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Jüdische Rundschau · 1927-02-22 · Heft 15 (22.2.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 15 (22.2.1927)
Date
1927-02-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. IS JÜEDISCHI RUNtJSCHAU Seite 107 Der ^ro$e Europäer (Zum Tode von Georg Brandes.) Von Scb. Qorelik. Eh» langes fruchtbares Leben war ihn» beschieden, und nun ist dieser Zeuge großer Zetten, der Freund Ibsens, Niefesches dahingegangen. Europa ehrt, bewundert in ihm den letzten Mohikaner jener Generation universaler literarischer Kritiker und Essayisten, deren markanteste Repräscntanten einst ein Sainte Beuve, ein Taine waren und deren Erbe Georg Brandes übernommen hat. Europa überblickt mit Ehrfurcht diese gewaltigen Leistungen, dieses ewige Wachsein, diese erstaunliche Befähigung, als Erster neue Geister aufzuspüren, sie der Welt nicht nur anzuktiiidigen, sondern auch für ihre Geltung zu kämpfen. Seiner engeren Heimat Dänemark, wie überhaupt Skandinavien, war er ein Führer dürch die Pantheone der Weltliteratur. Er war für sie nicht nur Deuter ihrer eigenen Schriftsteller und Dichter, er ver• anstaltete auch mit seiner glänzenden Feder, durch leidenschaftliche Vorträge jene Ausflüge zu den ewigen Schätzen der menschlichen Kultur. Und der Undank des dänischen Volkes wäre gar unverständlich, hätte Brandes nur die Rolle eines literarischen Dozenten auf sich genommen und nicht auch die des leidenschaftlichen Kämpfers für neue Ideen, für neue Gedanken. Jetzt, da er tot ist, werden hoffentlich auch seine Widersacher sich bewußt werden, welchen großen Bürger die Hawtstadt Dänemarks in seinen Mauern hatte, welche Ehre diesem stillen, kleinen Lande vergönnt war, einen Brandes in seiner Mitte zu haben. Ein Weltbürger, ein wirklich großer Europäer, ein homo bumanus war Georg Brandes. Ein Zeitgenosse bedeutender Männer. Mit John Stuart Mill hielt er Zwiesprache; er sah Beaconsfield im englischen Unterhaus nach seinem Sturz; Ibsen, sonst ein höchst unzugänglicher Herr, brachte Brandes stets eine besondere Wärme entgegen; der alte Andersen las ihm noch seine Märchen vor; das letzte Wort des kranken Nietzsche war an ihn, Georg, gerichtet. Als er in der Blüte seiner Schaffenskraft und Kampfeslust war, wurde Garribaldi gefeiert, lebten die großen Demokraten und Humanisten wie Mazzini, Herzen. Welche Zeit! Welche Menschen! Die Ideen, von denen die Menschheit während einer Generation gezehrt hat, und die wir jetzt verwelkt, zertreten sehen, stauden damals im höchsten Glanz. Man sprach das Wort Freibeit aus, und ein prächtiger Blumengarten tat sich auf. Sozialismus war ein Begriff, mit dem Martyrium, opferfreudige Kämpfe der Gegenwart und eine freie Gesellschaft der Zukunft verbunden war. Brandes schuf und bewegte sich io einer Epoche, wo Amerika nur Einwanderungsland für Volksmassen war, die ein gesichertes materielles Dasein erstrebten, aber noch nicht die Welt beherrschte und sich anschickte, Europa die mechanische Kultur aufzudrängen. So* mit lebte und schaffte er in einer glücklicheren Zeit, und ihren bedeutenden Menschen und mannigfaltigen geistigen und literarischen Strömungen widmete er sein Schaffen. Er hinterläßt der Welt eine überaus ansehnliche Zahl meisterbaffer Werke, aus denen unzählige Leser geistige Nahrung, ,große ästhetische Freuden und Genüsse fanden. ״Die geistigen