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Jüdische Rundschau · 1927-01-11 · Heft 3 (11.1.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 3 (11.1.1927)
Date
1927-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JDEDISCHE RUNDSCHAU Seite 2t Nr. 3 minimaler, der prozentuale Anteil an der Gcldgcbarung niemals ein wesentlich größerer sein wird, und wenn 3. eine wesentliche Verbreiterung der Immigrafionsbasis durch die Landwirtschaft auch nicht gegeben wird, steht cs d,! n n im richtigen Kräfteverhältnis, wenn wir 00 <0/י unserer Kräfte auf die Eroberung dieser Position konzentrieren? $ Eine Frage, die gewiß nicht leichten Herzens bcantwartet werden darf. Eis ist mir nicht im entferntesten eingefallen, daran rütteln zu wollen, daß die Verankerung eines möglichst großen Teiles der jüdischen Einwanderung in der ländlichen Siedlung stets unser Wunschziel bleiben soll und bleiben wird. V o ff c n (1 e t wird unser Werk erst dann sein, wenn wir nicht nur im Lande, sondern auch in der Landwirtschaft die Majorität haben werden. Dieses Ziel werden erst viel spätere Generationen erreichen, die schon so angepaßt an das Land und mit ihm verwachsen sein werden, daß für sie normal sein wird, was für uns künstlich ist. Wenn die ausschließliche Kräftekonzentrierung unserer heutigen Politik auf dieses Ziel gleichbedeutend ist mit einem Vergessen und Preisgeben aller anderen Positionen, und wenn umgekehrt in der raschen Okkupation jener anderen Positionen für den Augenblick und für die Dauer der Okkupationsperiode eine größere Sicherung und Beschleunigung unseres Vormarsches liegen sollte, dann muß man, ob man will oder nicht, den Weg zu einer anderen Kräfteverteilung finden. Hier ist der entscheidende Punkt, wo eine Strategie sich klar zu werden hat, wie sie ihre Kräfte einteilt: ob sie sie zusammcnballt zum Erstürmen einer Festung, an der man verbluten kamt — oder ob sie sich begnügt, diese Festung zu zernieren, Bewachungs- und Beobachtungstruppen zurückzulassen, gleichzeitig aber an ihr vorbeizumarschieren und in breitester Front die freie Ebene zu okkupieren, bevor sich dort der massierte Gegenstoß organisiert. Mir persönlieh nun scheint es, daß die von dieser Ebene drohende Gefahr der Kapitalakkumulierung im Augenblick die größte ist und daß wir uns daher bei der Boden* und Landwirtschaftsfrage auf das Beobachten, Belagern und Sichern juristischer Eigentumsrechte beschränken sollten, um erst dann wieder zum Sturm anzusetzen, wenn wir wieder über unsere ganzen Kräfte frei verfügen können. Daß die uncroberte Festung in unserem Rücken uns gefährlich werden kann,’wenn wir nur gut Vorsorgen und nicht zu lange auf uns warten fassen, glaube ich nicht. ein Bund sein will und seine eigenen Genossen zu Lohnarbeitern macht, trägt den Keim des Unterganges von vornherein in sich. Dazu kommt die grenzenlose Fremdheit fast aller dieser :Menschen dem lebenden und kämpfenden Jischuw gegenüber. Ucber die Gefahren des ״Hinübergehens“, ohne auch nur notdürftig Hebräisch zu können, ist heute überflüssig zu reden. Von den Führern dieser Kooperative konnte es keiner. Aber selbst die, die Hebräisch können, bringen oft, wenn sie aus dem Westjudentum stammen, eine so andere Ideenwelt mit als die anderen, daß man auch dann, wenn man hebräisch miteinander spricht, noch eine andere Sprache redet. Hier liegt das tragische Problem des Westjudentums, vor dem man nicht die Augen verschließen darf. Ideenwelt und Arbeitssystem sind im Lande vielfach