Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1927)
- Date
- 1927-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JÜCDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2 und ein schwerer Kampf wird geführt um Anerkennung und Existenz. Die englischen technischen Behörden in Palästina, die Public Works, das Eisenbahndepartement u. a., befolgen die Praxis, die höheren Posten nur mit englischen Ingenieuren, zu besetzen und die wenigen seit längerer Zeit vorhandenen Juden zu eliminieren. Entgegen ihrer Zusage vom 16. Juni 1921, Nr. 12 412 P (siehe auch die Oktober• nimmer 1926 des Bulletin of the Association of Engineers and Architects in Palestine) haben sie letzthin nicht weniger׳ als acht höhere Beamtenstellen in englischen und ägyptischen Zeitungen ausgeschrieben, dagegen in keiner Form die Ingenieure Palästinas zur Bewerbung aufgefordert. Auf Beschwerden seitens des Ingenieurverbandes ließen sich schließ• lieh im Juli d. J. (Schreiben Nr. W/7/2/1) die Public Works herbei, dem Verband zwei — Zeichnerstellen anzubieten. Wir haben im obigen die Praxis der zionistischen und der' englischen verantwortlichen Stellen gegenüber der jüdlsehen Technikerschaft gekennzeichnet, ohne etwa das gesamte Material zu erschöpfen. Die Öffentlichkeit könnte hieraus den Schluß ziehen, als ob die jüdischen Ingenieure und Architekten wirklich minderwertiger seien als ihre nichtjüdischen Kollegen, obwohl das noett kein Grund wäre, jedenfalls nicht für die zionistischen Behörden, sie bei der Vergebung zentraler Bauten nicht zur Mitarbeit heranzuziehen. Ein- Beweis für die Leistungsfähigkeit diplomierter und nichtdiplomierter jüdischer technischer Fachleute ist die gesamte technische Leistung des neuen Palästina außerhalb jener Sphäre bürokratischer Mächte, insbesondere auch der Aufbau von Tel-Awiw. Es ist eine böswillige Erfindung von Menschen, die an Minderwertigkeitskomplexen leiden, daß die Häuser Tel-Awivvs schlecht gebaut seien (über den Geschmack läßt sich streiten). Nicht alles ist hier tadelfrei, wo im Fieber des Aufbaus der letzten Jahre auch Nichtfachleute das Recht zurti Bauen bekommen haben. Es ist der organisierten Technikerschaft zu verdanken, daß heute Baugesetze bestehen, daß Baukonzessionen und Baubedingungen geprüft werden. Es ist auch kein Geheimnis, daß die Betonstraßen Tel-Awiws die besten Betonstraßen des ganzen vorderen Orients sind, vielleicht sogar besser als die Asphaltstraßen im Fremdenviertel von Kairo. Wir wollen die Liste der technischen Leistungen des jüdischen Jischmv nicht vervollständigen, die ja Ohne die Leistung der ״Fachleute“ nicht denkbar ist. Nach lieberwindung alter Differenzen in den eigenen Reihen stellt heute die jüdische Technikerschaft Palästinas ein Ganzes dar, gegliedert in eine Anzahl von miteinander verbundenen Verbänden. Das Ansehen, das sich z. B. der Verband der Ingenieure und Architekten erworben hat, zeigte sich jetzt van neuem bei der Ausstattung seines neuen Heims, die durch zahlreiche Spenden ermöglicht wurde. Es umfaßt ein chemisches und ein bautechnisches Laboratorium, einen Vortragsaal für etwa 100 Personen, Lesezimmer und Büroraume. In diesem Winter, dem Winter der Krise, wird Zeit sein, die Vortragsreihe des letzten Winters fortzusetzen׳ und die• Fortbildung der• Mitglieder zu verbessern. Die Verbandszeitiing soll künftig in verschönertem Gewände und zweisprachig (hebräisch und englisch) erscheinen und durch Verbreitung im ganzen Vorderen Orient und auch im übrigen' Ausland