Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1927)
- Date
- 1927-01-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. I Nr. sollte, dieses Komitee als einen gegen sich gerichteten Schlag, Das Pro Palästina-Komitee nimmt selbstvcrständlieh in iiincrjüclischen Fragen keinerlei Stellung. Es hat auch weder Aula 15,' noch die Aufgabe, den Patriotismus der deutschen Juden naclmiprüfen. Am allerwenigsten aber bedeutet dieses Komitee eia Zeichen des Mißtrau ens gegen den Patriotismus der deutschen Juden. Im Gegenteil: die bloße Existenz dieses Komitees von Männern, die zweifellos als deutsche Patrioten bezeichnet werden können, beweist, daß die Sorge vieler Juden, man könnte die Palästina-Betätigung als einen Grund für die patriotische Minderbewertung der Juden an sehen, völlig unbegründet ist. Damit bricht freilich ein antizionistisches Argument zusammen, dessen man sich im Kampf gegen den Zionismus gern bedient hat, um den Juden Angst cin/ujagen und sie von einer Unterstützung der Zionisten im innerjüdischeti Ideenkampf abzuhalten. Aus parteipolitischen Motiven ist eine Theorie entstanden, die behauptet, der Zionismus werde die Juden in den Augen der christlichen Welt verdächtig machen. Es ist seltsam, mit welcher Beharrlichkeit dieses Argument im Laufe von 30 Jahren von Juden verwendet wird, die doch durch die Erfahrung schon gelernt haben sollten, daß der Antiscmitisimis des zionistischen Arguments nicht bedarf und daß eine von jüdischer Seite ausgehende Unterscheidung zwischen dem Patriotismusgrad von diesem oder jenem Juden mir zum Schaden des gesamten Judentums ausgehen kann# Es ist sehr gefährlich, wenn gerade Juden einer G e s i n u 1111 g s s c h n ü f f e 1 e i der nichtjftdischen Welt gegenüber Juden das Wort reden. Seit 30 Jahren wird gegen den Zionismus ein Arguinent gebraucht, dessen Unsinnigkeit wiederholt nach* gewiesen wurde, das aber, wie wir zugeben, in einer oft mißverständlichen Terminologie des Zionismus seinen Ursprung haben kann. Es wird gesagt, die Zionisten wollten einen Jude 11 Staat gründen, der alle Juden d er Welt als seine Bürger in Anspruch nimmt, so daß diese in ihren Vaterländern künftig Fremde sein sollen. Es ist klar, daß der Zionismus dies nie erstrebt hat und daß es auch als unbeabsichtigte Konsequenz des Zionismus nicht eintreten kann, wenn nicht die ganze heutige zivilisierte Welt in ihren Grundfesten erschüttert und auch für alle anderen Völker unübersehbare Neuordnungen durchgeführt werden. Der Zionismus hat niemals die leiseste Absicht gehabt, Juden, die nicht in Palästina leben und nicht dort leben wollen, in ihrer staatsbürgerlichen oder sonstigen Stellung zu beeinträchtigen. Es gibt keine jüdische, sondern nur eine palästinensische Staatsbürgerschaft, und ebensowenig wie die Araber Palästinas Juden werden sollen, ebensowenig können natürlich die Juden Deutschlands Palästinenser werden. Diese Selbstverständlichkeit steht, da man ״inifj der - Ängstlichkeit der Juden rechnete, ausot-r üc#l ic h*:1 tr atten41נ tem atiö n ä le n Dole u - ni c'n feit, auf den ön sich die Politik ’des Zionismus aufbaut. Eine solche unsinnige Tendenz den Zionisten zu unterschieben, ist schon darum unmöglich, weil auch die Zionisten, die in Deutschland leben und leben werden, das volle Recht ihrer Zugehörigkeit zu Deutschland mit allen daran geknüpften Pflichten beanspruchen. Sie stehen an Vaterlandsliebe, ja an inniger kultureller Verbindung mit dem Deutschtum, hinter keinem deutschen Juden zurück; aber gleichzeitig sind sie der Ansicht, daß der Staat oder die deutsche Gesellschaft weder die Aufgabe noch das Recht haben, ihnen ihre Gesinmmg in jüdischen