Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1927)
- Date
- 1927-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 1t Nr. 2 Die zionistische Linke in Polen Die ״rechte“Poale Zion — Jiddlschistische Kulturpolitik- Symptome und Gefahren (Von unserem Korrespondenten.) II*). —g. Warschau, Mitte Dezember 1926. Die ״Poale Zion“, welche vor dem Weltkriege in mehreren Gebieten des heutigen Polens sich in mächtiger Entwicklung befand, ist in den Kriegs- und Nachkriegsjahren sehr zusammengeschrumpft. Die Spaltung in rechte und linke (Wien 1919) hat die ganze Poale Zion-Bewegung in Polen für längere Zeit lahnigelegt und insbesondere die rechte Gruppe ln Polen hat eine starke Schlappe erlitten, von der sic sich erst in den letzten zwei bis drei Jahren langsam zu erholen beginnt. Viele Mitglieder sind beiden Gruppen verlorengegangen. Die rechten Gruppen waren überall der linken fegenüber in der Minderheit. Dazu kam, daß die ״rechte“ oale Zion in Polen fast keine führenden Mitglieder hatte und auch aus anderen Gründen lange Zeit nicht in der Lage war, eine Neuorganisation durchzuführen. Die Partei spielte sowohl in der jüdischen Arbeiterals auch in der zionistischen Bewegung Polens kaum eine Rolle. Im vorigen Jahre erfolgte eine Vereinigung der rechten Poale Zion mit der ״zionistisch-sozialistischen Partei“ (Z. S. P.), und seit einem Jahre Ist ein Umschwung eingetreten, weicher diese vereinigte Partei zu einem ansehnlichen Bestandteil des Unken zionistischen Flügels in Polen macht Programmatisch bewirkte die Vereinigung fast das vollständige Durchdringen der Prinzipien und Losungen der Poale Zion. Vom Wesen der ehern. Z. S. P. ist fast nichts geblieben. Ein feiner Beobachter wird natürlich in fast jeder vereinigten Ortsgruppe die Unterschiede wahrnehmen, aber nach den letzten Beschlüssen der Poale Zion-Konferenz in Warschau ist die ganze Partei als solche streng parlamentarisch zu betrachten. Die Prinzipien dieses Poalczionismus, welcher seinen Vorkriegslosungen treugcblieben ist, sind ja bekannt. Vom zionistischen Standpunkt ist die gegenwärtige Beziehung der polnischen Poale Zion-Partei zur Kulturfrage und zu manchen zionistischen Problemen und Institutionen von Interesse.* Es dürfte bekannt sein, daß einer der Hauptfaktoren im Vereinigungsprozesse der Poale Zion mit der Z. S. P. die Achduth Awodah in Palästina war, weiche io ihre Reihen Angehörige beider Parteien aufnahiu, als solche Bestandteil des Weltverbandes Poale Zion war, ideologisch aber sehr nahe der Z. S. P. stand, nändkh in ihrer starken Betnnung der Verbundenheit uiit der zionistischen Weltorganisation, in ihrem Verständnis für die palästinensische Wirklichkeit und in ihrer Liebe für die hebräische Sprache. Dem starken Drängen der Achduth Awodah zufolge ist endlich die Vereinigung zustande gekommen. Die nun vereinigte Partei Polens hätte also einen verstärkten Stützpunkt für das arbeitende Erez-Israel, insbesondere für die Achduth Awodah, bilden sollen, in einer Beziehung ist nun seither die Entwicklung in Palen in eine Richtung egangen, die wir für symptomatisch halten. Die vereinigte oale Zion-Partei in Polen hat sich offiziell in der Schul- und Sprachenfrage gänzlich auf die Seite der Jiddischisten gestellt, und hat beschlossen, daß die Partei als solche die weltliche jiddische Schule zu fördern hat und ihr Schulproframm sich nun vollständig mit dem der Zentralen