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Jüdische Rundschau · 1926-12-30 · Heft 102-103 (30.12.1926) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 102-103 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 748 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 102 103 Literatur-Blatt jfehuda Halevi deutsch Die Frage der Uebersetzung ins Deutsche ist durch Liubers und Rosenzweigs Bibelübersetzung ganz ohne Zweifel auf ein Niveau gehoben worden, das sie nicht einmal bei Oundolfs Shakespeare-Uebersetzung, gerade noch bei Georges Baudelaire-Umdichtung gehabt hat. Aber nicht dar- %ber ist hier zu reden, sondern über die ״Sechzig Hymnen und Gedichtedes J ehuda Haie v i“, jetzt bei Lambert Schneider verlegt Von vornherein mache man sich klar, daß diese Arbeit in ihrer wunderbaren Gewi^enhaftigkeit und Treue, der Hingabe ans Original und der Andacht zum Deutsch mit dem heutigen Ucbersetzungsbetriebe nur noch den Namen gemein hat. Man wäre immer wieder versucht, zu sagen, daß zu keinen Zeiten so niederträchtig gewissenlos mit fremdem Geistgut. umgegangen wurde wie heute, wenn *nicht die Geschichte des Uebersetzungswesens und das italienische Wort vom Uebersctzer als Verräter (״traduttorc, traditore“) einen stutzig machen müßte. Diese Uebersetzung ist die Ueberwältigung einer außerordentlichen Summe von Widerständen durch einen auf das Richtige gerichteten Willen. Nichts gibt von der Schwierigkeit des Textes einen klareren Begriff als diese intensive Nachbildung, die jede der einzelnen Strophen der sechzig Gesänge dem Leser dicht vor Augen hält; und freilich wird er nicht imstande sein, den Genuß des Ganzen, dieser Multiplikation von Fähigkeiten und Intensität, zu haben, wenn er nicht zum Vorleser wird, zum Vorleser begabt ist Was dem an die Abgeschliffenheit des Stubendeutsch Gewöhnten als Härte, Gewagtheit, Gezwungenheit, ja Nüchternheit widersteht, löst sich im Rhythmus und Klingen der verlautenden Verse bis auf jenen kleinen Rest auf, den nur der dem Jehuda Halevi an Glaubensmacht und Wortgabe ebenbürtige Dichter bewältigen könnte. Diese Uebersetzung, so spröde sie am Anfang dem allgemeinen Publikum vorkomme, wird sich bestimmt einbürgern und langehin halten. Noch fehlt uns eine Dar- Stellung des G istes jener Epoche, die den Sprachtyp des Jehuda Halevi oder Abulhassan Aliawi geschaffen hat, der ja, wie auch heute jüdische Dichter, in einer nichthebräischen Sprachweit aufwuchs, lebte und wohl auch schrieb. Die Anmerkungen Franz Rosenzweigs und sein Nachwort beschäftigen sich damit nicht. Dafür sind sie die klügsten, um nicht zu sagen weisesten Bemerkungen zu einzelnen Gedichten, zum Problem des Ueber- Betzens, des Sprechens, Dichtens, die heute in deutscher Sprache überhaupt niedergelegt wurden. Eine genaue hingabevolle G re dieser Anmerkungen und des Nachwortes ist irast%« ebensoviel votu Wesen des Gedichtes und seiner Atmos^;!:■-■‘.׳ an Einsichten zu vermitteln als sämtliche Kritiken beute**'lä unter Rezensenten, mit denen freilich Franz Rosenrw-Cfa,,|teser geschulte und bedeutende Denker, auch nicht ei;’ Zwecke 4« Lobes zusammen genannt werden darf. ,, M ״,i«ge« Superlative pit ■ ,Recht Mißtrauen net '•'tb einer''Zelt wie ifesef, 4rö''IjpfbNrif£& ־sich" •'EHk j ■' die Gestalt der deutschen Dichtung, sei es als Ka*!