Angelegenheiten oder die Art ihrer jüdischen Betätigung vorzuschreiben. Dies widerspräche allen modernen Auffassungen von der Freiheit des Staatsbürgers, es widerspricht den edelsten Ideen des Libe ra lism 11 s, die trotz aller Verzerrungen uni momentanen Verdrängungen unverlierbares politisches Gut unserer Zeit geworden sind. Die Todesnachricht ... Es war vor dem Kriege. Leo Tolstoi hatte sich auf seine abenteuerliche Flucht aus Jassnaja Poljana ins Zeitlose begehen. Die Telegraphendrähte der ganzen Welt trugen diese Nachricht' in die fernsten Winkel der Kulturmensdiheit. Als Tolstoi auf der einsamen Bahnstation krank zusammenbrach, als seine Familie au sein Krankenlager eilte, da war's, als ob die ganze gesittete Menschheit sich um dieses Krankenlager versammelt hätte. Stündlich liefen Depeschen mit Bulletins über Lew Nikolajewitschs Befinden ein. Wir saßen in Wien im größten Literatencafe und erwarteten neue Nachrichten. Spät nachts brachte ein besonders Interessierter aus dem staatlichen Telegraphenbüro die Kunde: Leo Tolstoi ist gestorben. Wiewohl wir diese Botschaft erwartet hatten, ließ sie uns zunächst verstummen. Und dann saßen .wir fast bis zum Morgengrauen und sprachen über Tolstois Leben, über seine Flucht und seinen Tod. * Die Nachricht von Aeliad Haams Ableben traf mich merkwürdigerweisc auch im Litcraten-Kaffeehaus. Um einen Tisch waren Schriftsteller, Journalisten, Gelehrte aus Ost und West versammelt. Die Nachricht kam völlig unerwartet, da niemand vorher wußte (und es auch bis jetzt unbekannt ist), ob Aeliad t Iaam in den letzten Tagen besonders leidend oder akut erkrankt gewesen sei, so daß der Tod im nächsten Bereiche der Möglichkeit stand. Trotzdem also die Nachricht überraschend war, übte sie nicht jene erschütternde Wirkung, wie seinerzeit die Nachricht des uns im Grunde fremden Leo Tolstoi. Warum? fragte ich mich auf dem Nachhausewege aus der Gesellschaft dieser verschiedensten politischen Ltgern angehörenden Männer, die allesamt erklärten, Schüler Achad Haams zu sein. Ich gab mir gleich die Antwort: Tolstoi war trotz seines ungeheueren Lebenswerks bis zu seinem Tode ein Ringender und Unvollendeter; sein Tod erst krönte seinen Lebenslauf und sein Lebenswerk und machte ihn unsterblich. Was tun die Antizionisten in furchtbarer Verblendüng? Sic wünschen und fordern, daß der Staat, daß die nichtjüdische Welt sich in die Angelegenheiten jüdischer Gesinnung hineinmischt. Aber da dies natürlich jeder Nichtjude ablehnen würde, so versuchen diese Juden, das Problem als ein deutsches hinzustellen. Dies erleben wir jetzt beim Pro Palästina-Komitee. Die Mitglieder des Pro Palästina-Komitees glauben, einem Werke ihre Sympathie nicht versagen zu sollen. Da treten die ״liberalen“ Juden auf den Plan und erteilen diesen Persönlichkeiten Belehrungen über — das Wesen des Deutschtums und über die angebliche Unvereinbarkeit des von ihnen geförderten Werkes mit deutscher Gesinnung. Diese Nichtjuden kämen sicherlich niemals auf den absurden Gedanken, daß das Deutschtum durch den Zionismus geschädigt ward. Sie mögen vielleicht lächeln über die Aengstlichkelt, jene Erbschaft des Ghettos, die eine solche Gedankenverbindung zustände gebracht hat. Kann das dem Deutschtum oder dem Judentum nützen? Die Erregung und Leidenschaft des innerjüdischen Parteikampfes wirft ihre Wellen weit über das jüdische Lager hinaus. Manche Leute sind so verbissen in ihrer Ablehnung des Zionismus, daß sie die Fähigkeit zu unbefangener Beurteilung verloren haben. Wie anders sollen wir cs uns erklären, daß die ״Frankfurter Zeitung“ etwas tut, was sie auf jedem anderen Gebiete politischen und kulturellen Lebens