Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1927)
- Date
- 1927-01-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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* Nr. I JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 3 Die Außeoiront der jttdischenWirtsdialt Von Heinrich Margulies, Tel-Awiw*). Aufgabe der Kolonisation wäre es gewesen, zunächst die nichtjüdische Wirtschaftsfront in Palästina zu erkennen und den eigenen Vormarsch ihr anzupassen. Statt dessen haben wir, genau so wie wir es bis zum Kriege mit der politischen Seite der Araberfrage getan haben, die wirtschaftliche Araberfrage noch bis heute völlig ignoriert. Wir haben uns blind auf Palästina gestürzt wie auf eine Robinson-Insel und irgendwo angefangen, Kolonien zu gründen. Dann haben wir zu dieser romantischen Planlosigkeit Kommentare geschrieben, die mit einem Hinweis auf die sittliche und hygienische Notwendigkeit der Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft begannen, um später ins Nationalökonomische hinüberzuschillern und nun zum Ausdruck zu bringen, daß Palästina nur demjenigen gehören könne, der die landwirtschaftliche Urproduktion betreibe. Damit parallel ging die Theorie von der sozialen Umschichtung der Juden aus einem Volk von Händlern in ein Volk mit organischer sozialer Struktur, worunter man ein Volk mit mindestens 10- ״ landwirtschaftlicher Bevölkerung verstand. Theorien und Sentiments, die schön und richtig sein mögen — aber am Kern der Sache gingen sie vorbei, nämlich an der Frage, wie erobere ich die Wirtschaft Palästinas und wie verhindere ich, daß sie in die Hände der Araber oder sonstiger Nichtjuden gerät? In bezug auf diese Frage war man, sehr oberflächlich, der Ansicht, daß die Araber eine sehr primitive Wirtschaft besäßen und aus eigener Kraft nicht in der Lage wären, das Land zu entwickeln — folglich: daß es d*n Juden leicht fallen würde, mit ihrem überlegenen Niveau an Wissenschaft- | licher, technischer und kapitalistischer Entwicklung blühende Oasen in dieser vernachlässigten Wirtschaft zu schaffen. Man war ohne weiteres davon überzeugt, daß wir die wirtschaftliche Oberschicht des Landes werden würden ebenso wie die kulturelle. Ein Blick auf die gegenwärtige Lage des Landes zeigt, daß das Gegenteil eingetroffen ist: wir haben ein Land mit einem erstaunlichen wirtschaftlichen Aufstieg, einen Aufstieg primitiver Landbevölkerung• zu Wohlstand, Luxus, Häuser- und Autokultur, maschinellem, technischem und industriellem Fortschritt, zu Sc.11111- und Universitätsbildung, freien Berufen, Presse und Literatur, großen Staatsübcrschüssen — und inmitten dieses Aufstieges bilden die jüdischen Positionen diejeuigen, die daran nicht partizipieren, aus der Borg- und Defizit- Wirtschaft nicht herauskommen, völlig in der Luft schweben und von jedem Windhauch erschüttert werden. Wie war das möglich? Wir haben völlig die Frage außer acht gelassen, ob [wir mit unserem Kolonisationssystem nicht etwa lediglich die Pioniere der arabischen Wirtschaft werden, die Förderer und Entwickler gerade derjenigen Wirtschaft, auf deren Primitivität und Unfähigkeit allein wir die Erwartung aufgebaut hatten, das Land wirtschaftlich okkupieren zu können und die wirtsrhaftliche Oberschicht zu bilden. Und wir haben völlig außer acht gelassen die Frage, inwieweit nicht ein Verbleiben der arabischen Wirtschaft in der früheren vorkapitalistischen primi» tiven Form