anders als in Deutschland. Hier zu ändern darf sich nur ermessen, wer überlegene Fähigkeit besitzt. Es ist mir durchaus Zweifelhaft, ob die deutsche sogenannte ,,exakte“ Arbeitsweise den Vorsprung an ursprünglicher intuitiver Arbeitskraft ersetzen Zionismen! Bcsndtf die Propaganda- Veranstaltungen der B.Z.V.! I1i«n«t»(, den 11. Jtanu, »Send» SH, Uhr. Sotd. im Brande, Oranienbnrg«■ Straß« 28 Harr Dr. Boaenbtüth: ,Zioniatiaoh» Politik and ihr» Erg«V>ni»*»•. Mittwoch, den 12■ Jantt&r, abcada &'/. Uhr, Krapp» Oit, in den ünioneilen, Greilrwslder Straße Herr Mo■•■ Weidmann: ״Zionistlache Politik und ihr» Ergibni•»«“. Mittwoch, den 12. Jannar, abeni» 8“, Uhr, in der Aala der i, PfHehtfortbUdangasehnle, Qeorgenetr. SO/31 (Bhf. Friedriohatraßa) Jaircnd renamm Um« hi ■mall«« StTnllleha Verfuhren« 4•• »•■ea Ulme: .,»•■ Leb«■ dar JMdlMh•■ Ju!ead 1■ Kr«■ Iara«l“ Aaeehlleeaend Vortra« tob Herr■ MIaUterUIrat Hibi fioalar: ,.n•■ Ifldlerb« Volk and •ein« ,lafaad“. Donner» tag, den H. Januar, abend» S'/j Uhr, Sntfpa Md, im Haim, Kommandantenetrafie 82 r.irbtbitiierrortrajr ־יan Herrn Aachbel Ober: ..T »1 ietineniiech» VBlkeraehaftsn" Ptaaataac, den I. Vahnar, abend* 81/, Uhr, Im brhabartaaa), Btllowitraea• 168 Herr Dr. F1U1 Waltaeh, Traf: ״Anllaemltlamn•. Natlraalln■■, JSIomlamaa“ El«« IHipatatlem. lose Anerkennung der Tatsache, daß der scheinbar leichtere weg des einzelnen im Augenblick auf die Dauer nur einen Umweg bedeutet und daraus folgend: der Wille, durchzuhalten, bis zur Grenze des Möglichen. Es liegt kein Grund vor, die bisherigen negativen Eriolge als endgültig hinzustellen. Es gilt nur, die allerdings schweren Mängel der Deutschzionisten zu erkennen und die Folgerung daraus zu ziehen. Unsere Lehrzeit muß notgedrungen länger sein als die der anderen Teile des Jischuw, die ja auch 40 Jahre durch die Wüste werden gehen müssen; denn wer sieh am weitesten entfernte, wird am längsten zurückgehen müssen. Nicht weil_ wir glauben, wie manche, daß die deutschen Juden dem Jischuw im praktischen Aufbau nun gerade etwas Besonderes geben müssen, sondern weil kein Zweig der Judenheit verlorenzugehen braucht, müssen wir auch diese Frage mit vollem Ernst behandeln. Es ist mir nicht fraglieh, daß wir in einem weiteren Dezennium auch hier weiter sein werden. Tschechischer Zionismus ״Der Zionismus, Idee und Wirklichkeit“ fet die Uebersetzung des Titels einer tschechisch geschriebenen Schritt, die von jungen Studenten der Prager und der Brunner Universität herausgegeben und zum überwiegenden Teil von ihnen selbst geschrieben ist. Die Schrift verdient Erwähnung wegen ihres vorbildhaften Charakters. Schon daß sich in dieser Zeit allgemeiner Ermattung, des Eriahmens allen propagandistischen Willens und also auch der Ueberzeugungskraft junge Menschen finden, die unbekümmert um praktische Kolonisationsschwierigkeiten und um das Parlamentieren der Situation nicht gewachsener Prominenter, den Mut haben, für ihre Ueberzeugung in aller Form zu werben, nicht indem sie auf vermeintliche Resultate verweisen, vielmehr zu den Quellen gehend und Notwendigkeiten zeigend, das verlangend, was sein soll und nicht ist, schon das allein verdient vermerkt zu werden, weil es vielleicht doch auch ein Anlaß zu der Hoffnung ist, daß es irgendwo im Verborgenen eine Jugend gibt, die zur Zeit noch ein kräftiges Wort zu sagen wissen wird. Von ihrer nicht genug zu betonenden paradigmatisclien Bedeutung abgesehen, ist auch dem Plan der Schrift und seiner Durchführung alle