wahrscheinlieh selbst streng verurteilen würde? Sie wirft den wahrhaftig mündigen Mitgliedern des Pro Palästina-Komitees nicht nur vor, daß sie sich über die Konsequenzen des politischen Zionismus nicht im klaren seien, sondem sie behauptet sogar nach dem Vorbild der nationaldeutschen Juden, die Zionisten im Preußischen Ministeritim hätten die Sache ״in Regierungskreisen so dargestellt, wie sie sie sehen und möchten, daß sie gesehen werde“. Die ״Frankfurter• Zeitung“ nimmt für sieh in Anspruch, daß nur sie das Wesen des politischen Zionisnius richtig erkennt, während sowohl die Zionisten selbst, als auch eine große Zahl nichtjüdischer Staatsinänner aller Nationen es ganz falsch sehen. Wie dem auch sei: der Zionismus, der heute auf der politischen Tagesordnung steht, ist der von den Zionisten gewollte und vom Völkerbund durchgeführte, und keineswegs das Phantom, gegen das die ״Frankfurter Zeitung“ kämpft. Die Jüdisch-Liberale Vereinigung scheint es für ihre religiöse Aufgabe zu halten, das Pro Palästina-Komitee zu bekämpfen. Dieses Komitee hat nicht im geringsten zu einer religiösen Frage Stellung genotnmen und lediglich seine Meinung über den menschlichen und Kulturwert des Palästina-Werkes ausgesprochen. Niemand kannverstehe«, wieso der jüdische JJJjetfüsi raus dadurch'geschi• gt v ird, daß prominente Nicht- Juden einer jüdischen Arbeit ehrenvolle Anerkennung rollen. Selbst der Central-Verein, der uns Zionisten sicherlich nicht freundlich ist, hat — wie aus seiner Zeitung hervorgeht — die richtige Empfindung gehabt, daß hier nicht nur eine jüdische Arbeit gewürdigt, sondern auch ein deutsches Interesse gewährt wird, daß es sich um eine Sache handelt, die den Wirkungskreis des C.-V. nicht direkt tangiert. Die Liberalen fordern jedoch den C.-V. zu einer Aktion auf, und wenn wir recht berichtet sind, soll bereits in den nächsten Tagen eine Sitzung des C.-V. über diesen Gegenstand stattfinden. Wir hoffen im Interesse des ganzen Judentums, daß dort die Besonnenheit über die Parteileidenschaft siegen wird. Jeder Einsichtige muß verstehen, daß durch eine gegen das Pro Palästina-Komitee gerichtete jüdische Aktion ein unsinniger Kampf im Judentum entfesselt wird, dessen Konsequenzen in schwerster Zeit gar nicht abzusehen sind. Dieser Kampf würde voraussichtlich, da er sich ja gegen eine nichtjüdische Körperschaft wendet, auch nichtjüdische Kreise hereinziehen, und müßte dem Oesamtjudentum unsäglichen Schaden bringen. Gibt es jemand, der die Verantwortung hierfür auf sich nehmen kann? Wohl glauben wir, daß der Kampf der Ideen innerhalb des Judentums weitergehen wird und weitergehen muß. Aber zugleich glauben wir, daß es in bestimmten Sphären positiver Aufbauarbeit ein Zusammenwirken geben kann, wenn keiner der kämpfenden Teile sich der Verantwortung gegenüber dem Ganzen entzieht. Das Schicksal hat das Judentum zu einer Einheit gemacht, und jedes Unrecht, das Juden gegen Juden entfesseln, kehrt sich schließlich gegen alle Juden. Wir Zionisten sind so sehr mit realen Aufgaben beschäftigt, daß wir einen innerjüdischen Kampf nicht wollen. Aber wenn man uns zwingt, dann werden wir ihn aufnehmen, und wir sind überzeugt, daß der einfache Jude auf der Straße noch genügend gesunden Verstand hat, um dann zu beurteilen, wessen Handlungsweise die richtige war. Die Jadenpolitik der polnischen Regierung Warschau, 28. Dezember. (J.T. A.) Der nach deir vom General Pilsudski vollzogenen Umsturz zum Innenminister ernannte General Mladszanowski hat ein Memorandum über die Politik der [Klinischen Regierung gegen die Minderheiten ausgearbeitet, das nunmehr veröffentlicht worden ist. In bezug auf die Juden heißt es in dem Memorandum: 1. In der Ueberzeugung, daß der wirtschaftliche Antisemitismus staatsschädlich ist, sieht es die Regierung als notwendig an, im Wirtschaftsleben j)as Prinzip der Objektivität und Gerechtigkeit zu wahren und auf dem Gebiete des Steuer- und Kreditwesens eine Gleichberechtigung eintreten zu lassen. 