Zäignis von der Tüchtigkeit des jüdischen Ingenieurs in Palästina ablegen. Das neue Regime in ütauen und die Joden Kowno, 1. Januar. (J.T.A.) Unter den Stützen des neuen Regimes machen sich deutliche Zeichen einer antijüdischen Politik bemerkbar. Einer der ersten Beamten, der von der neuen Regierung entlassen wurde, ist der hervorragende jüdische Jurist Fried mann, der von der vorhergegangenen Regierung zum. Mitglied des juridischen Rates beim Justizministerium ernannt worden ist. Er ist unbestritten die hervorragendste Autorität für Kriminalrecht in Litauen. Ferner wurde die Schließung des jüdisehen Schlachthauses verfügt, was als ein Manöver der christlichen Demokraten aufzufassen ist, die den Fleischhandel den jüdischen Händen entwinden wollen. Führer der christlichen Demokraten haben eine Schlachthaus weit außerhalb der Stadt erbauen lassen. Die in der ausländischen Presse .gehrachte Mitteilung, die Regierung verhandle mit den Mindexhei’tsvertrctCrn über die Schaffung einer neuen Sejmmehrheit. wurden vom Amtsblatt dementiert. Iu der letzten' Sejinsifziing beantragte Abg. _ Dr. Robinson eine Erhöhung der Rabbinergehälter und eine Ausgleichung an die Gehälter der Geistlichen der übrigen Kirchen. Der Minister- Präsident erklärte, diese Forderung sei gerecht, er werde sic zu• befriedigen trachten. Jetzt aber kann man im Budget die Posten niefvt erhöhen. Gegenwärtig ist für alle Rabbiner Litauens eine Summe von 25 000 Lit ausgesetzt. Die jüdischen Sportvereine ״Nathan“ und ״Hakoah“ sind behördlich geschlossen worden. In der Provinz wurden zahlreiche Abteilungen des Sportverbandes ״Maccabi“ geschlossen. laden Räumlichkeiten des Hakoah-Klubs, der der Partei der Zionisten-Sozialisten nahesteht, wurde eine Haussuchung vorgenommen, woraufhin 20 Klubmitgiieder verhaftet wurden. Eine Abordnung des Maccabi-Kreises besuchte den Innenminister und bat um die Erlaubnis zur Wiedereröffnung der gänzlich unpolitischen Sportabteilungen. Der Minister versprach, das. Nötige zu veranlassen, ln, den letzten Tagen wurden abermals zahlreiche jüdische Arbeiter, Angestellte und Studenten verhaftet. Sie werden beschuldigt, Protestaufrufe gegen die Erschießung der vier Kommunisten verbreitet zu haben. Unter den Verhafteten befindet sich die Frau des erschossenen deutschen Kommunisten Greifenberger, eine Jüdin. Kowno, 28. Dezember. (J.T.A.) In einem Gespräch äußerte sieh der Vorsitzende der jüdischen Sejmfraktion, Dr. J. Robinson über die durch den Umsturz für die jüdische Bevölkerung Litauens geschaffene neue Lage. Es ist anzunehmen, daß der durch den Umsturz vom 17. d. M. geschaffene Zustand sich stabilisiert und daß durch eine Legalisierung _ oder Konstitutionalisierung — man nenne cs, wie man will — ein offener Bürgerkrieg dem Lande erspart bleiben wird. Die Arbeitsgemeinschaft der Minderbeiten existiert formell nicht mehr, was noch besteht, das ist die Gemeinsamkeit der Minderheitsinteressen. Die Stellung der neuen Regierung zu den Minderheits- Problemen ist noch nicht klar festgelegt. Was insbesondere uns Juden betrifft, so wissen wir, daß der jetzige Minister- Präsident, Prof. Wold ema ras, der Verfasser der bekannten Minderheitsdeklaration ist, die in Paris unterzeichnet wurde. In der heutigen. Sejmsitzung hat er der jüdischen Minderbeit in Litauen Lob gespendet. Ob er als Premier von 1927 dieselbe Linie verfolgen wird, wie als Premier von 1920, wird die Zukunft zeigen. Dr, Robinson erklärte seine An- Wesenheit bei den ersten zwei Sitzungen