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Jüdische Rundschau · 1927-03-01 · Heft 17 (1.3.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 17 (1.3.1927)
Date
1927-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 JÜE01SCHE RUNDSCHAU Sehe IS! :.,)lange nicht neue Fonds verfügbar sind. Zuerst sollen die Familien fest eingerichtet werden, deren AnsieiJlung begonnen ist. Außer dem full equipment wird in allen drei Landern für notwendig gehalten, daß der Boden bei Beginn der Tätigkeit der Ansiedler gehörig vor• bereitet ist. In Bulgarien und in Armenien sollen zu diesem Zwecke von den Regierungen großzügige Entsmnpfungs- und Bewässerungsarbeiten auf weiten Strecken zusammenhängenden Landes ausgeführt werden. Eine bürgerliche Partei in Palästina Wie die palästinensischen Zeitungen berichten, hat sich dort eine nationale bürgerliche Partei gegründet, die vor allem innerhalb der Zionistischen Organisation das bürgerliehe Element zusammenfassen will. Der Leitung der neuen Partei gehören ir, a. die Herren S m i 1 a n s k i, L e v o n t i n, Shelush, Weiden leid und Reichert an. Der ״Doar Hajo m“ vom 19. Februar veröffentlicht die von der neugegründeten Vereinigung gefaßten Beschlüsse, in denen vor allem eine stärkere Berücksichtigung der Interessen des Bürgertums durch die zionistischen Stellen gefordert wird, desgleichen eine Informierung der öffentlichen Mcimni g, besonders im Hinblick auf den kommenden Kongreß, entsprechende Vertretung im Kongresse und in der Sachverständigenkommission der Agency (hier je Vertreter aus Landwirtschaft, Industrie und Handel) und schließlich Einsetzung einer Kommission, die gemeinsam mit deu übrigen Institutionen des Jisclmw sich bemühen soll, eine Lösung für die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu finden. Nach dem gleichen Blatt haben inzwischen folgende Gruppen ihren Beitritt zur neuen Vereinigung erklärt: Bne Benjamin (Vereinigung junger Kolonisten), die ״nationale Jugend“, die Hausbesitzcrorganisation von Tel- Awiw, der Industricllcnvcrband, der ״Verband polnischer Immigranten“ und die Vereinigung der Immigranten aus Polen, Ungarn, Oesterreich und der Tschechoslowakei. Im ״Haarcz“ äußert sich M. Glückson dazu folgendermaßen: Auch die Kreise, die mit dem Programm der neuen Vereinigung nicht ü be r c i n s t i m in e n , finden die Einigung und die Organisation des Bürgertums erwünscht und nützlich. Es sei Zeit, dali dieser Teil des Jisclmw aufhöre, eine einflußlose, inaktive Grupp«; zu sein, ohn« klaren Weg und ohne öffentliche Verantwortung. Es sei vom allgemeinnationalen Gesichtspunkte aus willkommen, daß die verschicdenen Kräfte und Strömungen in unserem öffentlichen Leben zu ihrem natürlichen Rechte auf Geltung und Wirksamkeit, entsprechend ihrem sozialen Gewichte, kommen. Aus dem natürlichen Zusammenstoß der o r ga n i s ic r t c. n öffentliehen Kräfte entstehe das Kräfteparallelogramm, das die Grundlage jedes Fortschrittes sei. Im Arbcitcrorgan ,.Da war“ nimmt M. B. zu der neuen Gründung Stellung und findet, daß man an sich die Zweckmäßigkeit der neuen Organisation, der sich mit Ausnahme der Fachvereinigungen der freien Berufe (Lehrer, Acrzte, Ingenieure usvv.j fast alle bürgerlichen Gruppen angescblosscn hätten, nicht bestreiten könne. Aber es müsse bezweifelt werden, ob die jetzt ״in Td-Awiw gegründete Vereinigung positive Aufgaben erfüllen 