Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1927)
- Date
- 1927-01-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652883--18846-2676655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 41 Nr. 6 interessieren soll, um so wirksamer ist, je weniger jüdisch sic aussieht. Gerade wenn die Propaganda sich nicht an speziell jüdische Instinkte wendet, wird sie diese Instinkte wecken. Das beruht auf einem der allcreinfadisten Grundgesetze der Massenpsychologie. Was tun wir statt dessen? beit 25 Jahren machen wir nun Versammlung über Versammlurtg, bringen wir einen Redner nach dem anderen. Wer weiß, wie ungern ein Mensch in Versammlungen geht, besonders in solche, von denen er weiß, daß man dort Geld von ihm verlangt, der wundert sich nicht, daß die Gesichter!11 unseren heutigen Versammlungen sich sehr wenig von denen unterscheiden, die wir bereits vor zehn Jahren dort gesehen haben. Sollen wir von unseren Filmen reden? Seit Jahr und Tag bringen wir einen Palästinafilm nach dem anderen heraus. Immer wieder dieselben Lamlschaftsbilder, dieselben Kwuzoth. dieselben Hühnerställe, womöglich in schlechter Technik und mangelhafter Zusammenstellung. Ich schätze die Herstellungskosten unserer bisherigen Filme auf mindestens 5000 Pfund, wahrscheinlich betragen sie mehr. Mit 20000 Pfund können wir einen ausgezeichneten f iandlutigsfilm hcrstelien und ihn, wenn auch nicht in den Spiclplau der ganz großen, vertrüsteten Filmtheater, so doch in denjenigen von unzähligen mittleren und kleineren Filmbühnen bringen. Wir haben aber auch nicht versucht, durch FinflulSuahme auf allgemeine Filme die immense Möglichkeit, die sich aus der natürlichen bignung Erez-Israels für den Film ergibt, auszunutzen, weil wir tu sehr an den ausschließlich jüdischen Kreis dachten. Sollte cs nicht möglich sein, einmal eine Journalistenreise großen Stiles nach Erez-Israel zu organisieren? Nicht sowohl *lit den Redakteuren mehr oder minder kleiner jüdischer Blätter •1s von denen der großen Weltpresse? Die Hauptsache ist, daß überhaupt einmal Erez-Israel und der Zionismus systematisch in den Spalten der großen Zeitungen so behandelt werden wie die Revolution in Mexiko oder die Entwicklung in den neuen Balkanländern. Wie steht es um unsere Bildpropaganda? Ganz langsam fangen wir an zu versuchen, Bilder aus Erez-Israel in die frone allgemeine Presse zu bringen. Aber wir stehen erst et den Anhängen. Wäre es nicht der Mühe wert, in den internationalen Expreßzügen, in den Speisewagen, in den Balmhöfen, überall da, wo die Länder und Städte darum weiteifern, die Aufmerksamkeit des Reisenden zu erwecken, Ansichten von Erez-Israel zu zeigen? Vieles könnte hier noch erwähnt werden, das alles unter dem einen .Motto zusammenzufassen ist: Die Propaganda für die zionistische Bewegung braucht eine bestimmte jüdisch-ideologische Propaganda, für die Propaganda der zionistischen Fonds aber kommt es nicht SO sehr darauf an, daß sic jüdisch, als daß sie wirksam ist. Aber selbst bei unserer Propaganda, die sich att spezifisch jüdische Kreise wendet, gehen wir noch immer dieselben ausgetretenen Wege. Haben wir uns auch nur ernsthaft bemüht, die jüdischen Schulen zu erfassen? Warum hängt nicht in jeder jüdischen Schule eine große Karte von Erez-Israel mit Daten über unsere Siedlungen? Haben wir uns je um die Schulbücher gekümmert? Haben wir die vielen kleinen Mittel angewandt, die geeignet sind die Kinder und durch