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Jüdische Rundschau · 1927-02-01 · Heft 9 (1.2.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 9 (1.2.1927)
Date
1927-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 JÜE0I5CHE RUNDSCHAU Seite 63 Die Berliner Gemelndebibllofliek Der Keren Hafessod in Frankreich Kleine Nachrichten Die im Jahre 1902 eröffnet« Bibliothek der jüdischen Gemeinde kann am 3. Februar d. J. auf ein 25 jähriges!Bestehen zumckblicken. Unter Leitung des Oberbibliothekars ur. Moritz Stern hat sie einen großen Aufschwung genommen! und reichen Segen gestiftet; sie umfaßt jetzt über 50000 Druckschriften, die über jüdische Vergangenheit und Gegenwart belehren, darunter viele von großer Seltenheit Als bcsonderes Verdienst ist der Bibliotheksverwaltung anzurechnen, dB sie nicht nur nach ganz Deutschland, sondern auch ins Ausland Bücher verleiht und so der Gesamtwissenschaft dient. Mit der Bibliothek ist eine reichhaltige Handschriftenabteilung verbunden, die besonders für die Erforschung der jüdischen Qeschichte wertvolle Manuskripte, Akten, Briefe usw. enthält Neben der Bibliothek befindet sich unter gleicher Leitung die bekannte Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde, ein kleines jüdisches Museum, das, aus einer Stiftung des Dresdener Sammlers Albert Wolf erwachsen, 1917 eröffnet wurde und seitdem eine überraschende Entwicklung genommen hat Die zur Verfügung stehenden Räume sind längst zu eng geworden, so daß die Gemeindeverwaltung eine Er- Weiterung beschlossen hat. Während die Bibliothek täglich vormittags und nachmittags geöffnet ist, kann die Kunst- Sammlung nur an den Sonntagen allgemein besichtigt werden. Doch werden die Mmealgegfcnstänae, namentlich die Bilder und Zeichnungen, den Interessenten auch an den anderen Wochentagen im großen Lesesaal der Bibliothek, der mit einer Handbibliothek, vielen Zeitungen und 32 Sitzen ausgestattet Ist, auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Seit dem Jahre 1920 ist an die Bibliothek in der O r a n I e n - barg er Straße (Haupthibliothek) eine F illalbibliotbek in der Fasanenstraße angeglicdert, die den Be• wohnern des Westens zugute kommt und sich gleichfalls gedelhlich entwickelt hat. Im Bücherbestände werden dort über 11 000 Bände gezählt. Einen besonderen Wert hat diese Filiale durch Ihre vielen ausländischen Zeitungen, die im Lesesaal, neben einer kleinen Handbibliothek, afrig gelesen werden. Nun ist die jüdische Gemeinde daran gegangen, auch in den Vororten Berlins Zweigbibliotbeteen einzurichten. Im Laufe des Januar wurden solche in Pankow und Neuk ö 11 n eröffnet. Oberbibliothekar Dr. Stern übergab im Aufträge des Gemeindevorstandes diese dritte und vierte Bibltotbek der Obhut der dortigen Religionsvereine und sprach die Erwartung aus, daß diese Büchersammlungen rege benutzt werden und gleich den bisherigen Bibliotheken Kenntnis des Judentums verbreiten möchten. Es ist zu hoffen, daß auch In den anderen Vororten solche Zweigbibliotheken bald ent• stehen. Gemeindevorstand und Reprasentantenversammlung haben im Verein mit der Bibliothekskommission und Herrn Oberbibliothekar Dr. Stern das Bibliothekswesen stark ge• fördert Neben den Synagogen und Schulen gehört die Hauptbibliothek mit ihrer Handsehriftenabteilung, ihrer Kunst- Sammlung und den drei anderen Bibliotheken zu den segensreichsten Instituten der Gemeinde. Der Vorsitzende der Bibliothekskommission der Berliner jüdischen Gemeinde ist Dr. Sandler. Das französische Keren Hajessod-Komitee veranstaltete am 27. Januar unter dem Vorsitze des Deputierten Leon Blum zu Ehren des in Paris weilenden Präsidenten der Zionistischen. Exekutive, Nahum Sokolow, ein Bankett, das einen glänzenden Verlauf nahm. Den Gipfelpunkt der Veranstaltung bildete die Ansprache Sokoiows, der eine Schilderung seiner Reise nach Südafrika gab, von den Aufgaben in Palästina sprach und am Schlüsse von der Rolle und Bedeutung