Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1927-01-11 · Heft 3 (11.1.1927) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 3 (11.1.1927)
Date
1927-01-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652877-2652880--18822-2676628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Seite 20 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Die passive Geldzirkulation Von H e i n r I c h ,1 r g u! i e 5, Tel-Awiw*). Als wir mit unserem Aufbauwerk begannen, haben wir uns nicht um die arabische VC'irtschaftsfront gekümmert sondern sind unsere eigenen Wege gegangen. Hätten wir damals Wirtschaftsstrategen in unseren verantwortlichen Stellungen gehabt, so hätten diese, vom Feldherrnhügel aus, zunächst das Terrain überblickt und sich Karten gezeichnet von dem unbekannten Gelände. Sie hätten in diesen Karten besonders diejenigen Positionen vermerkt, welche die strategisch wichtigeren"Positionen waren: Schlüssclpositionett, wie sie in der Wirtschaft jedes Landes zu finden sind. Sie hätten ferner jene Positionen vermerkt, die von der gegnerischen Seite besonders gut verbarrikadiert waren, und drittens: die unverteidigten, die Positionen des geringeren Widerstandes. Was hätte sich dabei ergeben? 90«o der arabisch-türkischen Wirtschaitsfront waren nicht verteidigt. Und in diesen 00 lagen sämtliche strategisch wertvollen, sämtliche Schlüsselpositionen: Wasserkräfte für Irrigation und Elektrizität, Bodenschätze, Eisenbahn- und Verkehrswesen, Hafenbau, Städtebau, Handel, Industrie — und in der Landwirtschaft die Erzeugung hochwertiger Be- Wässerungskulturen. Verteidigt war nur eine einzige Position: die primitive extensive Getreidewirtschaft auf unbewässerbarem Boden. Und diese Position war nicht nur schlechthin verteidigt, sondern sie war uneinnehmbar verbarrikadiert durch nichts anderes als die PrimitiväU Anspruchslosigkeit und den geringe:! Standard of life der Fellachen. Aussichtslos verbarrikadiert, während alles andere offen lag, und während auf keinem anderen Gebiete der Araber vor uns einen Vorsprung hatte, während wir auf jedem anderen Gebiete unsere überlegenen Kräfte hätten entfalten können: Ueberlegenheit der maschinellen Kultur, des Kapitals, der internationalen Beziehungen verbissen wir uns in den konzentrierten Sturmangriff auf diese einzige verbarrikadierte Position, jagten wir heroisch unsere besten Kampftruppen in die Malariasümpfe, setzten alle unsere Mittel ein zur Eroberung einer Position, bei der wir unsere Kräfte an Kapital, Technik, Maschinen und Ueberlegenheit nicht nur nicht entfalten konnten, sondern bei der sie umgekehrt nur ein Ballast waren; denn der Getreidebau auf unbevvässerbarem Boden in extensiven Flächen ist nur dann konkurrenzfähig, wenn Boden 1!!1d Arbeit nichts kosten und keine luxuriösen Investitionen erforderlich sind. Die Ursachen für diesen Aufmarsch, der durchaus den Charakter einer Vcrblutungsoffensive trägt, waren 1. die Ideologie der zionistischen Generation, die völlig an dem Ideal des ״Bauern hinter seinem Pflug“ festhielt, an der ״dampfenden Scholle“ und dem die Symbolistik befruchtenden Bild des ״Sämannes“, 2. die Vorstellung, da fl gerade die Landwirtschaft und vor allem diese Art der Landwirtschaft die strategisch wichtigste Schlüsselposition sei — und über letzteres Argument ist es notwendig, ausführlicher zu sprechen. Man argumentiert: in allen binationalen Ländern hat es sieh gezeigt, daß die Nation der städtischen Wirtschaft und der wirtschaftlichen Oberschicht expropriiert wird von der nach rückenden Nation der primitiven