Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1927)
- Date
- 1927-01-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Rentabilität und Konsolidierung Erwiderung auf die Ausführungen Dr. van Vriesiands. Von Kurt Ruppin, Berlin. Drei Forderungen habe ich in meinem Aufsatz in Nr. 95 der ״Jüdischen Rundschau" vom 3. Dezember 1926 aufgestellt: 1. ungesäumter Abschluß der Verträge mit den Siedlern; 2. Beschleunigung der Konsolidierung der bestehenden Siedlungen, welche meines Erachtens nur möglich ist, wenn es dem Keren Hajessod gelingt, eine Anleihe von £ 200000 aufzunehmen; 3. keine Neukoionisation, solange die Mittel zur Fertig- Stellung des bestehenden Siedlungswerks nicht gesichert sind. In der nächsten Nummer der ״Jüdischen Rundschau" erschien bereits eine Mitteilung, daß eine Neuaasiedlung von 0מ Familien beschlossen worden Ist, wodurch die zu 3 aufgestellte Forderung bereits zur Unmöglichkeit gemacht wird. In Nr. 102/103 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 30. Dezember 1926 sucht nun Herr van Vriesland nachzuweisen, daß ich mich bei meiner Anleiheforderung um eine Null vergriffen habe, daß diese Anleihe von £ 200 000 eine Unmöglichkeit ist und seine Bemühungen in Amerika lediglich zu dem Resultat geführt haben, eine Summe von £ 20000 für Kredite an rentable Wirtschaften zur Verfügung gestellt zu bekommen; diese Summe jedoch konnte bisher auch noch nicht angelegt werden, da das zionistische Siedlungswerk rentable Wirtschaften, die einen Kredit von £20000 aufnehmen könnten, nicht aufweist. Nach den Ausführungen des Herrn van Vriesland ist also eine Beschleunigung der Konsolidierung solange unmöglich, als die bestehenden Siedlungen nicht den Nachweis der Rentabflität in der Praxis erbracht haben. Ich stimme selbstverständlich mit Herrn van Vriesland darin überein, daß die Rentabilität des Betriebes die Voraus- Setzung der Aufnahme eines landwirtschaftlichen Kredites ist. Wann aber kann sich dis Rentabilität eines landwirtschaftliehen Betriebes in der Praxis erweisen? Meiner Ansicht nach nur dann, wenn in diesen Betrieb dasjenige lebende und tote Inventar investiert ist, welches dieser Betrieb nach einem Vorher aufzustellcndcn Wirtschaftsplan erfordert. In unserin Siedlungswerk ist fast durchweg diese Voraus- Setzung noch nicht erfüllt. Die Siedlungen haben fast ohne Ausnahme noch nicht das erhalten, was ihnen nach dem Plan der hierfür eingesetzten Kommission zusteht. Die Kolonisationsinstanz kann aber von dem Siedler Amortisation und Verzinsung erst verlangen, wenn sie ihm völlige Ausrüstung für den Betrieb gegeben hat und sie muß alle Anstrengungen machen, um dieses Ziel in kürzester Zeit zu erreichen, damit die Voraussetzungen geschaffen werden, welche den Betrieb im Sinne der Ausführung des Herrn van Vriesland kreditfähig machen. Sind nun seitens der Kolonisationsinstanz alle Wege versucht worden, um den Prozeß der Konsolidierung in der kürzesten Zeit durch zu führen? Ich habe in meinem Aufsatz der Ansicht Ausdruck geben Wölfen; daß es dem Keren Hajessod auf Grund seiner heutigen Eingänge möglich sein muß, von einem zfcmiphilen Geldgeber ein Darlehen von £ '233033 für Konsolidierung zu erhalten, welches in fünf Jahresraten von £ 40000 plus Zinsen rückgezahlt werden soll. Ich glaube, daß heute von keiner Seite bezweifelt werden kann, daß der Keren Hajessod in den nächsten fünf Jahren in der Lage sein wird, eine solche Verpflichtung mit 100 prozentiger Sicherheit zu erfüllen. Als Nachweis seines heutigen