des Rumpf-Partaments damit, daß der Eindruck vermieden werden sollte, als stünde die ganze jüdische Gemeinschaft in Opposition zur neuen Ordnung. Die Stadtverwaltung Td-Awiw Von unserem Korrespondenten. AQ., Tef-Awiw, den 29. September 1926. Die Verhältnisse in der Stadtverwaltung Tef-Awiw kom* pürieren 'sich mehr und mehr. Um zu verstehen, wie die Verhältnisse liegen, ist es nötig, sich die Entwicklung der letzten Zeit ins Gedächtnis zurückzurufen. Bekanntlich ging die ,jLinke“ aus den vorletzten Wahlen mit der stärksten Fraktion hervor. Sie gab den Ausschlag in der Stadtverwat* tung und nach verschiedenen Zwischenfällen trat die Rechte 1m Zusammenhang mit der Abdankung des damaligen Bürgermeistere Dizengoff aus. Nach schweren Kämpfen mit der Partei der Hausbesitzer, die zum Eingreifen der Regierung und schärfsten Protesten weiter Kreise führten, blieb eine Art Rumpfparlament zurück. Die Sitzungen des Stadtrats In den letzten Monaten waren nicht mehr voll besetzt, und alles drängte darauf hin, diesem Zustand ein Ende zu machen und die Leitung der Stadt auf eine breite Basis zu stellen. Nur die extreme Rechte stellte sich abseits, indem sie nicht nur eine Koalition, sondern auch die Beteiligung an den Wahlen ablehnte, da die Regierung ihren Forderungen auf Beschränkung der Wahlberechtigten nicht in vollem Umfang Gehör geschenkt hatte. Die wirtschaftliche Lage im Lande, die sich in ihren Schwierigkeiten besonders scharf in Tel-Awiw auswirkt, bestärkte die Oeffentlichkelt noch in ihrer Ansicht, daß weitgehende Kooperation geraten sei, um ein regelmäßiges Eingehen der Steuern und eine gesunde städtische Wirtschaft zu garantieren. Unter diesen Auspizien ging die Bürgerschaft von Tel- Aviw vor einigen Wochen zu den Wahlen. Gleich nachdem die Resultate bekanntgeworden waren, wurden auf der Straße und in der Presse Bedenken laut, ob diese Kräfteverhältnisse eine Koalition gestatten. Es stellte sich bald heraus, daß diese Bedenken begründet waren, Es zeigte sich, daß der Stadtrat in der Hauptsache in zwei Teile zerfiel, die fast gleich stark waren. Der bürgerliche Block setzt sich aus den Demokraten, den Revisionisten, den Vertretern der vierten Alijah (Oie Polania) und Orthodoxen zusammen. Schon aus dieser Aufzählung geht hervor, daß dieses Konglomerat nicht in allen Fragen einheitlich stimmen wird, fn den ersten Wochen der Verhandlungen schien es, als ob eine Uebereinkunft zu erlangen sei, Da wurden jedoch die Fragen verschärft durch zwei äußere Ereignisse, die den Dingen die Möglichkeit nahmen, langsam auszureifen. Zuerst verlangte die Frage der Wahlbeteiligung der Tel-Awiwer Bürger in Jaffa eine sofortige Stellungnahme. Sie wurde beraten und in Angriff genommen, ohne daß die Probleme der neuen Stadtlei lung gelöst gewesen wären*). Unterdessen nahte jedoch der Schluß des Jahres 1926 heran und die Regierung drängte auf die Vorlage des Budgets für das kommende A r bei ts ja 11 r. Unter diesen Umständen wurden die Verhandlungen über die Verteilung der Departements unter die verschiedenen Flügel aus den geschlossenen Beratungen zwischen den Fraktionen in die Plenumsitzungen des Stadtrats verlegt. Sehr zuungunsten der zu lösenden Komplikationen. Unter dem Druck der Forderung des Gouverneurs, der eine Budgetvorlage innerhalb der nächsten drei Tage verlangte und in der überhitzten Atmosphäre, war es unmöglich, fruclitbare Arbeit zu leisten. Der bürgerliche Block scheint die Gelegenheit^ radikale Aenderungen in der Besetzung der