Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 102-103 (30.12.1926)
- Date
- 1926-12-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 740 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 102/103 der Gahith schwer verständlicher und schwer zu realisierender 1 sozial-ökonomischer Auffassung der ״Hitachduth“? Dieses Problem steht in der Partei zur Diskussion. Die Vertreter der 1״ litachduth“ im Parlament, in den Stadträten und jüdischen Gemeindeverwaltungen, in der kooperativen Bewegung, in verschiedenen Sozial- und Wohlfahrtsinstitufionen waren gezwungen, sich mit den Lebensfragen der jüdischen Massen zu beschäftigen, leisten oft in diesen Be- Ziehungen musterhafte Arbeit, sind aber oft in schwieriger Lage, wo eben nationale und soziale Momente in Konflikt geraten. Das nationale Moment war bisnuu in solchen Fällen das vorherrschende bei der ״l litachduth“ und so erklärt es sich, daß im Gegensatz zu den Poale Zion, die ״Hitachduth“ es für möglich hielt, in vielen Fällen (bei Wahlen u. dgl.) mit ״bürgerlichen“ Zionisten zusammen aufzutrefen. Die letztens in Warschau und Lemberg abgehaltenen Konferenzen der ״Hitachduth“ haben die Lösung dieses Problems der ״sozialen Basis“ noch nicht endgültig formuliert, in Umrissen jedoch schon ldargclegt. Es wurde dort ausgesprochen, daß die Gegemvartsarbcit der ״Hitacbduth“ organisch mit ihrer Palästinaarbeit verbunden ist und als Inhalt dieser Gegenwartsarbeit bezeichnet wird: ״Konstruktive soziaiökonoinische Tätigkeit zwecks Produklivicrung der jüdischen Massen (Fachschufen, kooperative Bewegung) arid allmählicher Verminderung der unproduktiven Frwerbsformen bedeutender jüdischer Volksschichten.“ Die Partei hat sich zu stützen auf und soll vertreten die Interessen der Arbeiter (manueller und geistiger) und der selbstarbeitenden kleinen Handwerker. Fs ist das Bestreben bemerkbar in der ״!litachduth“, in die Reihen der professio- ת eilen Verbände (Gewerkschaften) einzutreten, um dort den ökonomischen Lebenskampf zusammen mit allen anderen Berufsgenossen zu führen und gleichzeitig dort die bestehende politische Atmosphäre zu entgiften und die nationalen jüdischen Interessen wahrzunehmen. Da sind wir aber schon beim Problem ״Klassenkampf“?«gelangt. Die Beziehungen zur sozialistischen Theorie und den heutigen sozialistischen Organisationen (Internationale) sind Gegenstand mehrfacher Erörterungen in der ״Hitachduth“ seit der letzten Weltkonferenz in Wien (August 1925). Die damals zutage getretenen Widerstände gegen die Vorschläge Arlosoroffs stammten meistens aus Polen. Sollte die obenskizzierte Entwicklung in Polen rasch vor sich gehen, wird dies sicherlich einen entscheidenden Einfluß auf die klüftige Stellungnahme der Welthitachduth haben. y Wir haben absichtlich gerade diese Probleme der polnischen Hitachduth hervorgehoben, da sie, wie uns scheint, der breiten zionistischen Oeffentlichkeit unbekannt sind. Es soll aber dadurch nicht der Eindruck entstehen, daß die rein palästincnsischen und zionistischen Aufgaben bei der ״Hitachduth“ in den Hintergrund getreten sind. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Nur gibt es auf diesem Tätigkeitsgebiete der ״Hitachduth“ wenig Problematisches. Es muß besonders die hebräische Kulturtätigkeit der ״Hitachduth“ in Polen hervorgehoben werden. Die Partei ist zum größten Teil hebraisiert, ihre Tagungen sind fast rein hebräisch und ihre besten Kräfte widmen siclty der ״Tarbuth“-Organisation. Im ״Hechaluz“ entfaltet die ״!litachduth“ eine intensive Tätigkeit. Ihre wertvollsten Menschen wanderten und wandern nach Paläsiina aus. Die ״Hitachduth“, welche schon jetzt verhältnismäßig stvk Ist (gegen 10000 organisierte Mitglieder) hat potentiell große Möglichkeiten der Entwicklung in Polen. Die Situation der Partei ist aber heute nicht ohne Schwierigkeiten. Das Programtn der ״Hitachduth“, welches vielfach den zionistischen ״kategorischen Imperativ“ proklamiert, das Phrasentum und ilPSÄ•©!1® ׳*fM§׳.׳I|Wlitl* die größte Willensanstrengung des .Einzelnen und der G-'-'witotIf •. fmawgt״‘~und ‘ganz* llialÄlottcnBtifilgf't-ioaiilökönofflfcpfie;,Gedanken predigt — kann schwer auf Popularität rechnen. Öef Masse bleibt dieses Programm unverständlich. ■ Dazu kommt, daß noch i:1 den Reihen der ״Hitachduth“ In sehr vielen Punkten große Meinungsverschiedenheiten bestehen oder aber die dargebrachten Auffassungen vielfach der Klarheit entbehren. ״Massenpartei“ oder ״Partei der Auserwählten“ so hört man oft dieses Dilemma aussprechen. Aehnliches gilt übrigens in Palästina für den Hapoel Hazair. Schließlich fehlt es an einem gut funktionierenden, straff organisierten Parteiapparat. Die jüdischen Sowjeibeamten Moskau, S. Dezember. (j.T. A.) ln Verbindung mit der Hetze gewisser Kreise in Rußland betreffend eine angebliche U e berhandnahme jüdischer Beamten in den Sowjetanstalten wird mitgeteilt, daß von den 15 Volks- Kommissaren kein einziger Jude ist. Im Zentralexekutivkomitee sind von 581 Mitgliedern 30 Juden, Im Exekutivkomitee des Moskauer Sowjet sind von 209 Mitgliedern 11 Juden. Unter den 105 Mitgliedern des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rußlands sind nur 11 Juden. Unter mehr als einer Million Mitgliedern und Kandidaten der Kommunistischen Partei sind 30 000 Juden. Die Juden bilden 11 0/0 der Städtebevölkerung, nehmen aber nur 8 0/0 der Sowjetstellen ein. Die rumänischen Ausschreitungen In Jerusalem fand eine Demonstration der dortigen Juden vor dem rumänischen Konsulat Hs Protest gegen die bekannten Vorfälle in Rumänien statt. Einer von den Demonstranten gewählten Abordnung sprach der Konsul sein Bedauern über die Ausschreitungen gegen die Juden in Rumänien aus. Er hoffe sicher, daß die rumänische Regierung der Unruhen Herr werden würde. (Ziko.) I Das neue Handelszentrum in J^rosalem Jerusalem, 18. Dezember. (J. T. A.) Nach langen, gemeinsamen Bemühungen der jüdischen, mohammedanischen und christlichen Kaufleute Jerusalems wurde der Gfcindstein für ein neues Geschäftsviertel gelegt, das den wachsenden geschäftlichen Verkehr von den überfüllten Gäßchcn des alten Basars nach den Hauptverkehrsadern des heutigen Jerusalems verlegen soll. Das Grundstück wurde vor fünf Jahren in der Mamilla Road von der Palestine Land Development Com- ~any erworben. Ihr Direktor, Dr. J. Thon, hielt in Anweseneit des Vertreters des Distrikt-Gouverneurs und der verschicdenen kaufmännischen Abordnungen eüte Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß das neue Geschäftszentrum nach vielen Schwierigkeiten dank der gemeinsamen Anstrengungen der Jerusalemer Kaufleute entstanden war. Ein Darleben von £E 14000 seitens eines kanadischen Industriellen. Herrn A. Pie ree, hat die Vollendung des Projektes ermöglicht, und die Behörden haben versprochen, eine neue, direkte Straße vom Postamt zur Eisenbahnstation zu bauen, die das neue Viertel durchschneiden wird. Es sprachen noch der Präsident der Jerusalemer Handelskammer, Herr Pie ree, Dr. Arthur