״־..r Regisseure, Verlege! oder als Herausgeber, erwerben ko nt«, muß man ein für allemal soviel Vertrauen in die Person ein.: Publizisten aufbringen, daß man schließlich auch der Supertr dv, ■d:n er setzt, von dem Geschwafel bezahlter Lektoren ein für allemal •Verscheiden lernt Arnold Zweig. Arnold Zweigs ״Spiegel des großen Kaisers“ Die letzten Wochen des Jahres pflegen stets an den Buchkritiker besondere Anforderungen zu stellen. Der Buchhandel hat ״Hochkonjunktur“ — wenn es so etwas in diesem edlen Gewerbe überhaupt gibt —, die Neuerscheinungen überstürzen sich, und die auf dem Schreibtisch der Besprechung harrenden Exemplare mehren sich beängstigend. Da gibt es saure Arbeit (denn die nicht erfreulichen Erscheinungen müssen bekanntlich auch rezensiert werden) und es bedeutet eine wunderbare Ent- Spannung, wenn der Kritiker auf ein Buch stößt, welches er nicht nur als eine bedeutsame Leistung feiern darf, sondern welches ihn, darüber hinaus, persönlich packt Solch ein Buch Ist die soeben bei Gustav Kiepenheuer in Potsdam erschienene Novelle ״Der Spiegel des großen Kaisers“ von Arnold Zweig. Dieser Dichter, der mit seinen ״Novellen um Claudia“ so etwas wie die Bibel des Kultivierten geschaffen hat und mit seinem ״Ostjüdischen Antlitz“ ein Musterbeispiel für den modernen Essay gab, wendet sich ln dieser neuen Dichtung einem historischen Stoffe zu. Zweig gibt einen Ausschnitt aus dem Leben des Staufenkaisers Friedrich II. In grandiosen Bildern malt er das Hofleben zu Palermo, die Porträts der dort weilenden Männer, der Gesandten, der Kleriker, der Juden. Der Dichter gewährt uns Einblick ln ein persönliches Erleben dieses kirchenfeindliehen machtstrotzenden Herrschers. Die Fabel setzt an der Stelle ein, an welcher das Schicksal warnend an das Tor des Palastes pocht; es ist wie die flammende Schrift, die Belsazer erscheint. Der Kalif Elkamil von Alexandria sendet zu Friedrich Fakire, welche aus einem Zauberspiegel die Zukunft zu künden vermögen. Der Kaiser erfährt, daß mit seiner Person die Herrschaft ihr Ende finden würde. Er sicht im Spiegel das schmachvolle Ende Konrads. Der Kaiser glaubt an sich, aber diese Vision würgt ihn. Er *will den ״Krim zu all dem“ finden, um ihn zu vernichten. Sein jüdischer Leibarzt Elieser weiß einen Weg: Der Kaiser müsse die ״untere“ Seite seines Reiches sehen. Meir Chasak el Maghebri, als Jude geboren, doch ausgestoßen von den Gemeinden Israels, ein Helfer aller Bedürftigen, ein im Elend Kenntnisreicher, wird an den Hof gerufen. Durch ihn erblickt der Kaiser das dunkle Palermo, die Unterschlupfe des Lasters, die Statten des Aussatzes, die Höllen des Schwefelbergwerks. Es kommt Friedrich ln den Sinn, daß ״die Gesetze der einsamen Vernunft“ noch keine Geltung haben ״für die Bewegungen der großen Menschengebilde“. Er sieht seine Sendung darin, die Wunden zu schließen und Heilung zu verschenken; denn er folgt der Weisung seines Leibarztes: ״Es ist geboten, dem Unheil zu widerstehen’.