2. Die Regierung kann der jüdischen Bevölkerung als besonderer nationalen Gruppe keine Sonder- Vertretung in den öffentlichen wirtschaftlichen Institutionen einräumen, doch wird sie darauf achten, daß die Juden in diesen Institutionen entsprechend, beteiligt sein sollen. 3. Die Regierung steht der zionistischen Idee und Aktion positiv gegenüber. Dies gilt auch für die Arbeit der Zionistischen Organisation auf polnischem Territorium. 4. De Regierung wird alle noch aus der Zeit der zarischen Herrschaft und der Okkupation herrührenden Be- Schränkungen gegen die jüdische Bevölkerung;1 b - schaffen. 5. De Regierang wird die Vorschriften über Z w a n gs so 11 n t a gs r ü h e mildern durch Verlängerung der Arbeitsstunden für jüdischen Handel und jüdisches Handwerk an den Samstagabenden. 6. Die Regierung wird die Frage der Staatsangehörigkeit jüdischer Bürger demnächst zur Regelung bringen. 7. De Regierung wird sich beeilen, die Wahlen zu den jüdischen Gemeinden in den Ostdistrikten durchzuführen und die Kultusgcmeindc- Kommissariate zu liquidieren im Sinne einer Demokratisierung dieser Gemeinde, Außerdem wird die Regierung der Schaffung eines Einheitsverbandes der jüdischen-Gernei 11־ den in ganz Polen zustiihmen, sofern die jüdische offen!- liehe Meinung darin einig ist. 8. De Regierung wird die Chedarim als öffentliche Vorschulen 3ncr-, : kennen, 'spffrit *« ibne|j,_jucJ| ,dgs polnische Sprache.• •pflege״ " findet.';9-׳''De Regitriilg•'wird nach Möglichkeit die Berufsausbildüng unter Juden fördern. 10. Die Regierung lehnt jede Begrenzung religiöser oder nationaler Natur im Hochschulwesen ab, Die Jaden bei der polnischen Volkszählung Warschau, 30. Dezember. (J. T. A.) Vor kurzem er• öffnete das Statistische Hauptamt Teilergebnisse der am 30. September 1921 in Polen vorgenommenen Volks zäh• lung. Desc ergab eine Gesamtzahl von 2569-1700 Bcwohnern Polens (mit Ausnahme der Wojvvodschafteu Wilna und Oberschlesien). Davon bekannten sich zur mosaisehen Religion 2 771 940 Menschen. Danach beträgt die Zahl der Juden in Polen etwa 12 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zur polnischen Nationalität bekannten sich 707 251 Juden (25,4 Prozent), zur ruthenischen 3726 (0,1 Prozent), zur jüdischen 2 644 585 (73,8 Prozent), zur weißrussischen 4048 (0,2 Prozent), zur deutschen 9985 (0,4 Prozent), zur litauischen 77, zur russischen 1092, zur tschechischen 91, zur ״lokalen“ 450 und zu anderen 653. Als Iconfessionslose Juden haben sich 2770 eingetragen. 2700 Juden haben sich zum römisch-katholischen bzw. armenischkatholischen Glauben bekannt. Diei A1 niditji den e wir, g Seite ׳ frage auf 1 irgend zu die die n Notwi began zuschi nur < Urpro sozial lländ! runtei Bevöl und 1 sie vi Wir wir dem wo < dazu die hi na! Erzi! ist t sprir lirhs Klar und Op ganz dies! Mei! des Achad Haara aber ist immer ein Vollendeter gewesen. Ebenso wie, der Mythe nach, Athene vollendet dem Haupte des Zeus entsprang, so erschien auch Achad Haam bereits in seinen ersten Werken vollendet, abgeschlossen, klar und bestimmt, unbeugsam und unbestechlich. Und durch all das, was er im Laufe von Jahrzehnten schrieb, floß die Klarheit einer überlegenen Einsicht. Von! Standpunkte Achad Haams ist bis auf den heutigen Tag von all dem, was er sagte, nichts wegzunehmen und seinen Urteilen nichts hinzuzufügen. Aus dem