Anerkennung zu zollen. Frische Kraft des Gedankens und der Ueberzeugnng, Unabhängigkeit von Erfolg und Mißerfolg und daher Aussicht auf Erfolg kennzeichnen ihren Inhalt, der sich dem Titel gemäß in zwei Teile, einen programmatischen und einen informativen, teilt. Die einzelnen Aufsätze sind: Zdenek Landes: Woher wir zu euch kommen (Entstehungsgeschichte der spezifischtschechischen zionistischen Bewegung und ihre Motivation), Franz Gottlieb: Der Weg zum Zionismus (eine schöne Ableitung der Zions- und Renaissance-Bestrebungen aus der Geschichte und geistigen Situation des Judentums; der Autor ist durch einen tschechischen Gediehtband ״Weg nach Kanaan“ bei Publikum und Kritik gut cingeführt), Josef Schlesinge!: Entwicklung der zionistischen Ideologie (ein lebendig geratener Abriß auf nicht ganz 30 Seiten, von den pseudomessianischen Bewegungen ausgehend und bis Buber, Berditschewski, Bergmann, Klatzkin, Gordon reichend; lobenswerterweise bleibt /. B. Moses Heß nicht nur eine Namenserwähming). Der zweite, informative Teil beginnt mit einem ausgezeichneten, das ganze statistische Material auf kleinstem Raum und doch instruktiv zusammenfassenden Aufsatz von Oskar Aschermann, betitelt ״Zionistische Wirklichkeit“, der das Kolonisationsunternehmen, seine Instrumente (die Fonds usvv.) und Methoden ungemein prägnant darstellt. Der Aufsatz verdiente, über den Kreis der tschechischen Leser hinaus bekanntgeinacht zu werden. Ihm folgt ein Aufsatz von Rudolf Hostovskv, der Geschichfe, Aufbau und Politik der Zionistischen Weltorganisation instruktiv darstellt. Den Abschluß der Aufsatzreihe bildet die Arbeit: ״Das tschechische Volk 1׳nd der Zionismus“ aus der Feder des Brunner (früher Prager) tschechischen Universitätsprofessors lind führenden Literarhistorikers, Arne Novak, der dem Zionismus, seit Btibcrs Prager Reden Freundschaft und Treue bewahrt hat. Er setzt sich mit der tschecho-jüdischen Assimilation klug, scharf und doch gütig auseinander. Den Rahmen dieser durch ihre Freiheit und Selbstgewißheit so sympathischen Schrift sprengt für mein Gefühl der ״Anhang“, der dem Reiz der salonfähigen Anerkennung erliegend, ״Erklärungen von Regierungen, hervorragenden Körperschaften und Einzelnen über den Zionismus“ enthält. Böses Beispiel verdirbt eben leider gute Sitten. Daß die guten Sitten aber auch einmal übergreifen und wir in deutscher Sprache einen ähnlichen Aufschwung junger Menschen 711 freier und nützlicher Tat zu sehen bekommen, das bleibt die Hoffnung. M. Spitzer, Kleine Nachrichten Laut den arabischen Zeitungen soll Lord Pt um er sich im Januar nach Aegypten und Chartum im Sudan begeben. Der Zweck dieser Reise sei unbekannt. Dr. Jehuda Wilensky, der während der letzten Jahre die erfolgreichen Keren Hajessod-Kampagnen in Rumänien geleitet hat und in den letzten Monaten für den Keren Hajessod in Holland und Belgien tätig war, reist, wie der Ziko aus Jerusalem telegraphiert wird, am 12. Januar nach Südamerika ab, um als Delegierter des Keren Hajessod- Direktoriums die Keren Hajessod-Kampagne in Brasilien, Argentinien und Chile durchzufiihren. Die Keren Ha jcssod-Arbeit in Rumänien unter Leitung des Delegierten des Keren Hajessod-Hauptbüros Dr. Olsvanger, gellt günstig vorwärts. Bis zum 31. Dezember waren in Bukarest 1120 Zeichnungen im Betrage von 5,3 Millionen Lei erzielt worden. Da noch eine Reihe größerer Beträge aussteht, glaubt man, noch weitere 4 bis 5 Millionen bis Ende der Kampagne zu erzielen. Der Vorsitzende des Amerikanischen