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Jüdische Rundschau · 1927-01-07 · Heft 2 (7.1.1927) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 2 (7.1.1927)
Date
1927-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite!2 JUEDJSCHE RUNDSCHAU Nr. 2?lenarsltznpg der Zentralverwaltnng des ״ORT“ Am 27., 28. und 29. Dezember 1926 wurde in Berlin eine Plenarsitzung der Zentralverwaltung des Verbandes ORT abgehalten. An den Beratungen nahmen die auswärtigen Mitglieder der Zentralverwaltung Senator M. Körner und Dr. M. Silbcrfarb (Warschau), Dr. J. Blum (Paris), das Mitglied des Zentralrats Ing. L. Feigenbaum (War• schau), die in Berlin ansässigen Mitglieder der Zentralverwaltung Dr. L. Bramson, Justizrat Dr. I. Brodnttz, Prof. S. Frankfurt, Dr. D. Lwowitsch, die Mitglieder der Budgetkommission des Zentralrates Wilhelm Oraetz und Dr. M. Krainin, sowie die Mitglieder des Zentralrate« Prof. B. Brutzkus, Ing. L. Frenke! und andere teil. Der Vorsitzende der Zentralverwaltung, Dr. L. Bramson, der über das Budget für das nächste Halbjahr referierte, schilderte die Lage des jüdischen Fachschulwesens und der jüdisch ו Landwirtschaft in den osteuropäischen Ländern. Dr. D. Lwowitsch, der soeben von einem Besuch der jüdisehen Kolonien in Südrußland zurückgekehrt ist, die Herren Dr. M. Sflberfarb und Senator M. Körner, die über die Lage in Polen berichteten, und Prof. B. Brutzkus, der vor kurzem die Lage ln Beßarabien studiert hat, bezeugten, daß in diesen Ländern die Lage noch immer erhöhten Anstrengungen und bedeutenden Geldaufwand erfordert Mit Bezug auf Rußland wird beabsichtigt, die Hauptarbeit von ORT auch weiterhin auf den Odessaer Rayon zu konzenfrieren bei gleichzeitiger Fortführung des Aufbauwerks in Weißrußland auf den Gebieten der kleinstädtischen Landwirtschaff und der gewerblichen Ausbildung. In Polen soll das Hauptaugenmerk auf die Erhaltung der dort schon existierenden Fachschulen, Fachkurse und Werkstätten des ORT ge- Heiltet sein. In Anbetracht der schwierigen finanziellen Lage von ORT soll in Beßarabien die Tätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Landwirtschaft eingeschränkt und die Ausgestaltung des Fachschulwesens als Hauptaufgabe betrachtet werden. In der gemeinsamen Sitzung der Budgetkommission des Zentralrates und der Zentralverwaltung wurde das Budget für das erste Halbjahr 1927 festgesetzt. Die Gesamtsumme für das nächste Halbjahr wird sich voraussichtlich auf 175000 Dollar belaufen. Der Einnahmeteil des Budgets setzt sich zusammen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, speziellen Subventionen des Joint, Ueberweisungen von ORT in Amerika, aus den Zuschüssen seitens des Gemeinschaftlichen Hiifskomitees, aus Assignierungen von Emigdirekt für technische Kurse zur Berufsvorbereitung der Emigranten usw. Die allgemeine Aussprache galt den Fragen der Sammelaktion in Deutschland, der Heranziehung führender Persönlichkeiten zum Wiederaulbauwerk. Mit großem Beifall wurden die von Justizrat B r o d n i t z ausgesprochenen Gedanken betreffend die Gründung einer Gesell- Schaft zum Studium der sozialökonomischen Lage der jüdisehen Bevölkerung Osteuropas aufgenommen. Dr. M. K r a i - nin ergänzte diese Vorschläge dahin, daß in das Arbeits- Programm von ORT die Sammlung von statistischem Material über die Wirtschaftslage der Juden in den verschiedenen Ländern und die Vertretung jüdischer Wirtschaftsinteressen