Augenblick geboren wandten sich seine Schlußfolgerungen ins Ewige. Einsam ragte er auf unerreichbarer Höhe zeit seines Schaffens. Generationen blickten zu ihm empor, Geschlechtem war er Lehrer und Führer, keinem der Ringenden und Kämpfenden aber Genosse. « Aeliad Haam verdient, wie Wenige der jüdischen Historie, den Beinamen eines Epaphroditus. Denn ihm war es beschieden, zum großen• Teile die Erfüllung dessen zu sehen, was er gewollt und was er vorausgesagt hat. Er starb in einer jüdischen Stadt, die eine Straße nach ihm benannt hat. Er erlebte es, daß die Stadtverwaltung mit Rücksicht auf ihn am Nachmittag, da er auszuruhen pflegte, den Verkehr in der Straße, wo seine *Wohnung lag, untersagte. Er starb inmitten seines Volkes. Achad Haams Ziele waren besonderer Art, darum bedeutete ein jüdisches Tel-Awiw, bedeutete die Gründung einer hebräischen Universität für ihn bereits einen Teil der Erfüllung: für uns aber nur einen Anfang. * Ich kann mir vorstellcn, daß im Himmel die Nachricht, Achad Haams Seele sei angekommen, unter den Großen Israels ungeheure Aufregung hervorgerufen hat. Erhalter und Mehrer des Judentums aus allen Zeiten drängten sich zweifeitos zum Empfang dieser Seele. Der erste aber, der ihm den Gruß ״Friede sei mit dir“ entbot, war sicherlich Moses ibn Maimun. Denn hauptsächlich dieser begrüßt in Achad Haam einen Kougenialen, der in Krisenzeiten ähnliches vollbracht hat wie Maimonides. Versuchte Moses ibn Maimun Religion und Philosophie zu versöhnen, um die Religiou zu bewahren, $0 ist Achad Haam der erfolgreichste Verknüpfer ewigen Judentums mit echter Moderne gewesen. Und damit gleich ihn Maimun ein Bewahrer und Mehrer der zeitlosen jüdischen Idee. , M. W. Achad Haams Leben*) Uscher G i n z b c r g (mit seinem Pseudonym Aciud Haam) wurde am 25. Aw 5616 (1856) in Skwira (Gouverncment Kiew) geboren. Sein Vater gehörte einer angesehenen frommen und reichen Familie an. Der Sohn erhielt zunächst die übliche traditionelle Erziehung, die sich auf die Vermittlung des überlieferten religiösen Wissensstoffes beschränkte und sogar die Erlernung fremder Sprachen ausschloß. Achad Haam mußte sich so im geheimen die Kenntnis der russischen Schriftzeichen aneignen. 1868 siedelte seine Familie nach dem Dorfe Gufischitza über, und hier verblieb Achad Haam die nächsten 18 Jahre. Er vergrößerte Wer den Umfang seiner Kenntnisse der überlieferten hebräischen Literatur und galt schon mit 16 Jahren als ein großer Kenner des Traditionsstoffes. Im Jahre 1873 heiratete er. 1878 kam er zum ersten Male nach Odessa, und hier machten die Werke der russischen Gelehrten auf ihn einen so starken Eindruck, daß er seitdem begann, sich auf die Reifeprüfung vorzubereiten. Zur selben Zeit entstand bei ihm der Gedanke, nach Westeuropa zu gehen und an einer Universität zu studieren. Er hielt sich vorübergehend in Wien auf, kehrte aber bald wieder nach seinem Heimatdorfe zurück. Lange freilich hielt es ihn in der Weltabgeschiedenheit dieses Dorfes nicht. Sein Bilduiigsdrang führte ihn bald wieder ins Ausland. In den Jahren 1883- 1884 versuchte er in Berlin, Breslau und Wien erneut, das Universitätsstudium zum Abschluß zu bringen, freilich ohne Erfolg. Nach Rußland zurückgekehrt, wandte er sich wieder dem Selbststudium zu. Von besonders starker Wirkung war auf ihn die positivistische Philosophie jener Zeit. Im *) Wir wiederholen hier die Lebensdaten Achad Haams. die wir bereits anläßlich seines 70. Geburtstages in Nr. 61 v. J veröffentlicht haben. Jah ein. dan stef schl bah fere Gru in l mäl Ans Ach sein We; Auf Lan die; 3eh Che neu! Haa n 1 teit ästi Lan 50p! o a he im Hscl hrt Als Buc les irit Ko! ein! 190 nah