Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1927)
- Date
- 1927-02-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 82 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 12 solcher Ereignisse für die palästinensische Arbeiterschaft charakteristisch ist. Die von der Arbeitslosigkeit entnervten Menschen sind Provokationen von rechts und links ausgesetzt. Man muß sich nur ihren Seelenzustand vergegenwärtigen, da sie ins Land gekommen sind mit dem festen Willen, Palästina mit ihren Kräften aufzubauen und nun zu Müßiggang und Almosennehmen verurteilt sind. Diesen Menschen ist ein großes Unrecht geschehen und wenn auch das tragische Mißverhältnis von gutem Willen und materiellem Können eine Folge jeder Kolonisation ist, so müßte man doch gerade in den Kreisen, die das nationale Ideal hochhalten, mit möglichstem Verständnis für die Lage verfahren. Ein nationales Gemeinwesen werden wir in Erez-Israel nur mit jüdischer Arbeit bauen. Sie zu schaffen, ist das schwerste menschliche Problem unserer nationalen Regeneration. Darum ist der Chaluz mit Recht im ganzen Volke als die reinste Verkörperung des nationalen Strebens empfunden worden. Alle weiteren Stadien des Aufbaues werden nur m i t der Arbeiterschaft erreicht werden können, nicht gegen sie. Dies hervorzuheben, scheint uns um so notwendiger, als auch wir manchmal an Anschauungen der Arbeiterführer oder an Maßnahmen der Verwaltung der Arbeiterwirtschaft Kritik geübt haben 1— und auch in Zukunft üben werden. Denn heute geht es darum, neue Wege zu finden, die auch für die Arbeiter und für die nationalen Ziele, die ihnen am Herzen liegen, notwendig sind. Eine gewisse Korrektur der bisher herrschenden Auffassung wird dabei unvermeidlich sein. In den Kreisen der Arbeiter hat man seit Jahren immer in großen Ziffern gedacht, und zwar nicht aus sozialistischen, sondern aus nationalen Motiven. Die Arbeiterschaft forderte immer neue Einwanderung arbeitender Elemente, unbekümmert um die Frage, wie Arbeit für diese garantiert werden könne. Diese Forderung zeugt von selbstlosem Idealismus, denn naturgemäß drückte eine solche Einwanderung vor allem auf die Arbeiter selbst. Aber der zweite Teil der Vorstellungsreihe bestand in der Ansicht, daß das jüdische Volk nur durch die Schreie der Arbeitslosen in Palästina bewogen werden könne, entsprechende Kapitalien zur Beschäftigung dieser Menschen ins Land zu bringen. Die Frage des Arbeitgebers wurde einfach damit gelöst, daß man das ״jüdische Volk“ als Arbeitgeber betrachtete. Dabei mögen auch staatskapitalistische Gedanken mitgespielt haben, die unberücksichtigt ließen, daß wir kein Staat sind. Demgemäß wird die Zionistische Organisation als Repräsentantin des Volkes nun von den Arbeitern für die Arbeitsbeschaffung verantwortlich gemacht, und sie fordern von der zionistisehen Exekutive sofortige Maßnahmen, ohne die objektiven Möglichkeiten in voller Nüchternheit abzuwägen. So ist es zu erklären, daß die führende Partei der 'Arbeiterorganisation, die Achduth Awoda, offiziell Be- Schlüsse gefaßt hat, der zionistischen Exekutive ein ״Ultimatum“ zu stellen und für den Fall der Nichterfüllung mit Demonstrationen zu drohen. Der Ausgang der Beratung der Arbeiterorganisation, die sich mit diesen Vorschlägen beschäftigte, ist uns noch nicht bekannt, aber wir zweifeln nicht, daß die besonnenen Eiemente die Oberhand behalten haben. Immerhin sind die erwähnten Vorschläge für die Stimmung charakteristisch. Es ist klar, daß die Exekutive nicht mehr Geld anlegen kann, als sie hat, und die Bemühungen, kleinere Anleihen für den Keren Hajessod zu bekommen, sind nach dem Berichte, den Kaplansky in der Beratung