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Jüdische Rundschau · 1927-02-22 · Heft 15 (22.2.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 15 (22.2.1927)
Date
1927-02-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 108 jtfr'üTSCHB RÜNöSCHKtJ Nr. 18 Die jüdische Kolonisation in Rußland ״OZET“* Delegation für Amerika Moskau, 16, Februar. (J.T.A.) Die unparteiische Gesellschaft für jüdische Kolonisation In Rußland ״OZET“ hat beschlossen, den Ingenieur Samuel Wc ixmann (einen Bruder des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weixmann) sowie den Schriftsteller J, Weinstein (jerachmiel) nach den Vereinigten Staaten zu entsenden, damit sie in der jüdischen Oeffentiichkeit Amerikas für das Werk von OZET (Krim-Projekt) Propaganda machen. Die gegenwärtig ln Moskau abgehaltene, von der Regierungskommission COMZET arrangierte Konferenz der führenden jüdischen Agronomen in Rußland begegnet großem Interesse. Es werden Referate über Organisierung der Neu- Siedler, über die Wahl des Menschenmaterials, über Kreditwesen und über die verschiedenen Systeme der modernen Landwirtschaft gehalten. Die Vertreter von Agro-Joint rühmten insbesondere die hohen Qualitäten der Jugend der Neu- Siedler-Familien. Man diskutierte auch über den für die neuen Siedler zu wählenden Häusertyp, über die Einführung neuer Kulturen, über die Entwicklung von Bienenzucht usw. Der Direktor des Agro-Joint, Dr. Joseph Rosen, griff in die Diskussion ein und setzte sich mit den Kritikern des Werkes von Agro-Joint auseinander. Eine Programm rede Smldowitsch's. Moskau, 12. Februar (J.T.A.) Der Präsident der Regierungskommission für jüdische Landansicdlung, S m i - dowitsch, hielt in der von Comzet arrangierten agrotechnischen Konferenz eine Rede, in der er ungefähr ausführte: Die Arbeit von Comzet bildet einen Teil der nationalen Politik der Sowjet-Union, die nicht nur die rechtliehe Gleichheit, sondern auch die wirtschaftliche Gleichheit und Förderung aller Völker an ihre Fahnen geschrieben hat. Die Führer der jüdischen Ackerbauwirtschatt mögen Kritik, ja sogar Selbstkritik nicht scheuen, sondern sich dessen bewußt sein, daß sie es mit einem Element zu tun haben, das physischer Arbeit ungewohnt ist. Smidowitsch wies auf gewisse Fehler hin, die in der Kolonisation- und Organisations* arbeit begangen worden sind. Er unterstrich die Tatsache, daß die jüdischen Landwirte in weit seltenerem Maße ihren Boden verpachten als die nichtjüdischen Bauern. Das ist gut so, denn die Sowjet-Regierung wird nur Arbeitswirtschaften, aber nicht Unternehmcrwirtscnaften stützen. Comzet, fuhr Smidowitsch fort, würde Koiektivwirt* schäften vorziehen; allein man darf nicht vergessen, daß unter den jüdischen Neusiedlern weder soziale noch materielle Gleichheit besteht. Die Kollektivwirtschaft setzt aber vollkommene Gleichheit voraus. Deshalb soll man mit den einfachsten Formen der Zusammenarbeit, wie gegenseitiger Hilfe bei der Bodenbearbeitung, gemeinsamem Besitz von Maschinen und dergleichen anfangen. Es sollen dann landwirtschaftliche, Kredit- und Nutzungs-Kooperativen organisiert werden. So schnell als möglich sollen in den Kolonien Bildungsanstalten, Ambulatorien, Bäder usw. geschaffen werden, vor allem aber Elementarschulen. Denn wo keine Schulen sind, wird der Jude nicht bleiben. Ein Volk, das seit Ewigkeit ein Volk des Buches war, wird nicht leicht in ein Volk von Analpha* beten verwandelt werden. Smidowitsch wies darauf hin, daß dank