der französischen Judenheit in Vergangenheit und Gegenwart des; üdischen Volkes ein packendes Bild entwarf. Sokolow erwähnte die Verhandlungen Prof. Weizmanns in New York und erklärte: ״Ich wollte zuerst sagen: New York hat begonnen, Paris wird fortsetzen; historische Genauigkeit aber verlangt sich zu erinnern, daß das französische Judentum es war, das ,Mikweh Israel1 begründet hat. Und auch die Rotschildschcn Kolonien sind stets von dem großen Reprisentanten des fraruös! eben Judentums gefördert worden. Darum: Paris hat begonnen, Paris wird das Werk fortsetzen gemeinsam mit der gesamten Judenheit und der gesitteten Welt." Die Subvention Ittr das indische Sehnlwerk Jerusalem, 27. Januar. (ZJko.) Die Palästina-Regierung hat der zionistischen Exekutive £E 7500 als Anzahlung auf ihre £E 10000 betragende Subvention für das hebräische Schulwerk in Palästina überwiesen, (Dies scheint der wahre Sachverhalt, welcher der auch von uns ln Nr. 4 wiedergegebenen J. T. A.-Meldung über eine ״Erfüllung der zionistisehen Ansprüche bezgl. des Erziehungsbudgets seitens der Regierung" zugrunde liegt. — A. d. R.) Das Direktorium der Hypothekenbank Wir haben bereits eine Mitteilung über die Konstituierung eines neuen Direktoriums der aus den Mitteln des Keren Hajessod gegründeten Allgemeinen Hypothekenbank ln Palästlna veröffentlicht Nach einem Uebereinkommen zwischen der zionistischen Palästina-Exekutive, der amerikanischen zionistisehen Organisation, dem Jewish Colonial Trust und dem Keren Hajessod sind zu Mitgliedern des Direktoriums der Allgemeinen Hypothekenbank ernannt worden: die Vertreter des Keren Hajessod Dr. Hantke (Vorsitzender des Direkforiums), Kaplansky, Dizcngoff und Alejnikow, die Vertreter der zionistischen Paiastlna-Exekutive Ros off, Harry Sacher, van V ri esl a nd und Hoof len, und als Vertreter der amerikanischen Zionistischen Organisation und der Palestine Securities Emanuel Neumann und drei weitere, noch zu ernennende Herren. (Ziko.) Von Deutsch ־ israelitischen Gemeindebund Am 27. Januar 1927 trat der Ausschuß des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes zu einer Sitzung zusammen, an der die folgenden Herren teilnahmen: Prof. Sobemheim (als Vorsitzender), Prof. Apt, Kommerzienrat Berliner-Hannover, Emil Cohn, br, Freund, Oeheimrat Goldfeld-Breslau, Rechte- *nwalt Köllenscher, Dr. Alfred Levy-Hamburg, Justizrat Lilienthäl, Justizrat Maleöwer, Sanitätsrat Dr. Nawratzki, Justizrat Salomon, Rabbiner Dr. Saloraonski, Dr. Sandler, Geheimrat Julius Stern, Prof. Dr. Schaefer, Prof. Dr. Türk und E. Waldstein-Breslau. Gegenstand der Beratung war, zu der Frage des ״Reicnsverbandes der deutschen Juden", insbesondere zu der durch die Ablehnung der Dachverbands- Vorlage seitens des Preußischen Landesverbandes geschaffenen neuen Situation Stellung zu nehmen. Die mehrstündige Ausspräche in der Sitzung des Ausschusses hatte das Ergebnes, daß der folgende Antrag Freund einstimmig angenommen wurde: ״Die Ueberleitungskommission des Deutscn-Israeliti- Sehen Gemeindebundes wird beauftragt: 1. mit den Landesverbänden in Verbindung zu treten wegen der in § 2 Abs. 2 letzter Satz der Verfassung vom 23. Januar 1921 vorbehaltenen Vereinbarung; 2. die Ueberleitungskommission wird ermächtigt, den Gemeindetag einzuberufen. Für die in der Zwischenzeit durch Todesfälle frei gewordenen Plätze im Ausschuß wurden hinzugewählt aie Herren״ Justizrat Dr. Brodnitz, Eugen Caspary und Rechtsanwalt Dr. Isi Kahn-Jaffa. (Der oben angeführte Satz der Verfassung vom 23. Januar 1921 lautet: Mitglied des Bundes kann auch eine Vereinigung von Gemeinden sein, wenn sie die Rechtsstellung einer önentliehen Körperschaft besitzt. In diesem Falle werden sowohl die Rechte (§ 20 Ziffer 1) als auch die Pflichten (§ 4 b) der der Vereinigung angeschlossenen Gemeinden ausschließlich von der Vereinigung ausgeübt. Insoweit eine derartige Vereinigung von Gemeinden die Gesamtvertretung der Gemeinden