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Jüdische Rundschau · 1927-01-18 · Heft 5 (18.1.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 5 (18.1.1927)
Date
1927-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr.« lsl die Propaganda unserer Fonds zeitgemäß? Von Julius Berber, Jerusalem. .ז Worauf beruht, unter dem Gesichtspunkt der Propaganda betrachtet, die gegenwärtige Krisis in Erez-Isracl? Darauf daß ihre indirekte Wirkung, die Menschen ins Land bringt, größer ist, als die direkte, die Geld bringen soll. Jede zionistische Propaganda, welches Ziel sie ‘immer hat, bringt Menschen ins Land. Die Geklpropnganda, auch wenn sic von Menschen nicht spricht, ja sogar wenn sie vor der Einwanderung warnl, bringt Menschen ins Land. Je;zt, wo die Zeitungen in der ganzen Welt voll sind von "Berichten über die Wirtschaftskrise in Erez-Israel, wo die Rückwanderer in Osteuropa und ihre übertriebenen Berichte eine Stimmung der Depression und der Gegnerschaft gegen die zionistische Bewegung schaffen, wandern immer noch monatlich 800 bis 1000 Menschen nach Erez-Isracl ein, und darunter bezeichnenderweise mehr als 50 f/0 aus eben jenem Lande, wo die Wirkung der Rückwanderung am meisten zu spüren sein müßte, aus Polen. Sogar die Rückwanderung macht unter gewissen Umständen und in gewissen Kreisen Propaganda für die Auswanderung nach Erez-Israel. Andererseits ist die direkte Wirkung, die Beschaffung großer Geldmittel für Erez-Israel, offenbar weniger erfolgreich. So groß, absolut genommen, die Beträge sind, die durch die zionistische Propaganda für Erez-Israel aufgebracht werden — Kranold hat erst neuerdings in den Sozialistischen Monatsheften darauf aufmerksam gemacht und ihnen gegenüber uns sehr günstige Vergleiche mit den Leistungen Deutschlands für seine Kolonien aufgestellt -- ,sowenig sind sie ausreichend im Verhältnis zu den Bedürfnissen der Siedlung, insbesondere aber zu den durch die dauernde Einwanderung verstärkten Erfordernissen, Das, was die zionistische Propaganda heute aufbringt, würde ausreichen, die verhältnismäßig kleine Siedlung im heutigen Umfang aufrechizuerhalten, langsam zu konsolidieren und in sehr langsanfem Tempo und in sehr kleinem Ausmaß zu erweitern. Mehr erreicht sie nicht. Das beweisen die ziffernmäßigen Ergebnisse der Propaganda. Die Keren Hajessod-Einnahmen des Jahres 5686 sind um 15 <v0 höher als die des Jahres 5683, 15 <V0 in vier Jahren. Der Zuwachs z, B. des Keren Kajemeth in derselben Zeit ist zwar erheblich größer, aber seine Eingänge bewegen sich noch in Regionen, die vom Keren Hajessoa längst verlassen sind. Ob die große Steigerung der Keren Kajemeth-Einnahmen der letzten Jahre in diesem Tempo anhalten wird, ist zweifelhaft. Man hat in den fetzten Jahren im Zionismus sehr viel über den Inhalt unserer Propaganda gesprochen. Man hat die gegenüber den ersten Jahren verhältnismäßig langsame Entwicklung der Zionistischen Organisation und ihres inneren Gehaltes in den letzten Jahren auf die Geidpropaganda zurückeführt, die wir treiben oder treiben müssen. Dadurch, daß ie Kraft der ganzen Organisation auf die Gcldforderung konzentriert wird, werde ihr ideenmäßiger Gehalt gefährdet; erschlaffe ihre innere Spannkraft, verliere sie an Anziehung. Es soll viel mehr von der Idee und viel weniger oder möglichst gar nicht vom Gekle die Rede sein. Unsere Propaganda soll zum radikalen Zionismus erziehen. Der radikalste Zionismus besteht aber offenbar in der Uebersiedlung nach