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Jüdische Rundschau · 1927-02-01 · Heft 9 (1.2.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 9 (1.2.1927)
Date
1927-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCH£ RUNDSCHAU Swte 61 ✓ Nr, 9 Wofür wird die palästinensische Regierungsanleihe verwandt? In der letzten Zeit wurde die vorgesehene Verwendüng der 4V2 Millionen-Anleihe der Palästina-Regierung in der zionistischen Presse vielfach kritisiert; insbesondere wandte man sich dagegen, daß der Hauptteil der Anleihe für Rückzahlungen an die englische Regierung statt für neue produktive Anlagen im Lande bestimmt ist. Zu dieser Kritik veröffentlicht nun ״The New Judaea“, das offizielle Organ der Exekutive in englischer Sprache, einen Artikel, aus dem folgende Stellen wiedergegeben seien: .Es wird behauptet, daß drei Millionen von insgesamt viereinhalb Millionen in Wahrheit Palästina nicht zugute kommen. Zu dieser Ziffer gelangt man, indem zwei ganz verschiedene Posten zusammengeworfen werden. In Frage stehen ln Wirklichkeit eine Zahlung von ungefähr £ 1 MO 000 an den Kronagenten für die Kolonien und auf der anderen Seite Zahlungen von insgesamt ungefähr £ 1 500000 direkt an die britische Regierung. Die Rückzahlungen an den Kronagenten sind, was offenbar übersehen worden ist, nichts anderes als Rückerstattungen auf Vorschüsse, die in Vorwegnahme der Anleihe gemacht wurden und von der palästinensischen Regierung einzig und allein für den Zweck aufgenommen wurden, um sofort mit der Errichtung wichtiger dauernder Anlagen beginnen zu können, ohne auf die faktische Emission der Anleihe warten zu müssen. Der Jahresbericht der Palästina-Regierung für 1925 zeigt, daß bis zum Ende dieses Jahres in Vorwegnähme der Anleihebeträge dauernde Anlagen im Gesamtbetrag« von £ 1955 000 ausgeführt worden sind, und zwar wurden zirka £ 1 500 000 für die Verbesserung des Eisenbahnsystems verwendet, während die anderen wesentlichen Posten, Straßen- und Brückenbau, Anlage von Telegraphen- und Telephonlei hingen und Einrichtung des Katasters betreffen. Ein Teil dieser Investments wurde zeitweilig aus den laufenden Einnahmen bestritten^ aber im wesentlichen stützte sich die Palästina-Regierung auf kurzfristige Vorschüsse des Kronagenten für die Kolonien. Palästina hat also gegen Sicherheit der Anleihe für produktive Zwecke geborgt und hat jetzt die notwendigen Rückzahlungen zu leisten. Die Regierung hätte es auch vorziehen können, ihr Programm dauernder Neuanlagen unausgeführt zu lassen, bis sie die Anieihebeträge tatsächlich zur Verfügung gehabt hätte. In diesem Falle würde Palästina jetzt freilich entsprechend höhere Beträge für produktive Zwecke verfügbar haben, aber entsprechend weniger produktive Arbeit wäre bereits tatsächlich ausgeführt worden. Wenn man nicht gerade Palästina das etwas ungewohnliche Privileg einräumen will, dieselben Beträge zweimal ausgeben zu dürfen, so wird man sagen müssen, daß Ausgaben a conto der Anleihe nichts anderes sind als Äisgabcn aus der Anleihe selbst. Der einzige Unterschied ist, daß im ersten Falle Palästina in der Lage war, wichtige Neuanlagen zwei oder drei Jahre früher ausführen zu können als es im anderen Falle möglich gewesen wäre. Es ist demnach klar, daß der für produktive Zwecke bestimmte Anleihebetrag nicht £ 1500 000 beträgt, sondern mindestens zweimal soviel. Abgesehen von den