eines Landes bezweckt, und die überwiegende Zahl der Gemeinden des Landes umfaßt (Landesverband), bleibt die Regelung des Verhältnisses zwischen Bund und Landesverband der Vereinbarung Vorbehalten.) Me Sehäehttrage im bayerischen Landtag München, 26. Januar. (J. T. A.) Der Verfassung«־ ausschuß des bayerischen Landtags beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit einem Antrag der Nationalsozialisten zur Schächtf rage. Nach einer längeren Debatte, an der sich Vertreter aller Parteien beteiligten, wurde folgender Beschluß gefaßt: ״Die Staatsregierang wird ersucht, den in Ausführang des Landtagsbeschlusses vom 8. Juli 1926 geforderten Gesetzentwurf vorzulegen, sobald die Versuche über eine den rituellen Vorschriften des Judentums entsprechende Betäubungsart zum Abschluß gekommen sind. Sie soll auch 1uf möglichst baldigen Abschluß dieser Versuche hinwirken." Die Studeateakrawalle is Kowno Kowno, 28. Januar. (J.T.A.) Die Skandale an der litauischen Universität dauern fort Die christlichen Studenten bewachen die Tore des anatomischen Instituts und erklären, keinen jüdischen Studenten hereinzulassen, bis nicht jüdische Leichen für Sezierzwecke beigestellt werden. Der Dekan der Universität ersuchte den Hauptrabbiner Schapiro, die Beistellung jüdischer Leichen zu gestatten. Der Rabbiner erwiderte, er könne dies aus religiösen Gründen nicht tun. Bei der Wiedereröffnung des anatomischen Institute der Universität Kowno schloß Prof. Sec lins ki alle jene Christliehen Studenten aus, die die Verpflichtung, die jüdischen Studenten in ihrer Arbeit nicht zu stören, nicht unterschrei• ben wollten. Solei Boaeb ln Translordanien Eine Delegation des Solei Boneh, bestehend aus den Mitfliedern Kleinmann, Margolin und Schiff man at unter Führung von Dov Hos vor einiger Zeit Tran s- Jordanien besucht, um die dortigen Arbeitsmöglichkeiten zu studieren. Sie hat mit der Regierung Unterhand« lungen gepflogen wegen uebernabme des f aues vorn Häusern und Baracken für die dar« Ige Grenzschutztruppe ln Höhe von £E 15000 bis 20 000. Der Solei Boneh wurde aufgefordert, eine genaue Offerte einzureichen. (2üko.) MaedonaM an die palästinensische Arbeiterschaft London, 28. Januar. (J.T.A.) Der Direktor des Solei Boneh Dov Hos, Mitglied der Palästinensischen Arbeiterdelegation für Amerika, weilte auf der Durchreise in London und hatte hier eine Zusammenkunft mit dem Führer der britischen Arbeiterpartei und früheren Ministerpräsidenten Ramsay Macdonald. Macdonald brachte dem Bericht über den Fortschritt der Arbeiterbewegung in Palästina und über die landwirtschaftliche und politische Lage des Landes ein warmes Interesse entgegen und bat Herrn Hos, der paltstinensischen Arbeiterschaft seine Grüße und besten Wünsche zu übermitteln. Eine Knlfnrdebatte Vor einigen Wochen erschien im ״Haaretz" ein Artikel des hebräischen Lehrers und Schriftstellers Silmann ״Wo hin", der im Anschluß an die Antwort eines Schülers des Hebräischen Gymnasiums in Jerusalem, welcher die Heiligkeft Jerusalems auf die Person Jesu zurückführte, das Erziehungswesen der Zionistischen Organisation einer Kritik unterzog und diese Antwort für das typische Produkt der traditionslosen ״rein nationalen" Erziehung erklärt. De Angelegenheit wurde vom misrachistischen Hauptorgan Jiator“ aufgegriffen, der im Anschluß an diesen Artikel eines nicht misrachistischen Lehrers die hebräischen Lehrer Palästinas ermahnte, den falschen Weg zu erkennen, auf dem die Er■ Ziehung in Palästina geführt werde. Darauf veröffentlichte die Lehrerschaft des Jerusalemer Gymnasiums eine Erklärung, die zunächst die Darstellung des Falls durch Silmann bemangelte und im übrigen die daraus gezogenen Konsequenzen zurückwieSj da der behauptete prinzipielle unterschied zwischen einer traditionellen und einer traditionslosen Erziehung in dieser Form in Palästina nicht bestehe. Der ״Hator“ vom 14. Januar bringt nun eine Zuschrift Silmanns, worin dieser