Vermögens sollte der K. H. bei der Suche um Kredit die Verträge mit den Siedlern vorlegen können, welche nach der Schätzung von heute Werte im Betrage von etwa £ 350 000 aufweisen werden. Welche Bedingungen dann der Geldgeber stellen wird, ob er verlangen wird, daß auf seinen Namen erste Hypotheken auf die bestehenden Gebäude eingetragen werden oder ob er sich mit einer Verpfändung der Verträge begnügen wird, darüber habe ich nichts zu sagen vermocht. Ich weiß nur, daß bei dem heutigen Stand des landwirtschaftlichen Budgets in Höhe von £ 123 000 fünfmal jährlich £ 100000 die Konsolidierung JUET5TSCHI R0H15SCHÄÜ *msrzssr&src$smsmsr3*<3svcssf23tst®1srz2srz^* r TV® jüdisch• Welt ist durch den Tod 3 m LJ Ach ad Haarns, des bahnbrechenden jüdischen U W Denkers unserer Zeit und Erneuerers des hebräischen js ra Schrifttums in tiefe Trauer versetzt worden. Die R S Unterzeichneten Körperschaften rufen gemeinsam die jjv Q Judenschaft Berlins zu einer 3 I Adiad Haam-Gedenhieier 1 ft auf, welche am Sonntag, den 9. Januar, vorm. 12 Uhr S P im großen Saal des Logenhauses, Kleiststr. 10 stattg u findet. j| | PROGRAMM DER FEIER; 8 II. El mole rachamim . . Leo Gollauio re 2. Gedenkreden; Martin Buber, Prof. Dr. Gutt- Q mann von der Hochschule für die Wissenschaft 3 des Judentums, Professor Simon Dubnow, re Dr. Jakob Klatzkin. jjo Zionistische Vereinigung für Deutschland Berliner Zionistische Vereinigung re Akademie für die Wissenschaft des Judentums ja Hochschule für die Wissenschaft des Judentums R Freie Jüdische Volkshochschule Beth Waad Iwri nicht weiter bringen werden als £ K0(KM), die jetzt flüssig gemacht werden. Es liegt also im höchsten Interesse der rationellen Verwendung der K. H.-Oelder, wenn für die Konsoiidierung die Aufbringung einer solchen Anleihe möglich ist. Leider zeigt Herr van Vriesland keinen Weg, wie er sich die Finanzierung der Konsolidierung vorsteüt, und ich glaube, daß hier Ln seinem Aufsatz eine Lücke vorhanden ist. Seine Kritik über meinen Plan einer Neukolonisation nehme ich gern hin, denn in der Tat glaube ich, sehr optimistisch, vielleicht etwas leichtsinnig, den Vorschlag der Ansiedlung von 1000 Familien in den nächsten drei Jahren gemacht zu haben. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur anführen, daß ich die Inangriffnahme der Neukolonisation erst dann für erlaubt und möglich bezeichnet habe, wenn die Mittel zur Konsolidierung der bestehenden Siedlungen (ich beziffere sie auf £ 450 000) endgültig sichergestellt sind. Eins jedenfalls steht fest: die Aufbringung von Krediten auf Basis der Rentabilität der Betriebe wird erst möglich sein, wenn diese Betriebe wirklich fertiggestellt sind und bei den heutigen Ziffern des Budgets würde dies mindestens vier bis fünf Jahre dauern und eine wenig rationelle Verwendung der Gelder mit sich bringen. Ich hoffe, daß diese in der ״Jüdischen Rundschau" geführte Diskussion jedenfalls die Notwendigkeit einer Konsoiidierungsanleihe erwiesen hat. Unsere verantwortlichen Finanzleute müssen meines Erachtens sofort, nachdem die Vertrage mit den Siedlern abgeschlossen worden sind, in Amerika alle Anstrengungen darauf richten, für den Keren Hajessod eine solche Anleihe, oder falls dieses Wort stört, bin ich bereit, ״einen solchen Vorschuß“ zu sagen, flüssig zu machen. Nene Landkäule in Judäa Der Keren Kajemeth hat in der Nachbarschaft von Rechoboth und Ness-Ziona neuerlich Land angekauft. Es handelt sich um den Boden von Zaranuga, der ungefähr 2000 Dunam umfaßt. Ein Teil dieses Bodens wira den Jemeniten von Schaorajim zugewiesen werden, während der Rest für die landwirtschaftliche Versuchsstation bereitgestellt wird, wo aus Mitteln des Keren Hajessod eine Baumschule für Fruchtblume angelegt werden soll. Seite 9 Der Kampf der Teduiikersdiaft in EreZ'Israel Von Dipl.