vor dem Völkerbunde eingeschlossen werden. In einer einstimmig gefaßten Resolution wurde der Zentralverwaltung empfohlen, die Vorschläge Dr. Brodnitz und Dr. Krainin zu prüfen. Achad Haam and RevenUow Anläßlich des Ablebens von Achad Haam sei an einen Prozeß erinnert, der vor einigen Jahren in Berlin stattfand, in dem Achad Haam als Kläger gegen den völkischen Abgeordneten Graf Ernst Reventlow auftrat. Der ״Völkische Beobachter“ in München und im Anschluß daran ״Das Deutsche Tageblatt in Berlin behaupteten nämlich, ״Achad Haam alias Ascher Hinzberg“ sei der anonym gebliebene Verfasser des berüchtigten Machwerkes ״Die Weisen von Zion“. Diese Zeitungen übernahmen diese lügnerische Behauptung einem obskuren französischen Blättchen ״La Vieille France‘‘. Achad Haam verzichtete darauf, die französischen Verleumder zur Verantwortung zu ziehen. In. Deutschland lag aber die Sache anders, da damals eine Flutwelle antisemitischer Verhetzung sich über das deutsche Judentum ergoß und die Behauptungen Reventlows im ״Deutschen Tageblatt“ geeignet waren, wenn sie unwidersprochen blieben, tausendfach wiederholt und zum Ausgangspunkt einer niederträchtigen Hetzkampagne genommen zu werden. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Elias Straus in München und unser Dr. Alfred Klee in Berlin überreichten in Anbetracht dieser Sachlage als Prozeßbevolimächtigte Achad Haams gegen den ״Völkischen Beobachter“ Und gegen den Grafen Reventlow Beleidigungsklage. Während die Verhandlung in München nicht stattfand, weil Sie Klage des Dr. Straus erst drei Monate nach Erscheinen des Aufsatzes im ״Völkischen Beobachter“ erhoben wurde, kam es in Berlin zu einem Prozeß, der sich über ein Jahr lang hinzog und schließlich mit einer Erklärung des Grafen Reventlow seinen Abschluß fand. Reventlow erklärte, daß er seine Behauptung, daß 'Achad Haam Verfasser der ״Weisen von Zion“ sei, nicht aufrechtzuerhalten vermöge, die Kosten des Rechtsstreites übernehme und diese Erklärung in seiner Zeitung publizieren werde. Der Rechtsstreit zog sich darum solange hin, weil die deutschen Gerichtsbehörden auf Grund eines Einspruches von Reventlow ungerechtfertigterweise die Beschaffung von verschiedenen Zertifikaten betreffend die Staatsbürgerschaft Achad Haams verlangten. Während der Prozeß noch in Schwebe war, übersiedeite Achad Haam von London nach Tel-Awiw und dadurch erfuhr die Beschaffung der angeforderten Dokumente eine Verzögerung. Das umfangreiche Aktenmaterial über diesen Rechtsstreit, das sich im Besitze von Dr. Alfred Klee befindet, soll, wie wir hören, der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem übergeben werden. Zur Altäre des Sfricker-Mem»randnms Wir haben in einer der letzten Nummern über einen Artikel von Robert Stricker in der ״Wiener Morgenzeitung“ berichtet, worin dieser mitteilt, er habe vor einem iahr der Exekutive ein Memorandum über das Problem der mleihe zwecks Versendung an die Aktions-Comite-Mitglieder überreicht, das Büro der Exekutive habe Jedoch aus technischen Gründen die Weitergabe abgelehnt Wir haben daran die Bemerkung geknüpft, daß dieser Punkt dringend der Aufklärung bedarf. Die Exekutive richtet nunmehr an die ״Wiener Morg'.nzeitung“ eine Zuschrift, worin mitgeteilt wird, Herr Stricker habe mit Schreiben vom 7. Januar 1926 eine Reihe von Sonderabzügen seines damals in der ״W jener Morgenzeitung“ veröffentlichten ÄrMkels an die Exekutive