Kongresses, Nicolas Langworth, lehnte cs ab, den Antrag des Kongreßmitgliedes Sol T? 10 0 m, eine Kongreßkommissian zur Untersuchung von Henry Fords antisemitischen Beschuldigung gen einzusetzen, vor die Plattform des Kongresses zu bringen. Bei den Wahlen der Vertreter der jüdischen Konfession für das ungarische Oberhaus wurden seitens der Orthodoxen der Budapcster orthodoxe Oberrabbiner Koppel Reich, seitens der Neologen der Szegediner Oberrabbiner Dr. Immanuel Low gewählt. Oberrabbincr Reich ist über 90 Jahre alt und wird daher das Oberhaus als Alters- Präsident eröffnen. Die in Breslau erscheinende ״Jüdische Zeitung4' besteht nunmehr drei Jahre. Dr. Hugo Schachtel, der bei der Gründung der ״Jüdischen Zeitung“ Pate gestanden hat, widmet dieser einen Gruß ״Zum neuen Jahrgang“, in dem er sagt, was die Zeitung in ihrer ersten Nummer als Zweck ihres Seins bezeichnete, habe sie in dieser Zeit getreulich gehalten: ״Sie soll allem Positiven, allem Aufbauenaen im Judentum dienen — sie soll alles Negative, alles Zerstörende bekämpfen. Kämpfen will sie auch gegen den Indifferentismus im Judentum.“ Zum Thema: Deutsch ״ zionistische Jugend in Erez״ Israel Von Walter P r c u ß (Tel-Awiw). Es scheint, daß cs an der Zeit ist, den ersten Abschnitt von Kolonisationsversuchen deutsch-zionistischer Jugend in Ercz-israel abzuschließen und die Konsequenz aus ihnen zu ziehen. Das haben Gerda Arlosorot'f und Kanowitz vor kurzem getan; cs ist meiner Ansicht nach die Pflicht aller aus Deutschland stammenden, im Lande ansässigen Zionisten, die diese Vorgänge mit wachster Aufmerksamkeit verfolgen, zu ihnen Stellung zu nehmen, zumal wenn die Darstellung, die bald in kurzen Notizen, bald in Artikeln gegeben wird, keineswegs immer zutreffend erscheint. Denn so gut wie die im Lande befindlichen Zionisten aus Rußland oder Polen, gleichviel ob aus bürgerlichen oder Arbeiterkreisen, ohne dadurch irgendwelche landsmannschaftliche Schranken zu ziehen, sich darum kümmern, was z. B. im russisehen oder polnishcen Hechaluz oder in den Organisationen jener Länder vorgeht, so sehr haben die deutschen Zionisten im lande diese Pflicht. Mir scheint, daß sic dieser Verpflichtung nicht immer gerecht geworden sind. Die deutsch-jüdische Jugend, die nach Palästina übersiedelt, bestand menschlich zu erheblichem Teil aus vorzügliehen! Material, besonders die älteren, die seinerzeit den Versuch einer landwirtschaftlichen Kolonie machten. Aber die geistige Situation der westjüdischen Jugend gefährdet ihre Arbeit in Palästina. Wenn man jetzt vom Mangel an jiidischem Gehalt, vom Mangel an Einfühlung in die sozialen Verhältnisse Ere/.־Israels spricht, so ist das eigentlich nicht neu. Seit Jahren hat, als die zionistische Jugendbewegung in Deutschland noch im wesentlichen nur aus dem Blau-weiß bestand, dieser Kampf in ihm getobt. Und wenn ein Bundestag im Zeichen der Angriffe der ״Scholemianer und Orthodoxen“ stand, so der nächste in dem des Austritts der ״Qialuzini“ und Angriffen der Linken. In Wirklichkeit hatten beide Richtungen recht und deckten die Mängel auf. an denen späterhin die Kolonisationsversuche scheitern sollten. — (Ich versage es mir hier, die außerordentlich interessanten Parallelen der Entwicklung des Blau-Weiß in Deutschland und Ercz-lsrael zu verfolgen und aufzuzeigen, wie dieselben Ursachen in abgcwandelter Form zu ähnlichen Folgen gcführt haben,) Dazu kamen noch innere Gegensätze in den Gruppen selbst und eine teilweise absurd unglückliche Auswahl des