wichtigsten Departements durchzuführen, nicht ungenutzt vorübergehen lassen zu wollen. Die Linke scheint ia dieser Beziehung nur zu einem gewissen Maße von Zugeständnissen bereit. Unter diesen Umständen ist es denkbar, daß d’C Upk« sich vollständig vpa der /le|fa«K״.det״£tadt zurucRatebi und dein bürgerlichen Block dfc Q6Schäf te vofIständig überläßt. Unterdessen vergehen die letzten Tage des laufenden Jahres. Sollte sich nicht in kürzester f Frist eis Ausweg finden, so wird der Bezirks goüve rneur auf eine Vorläge der Stadtverwaltung verzichten und. dem High Commissioner aus eigener Initiative ein Budget überreichen. Damit ist die Gefahr eines Eingreifens der Behörden in die Geschäfte der Stadt gegeben, und die Bedenken, die seinerzeit bei der Aufnahme der Anleihe durch die Regierung' erhoben wurden, gewinnen an Gewicht. Bis jetzt hat sich die Autonomie der Stadt trotz aller Schwierigkeiten noch fast völlig aufrechterhalten lassen. Bei einer Budgetierung durch die Behörden muß sich das notwendig ändern. Von der Entwicklung der skizzierten Verhältnisse in den nächsten Tagen wird für die Stadt Tel-Awiw vieles abhängen. Aber Tel-Awiw ist nicht nur der Konzentrationspunkt eines großen Teiles des gesamten jüdischen Jischuw, sondern auch ewissermaßen das soziologische Laboratorium für ic Struktur der palästinensisch-jüdischen Autonomie. Daher liaben diese Konflikte und Schwierigkeiten, die für den naiven Betrachter kleinlich, unverständlich und daher vielleicht unwichtig sind, Bedeutung und Interesse. Die Komplikationen der Munizipalität Tel-Awiw sind in hohem Maße nichts anderes als Lehrgeld für den Juden, der langsam lernen, muß, öffentliehe Angelegenheiten zu verwalten. Diese Kirnst lernt man nur aus der Praxis und, wie es scheint, nur aus den Fehlern der Praxis. Diese Fehler haben uns schon oft harte Nüsse zu knacken gegeben und es Ist zu fürchten, daß diese Nuß der letzten Konflikte in Tel-Awiw härter sein wird als irgendeine. Die Araber und die palästinensische Anleihe Der arabische ״Felestin“ schreibt über die pa'ästinensische Anleihe, die vom englischen Parlament kürzlich genehmigt wurde: ״Die Anleihe wird Palästina nichts nützen, sondern nur den Engländern und den Juden Vorteil bringen. Wenn die Regierung das Wohl des Landes ernsthaft fördern wollte, würde sie die Mittel der Anleihe in Unternehmungen des Landes anlegen, die seinen Reichtum vergrößern. Die Zionisten erhalten durch die Anleihe vor allem die Gewähr, daß England40Jahre im Lande bleibt, sie erreichen ferner die Beschäftigung ihrer Arbeitslosen, die sonst das Land verlassen würden....“ Die zionislische Exekutive juristische Person Jerusalem 29. Dezember. (P.C.) Das Jaffaer Bezirksericht hat am 13. Dezember ein Urteil erlassen, wonach le zionistische Exekutive nach dem palästinensischen Gesetze eine juristische Person ist, nachdem ihr Status durch den Gegner angezweifeit worden war. Der Gerichtshof wies darauf ön, daß die Bezeichnung der Zionistischen Organisation als Jewish Agency in! Volkerbundsmandate sie als eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes qualifiziert und daher nicht dem Gesetze bezüglich Eintragung in das Gesellschaftsregister in Palästina unterliegt. •) Es ist vielleicht in diesem Zusammenhang erwähnenswert, daß die rechtsstehende Presse heftig gegen die frühere (sozialistische) Stadtverwaltung zu Felde zieht, der sie vorwirft, die Lostrennung Tel-Awiws von Jaffa begünstigt zu haben, um die Arbeiterherrschaft in Tel-Awiw zu