Agrarwirtschaft, sobald dieselbe erst vom Schaufelrad des Kapitalismus erfaßt und nach oben getrieben wird. Nicht nur die Stellung der Juden in Polen, ualizien usw. hat dies bewiesen, sondern jeder nationale Aufstiegsprozeß, z. B. in der alten österreichischen Monarchie. Man argumentiert ferner: Gerade weil wir die Gefahr der passiven Geklzirkulation gesehen und gefürchtet haben, wollten wir unseren Jischuw unabhängig machen von der Notwendigkeit, sein Geld für Bodenprodukte in die arabische Wirtschaft zu dirigieren. Also zwei Argumente, die gänzlich meinen eigenen Forderungen entsprechen: strategische Schlüsselposition — und Position der aktiven Geld Zirkulation. Ist das richtig? Zunächst, um cs hier einzuschalten: das Zusammenkoppeln der beiden Argumente von dem strategischen Wert und der Geldzirkulation ist für unser Werk in Palästina keine zufällige, sondern tatsächlich besteht eine organische Verknüpfung zwischen beiden Gesichtspunkten. Unter Schlüsselpositionen versteht man im Wirtschaftsleben schlechthin solche Posifionen, von denen man aus dirigierend in andere Wirtschaftszweige cingreifen kann (Tarif-, Frachten-, Boden-, Industrie- und Städtebaupolitik durch Eisenbahn- und Verkehrswesen, durch Irrigation und Elektrizität) oder mit denen mau sich bestimmte unvermehrbare Wirtschaftspositionen sichert (Bodenschätze, Wasserkräfte), um nicht etwa in Abhängigkeit von fremden Besitzern solcher Positionen zu geraten, oder schließlieh solche, von denen aus besondere Einflußkräfte geltend *) Vgl. Nr. 1, bzw. 100/1, 102/3 des vor. Jahrgangs. Und Gott ging hin, erschrocken wie ein Knecht, und hielt die Sonne, bis ihm seine Hände wehtaten, ob dem schlachtenden Geschlecht, nur weil da einer wollte, daß sie stände. Und das war dieser; dieser Alte wars, von dem sie meinten, daß er nicht mehr ׳!־■>״ inmitten seines hundertzehnten Jahrs. Da stand er auf und brach in ihre Zelte. Er ging wie Hagel nieder über Halmen. Was wollt ihr Gott versprechen? Ungezählt stehn um euch Götter, wartend, daß ihr wählt Doch wenn ihr wählt, wird euch der Herr zerin י י Und dann, mit einem Hochmut ohnegleichen: Ich und mein Haus, wir bleiben ihm vermählt üjt schrien sie alle: Hilf uns, gib ein Zeichen und stärke uns zu unsrer schweren Wahl. Aber sie sahn ihn, wie seit Jahren schweigend, zu seiner festen Stadt am Berge steigend: und dann nicht mehr. Es war aas letzte Mal. ln dem soeben erschienenen Dezemberheft der ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ nimmt Professor Scheftefovvitz das Schlußwort zu der Frage, ob das Judentum Dogmen besitzt. Gleichzeitig eröffnet Rabbiner Dr. Goldmann eine Aussprache über die Frage nach dem Sinn dieser dogmatischen Grundlehren und ihrem Verhältnis zueinander. Ferner schildert S. Baron auf Grund unveröffentlichter Urkunden die Bestrebungen, bei den Verhandlungen des Wiener Kongresses die Gleichstellung der Juden durchzusetzen. Professor Bernhard H e I [ e r gibt einen Bericht über bedeutende Erscheinungen auf dem Gebiet der Midraschfofschung. Man abonniert die Monatsschrift durch Einsendung d> s Mitgliedsbeitrages von 10 M. an die Gesellschaft zur Forderung des Judentums in Berlin-Schönebcrg I, Postscheckkonto Berlin 7030 (Paul Veit Simon). Nr. 3 gemacht werden können. Für Palästina gelten diese drei Gesichtspunkte wie für jedes andere Land, aber cs gilt noch ein vierter: der der aktiven Geldzirkulation. Und wenn wir eine Prüfung der palästinensischen Wirt- Schaftspositionen vornehmen, so werden wir sehen, daß hier gerade die Schlüsselpositionen auch identisch