Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 JUEDfSCHE RUNDSCHAU Seite 53 Irrefflhren durch Schlagworte Von Moses Beillns on, Tel-Awiw, Wir geben nachstehend einer Polemik gegen die Artikel von Heinrich Margulies, die in unserem Blatt erschienen sind, Raum. Wir kommen bei anderer Gelegenheit auf die Fragen zurück. Red. Während der letzten Monate hat die palästinensische Arbeiterschaft keine ״gute Presse“, besonders außerhalb des Landes. Man kritisiert sie öfters, manchmal schärfer, manchmal schwächer, aber mit einer beneidenswerter Ausdauer. Man kritisiert ihre Kampfesmethoden, man beanstandet ihre Arbeitemethoden — in der Stadt und auf dem Lande. Und wenn man auch zugibt, daß nicht in der Arbeiterschaft die wirkliehen Ursachen der jetzigen zionistischen Krise zti suchen sind, so meint man doch — diesen Eindruck gewinnt man unvermeidlich —, als ob durch fortwährende Kritik der Arbeiter- Schaft, durch fortwährende Forderungen der ״Revision“, der ״Rationalisierung“ usw. der Arbeiterwirtschaft der Krise abgeholfen wird. Nun — Kritik ist an sich sicherlich eine berechtigte Sache, und zwar zu allen Zeiten, zu schweren und zu leichten Zeiten. Wenn etwas in Erez-lsrael bis jetzt nicht richtig geschah, ist es nur natürlich, wenn man die Sache wieder gut machen und unsere Zukunft sichern will. Allerdings ist es sehr fraglich, ob man durch dieses fortdauernde, unaufhörliche Kritisieren gerade jetzt viel praktischen Nutzen erzielt. Denn — wenn man sich nur, oder fast nur auf die Kritik beschränkt, erweckt man bei den Diaspora-Zionisten den Eindruck, als ob eine objektive Möglichkeflt bestünde, an Stelle einer ״schlechten" Wirtschaft eine gute oder jedenfalls bessere Wirtschaft zu setzen und als handelte es sich nur darum, gewisse Leute, die diese Wirtschaft leiten, auf ihre Fehler hinzuweisen, sie zu überzeugen oder von ihnen das Outmachen der Fehler direkt zu fordern. Und durch diesen Eindruck wird der Wille und die Energie der Diaspora-Zionisten gelähmt. Man kommt, in etwas anderer Formulierung, zu dem bekannten Satze von Jabotinsky: ״So lange die palästinensische Regierung ihre Politik nicht «ändert, Ist unsere ganze Arbeit umsonst“ —״ ־solange die Arbeiter Ihre Methoden und ihre Wirtschaft nicht ändern, Ist unsere ganze Arbeit umsonst.“ Und diese Schlußfolgerung, diese Lahmlegung der zionistischen Energie in der Diaspora entzieht dem Zionismus »eine stärkste Kraft. Denn — das muß den Diaspora-Zionisten klar sein — wir sind in einem Kreis eingeschlossen, aus welchem uns keine Kraft außerhalb der Diaspora-Zionisten herausführen kann. Es gibt heute keine objektive Möglichkeit, die palästinensische Wirtschaft aus der Krise herauszuführen, wenn von der Diaspora keine außergewöhnliche finanzielle Anstrengung dazu gemacht wird. Darauf soll nicht geantwortet werden: ״Eben deshalb suchen wir bessere Wirtschaftsmethoden, weil wir nicht wollen, daß die eventuellen neuen finanziellen Mittel ebenso fruchtlos im palästinensischen Sand versinken wie die früheren.