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Jüdische Rundschau · 1927-01-25 · Heft 7 (25.1.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 7 (25.1.1927)
Date
1927-01-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Serie 49 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. ל worden. Dieseln Plane seiner Gründer ist der D.!. G. B. treu geblieben. Gemeinden als Grundlage des Verbandes — das ist die ureigene Idee des D. I.G. B. Die Landesverbände haben sie zwar kopiert; sie haben aber das Original niemals erreicht und können es nicht erreichen, weil sie auf die Gebiete der einzelnen Länder bcschränkt bleiben müssen, während der D. 1. G. B. die einzige Organisation ist, die das ganze Reich umspannt Ih dieser wichtigen Erkenntnis hat das deutsche Judentum ihm allein auch das Vertrauen ausgesprochen und ilim allein den nicht widerrufenen Auftrag erteilt, die Gesamtorganisation zur Durchführung zu bringen. Seit dem 23. Januar 1921 hat in Deutschland noch keine allgemeine, zwischenparteiliche jüdische Versammlung getagt, die einerseits von ebenso einwandfrei legitimierten Abgeordneten der Judenschaft beschickt wäre, und .anderseits in ihren Beratungen und Beschlüssen das gleiche Maß von sittlichem Ernst, politischer Einsicht und jüdischem Verantwortlichkeitsgefühl aufgebracht bitte. Dieser Tag, der 23. Januar 1921, bleibt ein hoher Aktivposten der deutschen Judenheit, der höchste des D. l.G.B. Dagegen müssen alle Angriffe gegen den D. I. G. B., die man oft auch aus den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen hört, vollständig zurücktreten, ohne daß es einer Nachprüfung ihrer Berechtigung bedarf. Ob das soziale Wirken der Anstalten in Art und Ausmaß auf der Höhe ist, ob die Personen, die an der Spitze stehen; den berechtigten Anforderungen entsprechen, sind Fragen, die in der Gegenwart und für die nächste Zukunft keine Bedeutung haben. Der D. I. G. B. hat eine Verfassung, die demokratischen Anforderungen genügt. Sie wird — und das ist Ja gerade einer der Vorzüge der Demokratie — die Führerauslese ermöglichen; sie wird auch den sozialen Forderungen Geltung verschaffen. Es ist kein Zufall, daß alle Kreise, die demokratisches Empfinden haben, sogar die Demokraten aus den Reihen der jüdisch-liberalen Partei, sich immer wieder um den D. I. G. B, gruppieren, während diejenigen, die am liebsten In eigener Person, wenigstens aber durch ihnen wählverwandte ״Notabein“ die Geschäfte der Juden in Deutschland zu führen bestrebt sind, die Wege der politischen Hintertreppen gehen. Schon unmittelbar nach der Schöpfung der Oesamt- Verfassung am 23. 1. 1921 hatte ich im Ausschuß des D. L G. B. beantragt, die Gesamtorganisation als vollendet anzusehen, die Wahlen zum ordentlichen Verbandstage auf Grund des allgemeinen, gleichen, auch Frauen umfassenden Verhältniswahlrechts auszuschreiben, Rat und Ausschüsse zu konstituieren und damit die Reichs- Organisation von uns aus anzuerkennen und praktisch arbeiten zu lassen. Die staatliche Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechtes war ־— dahin, -,geht uhsfcre RechtsüberÄsigttng — difttr Art 137 gewährleistet. Wäre man dieser Anregung gefolgt, so wären uns die Kämpfe vieler Jahre erspart geblieben, die Reichs- Organisation hätte heute schon einen festgefügten und gesicherten Bestand. Leider aber haben gerade diejenlgen Kreise, die späterhin, als es sich um den verunglückten Dachverband handelte, auf die staatliche Anerkennung und den Charakter als Körperschaft des öffentlichen Rechts ganz verzichten wollten, darauf bestanden, daß zunächst eine staatliche Genehmigung eingeholt werde. Als man sich entschloß, ihrem Verlangen nachzugeben, und den Antrag auf staatliche Genehm!