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Jüdische Rundschau · 1926-12-30 · Heft 102-103 (30.12.1926) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 102-103 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 102/103 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 747 Der Liberalismus1 der Liberalen Aus der deutschjüdischen Presse Eine Zuschrift 7 u in ״Fall Sonncnfel d“. Genf, 26. Dezember. Die eingehende Darsteilung und Würdigung des Verhaltens der Berliner ״liberalen“ Juden im Falle Sonncnfeld in Ni. 100 der ״Jüdischen Rundschau“ macht ein kleines Nachwort nicht überflüssig, das der allgemein-poMtischen Bedeutung dieses Falles gilt. Man muß nämlich bedenken, daß es sich bei den Leuten, die eine Denunziation gegen einen zionistischen Beamten zunächst zu verteidigen suchten — darum handelt es sich doch! — nicht nur um eine Partei dreht, die in jüdischen Fragen liberal zu sein behauptet, sondern um eine Gruppe, die sich auch in der allgemeinen Politik zum Liberalismus bekennt. Die weit darüber hinaus überhaupt aus ihrer angeblich liberalen Weltanschauung ein Programm macht! Dagegen hat sich nun aber Herr Sonnenfeld und seine Gruppe mit ihm am allerschwcrsten versündigt. Dr. Klee hat in seiner glänzenden Abfertigung der liberalen Hintertrepnenpolitik bereits ein allzu langes Sündenregister zu verfertigen gehabt. Sonst hätte gerade er den jüdischen Liberalen sicherlich in Erinnerung gerufen, daß der Brief Sonnenfelds vom 21. Oktober vor allem ein Faustschlag gegen alle liberale Politik ist. Nicht etwa, weil Denunzieren und Zum-Minisfer-Laufen schon nicht sehr liberalen Gepflogenheiten entspricht, sondern aus einem sehr viel ernsteren Grunde. Das Regierungssystem, das wir heute in Deutschland haben, und das auf einem, wenn auch noch sehr unvollkominenen, Parlamentarismus beruht, ist doch die mangelharte Erfüllung einer uralten liberalen Forderung. Dieses System bringt es aber naturgemäß mit sich, daß die regicren Je Partei auch die Verwaltung mit ihren Anhängern zu durchsetzen versucht. Das ist geradezu eine Lebensbedingung dieses Systems im Gegensatz zu der scheinheiligen Objektivität der ״über den Parteien stehenden“ Beamten des alten, vom ganzen Liberalismus so heftig und konsequent bekämpften Obrigkeitsstaates. Der Liberalismus stand eben immer zu der Ehrlichkeit, Anständigkeit und menschenmögliehen Unbefangenheit des Bcatpten, wer er auch sei, viel ehrlicher und anständiger als seine Gegner. Er hielt den Beamten, und wenn er der geschworenste Anhänger seiner Partei ist, grundsätzlich für fähig, auch dem Gegner Gerechtigkeit werden zu lassen. Kurz: er war eben — liberal! (Freilich war das in der Zeit, als Ehrlichkeit und Anständigkeit noch als Tugenden galten, die oft nicht erreicht, aber immer erstrebt wurden.) Damit vergleiche man nun den Brief des Herrn Sonnenfeld — . . zu prüfen bitte, ob der Verfassungsabteilung ein Mitglied dieser Partei angchört . . . zu prüfen, ob nicht iu der vorliegenden Frage jede Mitwirkung eines zionistisch eingestellten Herrn Bedenken unterliegt.“ Und ein Liberaler, der das schreibt! Und ein Berliner Justizrat, der für diese typische Untertanen-Eingabe bei einem sozialdt״־׳.'>krat!schen Minister (für den es Selbstmord wäre, solcher Ger!1.111«,; schnüffele! nachzugeben!) auf Entgegenkommen 41־! rechnet,, wagt! Der nicht begreift, daß er hundert Jahre, mindestens .aber ein Menschenalter zu spät geboren wurde... ״Nach ' diesseitigem unmaßgeblichem Dafürhalten“ — schreibt difer liberale Staatsbürger von 1926 und fühlt nicht 1יי den Stil und die Gesinnung des preußischen י •er ׳«fon Rochow geradezu imitiert, der — aber .von .untenJMnaufL Hb*rat»»..