Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1927)
- Date
- 1927-01-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 0 JUEÖISCHE RUNDSCHAU Seite 30 Nach seinem Tode Spätere Geschlechter werden ihn also rühmen: mit dem de Achad Haams hörte die Geradheit auf. Ein Gast mir trat Achad llaam in den Tempel unserer Vteratur und blieb es im letzten Grunde Zeit seines Lebens, in hoher Gast zwar, den man ehrt und feiert der aber immer eben Gast ist und irgendwie nicht ganz Zugehöriger. Wenige verstanden ihn, wenige verstehen ihn noch heut*:־, rieht weil seine Gedanken und Worte zu hoch waren, zu schwer, •zu dunkel, zu verwickelt, sondern weil sic zu einfach Hangen, zn klar, zu — gerade dem ״verkehrten und verkrümmten Geschlecht“. Es begriff den Geist, dem es glich, nicht ihn. Bewunderung, Ehrfurcht konnte man seiner gcihnten Gröfie zollen, lauschen den Worten seines Mund«, :,Per letztens mußte er fremd bleiben, ein hoher Gast in unserer niedrigen f lütte. Denn sein Wesen war Geradheit und sein Wort war Geradheit. Sein Wesen war Geradheit. Er besaß die Gabe, die er an den Propheten unseres Volke; fand: die Dinge zu sehen, genau wie sie wirklich sind, und sie ausrusprechen, genau wie er sie gesehen. Kann es eigentlich anders sein? Kann man denn anders sehen, anders reden? Schuf nicht Gott die Menschen gerade? Freilich, sie, suchen viele Bercchnungen, wollen allzu weise sein und komplizieren die Dinge. Oder sie betrügen sich und andere, indem sie heimlich der verführerischen Neigung des Herzens die Herrschaft des Tages verleihen und die Wolkensäulc der Illusion wie eine eiserne Wand zwischen sieh und die Wahrheit stellen. So gilt es denn, sie aus dieser innersten Knechtschaft zu befreien, den Weg des wirklichen Lebens zu weisen, das Krumme wieder gerade zu richten. HeilH das ״Schriftsteller“ sein? Es heißt nur, seine Pflicht tun als einfacher Mensch, als schlichter Jude, als einer aus dem Volke, der gerade blieb, wie Gott ursprünglich alle Menschen schuf. Und sein Wort war Geradheit: die Form seines Wortes, der Stil, an dem man den Menschen kennt. Manche vergöttern, vergötzen das Wort — ihm galt cs als Mittel, Organ des Gedankens. Andere vernachlässigen, bagatellisieren das Wort — ihm galt es, wie Hillel der Menschenleib, als seinem heiligen Inhalt rcinzuhaltcndcs Gefäß. Kein Pathos und keine Rhetorik, kein Blendeglanz und kein Tiefenzauher, der den Sinn gefangen halt, andererseits auch keine Flüchtigkeit und Leichtfertigkeit. Zwischen den Extremen führte sein Pfad. Er schrieb gleich dem Thoraschreiber, ernst und gewissenhaft, langsam und überlegt, Buchstabe um Buchstabe, ein heiliges Werk. Die Sprache ist dem Menschen verliehen, um den Gedanken wiederzugeben, klar, genau, gerade. So zeigt der Stil Achad Haams Vollendung, höchste Kultur. Lest, was Klatzkin darüber sagt, der sich auf derlei Dinge versteht. Noch besser, ihr lest ihn selbst — fleißig Al Paraschath Dcrakhiin lesen, kleiner Acher! — und ihr werdet die Schönheit, die Wahrhaftigkeit, die Reinheit — die Gcradheit dieses Stils fühlen. Geradheit war der Inhalt, das Was seines Wortes: die Lehre, die er seinem Volke kündete, als es in schicksalsschwerer Zeit am Scheideweg stand. Der Boden wankte unter den Füßen, aber die wenigsten