verfügen und entsprechend geleitet sein müßte, das übrige ergibt sich dann von selbst.... .... Wir müssen den Abfluß von Menschen und Kapital stoppen, wenn es so weiter geht, bluten wir aus. Wir müssen unsere Menschen und unser Kapital produktiv beschäftigen. Das kann bei der Langsamkeit und den ungeheuren Kosten der Landwirtschaft nur durch Industrialisierung geschehen. Bei Berücksichtigung der Schwierigkeiten, mit denen die junge Industrie in Palästina kämpfen mußte, sind die bisherigen Ergebnisse keineswegs entmutigend. Wenn die berufenen Faktoren planmäßig beginnen werden, die Industrie zu fördern, so ist ein Aufblühen der Industrie In Palästina sicher. Noch ein paar Worte zur Arbeiterschaft in diesem Zusammenhange. Es ist mir vollkommen klar, daß die Industrialisierung, sowie überhaupt der Aufbau Palästinas nur m i t d e r jüdischen Arbeiterschaft durchgeführt werden kann. Die Industrie ist übrigens schon deswegen daran interessiert, daß die Arbeiterschaft4 einen entsprechenden Reallolm erhält, weil der Arbeiter ein sehr wichtiger Konsument ist und die kleine palästinensische Industrie auf den inneren Markt zum großen Teil angewiesen ist. Jedoch muß die Exekutive eingreifen, um die Differenz zwischen , dem pa- Iästinensischen und dem ausländischen Nominallohn bei der Exportindustrie ausgleichen zu helfen, etwa durch Schaffung von Schchunoth Owdim usw. Die Arbeiterschaft wiederum, die jetzt unter der Arbeitslosigkeit leidet, ist in erster Linie daran interessiert, daß endlich Unternehmungen im Lande entstehen, die eine größere Menge von Arbeitern absorbieren und dauernd beschäftigen können- Ich bin übrigens fest überzeugt, daß es zwischen der organisierten Arbeiterschaft und Unternehmerschaft über kurz oder lang zu einem Verstandnis und einer Einigung kommen wird, sehr zu« Vorteil beider Parteien und der Sache selbst. Exportaussichleu Palästinas Nach einer Information der Propaganda-Abteilung des Industriellen-Verbandes zeigt sich in letzter Zeit im Auslande ein starkes Interesse für palästinensische Produkte. So erweist sich besonders Südafrika als ein chancenreiches Importgebiet für unsere Produktion. Die Aufträge, die von dort allein eine Firma erhielt, erreichen eine Höhe von £ 2000 und es besteht große Aussicht auf Erweiterung des Absatzes. China erweist sich als Abnehmer von Seife und Gewürzen, Syrien interessiert sich für Sommerschuhe und Wäsche. Die Süßwaren- und Schokoladenfabrikation hat in England und im Irak Abnehmer gefunden. Durch die erfolgreichen Bemühungen des Industriellen-Verbandes um Aufhebung des Einfuhrzolles auf Korkholz, konnten bereits erhebliche Quaniitäten Korkprodukte nach Südafrika exportiert werden. Auch in der chemischen Industrie zeigt sich ein Aufschwung. Hier werden besonders Desinfektionsstoffe und Imprägnierungsmaterialien gefragt. Palästinensischer Blumenkohl In Berlin Nach dem ״Dawar“ sind vor einigen Tagen drei Tonnen Blumenkohl aus den Wirtschaften des Emek nach Berlin zum Versand gebracht worden. Der Versand sollte zuerst direkt von Haifa aus mit der ״Daria“ nach Constanza und von da auf dem Landwege weiter erfolgen; durch den Sturm war cs aber unmöglich, in Haifa zu landen, so daß man die Sendung nach Port Said und von da via Triest befördern mußte. Amerikanisches Kapital Ihr Palästina New York, 18. Februar. (J.T.A.) Richter Bernard A. Rosenblatt, Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrates der Zionistischen Organisation, hat sich in diesen Tagen