'könne. Der Verlauf der Gründungsversammlung habe /. B. kein prinzipielles Programm enthüllt, noch könne man von den Gründern sagen, daß sie bisher etwa eine einheitliche Gruppe gebildet hätten. In den Beschlüssen tauche die unwahre Behauptung von der ״Arbciterherrschaft“ und dem beherrschenden Einfluß der Unken auf. Es lohne sich fast nicht mehr, darauf einzugehen, wo eine Reihe von Fakten das gerade Gegenteil beweisen. Das einzige, was man aus den unklaren Aeußerungen in jener bürgerlichen Versammlung entnehmen könne, sei ein Ruf nach Verstärkung der Kräfte dieser bürgerlichen Richtung, verborgene oder nur halb angedeutete Ziele — Andeutungen, die allerdings mehr besagten als jedes Programm. Wie der Pal. Tel. Ag. mitgcteilt wird, hat die palästinensische Regierung beschlossen, eine direkte tclegrap h 1 s c h e Verbindung mit Europa durch Legung eines eigenen Kabels von Haifa oder von Jaffa aus zu schaffen. Möglichkeiten geboten, er hatte du Lehramt in seiner vielgeliebten Vaterstadt inne und durfte sich an reizvollen Aufgaben in der Hauptstadt beteiligen, aber, während Natan Älhnann es gegeben war, auf seinem Arbeitsfelde in Moskau Befriedigung ztt finden, zog es Chagall nach dein Paris seiner Wanderjahre zurück. Fühlte er sich durch das soziale Pathos in Rußland schöpferisch gehemmt, brauchte er Distanz? Das ist eine Frage für den Biographen. Die allgemeine Frage aber, die nicht allein im Individuell-psychologischen verankert ist, ist die, warum gerade so viele unter den besten jüdischen Künstlern nach Paris gölten. Rybak pendelt ruhelos zwischen Osten und Westen. Was suchen sie in Paris? Sie gehen dort zu niemand in die Schule, cs läßt sich nachwcisen, daß keiner es länger als höchstens ein paar Monate in den Malakademien aushält, sie leben nicht unter besonders günstigen Arbeitsbedingungen, zumal Ateliers bei der Wohnungsnot schwer zu ergattern sind. Paris formt ihr Erleben. Dem einen, der Bildhauern! Ghana Orlotva, gab Paris den entscheidenden Ruck. Dort wurde sie erst zur Künstlerin. Sie bekennt, daß das Mutter- Schaftserlebnis sie dazu machte. Aber in Paris konnte das große Wagnis gewagt werden, wo es trotz des lebhaften Menschenumgangs die strenge erzieherische Einsamkeit gibt. Lutschanski, dem stillen, einsiedlerischen, gab diese Stadt die späte Frucht grüblerischen Multens, Zak und Kisling» den schönheitstrunkenen, die Zucht des Stiles, der sie vor polnischem, resp. wienerischem Provinzialismus schützte, wie auch Ufschitz, der Konstruktivist, vor leblosem Schematismus geschützt wurde. Bewegung und Form gab ihnen Paris. Unbekümmerte Bewegung im Stadtbild, in der man untertauchcn kann, um sich zu verlieren oder zu finden, und Maß — die Franzosen nennen cs Geschmack --, ein rhythmischer Wert, der Körperliches und Mathematisches zugleich begreift. Manche verlieren sich in dieser Stadt, wie P a i fc s, der mit der Vision archaischer Skulpturen hinkam, um sich in den Dienst des bereits klassisch gewordenen korrekten Impressionismus zu stellen, manche fallen, denn Paris hat auch seine falschen Traditionen zu überliefern, den Kitsch eines Bougucreau und eines Hcnncr, seinen Kommerzialismus, den Betrieb der Kunsthändtcr, der ,Amateure“, der verkrachten Künstler, die den Kunsthandel betreiben und sieb was darauf ctnbildcn, daß sie nicht von der eigenen, sondern vou fremder Kunst leben. Das sind die Schattenseiten