“ Denn was beute auf der jüdischen Wirtschaft so ungeheuer lastet, sind nicht die Mängel der bestehenden Institutionen, sondern die große Zahl der Arbeitslosen, die alle zur Verfügung stehenden Mittel verschlingen und immer neuere und immer stärkere Forderungen an die bestehenden Institutionen stellen. Wenn, sagen wir, heute gerade die Arbciterwirtschafteinstitutreuen — Arbeiterhank, Hamaschbir, Solei Bon eh, auch die landwirtschaftlichen Siedlungen ־— in äußerst schwerer Lage sich befinden, so liegt die Hauptureachc nicht in der mangelhaften Leitung dieser Institutionen, sondern in der ungeheueren Last, die durch die Arbeitslosen ausgelöst wird. Und dasselbe gilt für die jüdischen Selbstverwaltungsorgane und für die ganze Arbeit der palästinensischen Exekutive, Die erste Aufgäbe besteht deshalb augenblicklich in einer zeitweiligen Befreiang von dieser Last — und dabei handelt es sich nicht um Aufbau neuer Wirtschaftsinstitutionen, die eventuell von der Kritik ihren Nutzen ziehen könnten, sondern um Organisierung öffentlicher Arbeiten. Es ist selbstverständlich, daß diese Arbeiten im Rahmen des voraussichtlichen zionistischen Wirtschaftsplanes organisiert werden müssen — darüber ist man sich in Palästina vollkommen im klare». Ebenso ist man steh darüber im klaren, daß diese öffentlichen Arbeiten das Hauptproblem nicht lösen, sondern mir verschieben — aber diese Verschiebung ist nötig, um die seelischen und intellektuellen Kräfte frei zu machen, die sich der Lösung des Problems widmen könnten — und dann, aber nur dann, H-ig~--ggU"=aj"ULL»».«;_»g"JBgB_'!"■1LJUl-ja•-; wird die Kritik den ihr gebührenden Platz einnehmen, dann wird man über ״Revision“ und ״Rationalisierung“ sprechen können — heute hat keiner in Palatina dazu die Öhren, um das zu hören -- und so bildet sich im Zionismus eine merkwürdige lind höchst unerwünschte Duplizität: in der Diaspora kritisiert man und in Palästina müht man sich aussichtslos ab. ln dieser scharfen Kritik der Arbeiter-Wirtschaft liegt noch eine andere Gefahr fiir die nächste Zukunft des palästinensischen Aufbaues. Denn man begnügt sich rdeiht mehr mit der Kritik der Leitung oder der Methoden, sondern man rührt, durch allgemeine Unzufriedenheit begünstigt, an den Grundlagen der zionistischen Bewegung, man bedient sich der sich allmählich bildenden Schlagw»rte, um die zionistische öffentliche Meinung irrezuführen und die zionistische Aktivität in falsche, verhängnisvolle Bahnen zu lenken. Ein krasses Beispiel zu dieser Irreführung durch Schlagwortc hat meiner Meinung nach Heinrich Margulies in seinen in der ,Jüdischen Rundschau“ veröffentlichten Aufsitzen geliefert. Ich meine nicht die Betrachtungen von Margulies über die ״arabische Wirtechaftsgefabr“, sondern seine Auslassungen gegen die Arbeiterbewegung und Arbeiterwirtschaft (vor allem in dem zweiten Aufsatze). Margulies stellt Thesen auf. Er sucht keine Beweise zu bringen. Wo er Beispiele anführt, zeugen sie von einem seltenen Leichtsinn in Gebrauch der Tatsachen. Nur um seine Methoden klarzustellen, lohnt es, einige von seinen Angaben hier anzuführen. H. Margulies erzählt, daß ״die Exekutive unglücklich linkspolitisch zusammengesetzt ist“ - und dabei ist doch allgemein bekannt, daß von neun Mitgliedern der Exekutive nur zwei den linken Gruppen angehören. Margulies weiß sehr gut, daß einer von diesen zwei Mitgliedern kein Sozialist ist und daß es innerhalb der Arbeiterbewegung eine große nichtsozialistische Partei gibt; das hindert ihn aber nicht, fortwährend von ״sozialistischen Exekutivmitglicdern", von ,״sozialistischer Stadtverwaltung von Tel-Awiw“, von ״sozialistischer Wirtschaft“ zu sprechen. Margulies erzählt von ״zahlreichen