den Bemühungen von Comzet allen jüdischen Neusiedlern schon in diesem Jahre das Wahlrecht gewährt worden ist, unabhängig davon, daß manche der Neusiedler früher einer Beschäftigung nachgingen, die sie vom Wahlrecht ausschloß. Damit bewies die Regierung der jüdischen Bevölkerung in den Städtchen, daß der Weg zur Gleichberechtigung gieicivzeitig.der Weg zu produktiver Arbeit Ist. Das Zenlralexekutiv- Komitee beschloß ferner, die sofortige Schaffung jüdischer Dorfsowjets und Rayonssowjets in den neuen jüdischen Kolonien. Bisher, sagte Smidowitsch weiter, hat die Regierung für Zwecke der jüdischen Landsiedlung in folgendem Ausmaß freien Boden zur Verfügung gestellt: In der Ukraine 113 325 Desjatinen, in der Krim 59893, in Weißrußland 15230 und in anderen Gebieten der Sowjetunion 5000 Desjatinen, insgesamt also 193 468 Desjatinen. Auf diesem Boden wurden in den letzten zwei Jahren rund 10 0(ö Jüdische Familien seßhaft gemacht Für das Jahr 1927 wurden in der Ukraine weitere 25000 Hektar Land zur Ansiedlung von 1500 Familien zur Verfügung gestellt. Demnächst wird in der Krim, in Weißrußland und in Usbekstan im gleichen Verhältnis Boden zugeteilt werden. Im Gebiet von Cherson und in anderen Gebieten werden jüdische administrative Rayons eingerichtet werden. Von Anfang an war Comzet für eine zusammenhängende jüdische Siedlung zwecks besserer Entwicklung der wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte der jüdischen Massen, sowie zwecks Organisierung Sowjet- יש" "'scher Anstalten. Da nun in den alten Gebieten freier en nur sehr wenig zur Verfügung steht, so muß für die zukünftige jüdische Siedlung ein größeres Territorium ausfindig gemacht werden, wo in der Zukunft ein autonomes jüdisches Gemeinwesen Platz finden könnte. Gegenwärtig darf die Losung ,Autonomie“ noch .nicht das jüdische Siedlungswesen beherrschen, da die notwendigen Voraussetzungen hierzu — ein Territorium mit einer kompakten t'üdischen Mehrheit — noch nicht vorhanden sind, tie Sowjet-Regierung, schloß Smidowitsch, hält an ihrem Programm fest, 100000 jüdische Familien auf dem Lande anzusiedeln. Der Antlseinltlsimis in der Sowjetunion Moskau, 14. Februar (J.T.A.) Wie mitgeteilt, widmete Bucharin einen ganzen Abschnitt seiner Rede, die er aut der Parteikonferenz des Gouvernements Leningrad gehalten hat, der Frage des Antisemitismus in Rußland. Er sagte: Der Antisemitismus hat bei uns eine bestimmte Basis. Seine Hauptquellen sind folgende: Zur Zeit des militärischen Kommunismus haben wir die russische mittlere und kleine Bourgeoisie hart angefaßt. Die sabatierende Intelligenz wurde aus ihren Positionen hinausgedrängt. Es entstand nachher der freie Handel, und die jüdische mittlere und kleine Bourgeoisie nahm den Platz der russischeu Bourgeoisie und der russischen Intelligenz ein. Die fähigere und geistig regsamere jüdische Intelligenz drang in die Position der sabotierenden russischen Intelligenz ein. Es Ist darum kein Wunder, wenn der russische Kramer oder Intelligenzler behauptet: ״ueberall sind Juden; man hat Rußland den Judenverkanf t.