“ Darum streicht Friedrich diesen Tag aus seinem Leben, im Glauben an Vernunft und Macht. Es geht nicht an, in diesem Zusammenhänge auf Einzelheiten einzugehen. Hervorgehoben seien: Ke Prägnanz, mit welcher die Typen der mittelalterlichen Welt gegenübergestellt sind, die Juden, die sich der besonderen Huld des Herrschers erfreuen, die Inder, die Araber, die drei Vertreter des Abendlandes; die liebliche Linda-Episode, die wie ein heiterer Streifen das Dunkel des Buches durchzieht; die erschütternde Vision des Weltkrieges, das grauenvolle Spiegelbild einer Schlacht von neunzehnhundertachtzehn. Die Sprache dieser historischen Novelle hat ihren eigeuen Zauber: Es hat in den letzten Jahren kaum eine solche Prosa gegeben. Zweigs Sprache ist in strengste Form gegossen, ausgewogen wie ln keiner seiner früheren Werke. Seine Sätze sind barock und prächtig gewachsen, sie sind so recht die stilvollen Träger für den schönen Gehalt. Wenn man versucht wäre, Vergleiche zu ziehen —■ man dächte an Conrad Ferdinand Meyers Novellen. Aber vor jenen hat diese Zweigsche die Wärme voraus. Sie ist rin märchenhaftes Symbol der Menschlichkeit. Mit dieser Novelle ist die deutsche Dichtung um Wesent- Iiches bereichert worden — bereichert durch die Gabe eines jüdischen Dichters. Manfred Sturmann. Die Hose-Legende Mose ist der erste und größte ״Prophet‘ Israels, der Schöpfer des Volkes, der erste Volksführer und zugleich das ewige und bleibende Urbild des Volksführers schlechthin. In ihm Ist die Führer-Volk-Situation in endgültiger, allgemeingültiger Form gestaltet. Mit Recht zeigt Hugo Bergmann in seiner erleuchtenden, bis heute viel zu wenig beachteten Einleitung zu seinem Moses-Buch (״Worte Mosis“. Verlag Bruns, Minden i. W.) diesen steten Kampf Mosis gewissermaßen nach zwei Fronten, gegen den auftraggebenden Gott und gegen die träge Masse des Volkes, als das wahrhaft Große, Menschliche in des Führers Gestalt auf. Denn die anderen Großen Israels sehen wir nur als Vollendete, als Verkünder Gottes; Moses aber sehen wir als ringenden, kämpfenden, der unerhörten Aufgabe fast erliegenden und doch durch die Kraft der Idee wieder aufgerichteten Menschen. Dieser typische ״Führer“ ist aber in seiner individuellen Gestalt ganz jüdischer Geistesbesitz. Sagenumrankt, von zärtlicher Liebe der Volksphantasie umspielt, ganz nahe dem Volke und doch erhaben über ihm, so lebte Moses im Sinnen und Trachten des Volkes weiter. Agada und Midrasch sind voll von Sagen- und Märchenmotiven, deren Held Moses ist Diese Sagen liegen jetzt auch in deutscher Sprache vor im vierten Band der von Micha losefbinGorion (Berdyczewski) herausgegebenen Sammlung ״Die Sagen der Juden“ (Rütten & Loening Verlag, Frankfurt a. M., 1926, 8 M.), deren erste drei Bände, die Genesis behandelnd, noch zu Lebzeiten des Verfassers erschienen sind. Der vierte Band ist auch noch von Micha Josefs Hand gesichtet und geordnet. Nach seinem Tod haben seine Frau und sein Sohn, die auch die Uebersetzung besorgten, die Herausgabe vorgenommen. Das Buch ist in der gleichen Weise angelegt wie die früheren Bände, die Erzähtagen nach Stoffgebieten geordnet, mit möglichster Treue und vöffÄffigteit, ®ater ־ genauer *Queleuangabe.;־'Der ”VerfaaSÄr hat eine Riesenarbeit geleistet; er stehf voll Ehrfurcht vor seinem Stoff, er ist Sammler und verzichtet auf dichterische Durchbildung, die vielleicht, durch zusammenhängende Dar- Stellung, der Volkstümlichkeit des Buches zustatten gekommen wäre. Aber auch in seiner heutigen Form ist das Buch eine Fundgrube von tiefsten Gleichnissen, Deutungen, mythischen Berichten, innigen Stimmungen. Es enthält Ausschmuckungen der Geschichte und Begebenheiten von Moses Leben von seiner Geburt durch alle Phasen seiner Führerschaft beim Auszug