erstattet hat, noch nicht zum Abschluß gelangt. Welche Möglichkeiten bestehen also? Nicht nur die Arbeiterschaft, sondern die ganze zionistische Welt will wissen, wie man sich die Bewältigung des Arbeitsproblemes vorstellt. Denn so schwer auch die Liquidierung der Arbeitslosigkeit ist, so wäre selbst damit noch nicht genug geschehen, denn der Zionismus fordert ja Er- Weiterung und Fortschritt, neue Einwanderung und neue Positionen. Und dazu bedarf es nicht nur einer ständigen Absorption der heute Arbeitslosen, sondern darüber hinaus der Schaffung von Arbeitsquellen für die nachdrängenden Einwanderer, der Eröffnung von Aussichten und Hoffnungen für die Scharen der Chaiuzim, die sich im Galuth für Palästina vorbereiten. Zunächst muß man sagen, was nicht geschehen darf. Mit aller Entschiedenheit muß darauf bestanden werden, daß eine Vermischung von Wirtschaft und sozialer Philanthropie aufhört. Denn durch sie bewirken wir einzig und allein, daß auch für künftige Zeiten keine Fortschritte möglich sind. Die Arbeiterwirtschaften und Arbeiterinstitutionen haben in den ersten Jahren sich einfach als Reservoirs für Arbeitsbeschaffung betrachtet. Sie haben dadurch eine gewaltige nationale 'Aufgabe übernommen und die zionistische Verwaltung entlastet, aber sie haben dadurch auch verhindert, daß sie selbst auf eine gesunde ökonomische Bahn kamen. Wenn jetzt wieder propagiert wird, die arbeits- und brotlosen Chawerim in die Arbeiterwirtschaften aufzunehmen, so muß diesem aus edelstem, menschlichen Empfinden geborenen Vorschlag entgegen getreten werden. Der einzige Weg zur definitiven Lösung des Arbeitslosen- Problems ist die Erzielung reiner Wirtschaftlichkeit, die es möglich macht, durch Aufwand entsprechenden Kapitals immer wieder Menschen auf wirtschaftlich rationelle Weise zu beschäftigen und zu ernähren. Je länger man die Erreichung dieses Zustandes bei den Arbeiterwirt־ schäften hinausschiebt, desto mehr verlängert man die Krise. Jedenfalls darf der Weg dazu nicht verbaut werden. Dies wäre ein noch größerer Schade als die Arbeitslosigkeit selbst. Welche Aussichten für Arbeiten gegenwärtig bestehen, wurde in der Beratung der Arbeiterorganisation, über die wir berichten, dargelegt Als Arbeitgeber kommen in Betracht: Die Regierung, die bisher noch kein Verständnis für die Tatsache bewiesen hat, daß die Arbeitslosigkeit ein notwendiger Teil desselben Phänomens ist, das die Kassen der Regierung im Jahre 1925 gefüllt hat. Eine großzügige Hilfsaktion der Regierung wäre dem ganzen Lande zugute gekommen, denn es hätte sich gezeigt, daß durch eine Beruhigung der Atmosphäre die Voraussetzungen für die Einwanderung von Kapital, von dem die Regierung profitiert, geschaffen worden wären. [Me zionistische Exekutive hat fortgesetzt mit der Regierung verhandelt und diese hat schließlich gewisse Arbeiten an jüdische Arbeiter vergeben, so zuletzt die Straße Jaffa—Petach Tikwah, bei der der Keren Hajessod die Mehrkosten der jüdischen Arbeit tragen muß. Als große Regierungsarbeit kommt der Hafenbau in Haifa in Betracht, dessen Beginn aber, wie es scheint, immer wieder verzögert wird. Auch sonst bestehen noch mehrere Straßenprojekte, über die verhandelt wird. Der zweite Arbeitgeber ist der Keren Hajessod, der eine Reihe von notwendigen Arbeiten in seinen Sied- Iungen durchführen könnte, wenn er das Geld hätte. Drittens rechnet man mit dem Beginn des Ruthcnberg- Werkes, das einige hundert Arbeiter beschäftigen soll. Und schließlich bleibt der private Arbeitsmarkt, eine Belebung der Baubewegung durch Hypotheken, eine Förderung der jüdischen Arbeit in den Kolonien, die freilich von seiten mancher Kolonisten als nicht mehr