“ Das Anwachsen des Antisemitismus wird auch dadurch gefördert, daß in den Zentralrayons und in den großen Städten die jüdischen Kapitalisten and Intelligenzler aus den West- Gouvernements und den südlichen Städten sich konzentriert haben. Die russischen Kleinbürger und Arbeitslosen haben nicht die verarmten Jüdischen Städtchen, sondern den wohlhabenden jüdischen Großstädter vor Augen. Dies erweckt bei ihnen ein Gefühl von Neid und nationalem Haß. Wir Genossen, fuhr Bucharin fort, müssen gegen den Antisemitismus einen scharfen und erbitterten Kampf führen. Auch in den Reihen der kommunistischen Partei machen sich oft antisemitische Tendenzen bemerkbar, die eine Kehrseite des wachsenden großrussischen Chauvinismus sind. Dies drückt sich in Witzchen, Anekdoten usw, aus. Gegen diese quasi ״Ideologie“ müssen wir ebenfalls einen scharfen Kampf führen. Anderer- Seit» darf man nicht davor zurückscheuen, den jüdischen ״N e p - M a n n״ (so werden Leute genannt, die es verstehen, sich die neue Ökonomische Politik zunutze zu machen) hart an zufassen. Bucharin fuhr fort: Wenn das, was man zu Beginn der Revolution ,,schwarze Hundertschaft" genannt hat, bei uns eine Erscheinung des täglichen Lebens wird, so müssen wir uns zum äußersten Kampfe wappnen. Wer aber fürchtet, auszusprechen, daß der reiche Jude ebenso unser Klassenfeind sei wie der reiche Russe, der dürfe sich nicht wundern, wenn der Antisemitismus anwächst. Bucharin schloß: es müsse gegen alle Formen des Antisemltismus, auch gegen die ״unschuldigen“ Witze und Anekdoten der schärfste Reinigungskampf geführt werden. Denn keine ״Ideologie" entsteht fertig, sie wichst allmählich. Es ist besser, sie schon jetzt mit den Wurzeln auszureißen. Moskau, 16. Februar. (LT.A.) Die Vorbereitungen zur Organisierung eines jüdischen Selbsfverwaltungs•Rayons im Gouvernement Cherson auf dem Territorium zwischen dem Fluß Ingzliez und dem Dnjcpr gehen ihrem Abschluß entgegen. Der neue Rayon umfaßt eine Fläche von 48 500 Desjatm Boden und schließt 40 Kolonien ein. 7 Dorfräte, unter ihnen 5 jüdische und 2 russische, werden auf diesem Territorium geschaffen werden. Die Bevölkerung des Rayons setzt sich aus 14390 Juden, 443 Deutsehen und 1964 Russen zusammen. Mussolini und das Judentum Die zionistische Presse hat sich in der letzten Zeit mehrfach mit der Haltung Mussolinis zu Judentum und Zionismus beschäftigt. Anlaß hierzu bot die Ernennung Pedrazzis, der als Gegner der zionistischen Bestrebungen bekannt ist, zum italienischen Generalkonsul in Jerusalem. Mit Rücksicht auf das immer stärker zur Geltung kommende Streben Mussolinis und der italienischen Politik, durch Einmengung in alle Fragen der Weltpolitik, insbesondere aber des Mittelmeerbcckens, bestimmenden Einfluß zu erwerben, Ist für den politisch beteiligten Juden die Kenntnis der Stellungnahme Mussolinis zu Zionismus und Judentum gewiß von Interesse: Das Judentum in seiner Eigcnkultur ist Mussolini vollständig fern und fremd. Der Zionismus als Ausdruck eines jüdischen Kollektivwillens löst in ihm keinerlei tiefergehenden Widerhall aus. Mussolini ist dem Zionismus weder Freund noch Feind; er hat sich wiederholt für, wiederholt gegen ihn ausgesprochen. Der Zionismus wird ihm immer nur eine der vielen politischen Gegebenheiten sein, die er unterstützen oder ablehnen wird, 1c nachdem sie sich in seine augenblicklichen ״combinazioni“ einfügt oder nicht Anders liegt es mit Mussolinis Disposition zur Aufnahme jüdisch-menschlicher Auswirkungen. Er war über zwanzig Jahre alt als er zum erstenmal — in der Schweiz — Juden kennenlernte. Der arme, beschäftigungslose Dorfschullehrer, vom Leben tausendfach getreten, täglich Demütigungen ausgesetzt,■ die sein brennender Ehrgeiz noch tiefer empfand, durch seine Unrast fahnenflüchtig und 80 auch äußerlich, weit mehr aber noch innerlich entwurzelt suchte den Weg zu allen Entwurzelten