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Jüdische Rundschau · 1927-01-21 · Heft 6 (21.1.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 6 (21.1.1927)
Date
1927-01-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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4 Seite 38 Maudatarmacht zur willkommenen und alle Mißstände erklärenden und entschuldigenden Ausrede gebraucht werden wird, obwohl gerade diese Mißstände vielleicht Hauptursache dafür sind, daß die notwendige aktive Förderung durch die Regierung ausbleibt. Kein konstruiertes Schema kann Wandel schaffen, sondern nur allmähliebes organisches Wachsen, gegründet auf richtiger Ein- Schätzung der Gegebenheiten und Möglichkeiten. Es ließe sich dartun, daß in Anbetracht der Zusammensetzung der jüdischen Gemeinschaft im Galuth, infolge der besonders durch den Krieg und seine Folgen eingetretenen Ereignisse und mit Rücksicht auf die natürlichen Bedingungen Erez-Israels sowie wegen der Kompliziertheit der von den Zionisten zu lösenden Aufgäbe die Entwicklung־ kaum einen anderen Weg hätte nehmen können, als sie ihn genommen hat. Aber selbst diese Erkenntnis bildet in keiner Weise eine Begründung för ein weiteres laisser faire laisser aller. Denn im Zionismus kommt gerade das revolutionäre Element zum Ausdruck, welches Scbstzucht und direkte Aktion zum Zwecke der Gestaltung der weiteren Entwicklung im jüdischen Volke einführen will. Die Tatsache, daß man sich einer unglückseligen Verkettung der Verhältnisse im jüdischen Leben und einer fatalen Entwicklung der jüdischen Volksgemeinschaft bewußt entgegenstellt, macht ja das Fortschrittsprinzip aus, welches gerade in den reifsten und besten Vertretern der gesitteten Menschheit für den Zionismus Sympathie erregt. Alle Unzulänglichkeiten und Mißstände im Palästina-Aufbau erkennen und auf Mittel und Wege sinnen, sie abzustellen, und an ihren Platz andere gesündere Methoden in Anwendung bringen, das ist dem Grundwesen zionistischen Wollens entsprechend. Wer in sich die Verantwortung für die zionistischen Anschauungen fühlt, hat die unumgängliche Pflicht, sich über die wahre Sachlage klar zu werden und allen Fehlern der Praxis nachzuspüren. Denn so schwerwiegend all die in der letzten Zeit offenkundig gewordenen Schwierigkeiten im Aufbau der werdenden jüdischeu Gemeinschaft in Palästina auch sein mögen, das Wesen und die Ideologie des Zionismus werden durch sie nicht entkräftet und nicht widerlegt. Im Gegenteil; gerade diese Erfahrungen beweisen, daß die Schwierigkeiten, die sich bei der Normalisierung des Jischuw ergeben, nur darum entstanden sind, weil man gegen Grundsätze zionistischer Erkenntnis verstoßen hat. Der stolze Ausspruch Max Nordaus, das Judentum wird zionistisch sein oder es wird nicht sein, hat, die Erlebnisse während der letzten sturmbewegten Jahre haben es restlos bewiesen, noch immer seine Gültigkeit. Es gibt, betrachtet man die Bestrebungen und die Wirksamkeit aller jüdischen Organisationen und Richtungen, außer dem Zionismus keine einzige zureichende Vor- Stellung im jüdischen Leben, wie man auf lange Sicht imstande wäre, den Bestand der jüdischen Gemeinschaft zu normalisieren. Das Judentum wird zionistisch sein, oder es wird ewig in einem Zustande unglückseliger Verstrickung mit den Nöten und Verkrüppelungen