- gung zu stellen, waren sie es wiederum, die Schwierigkeiten bereiteten und damit die Erteilung der > Genehmigung durch den Staat hinzogen, so daß sie heute noch nicht gegeben ist. Solange die Möglichkeit bestand, daß diese Kreise dem deutschen Judentum die Gesamtorganisation durch eine andere Lösung würden verschaffen können, mußte man ihr Verhalten zwar auch verurteilen, durfte aber bis zur Klärung des Sachverhalts warten. Nachdem jetzt der Plan der Gegner endgültig gescheitert ist, müssen die Wege wieder beschritten werden, die man schon am 24. Januar 1921 hätte gehen müssen. Noch immer muß als oberster Grundsatz der Artikel 137 der Reichsverfassung gelten, nach dem der D. I. G. B. ein Verband von öffentlichrechtlichen Religionsgesellschaften und damit auch seinerseits eine öffentlich-rechtliche Körperschaft ist. Die jüdische Politik in der Organisationsfrage hat von dieser staatsrecht'ich gesicherten Grundlage unverrückbar auszugehen. Dieser Standpunkt muß zunächst grundsätzlich den Regierungsstellen von Reich und Land gegenüber vertreten werden; er muß zugleich für die Führung der Geschäfte innerhalb des D, I. G. B. den Ausgangspunkt bilden. Auf Einzelheiten staatsrechtlicher Art kann in diesem Zusammenhänge nicht eingegangen werden. Hier sei die Versicherung ausreichend, daß eingehende und gründliche Nachprüfungen stattgefunden haben, daß ihr Ergebnis im Sinne der vorausgegangenen Feststellung gesichert ist, daß den Regierungsstellen die Rechtslage in diesem Sinne unterbreitet ist, und daß dagegen auch von den zuständigen Behörden rechtliche Bedenken kaum geltend gemacht werden. Im jüdischen Lager wird der D. I. G. B. streng die Konsequenzen aus diesem Standpunkt zu ziehen haben. Sie gehen dahin, daß er sich als die Gesamtorganisation betrachtet und demgemäß zur Konstituierung der verfassungsmäßigen Organe übergeht. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird der D. I. G. B. bei dieser Arbeit den Sympathien des weitaus größten Teiles der Juden begegnen. Der Preußische Landesverband hat keinen anderen Weg zu einer Gesamtorganisation gezeigt oder auch nur gefunden. Der neugegründete Landesverband, der die Hansastädte umfaßt, hat mit seiner Gründung zugleich den Beschluß gefaßt, eine Gesamtorganisation durch den D. I. G.B. zu fördern und ihr beizutreten. Sehr viele der Landesverbände, die im vorigen Jahre den Plan des gescheiterten Reichsverbandes mitgemacht hatten, waren nur aus Zweckmäßigkeitsgründen und zum Teil mit innerem Widerstreben mitgegangen. Die entschiedene Stellung von Bayern, dessen Verband erklärt hatte, keine andere Gesamtorganisation mitzumachen als die eines losen Dachverbandes, und die Nachgiebigkeit von Preußen haben die kleineren Verbände stark beeinflußt Sie hielten die Sache der Reichs- Organisation für gescheitert, wenn sie nicht das Kornpromiß der Dachorganisation eingingen; nur deshalb hatten sie sich gefügt Diesen Standpunkt haben der Landesverband des Freistaates Sachsen und der von Anhalt klar und deutlich zum Ausdruck gebracht; auch die Erklärungen von Baden lagen ungefähr auf dem gleichen Gebiete. So i ist mit Sicher heit datauf ומי rechnen, daß׳ diese Verbände mit Freuden dem D.l G. B. wieder folgen werden, wenn er die Führung ergreift und den schönen Plan vom 23. Januar 1921 in die Wahrheit umsetzt Die Reichsorganisation, die sich selbst den Boden bereitet, wird ihn nicht verlieren. Wer von den Verbänden, Gemeinden und jüdischen Einzelpersönlichkeiten auf rechtlich gesichertem, rnenschlieh ehrlichen, organisatorisch gebahnten und jüdisch längst erkanntem Wege zur Gesamtverfassung vorwärts schreiten will, wird dem D. I. G. B. Gefolgschaft leisten müssen. Die Einwanderung Jerusalem, 12. Januar, (P.C.) In den ersten zwei Monaten des Jahres 