Rückzahlungen an den Kronagenten warfen von Palästina gewisse Zahlungen an das britische Schatzamt verlangt, und zwar: £ 1000000 für Eisenbahnen, £ <50000 für Materialien* die Palästina von der britischen Armee übernommen hat und £ 200000 für verschiedene Verpflichtungen, die während der militärischen Okkupationszeit eingegangen worden waren. Diese £ 200000 haben nichts mit den Kosten der Oamison zu tun, die immer von Großbritannien selbst getragen wurden; sie stellen vielmehr Vorschüsse dar, die von England an Palästina gegeben wurden, um die erste Installierung der Zivilverwaltung zu ermöglichen. Zu diesen Beträgen ist noch eine Summe von zirka £ 250000 hinzuzurechnen, die Palästina während des laufenden Finanz- Jahres zurückgezahlt hat, und zwar als Entgelt für Materialien und Dienstleistungen der britischen Armee. Im allgemeinen ist die Sachlage die, daß diese £ 1 500 000 an die britische Regierung großenteils für greifbare Aktiva erstattet werden, die einen Teil der Ausstattung Palästinas mit dauernden Anlagen darstellen, während eine etwas größere Summe an den Kronagenten für dauernde Anlagen gezahlt wird, weiche durch die palästinensische Regierung aus Fonds des Krönagenten ausgeführt worden waren. Jüdische Stücke anf Wiener Bühnen Jüdischer Witz, oder was sie so jüdischen Witz nennen, pflegt auf dem Wiener Theaterboden sonst üppig zu gedeihen. Als Unkraut wuchert es in Revuen, Operetten, quält Charakter- Grimassen ab, die gezwungen und karikaturistisch sehen müssen, sollen sie nicht Stamm und Vornamen verraten. Man macht sich lustig und verzerrt das, was man selber spricht und tut; armselige Brocken einer mitteleuropäischen ״Internationaütät“, verziert durch das ״urwienerische“ Wörtchen ״nebbich“, werden mit jüdischer Art — und jüdischem Humor verwechselt. Gemütlichkeit und Sentimentalität ersetzen Reinlichkeit und Herzenswärme, Lächeln und ״Naches“ ringsum, denn ob arisch oder jüdisch, jedenfalls israelitisch bis in den Wiener Wald. Diesmal aber geht es ernst zu; für jüdischen Humor wurde Z a n g w i 1! bemüht, jüdische Zeitideen erläutert — schrecklich auszusprechen! — Hans Müller. Und es sei von vornherein festgestellt: Trotz aller bodenständigen Widerstände in Gestalt des unsinnigsten Jüdelns, wo es kaum nottut, vielmehr stört, und der wienerischen Idiosynkrasie gegen Charakteristisches und wirklich Wesentliches, gelang es dem großen Geist des verstorbenen Zarigwill, die bösen Geister der lokalen Usancen zu beschwören und seinen ״König der Schnorrer“ einen künstlerischen und nicht, wie es naheliegend war, einen platten Buffo-Erfolg werden zu lassen. Es ist tatsächlich nur die ״Schechinah , die Königliche Hoheit und Tragik der unerlösten, der Passivitat und Sklaverei verfallenen jüdischen Seele fn der Galuth, die aus Zangwills Lustspiel (das er nach seinem gleichnamigen Roman selbst verfaßt hat) auf die Schultern Ludwig S t ä r k s , eines Schauspielers von Kultur, niederstieg una ihn zwischen der Scylla der Uebertreibung ins Pathetische und der Charybdis der Versumpfung in einer lächerlichen Karikatur glücklich sich hindurchwinden ließ. So entstand eine Gestalt, symbolisch und lebenswahr zugleich; ein spaniolischer Ritter, dieser Manasse Bueno Barzillai Azeveao da Costa, dem das Schnorren zur revolutionären Kraft wird, der es gelingt, ausgleichende Gerechtigkeit in die Welt zu setzen, altcingewurzelte Vorurteile