des Golus verbleiben. Wir als Zionisten sind unzufrieden, wenn wir das bisher Erreichte mit dem Ziele vergleichen, das wir uns gesteckt haben. Absolut genommen hat sich aber in den letzten Jahrzehnten dank der Wirkung, die die zionistischen Grundsätze im jüdischen Volk, auf die gesamte nichtjüdische Welt und in Palästina ausgeübt haben, unendlich viel verändert. Der Zionismus hat die jüdische und nichtjüdische Oeffentlichkeit gezwungen, ihre Ansichten über Judentum, jüdisches Volk und jüdisches Schicksal zu revidieren. In politischer Hinsicht hat der Zionismus außerordentliche Erfolge zu verzeichneu gehabt. Diese kamen nicht nur in Deklarationen und in gesetzgeberischen Maßnahmen zum Ausdruck, sondern vor allem in der Mentalität der fortschrittlichsten JUEDISCHE RUNDSCHAU Teile der gesitteten Menschheit. Man hat sich nachgerade daran gewöhnt, im Zionismus die hervorstechendste Erscheinungsform des zeitgenössischen Judeniums zu erblicken. Wenn man sich das vor Augen hält, so kann man von einer wachsenden Durchsetzung der zionistischen Idee in der Welt sprechen. Maßgebend ist und bleibt in erster Linie, ob in der Zionistischen Organisation und im jüdischen Volke genügend Energien und Erkenntnisse vorhanden sind, das Judenschicksal bewußt anzupacken uud es planmäßig zu ändern. Wir sind überzeugt, daß in der zionistischen Bewegung genügend bewußtes Wollen und im jüdischen Volke genügend latente Energien vorhanden sind, um von Rückschlägen unbeirrt, den Weg innerer und äußerer Befreiung zu gehen. Die Zukunft der jüdischen Gesundung liegt im Zionismus beschlossen. Unser Geschlecht hat den goldenen Schlüssel zu dieser Zukunft. Trotz der Schwierigkeiten, die sich uns auf dem Wege unserer Befreiung entgegenstellen, glauben wir, daß das erwachte jüdische Volk mit Hilfe des ihm jetzt gegebenen Schlüssels die Tore in ein lichtvolleres Sein wird öffnen können. M. W. Vom Deutschen Komitee Pro Palästina Dem ״Deutschen Komitee Pro Palästina zur Förderung der jüdischen Palästinas i e d 11111 g“ sind eine Reihe von Mitgliedern neu beigetreten, darunter die Herren Oberbürgermeister Dr. Adenauer, Köln, Präsident des Preußischen Staatsrats, Graf Arco, Direktor der Ges. f. drahtlose Telegrapliie, Oberbürgermeister M. Brauer-Altona, Abg. Pfarre- Adolf Korell-Niederingelheim, Bürgermeistcr Dr. Petersen- Hamburg, Min.-Direktor Dr. Schaeffer vom Reichswirtschaftsministerium, Prof. Max Sicvogt, Admiral z. D. von Truppei. Ein Schreiben Sir Wyndham Deedes Warschau, IS. Januar. (J.T. A.) Vor seiner Abreise aus Polen hat Sir Wyndham Deedes ein Abschiedsschreiben an die Juden in Polen gerichtet. Es heißt darin: Bevor ich Polen verlasse, drängt es midi, meinen tiefsten Dank den zionistischen Führern und der jüdischen Bevölkerung Polens für die herzliche Aufnahme auszusprechen. Ich habe überall beobachten können, welche vergeistigende Wirkung der Zionismus auf die jüdischen Gemeinschaften im Lande ausübt. Der Zionismus in Polen hat erwiesen, daß diese Bewegung in keiner Wdse ira Widerspruch steht zu den Pflichten der Juden als Bürger derjenigen Länder, in denen sie wohnen. Im Gegenteil: der kulturelle, moralische und physische Fortschritt, der überall der praktische Ausdruck des Zionismus ist, vergrößert ungeheuer den Wert der Individuellen und kollektiven Tätigkeit