nach Palästina begeben. In seiner Gesellschaft reiste eine Abordnung der von Richter Rosenblatt organisierten Gruppe amerikanischer Geschäftsleute für Kapitalsanlage in Palästina. Der Abordnung gehören u. a. an: Israel Matz, Solomon Ulmer, Benjamin Lifschütz und Max Sboolmann. Palästina-Fragen fm Unterhaus London, 23. Februar. (J.T.A.) Colonel Wedgwood fragte int Unterhaus den Staatssekretär für die Kolonien, ob die Regierung Palästinas geneigt sei, das otto manische Zehent-Gesetz durch eine Durchschnittssteuerbasis zu ersetzen. Wenn ja, wann werde diese Aenderung stattfinden? Beabsichtigt die Regierung endlich auf die Basis des Bodenwertes überzugehen und wann wird dieser Ucbergang statt* finden? Kolonienminister A m ery erwiderte, die Regierung Palistinas erwäge eben die Frage der Ersetzung des gegenwärtigen Systems der Zehent-Besteuerung der Bodenprodukte durch ein System fester Abgaben. Was die zweite Frage betrifft, so erscheint es möglich, daß bei Beendigung des Landsiedlungswerks eine Bodenwertsteuer auferlegt werden wird; cs ist jetzt noch nicht die Zeit, darüber Näheres zu sagen, man könne nicht die zukünftige Lage vorwegnehmen, Colonel Wedgwood fragte weiter, wann «las Bodenr e g i s t e r Palästinas fcrtiggestcllt sein wird. Minister Ameiy erwiderte, es lasse sich gegenwärtig noch kein genaues Datum angeben. Hcdschas englisches Protektorat? Die Tel,-Union berichtet: Der diplomatische Korrespondent des ״Daily Hera[ d“ weist auf aie wachsende Unruhe hin über Gerüchte, nach denen Ibn Saud, dem König des Hedschas, ein Vorschlag gemacht worden sei, eine Reihe von Bedingungen anzunehmen, die sein Gebiet in etwa einer solchen Weise verändern würden, daß cs einem britischen Protektorat ähnlich sähe. Ibn Saud solle als Gegenleistung dafür eine Anteih e erhalten. Die neue Piianzungskolonie der PICA Wir haben bereits gemeldet, daß die Pica auf 20000 Dunam zwischen Benjamina und Chederah eine neue Kolonie zu gründen beabsichtigt. Da dieser Boden ganz besonders für Pflanzungen geeignet ist, soll die neue Kolonie hauptsächlich aus Orangen gärt en, ähnlich denen in Peiach Tikwah, bestehen. Die Leitung der Pica ist, wie der ״Haarcz“ berichtet, jetzt mit der Ausarbeitung der genauen Pläne für diese Siedlung, in die größere Kapitalien investiert werden sollen, beschäftigt. Da die Böden in ihrem südlichen Teil an große Sümpfe angrenzen, soll zu Beginn des Sommers an die Trockenlegung dieser Sümpfe, für welche die Pica bereits von der Regierung die Konzession erhalten hat, herangetreten werden. Die Parzellierung der Pica-Böden bei der Westgrenze von Chederah in der Richtung nach Chefzibah, die 2500 Dunam grob sind, worüber wir ebenfalls in voriger Nummer eine teleraphische Meldung brachten, ist bereits beendet Der Boden, er in Parzellen von je 50 Dunam zur Verteilung gelangen soll, eignet sich besonders zur Zucht von Gemüse, Futterpflanzen und Bananen, zum Teil auch für verschiedene Pflanzungen. Er soll an bemittelte Ansiedler zur Verteilung gelangen. Ein T ei» der Böden ist laut dem ״Haarez“ bereitsverkauft worden. Die Leitung der Pica beabsichtigt, mit der Irrigation aut diesen Böden demnächst zu beginnen. (Ziko.) Aussperrung in der Zündholzfabrik ״Nur“ Jerusalem. (Ziko.) Eine Aussperrung der Arbeiter der Streichholzfabrik ״Nur“ in Akko ist wegen der Forderungen der Arbeiter nach Verbesserung der unmöglichen hygienischen Arbeitsbedingungen verfügt worden. Die palästinensischen Zeitungen von voriger Woche