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Jüdische Rundschau · 1927-02-04 · Heft 10 (4.2.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 10 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 08 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.!0 Zionismus und Siaatsbürgcrium Ein Brief des Staatssekretärs Dr. Pünder Di« ״Jüdisch-liberale Zeitung“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 28. d. M. in einem ״Freunde des Zionismus?“ Uberschriebenen Aufsatz Bruchstücke aus mehreren Zuschriften, die die liberale Vereinigung als Ant- ־wort auf ein Zirkularschreiben an die Mitglieder des Pro Paiästina-Comitds erhalten hat. Dabei wird auch ein Stück aus dem Brief des Staatssekretärs der Reichskanzlei, Herrn Dr. Pünder, wiedergegeben. Da diese Wiedergabe unvollständig ist, haben wir Herrn Dr. Pünder um die Erlaubnis gebeten, seinen Brief im vollen Wortlaut zu publizieren. Mit Zustimmung des Schreibers veröffentlichen wir nachstehend den Text dieses Dokumentes, das als Stellungnähme eines hohen Staatsbeamten zum Problem ״Staatsbürgertu m und Zionismus“ von grösstem Interesse ist. Dr. Pünder schreibt an die ״Liberale Vereinigung“: Berlin, den 30. Dezember 19*6. Sehr geehrte Herren' Ich danke Ihnen verbindlichst für Ihre gefällige Zuschrift vom 24. d. M. Ich habe von den Ausführungen Ihres geschätzten Schreibens sowie von dem beigefügten Leitartikel der jüdisch-liberalen Zeitung mit ganz besonderem Interesse Kenntnis genommen. Es war der Reichsregierung natürlich bekannt, dass nicht alle jüdischen Kreise hinter den Be- Strebungen des ״Pro Palästina“-Comitds stünden. Wenn sie trotzdem durch einige Vertreter ihre Sympathie für die Be- Strebungen des ״Pro Palästina“-Comite’s ausgesprochen hat, so glaubte sie hierzu durchaus berechtigt zu sein. Ich persönlich weiss mich völlig frei von den Gedankeng&ngen des Antisemitismus und kann daher für mich erklären, dass ich den meines Erachtens sehr idealen und politisch einwandfreien Bestrebungen auf Schaffung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina keineswegs deshalb diene, um das Judentum aus dem deutschen Volkskörper auszumerzen. Im Gegenteil unterstütze ich mit ebenso fester Ueberzeugung alle Bestrebungen, die darauf hingehen, dem Judentum in Deutschland zu voller Gleichberechtigung zu verhelfen. Ich sehe auch nicht, inwiefern die Schaffung von Heimstätten für das jüdische Volk in Palästina eine gegen das Deutschtum gerichtete Angelegenheit sein soll. Mir will scheinen, dass z. B. die Deutsch-Amerikaner in den Vereinigten Staaten, wenngleich sie Uber Generationen hinweg die Liebe zu ihrer alten deutschen Heimat im Herzen traeen, durchaus geachtete nordamerikanische Staatsbürger sind und wohl nur un* gern von ihren übrigen amerikanischen Landsleuten entbehrt• werden würden. Ich möchte gerade umgekehrt, wie in dem von Ihnen liebenswürdigerweise beigefüeten Zeitungsartikel erwähnt ist, der Meinung sein, dass durch die Siedlungsbestrebungen auf dem alten palästinensischen Kulturboden altes Unrecht am jüdischen Volk wieder gutgemacht wird. Nicht zuletzt durch die Drangsalierungen des Judentums im Mittelalter, seine zwangsweise Abwendung vom Lande und die Zusammenpferchung in erbärmlichen Stadtvierteln usw. ist meines Erachtens die gegenwärtige falsche soziale Schichtung des Judentums, die es ganz einseitig von der Scholle und dem Handwerk weg dem Handel zugeführt bat, furückzu führen. Sollten durch die Siedlungbestrebungen in Palästina fm Judentum wieder die Liebe zur eigenen Scholle und Handarbeit eine Pflanzstätte finden, so wäre dies ein Zieh dem man meines Erachtens rückhaltlos Erfüllung wünschen könnte. Ich sage Ihnen, sehr geehrte Herren, mit diesen meinen Ausführungen wahrscheinlich nichts Neues. Nur lag mir daran, auch Ihnen gegenüber klarzustellen, von welchen Gedankengängen aus jedenfalls ich mich beim Eintritt in das ״Pro Palastina“-Comitd habe leiten lassen. Es kann natürlich nicht meine Aufabe sein, mich über die Erfolgsmöglichkeiten dieser idealen Bestrebungen in Prophezeiungen einzulassen. Jedenfalls geht mein Wunsch dahin, dass sie in Erfüllung gehen möchten. Schliesslich stelle ich Ihnen gern anheim, von meinen Ausführungen jeden Ihnen erwünschten Gebrauch zu machen. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung sehr ergebenst gez. Dr. Pünder. An die Vereinigung für das liberale Judentum E. V. Berlin SW 48, Wilhelmstrasse 147. Jüdische Ehrung Iflr Lord Reading London. 30. Januar (j. T. A.) Die im Jahre ISO! gegründete Gesellschaft ״Maccabäer“. eine Vereinigung jüdischer Gelehrter und Künstler, gab zu Ehren des Marquis v. Ree* ding, früheren Vizekönigs von Indien, ein Festdiner. Den Vor- *itz führte Sir Herbert Samuel, der in seinem Eröffnungs-Toasfe den wunderbaren Lebenslauf von Marquis Reading schilderte. Der Marquis, sagte er, habe sich vom armen jüdischen Schiffsjungen zum Lord Oberrichter von England und dann zum Vizekönig von Indien aufgeschwungen. Weit entfernt davon, sich zur Ruhe zu setzen, hat Marquis Reading die Führung in mancherlei wichtigen Dingen übernommen, er (Sir Herbert Samuel) freue sich am meisten darüber, daß der Marquis die Präsidentenschaft der Palest ine Electrical Corporation angenommen hat. Sie haben sich, fuhr Sir Herbert fort, an diesem Abend versammelt, um Marquis Reading zu allen seinen bedeutenden .Werken zu gratulieren. Sie sind ihm in besonderem Malle dankbar, daß er durch seine großen Verdienste um England indirekt dem Volke, dem er entstammt, Ehre und Ansehen eingebracht hat Groß und ausgedehnt waren seine Aufgaben in Indien. Aber räumliche Größe ist doch nicht alles. Da ist ein kleines Land in Westasien, welches nicht ohne Distinktion ist Hier aber sei nicht die Gelegenheit, eine Parallele zwischen der Größe Palästinas und der Indiens zu ziehen. Lord Reading hatte die Aufgabe, den allmählichen Fortschritt der politischen Freiheit in Indien zu fördern und hat dabei hervorragende staatsmännische Eigenschäften bewiesen. In seiner Erwiderung führte Marquis v. Reading aus, er fühle sich an diesem Abend versucht, die Laufbahn des Vorsitzenden, Sir Herbert Samuel, zu schildern, er müsse sich dies aber versagen, um nicht in das Gehege anderer zu kommen. Das eine aber wolle er ausdrücken: Wenn je ein Angehöriger eines Volkes durch seine allgemeinen Tat n seiner engeren Gemeinschaft Ehre und Achtung eingebrackt hat, so wir cs Sir Herbert Samuel, Sie waren Kollegen im Parlament in'• l in Kabinett, und als Sir Herbert Samuel nach Palästina als Oberkommissar ging, wußte er (Lord Reading), daß dieses Land Gerechtigkeit und staatsmännische Führung nicht entbehren werde. Die Berliner Repräsentantenwalilen Die Zurückweisung der Proteste. Das Hamburger ״Israelitische Familienblatt“ vom 3. Febr. schreibt in der Nummer vom 3. Februar offenbar auf Grund verläßlicher Informationen u. a.: Wie nunmehr endgültig feststeht, sind die gegen die Wahlen vom 16. Mai eingelegten Proteste vom Kultusministerium als dem zuständigen Ministerium zurückgcwiesen worden. Die Aufsichtsbehörde wünscht lediglich eine Nachprüfung des Wahlresultates in bezug aut die von den protestierenden Parteien behaupteten Wahlverstöße. Nach Lage der Dinge ist nicht anzunehmen, daß es den Erhebern der Proteste möglich sein wird, die vom Ministerium erforderten Nachweise über die Teilnahme von nichtwahlberechtigten Gemeindemitgliedern an der Wahl zu erbringen. Aufgabe der Gemeindeverwaltung wird es noch sein, gemäß dem Entscheide der Regierung eine Nach- Prüfung der für ungültig erklärten Stimmen vorzunehmen. Ins Gewicht fallende Veränderungen können sich dabei kaum ergeben, insbesondere ist nicht anzunehmen, daß die liberale Partei bei diesem Verfahren das ihr zur Mehrheit fehlende elfte Mandat gewinnen kann. Um dies zu ermögliehen, müßten den Liberalen noch mehr als dreihundert Stimmen zugezählt werden, was angesichts der ganzen Sachläge vollkommen ausgeschlossen