sie das jüdische Haus für uns zu gewinnen? Und wie steht cs um das Kernstück moderner Propagandakunst, um den ״slogau“, das Rcklamcmotto, den Scliiagwortvcrs? Selten wir andere Bewegungen att. Wie hat die Christian Science ihre enormen Erfolge erzielt? Wie geschickt hat die Prohibitionsbewegung sich gegen den Widerstand des Alkoholkapitals durchzusetzen gewußt? Sollen wir von der Kriegsgreuelpropaganda sprechen, der genialsten Propagandalcistung aller Zeiten, die in geradezu vorbildlicher Weise die Gemüter in den Bann gezogen hat, und deren Wirkung heute noch nicht erloschen ist? Man weiß, wie solche Dinge zu machen sind, nur wir wissen es nicht. Klar ist, diese Propaganda würde sehr viel kosten. Ich zweifle aber, ob sie viel mehr kosten würde als unsere bisherige Propaganda, wenn wir diese Propaganda statt zersplittert unter einheitlichen Gesichtspunkten betreiben würden. Hiermit kommen wir aber zu einem entscheidenden Punkt. Die Wirkung jeder Propaganda hängt davon ab, daß sie zielbewußt und systematisch geführt wird. Davon ist bei uns keine Rede. ״Unsere Propaganda ist einheitlich nur insoweit, als die Leitungen der einzelnen Verbände das zulassen, d. h. Leitungen, die unter politischen Aspekten gewählt werden. Nun bestellt aber, wie immer wieder festgestellt wird, die eigentliche Arbeit der Zionistischen Organisation itt der ganzen Welt heute im wesentlichen in Propaganda. So haben wir die eigentümliche Tatsache, daß wir unsere Leitungen wählen unter Gesichtspunkten, welche mit der Art der Arbeit, die sie im wesentlichen zu verrichten haben, nichts zu hm haben. Im besten Falle bestehen sie aus ,,guten‘‘ Rednern, wobei wir schon darauf hingewiesen haben, daß, wie die Dinge heute liegen, die Reden — und auch die besten - in wachsendem Grade an Bedeutung für uns verlieren. Nun wissen wir zwar, daß es fast als ein Sakrileg gilt, die propagandistische Eignung unserer Verbandspräsideiitai zu bezweifeln. Ist nicht jeder Zionist ein Propagandist, sozusagen als ein solcher geboren? Der Vorstand jedes zionistischen Verbandes ist davon überzeugt, daß er nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht hat, in die Methoden unserer Propaganda hineinzureden. Er kennt ״die speziellen Bedingungen'‘ jedes Landes, aber es ist einer der bekanntesten Irrtümer des Propaganda-Laien, daß jedes Land in propagandistischer Hinsicht seine Besonderheiten attfweisc, die cs von jedem anderen Laude unterscheide. Aber auch ideologische Erwägungen bewirken die Beeiltflussung der Propaganda durch nichtsachliche Momente. Matt hat Angst, daß 111 der Propaganda Behauptungen aufgesicllt werden, die mit den Anschauungen des betreffenden ״Parteiprograntmes in Widerspruch stehen. Nicht darauf kommt es dann an, möglichst viel Geld für den zionistischen Aufbau Erez-Israels zu bekommen, sondern es unter bestimmten Begründttngen zu bekommen, möge diese der Wirkung der Propaganda noch so abträglich sein. Das aber ist entscheidend für die Wirkuitgsschwäclie unserer Propaganda. Es ist natürlich klar, daß die Be- Sonderheiten eines jeden Landes berücksichtigt werden müssen. Aber auch diese Besonderheiten sind nur eine Unter- Ordnung innerhalb der Gesetzmäßigkeit der Massenpsychologie. Eines der ersten Gesetze der angewandten Massen- Psychologie besagt, daß Lust- und Uniustempfindiuigen (daraut beruht aber die Wirkung jeder Propaganda) unter ganz bestimmten Voraussetzungen /u.tandekommen, gleichgültig, ob