Jüdischen chulorganisation Polens deckt Sämtliche schon bestehende und künftig zu begründende Schulen und Bildungsanstalten def Poale Zion sind dieser Schülorganisationen zu unterstellen. Zum Verständnis dieser Beschlüsse sei bemerkt, daß die Z. J. Sch. O. in Polen ganz und gar unter dem Einfluß des ״Bund“ und teilweise der linken Poale Zion steht, daß prinzipleU und tatsächlich Hebräisch (Sprache and Literatur) nicht nur als Vortragssprache, sondern als Gegenstand vollständig vom Lehrplan sämtlicher Schulen eliminiert, daß der Geist dieser Schulen bewußt antizionistisch und antipalästinensisch ist, daß der Kampf gegen Hcbräisch und gegen drs hebräische Schulwesen in Polen zum Hauptbestandteil der Schulpolitik dieser Organisation gehört. Einer solchen Organisation nun vertraut die Schwesterpartei der Achduth Awodah ihre Schulen an, das Programm einer solchen Kulturtäiigkcit und Erziehungsarbeit soll Liebe und Verständnis für das arbeitende hebräische Erez-Israel wecken. Welch ein Weg von Anerkennung und Pflege der jiddischen Sprache als unserer Volkssprache (was mit dem Zionismus vereinbar ist und Bestand'!eil des Ku'turprogramms auch anderer zionistischer Gruppen ist) bis zur vollständigen Ausmerzung des Hebräischen und dem Kampf mit der hebräischen Schule! Es unterliegt doch gar keinem Zweifel, daß das Band, welches diese Gruppe mit Palästina verbindet, um ein Wesentliches, auch vom Standpunkte der palästinensischen Arbeiterschaft, gelockert wird! Die Früchte einer solchen Umstellung ließen nicht lange auf sich warten. Bei der Ende August d. J. in Warschau abgehaltenen Landeskonferenz der Poale Zion kam es zu wüsten Lärmszenen, ab der Vertreter der Achduth Awodah Tobenkin in hebräischer Sprache seine Parteigenossen begrüßen wollte. Es gelang nur mit Mühe, ihn jnach einer Pause ruhig sprechen zu lassen. Dieselben Lärmszenen wiederholten sich, als der Vertreter des Hechaluz Bogdansky hebräisch zu sprechen begann. Man beruhigte sien erst, als seitens der Delegierten aas Bedauern ausgesprochen wurde, ״daß der Hechaluz, welcher zwischen den jüdischen Massen wirkt, deren Sprache jiddisch ist, cs für möglich gehalten hat, nicht in dieser Sprache die Konferenz zu begrüßen“. Solche Aeußerungen und solch eine Beziehung zur hebrä- Ischen Sprache kamen gleichzeitig mit Ovationen für den Hechaluz, die ״Histadruth“ und Achduth Awodah zum Ausdruck. Es war eine kleine Minderheit, welche verstand, daß eine solche Stellungnahme die Zukunft der Poale Zion als einer zionistischen Partei untergraben muß, daß doch jede Einflußnahme auf den ״Hechaluz“ mit der Zeit schwinden werde oder aber die kulturelle Hachscharah des Hechaluz unter dem Einfluß der Poale Zion ähnlich werden wird der sprachlichen Vorbereitung jüdischer Emigrantengruppen nach überseeischen Ländern.... Diese Minderheit, welche ihre Rechte auf dem Wiener Parteitage (August 1925) garantiert bekam, hat nun sofort nach der Konferenz in Warschau einen Aufruf zur Schaffung einer neuen jüdischen Schul- und Bildungsgesellschaff auf den Namen J. Ch. Brenner erlassen. Die Prinzipien der von dieser Gesellschaft zu errichtenden Schulen sollten sein: 1. National-weltliche Kultur. 2• Arbeitererzietiung. 3. Positive Beziehung zu beiden Sprachen — Jiddisch und Hebräisch — und zu den in diesen Sprachen geschaffenen national-kulturellen Werten. 