ist. Wann die neue Repräsentantenversammlung mit ihren Beratungen beginnen kann, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen. Da aber der Regierung bekannt ist, welchen entscheidenden Wert die Gemeinde auf eine rasche Erledigung legt, ist mit einer Beschleunigung in den Aemtern unter allen Umständen zu rechnen. In manchen Kreisen ist angenommen worden, daß die Entscheidung über die Wahlproteste vom Ministerium des Innern getroffen wird. Wir haben schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, daß dies ein Irrtum ist, daß vielmehr nach der Geschäftsverteilung des Staatsministeriums das Votum vom Ministerium für Kunst.Wissen* schalt und Volksbildung zu fällen ist: Kultus* minister Prof. Dr. Becker tragt also für die staatliche Entscheidung formell die Verantwortung. Die Juden ln Sowjet-Rußland In den letzten Tagen berichteten Dr. Singalowski und Dr. PauJ Nathan in Versammlungen über die von ihnen anläßlich des Besuches in Sowjet-Rußland gemachten Erfahrungen. Dr. Singalowski sprach in einer vom ״ORT“ veranstalteten Versammlung und Dr. Paul Nathan in einer Veranstaltung der ״Gesellschaft der Freunde des Neuen Rußland‘‘. Beide Herren schilderten den Entwicklungsgang der russischen Judenheit, die vollständige Zerrüttung der jüdisehen Wirtschaft in den Städten und Städtchen des ehemaligen Ansiedlungsrayons und berichteten von den durch die Sowjet-Regierung geförderten Bestrebungen, dem elementar aufgetretenen jüdischen Bedürfnis nach Berufsumschichtung weitgehend zu genügen. Am stärksten macht sich die Förderung der russischen Regierungsstellen bei der Ueberführung von Juden zur Landwirtschaft geltend. Die in Südrußland — Ukraine, Krim, Cherson, Kriworog — entstehenden jüdischen Siedlungen sind der einzige Hoffnungsschimmer für eine Besserung der Lage, ln den jüdischen Städtchen aber drängen sich noch Hunderttausende berufs- und existenzlose Juden, deren Produktivterung ein äußerst schwieriges, wenn nicht aussichtsioses Problem darstellt Aus dem Berichte Dr. Paul Nathans erfuhr man, daß während der deutschen Okkupation bei den deutschen Militärbehörden folgender Plan bestanden hätte: Als die Lebensmittel in den besetzten Ostgebieten knapp wurden, beabsichtigte man, die Judenschaft dieser Gebiete auf Schiffe zu setzen, und diese Schiffe in Richtung Amerika schwimmen zu lassen. Nur dank dem Eingreiten führender deutscher Juden, unter ihnen auch Dr. Paul Nathans, ist dieser Schrekkensplan nicht zur Durchführung gelangt. Dr. Paul Nathan und Dr. Singalowski appellierten in ihren Berichten an die Juden ln Deutschland, aie jüdische Kolonisation in Sowjet-Rußland materiell und moralisch zu fördern. Am 1. Februar veranstaltete das Zentralkomitee des ORT im Hotel Kaiserhof einen Pressetee, auf welchem Dr. Singalowski eine ausführliche Schilderung des Kolonisations- Werkes ln den südlichen Gebieten der Sowjet-Union gab. U. a. teilte Dr. Singalowski mit, daß der Plan bestehe^ im Jahre 1927 7000 Familien in der südlichen Ukraine und in der Krim anzusiedeln. Im Verlaufe der letzten 21/2 Jahre sind — so sagte er — insgesamt 12000 Familien auf 180000 ha angeskaelt worden. Ke Gesamtkosten der bisherigen Koloni־ sationstätigkeit beliefen sich auf 9 Millionen Rubel. 2 Mill. brachten aie Siedler selbst auf, 3 Millionen Rubel wurden vom Staate in Form von Krediten beigestellt und den Rest der Summe stellten die jüdischen Organisationen mit dem Agro- Joint an der Spitze bei. Gemeinden and Scholen ln Polen Warschau , 30. Januar. (J. T. A.) Der neu ernannte Unterrichtsminister, Dr. Dobrucki, empfing die Vertreter der jüdischen Presse und sprach sich ihnen gegenüber über die Beziehung der Regierung zu den jüdischen nationalen, religiösen und kulturellen Forderungen aus. Der Minister betonte, er werde die liberale Politik seines Vorgängers, des Vizepräsidenten Bartel, fortsetzen und die jüdischen Forderungen allmählich erfüllen. Es soll eine normale einheitliche und demokratische Organisation