des Betriebes, aber Betrieb ist, wo Bedarf ist. Paris Ist ein großzügig« Auftraggeber, Für Vor Neuwahlen in Oesterreich Von unserem Korrespondenten.!. th. — Wien, 25. Februar. Die Neuwahlen in die gesetzgebenden Körperschaften, in den österreichischen Nationalrat und in den Wiener Gemeinderat, stehen mm vor der Tür. Obwohl cs schon seit langem klar war, daß der Nationalrat seine Legislaturperiode, die erst im Herlast abläuft, um einige Monate verkürzen werde, so ist doch die Entscheidung darüber erst vor drei Tagen gefallen. Den Christlichsozialcn, deren Wählerschaft sich insbesondere aus der Landbevölkerung zusammensetzt, waren Sormnerwahlen ziemlich unerwünscht und so versuchte deren Parteiführer, der Bundeskanzler Dr. Seipel, den seinerzeit mit den Sozialdemokraten geschlossenen Pakt, den Nationalrat vorzeitig aufzulösen, wenn das in Beratung Iwfindliclie, heiß umstrittene Gesetz über die Arbeiterversicbemng bis zum 15. März nicht beschlossen werden wird, zu sabotieren. Die Sozialdemokraten durchkreuzten diese Absicht, indem sie energisch auf die Einhaltung des Paktes bestanden und den 15. Mai als Wahltcrmin in Vorschlag brachten. Seipel und die Christlichsozialen (die zweite Mehrheitspartei, die Großdeutschen verfügen nur über eine geringe Anzahl von Abgeordneten und befinden sich ganz im Schlepptau der Christlichsozialen) mußten sich fügen und jetzt wird noch ein Geplänkel um die endgültige Bestimmung des Wahltages geführt. Die Bauernvertreter verlangen eine Vorverlegung auf den 24. April. Zur Diskussion steht auch noch der 8. Mai und schon die nächsten Tage werden die definitive Ent- Scheidung bringen. Die prinzipielle Beteiligung der J iid is c 11 n a t i o rr a I e n an den Wahlen hat der zionistische Parteirat schon am 13. Februar beschlossen. Angesichts des plötzlich nahegerückteu Wahitcrmincs (kaum drei Monate) ist auch von jüdischer Seite bereits mit der Wahlarbeit begonnen worden. Es wurde eine fünfgliedrige Programmkommission gebildet, die ihre Arbeiten schon aufgenommen, aber noch nicht ganz beendet hat. lieber die Grundzüge des Wahlprogramms hat ihr Korrespondent vom Präsidenten des zionistischen Landeskomitecs, Herrn Dr. Leo Goldhammer, der auch Mitglied der Programmkommission ist, folgendes erfahren: Auf politischem Gebiet wird das Programm der Jüdischnationalen die völlige G 1 c i c 11 bc r e c 111 i gu n g der Juden und die Durchführung der Minoritätsbestimmungen des Friedensvertrages, insbesondere die Erhaltung des hebräischen S c h u 1 w c r k s und ßcitragsleistungcn für die jüdischen sozialen Institutionen verlangen. Einen Hauptpunkt des politischen Programms bildet die Bekämpfung des Antisemitismus bei allen Parteien und in allen seinen Formen, sowohl des programmatischen als auch des praktischen. Diese Unterscheidung und Betonung von programmatischem und praktischem Antisemitismus hat ihre besondere osterreichische Vorgeschichte. Zu Neujahr 1927 haben die Christlichsozialeii ein neues Programm beschlossen und veröffentlicht. Darin heißt es im Absatz 8, daß die christlichsoziale Partei ,,die Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete“ bekämpft. Der Wiener Vertreter der ״Ita“ hat sich nun an Seipel mit dem Ersuchen gewandt, zu diesem offenkundig antisemitischen Programmpuukt Stellung zu nehmen. Der chrisflichsotaalc Bundeskanzler bemühte sich damals, Antisemitismus mit jüdischem