verstanden, was eigentlich vorging. Man hatte vielerlei Wege beschritten: religiöse Reformen, eine Wissenschaft vom Judentum, die. Förderung jüdischen Ackerbaus in Palästina. Achad Haam wußte: lauter Wege, doch nicht der Weg. Er sucht die Wurzel des LJebcls und findet: die Auflösung der Volkseinheit, das Schwillden des historischen Selbstbewußtseins, der Verfall des ,,natiotialen Feh“, Die Seele will dem Leib entfliehen — wie läßt sie sich zurückhalten? Es gibt nur eine Rettung: Der einheitlich aus Körper und Geist bestehende nationale Gesamt- Organismus ist zu stärken, sein Zentralorgan zu kräftigen — ״Belebung der Herzen“! Einzig ein zentraler Ort vermag solches noch zu leisten, unser zentraler Ort: Erez- I s r a c i. Schafft hier wieder die Stätte unseres Lebens, wie klein sic sei, schafft hier wieder in zäher, mühseliger, gedukliger Kleinarbeit den Mittelpunkt jüdischer, aus dem Geiste unserer historisch-nationalen Güter wiedergeborenen Kultur, unser ״geistig-nationales Zentrum“, das auf die Gemeinden der weiten Diaspora gleichsam seine Strahlen sende, sic neubelebend und zur gemeinsamen Nacheiferung anregend. Doch wählt eure Besten, Reinsten, Treuesten zu dem unerhörten Werk -- auch wenn es wenige sind. Als ein hohes, ethlsch es Ideal, eingebettet in alles menschlich Gute und Edle, braucht unsere naiionale Wiedergeburt fürs erste ״Priester“ Schließlich bin ich ein Verbrecher und schreibe Ihnen diese Zeilen aus dem Gefängnis.“ Und Dostojewski, damals schon ein von allen Seiten in Anspruch genommener und überdies leidender!Mann, wird ergriffen von diesen offenen Worten, er antwortet Kowncr, richtet ihn durch gütige Worte auf und stellt ihm gewissenhaft Rede. Im ״Graschdaitiii“ erörtert er, von Kowner angeregt, ausführlich die Judenfragc'), beseitigt Mißverständnisse und revidiert zum Teil seine Stellung zum Judentum. Aber nicht allein dies mag der Grund für Dostojewskis Aufmerken gewesen sein. Aller menschlichen Berechnung nach muß ihn diese ״Beichte eines Juden“ auch als Dichter tief ergriffen haben; denn ist dieser Abraham Kowner nicht der in die Wirklichkeit getretene Rodion Raskolnikoff gewesen? Hat nicht auch dieser Jude wie der RonianheW ein Verbrechen begangen aus Liebe und zugleich aus Vernunft? Und ist dieses ״Verbrechen“ nicht vor dem russisehet! Volk durch eben diesen Roman rehabilitiert worden? Klingt cs nicht wie ein Zitat aus ״Schuld und Sühne“, wenn Kowner in einem seiner Briefe an E>ostojewski schreibt: ״Niemand weiß, glaube ich, besser als Sie, daß man sein Leben lang ein ehrlicher Mensch sein und, unter einem gewissen Druck der Verhältnisse, ein großes Verbrechen begehen, dann aber wieder für immer ein vollkommen ehrlicher Mann bleiben kann.“ Wenn man glaubt, daß der Genius nur dann vor der Ewigkeit besteht, wenn sein Werk vor der menschlichen Gültigkeit bestehen kann, so mag dieses jüdische Schicksal ein Wertmesser sein und ein Zeichen für das geheimnisvolle Wechselspiel zwischen Dichtung und Wirklichkeit. Meyers Geographischer Handatlas. Sechste, neubearbeitete Auflage. Mit 02 Haupt- und 110 Nebenkarten sowie alphabetischem Namenverzeichnis, ln Leinen gebunden 24 Rm. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig.) — Der ausgezeichnete Atlas enthält außer allen neuen europäischen Staaten auch gute Karten von Arabien und Palästina/Syrien•, leider sind die neuen jüdischen Orte in Palästina noch nicht vermerkt, z. B. Tcl-Awiw, Petach-Tütwa. 2) Vgl. f. M. Dostojewski: ״Tagebuch eine; Schriftstellers“, Bd. 111, München 1922. mit der ״Lade" vor dem V'olk cinherzicheml. Dies Ist f der Weg, der Anfang des Wegs -- eines weiten, schweren, aber sicheren Wegs. Sorgt nicht um die späte Zukunft. Tut das Nächste und drängt nicht das Ende. Laßt euch nicht irreführen von denen, die wie großzügig! kurzweg das Galuth beenden wollen. D:1s Heil erstellt Israel durch ״Propheten“, durch den prophetischen Geist der Wahrhaftigkeit und Geradheit. Viel lehrte außerdem Achad Haam das Volk. Aber die ״Liehe zu Zion“ bildet den Kern seiner Lehre, den Angelpunkt seines Denkens, das Zentrum seines Geistes. Groß, wc.it und gerade ist seine Lehre, grundlegend für das neue Judentum, das Judentum der Wiedcigebürt. Vielleicht sind Einzelheifen an ihr irrig, allzu einseitig, allzu — gerade. Sicher bedeutet cs einen ernsten, nicht einfach durch die Nachfolge Spencers entschuldbaren Mangel, daß sie vor dein letzten f lalt macht, dem Metaphysischen und Metaphysisch-Religiösen streng ihre Tore verschließt. Allein, nicht darauf kommt cs an. ״Eine Lehre ists tnd ihre Erforschung tut not.“ Die deutschen Zionisten wollen ״das Andenken des großen Toten durch Stiftung eines Achad Haam-Haincs ehren“. Warum nicht? Dutzende braver Zionisten wurden schon also geehrt, gebührt Achad Haam ■- weniger Ehre? Immerhin wäre noch eine andere Ehrung erwägenswert. Ich schlage die Schaffung einer überparteilichen interterritoriahn hebräischen Achad H a a in -Gesell s e h a f t vor, muiatis mutandis nach dem Vorbild der deutschen Kant- Gesellschaft. Ihr obläge hauptsächlich ungefähr folgendes: Einmal die Herausgabe eines wissenschaftlichen hebräischen Publikationsorgans mit Abhandlungen aus den Gebieten der jüdischen Religionsphilosophie und Religionswissenschaff, der jüdischen Ethik, Soziologie, Literatur usw., mit Arbeiten über die Lehre Achad Fiaams selbst oder über Einzelbeiten derselben, mit ernsthaften kritischen Besprechungen hebräischer und sonstiger das Judentum berührender litcrarischer Neuerscheinungen. Sodann: die Veranstaltung guter und billiger hebräischer Volksausgaben von Werken oder Auswahlen aus den Werken älterer, jedoch auch moderner hebräischer Denker und Dichter mit knappen fortlaufenden Erklärungen und zusammenfassenden Gesamt- und Teilübersichten — ein außerordentlich wichtiges Unternehmen. Nicht um Einzelheiten des Plans geht es hier, sondern um den allgemeinen Gedanken. Ob er und wie er Wirklichkeit wird, das liegt bei denen, die ״unserem Lehrer“ i!n Leben an! nächsten standen und am stärksten seines Geistes Hauch verspürten — bei den Agnon, Bialik, Klausner, Raw Chajim Tschernowitz. Ussischkin und wer noch dazu gehört. Sie werden, hoffe ich, das Andenken Achad Haams so oder ähnlich zu ehren wissen. Heute erfüllt uns vor allein der Schmerz und die. Trauer. Die große Leuchte ist erloschen. Und wir dürfen der Klage nicht lauten Ausdruck geben — es wäre gegen seinen Geschmack. Im Verborgenen weine unsere Seele. Aber spatere Geschlechter werden die Q’ina erheben: mit dein Tode Achad Haams hörte die Geradheit auf. Buchau a. F. Abraham Schlesinger. Die Einnahmen des Keren Bajessod Wie der ,J. i k o“ aus [ c r u s a 1 e m telegraphiert wird, weisen die Keren Hajessod'-Eingänge auch im Monat Dezember eine beträchtliche Steigerung gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres auf. Sie betrugen rund .