Jabotinsky-Anhängem in der Arbeiterschaft“ und dabei haben diese Jabotinsky-Anhänger bet den letzten Histadruthwahlen 200 Stimmen von 17 000 abgegebenen Stimmen bekommen. H. Margulies will den reinen Idealismus der palästinensischen Industriellen beweisen und erzählt uns von einem Manne, der 100״ Arbeiter beschäftigt für eine Produktion, die er zu Hause mit 25 bewältigt hat und diese 25 haben halb so hohe Löhne erhalten und doppelt so gute Arbeit geleistet wie jene 100. Er wollte sich ein Denkmal setzen — vor einem Jahre, als er die Fabrik zu bauen begann, waren 40 Juden am Ort und jetzt sind es 400.“ Margulies sagt nicht, wen er meint, aber es kann steh nur um die Streichholzfabrik ״Nur" in Akko handeln, und. wie wahrheitsgetreu die Angaben von Margulies sind, kann man aus folgenden Daten schließen: die Zunahme der jüdischen Bevölkerung von Akko (die übrigens viel kleiner ist, als H. M. behauptet) hat vor der Eröffnung von ״Nur“ angefangen und steht in keinem so direkten Zusammenhänge mit dieser Fabrik; von den 100 ״Nur“-Arbeitern sind fünfzig Araber; der Besitzer hat, dank dem Einfuhrverbot für Streichhölzer, ganz schöne Gewinne erzielt es handelt sich also nicht nur um ein ״Denkmal“; er beschäftigt Arbeiterinnen, die 6 Piaster Tagelohn bekommen; die Arbeiterorganisation ist in seiner Fabrik verböte»; die sanitären Bedingungen sind unter jeder Kritik. Dieser kleine Fall beleuchtet übrigens nicht nur die Wahrheitstreue von H. Margulies, sondern auch den angeblichen Idealismus einiger palästinensischer Industriellen. Es mögen Kleinigkeiten sein, es sind aber alles tatsächliche Angaben, die H. Margulies macht — andere sind in seinen Aufsätzen nicht ru finden. Den Rest bilden freie Konstniktionen, für welche jede Beweisführung fehlt. H. Margulies behauptet: der palästinensische Industrielle will nur produzieren und Arbeit für eine immer wachsende Zahl von Juden schaffen; die Steigerung der Produktion ist für ihn das oberste Gesetz. Andererseits bilden Arbeiter-, nicht Produlctionsinteressen, das oberste Gesetz der Arbeiterschaft, die dazu noch die ganze Wirtschaft monopolisiert hat und die Privatwirtschaft verhindert. Wie gesagt, fehlt für diese Behauptungen jede Beweisführung - und es gibt doch eine reiche palästinensische Praxis, es gibt eine reiche Arbeiterliteratur, und es sollte ein leichtes sein, Beweise anzuführen. H. Margulies hat sich aber von dieser Aufgabe gedrückt, und!B!g!BB!!a:j!8!_HB_5■ JBlgglii'JigflBBSC'gLJlg■_■iUJJSHWWiB.; *Misebe Nnstk Herr und Frau Bernhard Kahn luden am 25. d. M. eine Gesellschaft künstlerisch interessierter Persönlichkeiten zu sich, um dem hervorragenden Künstler David Scharr, Professor der staatlichen Hochschule für Musik in Moskau, Gelegenheit zu geben, über das Musikwesen in Palästina, zu dessen Förderern Prof. Schon־ gehört, zu sprechen. Prof. Sehorr führte ungefähr aus: Trotz der anerkannten musikalischen Begabung des jüdischen Volkes wurden die eigentliche jüdische Musik und das jüdische Musikleben nicht gepflegt. Erst vor 25 Jahren wurde in Rußland die Gesellschaft für jüdische Musik gegründet, die mit Hilfe des Phonographen noch in letzter Stunde den großen Schatz des jüdischen Volksliedes vor der Vergessenheit bewahrte. Um den Komponisten Joel Engel gruppierten sich junge jüdische Künstler — heute anerkannte Meister die eine jüdische Musik