sind mit den Positionen der aktiven Geklzirkulation: nur von den Positionen des Verkehrs- und Transportwesens, der Irrigation, der Elektrizität, der Industrie vor allein sind wir gleichzeitig Verkäufer, Verkäufer an nichtjüdische Wirtschaft. Nur von dort aus haben wir eine Möglichkeit, nichtjüdische Gelder in jüdische Wirtschaft zu leiten und damit einen Ausgleich zu schaffen für das Hinüberfließen des Großteils jüdischer Gelder in die nichtjüdische Wirtschaft. Wenden wir uns der Landwirtschaft zu, so sehen wir, daß nur derjenige Teil der jüdischen Landwirtschaft die doppelte Funktion erfüllt, der auf die Erzeugung hochwertiger ßewässerungskuituren basiert: der Orangenexport hat im vorigen Jahre derartige Summen nichtjüdischer Gelder in die jüdische Wirtschaft hineingepunipt, daß cs darauf in erster Reihe zurückgeführt werden darf, wenn die Krisis in Tel-Awiw nicht noch ganz andere Dimensionen angenommen hat. (Und gerade die Orangenkolonien wurden von den Zionisten immer über die Schulter angesehen, als balbatfisch, kapitalistisch, nichtidealistisch, kommerziell usw.) Die Ruppinsche 1500 £-Familie (30000 Goldmark) hingegen betrachtet es als ein (noch nicht erreichtes) Ideal, sich selber von der arabischen Ernährungsbasis unabhängig zu machen und ihren Eigenbedarf selbst zu produzieren. Angenommen, es wäre ihr gelungen: so hätte sie eine aktive Geldzirkulation damit noch nicht erreicht, sondern nur die passive unterbunden. Sie hätte für sich selbst die Gefahren der passiven Geldzirkulation vermieden, aber da von diesem Immigrantentypus bei einem landwirtschaftlichen Budget von C 225 000 nur 150 Familien angesiedelt werden können, was bei 30000 Einwanderern genau 1 0'״ ausmacht, bedeutet es, daß die ideale Zielerreichüng dieser Art Landwirtschaft das Problem der Geldzirkulation nur 71! 1 O'o 71! lösen im* stände ist. Doch abgesehen davon: ist es auch für die Familie selbst eine Lösung? Sie verzehrt ihre Produktion selbst, und wenn sie davon satt wird, vergißt sie, nach den Produktionskosten zu fragen. Diese Produktionskosten, für Brot, Milch, Eier, Käse, Butter, Fleisch, liegen um 30 bis 100 •5 über dem Weltmarktniveau, und die australische Importware (von der inländischen Konkurrenz der Deutschen und Araber nicht zu reden) ist unvergleichlich billiger, meist auch besser. Die Produktion ist also normalerweise unverkäuflich — und weil sie es ist, hat man die Theorie von der autarken Wirtschaft erfunden, mich welcher der Produzent diese Produkte selbst auf zehren soll? Das bedeutet natürlich nur einen gewaltiger. Selbstbetrug: der jüdische Produzent lebt von Luxusprodukten — und das ist die Hauptursache für den hohen jüdischen Standard. Sein ärmliches Schwarzbrot ist feinste Konditorware, und er merkt es nicht, denn er wird davon nicht satter, und es sieht nicht anders aus als das ärmlichste Brot des arabischen Nachbars. Wäre er hingegen in der Lage, ein Luxusprodukt zu verkaufen, statt es zu verzehren, so könnte er dafür Getreide dort kaufen, wo cs die ganze Welt kauft, nämlich wo es am billigsten ist, in den großen Getreidekammern dtfr Welt, wo Bodenpreis, Arbeitslohn und Investitionsbedarf gering genug sind, um die Erzeugung eines so billigen Stapelartikels lohnend zu machen. Und über den Betrag hinaus, den er zur Bezahlung dieses Getreides an die nichtjüdische Wirtschaft abgeben müßte, behielte er immer noch einen Ueberschuß von Geld aus fremder Tasche und hätte immer noch eine aktive Geldzirkulation aufzuweisen. Das ist das entscheidend Wichtige an den Soskinsehen Gedankengängen; er sagt: Ihr produziert Luxusrodukte, aber solche, die unverkäuflich sind (oder nur veräuflich an einen winzigen Kreis jüdischer Konsumenten, die aus politischer Pression oder nationalem Enthusiasmus diese Ueberpreise zahlen und sich dadurch gleichfalls auf einen Luxusstandard hinaufschrauben lassen), und da sie ryiverkäuflieh sind, müßt Ihr sie selber aufzehren — produziert statt dessen Luxusprodukte, die einen Markt 11abe!