die Voraussetzung für unser Aufbauwerk bildete. Und da wir diese Frage ungeklärt ließen, kamen wir nicht nur dazu, daß wir uns notgedrungen abfanden mit dem Hineinpumpen von Geldern in die arabische Wirtschaft, wo es unvermeidlich war (Bodenkauf), sondern wir kamen auch dazu, eine Theorie zu akzeptieren, bei welcher wir planmäßig die arabische Wirtschaft zu einer kapitalistischen Wirtschaft hinaufzüchten mußten: Hebung des allgemeinen Lohnniveaus, Erziehung der arabischen Arbeiter zur Gewerkschaftspolitik. Diese letztere Theorie ist, da sie eine freiwillige Theorie ist und unserer unzulänglichen Kenntnis der Dinge mehr entspringt als den wirtschaftlichen Notwendigkeiten, der gefährlichsfe Punkt unseres Systems, und zuerst muß man hierin Klarheit schaffen und sehen, was dann noch an unfreiwilligen und unvermeidbaren Dingen übrig bleibt. Es ist außerordentlich zu bedauern, daß ein Mann wie Oppenheimer in einem Bericht, in welchen er seine ganze Autorität in Siedlungsfragen hineinlegen konnte, zu dieser — abseits der Siedlungsprobleme liegenden — Frage Meinungen geäußert hat, <1.ד völlig mit jener erwähnten und *1 Der Verfasser setzt hier seine in Nr. 100/101 und 102/103 des vorigen Jahrgangs begonnene Kritik fort. — Red. I Jahre 1884 trat die entscheidende Wendung in seinem Leben ein. Bei einem zweiten Besuche Odessas kam er mit dem damals gegründeten, unter Leitung Dr. Leo Pinskers stehenden Verein der Chowewe Zion in Berührung. Er schloß sich diesem Verein sofort an und gelangte in ihm bald zu einer führenden Stellung. Als die Kattowitzer Konferenz die Chibbath-Zion-Bewe״ung auf eine philanthropische Grundlage stellte, trat Achad Haam gegen diese Bestrebung in Opposition und scharte um sich einen kleinen Kreis von Gesinnungsgenossen mit dem Ziele, die Chibbath-Zion-Bewejung zu einer umfassenden, nach innen gerichteten Renaissance- Bewegung des Judentums zu entwickeln. Dieser zahlenmäßig kleine Kreis von Menschen drängte Achad Haam, seine Anschauung über die Chibbath-Zion zu veröffentlichen. Und Achad Haam veröffentlichte 1839 in der Zeitschrift ״Hameliz“ seinen berühmt gewordenen Aufsatz ״Nicht dies ist der Weg“ (zum ersten Male unter seinem Pseudonym). In diesem Aufsatz führte Achad Haam aus, daß der Besiedlung des j Landes die Erziehung des Volkes vofanzugehen habe. Gegen; diesen Artikel und den von Achad Haam geschaffenen Jeheimbund ״Bne Mo sch eh“ erhob sich im Lager der Chowewe Zion heftige Opposition, der Achad Haam durch 3 neue Artikel entgegentrat. Im Jahre 1891 besuchte Achad ' Haam Palästina und veröffentlichte seine Eindrücke vom Lande ’ n dem zweiten berühmten Artikel des ״Hameliz“, ״Wahr- }!eit aus Palästina“. 1893 besuchte Achad Haam erneut Paf ästina und berichtete wiederum über seine Eindrücke im Lande. Daneben beschäftigte er sich eingehend mit philo- *>phischen Studien. 1896 begann er, die Zeitschrift ״Haschi-!oach“ herauszugeben. In dieser Zeitschrift führte er gegen; iie von HerzI entfachte Bewegung des politischen Zionismus j /inen heftigen Kampf, weil nach seiner Meinung der poli- * tische Zionismus nur das Aeußere der Judenfrage, nicht aber : hre inneren Wurzeln dieses schwierigen Problems sehe. Ms Herzls ״Altneuland" erschien, lehnte Achad Haam dieses Buch als unjüdisch und von einer mechanistischen Auffassung ies Problems diktiert, ab. Im Jahre 1900 besuchte er zum!ritten Male Palästina. 