Hauptströmungen des 19. Jahrhunderts‘', die glänzenden Charakteristiken, die er von Lassalle, Beaconsfield und vielen anderen gegeben hat, die Glorifizierung Voltaires, die er in dem zweibändigen Werk unternommen hat, die Monographien über Cäsar, Goethe, Shakespeare, Michelangelo, die unüber* sehbare Anzahl von Aufsätzen, die in den verschiedensten Zeitschriften Europas und Amerikas verstreut sind, das sind die Manifestationen seines regsamen, wachen Geistes und seiner unermüdlichen Arbeit für die höheren Bedürfnisse der Menschheit während mehr als eines halben Jahrhunderts. Am Schlüsse seines monumentalen Werkes über Voltaire schrieb Brandes bittere Worte über die Dummheit der Menschen, die immer dabei sind, ihre Dichter, Propheten und Philosophen zu quälen und zu lästern, um dann später ob der gräßlichen Taten Reue zu empfinden. Ist nicht in diesen Worten ein Anklang zu finden an jene Ungerechtigkeiten, jene Anfeindungen, die dem großen Europäer, dem großen Weltbürger in seinem engen Vaterlande zuteil wurden? Und doch, wäre Brandes auf Irgendeiner Insel gestorben, Dänemark hätte sein schönstes, größtes ,Schiff dorthin entsandt, um den großen Toten zw holen, wie es ein Norwegen tat, als Björnson starb. Nur ein Volk — das jüdische Volk — hätte vielleicht einigen Orund, sich über seinen bedeutenden Sohn zu beklagen, der sich so selten mit seinem Schicksal beschäftigt hat, gar selten Verständnis für seine Nöte, für seine geistigen und ideellen Strömungen bewies. In dieser Stunde aber empfindet das jüdische Volk nur Stolz darüber, daß unter vielen anderen Wegweisern, Kämpfern und Lehrern, die es der Menschheit gegeben hat, auch der Name Georg Brandes genannt werden wird. * Georg Brandes Ober den Zionismus Anläßlich des Ablebens von Georg Brandes sei an seine Acußerung zur Judenfragc erinnert die er erst vor wenigen Jahren, kurz nach dem Kriege, veröffenfiieht hat. Brandes a's der letzte große Repräscntant des Geistes der ,A u f k 1 ä r u n g“, der echte Maskii, war zeitlebens einer Bewegung, die sicli notgedrungen ״national“ nennen mußte, abhold. Erst durch die Erlebnisse des Krieges änderte er seine Meinung und verstand den besonderen Sinn des Zionismus. Mit der ihm eigenen Wahrheitsliebe schreckte er nicht davor zurück, seine Meinungsänderung frei zu bekennen. F.r schrieb: ״Ich betrachtete das Judentum von meinem 13. bis zu meinem 60. Jahre lediglich als eine Religion. Die Juden in Westeuropa, die dänisch, französisch, englisch oder deutsch sprechen, haben sich in der Regel, seit sie dieselben Rechte wie die übrigen Einwohner der betreffenden Länder erhalten haben, selbst als reine Dänen, Franzosen, Engländer und Deutsche gefühlt. Auch wenn sie religiöse Ueberzeugungeu hegten, blieb ihre nationale Stellung davon unberührt. Meine Weltanschauung stammte von Spinoza — und dieser war nicht nur von den Christen verachtet, sondern auch aus der Synagoge ausgestoßen worden. So kam cs, daß ich mich nur dann als Jude fühlte, wenn dieses Beiwort in schmähender Form angewandt wurde, und dies geschah vom ersten Tage meiner öffentlichen Laufbahn an. Daher war es mir unmöglieh, zu vergessen, daß ich Jude war, oder — um es genauer zu formulieren — daß ich weder daheim noch im Auslände als vollwertiger Däne angesehen wurde. . . . Niemals habe ich persönlich das jüdische Volk als eine Nation betrachtet, und ich bü» auch