ü• E, duigsgenossen mR dem berühmt gewordenen ' istrllS!»!•!'־:: ,», . . es geziemt dem Untertan nicht, die Handlungen ■Staatsoberhauptes an den Maßstab seiner beschränktes : (״unmaßgeblich“ heißt's bei Sonnenfeidi) '! idF'fcich in dünkelhaftem Uebermute ein Iffentiicce-־ Un ei! über die Rechtmäßigkeit (Gott behüte: ״Dafürf^.licn“ sagt Sonnenfeld!) derselben anzumaßen...“ Dieser Herr Sonnenfeld und seinesglerhen müßten, wenn es überhaupt •noch U... ,י ale Partei gäbe in Deutschland, mit Schimpf und mit Scharm hinausgeiagt werden, denn s i e kompromittieren den Liberalismus! Das Judentum, Hand aufs fierz, Freunde, schädigen sie erheblich weniger, weil sie ja niemand mehr für seine Vertreter hält. Aber haben wir Juden, auch wenn wir ganz andere Wege, besonders in jüdischen Dingen einschlagen mußten, denn nicht auch so etwas wie eine •Ehrenpflicht gegenüber dem alten Liberalismus? Schließlich können ja die Liberalen der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts nichts dafür, daß die von ihnen eingeworfenen Ghetto-Mauern von ihren kleinen Nachfahren hundert Jahre später im Geistigen wieder aufgerichtet wurden. Wir dürfen also wohl auch im Namen des wirklichen und echten Liberalismus, der eine große Idee war und ist, trotz seiner ״iinmaßgcblHien“ Vertreter von heute, gegen die Sonnenfeldiade protestieren. Auf die ״diesseitigen Dafürhalter“, die sich jetzt mit dem verstaubten liberalen Wappen schmücken merkten, trifft doch in vollem Umfange zu, was der deutsche Volkswirtschaftler Rodbertus freilich schon vor fünfzig Jahren von den Liberalen behauptete: ״Sie zittern ja alle vor ihren eigenen Grundsätzen!“ Dr. Julius Becker. Anm. d. Red.: Wir geben der Zuschrift des geschätzten Einsenders Raum, möchten jedoch bemerken, daß Dr. Klee in seiner Rede in der Repräsentantenversammlung, die in der ״J. R.“ notgedrungen nur gekürzt wiedergegeben werden konnte, auch die von Dr. Becker betonten Zusammenhänge angedeutet hat. Richtigstellung ln der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ wurde in dem Artikel ״Der Fall Sonnen feld“ die Bemerkung gemacht, daß nach der Tagung des Landesverbandes ״die ,C.-V.-Zeitung‘, die ,Jüdisch-liberale Zeitung‘ und das Organ des Verbandes nationaldeutscher Juden in schöner Harmonie unwahre Angaben über Sonnenfelds Brief gemacht haben“. Damit war gemeint die Angabe, daß Sonnenfeld in seinem Brief lediglich ^ersucht habe, Dr. Badf nicht zu der von ihm erbetenen Unterredung zuzuziehen. Wir haben nachträglich festgestellt, daß unsere Bemerkung insofern unrichtig ist, als die ״J ü d i s c 11 1 ־ i b c r a I e Zeitung“ nicht in diesem Sinne berichtet hat, sondern in ihrem Artikel nach der Landesverbandstapng den wirklichen Inhalt des Briefes angedeutet und hinzugefügt hat, Sonnenfeld wollte durch diesen Brief erreichen, den Minister allein ohne Dr. Badt zu sprechen. Wir stellen daher richtig, daß sich die ״Harmonie“ diesmal lediglich! auf die ״C.-V.