cs sich darum handelt, jemanden für den Kauf einer Nähmaschine oder für seine Beteiligung an einer ideellen Bewegung zu interessieren. Selbstverständlich muß die Propaganda für eine Bewegung mit anderen Argumenten arbeiteu als die für ein Geschäft. Aber die Gesetze, auf Grand deren che Argumente angewandt werden, sind itt beiden Fällen die gleichen. Unseren Ideologen mag es unangenehm sein, wenn ihnen gesagt wird, daß die Gesetze der Propaganda für geschäftliche Unternehmungen dieselben sind wie für geistige Bewegungen. Sic mögen damit nicht rechnen, dann müssen sie ln den Kauf nehmen, daß die Propaganda den Mangel an Wirkung aufzuwrisen hat, dem wir zu einem guten Teil die Krisis verdanken. Was wäre also zu tun? Unsere Propaganda müßte ebenso einen besonderen selbständigen Teil unseres organisatorischen Apparates bilden, wie das früher oder später mit dem koloni- 8a torischen 1 eil time res Aufbauwerks tu .Erez-Israel der Fall Min muß. Das heißt nicht, daß eine neue Organisation ge* «baffen, «ier daß der Zusammenhang zwischen Zionistischer Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165 —70. Postscheckkonto Nr. 37 S30 Berlin NW 7. Kassenvcrwaltuitg der B. Z. V. Sonntag, den 23. Januar nachm. 3 Uhr Zionistischer Jugendbund, Berlin, im Heim, Komm and,mtenstr. 62, im Hause des Colosseum. Gemütliches Beisammensein. Montag, den 2L Februar abends 8<A Uhr Jüdisch-nationale Frauenvereinigung, bei Frau Wagner, Uhlandstr. 116/117 (nahe Hohenzollernplatz) Erweiterte Vorstandssitzung־. Tagesordnung: 1. Grundsätzliches zur Berliner Arbeit: Frau Dr. Zadik; 2. Bericht der Gruppenleiterinnen; 3. Propagandafragen: Frau Wagner; 1. Das Verhältnis der Jugend zur Frauenorganisation: Frau Grete Bloch; 5. Verschiedenes. — Die Teilnahme interessierter Mitglieder ist erwünscht. Dienstag, den 25. Januar nachm. J/j5 Uhr Jüdische Frauenarbeitsgenieinschaft Grunewald, bet Frau Rabb. Dr. Cohn, Umenaticr Sfr. 11. Der jüdische Prophetismus. Abends S Uhr Jüdisch-nationale Frauenvereinigung, Frauengruppe Nord, bei Frau Kollcnscher, Alexanders!!53 .־ Zusammenkunft. Abends 8 Uhr Jüdisch nationale Frauenverclnigung, Frauengruppe Nordwest, bei Frau Engel, Cuxhavener Str. 13. Frau Dr. Uoetz: ״Grundprobleme der palästinensischen Arbeiterbewegung‘‘. Mittwoch, den 20. Januar abends SG Uhr im Sitzungssaal der Z. V. f. D״ Meinekestr. 10, Chibabeud des Palestine Touring Club Herr Prof. Dr. Heinrich Loevve: ,,Erlebnisse eines Palästina- Touristen von 1805—1027“. Gäste willkommen. Sonntag, den 30. Januar ־• Fahrt des Zionistischen Jugcndbutides Treffpunkt 1.0 Uhr vorm., Bhf. Jannowitzbrücke. fahrtzie! Friedrichshagen. In den Festsälen des Brüdervercinshauses, Kurfürstenstr. 115/16, Ball zugunsten des arbeitenden Palästinas. Es wirken mit: Karol Schreter, Klaviervirtuase, Stefan Frenke!, Violine. Reichhaltige Tombola und vorzügliches Büfett. — Vorverkaufskarfen sind zu beziehen durch: Bote & Bock, Wertheim und im Büro. Auguststr. 17, Norden 3985. Dienstag, den 1. Februar abends 8<4 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung im Schubertsaal, Bülowstr. 104 Herr Dr. Felix Weltsch, Prag: ״Antisemitismus, National!'־־ ruus, Zionismus“, eine Disputation. Karlen zum Preise von 1 M. und 0,50 M. erhältlich in der B. Z. V., Meinekestr. 