der Juden. Die Juden müssen aber verstehen, daß eine Bewegung wie der Zionismus, die sich unter schweren Bedingungen entwickelt, besonders in der ersten Periode Schwierigkeiten und zeitweiligen Rückschlägen ausgesetzt ist. Man muß die Anstrengungen auch in den Zeiten der Rück- Schläge nicht ruhen lassen. Die Juden haben in der Vergangenheit noch größere Schwierigkeiten überwunden. Jetzt ist Palästina nicht mehr ein Traum, sondern ein Gegenstand der praktischen Politik. Es besteht für keinen Juden ein Grund, dieser Bewegung nicht seine ganze moralische und — was besonders notwendig ist — materielle Unter- Stützung zu leihen. Die Zeitung ״Fata Ul’Arab“ meldet, daß England den Betrag von 1 Million Pfund für den Ausbau eines modernen Hafens in Akaba bestimmt hat, da die Absicht bestehe, aus Akaba eine wichtige Handelsstation zu machen. (Die Nachricht ist unbestätigt, verdient aber alle Aufmerksamkeit. — Red.) Nr. 6 Eine Entwicklung Nach § 34 des Judenedikts vom 12. März 1812 wurden ausländische Juden als Rabbiner, Kirchenbediente, als Leb ■' burschen, zu Gewerks- oder Hausdiensten in Preußen nie. י geduldet. In solcher Tätigkeit erschienen Ausländer allzu sei! der Kontrolle der Behörden entzogen. Die Vorschrift galt damals als ein Akt der Staatsräson. Das Gesetz schuf für die erwähnten Kategorien ausländischer Juden ein privilcgium odiosuni, weil es befürchtete, wie Israel Jacobson aus Braunsclnvcig in einem Schreiben an den Geh. Staatsrat Sack vom 15. Februar 1811 meint, ״fremde Juden, denen man im voraus den Charakter von Vagabunden und Bettlern beilegt, würden das Land überschwemmen“. In der Praxis wurden jedoch von dieser Vorschrift häutig Ausnahmen gestattet. Dieser Entwicklung entsprechend ließ das Judengesetz von 1317 in § 71 die Annahme ausländischer Juden auch als Rabbiner und Synagogcnbeamten, als Gcwcrksgehiifen, Geseilen, Lehrlinge und Dienstboten zu, schrieb aber für diese Fälle die Genehmigung des Ministers des Innern vor. Dies ist die einzige Ausnahmebestimmung des Judengesetzes /״ Ungunsten ausländischer Juden. Soweit sie sic'1 gegen Gewerksgeliilfen, Gesellen und Lehrlinge richtet, ist sie durch Einführung der Gcwerbefrcihcit nach § 11־ der Reichsgewerbe- Ordnung vom 21. Juni 1869 beseitigt worden. Während mm eia Miuistcriaierlaß vom 19. Juni 1861 eine entgegenkommende Handhabung der Vorschrift bei ausländischen Rabbinern und Synagogenbeamten verhieß, schlug mit dem Erlaß vom 30. September ISSI, der allgemeinen politischen Entwicklung gemäß, der Wind um. Die Praxis wurde aber wieder milder, und es ist bekannt, daß die aus dem Ausland gekommenen Rabbiner und Synagogenbeamten in Preußen sehr zahlreich sind, ja daß die Besetzung׳ vieler offener Stellen nicht möglich gewesen wäre ohne den Zuzug ausländischer Juden. Durch einen Ministerialcrlaß vom 15. Dezember 1926 ist mm praktisch die Beschränkung des Judciigcsctzes zu Ungunsten aus־ ländischer Rabbiner und Synagogenbeamten gefallen. Der Zustimmung des Ministers des Innern soll es künftig nicht mehr bedürfen. Die Regierungspräsidenten werden vielmehr generell angewiesen, Einwendungen gegen die Aufstellung nicht mehr zu erhebet! und nur dann dem Minister des Innern zu berichten, wenn im Einzelfall Bedenken unter fremdenpolizeiliclien Gesichtspunkten bestehen. Damit ist dank