Ruppin, der Bürgermeister von Jerusalem u. a. m. 1 herauf wurde der Grundstein gelegt. Wie der >;Haint“ berichtet, wird Sir Wyndham D e e d e s am 2. Januar tn Warschau eintreffen, um sich an der dortigen Keren Hajessod-Kampagne zu beteiligen. Jaffa und Tel״Awiw Die beiden Munizipalitäten Von unserem Korrespondenten. A. G. Tel-Awiw, den 22. Dezember 1926. Noch hat unter den Parteien, aus denen sich die neue Stadtverwaltung Tel-Awivvs zusammensetzt, keine endgültige Einigung stattgefunden. Erst heute abend soll die erste Sitzung des Rates zusammentreten, die eine Koalition schaffen soll. Und schon wurden die Vertreter der Tel-Awiwer Bürgerschaft vor eine Frage erster Importanz gestellt. Vor einigen Tagen hörte man, daß die Regierung den Paragraphen in den Statuten Tel-Awiws, der ihren Einwohnern das Wahlrecht für die Munizipalität Jaffa sichert, streichen will. Die Nachricht bewirkte Entrüstung und Unruhe in allen Lagern. Sitzungen der verschicdenen Körperschaften, für die diese Frage von Bedeutung ist, traten sofort zusammen, um zu beraten, was zu tun sei. Und vor zwei Tagen fand eine außerordentliche Sitzung der Stadtverwaltung statt, die zu den Schritten der Regierung Stellung nahm. Die Frage der Streichung des ״Paragraphen 11“, der deu Einwohnern Tel-Awiws das Wahlrecht in Jaffa sichert, ist keine rein lokale Frage. Sie steht im Zusammenhang mit der allgemeinen Situation, die durch die Munizipalitätswahlen im ganzen Lande geschaffen worden ist. Die Einrichtung gewählter Stadträte ist der erste kleine Schritt auf dem Wege von einem rein autokratischen zu einem parlamentarischen Regime. Die Autonomie dieser gewählten Stadtverwaltungen ist sehr stark beschränkt und ajle Teile sind bis jetzt unzufrieden. Die jüdische Presse im Lande ist seit Wochen voll von Berichten und Artikeln, aus denen hervorgeht, daß die Juden nicht mit den Wahlvorbereitungen zufrieden sind. Dem Waad Leumi ist es nicht gelungen, der Regierung gegenüber seine Forderungen durchzusetzen. Die Zusammen- Setzung der W ahlkommissionen in den verschiedenen Städten ist dazu angetan, den Einfluß der Juden emp- Endlich zu beschneiden. Bis jetzt hat keine Bemühung, etwas zu ändern, gefruchtet. Dadurch hat sich der Unwille unter den Juden gegenüber den Wahlen zu den Munizipalitäten gesteigert und es ist zu fürchten, daß die Beteiligung schwach sein wird. In Tel-Awiw war mau in den letzten Wochen so sehr mit den lokalen Wahlen beschäftigt, daß man sicii uin die allgemeinen kaum kümmerte. Tel-Awiw hat durch seine im Jahre 1921 festgclegten Statuten eine besondere und einzigartige Stellung unter den Städten Palästinas. Aber trotz allem Ausbau der Selbstverwaltung blieb es eine ״Vorstadt“ von Jaffa, die rechtlich keine ״immicipality“, sondern nur eine ״township“ darstellte, und dementsprechend in verschiedenen Beziehungen von Jaffa abhängig blieb. Als logische Konsequenz dieser Verbindung mit der Nachbarstadt hatte Tel-Awiw das Recht, sich an den Wahlen in Jaffa zu beteiligen. Nun strich die Regierung plötzlich, ohne vorher irgend etwas verlauten zu lassen oder sich zu beraten, den Paragraphen, der Tel-Awiw Einfluß auf Jaffa zuspricht, ohne jedoch sonst irgend etwas an den Statuten zu ändern. Dadurch wurde die folgende Situation geschaffen: Tel-Awiw׳ ist in wichtigen wirtschaftlichen Fragen von der Zustimmung Jaffas abhängig, hat aber keine Möglichkeit, auf die Munizipalität Jaffas Einfluß zu nehmen und dort seine Interessen zu verteädigen. Und doch geht der Import