aus Aegypten, bei der Annahme der Thora am Sinai, bei der Wüstenwanderung, bis zu seinem Tode. Möge das Buch dazu beitragen, die Gestalt des größten jüdischen Führers und Gesetzgebers, der das Volk Israel aus der Sklaverei der Leiber und Seelen zu geistiger Existenz und sittlicher Verantwortung gebracht hat und damit der Ahnherr der ganzen modernen Menschheit wurde, wieder so lebendig und gegenwärtig, so wirklich zu machen wie sie jüdischem Denken einst war! rw. In dem inhaltsreichen Jahrbuch des Verlags Paul Zsolnay, Wien 1927, das Originalbeiträge der wichtigsten Autoren dieses fruchtbaren und verdienstvollen Verlages enthält (Werfel, Heinrich Mann, Eidlitz, Galsworthv, Schnitzler, Salten u. y. a.) befindet sich auch ein Gedicht Franz. Werfels, betitelt ״Exodus 34, 29“, dessen zweite Strophe hier zitiert sei: Heilande, Propheten, heilge Lehrer Kamen nach ihm, Gottes Wiederkehrer. Licht auf ihrem Haupt ist zurückgeblieben, Doch allein von Mose steht geschrieben: Er warf Strahlen, aber wußt es nicht Bütfierschau Der Suez-Kanal. Seine Geschichte und seine wirtschaftspolitische Bedeutung für Europa, Indien und Aegypten. Von Prof. Alfred Birk, Prag, und Ing. K. H. Müller, Hamburg. Verlag von Boysen & Maasch, Hamburg. 4 M. Dieses Werk, das eine Entstehungsgeschichte des Suez- Kanals gibt, hat stark polemischen Charakter. Es verteidigt die Rechte der ersten Anreger und Bearbeiter der Pläne, bes. des Oesterreichers Negrefli, der als eigentlicher Schöpfer des Kanals erscheint, gegen die späteren Nutznießer, die sich nach Angabe der Verfasser durch Fälschung der Gründerliste in den Besitz der Aktien gesetzt haben. Vornehmlich richten sich die Vorwürfe ge^en L e s s e p s, der gewöhnlich als Erbauer des Kanals gepriesen wird. Das vorgebrachte Material ist jedenfalls sehr interessant und leuchtet hinein in das Spiel von Eigennutz, Intriguen und Eitelkeit, aus dem derartige Gründungen hervorzuwachsen pflegen. Das Buch, bes. der zweite Teil, ist stark antiengüsch eingestellt und sieht in England den teuflischen Urheber aller Kriege. sch. ״Jildirlm“. Deutsche Streiter auf heiligem Boden. Band •1 der ״Schlachten des Weltkrieges“, ln Einzeldarstellungen bearbeitet und herausgegeben im Auftrag des Reichsarchivs. Gerhard Stalling, Oldenburg u. Berlin. 2. Aufl. 1925. Das Buch trägt den Vermerk: ״Bearbeiter: Dr. Steuber, Obergeneralarzt a. D., 1917/18 Armeearzt in Palästina.“ Trotz dieser bescheidenen Zurückhaltung darf man Obergeneralar/t Dr. Steuber als ״Verfasser“ schlechthin ansprechen. — Als ״Benutzte Quellen“ führt der Verfasser neben seinen ״persönliehen“ Aufzeichnungen und den Amtlichen Unterlagen des Reichsarchivs insgesamt drei Bücher und einen Aufsatz an. Dadurch wird manches verständlich. Die Darstellung des ״Kriegslebens“ beginnt mit dem Satz: ״Die Würfel waren gefallen, als ,Gäben‘ und ,Breslau‘ am 30. Oktober 1911 einen (?) Angriff russischer Seestreitkiäfie auf dem Bosporus zuvorkamen und als ,Sultan Jawuz‘ und ,Midilli‘ unter der Flagge des osmanischen Halbmondes, aber mit deutscher Tatkraft, feindliche russische Schiffe im Schwarzen Meer verseÄkten und Sebastopol beschossen.