gesandt, mit dem Ersuchen, den Artikel den Mitgliedern der Exekutive, des Finanz- und Wirtschaftsrates una des Aktions-Comitös zugänglich zu machen. Darauf antwortete das Büro der Exekutive im Schreiben vom 13. Januar folgendermaßen: ״Wir besitzen Inr Schreiben vom 7. d. M. und wollen sehr gerne, ihrem Wunsche entsprechend, Ihren Artikel den Mitgliedern der Exekutive, des Finanz- und Wirtschaftsrates und des Aktions-Comitls zur Kenntnis bringen. Würden Sie, da die uns zur Verfügung gestellte Anzahl der Exemplare nicht ausreicht, die Güte haben, zu veranlassen, daß uns weitere zirka 100 Exemplare des Separatabdruckes eingeschickt werden.“ Da Herr Stricker auf diesen Brief nicht geantwortet hat, hat das Büro der Exekutive direkt bei der ״Wiener Morgenzeitung“ eine Anzahl von Exemplaren des Artikels bestellt und den Mitgliedern der Exekutive, des Finanz- und Wirtschaftsrates und der vom Kongreß gewählten Anleihe-Kommission zugesandt Damit ist nach unserer Meinung die Sache in ein ganz anderes Licht gerückt worden. Nach Strickers Artikel mußte man meinen, es handle sich um ein spezielles Memorandum, das er der Exekutive überreicht hat. Wie sich nun zeigt, und wie Stricker durch ein Nachwort bestätigt, wollte er lediglich seinen Artikel unter die von der Exekutive periodisch zirkulierten Pressestimmen aufgenommen haben. Der Unterschied ist klar, und wir glauben, daß durch diese Aufklärung die Angelegenheit erledigt ist. Me neuen Zertifikate Das Palästina-Amt Berlin erhielt vom Immigrations-Department der zionistischen Exekutive die Nachricht, daß die 1500 Zertifikate, die von der britischen Regierung zur Verfügung gestellt worden sind, ausschließlich für die Einwanderung solcher Personen bestimmt sind, die v o n V e r - wandten in Palästina selbst angefordert und für die von seiten der Verwandten die entsprechenden Garantien übernommen werden. Zur freien Verfügung sind die Zertifikate nicht bestimmt. Kleine Nachrichten lm November wanderten 521 Personen nach Palästina ein. Dagegen zählte man 923 Auswanderer. Die transjordanlscheRegierunghatvor kurzem ein Gesetz erlassen, das ausländischen Gesellschäften und religiösen Vereinigungen gestattet, inTransjordanien Boden zu erwerben. Der in Palästina weilende Vizepräsident des belgischen Parlaments, Baron Libbau, erklärte In einem Gespräch mit dem Vertreter der P. T. A., er habe von dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina tiefe Eindrücke empfangen. Was der Zionismus in Palästina geschaffen hat, könne beispielgebend wirken. Während des Monats November haben in Jerusalem, Tel- Awiw und Haifa 1961 Personen einen Betrag von £ 4362 für den Keren Hajessod gezeichnet. Dr. Alexander G o i d s t e i n, der Delegierte des Hauptbüros des Keren Hajessod, traf auf seiner Reise nach Indien und Australien In Palästina zu kurzem Aufenthalte und zu Besprechungen mit den Hauptbüros des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth ein. Julius Mayer-Graefe, der bekannte KunstkritBcer, der Palästina im vergangenen Jahre besucht hat, hat 250 wertvolle Bücher für das Erziehungsdepartment der jüdischen Arbeiter-Organisation Palästinas gesandt und weitere Sendungen in Aussicht gestellt Die Tafeltrauben, die in den neue!» jüdischen Keren Hajessod-Siedlungen gezogen werden, haben einen so guten Markt sowohl ln Palästina selbst wie im Auslande gefunden, daß 400 neue Weinstöcke für die neue Saison durch das