der loyalen Haltung der Regierung erfreulicherweise das einzige Uebcrbleibsel aus alter Zeit, die einzige Ausnahmebestimmung gegen ausländische Juden in Preußen verschwunden. Jetzt bleibt nur noch übrig, daß die preußischen Juden selbst, die ja nicht aufhöreu, in den Gemeinden gegen die Ausländer vorzugehen, den gleichen Geist des Fortschritts zeigen wie das alte Jitdcngesciz von 1847 und die preußische Regierung. Harry Epstein. Amerikanische jüdische Arbeiter für Palästina New York, 12. lanuar. (J.T.A.) Die Arbeiterkonferenz für Palästina, die in diesen Tagen in New York abgehalten wurde, beschloß, in dieser Winterperiode 250 000 Dollar für die, jüdischen. Arberterinstitutionen in Palästina aufzubrjn- «מ-.Begrüßungsansprachen hielten das Mitglied der fixe* kirtive der palästinensischen Arbeiterorganisation ״HRtadruth“ Dr. Ch. Ariosoraff; der Chefredakteur des ״Forward“. Ab. Kahan, und der Generalsekretär der Gewerkschaften Schlosberg. Der Gewerkschaftekretär Hemlin berichtete über die bisherige Tätigkeit und teilte mit, daß die Organ!- sation im vergangenen Jahre 113000 Dollar für Palästina- Institutionen gespendet hat. Dieser Betrag wurde in mehr als 100 Städten von 23 Staaten insgesamt von 15 000 Personen gespendet Es wurde beschlossen, den Vereinigten j ii - dis eben Gewerkschaften für die erfolgreiche Durchführung der Kampagne den Dank abzustatten. Zum Vorsitzenden des Komitees für Palästina wurde einstimmig Herr Max Fein gewählt. Der Verband der jüdischen Gemeinden Ju• jessod nach Kräften zu stützen. Die Gemeindeverwaltungen kamen dieser Aufforderung nach und. beschlossen außerdem, in das Gemeindebudget einen Posten für Keren Hajessod einzusetzen. Die Tournee des Herrn Israel Cohen hatte großen Erfolg. Nr. 6 Spatere G! de Achad H Ein Gast 1 nratnr und in hoher Ga immer eben G Wenige ver st. [iciit weil sei schwer, zu du Hangen, zu k' krümmten Ge! nicht ihn. ß< ihnten Größe aber letztens unserer niedri und sein Wo Sein Wes an den Proph genau wie si wie er sic g man denn ai die Menscher nungen, wölb Oder sie bet verführerisch( Tages verleil eiserne Warn gilt es denn freien, den י& wieder gcrac Es heißt nu schlichter Juc Gott ursprüi Und sei! der Stil, an d vergötzen d; Gedankens. — ihm gali heiligen Inh: Rhetorik, ke Sinn gerang( Leichtfertig!; Er schrieb g langsam uik Werk. Die Gedanken v der Stil Ac was Klatzkii Noch besser D c r a k h i r Schönheit, < heit diese Geradht Lehre, die e Zeit am S< Füßen, abe ging. Man formen, eit jüdischen A Wege, doc Uebels und den des his nalen Ich“', sie sich zu heitlieh au! Organismus ״B e1e b u vermag sol Israel. 5 klein sie! duldigcr K unserer hi unser ״gei der weiten belebend t wählt eur! Werk -! sc h e s Id braucht u! Dostojewski und ein Jude Von Manfred S t u r m a n 11. Ein soeben erschienenes Buch1 *) legt erschütternd Zeugnis ab von einem jüdischen Schicksal. Die Zwiespältigkeit des Golus-Intellektuelien, der die Enge der Ghettoerzienung abstreift und abtrünnig zu werden versucht, tritt uns hier mit einer Schärfe vor Augen, daß uns dieses Paradigma wichtiger und wirksamer erscheint als ein ganzes Konvolut von Schriften über die jüdische Frage. Es ist dem Moskauer Dostojewski-Forscher Leonid Oroßmann zu danken, daß dieses jüdische Schicksal, dieses Leben des Literaten Abraham Uri ja Kowner