aufzuheben, verstockte Snobs des ״Mahamad“ (Vorstand der Spaniolengemeinde) zu überzeugen — und, tast not least, die Spaniole■ and Aschkenasim unter dem Traubaldachin za *eraöhaes. Wieviel Demnach bleibt nur noch eine Frage zu betrachten: ob es nämlich eine ungerechte Zumutung für den palästinensischen Steuerzahler bedeutet, Zahlungen für Eisenbahnen und andere dauernde Anlage» zu leisten, mit denen der britische Steuerzahler Palästina ausgestattet hat. Hierbei muß beachtet werden, daß Palästina mehrere Jahre hindurch sich des Besitzes dieser Aktiva frei von Belastungen erfreut hat. Es hat nicht allein bisher keine Rückzahlungen zu leisten gehabt, sondern die Anlagebeträge auch nicht verzinst. Der Wert, zu dem diese Anlagen eigentlich abzuschätzen wären, ist ihr Betriebs wert für Palästina und nicht die Anlagekosten. Nur diese Anlage* kosten sind aber zur Grundlage genommen worden. In einer offiziellen Bekanntmachung vom März 1924 wurde eine Ziffer von ungefähr zwei Millionen Pfund genannt. Wese Ziffer ist jetzt wesentlich reduziert worden. Für die Feststellung des Wertes der Anlagen ist es wichtig zu wissen, daß die palästinensischen Eisenbahnen im Finanzjahr 1925/1926 einen Ueberschuß von £ 102000 hatten und in der ersten Hälfte des Finanzjahres 1926/1927 einen Ueberschuß von £ 50000. Seit der Uebernahme der Eisenbahnen ist noch ein beträchtliehe« Kapital investiert worden, und wenn Zinsen belastet worden wären, so wäre das Ergebnis weit weniger günstig gewesen. Es ist jedenfalls klar, daß Palästina in seinen Eisenbahnen, Telegraphen- und Telephonanlagen und anderen dauernden Anlagen, für die es England zu danken hat, wertvolle Aktiva besitzt, die nicht nur direkt seine Einnahmen erhöhen, sondern auch in seiner allgemeinen Entwicklung eine wesentliche Rolle spielen. Berücksichtigt man alles dieses, so kann man kaum behaupten, daß die Abschätzung des Wertes eine exL avagante ist. Ebensowenig aber bedeutet es eine unbillige Forderung, daß Palästina mit seinen beträchtlichen Ueberschüssen mm an die Begleichung seiner Schulden gehe. Es ist nicht einzusehen, warum England an Palästina ein Geschenk in Form von Eisenbahnen und anderen Anlagen machen sollte, und wenn man dies einräumt, so ist es angesichts des Ueberschusses schwierig, Palästinas Zahlung«- fähigkeit zu leugnen. Es handelt sich um nichts anderes als um die Fundierung einer schwebenden Schuld. Muß noch gesagt werden, daß die unmittelbaren Zahlungen nicht der palästinensische Steuerzahler leistet, sondern der Zeichner der Anleihe? Auf dem palästinensischen Steuerzahler ruht nur die nicht übermäßig große Last der Zinsen und Amortisation?- Zahlungen.... Palästinas Außenhandel im Jahre 1926 Jerusalem, 24. Januar. (J.T.A.) ״Levant Trade Review“ teilte mit, cfaß in den ersten sechs Monaten des Jahres 1926 eine Verschlechterung der palästinensisehen Handelsbilanz gegenüber der gleichen Periode des Jahres 1925 zu konstatieren war. In dieser Periode des Jahres 1926 bezifferte sich der Import auf £ 3 269 095; in den ersten sechs Monaten d. J. 1925 bezifferte sich der Import auf £ 3 292 102. Annähernd in dem gleichen Verhältnis ging auch der Export zurück. Im Jahre 1925 hatte die verstärkte Immigration einen großen Einfluß auf die Ausgestaltung des Außenhandels; bei Rückgang der Immigration ging auch der Außenhandel, aber doch nicht in dem gleichen Maße, zurück. In