10. Jeden Donnerstag abends 9 Uhr im Cafe Karsten, Kurfürstendamin 90. Zusammenkunft der Gruppe Charlottenburg. Organisation und Propaganda gelöst werden soll. Das ist klar, daß die Zionistische Organisation und ihre Organe auch die Propaganda kontrollieren müssen. Aber zwischen Kontrollieren und Selbstdurchführen ist ein himmelweiter Unterschied. Propaganda ist eine Verwaltungsmaßnahme, und in der ganzen weit, wo auf geordnete Zustände Wert gelegt wird, sind Verwaltung und Legislative zwei getrennte Dinge, deren Be- Ziehungen zueinander streng geregelt sind. Die Parlamente bewilligen die Mittel für den Bau der Eisenbahnen und können darüber absthnmen, welche Gesichtspunkte dafür maßgebend sind, strategische oder wirtschaftliche und dergleichen. Niemals aber werden sic den Fahrplan festsetzen. So ist es mit der Propaganda. An die Spitze unserer Propaganda, innerhalb oder unterstellt der Exekutive, gehört ein c :\heitlich geleitetes Propaganda-Departement, geleitet von Fachmännern (und eventuell müssen wir den einen oder anderen sogar von außerhalb der Bewegung heranziehen). Die F'rcpagandabüras in den einzelnen Ländern unterstehen dieser Zentrale, die ihre Beamten ernennt und ihnen bindende Richtlinien gibt. Selbstverständlich hat nur der Kongreß die Mitte! für diese Propaganda zu bewilligen, und er kann sie a's Zeichen seines Mißtrauens verweigern. Dann fällt die Regierung oder das Departement. Die Einheitlichkeit der Ideologie von Lcgislalive oder Verwaltung, in diesem Falle von der Leitung der Organisation und der Leitung der Propaganda, braucht deshalb nicht mehr gestört zu sein, als der ideologische Zusammenhang zwischen Verwaltung und Regierung in einem parlamentarisch regierten Staat. Eine kräftige Regierung und ein tüchtiges Parlament haben genug Mittel, die' Einheitlichkeit zu erzwingen, um so mehr, je mehr sic sich darauf beschränken, die großen Linien zu überwachen und in die Details und vor allen Dingen in die Technik nicht eingreifen. Eine auf dieser organisatorischen Grundlage betriebene Propaganda wirklich großen Stils könnte, daran ist nicht zu zweifeln, Wirkungen 'haben, die unsere kühnsten Erwartuiigen zu übersteigen vermöchten. Das beruht darauf, daß eine Voraussetzung in einem Umfang gegeben ist, der 11:1s gar nicht mehr recht zum Bewußtsein Kommt: Das jüdische Volk oder besser das jüdische Herz ist mit uns. Immer wieder vermögen wir festzustellen, daß die Zahl derjenigen Juden, die eine Anteilnahme am Aufbau des jüdischen Erc/- Israel entschieden abifhnett, verhältnismäßig verschwindend gering ist und unverhältnismäßig geringer als die Zahl derjenigen, die von uns und unserer Arbeit nichts wissen. Hi.r liegt die große Chance unserer Propaganda. In der Erfassung des außerordentlich großen Teils der Juden, die von un.> bis jetzt kaum berührt worden sind. Die Frage, um die es sich hier hamJelt, ist die Frage der Versachlichung unseres Apparates. Die sachliche Arbeit de« Sachverständigen — das ist die Forderung, die so wie für alle unsere Verwaltungsaufgaben für unsere Propaganda gesteift werden muß. Wir wollen nicht untersuchen, oh die Zionistische Organisation diese Sachverständigen besitzt. Gewiß ist, daß solche Sachvei• ständige zu fiabea stad. Ich entsinne mich eines Gesprächs mit einem der führenden amerikanischen Propaganda-Kapitäne, einem Matur, der einen hohen Ruf in Amerika besitzt, und unter dessen Mitwirkung fast alle großen Propagandafeldzüge der letzten Jahre zustandegekommen sind. Sowohl die, die von amerikanischen Firmen, als die, die von europäischen Regierungen, die, die von politischen Parteien und die, die von geistigen Bewegungen in Amerika unternommen worden sind. Er sagte mir: ״Es hat gar keinen Zweck, daß ich Ihnen ein Programm ausarbeite. Ihre Leute sind auf sachliche Programme nicht eingestellt.