Wälderfang zu verknüpfen; er sagte, es sei zunächst nur eine programmatische Aeußerung, zweitens nichts neues, denn der Antisemitismus der christlichsozialen Parte! sei hinlänglich bekannt und drittens bekämpfen wir nur ״die Uebermacht des zersetzenden jüdischen Ein- Busses“. Als Beispiele für diese ״Uebermacht“ führte Seipel die altbekannten Pogromschlagworte von den jüdischen ״Führern und Propagandisten des Bolschewismus, des mit ihm zusammenhängenden Kommunis tu u s in Deutschland und in Oesterreich und des kulturkämpferisch eingestellten Österreichischen Sozialisntus“ an. In einer sehr zweifelhaften und übertreibenden Verallgemeinerung erschöpft sich also die Scipelschc Definition des Begriffes: ״jüdische zersetzende Uebermacht“. (Im übrigen ist es ein ständiges Merkmal der österreichischen Politik und der Politiker, daß sie sich gegenseitig ihre Juden vorwerfen.) Wo die Grenze zwischen Macht und Uebermacht und zwischen jüdischer und nichtjüdischer Zersetzung liegt, solche Haltlosen, wie Modigliani oder Pasc in — Italien und Rumänien haben da zwei interessante Juden hervor• gebracht —, mußte die Vorstellung von einem passionne de peinture, einem Kimstbcsessenen, der sich in Paris bestimmt tiir sie finden und einsetzen wird, gewiß etwas Beflügelndes haben. Der boshafte Kritiker Adolphe Basler, übrigens auch ״Amateur“, glaubt, daß der passionierte Biklerkäufcr nicht viel mehr als eine Inflationserscheinung ist. Nehmen wir für einen Augenblick an, daß der starke Bedarf an Kunst durch eine vorübergellende wirtschaftliche Situation geschaffen wurde, daß der Pariser Markt zusammenfallen wird, daß Voltard cs nicht mehr für zeitgemäß erachten wird von Chagall illustrierte Ausgaben der Lafontaiuefahcln herauszubriniTcn. Was dann? Was bleibt unseren Künstlern noch übrig? Palästina muß sich einer Hypertrophie der ln• telligeru erwehren. Rußland kann nicht alle Kräfte gebrauchen und nicht allen die Atmosphäre bieten, in der sie gedeihen können, — manche haben den Zug der Zeit erfaßt und haben Paris mit New York vertauscht, wie sie seinerzeit sich aus Berlin nach Paris retteten. So wird offenbar das Schicksal der jüdischen Kunst abhängig vom unerbittlichen Schicksal der jüdischen Wanderbewegung. Das Biki ändert sich fortwährend, neue jüdische Volksschichten steigen an die Oberfläche, an das Licht der Oeffentlichkeit. Aus dein großen russischen Reservoir steigen sic, werden nach dem Westen geschoben, bröckeln zum Teil ab, - erst kürzlich wanderte aus Rußland die Künstlerschaft des Habimahtlieaters ab, wer weiß, ob sie in Amerika sich in ihrer Gesamtheit erhalten wird, wieviel Werte an Enthusiasmus, an schöpferischer Volkskraft stehen da auf dem Spiele. Das Leben geht aber weiter, wofür die Bürgschaft mir war eine Botschaft aus Minsk. Vorläufig in der Gestalt eines Programms., der Malerkommission der jüdischen Abteilung atn Institut für weißrussische Kultur in Minsk. Ke Aufgabe dieser Kommission ist: Material zum Studium der alten und der neuen jüdischen Kunst zu sammeln, das Leben und Schaffen jüdischer insbesondere aus Weißrußland stammender Künstler zu erforschen, die jüdische Kunst durch Publikationen, Ausstellungen, Vorträge u. a. m. zu fördern. Mit ähnlichen Programmen trat die Wiener, nachher die Frankfurter und die Leningrader Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kunst an die Oeffentlichkeit und jede