1902 nahm er an dem allgemeinen Kongreß der Zionisten Rußlands in Minsk teil und hielt dort;inen Vortrag über .,Renaissance des Geistes“. In den Jahren 1905 ו und 1906, aen Jahren der russischen Revolution, ן aahm er an den Kongressen für die Gleichberechtigung der gefährlichen Theorie übereinstimmen. Er hat diesen Punkt nur nebenbei erwähnt, und vielleicht wird vorliegender Aufsatz ihn veranlassen, sich etwas eingehender mit der Sache selbst zu befassen. Oppenheimer beschäftigt sich mit der Araberfrage in drei Argumenten und sagt: 1. durch gute Schulen und gute Behandlung werden wir die Araber dazu bringen, daß sie einen humanistischen und nichtagressiven Nationalismus erwerben; 2. die Konkurrenz des arabischen Arbeiters müssen wir durch Hebung des allgemeinen Lohnniveaus beseitigen; 3. Erhöhung des Lohnniveaus beim Fellachen muß auf die Bodenpreise drücken. — Das erste Argument ist ein Argument liberal-pazifistischer Weltanschauung und in der Öko״ nomischen Debatte nur bedingt von Interesse; die beiden übrigen Argumente gehen ins Oekonomische über, sind aber noch begleitet von der sozialistisch-pazifistischen Melodie, daß die arabischen Arbeiter und Fellachen uns dankbar sein werden für die Erhöhung des Lohnniveaus, die wir ihnen verschaffen. Das zweite Argument berücksichtigt ökonomisch nur die Wirkung auf die jüdische Wirtschaft: Befreiung von der arabischen Arbeiterkonkurrenz, und beschäftigt sich nicht mit der Rückwirkung auf die arabische Wirtschaft. Das dritte Argument tut letzteres nur einseitig, d. 11. es berücksichtigt die Wirkung auf den arabischen Großgrundbesitzer, dessen Verkaufslust bei steigenden Fellachenlölinen gesteigert wird, berücksichtigt aber nicht die Wirkung auf den Fellachen selbst, und hieran führt es sich ad absurdum. Denn heute schon beweisen die Tatsachen das Gegenteil der Oppenheimersehen Konklusionen: die steigenden Fellachenlöhne und sonstigen Einkünfte drücken den Bodenpreis zwar beim Großgrundbesitzer, aber der Fellache selbst erscheint nunmehr als Bodenkäufer auf dem Markt: er kauft sich zunächst frei, und wie jeder Parvenü bezahlt er hohe Preise. Wir haben beute im Fellachen, der zum erstenmal zur Akkumulierung von Barkapital gekommen ist, einen neuen Konkurrenten als Bodenkäufer bekommen, und überdies einen, der gefährlicher ist als der Großgrundbesitzer, weil er nicht, wie letzterer,' über kurz oder lang wieder Verkäufer wird, sondern schon für alle Zeit als freier Bauer auf seiner Scholle bleibt. An dieser Beweistatsache sehen wir eine blitzartige Erhellung der Gesamtsituation: es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß die Parität zwischen jüdischem und arabischem Arbeiter hergestellt sein wird, wenn der arabische die gleich hohen Löhne erhalten wird wie der jüdische. Der jüdische Arbeiter verzehrt sein Einkommen mehr schlecht als recht, den arabisehen aber bringen wir dadurch zu einer Kapitalakkumuliemng, künstlich, und es ist nach wie vor von einer Parität keine Rede, im Gegenteil, in der arabischen Kapitalakkumulierung, überwelche noch niemals in unserem Kreise gesprochen worden ist, sehe ich den gefährlichsten Kern der ganzen Araberfrage, und wenn man über ihn sprechen will, kann und darf man es nicht mit liberal-pazifistischen Theorien tun, sondern man muß diesem nackten und brutalen Ziffernprozeß rücksichtslos und brutal gegenübertreten loh frage Herrn Prof. Oppenheimer: Wie konnten Sie als Autorität in allen soziologischen