erweiterungsfähig bezeichnet wird, ferner die Pläne der Anlage neuer Pflanzungen, die an Privatleute abgegeben werden sollen. Aber wenn man alle diese Arbeitsmögüchkeiten berücksichtigt, so werden doch kaum mehr als vier- bis fünftausend Arbeiter dabei beschäftigt sein können. Was gedenkt man mit den restlichen Arbeitslosen zu tun? Eine permanente Auszahlung von Unterstützungen ist unmöglich aus budgetären, aber auch aus moralischen Gründen. Weder von seiten der Arbeiterorganisation, die begreiflicherweise immer nur an die Behebung des drückendsten momentanen Notstandes denkt, noch von seiten der zionistischen Exekutive, ist bisher eine Aeußerung darüber erfolgt, wie man sich die Fortsetzung der Arbeit und die dauernde Seßhaftmachung der heute im Lande befindlichen Menschen vorstellt Diese Frage ist aber nicht zu umgehen. Man kann nicht vor ihr die Augen verschließen. Die Exekutive kann nicht vor den Kongreß kommen, ohne ein klares Programm der Liquidierung der Arbeitslosigkeit, der Seßhaftmachung der heute im Lande befindlichen Menschen, der Fortführung und Erweiterung des Aufbauwerkes. Das Problem der Erleichterung der momentanen Situation ist mit dem ProWera des Aufbauwerkes als Ganzem enger verknüpft als scheinen mag. Denn selbst wenn man die letzten finanziellen Möglichkeiten aus• schöpft, um paar tausend Menschen für einige Zeit Arbeit zu verschaffen, wird man, ehe man sichs versieht, nach Beendigung dieser Notstandsarbeiten vor dem gleichen Problem stehen. Es ist also kein Anlaß zu ״Ultimaten“. Vielmehr müßte von allen Beteiligten die Situation im Bewußtsein der Solidarität unter Berücksichtigung der Tat- Sachen erwogen werden, damit man erkennt, welche einschneidenden Maßnahmen und welche Aenderung der Methoden notwendig ist, um die heutige Stagnation zu überwinden und in absehbarer Zeit wieder die Freiheit des Handelns im Aufbauwerke zu finden. Daran ist die Arbeiterschaft ebenso interessiert wie die übrige zionistische Welt, und daher wäre es der größte Fehler der Arbeiter, wenn sie den Versuch, zu weiteren Ausblicken zu gelangen, als einen Akt der. Feindseligkeit deuten würde. R. W. Felix Warbarg in Palästina Die P. C.-Korrespondenz (Jerusalem) berichtet über den Verlauf der Sitzung der zionistischen Exekutive, an der Felix War bürg teilnahm, u. a.: Herr Warburg sagte über die Frage der Erweiterung der Agency: ״Ich denke, daß die Agency jetzt ihrer Vollendung bedeutend näher ist. Es war eine schwere Aufgabe, und Sie können nicht genug die Geduld, den Takt und die Mühe Dr. Weizmanns cinschätzen. Er kam in eine stürmische See, in der Piloten mit geringerer Erfahrung den Kurs verloren hatten, und es ist Ihm gelungen, die verseliiedenen Parteien zusammenzubringen. Er wird Einen nach seiner Rückkehr erzählen, wer ihm behilflich gewesen ist: — jeder wünscht in diesem Moment zu helfen. Wir wollen hoffen, daß die Dinge in diesem Zustand bleiben.“ Ucber die Kommission sagte Herr Warburg: ,,Die Kommission muß konstruktiver und nicht kritischer Natur sein. Die Mitglieder der Kommission müssen mit dem Gefühl kommen, daß Palästina aufgebaut werden muß, und daß sie ein Programm für die nächsten zehn ah re ausarbeiten müssen, welches den Aufbau alästinas sicherstellt ohne Rücksicht auf irgendwelche Wechselfälle.“ Hier betonte Herr Warburg die Tatsache, daß es überaus schwer sei, aus der Entfernung zu entscheiden, was richtig und was falsch sei, denn er und seine Freunde seien weit weg, und aus der Entfernung schaue ״eine Unternehmung so aus wie die andere“. ״Wir wissen nur, daß manche Unternehmungen in einem Kolonialland fehlschlagen müssen. Sie haben deshalb recht getan, Ihre Büros in Jerusalem zu konzentrieren . . .