Erez- Israel, Eine mit letztem Nachdruck das Ideenmäßige des Zionismus betonende Propaganda muß die Erziehung zur Uebersiedlung nach Erez-Israel zum Ziele, das heißt eine Verstärkung der Einwanderung zur Folge haben. Die ganz radikal nur auf die Idee eingestellte Propaganda würde die Krise nur verstärken, unter der heute Palästina, und von der ausgehend die ganze Zionistische Organisation leidet. Es würde einer nur noch mehr verstärkten Einwanderung eine vielleicht geschwächte, im besten Falle aber nicht gestärkte Finanzpropaganda gegenüberstehen. Die Gelddecke, die schon heute nicht mehr ausreicht, die gegenwärtige Einwanderung zu finanzieren, würde sich erst recht als zu knapp erweisen für die verstärkte Einwanderung. Geholfen wäre gar nicht. Also sollen wir eine möglichst flache Propaganda treiben, nur vom Gelde sprechen, auf die Idee möglichst verzichten? Auch das würde nicht helfen. Je weniger wir mit der Idee rechnen, um so weniger würde das Volk mit uns rechnen. Die Stärke der zionistischen Propaganda liegt in der zionistisehen Idee. Machen wir aus dem Zionismus eine ganz flache, simple, etwa rein auf das Oekonoinische oder gar Wohlfahrtsmäßige eingestellte Unternehmung, so wird ihre Propaganda nicht mehr erreichen als die anderer großer Wohlfahrtsunternehmungen, die den Vorteil der Unterstützung durch zahlreiche sozial und materiell hochgestellter Kräfte vor dem Zionismus voraus haben würden. Die Geldeinnahmen des Zionismus würden sinken. Die Einwanderung ■würde zwar vielleicht auch sinken, aber die Diskrepanz zwischen den Resultaten der Finanzpropaganda und den Bedürfnissen der Einwanderung׳ wäre wieder nicht ausgeglichen. Mit anderen Worten: Es erweist sich, daß die Wirkung unserer Propaganda heute nicht ausreicht, um den Bedürfnissen des Landes und der Siedclung gerecht zu werden, die dadurch noch gesteigert werden, daß unsere Propaganda, wie immer sie betrieben werden mag, Einwanderung erzeugt und zwar eine größere Einwanderung, als wir aus den Einnahmen unserer Propaganda zu decken vermögen. Diese schwere, durch keinerlei Spitzfindigkeit aus der Welt zu schaffende Tatsache von der immer größer werdenden Spanne zwischen den materiellen Ergebnissen unserer Propaganda und dem immer größer werdenden Bedürfnis unserer Siedlung hat zu allerhand Finanzprojekten geführt. Das eine Projekt, die große Anleihe, darf wohl jetzt durch die Fest- Stellungen der Londoner Finanzkonferenz als zunächst erledigt gelten. Ein anderes Projekt rechnet mit einem anderen Inhalt der Finanzpropaganda, wir verlangen angeblich zu wenig. Würden wir statt einer Million Pfund 60 Millionen Pfund verlangen, so würden wir sie bekommen. Auf welchen Gewißheiten diese Rechnung beruht, ist schwer festzustellen. Ernstlich mit ihr zu rechnen, vermögen wir mit dem besten Willen nicht. Aber sowohl die Anleihe wie das 60 Millionen-Projekt würden genau so Propaganda benötigen wie unsere Fonds. Auch ihr Erfolg wäre abhängig von unserer Propaganda. Denkbar bliebe natürlich die Finanzierung unseres Siedlungsunteriiehmens auf Grund ganz anderer Faktoren, die, anders als heute, den Aufbau des Landes und der jüdischen Heimstätte nicht mehr zuin großen oder zum größten Teil von der Wirkung unserer Propaganda abhängig machen. Auch darüber kann hier nicht gesprochen werden. Hier handelt es sich um eine Untersuchung der Wirkungsmöglichkeit der zionistischen Propaganda, wie sie heute betrieben wird und wie sie rebus sic stantibus in Zukunft betrieben werden