und Gedemütigten. In den Kreisen der Schweizer Studenten aus dem Osten Europas fand er sie. In dieses Milieu, wo schöpferische Geistigkeit und destruktive Intellektualität sich unentwirrbar mengten, führte ihn sein starker Idealismus (auch ein solcher ist eine Kraftquelle seiner wider* spruchsvollen Persönlichkeit), sein Hunger nach Intellekt, sein morbides SCnSafidlisbedürfnis. Das jüdische Wesen schuf ihm die Brücke; es war assimiliert genug, nur das Gemeinnisvolle der russischen Seele ahnen zu lassen, ohne jedoch durch ihr Undurchdringliches und Rätselhaftes zurückzustoßen. Verfeinerte Geistigkeit und Einfühlungsvermögen des Judentums wurden Mussolini dauerndes Bedürfnis. Er konnte den Geruch dieser Erscheinungen nie wieder entbehren. Seit seinem Schweizer Aufenthalt bis in die ersten Tage des Weltkrieges, also während der ganzen Epoche seines Internationalismus hatte die russisch-jüdische Sozialistin Angelika Baiabanoff, deren Tod in hohem Alter gerade jetzt gemeldet wird, den stärksten Einfluß auf seine politische Tätigkeit. Seit dem Beginn seiner nationalen Epoche begleitet die venezianischjüdische Schriftstelllerin Margherita S a r f a 11 i cinflußvoll seinen Lebensweg. Von ihr stammt auch die Lebensgeschichte Mussolinis, deren deutsche Ausgabe vor kurzem im Verlag Paul List in Leipzig erschienen ist. Dr. Artur Rosenberg. 1 A. J. Rom“] Aus Zürich wird uns berichtet: Am 13. Februar verschied plötzlich an einem Herzschlage im Alter von 52 Jahren unser Gesinnungsgenosse A. J. Rom. A. J. Rom war seit dem ersten Zionistenkongresse einer der treuesten Gesinnungsgenossen in unserem Lande. Er war einer der Mitbegründer der Misrachi-Weitorganisation, der misrachistischen Vereine in Zürich, Basel und Luzern und Vorsitzender der misrachistischen Landesorganisationen in der Schweiz seit ihrem Bestehen. Es gab keine jüdische Gemeinschaftsarbeit, an der er nicht tätigen Anteil nahm, ob sie der ostjüdischen Gemeinde Agudas Achim in Zürich, zu deren Vorstand er gehörte, galt, ob dem Turnvereine, der jüdischen Bibliothek oder irgendwelchen anderen Zwecken. Ein bleibendes Denkmal setzte sich A. J. Rom als Anreger und Urheber des Hiifsvereins für jüdische Lungenkranke in der Schweiz, der die im Auslande noch viel zu wenig gewürdigte, segensreich wirkende Jüdische Lungenheilstätte ״Etania“ in Davos ins Leben rief. Er war unermüdlich als deren Sekretär trotz aller finanziellen Schwierigkeiten, die die Nachkriegszeit brachte, für dieses Sanatorium tätig, dem Scharen in- und ausländischer tuberkulöser Juden (Erwachsene und Kinder) die Erhaltung ihres Lebens verdanken. A. J. Rom gehört zu dem Typus erader, aufrechter und zuverlässiger Gesinnungsgenossen, essen Hingang eine Lücke in der Organisation zurückläßt Naiiftnalloads-Feier in Stockholm Aus Stockholm wird der Ziko berichtet: Am 13. Februar fand hier eine Feier anläßlich des Jubiläums des Keren Kajemeth statt, die sehr gut besucht war. Nach einer Ein- Ieitung des hiesigen Leiters der K. K. L.