nicht in restlose Vergessenheit geraten ist. Oroßmann gelang es nach jahrelangen Studien, die Geschichte dieses russisch-jüdischen Menschen neu zu schaffen. Dokumente wurden zusammengetragen, die verschollenen Schriften Kowners aufgefunden und aus dem Dostojewski-Archiv Briefe von Kowners Hand ans Licht gezogen. Das Ergebnis dieser Forscherarbeit ist eine Lebensgesehichte voll Traurigkeit und Mißerfolg. Dieser Kowner glaubte so sehr an die Wirklichkeit, daß er in diesem übersteigerten Glauben ein Phantast wurde. Dieser Verherrlicher des ״gesunden Menschenverstandes“ scheitert in allem an dem Unverstand seiner Umgebung. Sein Leben? Nun, es sticht nicht sonderlich hervor, es hat nicht übermäßig viel Aufsehen erregt und doch wird man es nicht vergessen. Kowner ist in Wilna geboren (1642); ein unbeschreibliches Elend sah seine Kindheit. ״Wir hatten 1r1 Hause niemals Milch noch Butter“, schreibt er tpäter einmal. Der kleine Abraham soll Rabbiner werden, man steckt ihn in den Cheder. Es gibt kein Spiel, kein Licht — mir Lernen. Mit acht Jahren tritt er in die Rabbinerschule ein. Schon damals empfand er, noch unbewußt, die Enge dieses Lebens. Seine Phantasie spielt, er schreibt ein hebräisches Oedicht von Esther und Hainau. Er ahnt, daß es außerhalb dieser Welt größere Dinge geben muß als die Haarspalteteicn des Talmuds. Ein paar Jahre vergehen, da verlaßt er Wilna und führt als Bocher jenes berüchtigte Wander¬ 1j Leonid GroBmarm; ״Die Beichte eines Juden in Briefen an. Dostojewski“. München 1927, R. Piper & Co., Verlag. leben, das von der Mildtätigkeit der Glaubensgenossen abhängt. Er hungert sich von einem Ort zum andern durch, aber sein Geist wächst, die Lehre vertieft sich, er sitzt zu Füßen der großen Rabbonim und lernt. Aber das Verlangen, mehr zu wissen, alles zu wissen, bedrängt ihn. Von wandernden Studenten erfährt er, was in der Welt vorgeht. Er hört zum ersten Male die Worte: Sozialismus, Naturwissenschaft, Dichtung. Die ersten nichtjüdischen Schriften kommen in seine Hand. ]!11 Lehrhause, versteckt hinter den geöffneten Talmudfolianten, liest er sie. Da bemächtigt sich seiner ein nicht mehr zu zügelnder Wissensdurst. ״Ich haschte nach jedem Zeitungsblatt wie nach einer Kostbarkeit“, verzeichnet er einmal in seinen Memoiren. Aber noch Jahre dauert es, bis er sich aus seiner Enge befreit. Dem Willen der Eltern folgend, heiratet er, achtzehnjährig, ein Mädchen, das er nicht liebt, kaum jemals gesehen hat. Indessen ist es seinem älteren Bruder gelungen, sich nach Odessa durchzuschlageu, um sich nach furchtbaren Mühen für die Universität vorzubereiten. Er studiert in Kiew Medizin. Dieser Bruder rät zur Flucht. Abraham verläßt Wilna, Weib und Eltern. Er betritt die Welt, kommt nach Kiew, lernt russisch, hungert, liest und liest Bald ver• fügt er über ein namhaftes Wissen, der vom Talmudstudium geschärfte Geist kommt ihm zugute, er beginnt zu schreiben. Einige Zeitungen drucken seine ersten Aufsätze. Schon bei diesen ersten schriftstellerischen Versuchen zeigt sich Kowners große Freiheitsliebe. ״Nur keine Grenzen.