\ und für die Euch die nichtjüdische Wirtschaft im Ausland Luxuspreise zahlt, hoch genug, um für hohen Bodenpreis und für hohen Arbeitslohn Raum zu lassen. Und versteift Euch nicht auf die Produktion solcher Artikel, die Ihr billiger und besser kaufen könnt Angenommen, die Soskinsche Rechnung ginge in Erfüllung: so wäre klar, daß mit einem Schlage das ganze Problem der Landwirtschaft einen anderen Aspekt bekäme: dem Gesichtspunkt der ״Schlüsselposition“ wäre genau so Rechnung getragen wie bisher, aber aus einer günstigstenfalls indifferenten Geklzirkulation wäre eine aktive Geldzirkulation geworden. Und noch etwas Revolutionierendes wäre erreicht: der unfreiwillige Luxusstandard der jüdischen Wirtschaft würde. auf ein normaleres Niveau irerabgeschraubt werden, der jüdische Arbeiter, der seinen Lohn in Maschbirbons bekommt (die zurzeit mit 20 0/0 Disagio gehandelt werden), braucht damit nicht mehr Luxuswaren zu bezahlen, das ganze, im Interesse dieser kostspieligen landwirtschaftlichen Produktion künstlich und gewaltsam hochgeschraubte Preisniveau der innerjüdischen Wirtschaft für Lebensmittel käme ins Wanken und würde einen Abbau ermöglichen, der wiederum zu einer Verbilligung der Arbeitskraft führen müßte. Es ist unsinnig, die Parole: ״Kauft nicht bei Arabern“ dogmatisch durchzuführen, indem man lediglich einen kleinen Ausschnitt der Gesamtwirtschaft in Betracht zieht und das übrige ignoriert. Damit verstopft man ein Loch in der Fensterscheibe, während es schon zum Dach hereinströmt. Bei einer so engen Verquickung, wie sie zwischen der jüdischen und arabischen Wirtschaft zwangsläufig bestehen muß, kann und darf man nicht Angst haben vor dem Kaufen bei Arabern schlechthin, sondern man muß nur darauf achten, daß ein Gesamtsystem des Austauschverkehrs besteht, bei welchem unsere Gesamtzahlungsbilanz eine aktive und strategische bleibt. Das Kaufen von nichtjüdischem Mehl, Butter, Milch usw.. das ein entscheidend wichtiges Mittel zur Verbilligung des jüdischen Luxusstandards, des jüdischen Arbeitsmarktes, zur Förderung der Industrie und zur Ansammlung von Sparkapital werden könnte, wäre durchaus kein nationales Unglück, sofern es mir begleitet wäre von einem Verkaufen im größeren Umfang. Können wir für £ 100000 hochwertige ßewässerungskuituren exportieren und für £ 100000 Industrie- Produkte verkaufen, so würden wir ungefährdet für £ 50000 nichtjüdische Bodenprodukte kaufen können, der Fellach würde zwar daran profitieren, aber wir noch mehr, denn wir werden immer noch eine aktive Zahlungsbilanz von £ 75000 bis 1(M) 000 haben, und außerdem einen Profit, der unsere Wirtschaft gesund macht und zur Kapitalbildung führt. Mit anderen Worten: das Argument, wir müßten die Getreide- und Hausbedarfskultur haben, um uns von den arabischen Bauern unabhängig zu machen, hat nur eine bedingte Gültigkeit, und verliert überhaupt seinen Wert, wenn es gelingt, dem Kaufen vom Araber ein größeres Verkaufen an Araber und Ausland gegenüberzustellen. Damit wird das Problem der aktiven oder passiven Geldzirkulation bei der Landwirtschaft in ein gänzlich anderes Fahrwasser gebracht. Aber nicht