-Zeitung“ und das Blatt der nationajdeutschen Juden bezieht. Das Organ der Deutschen Liga für Menschenrechte bringt in Nummer 14 einen Brief aus Galiläa ״Vom werdenden Morgenland“, der mit größter Begeisterung die jüdischen Siedlungen schildert Der Schreiber ist Katholik und sicht in den Juden der Kwuzoth einen neuen Typus, wie ihn ״Deittsche nie fertig kriegen“ würden. Die von Herrn Ettinger zusammengestellte neue illu- «trierte Broschüre über die jüdische Kolonisationstätigkeit im Emek Jesreel, die der Keren Hajessod bisher in jiddischer und deutscher Sprache herausgegeben hat, wird demnächst auch in englischer Sprache erscheinen. Die Gründung des Pro Palästina Comites wird nun auch in der jüdischen assimilatorischen Presse besprochen. Das Organ des ״Verbandes nationaldeutscher Juden“ bringt an der Spitze seiner letzten Ausgabe eine Erklärung, worin es ״bedauert“, daß ״selbst hohe Beamte des Reiches und des Staates unter dem Einflüsse zionistischer Ratgeber sich in die Gefahr begeben, für die Zwecke der Jüdischnationalen ausgenutzt zu werden. — Die ״C.-V,-Zeitung“ glaubt die Absichten der Mitglieder des Komitees interpretieren zu müssen, indem sie schreibt: ״Daß es leider nach außen den Anschein hat, als ob die Unterstützung des Komitees n u r der nationaljüdischen Palästina-Arbeit dient, lag keineswegs in der Absicht der Männer und Frauen, die in das Komitee eingetreten sind. Daß keiner der nichtjüdischen Unterzeichner mit diesem Eintreten für jüdische Siedlungsarbeit in Palästina damit irgendwie eine Stellungnahme zugunsten des Nationaljudentums als solchem bekundet, ist selbstverständlich. Andererseits ist durch die Beteiligung so vieler Nichtjuden eine Garantie gegen Ausnutzung des Komitees zugunsten nationaljüdischer Bestrebungen gegeben. Das glauben wir bestimmt zu wissen.“ Es scheint iu diesen Kreisen ein völliges Mißverstehen der Ziele des Komitees vorzuherrschcn, wie schon aus der Bemerkung hervorgeht, durch die ״Beteiligung so vieler Nichtjuden“ sei eine Garantie usvv. gegeben. Das Pro Palästina Comite ist doch keineswegs eine zionistische Organisation, sondern eine Gesellschaft von Persönlichkeiten, in erster Linie N i c h t j u d e n, die mit verständnisvoller Sympathie das Werk des Zionismus begleiten. Die nichtjüdischen Freunde der zionistischen Idee und zionistischen Arbeit sind natürlich selbst nicht Mitglieder der Zionistischen Örganisation, die bekanntlich keine Nichtjuden umfaßt. Es handelt sich um eine politische Gesellschaft, die ein politisches Werk fördern will. Alle Mitglieder der Gesellschaft sind sich darüber im klaren, daß der Zionismus laut Mandat die Errichttmg der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina erstrebt. Die ״Jüdisch •liberale Zeitung“ erklärt, es wäre ihr lieber gewesen, ״dieselben Männer zu einem einmütigen Bekenntnis gegen den innerdeutschen Judenhaß als einer deutschen Schmach sich Zusammenschlüßen zu sehen“. Sie bekämpft das Pro Palästina Comite in einem dreispaltigen Leitartikel mit den wohlbekannten Argumenten der assimilatorischen Emanzipations-Ideologie. Die deutschen Juden, so sagt sie, wollen nicht ihr religiöses Zion mit dem räumlichen Palästina verknüpfen. Ihnen scheine die Loslösung der jüdisehen Religion vom Boden Palästinas kein bedauerlicher Zufall, sondern ein sinnvolles Geschehen. Die deutschen Juden, so fährt das Blatt fort, ״empfinden sich als einen unlöslichen Bestandteil des deutschen Volkes“. Der Aufbau Palästinas sei in erster Linie ein Werk jüdisch-nationalen Woliens. — Es ist hier nicht der Ort, gegen diese Gedankengänge zu polemisieren, deren historischen Ursprung wir kennen, die aber im Verlauf eines ereignisreichen Jahrhunderts ihre Unrichtigkeit erwiesen haben. Die liberalen Juden treiben Vogel-Strauß-Politik. Sie verbergen ihre Augen vorhistorischen Fakten. Mit der alten Assimilations-Ideologie ist die Judenfrage nicht zu lösen. Darum muß diese von der zionistischen Ideologie abgelöst werden, die allein das Judentum befreien kann. An leitender Steile der letzten ״C.