steuerte auf ihre Weise etwas zu unserer nationalen Erkenntnis bei, Ab« harte gilt es, die gewonnenen allgemeinen konnte Herr Seipel selbstverständlich nicht sagen. Dagegen bat er noch einen anderen Ausweg aus der Klemme versucht. Als Regierungschef stehe er dem christlichsozialcn Programm ״vollkommen fern“, als Parteimitglied aber bemühe er sich, ״den Grundsätzen dieser Partei im öffentlichen Lebert nach .Möglichkeit Geltung zu verschaffen“, was ihn aber nicht hindere, das gleiche Recht aller Staatsbürger aufrecht zu erhalten. Wie ein so kommentiertes Recht, das noch überdies von einem Bundeskanzler behütet wird, der sich eine solche zweischneidige Doppdpersönlidikcit zurechtgelegt hat, aussicht, kann man sich lebhaft vorstcllcu. Obwohl daher Seipel zum Schluß noch erklärt, die Juden hätten angesichts des christlichsozialcn Parteibekenntnisses keinerlei Sorge zu erkennen gegeben, taten doch die Jüdischnationalen sehr recht daran, äußerst besorgt 7u sein und die schärfste Bekämpfung auch dieser Art von Antisemitismus itt ihr Programm aufzunchmen. Im wirtschaftlichen Teile des Programmes wird, bei Ablehnung des Klassenkainpfes, für die sozialen Errungeuschaften und für Maßnahmen zugunsten der Arbeiterschuft eingetreten. Ferner sind die Jüdischnationalen für die Erhaltung des in Oesterreich umkämpften Mieterschutzes, sic fordern die Förderung des Kleingewerbes und Mittelhandels, insbesondere durch Erschließung von Kreditmöglichkeiten und treten für eine Berufsumschichtung ein. Das Programm bejaht die Bau- und Fürsorgetätigkeil der Gemeinde Wien, verweis( aber auf die Notwendigkeit der Aufnahme einer Anleihe und bekämpft die Steuerpolitik Brcitncrs, weil sie in einer schwicri• gen Krisenzeit einer einzigen Generation Lasten auferlegt, deren Vorteile einer ganze» Reihe späterer Generationen zugut« kommen werden. Dieser Punkt ist übrigens auch bei Juden umstritten. Daß den Juden mindestens ein Natioualratsmandat und zwei Gcmcindcratsmandatc gebühren, steht außerhalb jeden Zweifels. Die Juden bilden doch 11 Prozent der Gesamt• bevölkerung Wiens und in den acht Bezirken, in denen SC׳ Prozent der Judenschaft Wiens wohnen, erhöht sich der Prozentsatz sogar auf 15. Obwohl man sich im allgemeinen keinen allzu großen Hoffnungen hingibt, so ist doch an zunehmen, daß es den Jüdischnationalen, trotz der für sic (wie übrigens für alle kleinen Parteien) äußerst ungünstigen Wahlgeometrie und Ermittlungstechnik, gelingen wird, sich durch• zusetzen. Das von den freiheitlichen bürgerlichen Parteien geäußerte Verlangen, das Listenwahlrecht aufzuheben, wurde von den beiden Großparteien einstimmig abgelchnt. Als Listenführer werden von jüdischer Seite Oberbaurat Robert Stricker für den Nationalrat und Dr. Desidet F r i e d nt a tt n für den Gemeinderat genannt. Auf meine Anfrage, ob cs ratsam sei, die zionistischen Kräfte, die jetzt so dringend konzentriert werden müssen, ir einem Wahlkampf zu zersplittern, erklärt«; mir Präsident Dr Goklhammer, dal! die eigentliche Wühlarbeit nicht von der zionistischen Sektionen ׳und dem Landeskomitee, sondern von speziellen Bezirkskommissioncn durchgeführt werden wird, die aus Personen bestehen werden, die an der innerpolitischeu Arbeit seit jeher ein besonderes Interesse nehmen. Die zionistische und die Palästinaarbeit sol durch den Wahlkampf in keiner Weise g e s t ö r י werden. Und schließlich