könnte oder sollte. Als Resultat der gegenwärtigen Art unserer Propaganda bleibt die Tatsache, daß die von ihr erzielte geldliche Wirkung zu klein ist im Verhältnis zu der von ihr erzielten Ein- Wanderungswirkung, daß die dadurch entstehende Spanne zwischen Bedarf und Leistungsfähigkeit von Jahr zu Jahr größer wird, d. h. die wirtschaftliche Krise mehr und mehr vergrößern und immer unhaltbarer machen muß. Das ist die Tatsache, der wir ins Auge blicken müssen. Haben wir sie richtig erkannt, so verschwinden alle die Gespinste, an die sich die Hoffnungen immer noch klammern. Es bleiben nur zwei Möglichkeiten: vielleicht gelingt es uns, die finanzielle Wirkung unserer Propaganda ganz enorm zu steigern, so sehr, daß sie imstande ist, den gesteigerten Bedarf der durch sie gesteigerten Einwanderung zu absorbieren. Mit anderen Worten: wir müßten statt 700000 oder 800 000 Pfund Einnahmen, die wir heute bestenfalls haben, wenigstens zwei bis drei Millionen Pfund erzielen. Zu dieser Erkenntnis ist ja auch wohl die letzte A.-C.-Sitzung gekommen, die von der Not- Wendigkeit der Aufbringung von zwei Millionen Pfund sprach, wohlgemerkt, netto zwei Millionen, <1. h. brutto mindestens drei Millionen Pfund. Die A.-C.-Site1u1g hat sich damit benügt, diese Forderung aufzustelien und auf Orund dessen den alästina-Etat zu erhöhen. Was aber die Proklamierang einer Forderung mit ihrer praktischen Durchführung zu tun hat, bleibt schleierhaft. Nichts gibt uns die Gewißheit, nichts spricht dafür, daß die Propaganda dieses Jahres uns erheblieh mehr Einnahmen bringen sollte als die der vorhergehenden Jahre. Spricht man mit den Führern der Zionistischen Organisationen, nicht in der öffentlichen Sitzung, sondern in der ganz anderen Luft des Büre», so wird das ohne weiteres zugegeben, besonders in Amerika. Es lassen sich zwar gerade in Amerika ganz andere Möglichkeiten politischer und tinanzpolitischer Natur denken, die wir aber bei Betrachtung der Leistungsfähigkeit unserer jetzigen Propaganda außer acht lassen müssen. Bleibt als letztes Mittel — vorausgesetzt, daß wir nicht zu einer Aenderung unserer Propagandamethoden kommen können — die Verkleinerung von der Spanne von der anderen Seite aus. Solange unsere Propaganda nicht mehr Geld aufzubringen vermag als heute, müssen wir die Ansprüche mindern, die an uns gestellt werden. Das kann geschehen durch bessere Wirtschaftlichkeit im Lande oder schlimmstenfalls auch durch Einschränkung der Einwanderung. Nichts schadet unserer Propaganda mehr als die fortdauernden Berichte über die innerhalb und außerhalb des Landes wachsende Unzufriedenheit mit den Resultaten unserer Wirtschaftspolitik. Aber diese Oedankengängc haben mit dem hier behandelten Thema bloß indirekt zu tun. Auch muß man zugeben, daß eine Aenderung unserer Siedlungs- und Wirtschaftsgrundsätze sich propagandistisch nur sehr langsam auswirken würde. Auch dann würde sehr bald derselbe Zustand erzielt werden־ vor dem wir heute stehen: die eiserne Wand, über die wir nicht mehr hinwegkommen, wenn nicht auf Grund anderer politischer oder Wirtschaftsfaktoren eine besser fundierte und mehr produktive Einwanderung einen vollkommenen Umschwung der Situation herbeiführen sollte. Unsere Propaganda aber kann im besten Falle nicht viel mehr erreichen als heute. Das ist durchaus bewiesen, da sie auch in Zeiten des scheinbaren Wirtschaftliehen Aufschwungs nicht mehr fertig gebracht hat als in der des wirtschaftlichen Niederganges. Im Gegenteil