Fragen an einem Phänomen vorübergehen, welches ausnahmslos in der Geschichte aller Nationalitätenkämpfe des letzten Jahrhunderts die aussciilaggebende Treibkraft gewesen ist? Wie konnten Sie darüber hinweggehen, daß das Eindringen des Kapitalismus in primitive, vorkapitalistische und vorwiegend agrarische Wirtschaftsformen der Hefeteig ist für jenen Prozeß ״des Erwachens geschichtsloser Nationen“, der Ihnen genau so bekannt ist wie Otto Bauer, Karl Renner und allen jenen, welche die Geschichte der Nationalitätenkämpfe kennen? Wie konnten Sie auch daran Vorbeigehen, daß ein Nationalismus nur solange pazifistisch bleiben kann, solange er (als Produkt guter Schulen und guter Behandlung) rein idealistisch entsteht, daß er aber zwangsläufig imperialistisch werden muß, sobald der Expansionsdrang des Nationalgefühls fundiert und begleitet wird von der unstillbaren Expansionskraft akkumulierten Kapitals? Jabotinskys Argument: kein Volk der Welt wäre reich genug, um den Grundbesitz eines Landes auf freiem Markt zu kaufen — so richtig es ist, trifft es nicht das we-entliche: denn selbst, wenn wir reich genug wären, allen Boden zu kaufen, so dürften wir es ungefährdet nur tun, wenn der Verkäufer im Ausland säße oder ins Ausland ginge oder wenn als Verkäufer jener sagenhafte Großeffendi existieren würde, der das Geld in Paris verspielt und vertrinkt. Beides ist nicht der Faß und das Oeld kommt lediglich zugute einer fleißigen, anspruchslosen Unterbevölkerung, die nicht daran denkt, sich Juden teil und trat leidenschaftlich für diese Gleichberechtigung ein. 1905 veröffentlichte er im ״Haschiloach“ unter dem Titel ״Die Herrschaft des Verstandes“ einen berühmt gewordenen Aufsetz über Maimonides, 1907 in der palästinensischen Zeitschrift ״Haomer“ den Aufsatz ״Die Stunde ist gekommen“, in dem er mit dem größten Nachdruck die Schaffung eines geistigen Zentrums in Palästina forderte. 1908 siedelte Achad Haara nach London über. Hier verblieb er bis nach dem Weltkriege. Während des Krieges nahm er engen beratenden Anteil an den poüiischen Bemühungen, die zur Balfour-Deklaration führten. Die großen Aufregungen des Krieges und der Nachkriegszeit zerrütteten seine Gesundheit, so daß er wiederholt Sanatorien aufsuchen mußte. Eine Zeitlang weilte er zur ärztlichen Behandlung in Berlin. 1922 verlegte er seinen ständigen Wohnsitz nach Tel-Awiw. Eine Teilnahme am öffentlichen Leben war ihm jedoch infolge seines Gesundheitszustandes unmöglich. Er war sehr leidend und in der letzten Zeit war bereits klar gewesen, daß seine Tage gezählt sind. Das palästinensische Verlagswesen Daß sich das jüdische Palästina in rühriger Weise mit der Herausgabe von Büchern beschäftigt, geht zur Genüge aus einer kürzlich vom Städtischen Kolonisations-Departement der Palästina-Exekutive ausgearbei'eten Statistik des Buchverlages hervor. Die dreiundzwanzig Firmen, um die es sich dabei handelt, und die sich in der Hauptsache in Tel-Awiw und Jerusalem befinden, stellen zwei ganz verschiedene Typen des Buchverlags dar. Der eine beschäftigt sich mit der Herausgabe von Büchern und Werken auf religiösem Gebiete, der andere widmet sich der Herausgabe von modernen Büchern über Literatur, Wissenschaft, Politik, Erziehung, Belletristik, Jugend- und Kinderliteratur. Die religiösen Bücher sind zum größten Teil für das Ausland bestimmt, während die modernen Werke vor allem im Inland gelesen werden. Die größten