-V.-Zeitung veröffentücht L׳*rd־«ri^ fftttHHUPer elfte *״innerjtWfilew *Ber trachtung“ ״Vom inneren Frieden“. Er tritt dafür ein, daß eine aus Vertretern aller jüdischen Richtungen bestehende kleine Körperschaft gebildet wird, welche hauptsächlich zur ״grundsätzlichen Klärung strittiger Fragen, ihrer Verarbeitung zu Gutachten und zur schiedsrichterlichen Schlichtung von Streitigkeiten bestimmt ist“. Holländer meint, man müsse der Judentrage mit wissenschaftlichen Mitteln zu Leibe gehen und übersieht dabei, daß die meisten Politiker gerade das ״objektive Wissenschaft“ nennen, was ihrer vorgefaßten Meinung und ihrem Werturteil entspricht und zur Stütze ihrer Thesen ihnen brauchbar scheint. Und doch zeigt Holländer selbst an mehreren Beispielen die Relativität der Wahrheit sogar von Tatsachenberichten, und betont, daß viele Vorstellungen unserer politischen Auseinandersetzung noch nicht eindeutig geklärt sind, ln bezug auf die Palästinafrage erklärt er, auch die Assimilanten seien für Palästina, freilich nur unter Zugrundelegung volkswirtschaftlicher Gesichtspunkte und unter Ausschaltung der Politik und des Nationalismus. Er hält es für ״überflüssig“, ein Kulturzentrum in Palästina zu schaffen und erklärt, auch der C.-V. wolle ״allen helfen, die sich in Not und Elend befinden“. Die Grundlage, auf der die C.-V.-Arbeit nach außen geleistet wird, sei ״jüdischer Glaube und deutsche Heimat“. Wir behalten uns vor, auf die Ausführungen Dr. Holländers, die wir als einen Versuch, die innerjüdische Diskussion auf eine urbanere Basis zu bringen, begrüßen, in anderem Zusammenhang noch zurückzukommen. Presse •Schau In der ״Vossischen Zeitung“ vom 23. Dezember veröffentlicht Prof. Franz Oppenheimer einen Aufsatz ״Das neue Palästina“, in welchem er seine Anschauungen zusammenfaßt, die unseren Lesern aus der Wiedergabe seines Berliner Vortrages bekannt sind. Die Redaktion versieht den Artikel mit einer auf die Gründung des Pro Palästina Comitds verweisenden Vorbemerkung. Es ist zu begrüßen, daß durch diesen Aufsatz, der die im ganzen positive Ein- Schätzung des in Palästina wirtschaftlich Geleisteten zur Geltung kommen läßt, der irreführende Bericht, den die ״Vossische Zeitung“ seinerzeit über Oppenheimers Berliner Vortrag veröffentlicht hat, richtiggestellt wird. * In der französischen Monatsschrift ״Le Monde Nouveau“ vom 15. November erschien ein Artikel des Senators Justin Godart über ״France-Palestine“ . worin er die Entstehung dieser Gesellschaft der Freunde des Zionismus in Frankreich schildert Godart erwähnt die Stellung der französischen Juden zum Zionismus und bespricht dann die wirkungsvolle und erfolgreiche Tätigkeit Dr. Victor Jacobsons, dem es gelang, die öffentliche Meinung Frankreichs für den Zionismus zu gewinnen. Godart hebt die großen persönlichen und diplomatischen Fähigkeiten Dr. Jacobsons hervor und betont die Bedeutung, die Frankreich für die jüdische Arbeit haben könnte, insbesondere durch Ausbildung von Chaluzim in Frankreich, durch intellektuelle Hilfe usw. Gelegentlich einer Besprechung von Ernst Bergs ״Wohin treibt Juda“ schreibt Margarete Susman in der ״Frankfurter Zeitung“ u. a.: ״was immer im