der ersten Hälfte 1925 wanderten 15 821 Menschen ein, in der gleichen Periode 1926 aber nur 9902. Sollte die verminderte Immigration fortdauern, so würde dies natürlich den Außenhandel nachteilig beeiüflttssen*. Der deutsche Export nach Palästina ist seit 1923 von 5,4 auf 14,1 Millionen Mark im Jahre 1925 gestiegen. Darunter ist sehr viel Aufbaubedarf, Baumaterial, Röhren, Elektromaterial. Deutschland steht an dritter Stelle hinter Großbritannien und Syrien. Der deutsche Anteil an der palästinensischen Einfuhr beträgt 12,5 Prozent. KonsÜtirierang des Finanzand Wirtschaftsraies Dieser Tage findet in Jerusalem die Konstituierung des Finanz- und Wirtschaftsrates der Zionistischen Organisation statt. Er wird sich zwsammensetzen aus den Leitern der Departements für Landwirtschaft, städtische Kolonisation und Arbeit, dem Treasurer der Zionistischen Palästina-Exckutive und Vertretern des Keren Hajessod, des Keren Kajemeth, der Anglo Palestine Bank und der Anleihe-Kommission. Der Finanz- und Wirtschäftsrat wird im Einverständnis mit der Zionistischen Palästina-Exekutive seinen Vorsitzenden wählen. Bisher wurde noch kein Nachfolger für Dr. A r i o - s o r o f f, der zum Geschäftsführer gewählt wurde, aber leider sein Amt nicht antreten kann, ernannt oder vorgeschiagen. zarte Innigkeit, welch tiefes Wissen um die jüdische Seele drückt sich in diesen humorvollen Szenen aus, die vom Kampf eines Königs in Lumpenkleidern mit der würdelosen Meute der Armen und der Reichen erzählen?! Wie er über sein eigenes Schnorren erhaben ist, aus tiefster Ueberzcugung, sozusagen dem Blut nach — das ist köstlich und erschütternd, denn es weist in das Reich einer verklärenden Lebens- Philosophie und enthüllt um so grausamer die ganze Tragik der Diaspora. Das Ensemble der K a m m e r s p i e 1 e paßte sich gut der Persönlichkeit Ludwig Stärks an, der in jeder Be- Ziehung sein Bestes gab. Neben ihm erreichte noch über das Typische hinaus das Menschliche Heinz Leo Fischer als verliebter Friedhofsklapperer. Dagegen konnte Fritz Strehlen vom Wiener Kaiton nicht loskommen. Schade, denn wie gerne würde man daran einen Abend lang vergessen wollen. Ein ganz anderes Gesicht hat Hans Müllers Tendenz- Schauspiel ״Menschen ohne Erde“, mit dem Intendant Robert Volkner die ״Neue Wiener Bühne“ wieder cröffnete. Es hätte ein künstlerischer Festabend werden sollen und wurde — ein Fiasko; wohl gingen die Leute, von der Reklameaufmachung angelockt, recht zahlreich hinein, kamen aber um so enttäuschter wieder heraus. Nachdem nämlich Müller früher in Prostitution ״gemacht“ hat (״Die Flamme“), macht er jetzt in Zionismus. In den ersten zwei Akten wird zwar nur allgemein von Zeitideen und Veränderungen gesprochen (ein Jüngling drückt sich krampfhaft aus), im dritten Akt aber bekommt man es zu hören: Talmessing jun. war nicht in Amerika zwei Jahre, wie es allgemein hieß, sondern ein Jahr davon — in Palästina. Da wäre ja weiter nichts dabei. Talmessing sen. hat aber ein ebenso altes wie bankerottes Bankhaus und ein junges Weib dazu, Frau Renate, die es mit dem sehr reichen Präsidenten Gutherz (Menschen ohne Erde!) hat Vom Sündenbabel angewidert, beschließt der Junge, doch nicht in die ramponierte Firma einzutreten und nach Palästina, wo ihn der erste Orangenbaum auf melioriertem Boden erwartet, zurückzukehren. Z11111 Schluß zeigt Müller noch einmal sein markantes Assimilation