der jüdischen Gemeinden ganz Polens geschaffen werden. Er habe in einer Verordnung die Bestimmungen des Pilsudski-Dekrets wegen der Organisation jüdischer Gemeinden in den Ost gebiet e n erweitert und auch auf Galizien ausgedehnt. Inzwischen werden die jüdischen Gemeinden ihren rein religiösen Charakter beibehalten. Die Regierung beabsichtigt, einen Obersten religiösen Rat zu schaffen, der alle jüdischen Gemeinden der Republik repräsentieren soll und dem jene Funktionen obliegen sollen, die die einzelnen Gemeinden nicht ausüben können. Betreffs des jüdischen Schulwesens erklärte der Minister, daß die Regierung die jüdischen Schulen mit polnischer Unterrichtssprache ohne jeden Rückhalt subventionieren wird. Aber auch die Schulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtsspräche werden entsprechend den Vorschriften über die Schulen der nationalen Minderheiten subventioniert werden. Er, der Minister, werde keinen Anstand nehmen, den Mittelschulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache, insofern sie den Anforderungen entsprechen, das Oeffentlichkeitsrecht zu verleihen, wie ja schon das Wilnaer hebräische Lehrerseminar das Oeffentli hkeitsrecht hat. Dort werden die Abschlußprüfungen in hebräischer Sprache gemacht. Gleiche Rechte wird auch das jiddische Lehrerseminar erhalten. Bei der Tagung der Budgetkommission des Senats hielt der Unterrichtsminister Dobrucki eine längere Rede, die in der Hauptsache dem jüdischen Schulwesen gewidmet war. Die Regierung, erklärte er, befasse sich jetzt mit dem System der Kontrolle der jüdischen Schulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache. Es bestehen noch Schwierigkeiten, weil die Inspektoren noch nicht genug jiddisch und hebräisch verstehen. Die Regierung wolle sich in das innere Leben der jüdischen Schulen nicht einmischen, müsse aber fordern, daß das Lehrprogramm dieser Schulen dem Lehrprogramm der Staatsschulen angepaßt werde. Die Regierung wolle das Maß der jüdischen Unterrichtsfächer nicht begrenzen, fordere aber, daß die jüdischen Kinder in den allgemeinen Unterrichtsfächern nach Vorschrift unterrichtet und physisch nicht sehr überlastet werden. Bezüglich des Numerus clausus führte Minister Dobrucki aus, daß der Re• gierung im Hinblick auf die Autonomie der Universitäten oft die Handhabe fehlt, einzugreifen. Die Regierung erwäge aber Maßnahmen, die einen engeren Kontakt zwischen Regierung und Universitäten und einen unmittelbaren Einfluß auf die Administration der Hochschulen bewirken werden. In derselben Sitzung beantragte Senator Rabbiner Rubinstein eine Erhöhung der Position für jüdische Religion von 185 000 Zloty auf 585000 Zloty. Schließung des anatomischen Instituts Ln Kowno Kowno, 31. Januar. (J. T. A.) Da die Aus schreitun gen gegen die jüdischen Studenten im anatonischen Institut andauerten, verfügte die Universitätsleitung die Schließung des Instituts una drohte für den Fall der Fortdauer der Attacken gegen die jüdische Studentenschaft die Schließung der meduasiscHea Fakultät ad. Der Leiter des anatomischen Instituts, Prof. Szilinsky, erklärte, eine Untersuchung hätte festgestellt, daß die jüdischen Studenten bis jetzt gar nicht dazu gekommen sind, an Leichen von Christen Sektionsübungen 231 machen. Die von der faszistischen Studentenschaft verursachten Exzesse seien bloß Provokation, geleitet von jener geheimen Hand, die daran interessiert ist, die litauische Universität in der Welt zu kompromittieren. Der Universitätssenat habe beschlossen, gegen die Schuldigen an den antisemitischen Ausschreitungen mit strengen Strafen vorzugehen. SfidalrUmnische jüdische Studenten in Wien Ucber den Besuch der gegenwärtig in Deutschland weilenden 50 südafrikanischen Studenten wird aus Wien berichtet: Der Führer der Delegation, Samuel Nell, sowie 16 Mitglieder derselben, sind Juden. Die jüdischen Gäste besuchten das Grab Theodor Herzls auf dem Döb- Enger Friedhof. Am 26. Januar, abends, waren sie Gäste