Verlauf der trüben Menschengeschichte auch den Messiasgedanken getrübt, was sich ihm an fremden irdischen Tendenzen angehängt haben mag — kann es, wenn der Jude um jeden Preis, auch um den des bittersten Leidens, eingewilligt hat zu leben, viel große und mächtige Völker zu überleben — im Letzten irdische Daseinssucht gewesen sein, die ihn diese Hölle auf sich nehmen ließ, wo doch dem einzelnen das irdische Dasein unendlich leichter und freudiger entgegengekommen wäre, wenn er das Dasein des Volkes geopfert hätte? — Gerade hierin unterscheidet sich ja der jüdische Nationalismus von allen anderen Nationalismen: daß nicht Glück, sondern Leid auf seiner Verwirklichung steht, weil sein Endziel nicht Macht ist, sondern Erlösung.“ * Justizrat Dr. E. F r ä nk c l veröffentlicht in den ״M i nebener Neuesten Nachrichten“ einen Artikel über die Propaganda der Schächtgegner, der in folgendem ausklingt: ״.... Die Wissenschaft mag darüber entscheiden, ob die Frage der Tierquälerei beim Schächtakt besser geklärt ist als die der menschlichen Gesundheitsschädigung bei dauerndem Entzug des Flclschgenusses. Da sich die Auslassungen der Schächtgegner in den ,M. N. N.‘ mit Vorliebe auf das Gebiet des Alten Testaments begeben, ist es vielleicht einen!,; religiösen Juden gestattet, sich ebenfalls aut dasselbe zu be!-1 ziehen. Der Prophet Hosea geißelt in einer seiner Reden in lapidarer Weise seine Zeitgenossen mit den Worten: ,Die da Menschen opfern, küssen Kälber.‘ Auch das religiöse Judentum fühlt sich aut das tiefste darüber erregt, daß seine Gewisscnskrupeln vermeintlichen Tierschutzinteressen geopfert werden sollen.“ Ip der ״Weitbühne“ Nr. 50 veröffentlicht S. Feldmann unter der Ueberschrift ״JederJu de seineigener Antisemit“ einen sehr lesenswerten und beherzigenswerten Artikel gegen die Selbstverspottung der Juden in den Kabaretten 11. 5. Lokalen, Juden und Araber Die arabische Zeitung ״M okkatam“ (Cairo) bringt einen längeren Aufsatz über die Möglichkeiten einer jüdischarabischen Verständigung. Das Blatt erwähnt dabei den Bericht des Carnegie-Institutes, in dem bekanntlich von der Unmöglichkeit gesprochen wird, die zionistischen Pläne in Palästina zu verwirklichen. Das Blatt bringt zur Erhärtung dieser Anschauung einen aufgebauschten Bericht über die Wirtschaftskrise in Palästina und führt falsche Zahlen über die Ein- und Auswanderung an. Nach seiner Ansicht beträgt die Zahl der Juden in Palästina heute nur 85000. Der Aufsatz schließt mit den Worten: ״Es scheint, daß eine Verständigung zwischen luden und Arabern in Palästina heute möglich ist, nachdem den Weitschauenden unter den Zionisten die Schwierigkeit der Verwirklichung des zionistisehen Traumes — die Gründung eines jüdischen Staates — klar geworden ist. Wir zweifeln nicht daran, daß die jüdischen Immigranten, unter denen sich bedeutende Gelehrte und Ingenieure befinden, viel zur Entwicklung des Landes beitragen werden, wenn sie ihre politischen wünsche aufgeben und mit den Arabern als gute Nachbarn leben werden, als Nachbarvolk und nicht als Eindringlinge, die von den Landeseinwohnern Rechte fordern, die sie nur mit Gewalt erringen werden.“ Kleine Nachrichten Die Zion Exekutive veranstaltete in Lo!4Ä«»1 einen Empfang Col Wedgwood und den bekannten jKaritaHsten N e v i n s o n anläßlich ihrer Rückkehr aus Palästina, Udnson hat im ״Manchester Guardian“ sechs Artikel über IlfMna veröffentlicht. ׳ p! Me Bladtatwahien 1׳!»