Führermaterials, die aber nicht zufällig war. Es sei uns erlaubt, das eben Gesagte an den ״Blau- Weiß-Werkstätten“ zu illustrieren. Wir halten gerade diesen Zeitpunkt für geeignet, weil eine offene Darstellung der Verhältnisse heute niemand mehr schaden kann (mit Absicht haben wir eine öffentliche Polemik zur Zeit der Existenz der Werkstätten vermieden), und weil es durchaus notwendig ist, künftige Fehler durch öffentliche Diskussion 7.u vermeiden. Der Blau-Weiß, der Einstellung eines Teiles seiner Führer entsprechend, verstand es, die in den Werkstätten arbeitenden Gruppen so zusammenzusetzen, daß innere Reibungen uiiausblciniich waren. Eine große Reihe ganz unerfahrener und ganz junger Menschen wurden einigen mit fast diktatorischer Vollmacht ausgerüsteten Menschen unterstellt, deren zionistischc Einstellung zum Teil mehr als zweifelhaft, deren soziales Unverständnis Palästina gegenüber grenzenlos war. Die wirtschaftlichen Folgen einer aus Europa entlehnten Art der Leitung, deren Spesen weit das notwendige übertrafen, blieben nicht aus. Gleichzeitig erwies sich die Unmöglichkeit, ein soziales Zwittergebilde zu schaffen, in der Führer und Geführte sich zwar duzten und bundesmäßig nahesteheii sollten, während gleichzeitig die Führer eine andere Lebensführung hatten, ihre Gefährten aber als Untergebene behandelten, und durch all dies groteske Verhältnissc schufen. So gehörten die Blau-Weißen in der Mehrzahl der Histadruth an, ihre Führer nicht, was die bekannten Zwischenfälle in Jerusalem nicht unerheblich verschärfte, denn die ganze Werkstätte einschließlich Führer wollte dort! als Kooperative behandelt werden. Mit aller Klarheit zeigt sich hier, daß eine Jugendbewegung, auch eine zionistische, zwar bürgerlich sein kann, oder proletarisch (ich bin nicht der Meinung derer, die glauben, daß eine rein bürgerliche Jugendbewegung nicht existenzfähig ist; sie wird aber früher oder später aus Mangel an konkreten Inhalten ideologisch zerfallen): unerträglich aber ist es, wenn sic ein Zwitterding mit allen potenzierten Mängeln eines solchen darsteüt. Eine demokratisch gegliederte Kooperative kann in l rer-Israel wohl existieren, auch wenn sie sich nicht der Arbeiterschaft einreiht; eine proletarisch-zionistische Jugendbewegung wird schließlich ihren JSfeg finden. Ein Buna, der kann, den die besten Menschen des Ostjudentums haben. Die Führer, die der Blau-Weiß herschickte, _ blickten zwar mit Verachtung auf so ziemlich alles, was im Lande geschah, herab, ohne aber den geringsten Willen und die Möglichkeit der Anpassung zu besitzen. Sie haben bis heute nicht verstanden, worum es sich bei der ganzen Angelegenheit eigentlich handelt; der Mangel an jüdischen Inhalt, Wissen und Verständnis, ganz abgesehen von der Sprache, führte sie von Konflikt zu Konflikt und brachte durch das Anlegen europäischer Ansprüche auch an den Betrieb, der stets nur handwerklichen Umfang hatte und die Folgen einer zu weit ausgeholten Betriebsführung nicht ertrug, trotz Facharbeit und fachlicher Leistung, auch den wirtschaftlichen Ruin mit sich. Wir sind auf die handwerkliche Werkstätte und ihr Schicksal so ausführlich eingegangen, weil hier unserer Meinung nach Lein Einzelfall, sondern Typisches vorliegt. Ich will jetzt versuchen, einige Folgen aus dein Gesagten zu ziehen. Es ist nicht zu leugnen, daß die andersartige Erziehung der West- und Ostjuden, der Mangel an jüdischen Inhalten und Kenntnissen selbst in den Fällen der Beherrschung der Sprache, Verhältnisse, die