landwirtschaftliche Department der Zionistischen Exekutive ge« stellt wurden. ln Konstanza ist der erste Transport palästinensischer Orangen, die von der polnisch-palästinensischen Handelskammer für Polen bestellt worden sind, eingetroffen. Der Transport wird sofort auf die Eisenbahn umgeladen und soll dieser Tage in Warschau eintreffen. Nach den bisher angesteüten Beobachtungen ist für das Jahr 1927 oder 1928 eine Wiederholung der Heuschreckenplage in Palästina zu erwarten. Das!andwirtschaftliche Kolonisations-Department der zionistischen Exekutive hat daher eine Sitzung von Fachleuten einberufen, um die zu ergreifenden Maßnahmen zu besprechen. Der Solel-Bonch, der im November Arbeiten für £ 23 600 ausgeführt hat, hat dabei 2460 Arbeiter bei Straßenbauten und ähnlichen Arbeiten beschäftigt. Der Keren Kajemeth hat beschlossen, ein Grundstück auf seinem Land in Rechavfah, dem Mittelpunkt der neuen Bautätigkeit in Jerusalem, für das Beth-Am zu bestimmen. Der Bauplan für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem wurde dieser Tage von der Regierung und dem Jerusalemer Magistrat bestätigt. Nach dem ״Davar“ hat eine Gruppe von Kapitalisten aus Petach Tikwah südlich und südwestlich von Afuleh 2500 Dunam erworben, um dort Orangengärten anzulegen. Das Gomitate Nanonale Geographico hat beschlossen, in Turin eine eigene Anstalt für das Studium Palästinas und aller dieses Land betreffenden, Italien interessierenden Verhältnisse zu errichten, ln Jerusalem soll eine Zweiganstalt eröffnet werden. Das Syndikat der jüdischen Tabakpflanzer von Rosch-Plnah ist in die Liste der Genossenschaften mit beschränkter Haftung eingetragen worden. Sein Zweck ist, die Anpflanzung und Verarbeitung von Tabak auf kooperativer Grundlage zu fördern. Zwei neue kooperative Mädchen schulfarmen sind mit Hilfe des Keren Hajessod durch das Arbeitsdepartment der zionistischen Exekutive nördlich von Tel-Awiw gegründet worden. Jede dieser Gruppen, die 25 Mädchen umfassen, erhielt ein Darlehen von £ 275 aus Keren Hajessod-Mitteln. Während der allgemeine Preis für die 3. Klasse von Triest nach Jaffa auf £ 5 erhöht wird, wird für Chafuzim, die Zertifikate von der Zionistiscnen Organisation be* sitzen, der Preis weiterhin £ 4 bleiben. Luigi Luzzatti ist auf der Reise von Rom nach Mailand bei einer Zugentgleisung verletzt worden. In Anbetracht seines hohen Alters — Luzzatti steht im 86. Lebensjahre —־ gibt sein Zustand zu Besorgnissen Anlaß. Auf dem internationalen Münchener Schachturnier konzentrierte sich das Hauptinteresse auf die Partie Przeplorka— Bogoljubow, die die Entscheidung brachte Sie schloß mit einem Remis. Damit ging Meister David Przeplorka, ein Jude, mit 4 Va Punkten als Sieger aus dem Turnier hervor. Bogoljubow erhielt mit 3»/0 Gewinnpunkten den zweiten Preis. Reichsverband der jüdischen Lehrervereine. Am 28. Dezember, bei der Tagung des Ausschusses und Vorstandes des Radisverbandes ln Berlin, erklärte nach Durchberatung des neuen Satzungsentwurfs Oberlehrer Dingfelder, München, der mit Seminaroberlehrer Stoll, Würzburg, als bevollmächtigter Vertreter des ״Israelitischen Lehrervereins für Bayern“ erschienen war, den offiziellen Bericht ihres Vereins zum Verbande. Damit ist auch die letzte trennende Strecke der Mainlinie wenigstens für die Lehrerschaft gefallen. Möge diese Einigung Ihre segensreichen Wirkungen auch auf die übrigen jüdischen Organisationen ausüben. Achad