■ ganz Palästina werden imVVtrlitff des'Ä'OBrt» jMir‘i'TfW«vor *Ich gelte.1''י‘ '־'ז n י ־, Wie ״Hazafön“ mitteilt, hat Here J י vae r o v, derHeraasgeber von ״Misehar we Taass'ai!•‘,* den Antrag der Exekutive, das Sekretariat des Finanz- und Wirtschaftsrates zw übernehmen, ab ge lehnt Jevzerov ist Revisionist, Wie der ״Haaretz“ berichtet, sollen von Anfang 1927 die Eisenbahn-Fahrpreise von Jerusalem nach Jaffa herabgesetzt werden und nur mehr in der HI. Klasse 12,5 Piaster und in der II. Klasse 25 Piaster betragen, (Ziko.) Wie der ״Haaretz“ berichtet, ist Herr P a 3 m a n » der Vertreter der American Zion Commonwealth in Palästina, infolge prinzipieller Meinungsdifferenzen zwischen ihm und den übrigen Direktoren der Zion Commonwealth in Amerika von seinem Posten zurückgetreten. Der Generalsekretär der Zionistischen Organisation, Israel Cohen, reiste am 14. Dezember nach dem Kontinent ab, um die wichtigsten zionistischen Föderationen in Zentral- und Südosteuropa zu besuchen. Er wird voraussichtlich zwei Monate unterwegs sein und auf seiner Reise Frankreich, die Schweiz, Italien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Ruminien, Ungarn, Oesterreich, die Tschechoslowakei und Holland berühren. (Ziko.) Kenworthy, Mitglied des Unterhauses, ist von seinem Besuch in Palästina nach London zurückgekehrt und hat am 29. Dezember an Bord der ״Berengaria“ die Reise nach Amerika angetreten, um Dr. Weizmann in der Kampagne für den United Palestine Appeal zu unterstützen. Die erste Nummer eines Bulletins, das alle 14 Tage unter dem Titel ״Aufbau Palästinas“ erscheinen soll, ist am 3. Dezember vom Hauptbüro des Keren Hajessod herausgegeben worden. Die erste Nummer enthält 1 n f o r - matinnen über die allgemeine Lage in Palästina, über die verschiedenen vom Keren Hajessod finanzierten Institutionen in Palästina und Berichte über die Tätigkeit des Keren Hajessod in den verschiedenen Ländern. Das oft bekundete praktische Interesse der Christadelphischen Sekte an Palästina ist neuerdings wieder durch eine Spende für einen Garten von 100 Bäumen bewiesen worden, die ein amerikanischer Anhänger dieser Sekte gestiftet hat ln Ha dar Hakarmel wurde am 1. Dezember durch Verlegung der Filiale aus der deutschen Siedlung ein neues Postamt eröffnet. Das Postamt wird am Sonnabend geschlossen sein. (Ziko.) Wie der Generaldirektor des Telephonwesens in Palästina, M. H. Smith, laut der ״B. Z.“ im ״Telephon- und Telegraph-Journal“ mitteilt, kann man in Jerusalem in folgende# 11 Sprachen Telephonverbindung verlangen und sie auch erhalten: englisch, hebräisch, arabisch, deutsch, französisch, italienisch, spanisch, griechisch, russisch, rumänisch und aramaisch. In Palästina weilt jetzt ein Vertreter der Anglo- Aegyptischen Taxy-Motor Company, um che palästinensischen Autodroschkenbesitzer ebenfalls für Einführung von Taxameteruhren zu gewinnen. (Ziko.) Der älteste Rabbiner der Berliner jüdischen Gemeinde, Rabbiner Dr. Samson Weisse, feiert am 22. Januar seinen 70. Geburtstag. Vom 1. Januar ab erscheint in Czemowitz unter der Re* daktion von Dr. Manfred Reifer eine neue zionistische Wochenschrift unter dem Titel ״Neue Jüdische Rundschau“. Anfang Januar wird der bekannte Wiener Publizist Jakob K r a u s z 60. Jahre alt. Seit 1919 ist er Redakteur der ״Wiener Morgenzeitung“. Die Redaktion der ״Wiener Morgen Zeitung“ und die Wiener Zionisten planen aus diesem Anlaß besondere Ehrungen.

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