-Arbeit, Masur, hielt Dr. Ehrenpreis einen Festvorfrag, in dem er die Persönlichkeit Prof. Schapiras würdigte und die Bedeutung des K. K. L. hervorhob. Darauf sprach Dr. Werner Bloch, Berlin, der durch einige ausgezeichnete Vorträge in der letzten Woche dem zionistischen Lehen hier neue Impulse gegeben hat Dr. Bloch gab einen Ueöerblick über die Entwicklung des Keren Kajemeth und beleuchtete dessen Leistungen für die Kolonisationsarbeit in Palästina. Auf Anregung von Dr. Ehrenpreis beschloß die Versammlung, an Ussischkin ein Begrüßungstelegramm zu senden. One rnmänlsche Fälschung Wilhelm II. und die Judenhetze Bukarest, 15. Februar. (J.T.A,) Die Deutschen und Juden Rumäniens sind durch eine skandalöse rumänische Fäl* schung in heftige Erregung versetzt. Die offiziöse Zeitung ,,Garpatü" Veröffentlicht einen gefälschten Wortlaut der Abdankungsurkunde des ehemaligen deutschen Kaisers. Die falsche Urkunde beginnt mit den Worten; ״Ich verzichte für alle Zeiten auf die Rechte der Krone Preußens und der deutschen Kaiserkrone.,..*1 und schließt; ״,... Meine Nachfolger werden ersucht, ihre ganzen Kräfte dafür einzusetzen, daß die politischen Recht* I der Juden in Rumänien, die ich Ihnen durch meinen Vertreter Mackensen gewährt habe, nicht verringert werden, in keinem Land, das von uns besetzt worden ist, haben dl« Juden uns 60 reale Dienste geleistet wie die Juden in Rumänien. Jedoch muß diese Verfügung dahin ein•! geschränkt werden, daß kein einziger der rumänischen Jude« in Deutschland Aufnahme findet, we(I wir Verräter! nicht brauchen. Dieses verfluchte Unkraut darf auf unserem Boden nicht wachsen, da es bekannt ist, daß diese Nation die gefährlichste der Welt ist. Gegeben 2u Amerongen am 24, November 1911.! gez, Wilhelm.״ tj?. Der ״Hamburger Korrespondent", der gleich anderen deutschen Zeitungen die Fälschung des rumänischen offiziösen 1 Blattes wiedergibt, schließt hieran die Bemerkung: > ״Das ,Dokument* trägt den Stempel der nationalen Auf• ־ hefzung an sieh. Welche Wirkung es auf die rumänischen! Bauern auslösen muß, die noch zu 60 «/» Analphabeten sind, i braucht nicht erläutert zu werden. Jedoch auch die Deutschen f In Rumänien sehen durch diese Mischung, deren Wirkung! sich nur zu teicht in Massakres äußern kann, ihr nationales; Gefühl verletzt. Es ist unglaublich, daß die rumänische Re* f glerung in ihren Presseorganen eine solche Verächtlichmachung I des früheren Oberhauptes des Reiches zuläßt..,. Anstatt ־.: die Minderheiten zu gewinnen, stößt man sie ab.ן < ״ Presse *Sclwii Die ״Frankfurter Zeitung״ widme! ihr die*• wöchiges Sondcrblatt ״Für Hochschule und Jugend“ den jüdischen Jugendbünden, in einer Einleitung ״Jüdische Jugend“ charakterisiert die Redaktion die politischen Richtungen der jüdischen Jugendbünde. Die zionistische Richtung lehnt sie ab, schreibt aber: ״In all diesen an sich unhaltbaren Konstruktionen steckte ein so schweres Ringen, im Wort ״Heimstätte“ etwa meldete sich eine so verständliche Sehnsucht, viele Leistungen der palästinensischen Siedler und Arbeiter waren gerade bei den der Handarbeit entwöhnten Juden so staunenswert, daß es ein Glück ist, wenn man sich einmal von der an sich vorhandenen Notwendigkeit dlspen• sieren kann, dagegen zu fechten.“ In einem längeren Aufsatz äußert sich Erich Hirschberg, Mitglied des Aelteren• Bunds des Deutschjüdischen Wanderbunds ״Kameraden“ über ״Deutschjüdische Jugend“. Als Wortführer der zionistischen Jugend gibt Werner Bloch in dem Aufsatz ״Die zio* nistischc Jugendbewegung in Deutschland“ eine Analyse des Zusammenhangs von Jugendbewegung und Zionismus. Er schreibt u. a.: ״Der jüdischen Jugendbewegung war es vergönnt, die moralische Judennot nicht nur auf das Bitterste zu empfinden, sondern durch Verwirklichung ihres Zionismus die Lösung der persönlichen Judenfrage zu bringen. . leugnen. Das Gebäude der jüdischen Assimilation brach in sich selbst zusammen durch das natürliche Erwachen jüdischen Selbstbewußtseins. Die