Haam •Hain Mit Achad Haam ist der Mann gestorben, dessen geistige Leistung die zionistische Bewegung aufs tiefste beeinflußt und gestaltet, ja sie recht eigentlich mitgeschaffen hat Während HerzI, der Schöpfer der Organisation und des politisehen Gedankens des Zionismus war, stammt von Achad Haam ein wesentli her Teil des die Bewegung erfüllenden geistigen Gutes. Er gab ihr die Fähigkeit, die Realität und ihre Möglichkeiten kritisch zu erfassen und damit zu meistern. In diesem Sinne ist der Zionismus, sind alle Zionisten für immer Erben und Schuldner Achad Haams. Die deutschen Zioni ten wollen das Andenken des großen Toten durch Stiftung eines Achad Haam-Haines ehren. Oelbaum-Spenden werden von den Sekretariaten des Keren Kajemeth, von seinen Vertrauensleuten und bei allen Trauerfeiern entgegengenommen. Keren Kajemeth Lejlsrael Wollstein Schwarz Glaser Zionistische Vereinigung für Deutschland Blumenfeld Rosenblüth Für PaJäslinatoorisfen Ke Direktion des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod in Jerusalem haben soeben eine Broschüre unter dem Titel ״Das jüdische Palästina“ herausgegeben, die von dem Leiter des zionistischen Informationsbüros für Touristen in Palästina, Dr. Fritz Loewenstein, verfaßt ist Das Büchlein stellt eine Art Reiseführer dar, der den Touristen einen schnellen Ueberblick über das neue jüdische Palästina, die jüdischen Institutionen und das Siedlungswerk geben soll und zugleich Anleitungen für den Besuch der jüdischen Siedlungen enthält. Da die existierenden großen Touristenbücher un<f Reiseführer fast ausschließlich sich mit den Altertümern und Sehenswürdigkeiten Palästinas beschäftigen, die neue jüdische Siedlungsarbeit aber so gut wie unberücksichtigt lassen, kommt die neue Broschüre einem wirklich empfundenen Bedürfnis nach, und man kann nur wünschen, daß sie weiteste Verbreitung findet und wirklich in die Hände aller Touristen gelangt. Zu diesem Zwecke wäre vielleicht zu empfehlen, die Broschüre in den wichtigsten Reisebüros auch außerhalb Palästinas, sowie auf den im Mittelmeer verkehrenden Schiffen, autliegen zu lassen. Bekanntlich wurde wiederholt festgestellt, daß zahlreiche Touristen, die Palästinas Nachbar-!ander und sogar Palästina selbst besuchen, von der Existenz der jüdischen Siedlung keine Ahnung haben. Die Broschüre erfüllt ihre Aufgabe, Tn gedrängter Form die wichtigsten lnformationen zu geben, ausgezeichnet. Ohne übermäßige Belastung und mit gutem Verständnis für die Psychologie des Touristen wird in klarer und anschaulicher Sprache das jüdische Palästina dargestellt, die verschiedenen Institutionen und Siedlungsformen erklärt und ein Abriß der Oeschichte ihrer Entstehung gegeben. Es sei noch hervorgehoben, daß Druck und Ausstattung tadellos sind, eine Empfehlung für Tozercth Haarez auch auf dem Gebiete des deutschen Druckes. Dem Verfasser, Dr. Loewenstein, und den Herausgebern gebührt der Dank aller an dem modernen Palästina Interessierten. Führerkurs des Jang-JUdisehen-Waiiderbnndes Der Führerkurs des Jung-Jüdischen Wanderbundes fand vom 24. Dezember bis zum 31. Dezember 1926 im Jüdischen Genesungsheim Lehnitz b. Berlin statt Er wurde von 55 Führern und Führerinnen des J. J.W. B. besucht und hatte die Aufgabe, die Bundesarbeit anzuregen und zu vertiefen. Der Führerkurs entstand aus dem Gedanken, daß in dem gegenwärtigen Augenblick nicht so sehr eine Klärung und Ueberprüfung der Bundesziele, als