4. Ideologische Verbindungen mit dem arbeitenden Erez-IsraeL Die Gesellschaft sollte im engen Kontakt mit der ״Wadath Hatarbuth“ der palästinensischen ״Histndruth“ s ehen. Unseres Wissens aber nat diese Gesellschaff bis nun keine Tätigkeit entfaltet Die Parteipresse *) In den vorhergehenden Nummern hat unser Korrespondenf die Lage in den verschiedenen allgemein-zionistischen Grupp.n und einem Teil der zionistischen Unken in Polen dargestellt. Er setzt diese Artikelserie hier fori — Red. der Poale Zion bringt auch keine einzige Notiz über das in Polen bestehende hebräische Schulwesen, dagegen bespricht sie sehr ausführlich jeden Schritt der jiddischen Schulorganisation. Wir habea diese Erscheinung ausführlich besprochen, weil wir sie sehr symptomatisch für die Poale Zion halten. Die neue Arbeitsgesellschaft in Palästina, zu der sich die Poale Zion bekennt, ward und wird auf dem Wege des größten Widerstandes, hier geht man aber den Weg des kleinsten Widerstandes! Zuerst auf einem Gebiete. Wir fürchten, es wird auch auf andere Gebiete übergreifen. Es sind ja noch andere Unzufriedene in der Partei. Die bestehenden Meinungsverschiedenheiten formuliert ein Vertreter der Unzufriedenen folgendermaßen (״Befreiung“ Nr. 39): ״Ein Teil will die Arbeit hier an Ort und Stelle nicht verkleinern wegen Palästina...., während der zweite Teil mehr auf Erez-Israel orientiert ist.... Wir wollen auch in unserer Aufbauarbeit in Palästina den international-sozialistischen Standpunkt bewahren.... Wir wollen, daß unsere Schwesterpartei in Palästina, die Achduth Haawodah, eine breite sozia- Iistische Aufklärungsarbeit führen und eine konsequente Klassenlinie einhalten soll ln manchen Poale Zion-Ortsgruppen hört man auch schon Stimmen, daß man sich ain zionistischen Kongreß nicht beteiiigen soll und die meisten Ortsgruppen beziehen sich schon jetzt trotz Aufforderungen eigener Parteibehörden gleichgültig zum K.H. Das sind Symptome, die um so wichtiger erscheinen, als doch die letzte Konferenz der Achduth Awodah in Palästina Beschlüsse gefaßt hat, die in entgegengesetzter Richtung gehen und wir halten die Zweifel für begründet, ob der Weltverband Poale Zion die Beschlüsse seiner palästinensischen l.andespartei akzeptieren werde. Die größten Widerstände sind eben von Polen zu erwarten. Und noch ein Umstand! War es jemals möglich, von einer Vereinigung beider linken zionistischen Föderationen zu sprechen, nach der letztens in Polen geschaffenen Situation halten wir es für ausgeschlossen. Dies werden viele bedauern. Um nun zum Ausgangspunkt unserer Betrachtung über die Poale Zion zurückzukehren, sei betont, daß im letzten Jahre die Partei in Polen einen Aufschwung aufzuweisen hat. Neue Ortsgruppen werden ins Leben gerufen, alte reorganisiert; auch die vereinigte Jugendorganisation ״Freiheit“ macht Fortschritte. Im ״Hechaluz“ wetteifert Poale Zion mit der ״Hitachduth“. Desgleichen im Komitee für das arbeitende Erez-Israel, das allerdings in Polen raschestens einer Reorganisation bedarf. Es geht doch nicht an, daß beide hauptbeteiligten Parteien, die Poale Zion und die Hitachduth auf ihren Konferenzen scharfe Beschlüsse gegen das Anwachsen der Administrationsspesen in den zionistischen Institutionen fassen und nicht mit einer gründlichen Reinedur *m obenerwähnten Komitee beginnen. Die Poale Zion entfalten auch eine energische Tätigkeit auf landespolitischem, sozial-ökonomischen Gebiet, w׳o sie es natürlich als ausgesprochene