-Ing. Alfred Berliner, Tel-AwSw. Der Aufruf des Verbandes der Ingenieure und Architekten in Palästina vom 1. November v. J., der durch alle jüdischen Zeitungen der Welt ging, hat du erhebliches Echo gefunden. Denn die Tatsadie, daß sowohl der Bau der Universititsbibliothek als auch der übrigen Institute, soweit sie in der nächsten Zeit errichtet werden sollen, ohne jeglichen Konkurs einem nicht jüdischen Architekten übertragen wurde, Ist nicht nur an sich sehr befremdlich, sondern bedeutet auch eine Desavouierung der gesamten Technikerschaff Palästinas. Die Frage, was sich hinter den Kulissen abgespielt habe, kt nur zu begreiflich. Aus den folgenden Ausführungen wird jedoch hervorgehen, daß hier keine geheimen Dinge vor sich gegangen sind, sondern daß einfach durch Zufall ein Mann gewählt wurde, dessen normale Fähigkeiten als Architekt niemand anzweifeln wird, der jedoch keinen irgendwie besonderen Ruf als Kapazität, auch in England nicht, besitzt, sondern nur das Glück hat, Schwiegersohn von Professor Geddes zu sein. Dieser hat bekanntlich vor drei Jahren auf einen Ruf von Professor Weizmann hin Palästina bereist, eine Reihe von Bauplänen entworfen und unter anderem auch einen allgemeinen Entwurf der Universität gemacht. Auch hierüber bestand eine Diskussion. Seitdem sie geschlossen ist, hat das weitere Schicksal der Ausführung־ dieses Entwurfes ein um so größeres aktuelles Interesse. Am 20. April 1924 rief Herr Jacobus Kann als Vorsitzender der Wolffsohn-Stiftung eine Reihe von namhaften Architekten Palästinas zu einer vorbereitenden Sitzung zusammen. In dieser Sitzung, die am 28. desselben Monats stattfand, wurde ein Ideenwettbewerb für das Bibltetbeksgebäude beschlossen, wobei Dr. Magnes, der jetzige Vorsitzende des Universitätskuratoriums, glaubte, ״der Wettbewerb müßte international sein, es genügt die Gewißheit, daß die Arbeit von jüdischen Arbeitern geleistet wird“. (Siehe Protokoll.) Nachdem die Exekutive durch ein Telegramm von Dr. Eder erklärt hatte, daß ״das Programm von Geddes das allgemeine Programm für den Bibliotheksbau ist und kein neues Programm notwendig ist“, wurde in einer Sitzung desselben Architektenausschusses vom 31. Mai 1924 Herr Architekt Kornberg beauftragt, ein Vorprojekt für den Bibliotheksbau auszuarbeiten, das als Grundlage für das Preisausschreiben dienen sollte. Dann fand noch eine Sitzung am 24. Juni statt, in der Dr. Magnes vorschlug, ,,einen amerikanischen Architekten zum Preisrichter zu machen, sowohl wegen der großen Erfahrung der Amerikaner im Bibliotheksbau als auch wegen der guten Wirkung, welche die Sache in Amerika hätte“. Außerdem wurden Mr. Harrison, ein Vertreter der Wolffsohn* Stiftung, Herr Geddes und Dr. Hugo Bergmann als Sekretär in Aussicht genommen. Dann wurden die Teilnehmer des obigen Ausschusses am 25. Juni zur Angabe ihrer Unkosten aufgefordert und damit Schluß der Vorstellung. Kein Preisausschreiben, kein Ideenwettbewerb fand statt, sondern eines Tages vernahm die staunende oder vielmehr gleichgültige Oeffentlichkeit, daß Herr Architekt Mears, Schwiegersohn von Prof. Geddes, die Pläne der Universität fertigstellt, den Neubau leitet, daß er ferner die Bauleitung der übrigen Institute übernommen