gesicht. Die Mutter entläßt den Sohn traurig und sagt ungefähr: ״Obwohl die Heimat dort ist, wo das Glück wohnt..,Mit einem Wort, lad«■ sein Glück, des Assimilaaten und Hans Müller in Europa, Vom }Bätschen Parlamenlsklub in Polen Warschau, 28. Januar. (J.T.A.) Im Zusammenhang mit der im polnischen Sejm jetzt stattfindenden Debatte über das Budget für 1927 hielt aer jüdische Parlamentsklub eine Sitarng ab, um seine Haltung bei der Budgetabstimmung zu fixieren. In den Reden kam zum Ausdruck, daß der Klub sich in keiner prinzipiellen Opposition zur Re* gierung befindet. Der gute Wille des Marschalls Pil* sudski sei anzuerkennen. Andererseits darf nicht die Tatsache vergessen werden, daß mehrere jüdische Pastulate, deren Erfüllung die früheren Regierungen zugesagt hatten, bis heute noch unverwirklicht geblieben sind. Zu den Sprechern des Klubs wurden die Abgeordneten Wy* godski, Hausner, Lewin und Schwarz bestimmt. Die Sprecher des Klubs wurden dahin instruiert, über die Erfüllung eines Teils der jüdischen Forderungen die Genug* tuung auszudrücken, aber zu erklären, daß in Anbetracht der Nichterfüllung gewisser jüdischer Postulate, insbesondere bezüglich des jüdischen Schulwesens, die jüdischen Abgeordneten sich bei der Abstimmung über das Budget aer Stimme enthalten werden. fn der Budgetdebatte des Sejm führte Abg. HartglaO aus, daß mehr als 50°/o der Steuern autden Scnaltern der jüdischen Bevölkerung lasten. Wik rend aber für das christliche Religionswesen 23 Millionen Zloty im Budget eingestellt sind, beträgt der Posten für das jüdische Religionswesen im ganzen 185 000 Zloty. Auf den Kopf des Christen kommen eineinhalb Zloty, auf den Kopf eines Mohammedaners ein Zloty, auf den Kopf eines Juden drei Groschen. Hartglaß kam auf den Brief des Außenministers Zaleski an Luden Wolff zu sprechen. In diesem Briefe versicherte Zaleski, daß die Staatenlosenfrage in Polen sehr bald gelöst sein würde. Die Mitteilungen Zaleskis, sagte Hartglaß, seien sehr unbestimmt. Die Uqnidierang der Konzessionen in Pole■ Warschau, 26. Januar. J. T. A.) Die Durchführung des Gesetzes über die Liquidierung der bisherigen Konzessionen für den Handel mit Monopolwaren (Tabak- und Spiritus waren) hat begonnen. Obwohl in den Verhandlungen zwischen der Regierung und den jüdischen Parlamentariern ausgemacht worden war. daß das Gesetz nur zum Teil und unter Berücksichtigung aer Verhältnisse jedes einzelnen Monopol-Inhabers verwirklicht werden sollte, gehen die Behörden unnachsichtig vor, so daß die Stimmung unter den Juden eine verzweifelte ist. Familien, die schon seit Jahrzehnten sich dem Handel mit Monopolwaren widmen, bleiben auf einmal ohne jede wirtschaftliche Existenzmöglichkeit. Ernste Nachrichten treffen aus dem Kreis Baronowiczi ein, wo an einem Tage fast hundert Konzessionen den bisherigen Innabern weggenommen wurden. Allein in dem Städtchen Nieswicz wurden 17 Konzessionen als ungültig er• klärt. Angesichts der Panik im Lande wird jetzt im Finanzministerium über die weitere Praxis der Konzessions-Entziehung beraten. Lemberg, '25. Januar. (J. T. A.) Der Beginn der Durcht'ührung des Gesetzes über Liquidierung der Konzessionen hat unter der Judenschaft Ostgafiziens eine ver* zweifelte Stimmung geschaffen. Zehntausende Juden stehen vor dem Zusammenbruch ihrer Existenz. Die jüdischen Deputierten intervenieren fortwährend bei den Behörden, um aiese