nur, daß dieses Geldzirkulafionsproblem bei der Landwirtschaft durch Austauschwirtschaft seiner Gefahrlichkcit entkleidet werden kann, müssen wir uns auch fragen, ob es überhaupt möglich ist, die Landwirtschaft als eine Position zu betrachten, welche für das Geldzirkulationsproblem an entscheidender Stelle steht. Ich habe schon oben gesagt, daß die 1500-C-FamiIie auf 100 Dunam im Rahmen eines landwirtschaftlichen Budgets von £ 225000 nur 1 ״/# einer Einwanderung von 30 000 Seelen in ihrem Bedarf von arabischer Bodenproduktion unabhängig machen könnte. Unter Beibehaltung dieses 1500-£-Tvpus eine Verzehnfachung des gegenwärtigen Status zu erreichen, wird von niemandem mehr ernstlich möglich gehalten. Aber selbst was die Soskinsche Methode anlangt: angenommen, sie wäre lückenlos richtig und man könnte den 1500-£-Typus durch den 600-£-Typus ersetzen, und könnte diese neue Wirtschaft im Gegensatz zu der alten rentabel machen, so daß die Inanspruchnahme des breiten Finaiizmarktes möglich wäre an Stelle der Fonds, und angenommen, man könnte hochwertige Produkte erriefen und absetzen statt der jetzigen geringwertigen — selbst dann würde der Einfluß der Landwirtschaft auf unsere Zahlungsbilanz ein sehr bescheidener bleiben. Ich habe Soskin gefragt, ob er es für möglich hält, daß bei voller Bewegungsfreiheit für seine Arbeit und bei vollem Gelingen der jetzige Prozentsatz, zu welchem Juden von arabischer Bodenproduktion unabhängig sind, wesentlich gesteigert werden kann, auch wenn die Einwanderungsziffer jährlich 30000 beträgt, und er hat es verneint. Angenommen also, daß unsere heutige Landwirtschaft (in natura oder in Geld) soviel erzeugt, wie 10 ס/יי des jüdischen Gesamtkonsums an Bodenprodukten ausmachen, wiederum in natura oder in Geld, und angenommen, daß sich der Jischuw jährlich um 30 000 Seelen vergrößert (auch Geburtenzuwachs und Touristen sind dabei zu berücksich־ tigen) und angenommen, daß Soskin mit diesen neuen Ein- Wanderern nach Herzenslust schalten kann, so werden wir nach fünf Jahren immer wieder nur 10 ״/» des jüdischen Bedarfes erzeugen, und mit 90 0/0 in der passiven Zahlungsbilanz, verbleiben. Und wenn sich selbst die 10 ®/o in 20 5>/״ verdoppelt sollten — eine fühlbare Verschiebung der Geldzirktilation wäre keineswegs zu erreichen und vor allem nicht — für absehbare Zeiten — eine Umwandlung der passiven in eine aktive Geldzirkulation. Entsteht somit die Frage: W e n n 1. die Gefahr, die im Abfließen jüdischen Geldes zwecks Bedarfsdeckung von Bodenprodukten liegt, minimaiisiert werden kann durch den Verkauf anderer und wertvollerer Bodenprodukte an nichtjüdische Wirtschaft, 2. der Nutzen einer maximal gesteigerten Boden- Produktion im Rahmen der Geidrirkulation stets nur ein! Für die Jerusalemer Bibliothek Wir erhalten folgenden Bericht: Die ״Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek“, Berlin, die sich die Aufgabe ge- | stellt hat, für die Freunde der Jerusalem-Bibliothek einen Mittelpunkt zu schaffen, sowie die Interessen der National- und Universitäts-Bibliothek in Jerusalem zu fördern, hat sich auch im letzverflossenen Jahre bemüht, ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Daß ihr dies gelungen ist, ist vor allem das Verdienst ihres 1. Vorsitzenden, San.