“ — Hierzu ist zu bemerken: Der Angriff geschah am 29. Oktober und erstreckte sich auf Odessa, Sebastopol und Theodosia. Die Beschießung erfolgte, vielleicht mit Tatkraft, jedenfalls aber ohne Kriegserklärung, um die Türkei, die sich ihrer Bündnispflicht zu entziehen suchte, durch Schaffung einer Zwangslage in den Krieg mitzuverwickeln und zur Einhaltung des Vertrages zu zwingen. Die abweichende Darstellung des Buches gehört der Phraseologie der Kriegszeit an und kann sachlicher Prüfung schon längst nicht mehr standhalten. — Auf der folgenden Seite berichtet der Verfasser: ״Das meerbeherrschende England sperrte von seinen Schlachtschiffen aus deu Küstenvveg und glaubte sich dadurch hinreichend gesichert.“ Richtig ist, daß die britischen Vertreter in Kairo und Konstantinopel schon vor Kriegsausbruch das Außenamt in London auf die Notwendigkeit von Vorkehrungen auf der Halbinsel Sinai hinwiesen (zuerst Blaubuch 84, 104, später noch wiederholt). Ueber die wirkliche Durchführung dieser Maßnahmen gibt der Bericht des britischen Oberkommandierenden in Aegypten Maxwell vom 16. Februar 1915 Aufschluß (Naval and Military Despatches VI). Die Behandlung des Inhaltes in dieser Weise ließe sich fortsetzen; es erübrigt sich. — Das Buch ist nach dem Krieg erschienen und 1925 neu aufgelegt worden. Eine Niederschrift der Phraseologie, wie sie sich im gemütlichen Zusammensein in der Offiziersmesse herausgebildet hat, mochte während des Krieges ihren Zweck erfüllen. Gegenwärtig darf man auch von kriegsgeschichtlichen Büchern Versachlichung und damit Vertiefung erwarten. Dazu gehört freilich Kenntnis der bezügliehen Literatur, wenigstens in ihren allerwichtigsten Erscheinungen. — Es ist vielleicht gut, hier zu betonen, daß der Ablehnung dieses Buches nicht eine jetzt öfter wahrnehmbare hysterische Scheu vor Kriegsliteratur zugrunde liegt. Im Gegenteil. Nichts erscheint mir wichtiger als eine möglichst eingehende Auseinandersetzung mit dem Krieg, der für die gegenwärtige Generation doch das folgenreichste und schwerwiegendste Ereignis bleiben wird. Deshalb »eien auch diejenigen Leser, die Interesse für Palästina im Weltkrieg haben, auf Liman von Sanders ״Fünf Jahre Türkei“ verwiesen, ein Buch, das, wie jede Auswirkung ganz starker Menschen, von ungeheurer dramatischer Kraft erfüllt ist. ln seiner herben wortkargen Diktion bleibt es, losgelöst von seinem Gegenstand, als ein Denkmal menschlicher Zähigkeit, Willenskraft und Unverzagtheit dauernd im Gedächtnis haften. Dr. ArturRosenberg. Jahrbuch für Soziologie, II. Bd., 19%. Verlag Braun, Karlsruhe, brosch. 16 M. Der II. Band des Jahrbuchs für Soziologie, wie der I. Band herausgegeben und eingeleitet von Gottfried Salomon, ergänzt in vielfacher Weise das I. Jahrbuch und erweitert den dort behandelten Problemkreis durch eine Anzahl sozialpsychologischer Beiträge, durch Arbeiten über Rechtsphilosophie, Wirtschaft und Macht, und insbesondere auch durch methodologische Untersuchungen. — Es ist hiei nicht der Ort, die soziologische Situation aus der Soziologie aufzuzeigen und darzulegen, wie die eine formale Betrachtung ...da-, oder, materiale . Einzeluntersuchung dort’: zu Bemerkens• werten Folgerungen auch״-, über ■die• -:i»ridlogsfä|e Lage des jeweiligen Autors und seines Kreises ftthff kann — es genüge der Hinweis, daß gerade das durch , »annigfaltigkeit ausgezeichnete Werk in besonderer Weise &״s soziologische Betrachtung überhaupt lehrt. Ke aber ist nicht nur ein Mittel theoretischer Forschung, sondern die praktiscbste aller Wissenschaften: lehrt sie doch Tatsachen in ihrem Zusammenhang, in ihrer gegenseitigen Bedingtheit und Abhängigkeit betrachten. — Ohne irgendeine andere Untersuchung damit minder zu bewerten, sei hier die Arbeit von Hobson (London) besonders erwähnt, denn sie sich( in dem ״MandatarSystem unter der Aufsicht des Völkerbundes den ersten bedeutenden Versuch zu dem, was man gewöhnlich als internationalen Imperialismus bezeichnet“, wobei jedoch fast nur auf die B- und C-Mandate exemplifiziert wird. . Dr. F. M. Orient-Bücher Palästina liegt an der Grenze des Okzidents und Orients. Der Orient wird das Schicksal des Landes mitbcstimmen. Frie großen politischen und kulturellen Fragen des Orients sind daher für uns von großem Interesse. Viele Bücher erscheinen jetzt, die Länder des Orients behandeln, politische, kulturhistorische, ernste und feuilletonistische, Reiseschildeningen und ethnologische Studien. Wir wollen hier einige herausgreifend anzeigen. An der Schwelle des Ostens liegt Aegypten, das Land, von dem aus vor Jahrtausenden die Kinder Israels ihren Zug nach Kanaan angetreten haben und das auch heute noch die meisten Palästina-Fahrer passieren, ln den letzten Hircn hat Aegypten durch die Ausgrabungen der Kunstscliätze wieder große Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie es ja iibeiiiaupt einer der stärksten Anziehungspunkte für Touristen ist. Hans Be tilge, dem wir soviel orientalische Kunstvermittlung verdanken, hat ein schön gedrucktes Tagebuch ״A e gy p t i s c!1 e Reise“ (mit 48 Abbildungen, Enphoron-Verlag Berlin) herausgegeben, das in anspruchslosen Notizen seine Reiseerlebnisse erzählt und sich besonders durch die guten Bilder und die Ausstattung auszeichnet. Die Geschichte und Kulturgeschichte des alten Aegypten stellt G. Steindorff dar in seiner Monographie ״Die Blütezeit des Pharaonenreiches“ (2. Aufl., mit 193 Abbildungen, Velhagcn & Klasing, Bielefeld 1926, 4 M.). Text und Bilder geben vollständigen Einblick in diese unvergleichliche Kultur. Die Be- Ziehungen zwischen Aegypten und Palästina, die sich schon in den Amarra-Briefen offenbaren, werden auch hier angedeutet. Die Geschichte Aegyptens von den ältesten Zeiten bis auf den heutigen Tag gibt F. Schubert in seinem Werk ״Von der Flügelsonne zum Halbmond“ (mit 65 Abbildungen und zwei Karten, Leipzig 1926, J. C. Hinrichs, 12 M.). Auf etwa 180 Seiten wird hier die Geschichte des einst so schöpferischen Volkes zusammengedrängt, sechs Jahrtausende ziehen an uns vorüber bis zur Eröffnung des Staudammes el Gesire im Januar 1926. ln dem Buch wird auch die Eingabe der Juden von Elefantine an den ägyptischen Statthalter vongjudaea, Bagoas, aus dem Jahre *107 v. dir. abgedruckt. Die Papyrusfunde von Elefantine haben bekanntlich ein sehr interessantes Licht auf die jüdische Diaspora zur Zeit Esras geworfen. Sie zeigen uns, wie eng auch damals das jüdische Geschick mit Aegypten verbunden war. Das andere große Nachbarreicli des alten Palästinas Babvlon, war gleichfalls durch unzählige politische und kulturelle Beziehungen mit dem jüdischen Volk verknüpft. Die Geschichte und Kultur des Zweistromlandes behandelt C B e z o 1 d unter dem Titel ״Ninive und Babylon“ (4. Aufl., bearb. v. Prof. Dr. C. Frank. Mit 160 Abb., in der oben erwähnten Monographienreihe des Verlags Vel-

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