“ Schließlich gab Herr Warburg der Hoffnung Ausdruck, daß man der Kommission, die nach Palästina kommen werde, eine freundliche Aufnahme bereiten und ihr die volle Gelegenheit geben werde, die Situation zu studieren. ״Zum Abschied meine besten wünsche“ schloß Herr Warburg. ״Ich bin mit meiner Sympathie bei Ihrer Aufbauarbeit. Nach meinem kurzen Aufenthalt im Lande möchte ich nichts kritisieren; ich hoffe nur, daß meine Bemühungen, Dr. Weizmann zu helfen, zu einer konstruktiven und gesunden Untersuchung führen werden, die helfen und nicht zerstören, die aufbauen und Nutzen stiften wird.“ Keren Hajessod *Empfang beim englischen Gesandten Col. Wedgwood in Wien Unter massenhafter Beteiligung wurde am 5. d. M. In Wien eine Konferenz der Keren Hajessod-Mitarbeiter, der zionistischen Männer und Frauen abgehaiten, die sich für die drei Wochen dauernde Werbeaktion des Keren Hajessod gemeldet haben. Oberrabbiner Dr. Chajes eröffnete die Konferenz und begrüßte Colonel Wedgwood, der nach Wien gekommen ist, um die Aktion zu unterstützen. Wedgwood hielt eine längere Ansprache, in der er ausführte, es sei eine heilige Aufgabe, von Juden Geld für Palästina zu verlangen, denn dieses Geld soll die Möglichkeit schaffen, ein neues Leben aufzubauen. Nach einer Ansprache von Dr. N. M. Gelber schloß die Kundgebung. Zu Ehren Wedgwoods und der österreichischen 7.16nistischen Organisation veranstaltete der Wiener englische Gesandte, Viscount C h e Is t on , einen Empfang, zu dem zahlreiche führende Mitglieder der Wiener jüdischen Gesellschaft geladen waren. Der italienische Gesandte Bord 0 n a r o und Ministerialrat Glas in Vertretung des österrerhischen Ministeriums des Aeußern waren ebenfalls erschienen. Man bemerkte ferner die Chefs des Wiener Rothschüd-Hauses, Louis und Alfons Rothschild, Ritter v. Gut mann, die Angehörigen des Hauses Efrussi, sowie etwa 40 weitere Vertreter der Hochfinanz und der Oeffentli. hkeit. Viscount Chelston begrüßte die Erschienenen und ersuchte Colonel Wedgwood, den Anwesenden die Be* deutung des jüdischen Aufbaus in Palästina darzulegen. Wedgwood schilderte in einer großangelegten Rede das Aufbauwerk in Palästina, das nicht etwa eine Zufluchtsstätte für Flüchtlinge, sondern eine Heimstätte für das jüdische Volk sein soll. Nichts sei ungerechter und falscher als die Behauptung, die Araber würden verdrängt. Im Gegenteil, durch die Leistungen der jüdischen Kolonisation wird die wirtschaftliche Lage der Fellachen von Tag zu Tag besser. Bisher waren es die ärmeren Schichten des Judentums, die ihren Enthusiasmus bewiesen: er möchte deshalb in diesem gastfreien Haus des englischen Gesandten sagen, daß es bereits die höchste Zeit sei, daß auch die reichen Juden dieses Werk unterstützen. Auf Ersuchen des englischen Gesandten sprach noch Oberrabbiner Dr. Chajes, der dein Dank der Wiener Judenschaft an das englische Volk für die Förderung des Belreitingswerks des Judentums Ausdruck gab. — Viscount Cheiston sprach beiden Rednern den Dank aus und sa^te, er hege die stärksten Sympathien für die ziomstische Bewegung und glaube felsenfest an die Verwirklichung ihrer Ideale. — Der Präsident der Zionistischen Organisation Oesterreichs, Dr. Leo Goldhammer, überreichte dem Gesandten das Diplom über seine Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds. * Colonel Wedgwood besuchte auch Baron Alfons Rothschild, dem er ein Schreiben von James de Rothschild in London überbrachte. Wedgwood schilderte Baron Rothschild die starken Eindrücke, die er vom jüdisehen Aufbauwerk in Palästina empfangen hat. Wedgwood hatte auch eine längere Konferenz mit dem österreichischen