hat. Der Architektenbund und der Verband der Ingenieure und Architekten, die heute eine Arbeitsgemeinschaft bilden und in sich fast die gesamte Technikerschaft des Landes verkörpern, protestierten gegen dieses Vorgehen. Auch die jüdischen Techniker der Weit, unter denen es immerhin einige von Weltruf gibt, haben kein Verständnis für dies einzigartige Vorgehen. Und wenn schon die maßgebenden Herren glauben, daß sich unter den Juden kein Architekt finden wird, der würdig wäre, nach dem festgelegien Entwurf des Professors Patrick Geddes die Gebäude der Universität auszuführen, dann ist doch unverständlich, warum nicht durch einen Konkurs der geschmackvollste und tüchtigste internationale Architekt ausfindig gemacht wurde. Was darf man bei solchem Vorgelieu unserer eigenen Behörden von der englischen Verwaltung in Palästina verlangen? Auch gegen sie richtet sich die Front der jüdischen Ingenieure ״Zum Roman Tage und Nächte“ Bemerkungen von Rabbi Benjamin (Radler-Feldmann), Jerusalem. ln Nr. 85 der ״Jüdischen Rundschau“, erschien eine Kritik von E. Scholem über den Bistritzk'ysehen Roman ״Tage und Nachte“. Die Redaktion schickte dem Aufsatz eine Anmerkung voraus, in der sie sowohl den Wert der hebräisehen Literatur für ״unsere nationale Renaissance“ als auch die Notwendigkeit einer ״verantwortlichen Kritik“ auf diesem Gebiete hervorhob. Es bleibt die Frage, ob der Aufsatz von E. Scholem unter dem Begriff ״verantwortliche Kritik“ subsumiert werden kann. Dem Unterzeichneten, der seit Jahrzehnten gleicherweise zu den hebräischen Schriftstellern wie zu den hebräischen Lesern gehört, sei es verstattet, diese Frage mit Nein zu beantworten. Wie auch immer unser Verhältnis zu dem betreffenden Roman oder zu aßen Strömungen der hebräischen Literatur sein mag — eines ist mir völlig klar: in der Form, wie E, Scholem es tut, darf man die hebräische Literatur nicht dem der Materie unkundigen Leser vor Augen halten. Man darf es nicht, weil diese Art nicht der Wahrheit entspricht; weil diese Art der Kritik dem Gegenstände selber fremd gegenübersteht Der ganze Aufsatz beweist, daß hier ein Außenstehender über eine Sache urteilt, mit der er innerlich nicht verknüpft ist. Um über ein neues Buch ein Urteil zu fällen, ist es nicht genug, zu wissen, daß Knut Hamsun, Brenner und Agnon bedeutende Schriftsteller sind. Schon die Einleitung des Aufsatzes befremdet Die Kritikerin sieht nämlich den Wert eines neuen Romaaes in der Versorgung derer, die nur hebräisch lesen können, mit neuem ״Lesestoff“'). Wie oberflächlich ist solche Wertung! Zudem: niemals gab es soviel hebräischen ״Lesestoff‘ wie heute, sei es in Ueber- Setzungen, sei es im Original. Wer jedoch in der Sache drinsteht und mit dem hebräischen Roman seelisch verknüpft ist, •) Hier liegt ein Mißverständnis vor. Gerade diese Auffassung wurde von £. Scholen ab gelehnt (A. d. £.). wertet vollkommen anders. Seit Mapu, Smolensky, Brodes, Brandstetter u. a. gibt es eine Eigengeschichte des hebräisehen Romans und seiner Helden. Es handelt sich hier nicht darum, wie eine schöngeistige Leserin ihre Zeit mit ״Lesestoff“ totschlägt, sondern vielmehr darum, inwiefern uns ein neuer Roman neue Züge im Antlitz des jüdischen Menschen aufdeckt. Und wenn Bialik und andere von zahlreichen Kapiteln des Romans ״Tage und Nächte“ ehrlich begeistert sind, so ist dies ein Zeichen, daß in jenen Kapiteln zu dem bisherigen Bestand der hebräischen Literatur etwas Neues hinzugefügt worden Ist. Es ist nicht meine Absicht, hier den Roman