befestigen. Ein Beweis für diese von den Angegriffenen bestrinene Behauotung wurde nicht erbracht *־־ A. d, Red, Die Beschlüsse der Revisionisten Paris, 3. Januar. (J.T.A.) Die zweite Konferenz der Revisionisten nahm folgende Resolutionen an: A. Politische Resolutionen (Antrag Jabotinsky): 1. Die Grundursache für die gegenwärtig in Palästina herrschende WirtschaftskrisLs kann weder im ״Jischuw“ gesucht werden,, dessen soziale Schichten alle eine beachtenswerte Aufbauenergie an den Tag gelegt haben, noch im jüdischen Volk im allgemeinen, das sehr beträchtliche Geldsummen für Palästina geopfert hat; die Ursache ist zum Teil in der Unf ä h i g k ei t der zionistischen Exekutive, meist aber in dem antikolonisatorischen Charakter des Staatliehen Regimes in Palästina zu suchen. 2. De Konferenz erhebt die Forderung nach radikalen Reformen, die geeignet wären, das gegenwärtige Regierungssystem in ein staatskolonisatorisches Regime umzuwandeln; insbesondere Reformen auf agrarischem Gebiet mit dem Ziele, aus dem gesamten unbebauten Boden Palästinas einen Reservebodenbesitz zu schaffen; Reformen auf dem Gebiete des Zoll- und Steuerwesens zwecks Schutzes der lokalen Industrien; mit dem ״Reserveland“ als Sicherheit soll eine nationale jüdische Anleihe für die Bedürfnisse der Kolonisation unter offizieller Garantie aufgelegt werden; das jüdisehe Element soll im Staatsdienste entsprechend vertreten sein; die jüdische Legion soll wieder aufgestellt werden. 3. Die Bestreitung der Kosten des öffentlichen Unterrichts in der nationalen Sprache der Bevölkerung ist Staatspflicht; die gegenwärtige Situation, wo die Zionistische Organisation das gesamte Schulbudget des ״Jischuw“ tragen muß, Ist unerträglich. Das jüdische Schulnetz muß als eine staatliche Institution anerkannt werden. Im Regierungsdepartement für Unterricht muß eine autonome jüdische Abteilung geschaffen werden, die Kosten des Unterhalts der hebräischen Schulen müssen als ein Posten im Staatsbudget erscheinen. — Ebenso muß das jüdische Gesundheitswesen verstaa‘licht werden bei gleichzeitiger Schaffung eines autonomen Büros. B. Jewish Agency-Resolution. 4. Die Konferenz lehnt das Projekt der Erweiterung der Jewish Agency definitiv ab; unter den gegenwärtigen Bedingungen ist eine organisatorische Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten nur in rein Wirtschaftliehen Fragen möglich, wogegen das politische Vorrecht der Agency dem zionistischen Kongreß gewahrt bleiben müsse. C. Wirtschaftsresolution. 5. De Konferenz billigt die Entschlüsse der letzten Konferenz der Revisionisten Palästinas: das ״Soskin-System“ der intensiven Wirtschaft soll die Basis der landwirtschaftlichen Kolonisation sein. De finanzielle Energie des Zionismus, die sich bisher in Sammlungen charitativen Charakters erschöpfte, soll von jetzt ab der Schaffung eines Bankn e t z e s zugewendet werden in der Weise, daß die Ersparnisse der Juden von den Ländern der Daspora nach Palästina eleltet werden, auch vermittelst Versicherungsgesellschaften, ie ihre Reserven in Palästina investieren. In den Märkten der Diaspora-Länder soll Absatzmöglichkeit für die jüdische landwirtschaftliche und industrielle Produktion in Palästina geschaffen werden. D. Hebräische Sprache und Kultur. 6. De Konferenz sieht in der Hebraisierung des geistigen Lebens des jüdischen Volkes ein Hauptelement des noü!se ien Zionismus. Die leitenden Organe der Partei werden aufgefordert, Institutionen zu schaffen wie a) eine allweltliche , Gesellschaft de!