£ 48 500 gegenüber nur £ 32 825 im Dezember 1925, sind also um 50 «׳* gestiegen. Das zweite Halbjahr 1926 bedeutet ein Rckordsemester hinsichtlich der Keren Hajessod-Eingänge, die vom 1. Juli bis 31. Dezember 1926 £ 343 000 betrugen gegenüber nur £ 225 000 im zweiten Halbjahr 1925. Die Keren Hajessod-Eingänge weisen somit seit 1. Juli 1926 eine ununterbrochene Zunahme von 50 ״ö gegenüber dem vorigen Jahre auf. Entsprechend einem kürzlich in einer Konferenz in Tel- Awiw gefaßten Beschlüsse wird in nächster Zeit von der Misrachi-Welt Organisation in der Nähe von P e t a c h - T i k w a h ein Seminar gegründet werden, in welchem junge Leute in der Thora und in modernen!andwirtschaftlichen Methoden gleichzeitig unterwiesen werden sollen. Lexik•■ für jüdische Literat■!1*) Viel wichtiger als für andere Völker ist für unser Volk, das Volk des ״Buches“, eine Uebersicht über das eigene gesamte literarische Schaffen in allen Ländern der Diaspora zu bekommen, um so das bereits Geschaffene und das noch zu Schaffende einander besser gegenüberstelfen zu können. Der uus vorliegende erste Band des von Zalman Reisen herausgegebenen Lexikons dient erfolgreich obigem Ziel: er enthält in kurz gefaßter Form die Biographien aller Schriftsteller, Journalisten und Philologen, welche in irgendwelcher Beziehung zur jüdischen Volkssprache (,,Jiddisch“) stehen. Mit Recht hat der Verfasser bei der Zusammen- Stellung der Biographien davon abgesehen, irgendeüien bestimmten literarischen Maßstab für die Auswahl der zu berücksichtigenden Schriftsteller anzuwenden, denn er wollte da nicht eine Art ״Akademie der Sterblichen“ schaffen, sondern einfach einen Ucberblick über den ganzen Umfang der Literatur in jüdischer Sprache geben, auch über dasjenige, was darin von sekundärem Werte ist. Was wir von einem solchen Lexikon verfangen, hat uns der Verfasser gewissenhaft angegeben: Daten über Geburt und Tod, die wichtigsten Ereignisse im Leben, bibliographische Daten und Cnarakterisierung der verfaßten Schritten, endlich Bibliographie der Schriften und Artikel über den betreffenden Schriftsteller. Der Verfasser bat sich direkt an alle derzeit lebenden jüdischen Schriftsteller um־ diesbezügliche Informationen gewendet und dieselbe sorgfältig bearbeitet. Es versteht sich, daß ein so riesiges Material, von einem einzelnen Menschen bearbeitet, nicht fehlerfrei sein kann. So z. B. vermissen wir den Namen des großen Philologen A. A. Harkawy, in dessen Werke ßajenudim usfath Haslavim“ die jiddische, im mittelaltericn Rußland gesprochene Sprache sehr eingehend behandelt wird. Es fehlt auch der Name des großen Bibliographen, Prof. Isr. Davidson, Verfasser des Artikels ״Pseudonyme“ in der ״Jewish Encyclopedia“, worin auch die Pseudonyme der vorletzten Generation der jiddischen Schriftsteller behandelt werden. Noch mehr fehlt in den Bibliographien über die *) Zalman Reisen: ״Lexikon von der jiddischen Literatur, Presse und