sich dagegen verwahrt, daß man in seinem Artikel einen Angriff aaf unser nationales Schulwerk erblickt habe, das ja ira Gegenteil die Aufgabe habe, die Kinder den aus der nlchtjüdlscnen Umgebung stammenden Anschauungen zu entreißen. Auf diesen Brief antwortet die Redaktion in derselben Nummer. Silmann verdiene bei der Darstellung des Falles, der der Ausgangspunkt der ganzen Diskussion war, als Ohrenzeuge mehr Vertrauen als die Lehrerschaft, die nachher zur Beruhigung der Oeffentlichkeit ein Dementi veröffentlicht habe. Natürlich käme es nicht auf diesen Fall als solchen an, der nur als Illustration wichtig sei. Silmann habe erklärt, daß wir nach zehn Jahren praktischer Erziehungsarbeit noch keine Meinung und keine klaren Beschlüsse über den Weg dieser Erziehung hätten. Wir wüßten nicht, wie wir uns die Generation vorstellen, die wir heute heranbtlden. Die Schätze unserer Vergangenheit seien in Gefahr, dem Volke verloren zu gehen, wenn Silmann heute sage, daß unsere Schulen zur Vertiefung in die Inhalte des Judentums erzögen, so setze er sich in widersprach mit seinen eigenen früheren Worten. In den Monaten Oktober bis Dezember 1926 sind im Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem £ 173 759.16.2 (gegen £ 97488 im gleichen Zeitraum des Vorjahres) eingegangen. Von dieser Summe haben die Vereinigten Staaten von Amerika £ 84625.08.07, England £ 29057.16.—, Südafrika £ 20147.06.01 und Deutschland £ 8758.-.11 aufgebracht. Der Rest entfällt auf die anderen Länder. Wie der Ziko aus Jerusalem unter dem 28. Januar telegraphiert wird, verbleibt Felix Warburg eine Woche in Palästina. Sonntag, den 30. Januar, sollte Warburg an einer Sitzung der zionistischen Palästina- Exekutive teflnehmen. Der Präsident des Keren Hajessod in Deutschland, Herr Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank, wird 1m Frühjahr 1927 eine Reise nach Palästina antreten. In Warschau weilt bereits die vom Hauptbüro des Keren Hajessod in Palästina nach Polen entsandte Abordnung; sie setzt sich aus den Herren Dr. Schmariahu Lc71 n, Rabbi Ostrowsky, Tschernowitz und Borowoj zusammen. Der arabische ״Y armuk“ berichtet, daß der englische Schatzminister Churchill in nichtamtlicher Eigenschaft demnächst Palästina einen Besuch abstatten soll. (Ziko.) Die Gesellschaft für den Bau der elektrischen Bahn von Haifa auf den Karmel ist mit einem Kapital von £E 40000 bereits gegründet worden. Die Rutenberg Electric Corporation hat die Hälfte der Anteile übernommen, während zwei jüdische Bodengesellschaften die andere Hälfte besitzen. .Mit dem Bau der Bahn soll im April begonnen werden. (Ziko.) Die palästinensische Regierung hat dem Waad der Sied- Jung auf dem Hadar Hakirmel 10 Dunam Boden für die ErbauungeincsKrankenhauses ״H a d a s s a h" zur Verfügung gestellt. Angrenzend an diesen Platz sind schon vorher von der ״Pica" für diesen Zweck sechs Dunam bewilligt worden, so daß das gesamte für das Krankenhaus jetzt zur Verfügung stehende Areal 16 Dunam beträgt. Die Baukosten werden etwa £E 1000Ö betragen. (Ziko.) Nach dem ,jHagalll", einem in Haifa erscheinenden neuen Blatte, haben einzelne Besitzer von Bodenparzellen auf dem Gelände der Haifa Bay Development Co. ln diesen Tagen mit der Bearbeitung ihrer Parzellen begonnen. Die Arbeiten ״ betreffen in einem Falle die Anlage einer Baumschule für Orangenbäume und in einem anderen Falte den Beginn der Pflugarbeiten auf einem Gelände von 1000 Dunam für Getreideanbau. Der auf einer Welt-Rundreise befindliche Dampfer ״Rodham'1 mit 500 amerikanischen Studenten und Professoren an Bord, bekannt als die ״Schwimmende Universität“, ist im Hafen von Haifa eingetroffen. Die zionistische Exekutive Palästinas gab zu Ehren der 500 akademischen Gäste einen Tee. Der polnische Generalkonsul für Palästina, Dr. Otton de Hubickl, ein bekannter Zionistenfreund, wurde vom polnischen Außenminister Grafen Zaleski von seinem Posten abberufen. Er verläßt Palästina im Monat März. Dem Oldenburgischen Landtag ist die folgende Eingabe zugegangen: ״Eine Verordnung zu erlassen, wonach Juden zu den oldenburgischen Landwirtschaftsschuleu keinen Zutritt haben, da das Judentum die Vernichtung der deutschen Land- Wirtschaft plant, daher müssen Mittel und Wege gefunden werden, den Juden den Weg in die Zukunft za verbaue n.