sozialdemokratischen Führer Dr. Otto Bauer und mit dem Bürgermeister von Wien, Seitz. Colonel Wedgwood informierte seine sozialistischen Parteigenossen über das Palästinawerk und legte der österreichischen Sozialdemokr'Fe eine mehr freundliche Stellung zum Zionismus nahe. Die J'“' Aufbauwerk in Palästina; einzig die österreichische Sozialdemokratie halte noch an ihrer negativen, oft feindseligen Stellung zum Zionismus fest. Zwei Fehler Das Organ des Keren Kajemeth-Haoptbüros In Jerusalem ״Unser Fonds“ schreibt über die Auseinandersetzung mit den Rückwanderern der Vierten Alijah folgende beachtenswerte Zeilen: ״Zwei Fehler, scheint uns, werden gemacht. Der eine ist die Diffamierung der Rückwanderer. Das sinnlose Geschrei über das Versagen der sogenannten vierten Alijah, der man nachträglich alles Schlechte andichtet, muß naturgemäß die stärkste Reaktion bei denen hervorrufen, die von dem Versagen der vierten Alijah am meisten betroffen wurden, nämlich denen, die mit der vierten Alijah nach Erez- Israel gingen und jetzt mit ihr zurückkehren . . . Diese Menschen sind nach Erez-Israel gegangen mit richtigen oder falschen Vorstellungen vom Lande. Sie haben — nian kann sagen, was man wolle — Opfer gebracht und diese Opfer sind irgendwie Erez-Israel zugute gekommen. Sie mögen falsch gehandelt haben, aber es steht noch nicht lest, daß all das richtig ist, was ihre Kritiker tun. Wir haben kein Recht, über die Rückwanderer herzufallen. W'ir haben die Pflicht, sie die Leiden vergessen zu machen, die sie in Erez- Israel erlitten haben; haben die Aufgabe, sie wieder einzu- . zu konzentrieren, die von den Fehlern beeinflußt sind, die sie gemacht haben. Nichts Sinnloseres, als sie zu einem Verzweiflungskampf um ihre moralische Existenz zu reizen, der sich naturgemäß in Uebcrtreibungen und in Verwtinschlingen gegen die äußern muß, denen sie mit Recht oder Unrecht ihr Unglück zuschreiben. Ein zweiter Fehler wird gemacht. Sicher ist die Kritik der Rückwanderer maßlos übertrieben, in vielem unverantwortlich gehässig, so wie es bei Unglücklichen der Fall zu sein pflegt, die mit ihrem Geschick hadern. Wir sollen diesen Uebertreibimgen entgegentreten, aber wir sollen nicht glauben, daß damit alles m Ordnung ist. Gewiß wurden und werden Fehler in Erez- Israel gemacht. Und manches von dem, was die Rück- Wanderer erzählen, sollte uns nicht nur Anlaß zur Polemik, sondern auch zum Nachdenken bieten. Es wäre eine beispiellose Erscheinung, wenn ein so großes Werk wie der Aufbau eines Landes, vollführt mit so bescheidenen Mitteln, wie sie uns zur Verfügung stehen, und von Kräften, die so wenig auf diese Aufgabe vorbereitet sind, ohne schwere Fehler vor sich ginge. Blättert in der Kolonisationsgeschlchte der Völker nach! Fragt die Franzosen, welche Fehler gemacht wurden, als sie Algier kolonisierten, das heute eine blühende Kolonie ist. Fragt die Amerikaner, welche Summen bei der Kolonisation von Kalifornien ver geudet wurden, eine Epoche, die erst 30 und 20 Jahre zurückliegt. Fehler sind nicht schlimm. Schlimm wäre nur, wenn wir aus den Fehlern nichts lernten Uns allerdings scheint die Zeit gekommen zu sein, in der wir ernsthaft beginnen müssen, aus den Fehlern zu lernen, die wir machen mußten. Wenn sich dieser Aufgabe alle mit Ernst und Verantwortlichkeit widmen, auf die Gefahr hin, daß manche noch so lieb gewordene Ideologie in die Brüche geht, daß für manche noch so vertraute Persönlichkeit kein Platz mehr ist, daun haben wir keine Kritik zu fürchten, selbst nicht die übertriebene und gehässige. Auf dieser Grundlage kann die Propaganda, kann insbesondere die Propaganda für Keren Kajemeth ihres Erfolges sicher sein.“