“ ״Freunde, des. hebräischen Buches“ auf der! Basis jährlicher PHiebtabonnements und eines alle hebräischen " Verlage in Palästina zusamraenfassenden Zentralverlags; b) eine allweltliche Gesellschaft der hebräisch Sprechenden (Dowre iwrith); c) eine Sachverständigen-Kommlssion für Revision der Orthographie und des ,,Nikud“ (Interpunktion) in der Volksliteratur; d) eine Kommission für Revision des Lehr- Programms in den palästinensischen Schulen. E. Außenpolitik. 7. Gemäß der Resolution der Konferenz von 1925, laut der die Partei der Revisionisten das Recht für sich in Anspruch nimmt, die öffentliche Meinung und die maßgebenden Faktoren der verschiedenen Länder im Sinne der revisionistischen Forderungen aufzuklären, ermächtigt die zweite Konferenz der Revisionisten die Parteiorgane, diesen Beschluß zur Durchführung zu bringen, dabei aber die Vorrechte der zionistischen Exekutive zu respektieren. 8. In einer besonderen Resolution wird gegen die Verfolgung der Zionisten in der Sowjet-Union protestiert. ' * Gemäß den Beschlüssen der zweiten Konferenz der Revisionisten wird die Organisation ״ähnlich derjenigen der Zionistisehen Organisation vor dem Kriege“ aufgebaut. Es wird ein 33gliedriger Zentralrat gebildet, der dem Herzischen ,,Großen Aktions-Comite“ entspricht, und ein Präsidium, welches sich aus■ Wladimir Jabotinsky als Präsidenten des Zentralrats und den Herren Meir Grbßmann, Richard Lichthcim und Wladimir T c in k i n als den Vizepräsidenten zusammensetzt. Dieses Präsidium entspricht dem einstmaligen ״Engeren Aktions-Comitö“. Der Sitz des Zentralbüros wird Berlin sein; das Büro wird unter der Leitung des Herrn Lichtheim stehen, der seine Aufmerksamkeit insbesondere auf die drei Hauptprobleme zu richten haben wird: Organisation, Finanzen, Wahlen zum XV. Zionisten-Kongreß. Deses Arrangement dauert bis zum kommenden Zionisten-Kongreß. In den ״Zentralrat“ wurden für Deutschland folgende Vertreter gewählt: Arnsberg, Dr. J. Brutzkus, Ettisch, Klinoff, Lichtheim. Die Wirtschaftskommission steht unter der Leitung der Herren Gepstein, Soskin und Jevzeroff. De Vereinigung der revisionistischen Jugend ״Brith Trumpeldor“ in Riga wird beauftragt, Vorbereitungen zur Organisation eines Weltverbandes ״Brith Trumpeldor“ zu treffen. Wir werden auf die Beschlüsse noch zurückkommen. Paris, 30. Dezember. G. T. A.) Jacob Kahan hielt das Referat über Erziehung. Er tadelte es, daß die Zionistische Organisation in der Frage der Hebraisierung des Schulwesens nicht aktiv genug vorgehe. Er befürwortete eine intensive hebräische Kultur- und Erziehungsarbeit in der ganzen Welt, die Schaffung einer Weltunion der Hebraisten und eines Fonds zur Förderung des hebräischen Schrifttums und zur Unterstützung der hebräisehen Schriftsteller. Dr. T r i v u s referierte über das zionlstische Finanzsystem. Er bemängelte, daß die gegenwärtigen Methoden der Geldaufbringung für den Palästina-Aufbau noch immer die Methoden von Womtätigkeitsunternehmungen nicht verlassen haben. Es muß in der ganzen Finanzgebarung und im inneren Wirtschaftssystem aas Geschäftsprinzip Platz reifen. Es muß eine Aktion durchgeführt werden, die die rhöhung des Aktienkapitals der jüdischen Kolonialbank *um Ziele hat, und zwar soll das voileinezahtfe Aktienkapital auf die Summe von zwei Millionen fund gebracht werden. Herr Jacobi skizzierte den Plan der Anlage von Versicherungskapital in Palästina und befürwortete eine großzügige Hande'.spropaganda für Palästina in der ganzen Wett.