zionistische Politik erwarb ein jüdisches Palästina, das arm gewordene Land erwartete junge Kräfte, die cs zu neuem Leben erwecken sollten, und die Jagend• bewegung sollte für Palästina die Chaluzim (Pioniere) stellen, ״Berufsumschichtung“ wurde nicht eine leere Parole, das Ergreifen produktiver Berufe führte nicht zu kleinen esoteri* sehen Zirkeln, die bedeutungslos für das Gedeihen des Volkes werden mußten. Der junge Jude erlebte die Jugendgeinein• Schaft, stählte im Wandern und Spielen seinen Körper, gewann Verständnis für die jüdischen Zusammenhänge auf dem Heim• abend, empfand das Unerträgliche des Galuthdaseins, schienderte den selbstverständlich gewordenen jüdischen Berufen ein ״Nein“ entgegen und machte Ernst mit neuer Lebensgestaitung duich Ergreifung eines landwirtschaftlichen oder handwerklichen Berufes und durch Erlernung der lebendigen Sprache des Volkes: des Hebräischen.“ Ueber die bestehenden jüdischen Bünde gib( das Sonderblatt die folgende Auskunft: An die überkommenen Sonderungen <— Liberalismus und Orthodoxie — vermochte ihrer Natur nach die Jugendbewegung nicht anzuknüpfen. So entstand in Anlehnung an den Zionismus der ״Jüdische Wanderbund Blau-Weiß“, und dann — einen anderen Weg ans der gleichen Not weisend — der ״Deutschjüdische Wanderbund Kameraden“: aus diesem erwuchs der ״Aelteren-Bund der Kameraden“. Früher schon bestehende Vereinigungen blieben von der Jugendbewegung nicht unberührt, aber doch Jugend• pflegeorganisationen: der ״Jüdisch-liberale Jugendverband“ (Jii), die orthodoxe ״Agudas Jisroel“ und der neutrale ״Ver• band jüdischer Jugendvereine Deutschlands“. Aus den Reihen dieses letzten entstand der ״Jungjüdische Wanderbund“, der aber Neutralität und Jugendbewegung auch nicht vereinigen konnte und nach mehrfachen Absplitterungen zum Zionismus kam. Im letzten Jahre schieden aus dem ״Blau-Weiß“ die Jüngeren-Bünde aus und bildeten zusammen mit anderen Gruppen die ״Kadimah“, einen nationaljüdischen Bund, der dem offiziellen Zionismus aber doch ferner steht i; In | ft W f| 1s Bei Besprechung der Berliner Protestversammlung gegen das Pro Palästina-Komitee schreibt der orthodoxe Frankfurter ״Israelit“: ״In der Resolution heißt es ferner: ,Die Werbung für den Aufbau des englischen Mandatslandes Palästina muß nach Ueberzeugung der Versammlung die Wirkung haben, im deutschen Vaterlande ein bewußt tradeutsches Empfinden zu schaffen, das die Einheit des deutschen Volkes und die Gleichberechtigung aller deutschen Volksgenossen aufs schwerste gefährdet.‘ Das ist eine durch und durch falsche Darstellung, und es wäre sehnlichst zu wünschen, daß sich demgegenüber, unter Juden und Nichtjuden, die höhere Anschauung des Kultusministers über die Verträglichkeit der Palästina* liebe neben dem Staatsburgerbewußtsein in einer jßdischcn Brust durchsetze.“ Die Verciuipng des Jüdischen Imigrationswesens Dieser Tage sind in Berlin die Verhandlungen zwischen Hias-Emigdirekt und der Jewish Colonisation Association (J.C. A.) betreffend die Vereinigung der Arbeit dieser Gesellschäften auf dem Gebiete der jüdischen Emigration zum Abschluß gebracht worden. Das Abkommen wurde von den beiderseitigen Unterhändlern unterzeichnet. Gemäß diesem Abkommen wird die neue Organisation ״Hias-J.CA. Emigdirekt“ die gesamte Immigrationsarbeit in den Auswanderung»- sowie in den Einwanderungsländem führen. Der Hauptsitz der neuen Organisation ist Berlin.

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