noch heute voll davon überzeugt, daß es keine jüdische ״Rasse“ gibt. Diese Cie* danken aber haben mich niemals davon abgehalten, zu versuchen, mein Aeußerstes zu tun, um mich an die öffentliehe Meinung zu wenden, sobald die Juden verfolgt wurden. Vor ungefähr 40 Jahren erhob ich meine Stimme zugunsten der rumänischen Juden, ich war der erste Nichtfranzose, der für Alfred Dreyfus’ Unschuld kämpfte. Dann kämpfte ich für Finnlands und später für Polens Juden. Nichtsdestoweniger wurde ich über 30 Jahre lang von der jüdischen Presse in verschiedenen Ländern verfolgt. Selten wurde ich ohne Hohn und Verachtung in jüdischen Publikationen erwähnt . . . Jn den letzten Jahren hat meine Ansicht über die jüdische Frage eine starke Veränderung durchgemacht. Die Juden in Westeuropa können meiner Meinung nach kaum in Betracht gezogen werden. Nur in Osteuropa gibt cs jüdische Massen, in denen große schöpferische Kräfte schlummern, und diese haben recht, wenn sie versuchen, eine Nation auf eigenem Grund und Boden zu bilden. Das verstand ich vor 20 Jahren nicht Seitdem ist viel Wasser ins Meer geflossen. . . . Wunderlich genug, daß, obwohl das Judentum keine reli* giöse Renaissance erlebt hat, sich ein gewaltiger natio* naier Enthusiasmus der Juden bemächtigt hat. Diese Bewegung hat, obgleich ich durch und durch Kosmopolit bin, all meine Sympathie. Sie ist berechtigt, weil sie tiefwurzelnd und natürlich ist. Seit man sich über Palästina als Ziel der jüdischen Kolonisation einig geworden und seit dieser Gedanke von mehreren Regierungen gebilligt worden ist, scheint mir die Zukunft des Zionismus gesichert. . . . Und es ist außer aller Frage, daß die Kolonisation in Palästina eine ungeheure moralische Stütze für alle Juden in der Welt werden wird. Das jüdische Prestige wird bedeutend gestärkt werden und jeder wird sehen können, daß ein großer Teil des jüdischen Volkes mit produktiver Arbeit auf seinem eigenen Boden beschäftigt ist und alle Pflichten erfüllt, die ein unabhängiges nationales Leben einem nationalen Gemeinwesen auferlegt,“ Jerusalem ist seit 6 Tagen vollkommen verschneit. Besonders heftig war das Schneetreiben am 15. Februar. Die Deutsche Kolonie and wir Jerusalem, Anfang Februar. Man weiß, daß es einige deutsche Kolonien (städtische und ländliche! in Palästina gibt. Sie bilden eine Welt für sich und auch mit den deutschen Juden, mit denen sie doch die Sprache einigermaßen verbinden müßte, haben sie wenig Berührung. Dies ist um so bedauerlicher, als sie das einzige christliche Element im Lande sind, hinter dem nicht politische Aspirationen stecken und anderseits die Deutschen, insbesondere in der Landwirtschaft, Lehrmuster für uns abgeben können. Es wurde daher als sehr erfreulich empfunden, als vor über einem Jahre eine Annäherung seitens der deutschen Kolonie in Jerusalem erfolgte. Hier waren von vornherein die Verhältnisse durch die Art der Zusammensetzung des deutschen Konsulates günstig. Herr Kapp, der Leiter des Konsulates, ein Mann von weiter Bildung und einer seltenen Freiheit des Geistes, seine gastfreundliche Gattin, sein Schwager Herr Eckertz, dessen wirken eine besondere Schilderung verdient, sie hatten mit allen jüdischen Kreisen (nicht nur deutschen) enge Fühlung ־— aber sie gehörten nicht eigentlich der deutschen Kolonie an. Nun aber war Herr Dr. Heinrich Lange, ein junger Physiker, gebürtig