Käufer für palästinensische Bücher aller Art sind Polen und Amerika, nach ihnen Deutschland und England. Die von diesen Firmen publizierten Bücher sind teils hebräische Orjginalwerke, teils Uebersetzungen aus fremden Literaturen ins Hebräische. durch Mehreinkünfte zu einer Ersetzung ihres primitiven Lebensstandard es durch einen überstürzten Luxusstandard verleiten zu lassen, und die daher zu einem organischen und ökonomisch wohl fundierten Aufstieg gelangt, von zwei Söhnen den einen Advokat werden läßt (morgen beginnt er, teils dieserhalb, teils außerdem, der nationale Propagator in der Stadt zu sein) und den zweiten auf die landwirtschaftlich« oder technische Hochschule nach Europa schickt. Eine Bevölkerung, die sich aus Fellachen um wandelt zu freien Bauern, ohne eine Siedlungshilfe zu benötigen, Bargeld ansammelt teils im vergrabenen Topf, teils bei allerlei Geldmännern — und das Feld bereitet für die arabische Bank, die morgen ihr berühmtes ״Saugrohr“ ansetzen kann, 11m die Ersparnisse aus den verschiedensten Kanälen an sich zu saugen, sie zu akkumutieren und von dort aus in alle anderen Wirtschaftskanäle zu dirigieren, so daß sie für uns schon verstopft sein werden: Okkupierung des Handels, des Verkehrs, der Industrie — kurz, überall, wo man bisher den Araber noch nicht als Nebenbuhler spürte, wird er morgen erscheinen, unsere Häuser kaufen, unsere Maschinen übernehmen, und im Handumdrehen haben wir im arabischen Großkapital einem Gegner, der sich nie mehr an einen Verhandlungstisch zwingen läßt, und der die schöngeistigen und weltverbrüdernden Artikel unsere! Zeitungen nicht liest, sondern mit dem blinden Expansion«- und Produktionsdrang angesammelten Kapitals wie eine Wake geradeaus rollt und alles Feindliche zermalmt. Augen auf vor dem Wirtschaftsnationalismus, der uns bedroht und dem wir noch keinen blassen Ansatz von eigenem Wirtscliaftsnationalismus, von Wirtschaftsstrategie gegenüber zustellen haben! Vielleicht ist es übertrieben, vielleicht ver• früht — aber wenn man durch die nächtlichen Straßen von Tel-Awiw geht und die dunklen Fensterhöhlen von 2000 un■ bewohnten Zimmern sieht, die unverkäuflichen Häuser, die leerstehenden Oeschäftslokale, und die von einer Nacht zu! anderen wie die Wanzen vermehrten Plakate: zu verkaufen zu vermieten, Liquidation — und wenn man im selben Kontrast hierzu die eleganten Privatautos vorbeigleiten sicht, von denen man weiß, ohne nach der Nummer zu sehen, daß es arabische sind, denn jüdische gibt es keine, mit arabischen Gästen aus Jaffa auf der Suche nach großstädtischem Besitz und Vergnügen — dann hat man ein gespenstiges Gefühl von einer Hand an der Gurgel. — — — Vor uns steht eine eiserne Front — sie war schwach, aber wir haben ihr Zeit gelassen, Geld gegeben, Instruktoren geschickt, Waffen geschenkt — und mm steht sie eisern vor unserem Wege. Und wie sollen wir durch sie hindurch, wenn wir selbst keine geschlossene Front nach außen haben, und wenn der stärkste Teil unserer Truppen — die Arbeitet ihre Front nach innen nehmen statt nach außen? * Die große Gefahr also, die wir in ihrem vollen Umfange noch nirgends erfaßt haben, ist der von uns und nur durch uns verursachte Aufstieg der arabischen Wirtschaft von einet primitiv-agrarischen zu einer kapitalistischen und zur Kapital akkumulierung. Vergessen wir nun einen Moment die Frage ob wir diese Entwicklung hätten verhindern können, und selbst