sich unmöglich in absehbarer Zeit ändern lassen, trotz wünschenswerter Bestrebung in dieser Hinsicht, das Zusammenleben von West- und Ostjuden in der ersten Generation sehr oft schwer machen. Ein nicht kleiner Teil der Menschen selbst des die allen Willen zum Einleben mit sich brachten, hat dieses Ziel bisher nicht erreicht. Unter diesen Umständen werden Projekte deutsch-Iandsmannschaftlichcr Siedlungen wieder auftreten, denn die Schwierigkeiten werden eine Jugend nicht abschrecken, die nicht der Meinung ist, daß hier für ewig naturgegebene Unterschiede vorliegen, sondern eben die Folgen unseres unseligen Galuthschicksals. Ist dem so, so fragt es sich, unter welchen Umständen soll eine solche landwirtschaftliche oder städtische Siedlung entstehen und wann hat sie Aussicht auf Gelingen? Es ist zu fordern, daß einer solchen Siedlung nur Mensehen angehören, die einige Zeit (1—2 Jahre) im Lande selbst gearbeitet haben, und zwar in einer nicht von deutschen Zionisten geführten Wirtschaft; ferner Menschen, die in ausreichendem Maße hebräisch sprechen und lesen können. Diese Kenntnisse lassen sich bei einer Anfangs- Vorbildung in Deutschland während 1—2 Jahre im Lande unschwer bei einigermaßen Willen erlernen. Wichtig ist ferner, daß der Siedlung nicht nur ein klares wirtschaftliches, sondern auch soziales Programm zugründe liegt. Ein wirte chaftliches Unternehmen in Erez* Israel kann selbstverständlich kapitalistisch sein, aber es ist nicht anzunehmen, daß ein rein kapitalistisches Unternehmen aus Kreisen der Jugendbewegung kommen wird (nicht einmal die Blau-Weiß-Werkstätte war dies). Oder aber die Siedlung wird in kooperativer oder kommunistischer Form, aber auf demokratischer Basis stehen, d. h. allen ihren Mitgliedern gleiche Rechte gewähren müssen, in der Frage, ob eine solche Wirtschaft der Arbeiterschaft eingegliedert werden muß, will ich hier von meiner persönliehen Stellungnahme absehen. Eine innerlich klar geglicderte Wirtschaft ist auch außerhalb der Histadruth existenzfähig (d. h. wirtschaftlich); zweifellos wird ihr Anschluß an den großen wirtschaftlichen Körper der ״Chewrath haowdim“ (Gesellschaft der Arbeitenden) ihre gesamte innerliche und äußerliche Situation erleichtern. Es erscheint mir auch nicht überflüssig, im Hinblick auf manche Vorkommnisse der letzten Zeit, noch hinzuzufügen, daß man sich bemühen sollte, nur wirklich durchgcbilaete Zionisten einem solchen Wirtschaitskörpcr einzufugen. Die Schwierigkeiten der Situation haben zu einem Versagen eines nicht geringen Teiles gerade aus Deutschland stammender Menschen geführt, wozu noch kam, daß die Mehrzahl dieser Menschen gut gepflegten bürgerlichen Familien entstammt und Strapazen körperlicher und seelischer Art viel eher erliegt als die meist anderen Verhältnissen entstammenden jüdischen Arbeiter. Schon aus diesem Grunde ist eine Vorbereitungszeit im Lande selbst erforderlich, ehe ein Eintritt in eine landsmannschaftlichc Siedlung, die ja nur ein kleineres Uebel darstellt, und die seelische Situation der Siedler erleichtern soll, stattfindet. Kein Wort natürlich über die, denen ein volles Einleben ohne Landsmannschaft gelingt, denn das Ziel kann nur eine volle Einheit und das Verschwinden aller Landsmannschaften sein. Das ist zu unserem Glück nur eine Erzichiingsfragc der nächsten Generation und darin liegt unser Trost: So oder so; wirkliehet Zionismus ist die Voraussetzung, d. h. bedingungs-

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