aus Jerusalem und Angehöriger der Templergemeinae, aus Deutschland, wo er studiert und wissenschaftlich gearbeitet hatte, nach Jerusalem zurückgekehrt und war sofort daran gegangen, einen ״Weg der Verständigung und des Kennenlernens zwischen den deutsehen Kolonien Palästinas und dem Zionismus“ zu suchen, einen Weg, dessen Verfolgung er, nach seinen Worten, sich zur Aufgabe gemacht hatte. Er nahm mit den naturwissenschaftlich Interessierten, die an der Hebräischen Universität wirken, oder ihr nahestehen, Fühlung; er wurde ein Mitglied ihrer Gesellschaft und nahm an ihren Sitzungen und Ver- Sammlungen teil. Er veraniaßte oder beteiligte sich aktiv an Veranstaltungen, die die Juden der deutschen Kolonie und umgekehrt näher bringen konnten: der Vortrag des Generals Schönaich, der in dem Saale der Tempelgemeinde unter starker Beteiligung jüdischen Publikums stattfand; letzthin ein Orgelkonzert des jüdischen Musikers aus Tel-Awtw, Herrn Max Lampel, in ebendemselben Saale unter Mitwirkung des Chores der Tempelgemeinde usw. Um so bedauerlicher ist es, daß wir ihn jetzt scheiden sehen. Er fand kein geeignetes Wirkungsfeld für seine wissenschaftliche Befähigung und mußte eine ihm angetragene Stelle im Kaiser-Wilhelm-Institut für Metallforschung in Düsseldorf akzeptieren. Mußte akzeptieren — denn er geht ungern. Ein«! kleine Abschiedsfeier für ihn im deutschen St. John-Hotel in der Altstadt vereinigte Juden und Mitglieder der deutschen Kolonie und gestaltete sich zu einer Kundgebung des Willens zur Verständigung und Annäherung von beiden Selten. Wir hoffen, ihn recht bald wiederzusehen. Markus Reiner. Deutsche and (fldische Sporfsleate Der M a k k a b i in Tei-Awiw veröffentlicht in der palästinensischen Presse eine Zuschrift, in welcher er mitteilt, daß vor etwa acht Monaten zwei christliche Sportsleute aus Deutschland, Mitglieder eines Arbeiter-Sportvereins, aut ihrer Bootsreise nach Afrika auch Palästina besuchten und vom Makkabi eingeladen wurden, zwei Tage lang als seine Gäste in TeJ-Awiw zu bleiben. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland schrieben die Weltreisenden an den Makkabi folgenden Brief: Fürth in Bayern, 3. 1. 1927. An unsere lieben Freunde vom Makkabi in Tel-Awfw. Nach unserer Rückkehr von unserer Reise ״Ifn Paddelboot nach Afrika“ möchte ich nicht versäumen, Euch meinen und meines Bruders tiefsten Dank für Eure Freundlichkeit auszusprechen. Durch Eure große Freundlichkeit habt Ihr Euch unbewußt unsere größte Achtung erworben, und wir werden in allen unseren Vorträgen in der nächsten Zeit Eure sportliehe und freundschaftliche Beziehung zu uns schildern, und dabei werden wir uns bemühen, Einfluß zu nehmen auf das schlechte Verhältnis, das in unserem Vateriande zu den Juden besteht. Wir werden vor den Augen der Pessimisten durch lebendige Beweise darauf hinweisen können, was jüdischer Geist und jüdische Hände zu schaffen vermögen. Wir hoffen, auch von Euch bafd wieder zu hören und verbleiben mit tiefen! Dank und sportlichem Gruß Gustav Schneider. PeslaloMl-Feiern In Palästina Jerusalem, 15. Februar. (J.T.A.) Für Donnerstag, den 17. Februar, sind in allen hebräischen Schufen Palästina* Gedächtnisfeiern aus Anlaß des hundertjährigen Todestages von Johann Heinrich Pestalozzi abgehalten worden. Daß Lampe! ausschließlich Werke von J. S. Bach zum Inhalt seines Programraes wählte, zeugt