müssen wir uns sehr ernsthaft die Frage vorlegen, wie lange noch unser Apparat die gegenwärtige Höchstspanne aushält. Müdigkeit herrscht überall, bei den Gebern und noch mehr bei den Nehmern. Davon kann man sich sehr leicht in Amerika überzeugen, und unsere europäischen Organisationen sind keineswegs frei davon. Wenn wir uns vorstellen, daß wir noch weitere fünf, zehn, ja fünfzehn oder mehr Jahre immer wieder dasselbe tun müssen, was wir heute tun, immer wieder Geld, Geld und Geld fordern, immer wieder mit derselben Methode und demselben Apparat, dann wird auch dem Optimistischsten von uns der Mut verlassen, und er wird sich sagen, allzu lange kann das nicht so weitergehen. Und so wäre das Ergebnis dieser Untersuchung sehr unbefriedigend. Und es schiene fast, als ob kein Ausweg bliebe, wenn nicht eine Frage aufgeworfen werden müßte, die schon längst hätte aufgeworfen werden sollen: Ist denn das System unserer Propaganda richtig? Gibt es vielleicht ein besseres System, eines, das mehr Wirkung haben muß? Nun, liier ist eines festzustellen: unser System ist eigentlieh kein System. Es ist ein Ausfluß allerhand mehr oder minder laienhafter Feststellungen über das Wesen der Propaganda. Inzwischen ist längst eine Propagandawissenschaft aufgewachsen und in der ganzen Welt anerkannt. Es gibt heute an einer Reihe von Universitäten Lehrstühle für Propagandawissenschaft, es gibt eigene Hochschulen dafür. Eine eigene Literatur, geschrieben von den besten Psycho-Experten der ganzen Welt, ist erschienen und vennehrt sich von Tag zu Tag. Laboratorien arbeiten an der Aufdeckung der Zusatnmenhänge auf dem Gebiete der Massen Psychologie — und Propaganda ist bekanntlich nichts anderes als angewandte Massenpsychologie —, die zionistische Propaganda hat damit nichts zu tun, sie steht fern davon, sie weiß davon nichts. Hier liegt einer der Schlüssel zur Aenderung der Dinge. Gehen wir an unsere Propaganda von dem Gesichtspunkt heran, von dem der moderne Landwirt, der moderne Industriedirektor an seine Unternehmung hcrangeht, daß sie nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen betrieben werden muß auf Grund der Erfahrungen, die von Sachverständigen der ganzen Welt gesammelt und verarbeitet worden sind. Betrachten wir einmal, wie unsere Propaganda unter diesen Gesichtspunkten aussieht, und versuchen wir, Wege für unsere Propaganda zu zeigen, die der Höhe entsprechen, auf der die moderne Propagandawissenschaft seit langem angekommen ist. (Schluß folgt.) Revisionistische Propaganda Jabotinsky, dessen Besuch in Polen infolge großer Schwierigkeiten bei der Beschaffung des Einreisevisums immer wieder hinausgeschoben werden mußte, wird, wie der ״Haint“ berichtet, gegen den IO. Februar in Warschau etatreff en. Er gedenkt, in Polen einen Monat zu verbleiben und wird auch in zahlreichen Provinzstädten an Versammlungen teilnehraen. — Nach weiteren Zeitungsineldungen sollen nach der Rückkehr aus Polen Jabotinsky, Lichtheim und Dr, Soskin sich nach Amerika begeben. (Ziko.) Ende der ״Zionist Review“ ״The Zionist Review‘% das Organ der English Zionist Federation, stellt mit der eben herausgekommenen Nummer sein Erscheinen ein. Die Zeitschrift ist genau zehn Jahre allmonatlich einmal erschienen und hat für die Verbreitung des Zionismus und für die politische Durchsetzung der zionistischen Idee in England sich große Verdienste erworben. In den entscheidenden Jahren 1917/18 war ״Zionist Review“ das offizielle Publikationsorgan des