vielmehr eine tiefere Erfassung der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart notwendig ist Es handelte sich auch darum, die jüngeren Führer und Führerinnen näher mit den großen jüdischen Wissensgebieten bekanntzumachen. So hatte der Führerkurs in seiner Absicht etwas von einer jüdischen Volkshochschule. Es kann festgestellt werden, daß das Ziel des Führerkurses in einem ziemlich großen Umfange erreicht werden konnte. Unterstützt wurde dies durch die sehr günstigen äußeren Bedingungen des Kurses. Das jüdische Genesungsheim Lehnitz wurde dem J. J. W. B. zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt. Das Haus bot neben schönen und gesunden Schjafräutnen für alle Teilnehmer auch geeignete Versammlungsräume. Ke Methoden des Führerkurses waren im wesentlichen die, daß in die wichtigsten jüdischen Stoffgebiete durch Fachleute eingeführt wurde. Ke Referate waren von vornherein so angelegt, daß auf Grund des in ihnen mitgeteilten Materials und der in ihnen vorgetragenen Anschauungen eine weitere Arbeit der einzelnen Kursteilnehmer möglich gemacht wird. Obgleich man also scheinbar äußerlich von den Fragen der Zielsetzung des Bundes weit entfernt war und man sich im Gebiet der wissenschaftlichen Erfassung des jüdischen Problems nach allen seinen Richtungen befand, ergab sich doch, daß durch die gründliche Beschäftigung mit diesem Problem alle Fragen gerade dort ihren natürlichen Schwerpunkt hatten und man so immer von selbst auf die Fragen der allgemeinen Zielsetzung des Bundes und des Wesens des Einzelnen im Bunde zurückkatn. An die Referate schlossen sich — zum Teil in Abwesenheit der Referenten — Aussprachen an, in denen der Stoff noch einmal durchgearbeitet wurde. Es ist nicht möglich, im Rahmen dieses Berichtes auch nur die Grundgedanken der einzelnen Referate wiederzugeben. Wir beschränken uns daher auf die Angabe der Themen und der Referenten des Führerkurses: Bibelstudium: Dr. Soloweitschik; Talmud und Midrasch: Rabb. J. Nobel. Die historische Stellung des mittelalterlichen Judentums: Dr. Fritz Baer. Die moderne Judenfrage: Kurt Blumenfeld. Autonomie und Tendenz in der Erziehung der Jugendbewcgung: Dr. Siegfried Bernfeld. Landeskunde Palästinas: Ascnbel. Bodenprobleme Palästinas: Dr. A. Baer. Palästinensische Arbeiterschaft: Alfred Berger. Siedlungsformen Palästinas: Perlmutter. Geschichte der Zionistischen Ideologie: Dr. N. Goldtnann. Ueberblick über die hebräische Literatur: Dr. Max Mayer. Soziologie des Ostjudentums: Berl Locker. Palästina im Recht und in der Politik des vorderen Orients: Dr. Robert Weltsch. L. Eingesandt Grenzen der Kritik In der ״Jüdischen Rundschau“ vom 30. 12. 1926 veröffentlich! Herr Dr. S. A. van Vriesland einen Artikel über ״Konsolidierung und Neukolonisation“. Ke Ausführungen des Herrn Dr. van Vriesland sind sehr sachlich und seine Argumente wirken überzeugend. Herr Dr. van Vriesland hat nur das Eine übersehen, daß die Fragen, die in beiden Aufsätzen behandelt werden, die Lebensfragen des jüdischen Volkes darstellen und, daß es untunlich ist, solche in die heiligsten Volksidcale einschneidende Probleme auf dem Wege der Publizistik zu erörtern. Liest man den Artikel des Herrn Dr. S. A. van Vriesland ein- oder zweimal durch, so kenn man sich des Gedankens nicht erwehren, daß die jüdische Aufbaufrage lediglich ein Rechenexempel darstellt.

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