mitschaffen halfen. Eine wirkliche Heimat kann aber die jüdische M u- 6 i k nur in Palästina haben. Prof. Sehorr begründete anläßlich seiner vor 20 Jahren unternommenen Palästinareise in Jerusalem und Jaffa die ersten Musikschulen. Heute haben diese beiden Städte Musikhochschulen, die Stadt Haifa hat eine kleinere Musikschule. Man verfügt bereits über ei« auserlesenes Quartett, ein Trio and ein kleines Symphonie- Orchester. Die von G o 1: t! k i n begründete Oper leistete Hervorragendes. Der Komponist R o s o w s k i gründete ein Institut für hasanuth (Synagogal-Musik). Es Ist nun notwendig geworden, das Musikleben Palästinas zu vereinheitliehen, damit es Früchte für die Zukunft trage. Im jungen jüdischen Jischuw herrscht eine starke Musiksehn sucht, man muß diesen schwer arbeitenden Menschen das Leben durch Kunst, die sie so sehr lieben, verschönern helfen. Berühmte Künstler wie Godowsky und Chejfez hegen grandiose Pläne wegen Gründung einer modernen großen Musikhochschule. Die Stadt Tel-Awiw hat ihrerseits einen schönen Platz für ein ״Haus der Musik“ gespendet. Eine große Arbeit steht noch bevor in der Erforschung de״ Schatzes palästinensischer Musik. Um alle diese Bestrebungen zu fördern, ist eine Mit- Wirkung der gebikieteo Juden iss alten Ländere erforderlich. Den Palästinensern ist die geistig-künstlerische Nahrung ebenso notwendig wie der physische. Wir besitzen eine herrliche Jugend in Palästina, man soll von ihr nicht erwarten, daß sie sich loslöst von den Kulturerrungenschaften Europas. Prof. Sehorr bat die Anwesenden, sich in einem deutschen Komitee zur Förderung der jüdischen Musik in Palästina zu vereinigen; er hoffe, dies werde in deutsch-jüdischen Kreisen Resonnanz finden. Dr, Bernhard Kahn unterstützte die Ausführungen Prof. Schorrs darin, daß die geistige Förderung der materieller! nicht nachzustehen habe. Auch bei den Anwesenden wird zunächst ein geistiges Interesse vorausgesetzt, das materielle folgt nach. Er seinerseits werde der Sache alle mögliche, auch materielle Förderung angedeihen lassen. Im Verlauf des Abends ergriffen das Wort noch Herr Staats rat Teitel, Dr. Martin Rosenblüth, Dr. Rosenstein, Professor Leichtentritt u. a. m. Die interessante Aussprache war eingerahmt von auserlesenen Darbietungen jüdischer Musik durch Künstler wie Prof. Sehorr, Vera Sehorr, J. Dobrowen, Karol Szretter, Frau Pauline Dobert und Herz G roÄ ba rt. Vortragsabend. Die letzte Veranstaltung des Scholem Alechemklubs galt nach langer Pause dem vortrefflichen Künstlerpaar, Fierz Großbart und Frida Blumenthal, die diesmal das bekannte Programm Perez: (״Die Kellerstüb“) durch neues oder selten Gehörtes ergänzten. Herz Großbart, der immer ein sehr feiner schätzenswerter Deuter der jiddischen Prosa war, entwickelt sich zu einem ganz großen Gestalter. In der Geschichte vom ״Porisch, der zur Leidenschaft erwacht“, überraschte er auch im Gesichtsausdruck durch eine Intensität der phantastischen Gestaltung, die das Urbild allerbester Edgar Allan Poe-Illustrationen »ein könnte. Auch die große jüdische Oeffentlichkeit sei auf diesen hervorragenden Gestalter, den sie lange nicht genug würdigt, eindringlich htagewiesen! Von ihm horte man auch eine senr beachtenswerte neue Novelle von Bergeisen; ״Altwcrk“ und von Josef Lunkel u. a. eine bildhaft lebendige• ״Lektion über jüdische Redensarten“, ln der