Zionismus, was um so wichtiger ist, als in England durch andere zionistische Zeitungen, die keiner Instanz verantwortlich sind, die öffentliehe Meinung oft verwirrt wird. Die Einstellung der Zeitschrift wird begründet mit dem Erscheinen des offiziellen Organs der Exekutive, ״The New Judaea“, das von nun an der English Zionist Federation für ihre besonderen Zwecke eine Rubrik zur Verfügung stellen wird. In ganz anderer, entgegengesetzter Weise verfährt Schachnowitz mit Sabbatai Zewi in seinem Roman ״Die Messiasbraut“. Hier ist die mystische Flamme durch den Rauch des Blendwerks und den Dunst der Eitelkeit getrübt. Hier wartet Sabbatei nicht lange, wird rrcht von Zweifeln geplagt. Von Jugend an strebt er dem Ziele zu und braucht nicht von anderen gedrängt zu werden, als Messias aufzutreten. Er gefällt sich sehr gut in der Rolle des Erlösers. Die Jünger, die ihn umgeben, sind nicht nur entflammte Kabbalisten, sondern auch kalte Rechner, energische, rücksichtslose Regisseure der Suggestion. Sie sind stets darauf bedacht, das Volk in Atem zu halten, und zu diesem Zwecke werden Wunder produziert, Fasttage durch Botschaften abgeschafft und in Ereudentage verwandelt, neue Gebetbücher gedruckt und verbreitet. Sabbatai weiß, was es mit diesen Wundern für eine Bewandtnis hat, aber er läßt es gewähren. Dementsprechend ist auch Sarah, die Messiasbraut, nicht wie in Poljakows Roman das Waisenkind, das aus dem Kloster flieht, das exaltierte jüdische Mädchen, das mystische Stimmen in sich wahrnimmt, dem Messias zu folgen, dann von den Juden nach Amsterdam gebracht wird und von dort nach vielen Leiden den Weg zu Sabbatai findet. Bei Schachnowitz ist Sarah, die Messiasbraut, eine Halbweltdame, die in Amsterdam, einer der vielen Stationen auf dem Wege zu Sabbatai Zewi, ein üppiges Leben führt einen ״Freund“ hat, sich mit Rembrandt einläßt dem sie Modell steht und später in Abyddos bei den Dardanellen, wo Sabbatai in dem türkischen Schloß seine Residenz aufgeschlagen hat Huldigungen und Geschenke entgegennimmt. Währenddessen folgt ihr der Amsterdamer ״Freund“, der spanische Jude Kassato, überall hin, neidisch auf Sabbatai will auch er den Erlöserberuf ergreifen, heißt nicht mehr Kassato, sondern Nehern ja Hakohen, von dem — wie er versichert — die Welt schon angefangen hat zu sprechen. Es geht recht abenteuerlich zu in diesem Roman, urtd es scheint auch das Bestreben des Autors gewesen zu sein, eine Atmosphäre des Abenteurer- und Gauklertums zu schildern, in der das betrogene Volk der einzig leidende Teil bleibt. Hier steht Sabbatai in der entscheidenden Stunde vor dem Sultan nicht als einer, der an seine hohe Sendung glaubt, sondern als Feigling, der, um seine Haut zu retten, nach dem Turban greift. So mit Schmach und Schande bedeckt, endet der falsche Messias. Wir sehen ihn einsam, verlassen, als Mahomed Effendi in einem albanischen Dorfe sterben, indes Sarah in dem Harem des Sultans Aufnahme findet Die Rabbiner der bedeutenden jüdischen Gemeinden jener Zeit haben schwere Mühe, dem betrogenen, um eine große Hoffnung beraubten, aufgewühlten Volke wieder inneren Halt und seelische Ruhe zu verschaffen. Dieses Aufgewühltsein des Volkes wie auch der Kampf, den die großen Rabbiner, wie Jakob Sasportas, Aron Lapapa, Chaim Benewenesti, Mendel Baß gegen die Sabbataianer geführt haben, wird breit und ausführlich geschildert. Vor allem aber ist der Verfasser darauf bedacht, den Leser spannend, sensationell *u unterhalten. Er führt ihn in