5087 (Oktober und November 1926) kamen 1355 Juden nach Palästina; davon 588 Männer, 4M) Frauen und 307 Kinder. Fast ein Drittel der Immigranten waren Chaluzim, 190 Touristen, 23S von palästinensischen Bewohnern abhängige Personen, während 106 die erforderliehen £ 500 für bemittelte Immigranten nachweisen konnten. Die Berliner Repräsentantenversammhing Die Entscheidung in der Frage der Berliner Repräsentanten- Wahlen vom 16. Mai 1926 .steht — wie die J. T. A. erfährt — jetzt bevor. Diese Wahlen, die bekanntlich von liberaler Seite angefochten worden waren, hatten das Resultat ergeben, daß vom Wahlkommissar als rechtmäßig gewählt 10 liberale Reprisentanten und 11 Repräsentanten der Jüdischen Volkspartei, der Religiösen Mittelpartei und der Konservativen festgcstellt worden waren. Von den vielen in den Wahlprotesten vorgetragenen Momenten scheint lediglich als noch nicht völlig aufgeklärt der Umstand angesehen zu werden, daß Mitglieder der Berliner, nicht zur Hauptgemeinde gehörenden, Synagogengemeinde ״Adass Jlsroel“ mitgewählt haben sollten, daß bei Berichtigung der Listen auch Personen, die das wahlfähige Alter noch nicht gehabt haben sollen, in die Listen eingetragen wurden und schließlich, daß etwa 20 Wähler aus einem nördlichen Vorort, der nicht zum Bezirk Berlin, sondern zur Syiiagogengcmeinde Oranienburg gehört, mitgewähit hätten. Wie verlautet, sind dies die einzigen Monita, die, vorausgesetzt, daß ihre Richtigkeit bewiesen wird, Berücksichtigung finden müssen. Es müßte nun zunächst festgestellt werden, ob wirklich den bezelchneten Kategorien angehörende Personen gewählt haben. Bcweispflichtig sind die Gruppen, die Protest eingelegt haben. Sollte der Beweis geführt werden, so würden voraussichtlich die Stimmen proportional den einzelnca Parteien in Abzug gebracht werden müssen. Es kommt also eine Aufhebung der Wahl oder eiue Ungültigkeitserklärung derselben, gutem Vernehmen nach, unter keinen Umständen in Frage, sondern lediglich eventuell eine proportionelle Reduktion von Stimmen, die voraussichtlich au dem Wahlresultat keinerlei Acnderung herbeiführt. Von der poale-zianistischen Partei nah«- stehender Seite erfährt die Ha noch, daß, die Richtigkeit der oben angeführten Stellungnahme der Behörde vorausgesetzt, die Möglichkeit besteht, daß die poale-zionistische Spitzenkandidatur, die sich mit einem Repräsentanten-Stellvertretermandat begnügen mußte, ein Vollmandat erhält. Diese Möglichkeit wird dann vorliegen, wenn im Falle einer Proportionalreduktion von Stimmen diese z. B. auch in einem Wahlkreis Groß-Berlins erfolgen sollte, in dem die Poale-Zion keinerlei Stimmen ct* halten haben und somit in diesem Wahlkreise natürlich nicht reduziert werden können. Im übrigen aber ist, wie der Ita-Vertreter erfährt, rine offizielle Mitteilung der. staatlichen Behörde an den Berliner Gemeindevorstand noch nicht gelangt. Von der Hauphorsfandssitzcng de« C.-V. Ueber die große Hauptversammlung des CentraRVereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die am 16. Januar in Berlin stattfand,' schreibt die letzte Nummer der Central- Vereins-Zeitung u. a,:"׳ Unter ganz besonders großer Beteiligung aus dem ganzen Reiche bm®t*׳-dfeHä«ptwör«tänife*lt»jrfg.oin<l;A1*^pfach^1a'be-r. alle wesentlichen Putdcte der inneren und äußeren Vereinspoütik, der Propaganda, der Kulturpolitik, der Finanzen und der zukünftigen Ausgaben des C.