“ Er ruft■ seine Generation zur Freiheit auf, in religiöser und sozialer Hinsieht Er verlangt: Anschluß an europäische Sitten, Allgetneinbildung, produktive Berufe, Schließung der Jcschivoth, in der die Männer abstumpfeu gegen die Wirklichkeit. Die Jugend jubelt ihm zu, sie sieht in Kowner den neuen Befreier Israels. Das Alter aber flucht ihm, und seine Schriften werden verbrannt Auch die nichtjüdischen Kreise werden; au? ICcwr.er aufmerksam. Jetzt beginnt er in den großen { Tageszeitungen zu schreiben. Er'wird ein unerbittlicher Zeit- ׳ kritiker, und sein Name ist ein Programm- Es folgen, die! Jahre seines ״literarischen Nomadenturas“. Scho« hat es j den Anschein, als habe er sich durchgeretzt — da tritt• das j Verhängnis ein. ' Es folgt jenes traurige Lebenskapitel, welches üroßmann j treffend mit ״Das Experiment Räskolnikoff“ überschreibt. Kowner ist damals in Petersburg. Er wohnt bei einer armen jüdischen Familie, nimmt sich seiner Wirtsleute an, wird ihr Vertrauter, und später, als seine Liebe zu einer Tochter des Hauses, Sophia, erwacht ist, der alleinige Ernährer. Der Ertrag seiner Schriftstellerei reicht nicht mehr aus, und er sieht sich gezwungen, in eine Bank als kleiner Beamter einzutreten. In dieser Umwelt spielt sich das Drama ab. Sophia ist krank, schwindsüchtig. Nur Geld könnte sie vor dem sonst sicheren Tode bewahren. Pflege ist dringend notwendig und eine Reise nach dem Süden. Kowner, der die Geliebte hinsietiien sicht, der an den Schikanen grober Vorgesetzter herunterkommt, der nichts mehr schreiben kann, weil er vom Jammer ausgelaugt ist — dieser Kowner begeht, um das Leben des Mädchens zu retten, eine Wechselfälschung und prellt die Bank um hundertsechzigtausend Rubel. Er versucht, mit Sophia, die nichts ahnt, zu fliehen. Doch es gelingt ihm nicht, über die Grenze zu kommen. Er wird gelaßt. Das Drama hat ein schnelles Ende: schwerer Kerker für Kowner. Sophia, die freigesprochen ist, stirbt. Kowner verbüßt die Haft, geht später nach Sibirien, man vergißt ihn. Er stirbt 1909. ■ Das ist die Lebensgeschichte. Gewiß, das Schicksal dieses armen Literaten wäre vergessen geblieben, wenn es nicht in einer seltsamen Beziehung zu Dostojewski gestanden wäre. Nie sind sieb die beiden begegnet. Nur einige Briefe stellten die Verbindung, zwischen ihnen her. Und doch ist dieser Zusammenhang ein tiefer. Der Sträfling Kowner stellt den großen Dostojewski zur Rede — und dieser antwortet. Kowner, der im Jahre 1877 im Kerker saß, richtete damals ‘!einen ersten Brief an den großen Dichter, nicht aus Eitelka't, nicht in anhimmelnder Geste, sondern aus Innerster Not. Er muß herausschreien, was er als Unrecht empfindet; er ruft Dostojewski, als den geistigen Vater des russischen Volkes, zum Richter an; er vertraut sich ihm. Und doch: wie kühl ist dieser erste Brief gehalten und wie wahrhaftig! ״Ich bin erstens Jude,“ schreibt er, ״und Sie sind den Juden nichts wenigeals wohlgesinnt; zweitens habe ich zu jener Art von Publizisten gehört, die Sie verachten3); drittens -) Bekanntlich stand der in seiner Jugend so radikale Dostojewski ir späteren Jahren auf seiten der Reaktion. *schließlich Zeilen aus ein von a leidender er antwor steht ihm er, von 1 seitigt Mi zum Jude Aber Auhnerke nach muß tief ergri der in <1 wesen? ein Verb nunft? sehen V< Klingt c wenn Ko ״Niemani Leben la wissen 1 gehen, d Mann bl Wen Ewigkeit G üft i c sal ein \ Wechsel Mej tctc Au aiphabel (Verlag ausgeze Staaten leider s vermerl 3) ’ stdlers'

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