“ Nach einer Mitteilung des ״Deutschen Reichsanzeigers“ wies der Ünterrichtsausschuß des Preußischen Landtags in seiner Sitzung vom 24. Januar eine Eingabe des Vorstandes des Jüdischen Schulvereins in Frankfurt a. M. auf Errichtung einer privaten jüdischen Volks« schule zurück. Paris, 23. Januar. (J.T,A.) Das Komitee der jüdischen Delegationen, das schon bisher verschiedentlich Schritte in Verbindung mit den fortgesetzten antijüdischen Ausschrei• tungen in Rumänien unternommen hatte, hat soeben dem Völkerbund ein ausführliches, mit Daten, Tatsachen und Dokumenten belegtes Memorandum überreicht. Am 19. Januar verstarb in Aachen im Alter von 78 Jahren Rabbiner Dr. Heinrich J aulus. Dr. Jaulus war fast 50 Jahre lang der Führer der Aachener Synagogengemeinde. Im Alter von 79 Jahren verstarb der Ordentliche Professor der semitischen Philologie an der Universität Breslau, Dr. Franz Praetorius, Forscher auf dem Gebiet der Kritik des Alten Testaments. Pressetee bei der L V. 1.1). Donnerstag, den 27. d. M.. fand in den Räumen der Z. V. f. D. ein Empfangsabend für die in Berlin wirkendes! Vertreter der jüdischen Presse statt. Dr. Martin Rosenblüth hielt eine einleitende Ansprache, in der er auf die Fortschritte der zionistischen Arbeit in Deutschland hinwies, die sich auf allen Gebieten bemerkbar machen. Nach einer kurzen Periode erhöhter Schwierigkeiten in der Arbeit, die durch die herrschende Wirtschaftskrise in Deutschland hervor* g" schwung zu verzeichnen. Die Sammlungen für die zionistischen Fonds Wieben hinter den Erwartungen nicht zurück. Insbesondere hob Dr. Rosenblüth die Tatsache hervor, daß die Zusammenarbeit aller zionistischen Gruppen im besten Einvernehmen sich vollziehe. Das komme hauptsächlich in den Beziehungen der Leihing der Z. V.f.D. zu den Jugend- Organisationen wie auch in der jüdischen Gemclndearbeit im ganzen Reiche 2um Ausdruck. Die bei der Z. V. f. D. bestehende Kommission für üemcindearbeit verspreche eine einheitliche Zusammenfassung dieses wichhgen Arbeitsgebietes. Die *Presse-Empfänge der Z. V. f. D. sollen eine regelmäßige Einrichtung werden. Ein Vortrag über Theodor Herz! Ira Institutum Judaicum der Berliner Universität sprach im Rahmen der über die Träger der geistigen Bewegungen im Judentum in diesem Winter abgehaltenen Vorträge Pastor Dr. Windfuhr über Theodor Herzl. Der Vortragende entwarf auf Grund genauer Kenntnis des Materials ein Bild des Lebens und Wirkens des zionistischen Führens. Dr. Windfuhr erwähnte, daß er in seinem Hamburger Wirkungskreis Gelegenheit gehabt habe, namentlich während des Hamburger Zionistenkongresses, die ungeheure Begeisterung kennenzulernen, die das Werk Theodor Herzls in der Judenheit geweckt habe. Interessant war eine Bemerkung, nach welcher das Britisch-Ostafrika-Angebot der englischen Regierung eine diplomatische Vorgeschichte gehabt nabe. Dieses Angebot sollte eventuellen Stedlungsmöglichkeiten im Irak an der Straße der projektierten Bagdaabahn ein Gegengewicht bieten, weil man von einer Kolonisation im Irak durch Juden, die zu gestatten der türkische Sultan nicht abgeneigt war, in England eine Stärkung des deutschen Einflusses befürchtete. Der Vortrag war von einleitenden und abschließenden Bemerkungen des Leiters des Institutum Judaicum, Prof. Dr. Greßmann, eingerahmt, der auch darauf hinwies, daß Herr Dozent Dr. Torczyner von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums den Februarvortrag übernommen habe; er wird über Achad Haan und den geistigen Zionismus sprechen. (J.T״A.)

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