inwieweit wir durch unsere Theorie von der Notwendigkeit det Hebung des allgemeinen Lohnniveaus unnötig rasch den be liebten Ast abgesägt haben, auf dem wir saßen. Vielleicht — die Frage liegt nahe — Ist in Palästina Plate genug für einen solchen Aufstieg, ohne daß dadurch der unsere beeinträchtigt zu werden brauchte? Es könnte der Fall Sein wenn ein ähnlicher Prozeß auf unserer Seite stattfinden würde Dann könnte man es vielleicht auf einen Wettkampf ankommen lassen. Aber das ist nicht der Fall. Denn dem Hineinpumpen von Kapital und Kapitalismus auf der arabischen Seite steht gegenüber ein Ausströmen von Kapital bis zum Weißbluten aüf unserer Seite. Wir sind in 90״'״ unserer Geldgebarung Käufer von nichtjüdischer Wirtschaft, wir haben eine zu 90% passive Zahlungsbilanz innerhalb der palästinensischen Wirtschaft, wir haben nirgends Positionen, von denen aus wir Verkäufer sein könnten an nichtjüdische Wirtschaft und fremde Gelder hinüberzwingen in unsere Kanäle. Die Stärke der arabischen Gefahr und die Schwäche unserer eigenen Position werden beide gleichermaßen bedingt durch die eine Ursache: die passive Geldzirkulation. Und •wenn wir den Kampf aufnehraen wollen mit beiden, wenn wir uns gegen die arabische Wirtschaftsoffensive schützen und unsere eigene Stoßkraft verstärken wollen, so dreht sich das Problem um die eine entscheidende, zentrale Fragestellung: wie wird es möglich sein, die passive Geidzirkulation zu unterbinden und sie in eine aktive umzuwandeln? Marlin Bober in Berlin Martin Buber spricht am Donnerstag, den 6. d. M., im Bechstein-Saal über ״Die Bibel als Erzähler“. (Karten von 1—5 Mark bei allen Konzertkassen und an der Abendkasse.) — Am 10. Januar spricht er im Rahmen der Montagsvorlesungen der ״Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ in der Aula, Artilleriestr. 14, über ״Gotteserseheinung itn Pentateuch“ (Eintritt 2 M., Beginn 8 Uhr abends). Die Bibliothek Jerusalem erhielt soeben zehn große Bücherkisten von der Gesellschaft der Freunde der Universität in Warschau. Die Sendung enthielt u. a. die Bücher- Sammlung des Arztes Dr. Wincenty dass, der im Ijar 5686 in Tomaszow verstorben ist und seine Büchersammlung der Bibliothek testamentarisch vermacht hat. Der Verstorbene war ein großer Bücherliebhaber, und sammelte Bücher nicht nur aus seinem Fach, der Medizin, sondern auch aus anderen Gebieten. — Gleichzeitig langte in Jerusalem eine Sammlung von Büchern aus dem Gebiete der schönen Literatur und der Arzneikunde ein, eia Geschenk des Dr. Bern rd Joz, Warschau, der der Bibliothek schon früher bedeutende Schenkungen zukommen ließ. — Herr Rechtsanwalt Stawski, der Vorsitzende der genannten Gesellschaft, spendete zur Erinnerung an seine vor einem Jahr dahitigeschiedene Frau Sarah der Bibliothek den gesamten Katalog der Pariser Bibliotheque Nationale in 88 Bänden. Herr Stawski erwarb auch vollständige Reihen russischer Zeitschriften aus dem Gebiete der Rechtskunde. — Die Warschauer Gesellschaft der Freunde erhielt von der dortigen ״Kulturliga“ sämtliche Publi* kationen, die in deren Verlage erschienen sind. Die National- und Universitätsbibliothek Jerusalem erhielt soeben aus Zürich eine große Sendung von Büchern, die von dem dortigen Komitee Pro Universita Judaica gesammelt worden waren. Die Sendung enthielt mehrere hundert Bücher zum größten Teil aus dem Gebiete der Geschichte der Politik im Weltkriege und des Völkerrechte. i