-Rat Dr, Gustav Bradt, und ihres Schatzmeisters, Bankier Emil D a m m a n n. — Abgesehen von einzelnen kleinen Sendungen und von der allgemeinen Propaganda für den Bibliotheks- und Universitätsgedanken, hat die Gesellschaft im verflossenen Sommer eine größere Sendung von Büchern gemacht. Sodann hat sie aus Wien eine größere Sendung von Büchern in die Wege ge-!eitet, sowie einer Bibliothek aus Riga zu ihrem Ziele verhohen. Endlich hat sie jetzt eine Sendung von 50 großen Kisten mit Büchern auf den Weg gebracht, die ungefähr 10000 Bände und ebenso viele kleine Schriften, Broschüren usw. enthalten. In dieser großen Sendung, die sich jetzt unterwegs befindet, sind u. a. ungefähr 800 Schriften enthalten, die Prof. Dr. Albert Einstein gespendet hat, besonders Schriften von wissenschaftlichen Gesellschaften und Akademien aus der ganzen Welt. Ferner sind dabei allein 15 Kisten mit medizinischen Werken aus der Nachlassenschaft eines bedeutendep Gelehrten, die Herr Emil Dammann erworben und geschenkt hat. Ferner ist dabei die Bibliothek des im Kriege gefallenen Dr. Adolf Jacobsohn, die sein Vater, Komin.- Kat M. Jacobsohn, in Lüneburg, gesandt hat. Medizinische, besonders auch otologische Werke spendete aus der Bibliothek ihres verstorbenen Gemahls Geheimrat Dr. Benno Holz, Frau Geheimrat Marta Holz. Unser Vorstandsmitglied, Herr Simon Strauß in Cassel, vermittelte die Schenkung von Büchern du! ' Herrn Lehrer Horwitz in Cassel. Die Fa. Goitein, Michael t> Co., in Wien, sandte auf unsere Veranlassung die große und wertvolle Sammlung ״Berichte der Chemischen Gesellschaft“. Herr Leo «n Fa. Beka (Moedling) übernahm in dankenswerter Weise die Ausführung. Außer vielen Einzelgaben erhielten wir besonders größere Bücherspenden von Rabbiner Dr. Posner in Kiel, Rechtsanwalt Dr. Bruno Tannenwald in Kiel, Frau Emma Llssa in Berlin, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Prof. Dr. Ludwig Stein, Frl. Hedwig Salzmann, Dr. Nochum Sadowski, Dr. Heinz Goldschmidt, Prof. Dr. El bogen, Legationsrat Prof. Dr. Moritz Sobernheim und von vielen andern. Herr Leibowitsch in Riga übersandte direkt die Bibliothek von Rabbi Chain! Josef ben ha-Rabh Ab Beth Din vor: Schklow, Rabbi Jehoschua Hurwitsch. Der jährliche Mindestbeitrag beträgt 10 M. Der Vorstand besteht zurzeit aus folgenden Herren: San.-Rat Dr. Gustav Bradt, als Vorsitzenden, Prof. Dr. Albert Einstein, als stellvertretenden Vorsitzenden, Bankier Emi! Dammann als Schatzmeister, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW 40, Flemmingstraße 12, als Schrift- und Geschäftsführer. Ferner gehören dem Vorstande an: Rabb. Dr. Meier Hildesheimer, Rabb. Dr. Leo Baeck, Frau Rabb. Dr. E. Eschelbacher, R.-A•. Dr. B. Walter, Buch!!. Josef Altmaun, R.-A. Dr. Eduard Leszynski, Legationsrat Prof. Dr. M. Sobernheim, Prof. Dr. Ismar Elbogen, Dr. Hans Mühsam, sämtlich in Berlin, ferner der Kurator der Fränkelschen Stiftungen, Herr Ludwig Lacquer in Breslau, Dr. Raphael Chamizer in Leipzig und justizrat Dr. Bodenheimer in Köln. Von besonderer Bedeutung ist es, daß sehr viele Logen des U. O. B. B. in diesem Jahre korporativ unserer Gesellschaft beigetreten sind. Die Gesellschaft hat ein Bankkonto bei der Bank Emil Dammann & Co.. Berlin NW 7, Universitätstr. 3b. Paul Ferdinand Schmidt, Frankfurt a. M. (Stätten der Kultur, Bd. 2). 2. Aufl. Klinkhardt & Biermann, Leipzig, 1927. M. 4,80. Dieses schöne Buch gibt eine Geschichte der Stadt Frankfurt, eine Kunst- und Stilgeschichte, aber auch Geistesgeschichte, mit vielen charakteristischen Bildern. Frankfurt ist auch in jüdischer Beziehung eine wichtige Stadt, das Buch erzählt auch die jüdische Leidensgeschichte, die wiederholten Vertreibungen und Verfolgungen. Die Judengasse wurde 1884 demoliert, nur das Rothschildsche Stammhaus ist heute noch erhalten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.