würde bei dem rn Oesterreich herrschenden Zweiparteien-System ein Wahlerfolg neben dem großen moralischen Wert sowohl im Nationalrat als auch im Gemeinderat einen tatsächlichen, positiven Gewinn bedeuten. ז|נ Es verlautet laut J.T. A., daß die österreichische Poale Zion die Sozialdemokratie aufgefordert haben, zwei poale zionistische Führer auf ihrer Liste an aussichtsreicher Stelle kandidicrcn zu lassen. Ke Verhandlungen sind noch nicht beendet. Storrs grüßt die palästinensischen Juden Wie aus Cypern berichtet wird, besuchte Sir Ronald Storrs, der neu«' Gouverneur von Cypern, die jüdische Kolonie M a r g o a und wurde von Ficrrn Ginzburg, dem Vertreter der Kolonie, begrüßt, in seiner sehr freundlichen Antwort sprach Storrs auch über den Tod von Achad Haaiu und bat den anwesenden Korrespondenten des ״Doar Hajom“, den palästinensischen Juden sein«' Grüße zu üb er mitt e 1 n. Er spendete der Kolonieschult' ein Album mit Bildern von Jerusalem. kunstwissenschaftlichen Gesichtspunkte auch für die jüdische Arbeit nutzbar zu machen. Man wird sich nicht mehr mit einer Sammcl- und Katalogisierungsarbeit begnügen, die ausschließlich von kultischen und ikonographischen Kriterien bcherrscht ist. Mit einer unmetbodischen oberflächlichen Be- Schreibung von Chanukkalainpcn und Haggaden, wie sie heute eifrig betrieben und für jüdische Kirnstforschimg ausgegeben wird, kommen wir nicht weiter״ wie 11ns denn auch die einscitige, nur auf das Stoffliche eingestellte Betrachtung des modernen Schaffens keine, geistige Bereicherung mehr bieten kann. Ohne Apologie «1er allein seligmachenden Heimatskunst, ohne ängstliches Bedachtseilt auf eine uns nur hemmende Eigenartsdoktrin, mit kunstwissenschaftlich geschultem Auge wird man erst die Zusammenhänge richtig erlassen können, die engeren um! die weiteren, die das Wesen des jüdische« Kunstschaffens bestimmen. Ke Betonung wird auf die Zusammenhänge zu stellen sein. 111 diesem Sinne überaus wertvoll ist der Band ״Tolede“ 111 der Serie Villes d’art cclebrcs. Man erwartet von dieser Veröffentlichung kaum mehr als einen Reiseführer und findet darin eine Analyse der mannigfachen Fomisystcme, die die toledanische Kunst ihren wcchsclvollcn historischen Schicksalen, ihrer gemischten Bevölkerung zu verdanken hat. Der Verfasser Elie Lambert bat als lüde den toledanischen Synagogen die volle Aufmerksamkeit geschenkt, die sie auch verdienen. Diese Kunstdenkmale des 13. und des 14. Jahrhunderts müssen, wie er cs uns gezeigt hat, in einer Reihe mit andahisischctt Bauwerken und Schöpfungen des Müdejarstilcs betrachtet werden, durch welche Betrachtungsweise sie erst in die richtige Perspektive rücken. Mit dieser neu gewonnenen Einsicht in die kunsthistorischen Zusammenhänge läßt sich der Begriff von einem jüdisch-arabischen Stil nicht vereinbaren, mit dem Julius Franz im Handbuch der Architcktur (Baukunst des Islam) operierte. Ke Dinge liefen für beide Seiten nicht so einfach, denn die Juden hatten sich im hohen Mittelalter in Spanien lange nicht mehr allein mit den Mauren auscinandcrzusctzcn, wie denn auch die Mauren selber den Kunstanschauungcn der christlichen Völker bereite Zugeständnisse machen mußten. So wird eine Illusion zerstört, die uns, in unserer Schwäche, vielleicht einmal nützlich war. Wir brauchen sie nicht mehr, Rahel Wischnitzer-Bernsiei*»

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