zu bewegen, Milde walten zu lassen, jedoch mit sehr wenig Erfolg. Reise Grflnbaams nach Amerika Abi 23. Januar fand ui Warschau ein Xbsehiedsbankctt zu Ehren des Abg. Grünbaum statt, der sich auf Ein• ladung des amerikanisch-jüdischen Kongresses nach New York begibt, um auf der demnächst stattfindenden Tagung über die jüdische Minoritätenfrage in Osteuropa zu referieren. Abg. Grünbatmi wird vorher noch, wie wir gemeldet haben, sich an der tschechisch-slowakischen Keren Hajessod-Konferenz, die in Prag unter Teilnahme von Gol. Wedgwood stattfindet, beteiligen. (Ziko.) Die )iidisdicn Kooperativ - üescllscbalten in Polen Warschau, 26. Januar. (J. T. A.) Der Rat des Ver- Bandes der jüdischen kooperativen Gesellschaften in Polen hielt eine Plenarsitzung ab, in der der Direktor des Verbandes, Herr Birkenheim, den Bericht für das Jahr 1926 vorlegte. Aus diesem ist zu ersehen, daß die kooperative Bewegung unter den Juden Polens im Verlauf des Jahres 19X5 große Fortschritte gemacht hat. — Dem Berichte schloß sich eine lebhafte Diskussion an. Den Beratungen wohnten der Gene■ ralsekretär des Joint Distribution Committee für Europa, Dr. Werner Senator, und der Sekretär der Jolnt-Ica-Reconstruction Foundation, Herr Aronovlci, bei. heißen Köpfen in Palästina. Etwa so: ״Uebrigens habe ich Dir, liebes Publikum, das alles nur zur ergötzlichen Unterhaltung vorgeführt, ich nehme es doch nicht ernst!“ müßte die Entschuldigung ehrlicherweise ausklingen. Die wenigen Konflikte, die zwischendurch die Handlung zu beleben haben, sind unbedeutend und stehen ganz außerhalb des Ideenkreises des Zionismus und Palästinas. Ehebruch, Schiebcrtum und Snobismus soll schon auch bei erdverbundenen Völkern vorgekommen sein und nicht nur bei Juden. Hans Müller stellt sich aber den Zionismus und Palästina so vor, und da kann ihm nicht geholfen werden. Diese verkitschte Vorstellung hat er als Bühnenstück eingerichtet, und da muß jeder Unvoreingenommene gewarnt werden: man verwechsle nicht die lebendige Wiedergeburtsbewegung eines Volkes mit rührseligen Spielereien eines ästhetisierende« Stückemachers. Eine Gestalt ist hier aber lebensecht und dichterisch gezeichnet: die alte Netti Gutherz aus Bielitz, die Mutter des allmächtigen Präsidenten, die Grieben und Gansleber ihrem Sohn mitbringt und ein warmes, jüdisches Mutterherz dazu. Da scheint Müller ein Erlebnis inspiriert zu haben; man spürt, daß er aus Vollem schöpft. Wohltuend der Kontrast zum übrigen Gerede.... Zur Gestaltung der alten Mutter Gutherz wurde die bewunderungswürdige Ilka Grüning aus Berlin berufen. Nur um ihretwillen hat sich der Besuch der Vorstellung gelohnt. Obwohl es auch ihrer subtilen, feinnervigen Kunst nicht gelingen konnte, den Aerger ob der ganzen Mache zu lindern, den noch Mak Lands kräftig nährte, indem er deutlich bewies, daß ein guter Film• Schauspieler keineswegs auch nur ein durchschnittlicher Sprechmime sein müsse. Und so wurde ich auch dadurch im Grundsatz bestärkt: Schuster bleib bei deinem Leisten, oder Müller, such dir andere Sensationen!.,.. Leopold Thal er. Das Komitee der Nathan Stra uß-Gesund heit szentrale teilt mit, daß es vom palästinensischen Wohlfahrtskomitee in Chikago durch Vermittlung der Zionistischen Frauenorganisation Haaassah in Amerika 6500 Dollar zur Einrichtung eines Hygienischen Museums erhalte■ hat.

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