und Export über Jaffa, Jaffa ■«וו#. •bestellt׳:׳'rtne -"׳Ständige״״Bewegung״ zwischen den beiden Zentren. Es war klar, daß es nur zwei Wege geben könne: Entweder erhält Tel-Awiw völlige Autonomie oder es muß die alte Form der Organisation, das heißt Beteiligung der Juden an der Munizipalität Jaffa bestehen leiben. Dementsprechend bildeten sich sofort in Tel-Awiw zwei Auffassungen. Eine bestand auf der Aufrechterhaltung des Paragraphen 11, der das Wahlrecht für Jaffa sichert und für die Ergreifung aller nur möglichen Maßnahmen, uni zu diesem Ziele zu gelangen. Ihr hingen vor allem die Kreise der Stadt an, die durch geschäftliche Beziehungen unmittelbares Interesse an Jaffa haben. Die zweite Auffassung argumentierte folgendermaßen: Die Beteiligung Tel-Awiws an den Wahlen in Jaffa war solange logisch, wie Tel-Awiw an Zahl and! Bedeutung nichts war als eine Vorstadt von Jaffa. Im Laufe der Entwicklung ist Tel-Awiw einen eigenen Weg zu einer möglichst־ vollständigen Autonomie gegangen. Dieser Weg führt notwendigerweise zum Verzicht auf das Wahlrecht in Jaffa, zur Um- Wandlung Tel-Awiws aus einer township in eine municipality und im Anschluß daran zur völligen Unabhängigkeit von Jaffa. ,< Im Laufe der letzten fünf Tage wurden alle möglichen Schritte getan, um die Sachlage zu klären. Die verschiedenen Institutionen, wie die Handelskammer, die Industrieföderation usw. traten zu Besprechungen zusammen. Verschiedene Delegationen verhandelten mit dem Bezirksgouverneur, und der Waad Leumi und die Exekutive, die man herangezogen hatte, berieten mit den Zentralbehörden und brachten die Forderungen und Beschwerden Tel-Awivvs vor. Zuerst schien es, als sollte ein Aufschub eintreten, da der Bezirksgouverneur von Süd-Judäa erklärte, daß die Veröffentlichung der neuen Vertilgung erst stattfinden solle, wenn die Verbandhingen beendet seien. Unterdessen wurde jedoch im Regierungsblatte bereits der Wortlaut der neuen Verfügung publiziert. Unter diesen Umständen trat die neue Stadtverwaltung von Tel-Awiw, bei der die Verhandlungen zwischen den einzelnen Fraktionen über die Koalition noch im Gange waren, zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über die offiziellen Schritte zu beraten. Es wurden die vorher skizzierten Ansichten laut und daneben Minoritätsvorschläge der Revisionisten und Poale Zion, die nicht angenommen wurden. Der Stadtrat kam zu folgenden Konsequenzen: 1. Er protestiert gegen die Aenderung des Statuts ohne vorherige Beratung mit den zuständigen Organen des Jischuw. 2. Die Voraussetzung für die Verweigerung des Wahlrechts der Tel-Awiwer Bürger in Jaffa ist die Umwand- Iung Tel-Awivvs in eine Munizipalität mit allen Befugnissen einer solchen, unter Wahrung der bisher in Tel- Awivv bestehenden Rechte. 3. Zur Erledigung der gemeinsamen wirtschaftlichen Fragen und Maßnahmen Jaffas und Tel-Awiws wird ein gemeinsames Organ der beiden Munizipalitäten geschaffen. 4. Sicherung des Einflusses beider Munizipalitäten auf die in Jaffa befindlichen Regierungsinstitute (Hafen, Zoll, Eisenbahn usw.). Mit diesen Direktiven hat der Stadtrat zweifellos das Richtige getroffen. Vor allem ist es wichtig, daß Tel-Awiw, auch wenn cs sich vollständig von Jaffa trennt, den Einfluß auf die wirtschaftlichen Einrichtungen wie Eisenbahn und Hafen in weitem Maße sich sichert. Tel-Awiw ist ohne den Hafen von Jaffa nicht denkbar. Der gesamte Orangenexport, der gewaltige Tr im port geht über Jaffa. Die Einwanderer, die nach Tel-Awiw