Klassenbewegung viel Richter haben als z. B die Hitachduth. Und trotzdem ist die Zahl ihrer Anhänger unter den gewerkschaftlich organisierten jüdischen Arbeitern Polens noch verhältnismäßig gering. Proteste gegen die romanischen Jadenexzesse New York, 3. Januar. (J.T. A.) Im Hotel Astor wurde heute eine vom Amerikanisch-Jüdischen Kongreß ein berufene Massenversammlung abgehalten, der Tausende jüdischer Bürger New Yorks beiwohnten. Mehrere Tausende Personen mußten wegen Ueberfüllung des Saales wieder abziehen. Die Veranstaltung war als eine Kundgebung gegen die antijüdischen Greuel in Rumänien gedacht, unter den Rednern, die gegen die barbarische Behandlung der Juden in Rumänien protestierte, waren einige hervorragende Führer der Christ* liehen Kirchen. Es sprachen u. a. der Präsident des American Jewish Congreß, Dr. Stephen S. Wise, Richter Julian Mack, Richter Hartmann, der Vizegouverneur des Staates New York, Herr L o w m a n, der Präsident des amerika* nischen Komitees für Schutz der Minderheitsrechte. — Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der gegen die Judenausschreitungen in Rumänien im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit protestiert wird. Aehnliche Protestversammlungen wurden in Chicago, Philadelphia, Boston und in anderen Städten Amerikas abgeha!- ten. Die Versammlung im Hotel Astor zu New York nahm ferner eine Resolution an, in der der Trauer um das Ableben des großen jüdischen Denkers Achad Haam, Ausdruck gegeben wird. Paris, 1. Januar. (J.T. A.) Dem Beispiele der jüdischen Studentenschaften in Oesterreich, Polen und in anderen Ländern folgend, versammelten sich auch die jüdischen Studenten der Universität Toulouse zu einem Protest gegen die antijüdischen Greuel der rumänischen Studenten. Ein Protesttelcgramm wurde an den Völkerbund gesandt, Abschriften hiervon gingen an alle jüdischen Studentenverbindungen in Frankreich mit der Aufforderung, sicli der Protestaktion anzu schließen. Das ,,Israelitische Wochenblatt für die Sch vv e i 1“ fordert den Schweiz. Isr. Gemeindebund auf, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen und Proteste an den Völkerbund, an den rumänischen Gesandten in Bern und an die Regierung Rumäniens gegen die Behandlung der Juden in diesem Lande zu senden. Die Palästinensische Liga für Völkerbund hat an das Büro der Internationalen Union für Völkerbundligen einen Protest gegen die Verfolgung der Juden in Rumänien gerichtet. Daraufhin erhielt die Liga vom Büro der internationalen Union die Mitteilung, daß die Union daran geht. Maßnahmen zu ergreifen, die wohl eine Besserung der Lage der rumänischen Juden h e r be i f ü h re n werden. Moskau, 1. Januar. (J.T. A.) Außer in Moskau wurden in Kiew, Odessa, Poltawa und anderen Städten der Ukraine Protestkundgebungen gegen die Judenverfolgungen in Rumänien abgehalten, denen tausende Juden beiwohnten. Konferenz der Jewsektia in Moskau Moskau, 1. Januar. (i.T.A.) in Moskau wird gegenwärtig eine Konferenz der jüdischen Sektionen der Kommunistischen Partei in der Sowjetunion abgeha'ten, der mehr als 100 Delegierte aus ganz Rußland, sowie Vertreter der jüdisehen Kommunisten in Polen und Palästina beiwohnen. Dem gewählten Präsidium 'gehören die bekannten jüdischen Kommunisten Esther Frumkin, Mereschin, Litwakoff, Tschemerinsky und D i a tn a n t s t e i n an. Ehe Tagesordnung umfaßt Referate und Diskussionen über poiitische, wirtschaftliche