Nachschöpfung durch Frieda Blumenthai erwies es sich, daß die Innigkeit wer weiß, welch schmerzliches Kapitel in Palästina diese ״Schaffung von Arbeit für Juden“, gerade für Juden, durch Privatkapital bildet, welche Forderungen der palästinensische Industrielle öfter an die jüdischen Arbeiter stellt, wer andererscits weiß, in weichem Maße die Arbeiterschaft es verstanden hat, überall und immer, «auch in dieser schweren Stunde, ihre Klassenintcresscn den nationalen unterzuordncri, wird leicht verstehen, warum FI. Margulies den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“' die Beweisführung fiir seine Behauptungen schuldig geblieben ist. Und doch nicht die beweislosen Behauptungen und grundlosen Angriffe sind meiner Meinung nach das Bedenkliche in den Aufsätzen von Margulies, sondern die viel tiefer greifende Irreführung der zionistischen öffentlichen Meinung in bezug auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Palästina. Die Aufsätze von H. Margulies schaffen den Eindruck — und es Ist anzunchmen, daß dies das Ziel des Verfassers war —, als ob nur die Arbeiter das Hindernis zur Schaffung einer, wirtschaftlichen Einheitsfront bilden - in dem Moment« aber, wo es gelingt, die Arbeiterschaft zu brechen, ist der Weg zum Blühe« von ״Handel, Industrie und Banken“ offen. Hier in dieser ״neuen“ Ideologie liegt die ,größte Gefahr. Mit einer souveränen Verachtung wirft H. Margulies alle ״Romantik‘‘ weg und die ״landwirtschaftliche Ideologie“ ist für ihn nur ״Ucberbicibsd einer Tolstoi-Romantik". Es ist offensichtlich sinnlps, mit H. Margulies darüber zu streiten, welchen Wert für uns diese von ihm verachtete Romantik darstellte und auch jetzt noch darsfellt, welche ungeheuere» seelischen Kräfte sie ausgelöst hat. Dieser Streit mit« H. Margulies ist nicht m führen - cs fehlt jede gemeinsame Sprache. Es ist aber eine andere Problemstellung möglieh, und nur ein Mann, der seine Begriffe über seine Gegner vollständig wiHkürlich schafft, kann ernstlich glauben, daß die sogenannte ״landwirtschaftliche Ideologie“ nur von der Liebe zur Dorfidylle genährt wird. Es wurde bis zu den letzte« Jahren iin Zionismus angenommen, daß die Schaffung eines starken und unabhängigen Zentrums in Palästina, das in seiner sozialen Struktur prinzipiell von der Galuth verschieden wäre, mir auf Grundlage der Landwirtschaft möglich ist. Es wurde weiter angenommen, daß die ökonomischen Verhältnisse in Palästina .und Umgebung derart sind, daß eine relativ starke Entwicklung von Handel und Industrie unmöglich ist und daß diese Zweige der jüdischen Arbeit notwendigerweise mit der Entwicklung der Landwirtschaft, d, h. mit der Schaffung des inneren Marktes, Schritt halten müssen. Und es ist lächerlich, anzunehmen, daß dies alles nur Frucht der Liebe zu ״dem Bilde des Sämannes“ war vielmehr lagen dieser Anschauung langjährige Erfahrung und sorgfältiges Studium Palästinas und der Nachbarländer zugrunde, und die Ergehnisse dieser Erfahrung und dieses Studiums sind in zahlreichen Aufsitzen und Büchern festgelegt (ich erinnere, nur an die Arbeiten von Wilkansky oder Ruppin). Daß der Weg schwer und langsam Ist, war auch den Anhängern dieser ״Romantik“ klar — nur einen anderen Weg sahen und sehet! sie nicht. Nun kommen die ״Industriellen“ — fl. Margulies zum Beispiel —, und ohne es zu wissen, daß sie über Dinge sprechen, die schon längst durchdacht und durchstudiert sind, fangen sie an, ״Amerika zu entdecken“ und von der Schwere und Länge des Weges zu erzählen und ints ,,Romantiker“ zu scheiten. Wenn man sie aber fragt: ״Habt ihr einen anderen Weg?