von Bistritzky einer allseitigen Analyse zu unterziehen. Das ist zu einem erheblichen Teil bereits durch andere in der hebräischen Presse geschehen. Aber selbst einer der strengsten Kritiker gesteht die künstlerischen Fähigkeiten des Verfassers zu und erkennt an, daß soundso viele Seiten des Buches hinfort einen Platz in unseren Lesebüchern finden müssen. Und in der Tat: neben der Musik der Sprache, die auch E. Scholem empfindet, enthüllt sich in dem Roman vor allem ein zeichnerisches Talent in der Schilderung der zahlreichen Landschaftsbilder, die das ganze Buch durchziehen. Ich will mich jedoch auf die folgende Bemerkung beschränken: Die strenge Kritik, die über das Buch ergossen worden ist, hat ihren Ursprung darin, daß der Verfasser eine Gemeinschaft empfindsamer junger Menschen schildert, so wie sie sind, ohne daß er zu erkennen gibt, inwieweit er selbst sich auf einer anderen Ebene befindet, und ohne daß er seine Figuren humoristisch oder ähnlich ausnutzt. Vielleicht ist dies wirklieh ein Mangel; vielleicht hätte der Verfasser wirklich nach einem andern Rezept arbeiten sollen als nach dem, das er in seinem Herzen trägt. Aber mir scheint, daß Bistritzky nicht der erste Schriftsteller ist, der in seinen ersten Werken diese Sünde begeht Mir scheint, daß es hier genügt, an die ״Leiden des jungen Werther“ zu erinnern. AD das Ablehnende, das sich in dem erwähnten Aufsatz über ״Tage und Nächte“ befindet, könnte mit dem gleichen Recht auch auf den Erstlingsroman von Goethe gesagt werden. Diese Dinge wurden sogar seinerzeit auch ausgesprochen; nur, daß sie dennoch die positiven Seiten des Wertherromanes nicht um Haaresbreite minderten. Vergleiche ich also ״Tage und Nachte“ mit ״Werthers Leiden“? Nein; ich vergleiche nicht die Romane; ich vergleiche nur die Kritiken. Ich bin der Ansicht, daß Wegwerfung und Spott keine wahrhafte, keine verantwortliche Kritik sind. Für uns lautet die Frage, wieweit die Figuren Bistritzkys eine Fortsetzung der Figuren Mapus und Smolenskys sind. Mit andern Worten: inwieweit der Schöpfer des zukünftigen hebräischen Romans auch die Station ״Tage und Nächte“ passieren muß. Ais der literarische Kreis, dem Bistritzky nahesteht, vor einigen Jahren versuchte, iu Form von Aufsätzen in dem Sammelbuch ״Kebiliijatenu“ sein Credo abzulegen, war ich vielleicht der einzige, der diese Strömung in einem der ״Hatekuphah“-Bände streng kritisierte. Was aber der Dichter von der seelischen Verfassung des jüdischen Jünglings in gewissem Alter und gewissen Typen schildert — das interessiert mich außerordentlich —, wenn cs mich auch nicht erfreut Eine Tür hat sich vor mir aufgetan zum Verstindnis von Stunden und Zuständen; es offenbarten sich mir Ausdrücke und Ausblicke, die man mit dem Rüstzeug der Geringschätzung nicht aus der Welt schaffen kann. In einer der letzten Nummern der ״Jüd. Rundschau“ hat Arnold Zweig die Uebersetzüng der Hymnen des Jehuda Haie vi von Franz Rosenzweig besprechen. Er hat die erste Auflage des Werkes zugrunde gelegt Die zweite Auflage, die der Verlag Latnbert Schneider, Berlin-Dahlem, in prachtvollem Druck und tadelloser Ausstattung besorgt hat, ist wesentlich bereichert. Sie enthält zweiundneun zig Gedichte und Hymnen, während die erste Ausgabe nur 60 Dichtungen umfaßte. Das Werk, dessen Vorzüge hier Zweig gewürdigt hat, zeigt dem deutschsprachigen Leser zum ersten Male den großen hebräischen Dichter in seiner wahren Gestalt. Es ist auch seiner äußeren Ausstattung nach ein sehr geeignetes Geschenkbuch.