und kulturelle Probleme der jüdischen Massen in Rußland. Die Konferenz nahm eine Protestresolution ״gegen die Pogromausschreitungen in Rumänien und gegen den weißen Terror der rumänischen Regierung“ an. Die achte Konferenz der Zionisten in Chile hat beschlossen, in diesem Jahre für den Keren Hajessod £ 3000 und für den Keren Kajemeth £ 1000 aulzubringen. Brief ans Krakau Ende Dezember 1920. Krakau ist eine historische Stadt und hat sowohl in der Geschichte des polnischen Volkes wie auch im Leben der polnischen Juden eine große Rolle gespielt. In der Oege»• wart liegt sie ein wenig abseits. Aber noch immer birgt sie älteste Kultur sowohl in polnischer wie auch in jüdischer Hinsicht und vereinigt i!1 sich neben traditioneller Konvention auch verschiedene moderne Auswüchse. So haben wir in Krakau neben starrster jüdischer Orthodoxie auch die am weitesten gediehene jüdische Assimilation. Krakau und seine Umgebung gehören zweifellos dem kulturell höchststehenden Teile Polens an. Der Charakter der Bevölkerung ist nicht hart und kantig; es ist, als ob alle Schichten, Polen und Juden, von einer gewissen vonnehmen Dekadenz erfaßt wären. Diese Charaktereigenschaft äußert sich auch bei den Zionisten des Krakauer Distrikts und kommt auch in der zionistischen Arbeit zum Ausdruck. Man kann aber trotzdem behaupten, daß vielleicht in keinem einzigen Teile Polens so gründliche zionistische Arbeit goleistet wird wie gerade in Krakau und Westgalizien, obwohl diese Tätigkeit sich in geräuschloseren Formen vollzieht als in andern Teilen der polnischen Republik. Wenn man sich vor Augen hält, daß der Prozentsatz der organisierten Zionisten in Westgalizien ebenso hoch ist, trotz Orthodoxie und Assimilation, wie in andern Teilen Polens, so kann man der geleisteten zionistischen Arbeit seine Anerkennung nicht versagen. Man muß in Betracht riehen, daß Westgalizien geschlossen national-polnisch ist und die Juden es viel schwerer haben, ihren besondern nationalen Charakter zum Ausdruck zu bringen als in andern Teilen Polens, wo außer den Juden noch andere nationale Minderheiten leben. Trotzdem ist die Zahl der national bewußten, hundertprozentigen Zionisten in Westgalizien keineswegs geringer als anderswo in Polen. Im abgelaufenen Jahre hat der Krakauer Distrikt für den Jüdischen Nationalfonds verhältnismäßig mehr aufgebracht als alle andern Teile Polens. Die Beiträge für K. K. L und K. H. überstiegen die Summe von 300000 Zloty. Die Anzahl der verkauften Schekolim betrug 9000. Diese Ergebnisse sind um so bemerkenswerter, als in Westgalizien nur der zehnte Teil der in Polen vorhandenen Juden lebt Besondere Aufmerksamkeit wandten die Zionisten des Krakauer Distriktes der Unterstützung der Chaluzira-Organisation ״Esra“ zu. Zur Erhaltung trugen sic fast 10000 Dollar bei. Neben dieser rein zionistischen Arbeit verdient die umfassende Arbeit im Dienste der sogenannten Landespolitik Erwähnung. Die Demokratisierung der jüdischen Gemeinden, die Anteilnahme an den Munizipal- und allgemeinen Wahlen beanspruchten angestrengte Arbeit Auf dem Gebiete der Hebraisierung steht Westgalizien nicht hinter den andern Teilen der polnischem Organisation zurück. Ein sichtbares Zeugnis ist der Ausbau des polnisch-hebräischen Gymnasiums in Krakau, das sich eines starken Besuches erfreut Selbstverständlich fand auch die Jugendarbeit große Aufmerksamkeit. Die Erziehungsarbeit wurde