Philologie“. Zweite übcrgearbeitetc Ausgabe, 1. Bd. JA—J), Verlag B. Kl etzkin, Wilna, 1926. Konferenz der Hadassah in New York New York, 5. Dezember. (J.T.A.) Die Organisation zionistischer Frauen Amerikas ״Hadassah“ hielt in diesen Tagen in New York ihre Jahresversammlung ab. Die Präsidcntin, Fra» Irma L L i 11 d 11 c i m , feilte mit, daß Nathan Strauß '230000 Dollar zwecks Schaffung eines Gesundheit»- zenfnims in Jerusalem zinn Wolde aller palästinensischen Einwohiier ohne Unterschied der Rasse und der Religion gespendet hat. Frau Liiullieim gab Bericht über weitere größere Spenden und erwähnte, daß sich das Komitee für Schaffung eines Hospitals der Hebräischen Universität die A11 f b r i 11 g u n g v ml einer Million Dollar zum Ziele gesetzt hat. Die Konvention nahm den Vorschlag von Frau Rebecca K o 11111, der ersten Präsidentin des New York Council ot JewUh Warnen, auf Schaffung einer ״Jowish Wonicn’s Agency‘• an. Diese Agency sofi ein reiches Programm kultureller Arbeit unter den luden der ganzen Welt verwirklichen. Im midisten Jahre soll, wie! Frau Lindheiin mitteilte, ein I n t e r u a t i o 11 a I e r K o11 g r e ß j ii d i s c h e r F r a 11 c 11 zwecks Durchführung der Agcncv-Idcc abgehalten werden. Miss Henriette S/.old erstattete den Belicht über die i f a d a s sah- A r b c j t in 11 a 1 ii s t i 11 a und teilte 11. a. mit, daß die Traehombekänipfmig der Hadassah unter den Schulkindeni den Erfolg gehabt hat, daß sich die T r a c 11 o m - Fälle von 70״״ auf I 2 ״/.. vermindert haben. Große Sorgfalt wird der Gesundheitspflege der Kinder zugewendet. Fs existiert eine medizinische lnspektion in den Schulen wie in den Heimen, den Kindern wird in den Schulen ein Frühstück verabreicht. Die Kiiiderwohlfahrtspflcgc erstreckt sich von der Geburt bis zum Alter von 15 Jahren. Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Louis Lipsky, forderte die Hadassah auf, das Gesundheit.?- werk in Palästina noch mehr zu intensivieren. Dr. Nathan Ratnoff, der Präsident des Fonds für das Hospital der hebräischen Universität, berichtete über den Fortschritt der Arbeit für dieses Institut, Zur Frage der Früchte - Kulturen in Palästina Die Gesellschaft ״Mischar-WTaassia“ gibt zwei Handels- und Industriezcitschriften in hebräischer und englischer Sprache heraus. Die Nummer 11/12 der letzteren, ״Palestine and Near East Economic Magazine“ erschien soeben als Früchte- Sondernummer, die nur den Fragen der Kultivierung und des Handels mit Früchten gewidmet ist. Da dieser Zweig der Landwirtschaft und der Ausfuhr die hervorragendsfe Rolle im palästinensischen Wirtschaftsleben spielt und bei der weiteren Entwicklung des Landes immer mehr zu spielen berufen ist, muß das Erscheinen dieser Nummer sehr begrüßt werden. Ls ist liier ein reiches Material aus allen Zweigen der Friichtekultur zusammcngestellt. Zunächst ein allgemeiner Artikel über die palästinensische Landwirt* schaff im Vergleiche zur kalifornischen und spanischen von Dr. S. E. Soskin; über den Anteil Syriens am ägyptischen Früchtehandel schreibt E. Acliard, Inspektor der Land- Wirtschaft des syrischen Staates; Professor O. War bürg widmet einen Beitrag über ״Tropische und subtropische Fruchtbäume in Palästina“; A. Oranovskv vom fandwirtschaftlichen Department