Amsterdam auch in die Stube Spinozas und läßt ihn einer Konversation des Philosophen mit Rembrandt beiwohnen. Es ist viel Kolportagestil und Filmartiges in dem Roman; z. B. auch jene Szene auf dem Friedhof, wo Spinoza von einer kleinen Freundesschar zur letzten Ruhe geleitet wird und wo der fremde Geistliche, der nach den ersten Gebetworten tot niedersinkt, kein anderer ist als der einstige Freund Sarahs, Kassato alias Nehemja Hakohen; und diese Erschütterung, durch die der plötzliche Tod des müden Verliebten eintritt, wurde hervorgerufen durch ein Heiligenbild auf dem Kirchenbanner, das die Züge Sarahs trug, ein Bild, von Rembrandt gemalt, dem Sarah Modell gestanden. Also Film, Film! Aber alle diese Fertigkeiten der Phantasie können nicht den Eindruck verwischen, daß hier ein neuzeitig parteiisches Bild des Sabbatai Zewi gegeben wird. Der Goethe-Bund und das Bremer Schauspielhaus haben ein Preisausschreiben für das beste deutsche Drama veranstaltet. Der erste Preis wurde dem gegenwärtig in Berlin lebenden Dr. J. Steinbe rg für sein Drama ״Dornenweg"‘ zuerkannt. Dr. J. Steinberg, ein Neffe des jiddischen Schriftstellers Dr. Elia sehe ff (Baal Machschowoth) war ein Führer der russischen Sozialrevolutionären Bewegung und bekleidete nach der Revolution eine Zeitlang das Amt eines Justizministers. Heute lebt er im Berliner Exil. Sein Drama ״Dornenweg“ behandelt Probleme der russischen Revolution aus der Periode des Aufstandes des Generals Kornilow gegen die Herrschaft Kerenskis. Moritz Heboaams ״Weib des 4kiba“ Das Freie Jüdische Lehrhaus in Frankfurt veranstaltet jährlich zur Wiederkehr des Todestages des Rabbiners Dr. Nehemia Nobel eine Gedenkfeier. Es darf in dieser Feier keine Rede gehalten, sie soll durch Vertiefung in einen künstlerischen Genuß eine Stunde der Weihe werden. In diesem Jahre wurde das Drama des verstorbenen Mentors der jungen deutschen Literatur Moritz H ei mann ״Das Weib des Akiba“ durch Arthur Sackheim und Ilse Goldner vorgelesen. Der Kritiker der ״Frankfurter Zei* tung“ spricht das Bedauern darüber aus, daß dieses Drama noch nicht aufgeführt worden ist. Es ״spricht von einem Heimann, der aus der Zerrissenheit den Weg gefunden hatte zu einem starken jüdischen Bekenntnis ... Er wollte die jüdische Frau zeichnen in ihrer Größe als Gehilfin des Mannes. Aber schließlich hat er vor allem seinen Weg ins Judentum gezeichnet.“ Drei Jahrhunderte hebräische Bnehdrackerkanst Die im Gebäude der Amsterdamer Universität untergebrachte Ausstellung hebräischer Drucke gibt eine Uebersicht über die letzten drei Jahrhunderte hebräischer Buchdruckerkunst, seit 1. Januar 1627, da in Amsterdam das erste von Menasse ben Israel gedruckte Werk die Presse verließ. Besonders wertvoll ist die vom verstorbenen Baron Rosenthal der Universitätsbibliothek vermachte sögenannte Bibliotheca Rosenthaliana. Es sind Arbeiten von mehr als 100 hebräischen Buchdruckern ausgestellt. So sind zu sehen: 1585 bis 1630 bei Franckcr und Leiden gedruckte Bücher, Pseudo-Amsterdamer Drucke aus Berlin, Breslau, Köthen, Dessau, Frankfurt a. M., Frankfurt a. O., Fürth, Hamburg, Homburg, Johannisburg, Leghorn, Offenbach, Salzbach und Zolkiew, ferner Porträts von Buchdruckern, Herausgebern und Autoren, sowie einige sehr seltene Radierungen von Rembrandt und anderen. Eines der ganz wenigen noch vorhandenen Manuskripte des Samaritanischen Pentateuchs wurde von der Loan Bank in Palästina erworben.

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