von gutem Instinkt und der Verantwortlichkeit für seine Aufgabe, die bedeutendsten Schöpfungen europäischer Musikliteratur dem palästinensischen Publikum zu vermitteln. In Europa sind Bachs Orgelwerke schon längst Gemeingut geworden, für Palästina jedoch bedeuten sie bis heute noch Neuland. Das Programm bestand aus einer Reihe von Präludien, Fugen und Choraivorspielen (u. a. Präludium und Triplefuge Es-Dur, Fantasie CJ-M01I), Formen, die uns im '20. Jahrhundert durch die sich ständig ändernde formale Technik teilweise entfremdet sind, für die Entwicklung der Musik des 18. Jahrhunderts aber die größte Bedeutung haben. Die Einfachheit der Orgel in der Jerusalemer deutschen Kolonie zwang Lampel, das Schwergewicht auf die Wiedergabe der fundamentalen Grundlinien der Werke zu legen und vielleicht deshalb gelang es ihm, die tiefste Wirkung auf das Publikum aüszuüben. Das Konzert, bei welchem auch der deutsche Cjtor der Kolonie mitwirkte, gehört, weil seit vielen Jahren das einzige dieser Art, zu den nachhaltigsten und bedeutsämsten Ereignissen des palästinensischen Musiklebens und stellt Lampel in seinen Vordergrund. Auch äußerlich trug das Konzert ganz den Stempel eines musikalischen Ereignisses. Die gesamte pa'ästinensische Presse besprach es in außerordentlich wohlwollender Weise. Erwähnt sei die Anwesenheit vieler prominenter Persönlichkeifen der jüdischen und englischen Gesellschaft und des deutschen und tschechoslowakischen Generalkonsuls, welcher den Künstler besonders auszeichnefe. A. E. jüdische Musik in Frankfurt. Am 26. v. M. fand im großen Saale des Qesellschaftshauscs des Zoologischen Gartens ein ״Hebräisches Konzert“ statt, das von einer christlichen Direktion veranstaltet war. Der Erfolg des Abends war ein ungewöhnlicher. Hunderte von Leuten konnten wegen UeberfülTung des Saales keinen Einlaß finden und waren erst durch die Zusicherung, daß das Konzert wiederholt würde, zum Abzug zu bewegen. —- Me gesamte Presse war einmütig des Lobes über diese Veranstaltung. Me ״Frankfurter Nachrichten“, m rechtsstehendes Blatt, schreibt; .. Kapellmeister Max Neumann hatte ein Programm zusammengestellt, das neben den auserwähltesten Stücken des Synagogengesanges auch die volkstümliche Seite auf das Glücklichste berücksichtigte; in dein Oberkantor J. Alter aus Hannover hatte er einen Solisten gewonnen, der nicht nur über seltene Stimmittel verfügte, sondern auch durch seine verinnerlichte Vortragsweise eine tiefe Wirkung ausübte. Der geschulte und über prächtiges Stimmatcria! verfügende Synagogenchor der Israelitischen Religionsgesellschat't unter Herrn Neumanns Leitung war ihm dabei ein trefflicher Helfer, verstand es aber auch, in eigenen Dirbietungen seinen musikalischen Hochstand zu beweisen, wobei insbesondere die Soli der Herren Rosenblueth und Bornstein auffielen. Das Orchester selbst hatte sich unter Herrn Neumann feefflich in die ihm doch eigentliche fremde Welt eingelebt, und fand den rechten Schwung in den beiden großen Orchesfernumtnem, der hebräischen Rhapsodie von Lewandoski und der großen Phantasie über hebräische Gesänge von Philinpson. Eine glückliche Ergänzung der fast zu reichen Vortragsfolge bildeten die Cellovorträge des Virtuosen Louis Schuyer, der insbesondere mit Bruchs ״Kol Nidrei“ den rechten Ton traf, und die Violinsoli von Abrascha Schnejder über ״chassidische“ Themen, wobei ihm