der Palästina-Regierung und J. W a i t z von der Abteilung für Pflanzungen des Jüdisehen Nationalfonds schreiben über palästinensische Früchte am englischen Märkte; der Orangenkultur sind zwei Artikel von S. Tolkowsky und Dr. f. Weinberg gewidmet; über die Weintraubenkultur enthält die Nummer Artikel von I. Ettinger, Dr. Ti. Joffe und R. LeTbovitsch- Kopenhagen; über Rosinen und Feigen einen Artikel von A. Rabbinowicz. Außerdem enthält die Nummer zahlreiche Kalkulationen und Ziffcrniaterial über Orangenplantagen, ihre Verbreitung int Lande, die Kosten der Einrichtung und Erhaltung sowie die Einnahmen, zusammengestellt von Dr. Weinberg, M. Smiliansky und von dem Büro für landwirtschaftliche Unternehmungen der Arbeiterorganisation und anderes Informationsmaterial über den Export, den Früchtehandd und die Preisbildung auf verschiedenen Märkten der Welt. Die Nummer enthält 70 Seiten und dank ihrer geschickten Zusammenstellung und des Reichtums an wichtigem Material ist sie ein unentbehrlicher Führer, vor allen! auch׳ für die Handelswrit und Plantageninteressenfeii. Ein Zolltarif von Palästina, zusammengestellt von der Abteilung für Handel und Industrie der Zionistischen Exekutive in Jerusalem in übersichtlicher Form beschließt die Nummer. Aus Üschedda wird berichtet, daß ibu Saud mit England Verhandlungen wegen der Errichtung eines arabischen Konsulates in Jerusalem führt, und daß diese Verhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen. (Fata Ul'Arab.) Schriftsteller. Z. B. bei der Bibliographie über Max Brod wird keiner von den über ihn erschienenen deutschen Artikeln und auch nicht Hugo Bergmanns hebräischer Artikel über ihn (in ״Miklat“, 5. Bd.) erwähnt, und bei Berditschcwski (Bin-Gorion) ist nicht angeführt Moritz Heimarms Artikel über ihn in der ״Neuen Rundschau‘׳ und ein Artikel in der ״Jüdischen Rundschau“. Aber alle diese Lücken sind belanglos im Vergleich zur Wichtigkeit des Lexikons, in welchem die mühevolle Arbeit des Verfassers eine Menge bedeutenden Materials der Vergessenheit entrissen hat. Simon Ernst (Tel-Awiw). Biicberschau Franz Masreel, Bilder der Großstadt. 112 Zeichnungen mit Einleitung von Romain Rolland. Dresden 1926. Verlag Carl Reißner. 7 M. — Derselbe, Mein Stundenbuch. 165 Holzschnitte, Einführung von Thomas Mann. 3,50 M. Derselbe, Die Sonne. 63 Holzschnitte, Einführung von Carl Georg Heise. 2.50 M. Beide bei Kurt Wolff, Verlag, München. Die billige und volkstümliche Ausgabe der Bilderbücher des jungen und großen Flamen Masreel ist eine begrüßen«- werte Tat. Welcher Reichtum an Menschlichkeit, revolutionärsm Geist, künstlerischem Vermögen! ln diesen Büchern zieht wie ein großartiger Film die Vielseitigkeit eines Menschenlebens an uns vorüber, die Dämonie der modernen Welf und ihrer Kommerzialisierung, und dazu die ewige Sehnsucht der Menschenseele und ihre Liebe zu Natur, Sonne, Tier und Kind. Viele Menschen können hier Aufwühhmg, aber auch Erhebung finden. Hugo Bieber: Der Weg der deutschen Dichtung van den Anfängen bis zu Goethe. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag, Berlin. Von dem bei uns durch sein Heine-Buch ״Confessio judaica“ bekannten Schriftsteller stammt dieser gedrängte und gut geordnete Abriß deutscher Literaturgeschichte.