be* richten von der Zuspitzung der Verhältnisse in der Fabrik ״Nur“: Die Arbeiter verlangten eine Erhöhung der dort ganz besonders niedrigen Löhne, und zwar um 50«/#, für die Arbeiter, die nur 5—10 PT pro Tag erhalten, und von 25 «/o für die Arbeiter mit einem Lohn von 10—20 PT, Gewährung medizinischer Hilfe durch einen jü- «fischen Arzt und Unterstützung während der Krankheitstage, ferner die Entfernung der arbeitenden Kinder jm Alter von 6—8 Jahren aus den ihre Gesundheit gefährdenden Arbeitsstellen. Der Besitzer der Fabrik, der auch jetzt schon zahlreiche billige arabische Arbeiter beschäftigt, soll es darauf ankommen fassen wollen, die jetzt dort noch tätigen jüdischen Arbeiter ebenfalls durch arabische zu ersetzen. Die Arbeitslosigkeit in Palästina Uebcr den Stand der Arbeitslosigkeit in Palästina berichtet das Kapai-Bulletin: In den Kolonien haben die Saisonarbeiten bereits begonnen, so daß dort keine Arbeitslosigkeit mehr herrscht. Der Lohn ist aber ein sehr geringer, so daß es schwer hält, eine größere Zahl städtischer Arbeiter dort unterzubringen.׳ Dagegen hat sich die Lage in den Städten weiter verschlimmert. Die Zahl der Arbeitslosen erreichte am 18. Februar 7500. Die andauernden Regen verhindern den Beginn der bereits beschlossenen öffentlichen Arbeiten. In Tel- Awiw gab es in der Woche zwischen dem 1. und 7. Februar 3720 Arbeitslose gegen 3273 Ende Dezember, incl, der Nicht* mitglieder der Histadruth, die sich im Arbeitsbüro der Htsta* drum registriert haben. Haifa zählte am 1. Februar 1387 Ar* beitsiose gegen 1506 Ende Dezember, und Jerusalem 1344 gegen 771 Ende Dezember. In Afuleh gab es 231 Arbeitslose una in Petach Tikwah 300 bis 400, wobei in den letzten Monaten gegen 200 Arbeiter die Kolonie verlassen haben. (ZiKO.) Ein staatliches Museum in Akko Das Regierungs-Departement für Konservierung der Alter• tümer hat die Vorarbeiten für die Errichtung eines Museums in Akko in Angriff genommen, das in einem der Flügel de! großen Festung untergebracht wird. Neben dem Museum wird eine gw>ße Parkanlage geschaffen, in der die Statuen und Grabsteine sowie andere Antiquitäten, die wegen ihrer Höhe nicht im Museum selbst untergebracht werden können, Auf* Stellung finden sollen. Die Umbauarbeiten werden von den im Festungsgefängnis untergebrachten Häftlingen ausgeführt wer* den. Das Museum von Akko soll zu einem Zentralmuseum für den ganzen nördlichen Teil Palästinas ausgestaltet werden. Ahe in der letzten Zeit bei Beisan ausgegrabenen Gegen-* stände sollen schon in den nächsten Tagen 111 das Museum von Akko eingeliefert werden. (Ziko.) Palästinas Außenhandel Dem ״Commcrcia! Bulletin“ vom 1. Februar entnehmen wir, daß der Import Palästinas im November 1926 £E 547134 betrug, gegen £E 710 062 im November 1925, und zwar: aus Aegypten £E 139 333, aus Syrien £E 92125, aus England £E 57 292, aus Deutschland ££ 56 383, aus Frankreich £E 34201, aus den Vereinigten Staaten £E 31783, aus Italien £E 27078, aus Rumänien £E 21 465 und aus dem britischen Empire außer England £E 19 060. Der Export im November 1926 betrug £E 127 294 gegen £E 57650 im November 1925, und zwar nach England £E 55 281, nach Aegypten £E 27 896, nach Syrien £E 10805, nach Algerien £E 12808, nach Frankreich £E 8085. Der Export nach Deutschland betrug nur £E 566. (Ziko.) Die Delegation der Hadassah-Lcitung in New Y0Tk, die sich zwecks Inspektion der Hadassah-Anstalteu nach Palästina begibt, hat laut dem ״Haarez“ am 12. Februar New, ,York verlassen.