“ dann beginnt das Merkwürdige. Sie antworten nicht, mit Tatsachen und Ziffern und Studiertergebnissen in der Hand und auf Grund der palästinensischen Erfahrung: das und das, aus diesen und diesen Gründen, mit diesen und diesen Mitteln ist in Erez-lsrael möglich. Diese Antwort geben sie nie, sondern immer, ausnahmslos, eine ganz andere: die Arbeiterschaft ist schuld, die Regierung ist schuld, die Exekutive ist schuld. Mehr bekommt man von den Leuten nie zu hören. Mehr wird man auch in den Auf- »ätzen von H. Margulies nicht finden. Das Bedenkliche an der Sache ist dabei der Umstand, daß wir uns in schwerster Krise befinden und daß diese Krise hauptsächlich, wenn nicht einzig und allein, durch den Versuch verursacht ־wurde diese .״industriellen“ Theorien zu verwirkliehen. Es geht nicht an, den Zusammenbruch der ״vierten Alijah“ durch äußere Umstände zu erklären — die Bewegung war stark genug, um alle äußeren Hindernisse von ihrem Wege ■wegzufegen, wenn sie mir innerlich gesund gewesen wäre. Und cs geht nicht an, die Schlußfolgerung aus der des Anders wischen Märchens: ״Das Mädchen mit den Srhwefelhölzern“ gerade im Jiddischen zu noch viel schönerer Wirkung kommt, als in 'der besten deutschen Uebersetzung. Ruth Morold. Am 21. Februar wird auf dem Platze hinter der Nicuwe Kerk im Haag, woselbst sich unter der Erde die sterblichen Uebcrresie Spinozas befinden, ein Grabstein enthüllt. Der Grabstein wird von einem kleinen Rosengarten umgeben sein. Abend» findet eine Gedenkfeier statt, an welcher zahlreiche holländische und ausländische Gelehrte teilnehmen. Ansprachen halten Prof.! ׳;>n Brunschwig, Paris, Dr. J. H. Carp, Gaah, Dr. Carl Gebhardt, Frankfurt a. M., Prof. Adolf Rava, Padua, sowie ein englischer Gelehrter. Am 22. Februar wird das Spinoza-Haus an der Paviljoensgracht 7274 eingeweiht werden. Die Straßenfront des Flauses wurde wieder in den alten Zustand versetzt, auch im Innern des Hauses wurden Wiederherstellungen vorgenommen. Am 24. Februar findet dann im Gebäude selbst ein Spinoza- Kongreß statt. Kürzlich erschien das große illustrierte Pala-nna-Buäi von Joseph Patai in ungarischer Sprache, unter dem Titel .Föltämadö Szeotföld“ (Das Auferstandene Heilige Land). Es ist ein Werk, welches sich durch eine überaus schöne Ausstattung (200 Illustrationen und Kunstbeiiagen von Abel Parin, löset Tapper, Wilhelm Wachtel, Bension Zuckermann, Borns Schatz, Lilien, Struck usw.) auszeichnet, Joseph Patai, der Erez-lsrael wiederholt besucht hat, schildert mit großer Liehe das neuerwachte Leben Palästinas im Zusammenhang mit allem, was das Land für die Bibel und die jüdische Legende in der Vergangenheit galt und was es dem Kulturmenschen von heute bietet. Das Buch, das erste bedeutende Palästina-Buch in ungarischer Sprache, hat einen besonders großen Propsgandawert für den Gedanken des Palästina-Aufbaues in Ungarn. Das Werk ist im Verlag der Kunst-Zeitschrift Mult es Jövö (Budapest VI. Rivay u 14.) erschienen. Preis 3 Dollar. 0 Das Buch ״Er rief“ ist soeben als dritter Band de׳ Bibelübersetzung von Buber und Rosenzweig im Verlag Lambert Schneider, Berlin-Dahlem, erschienen.