zentralisiert und wird nunmehr von der Exekutive der westgalizischen Zionistischen Organisation geleitet Für die älteren Zionisten wurden in den einzelnen Orten gesellige Klubs begründet, die zugleich Lesehallen sind, in denen insbesondere hebräische Zeitschriften und Bücher aufhegen. Charakteristisch ist für Westgalizien, daß die einzelnen Fraktionen in allgemein-zionistischen Arbeiten Hand in Hand Zusammengehen. Neben Hitachduth, Misrachi, Poale Zion trat in der letzten Zeit auch der Revisionismus in Erscheinung. Alles in allem: man kann ohne Uebertreibung feststellen, daß in organisatorischer Hinsicht gerade in Westgalizien viel geleistet wurde und daß man als Fazit eine Verstärkung unserer Positionen in diesem Teile Polens ziehen kann. Ben Sehern. Mittelalter ln Karpathorußland Die Prager ״Selbstwehr“ bringt einen ausführlienen Berieht über den in der Munkacser Synagoge gesprochenen ״großen“ Bannfluch, dessen Verkündung die uemüter in Karpathorußland und in der Slowakei in große Erregung versetzt hat. Am Sonntag, den 26. Dezember, versammelten sich in der Synagoge zu Munkacevo, der Haupt- Schauplatz der wildesten Kampfe zwischen den Munkacser Chassidim und den Anhängern des Beizer Rebbe, 4000 Persontn. Es wurde der ״große“ Bannfluch gegen die Feinde des Munkacser Rabbi Spira gesprochen. Anlaß hierzu bot eine vor Tagen erschienene Flugschrift, die anscheinend von Anhängern des ״Beizer“ herrührte und Bannflüche gegen R bbi Spira enthielt, dem vorgeworfen wurde, er hätte sich abfällig über seinen unlängst verstorbenen Gegner, den Rabbi von Beiz, geäußert. Der Bannfluch ging in folgender Weise vor sieh: Es wurden schwarze Kerzen verteilt, dann die Psalmen 1, 57, 107 und 109 zitiert, worauf der Verlreter der Gemeinde ein dreigliedriges Gericht auftorderte, es möge seineii Spruch gegen die anonymen Urheber und Verbreiter jener Schritt fällen. Dieser Spruch, der hebräisch und jiddisch verkündet wurde, enthält den großen Bannfluch. Alle, die an jener Flugschrift irgendwie beteiligt waren, sollen im Himmel und aut Erden verflucht sein. Es ist verboten, sich ihnen ruf vier Ellen zu nähern, sich mit ihnen zu verschwägern, ihnen Sp'ise oder Trank zu reichen. Ein Teil der Judenschaft ist wegen der Verkündung des B nnfluches, gegen die sich die rabbinischen Kapazi'äten schon längst ausgesprochen haben, und die nach dem bürgerliehen Gesetzbuch in der Tschechoslowakei bei Strafe verboten ist, sehr erregt. Anti jüdische Ansschreitimgen in Breslan Die Zei ungen veröffentli hen Mitteilungen über schwere antisemlibehe Ausbreitungen, die in der Nacht zum 4. Januar in B eslau vorgekommen sind. Eine Horde von etwa 15 Leuten mit Totenkopf- Abzei hen und Hakenkreuz, die von einem Bierabend des Bundes ״Totenkopf“ kamen, überfielen gegen 2 Uhr nachts in der Kaiser-Wilhelm-Str. im Süden von Breslau, zwischen Victoria- und Goethestr., heimkehrendc jüdische Passanten, schlugen sie zu Boden und verletzten sie zum Teil schwer. Sie versuchten au h, die Niedergeschlagenen zu berauben. Ais die Polizei herbeieilte, flü hteten die HaUenkreuzler und gaben dabei mehrere S hüsse ab, die zum Glü'k niemand verletzten. Drei Mitglieder der Horde wurden festgenommen. Am 2. Januar verschied in München nach kurzer Krank• heit im Alter von 72 Jahren der der traditionell gesetzes• treuen Ri htung angehö ende Rabbiner der Münchener jüdi• sehen Gemeinde. Dr. Heinrich Ehrentreu.