‘־ Dieses Wort eines Amerikaners, nebenbei eines Juden und eines Menschen, der nicht unintercssiert an Erez-Israel ist, gesprochen itt Amerika, angesichts unserer ״amerikanischen“ Propagamlarnethoderi, hat mir aller* hand zu denken gegeben. Zweierlei wird verlangt: Einmal daß wir für unsere Propaganda die Gesetze'der modernen Propaganda* Wissenschaft annehmeu und sie. ausschließlich nach den Methoden betreiben, die die größte Wirkung gewährleisten. Praktisch würde das heißen Extensiv ierung der Propaganda, Erfassung der bisher nicht erfaßten .Massen, An Wendung der modernsten Reklamnnittcl, Propaganda in der ganzen Welt und nicht bloß in der jüdischen Welt. Zürn zweiten müßten Garantien für die einheitliche und systematische Durchführung einer solchen Propaganda verlangt werden. Der Propaganda- Apparat müßte, soweit es mit der Einheit der Zionistischen Organisation verträglich ist, unabhängig gemacht werden von Einflüssen und Einrichtungen, die von anderen Voraussetzungen ausgehen und anderen Zwecken dienen :113 denen der Propaganda. Das sind beides sozusagen technische Maßnahmen, obwohl gerade die zweite an die Grundlage unserer Auffassung von Zionistischer Organisation rührt. Ich habe absichtlich nicht gesprochen von dem Inhalt der Propaganda, von ihrer Ideologie! In der Tat bin ich der Meinung, daß hierüber nicht gesprochen zu werden braucht. Was wir zu tun haben, ist, das zionistische Programm den Propagandafachleuten zu unterbreiten; sie sollen es zur Grundlage ihrer Propaganda machen. Mehr ist nicht zu sagen. Unsere Aufgabe besteht darin, die Geldmittel für den Aufbau des jüdischen Nationalheims in Erez*Israef zu schaffen. Das ist eine vollkommen ausreichende Basis für die enormste« Propagandamöglichkeiten auch in rein ideologischer Hinsicht. Der Kongreß, aber auch nur der Kongreß hat die Möglichkeit, bestimmte Tendenzen, die er vertreten haben will, der Propaganda vom!schreiben. Das ist alles. Um die bei uns so üblichen Mil)Verständnisse zu vermeiden, muß hier ausdrücklich hin/ugefügt werden, daß diese Propagandanuffassung nichts mit einer ‘Bluff-Propaganda zu tun hat. Bluff-Propaganda ist der schlimmste Feind der wissenschaftlich geleiteten, das heißt technisch guten Propaganda. Die Art z. B., in der bis in die letzte Zeit hinein die zionistischen Rodcngesellschaftcn mit übertriebenen Angaben ihre Propaganda für die Bodenspekulation betrieben haben, war das Gegenteil jeder vernünftigen Propaganda und hat tatsächlich, wie wir vorausgesagt haben, nicht nur die Propaganda für unsere Fonds auf das ungünstigste beeinflußt, sondern auch der zionistischen Bewegung unendlichen Schaden zugefügt. Wahrheit bei der Propaganda ist die erste Grundlage jeder wirklich guten Propaganda. Es ist für den Tiefstand mindestens eines Feiles unserer Propaganda bezeichnend, daß am dieses elementare Grundgesetz der Propa* ganda noch eigens hingewiesen werden muß. Al! das, was hier gesagt wurde, rechnet mH der Tatsache, daß der Aufbau von Erez-Israel noch auf lange Zeit hinaus von den Eingängen unserer Fonds, d. h. aber von der Wirkung unserer Propaganda, abhängig ist. Selbstverständlich lassen sich Entwicklungen denken, die diese ganze Frage überflüssig