des jüdischen Hochschulausschusses. Die ״Wiener Morgenzeitung“ bemerkt, daß knapp vor dem Besuch der Gäste in der Universität, wo sie durch das berüchtigte hakenkreuzlerische Kulturamt empfangen wurden, die judenbetzerischen Anschläge mit dem Hepp Hepp- und dem Köterrassen-Lied entfernt wurden. Die Studenten sind inzwischen in Berlin eingetroffen. Am 3. d. M. waren sie Gäste bei einem zu ihren Ehren im Zionistischen Büro, Meinekestraße 10, veranstalteten Tee. Die Reform des Oscber in Palästina Jerusalem, 30. Januar. (J.T.A.) Der Bericht der Kommission zur Reform des Oscher liegt nun vor. Es handelt sich noch nicht um eine Abschaffung des Zehent, sondern bloß um eine Reform. Eine Abschaffung dieser unzeitgemäßen Steuer kommt erst in Betracht, wenn der Vermessungsplan beendet sein wird; das Zehent-System wird dann durch eine Landwirtschaftssteuer modernerer Art ersetzt werden. Die Vermessungsarbeiten und die Anlage eines modernen Landkatasters werden aber ungefähr 10 Jahre in Anspruch nehmen. Die jetzige Reform bezweckt eine vorläufige Regelung in der Art, daß der unter dav gegenwärtigen Umständen unvermeidlichen Willkür und übermäßigen Schärfe entgegengewirkt werde. Gegenwärtig ist der Verkauf der Ernte verboten, bis nicht die Regierungsinspektoren ihren Wert geschätzt, eventuell einen Verkaufspreis festgesetzt haben. Es kann Vorkommen, daß inzwischen ein Teil der Ernte dem Verderben anheimfällt. An die Stelle des gegenwärtigen Systems, das auf Grund des ottornanischen Gesetzes von 1889 bis 1891 besteht, soll nun eine feste Schätzung Platz greifen auf der Grundlage der durchschnittliehen Produktion der letzten sechs Jahre. Das Ncnjahrsicsl der Bäume in Palästina Das Neujahrsfest der Bäume wurde in Palästina mit der üblichen Feierlichkeit durch Pflanzung junger Bäume begangen. Die Kinder von Tel-Awiw marschierten mit Fahnen und Gesang durch die Straßen zu den Plätzen, auf denen sich in Zukunft ihre Schulgebäude erheben sollen, und pflanzten dort Bäume. Die Kinder aus den Kindergärten folgten dem Zuge in mit grünem Laubwerk geschmückten Automobilen. In Jerusalem fand eine ähnliche Feier statt. Die Baum- Pflanzung erfolgte Ln dem neuen Kirjath Mosche-Stadtviertd von Jerusalem, welches auf halbem Wege zwischen der Stadt und Befb Hakerem liegt. Risch hei Ponsot Jerusalem, 31. Januar. (Ziko.) Der Vorsitzende der Zionistischen Palästina-Exekutive, Col. Kisch, hatte mit dem französischen Oberkommissar für Syrien, Ponsot, der zu kurzem Besuch in Jerusalem weilte und den Col. Kisch noch aus der Zeit des Plebiszits in Oberschlesien kennt, eine Unterredung. Ponsot gab seinen Sympathien und seiner Bewuoderung für aas jüdische Aufbauwerk in Pa- I ä s t i n a Ausdruck und erklärte, er habe von den jüdischen Siedlungen, die er unterwegs gesehen habe, einen starken Eindruck empfangen. Er hoffe, bei seinem nächsten Besuch Zeit und Gelegenheit zu finden, das jüdische Aufbauwerk näher besichtigen zu können. Kleine Nachrichten Im Dezember 1926 sind in Palästina 513 Personen ein gewandert Gleichzeitig wanderfen 642 Personen aus. — In Monat November 1926 zählte man 521 Einwanderer unc 923 Auswanderer. Sir Herbert Samuel wird am 3. Februar einen Etnp* fangsabend für Nahum Sokolow, veranstaltet vom englische)‘ Keren Hajessod-Komifee, präsidieren. 1 Die französische und italienische Regieruyl hat durch ihre Botschafter in London bei der britisch . Regierung Vorstellung erhoben wegen der geplanten Be trächtigung der traditionellen Rechte der ausländisch , Konsuln in Pa 1 ästina. Sie haben ersucht, daß u| neuen Regulationen, die in diesem Jahre in Kraft treru sollen einer neuerlichen Ueberprüfung unterzogen werden Der bisherige polnische Konsul in Leipzig, ff] Zbyszewski, wurde zum Generalkonsul von PalästiiW an Stelle des soeben vom Grafen Zaleski abberufenen General konsuls Dr. Otton de Hub ick i ernannt. Dr. Hubicki wifq im März Palästina verlassen.;?

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