-V. mit sich. Ueber das Thema ״Das kommende Reichsschulgesetz und seine Einwirkung auf die politischen und sozialen Verhülltnlsse der deutschen luden“ wurden die Vorstandsmitglieder durch Referate der Herren» Rechtsanwalt Dr. Jakob Mark (Karlsruhe) und Rabbiner Dr. Goldman n (Leipzig) eingehend unterrichtet Einen wesentlichen Raum nahmen die Erörterungen auf dein innerjüdisehen Gebiet, so auch über die Gründung des Pro-Palästjna-Komitees ein. Man war dabei allgemein der Ansicht, daß abzuwarten sei, inwieweit durch die Tätigkeit des Pro-Palästina - Ko tn i t e e s die unverrückbaren Grundsätze des Central״ Vereins, unsere unlösbare Verbundenheit mit dem deutsehen Volkstum uud unerschütterliche Auffassung des Judentums als Glaubens- und Stammesgemeinschaft etwa berührt werden. ״Daily Telegraph“ kündigt amtlich an, daß die Stelle eines Direktors für Antiquitäten in Palästina freigeworden sei. Das Gehalt beträgt 1300 äg. Pfund pro Jahr. Die Stelle wird öffentlich ausgeschrieben. Pariser Eindrücke ln den drei Pariser Wochen, die hinter mir liegen, habe ich dies bestätigt gefunden: Das Wort Freiheit, das an jedem öffentlichen Gebäude an erster Stelle angeschrieben ist, steht dort zu Recht. Die Pariser sind ein freies Volk, der Geist von 1789 ist noch lebendig, noch weht Barrikadenluft. Eine Oeschichte, wie die vom falschen Hohenzollernprinzen, die: ich in Paris las, wäre dort unmöglich. Die Knecht- Seligkeit ist dem Pariser fremd. Der einfache Mann spricht mit Ministern ungezwungen und als Gleicher zü Gleichen. Hier fürt man, welches Gottesgeschenk die französische Revolution iropa und der Welt gebracht hat. Denjenigen Juden sei ein Aufenthalt in Paris empfohlen, die in Asiens Namen Europa den Kampf ansagen und dabei ,vergessen, daß die jüdische Freiheitsbewegung ohne die Früchte der französischen Revo-! •Iution undenkbar wäre. Wie nun infolge seiner anormalen Situation der deutsche Jude in höherem Maße geistig unfrei, ist ■als,.der tiichtjüdische• Deutsche, so bringen die französisehen Juden in ihrer Goluspsycliologie nicht die gleiche fhnerlicne' Unbefangenheit auf wie die anderen Franzosen. Wie ein 'judenfreundlicher Nichtjude, der frühere Minister Justin Goaart, kürzlich in Le Monde nouveau schrieb, fühlen sie sich dauernd beargwöhnt von einem latenten Antisemitismus, der sie überwacht und bedroht.. ״Offenbar bestimmt sie diese Feindseligkeit, von der sie sich umgeben fühlen, dieser Schatten, der sie begleitet, ein noch gefährdetes Glück oft bis zum äußersten zu verheimlichen und zu behüten, aus Angst oder aus einem Gefühl übertriebener Bescheidenheit.“ So zeigen die eingesessenen Pariser Juden sich jüdisch völlig uninteressiert und ihre hohen Würdenträger machen hiervon keine Ausnahme. Immerhin läßt ■die französische Luft auch bei den Juden einen Servilismus nicht aufkdmmen, der über ,den Hand* druck eines Ministers entzückt wäre. Ich habe in Paris erfahren, wie formlos man mit Ministern umgeht, wenn man sie in jüdischen Angelegenheiten nötig hat. Hat man nicht Zeit, selbst zum Minister zu gehen, so schickt man seine ■ Stenotypistin, die nicht minder liebenswürdig empfangen wird.־"'■ $ Die deutschen Juden haben immer wieder in gründlichen Abhandlungen die Wesensverwandtschaft des deutschen Volkes mit dem jüdischen zu beweisen versucht Ebenso behaupten die französischen Juden die Charakterähnlichkeit des französischen und des jüdischen Volkes. Es wird keinen Menschen geben, der die abgrundtiefen Unterschiede im Wesen des deutschen und des französischen Volkes, die beide dem jüdisehen gleichen sollen, nicht erkennen könnte. Die französischen und die deutschen Juden haben wohl beide unrecht. Es gibt aber Menschcnexemplare, in denen sich das jüdische Volkstum mit den besten Eigenschaften des Wirtsvolkes in schönster Weise vereinigt. Ein Beispiel: L6 0n Blum. * ■ Daß die Masse der alteingesessenen französischen Juden dem Zionismus mit Gleichgültigkeit begegnet, folgt aus dem, was ich oben über sie gesagt habe. Um so größere Sympathie bringen die Regierung und die geistigen Führer des französischen Volkes