Max Firnberg, ebenso wie bei den anderen Aufgaben des Abends, ein sicherer und schmiegsamer Begleiter am Kaim-Kantator war. Schließlich sei noch der Solistin an der Harfe, Fri. Rose Stein, gedacht. Die Veranstaltung lehrte, wie dankbar es für das Symphonie- Orchester ist, einem großen Kreis unserer Bevölkerung, der für seine musikalischen Söiiderintercssen sonst keine Möglichkeit der Befriedigung fände, diese zu verschaffen, ferner aber auch, welche Werte in dieser Spezialmusik verborgen sind, die ja nicht allein kirchlicher Natur ist, sondern auch aus allgemein künstlerischen Gesichtspunkten Beachtung verdient.“ Außerdem möchte ich noch besonders hervorheben, daß Herr Max Neumann von dem Südwestdeutsche 11 Rundfunk, hier, aüfgefordert wurde, mit seinen! Chor ein speziell hebräisches Konzert im Rundfunk zu veranstalten, bei dem außer modernen hebräischen Syn3gogengesängen auch jiddische Lieder (Oberkantor J. Alter aus Hannover) zu Gehör gebracht wurden. Eine derartige Veranstaltung dürfte wohl nicht nur in Frankfurt, sondern in ganz Deutschland einzigartig dastehen. Bibliographie der Paiästinallieralnr Nach dem ursprünglichen Plane hätte von der bekannten Bibliographie der Palästinaliteratur, die Prof. Dr. Peter Thomsen (Dresden A. 19, Laubestr. 11 11) herausgibt, bereits 1920 wiederum der gewohnte Fünfjabrband erscheinen müssen. Aber das war nicht möglich, vor allem weil damals die ausländische Literatur nicht beschafft werden konnte. Nachdem sich jetzt die Lage gebessert hat, läßt der Verfasser nun den 4. Band seines Werkes bei J. C. Hinrichs in Leipzig erscheinen, der die gesamte Literatur der Jahre 1913 bis 1924, also Bücher, Karten, Bilder, Zeitschriften, Aufsätze und Rezensionen verzeichnet Eta der Verfasser den größten Teil selbst eingesehen hat konnte er über den Inhalt bis ins Einzelne gehende Bemerkungen machen, so daß jeder Benutzer genau weiß, was das Buch oder der Aufsatz bietet. Alle neuen Vorgänge sind enau verfolgt worden, z. B. die hethitischen Entdeckungen, ie politische Entwicklung im Orient, der Weltkrieg, die Mandate, die Balfour-Erklärung, die englische Verwaltung, die zionistischen Unternehmungen, die Kolonisation. Da fast alle anderen etwa in Betracht kommenden Bibliographien ihr Erscheinen eingestellt haben oder wesentlich im Rückstände sind, ist hier allein in sonst unerreichter Vollständigkeit und Geschlossenheit alles gebucht, was irgendwie Palästina und Syrien betrifft. Wie schon früher (vgl. ״Jüdische Rundschau“ 1916, Nr. 27) bemerkt, wird die Weiterführung der Bibliographie, die jedem Zionisten unentbehrlich sein dürfte, davon abhängen, daß der Verfasser über die neuen Veröffentlichungen von Verlegern und Verfassern in Kenntnis gesetzt wird, am besten durch Einsendung eines Stückes. Das gilt besonders von der Kleinliteratur, die nicht durch die buchhändlerischen Verzeichnisse erfaßt und auf keiner öffentlichen Bibliothek erlangt werden kann. Ebenso wichtig ist cs, daß auch der neue Band genügend Absatz findet, da sonst der Verlag die Fortsetzung, die nun wieder alle fünf Jahre erfolgen soll, aufgeben müßte. Jedenfalls wird sich der neue Band bald als unentbehrliches Hilfsmittel für alle Freunde Palästinas erweisen. ii.; V erlag ״Hazoref“, Hamburg, erschien ״Die Bibel ab Quelle für Folkloristik“ von Dr, Armin £1*0,

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