kommen, landen in Jaffa. Eine große Anzahl der Einwohner Tel-Awivvs treiben ihre Geschäfte in Jaffa. Es mehren sich immer mehr, besonders jetzt nach der Bestätigung der Paiästina-Anleihe im Unterhaus, die Nachrichten über den Ausbau des Jaffaer Hafens, und wenn hier1 und da auch die Ansicht laut wird, daß die Mole an die; Mündung des Jarkon, also nach Süden geschoben werden soll, so ändert daß nichts an der Tatsache, daß der Hafen von! Jaffa, wo er auch liegen möge, auch rechtlich unter dem Einfluß Tel-Awiws bleiben muß. Wenn cs gelingt, die Forderungen Tel-Awivvs bei der Regierung durchzusetzen, so ist das automatische Vorgehen! der Regierung für uns ein Schritt auf dem Wege zur völligen Unabhängigkeit Tel-Awiws. Zur englischen Palästinapolitik Von Ernst Frankel. London, im Dezember 1926. Palästina hat in der Presse und im Parlament in den letzten Wochen eine verhältnismäßig bedeutende Rolle gespielt. Der objektive Zuschauer muß zugeben, daß die Beurteilung des Zionismus heute in England eine günstige ist, daß wirfschaftliche Arbeit «und eine dem englischen Charakter angepaßte ruhige, phrasenlose Propaganda die zionistische Sache um Meilensteine vorvvärtsgebracht hat. . Die Parlaments- und Ausschußdebatten, in der die ״P a - lästina- und Ostafrika-Anlcihegarantiebill“ besprochen wurde, brachte außer den unfreundlichen Ausführungen des Kommunisten Saklatvala fast keine Oppositionsstimme gegen die Palästina-Anleihe zum Ausdruck. Selbst Captain Foxcroft konnte sich dieses Mal nicht zu einer antizionistisehen Aeußerung entschließen, aber Töne wirklicher Sympathie und ernsthaften Verständnisses konnte man reichlich nören. Sie zeigen, daß in diesem .Parlament heute Verantwortung für die ״jüdische Heimstätte“ in Palästina gefühlt wird, freilich auch Verantwortung für die Araber. — Die Labourparty, die durch ihre verschiedenen Redner, unter anderen den bekannten Nationalökonomen Dr, Dalton scharfe Kritik an der britischen Ostafrika-Kolonialpolitik übte, vor allem an der eingeborenen Politik in Kenya, gewährte nicht nur ihre volle Unterstützung der Palästina-Anleihe, sondern Kenworthy verlangte stärkere aktive Unterstützung des Zionismus durch die Regierung, desgleichen Colonel Wedgwood. Von allen Seifen, auch von dem Kolonialsekrätär Atnery und dem Kolonialuntersekrctär Ormsby-Gore wird der überraschende Erfolg in Palästina festgestellt. Daß das Geschäft, das England mit dieser Anleihe macht, für dieses ein gutes ist, wird von keiner Seite bestritten. Palästina ist in England keine sentimentale Angelegenheit mehr, sondern eine realpolitische und ökonomische. Das ist gut so. — Hier xt!!gen sich die Erfolge der Weizmannschen Politik,*die Wigsäm ihre wertvollen Ergebnisse zeitigt. Arbeiten, Leistungen produzieren und dann fordern, das war Weizmanns Parole und dafür hat das englische Volk Verständnis. Heute fordf't das Parlament stärkere Unterstützung für die Juden, Landzuweisung usw. mit der Begründung, daß die Zionisten ״vvunderba e Arbeit“ in Palästina geleistet härten. Heute .»uff sich die Regierung verteidigen, daß ״sie cs klarzutnacheü versucht, daß sie auf den Fortschritt gerichtete Politik treibt, nicht so schnell vielleicht, als mancher wünscht, aber sich« rlich eine fundierte Politik, die rnan durch die AnleMa beschleunigt sehen möchte“ (Mr. Anvi v. rtolonialsekret r, 2. Lesung). So kann man feststelLm, daß die politische Offensive von Jabotinsky höchstens llihetl an richten ui*״־, mühsam auf* Hfcraber -KbÄ||i#«tn״ zkrMMmi,. artige Zielewicht verfolgt,׳sfelt׳ . S 6':»׳' heute hinter den Zionisten. PtccU^-ine £ Jsefiiiwf der .bi. herigen Politik — stetig, nicht sp.ung/ — wad in.an bM nachdrücklicher Vertretung die Zu,״ei. rdnissi erlangen, die die Zionisten verlangen können. ,V Daß für irgendeine chauvinistische ,R’oÜtik di״ uns heute am treuesten unterstützende Labourparty übemaupt nicht zu haben wäre, ist eine so absrtut^zweifellosc Angelegenheit, daß darüber kein Wort vcrlo•־ crclen muß. Die Labourparty! ist nicht einmal zu Konzessionen zugunsten der britischen! weißen Siedler in Ostafrika auf Kosten der Eingeborenen( bereit, obwohl die Labourparty den Ausbau des bri'.ischen Empire mit allen Mitteln, vielleicht positiver als die KonscrJ vativen unterstützt. Die Labourparty steht stark unter dem' Einfluß ihrer bedeutenden Nationalökonomen (S. Wcbbs, Dr. Dalton usw.), die sehr stark für eine schnelle ökonomische Eröffnung der Territorien in Afrika und arideren Teilen des Empire eintreten, um dort die überschüssige Bevölkerung Großbritanniens unterzubriiigen, ohne aber die Möglichkeit geben zu wollen, durch eine rücksichtslose Ausiüitzungspoü ik den Eingeborenen gegenüber den Lebensstandard^ des englischen Arbeiters drücken zu lassen. Die Labourparty hat für ihre Kolonialpolitik eine Reihe von Leitsätzen auf gestellt, die in einem Buch von Mr. Thomas ״Land and Tne Empire“ niedcrgelegt sind. Diese lauten: ״Die Labourparty besteht mit allen ihren Kräften darauf, folgende drei Prinzipien der Sachwalterschaft zu verwirklichen: 1. Die Eingeborenen müssen genügend Land für ihre eigene Existenz zugesichert erhalten, und deswegen muß das Land als Eigentum der Eingeborenen-Kommunen betrachtet werden. 2. Der Eingeborene muß als Arbeiter ein freier Mann sein und deshalb darf weder Sklaverei noch Zwangsarbeit existieren, und es darf kein Druck auf ihn ausgeübt werden, für An- Siedler zu arbeiten. 3. Ke Verwaltung muß sich selbst verantwortlich halten für die Erziehung des Eingeborenen, seinen Platz sowohl ökonomisch als auch politisch einzunehmen, als freier Mann unter den Bedingungen, die wesentliche Zivilisation nach Afrika gebracht hat.“ Die zionistische Politik aber muß mit der Möglichkeit rechnen, daß!>< i der nächsten Wahl die konservative Regierung von einer Labourregierung abgelöst wird. Die Wiü/mannsche Politik ist die einzig mögliche, die man der Mamkuannacht gegenüber anwenden kann, sie ist auf der wirklichen Kenntnis englischer Politik und Charakters aufgebaut und hat zu Erfolgen geführt, was man aus der Stellung des Parlaments zur Palästina-Anleihe und zum Zionismus am besten sehen kann. Keren Hajessod Delegation nach Polen Das KV: en Hajessod-Direktorium hat beschlossen, eine Delegation nach Polen zu entsenden, an deren Spitze Dr. Scnmai iaäu Lewin stehen wird. Zu gleicher Zeit wird sich auch Rer ehemalige Direktor des polnischen Keren Hajessod, Schmuei Suchowitzky, während seines Aufenthaltes in Polen an der Kampagne des Keren Hajessod beteiligen. Der Delegation werden weiter angehören: Schn rel Tschcrnowitz, der Sekretär des Waad Leumi und D. Borowoi, ein bewährter Mitarbeiter der Allgemeinen Arbeiter-Organisation Palästinas. Die ״Ha bi m ah“ begann ihre amerikanische Tournee; im New Yorker Mansfeld-Theater mit einer Darstellung von Ans!,1s ״IVouk“. Dem Ensemble wurden rauschende Ova-! (!oiיeii bereitet. Die New Yorker Kritik stellt fest, daß die Darbietungen von Habimah befruchtend auf das Theaterlcbon 1 ln Amerika wirken. 1