der jüdischen Renaissancebewegung entgegen. Der F r.a itce-Pa J e s t ine, eine dem deutschen Pro , Palästina-Cbmitc entsprechende Organisation, die seit etwa einem Jahr besteht, gehören der Präsident der Republik, viele amtierende und ehemalige Minister und eine Reihe der einflußreichstcn Persönlichkeiten Frankreichs an. Wir haben Beweise genug dafür, daß die Mitglieder von Francc-Palestine es nicht.bei ihrer Zugehörigkeit zum Contite bewenden lassen, sondern dem neuen Palästina wertvolle Dienste leisten.. Die Begründung von France-Palestine ist hauptsächlich dem Vertretet der Zionistischen Exekutive beim Völkerbund, Df. Victor; Jäcöbsohri, zu danken. Gödart sagt von ihm: ״Er ist ein Maiül, den ein reich bewegtes Leben mit großer Erfahrung.' der Fähigkeit international zu denken und einer glücklichen : Einfühlungsgabe ausgestattet hat Er verstand diese Fälligkeiten in bewundernswerter Weise in Frankreich zu nutzen. Mit Scharfsinn und Beharrlichkeit־ entdeckte er dorf eine Atmosphäre des Vertrauens, wo viele Zionisten vor ihm auf Verständnislosigkeit zu stoßen geglaubt hatten.“-- ״Dieser glücklich wirkende ,Gesandte* hat es heute dahin gebracht, in Frankreich in den hohen Kretse'ti'der Politik und Intelligenz eine lebendige, lebhafte Stimmung füf Palästina zu erwecken, die sich auch allen übrigen VolsSkreisen mitgeteilt hat.*‘ . * ■ Ais die Arbeitslosigkeit in Mitteleuropa begann, wanderteu die jüdischen Arbeiter zu vielen Tausenden nach Frankreich, wo sie von der Regierung gern gesehen und vor allem in Südfrankreich in der Landwirtschaft untergebracht wurden. Jetzt, da die Arbeitslosigkeit auch ln Frankreich eingesetzt hat, und zwar nach der Behauptung der französischen Sozialisten stärker, als es die Regierung wahr haben will, sind die Juden die ersten, die der Baisse zu in Opfer fallen. Die Rückwanderung der polnischen Juden hat schon begonnen. Die jüdischen Arbeiterfürsorgestellen in Deutschland werden deshalb in nächster Zeit stärker in Anspruch genommen werden, und die jüdischen Gemeinden werden sie nach Kräften zu unterstützen haben. Es sei hierbei bemerkt, daß die französische Regierung sich den jüdischen Arbeitern wie auch den Chaluzim stets loyal gezeigt und ihnen alle Förderung hat angedeihen lassen. Das Pariser Ghetto, das schon im 13. Jahrhuudert erwähnt wird, ist ähnlich den Judenvierteln anderer Großstädtc. . . In der Rue des Rosiers reiht sich eine Althandlung au die ändere; lan'^bärdge Männer stehen Handel treibend auf der Straße" die Geschäfte und Speisehäuser haben jiddische Aufschriften. Es gibt mehrere Jargontheater und -kmos, deren roße Plakate an den Häusern kleben. In den Schaufenstern er jiddischen Buchhandlungen hängen Abreißkalender mit dem Bilde Herzls, neben denen eine Bekanntmachung *«- geheftet ist, die zu einem am 1. Januar stattfindenden jüdischen Neu jahrsball cinlädt Das Judcnviertel liegt int Quartier du Temple, mitten im ältesten Paris, das niemand durchqueren möge, ohne das vorzügliche, 600 Seiten starke Buch in der Tasche zu haben: Marquis de Rochegude et Maurice D u m o 1 i n ן Guide pratique ä travers le vfeux Paris, Paris, lihrairie anctennC Edouard Champion, fditeur. * Die jüdischen Abteilungen des Mus6e du Louvre und .des Mustc Cluny sind nicht reich ausgestattet Im Louvre finden sich zwar einige Kostbarkeiten, so die Sarkophage aus den Königsgräbern in Jerusalem, doch fällt die Sammlung ab > gegenüber de« ungeheuren Schätzen aus der gleichen Entsiehungszeit, die aas Museum sonst birgt Mit Staunen steht man vor der vorzüglich erhaltenen Dioritstele, die den Codex Hamrourabi enthält, im 21. Jahrhundert vor der gewohnlichen Zeitrechnung von einem Zeitgenossen Abrahams

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