machen: Eine aktivere Einstellung der Mandatarmacht zu unserer Forderung, eine wirtschaftliche Neuordnung, die das Land so produktiv macht, daß seine Abhängigkeit von den Fonds verschwindet, usw. Solange aber diese voraussetzungen nicht gegeben sind, solange wir mit Händen und Füßen der Wirkung unserer Propaganda ausgeliefert sind, solange sollte verlangt werden, dar) diese Propaganda den höchsten Anforderungen entspricht, die an die allermodernste Propaganda gestellt werden können, mit anderen Worten, daß diese Propaganda zeitgemäß ist. Freie Jüdische Volkshochschule, lut Rahmen der Jüdisehen Volkshochschule hält unser Gesinnungsgenosse, Dr. Adolt Le Schnitzer, eine Vorlesung über das Thema: ״Das Judentum im Weltbild des Mittelalters und der Neuzeit“. Die Vortragsreihe behandelt die Anschauungen, die die europäischen Wirtsvölker vom Judentum hatten und haben; insbesondere wird die tiefgehende Wandlung aufgezeigt, die in der Haltung der Umwelt gegenüber dem Judentum bei Anbruch der Neuzeit vor sich ging und die u. a. die Konzeption des verhältnismäßig jungen Mythos vom Ewigen Juden zur Folge hatte. (5 Stunden, Montag i.jQ—t 10״ Uhr, Synagoge Fasanenstr. 79/80; Beginn: 21. Januar.) — Studienrat Kurt Hammel stein nimmt seinen neuliebräischen Unterricht am Mittwoch, 2. Februar, wieder auf. (6 Stunden, Mittwoch 8—9 Uhr, Synagoge Fasanenstr.) Eine Vorbesprechung findet am Mittwoch, 26, Januar, abends 8 Uhr, im Unterrichtslokal statt. Aus Anlaß des 10O. Geburtstages des Dichters Wilhelm Herzberg, des Verfassers der ״jüdischen Familienpapiere“, wendet sich ein Komitee jüdischer Persönlichkeiten mit der Bitte an die jüdische Ocffcnf 1/cfikeit, sich an einer Ehrengabe für die in Brüssel in großen finanziellen Schwierigkeiten lebende Witwe des Dichters zu beteiligen. Geldsendungen nimmt entgegen: Bankhaus Gcbr. Ginsberg, Berlin WS, Jägerstraße 13. Den Aufruf Unterzeichneten u. a.: Prof! Dr. Chajes, Wien; Prof. Dr. Adolf Schwarz, Wien; Prof. Dr. Israel Levi, Paris: Prof. Dr. Sitnonsen, Kopenhagen; Dr. I. Carlebach, Altona: Prof. Dr, Freimann; Rabbiner Dr. J. Horowitz: Dr. Ernst Simon. Frankfurt a. M.; Frau Oeheimraf Barth; Frau Rabb. Dr. Eschelbacher; Prof. Dr. 1. Elbogen; Dr. Meier Hildesheimer; Dr. Adolf jacobus; Geheimrat Prof. Dr. Rosin; Rabb. Dr. Weisse; Ministerialrat Hans Goslar, Berlin. Ende dieses Monats wird der Dampfer ״Rodhant“, bekannt als die ״schwimmende Universität“, der eine große Zahl .־nnertknoischcr Professoren und Studenten rund um die Welt!ehrt, einen Hafen Palästinas anlattfen. Ke Proa -sorn! und .Studenten werden auf Einladung der Zionistischen t xckuüve das jüdische Aufbauwerk itt Palästina besichtigen und die jüdischen Kolonien besuchen. Die Exekutive des Internationalen Komitees für Emigrantensclmtz hat Herrn Zevi Aberson, den Repräscn*־ tauten des EM1GDIREKT (Vereinigte jüdische Einigrationsgcsellschaft), beauftragt, das Komitee auf der jetzt ln Genf tagenden Konferenz des Sachvcrständigenkoinitecs des Völkerbtmdes zu vertreten. Die Konferenz gilt der Beratung und Entscheidung über Fragen der Staatenlosen. Herr Philip Guedalla, der Präsident der englischen zionistischen Föderation, begab sich auf die Reise nach den Vereinigten Staaten, wo er ־tn den zionistischen Aktionen teilnehmen wird. Im Alter von 90 Jahren >t־,״b der Rabbiner Dr. Salomo׳) G 01 d s c h m i d t, Koiberg, uet über (U |sLr< an der Spin.׳ der jüdischen Gemeinde gestanden hat.