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Jüdische Rundschau · 1926-12-30 · Heft 102-103 (30.12.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 102-103 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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03 Nr. 102 103׳ JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 745 vom Wirt- Wirtn das r aufer in Wirt- I Wirterung wenn r ge- :fien 011itiven raubt, , und tinenjegen Interodukkann nicht tinsky icheu , daß : Wie*- mehr nnen,? Ist, :hung visioer es . t dem ir zur!eiter- , und an es reiche und tt für Funk- ,eiche ndern wirtrfnem n der Aus- Aus der Diaspora deren t «iterj ans- : t der iahen . Die 1, die Welts die tlicht iumfc , in 1 der i 11 adaß diese der meri- Inein sehen 1 reiht taste. X irk 3it'sc tnker egen dats, timer eitel, wird, che ippin dir hat^ ende icker :incs muß der Exe- :ker, a n - und heid!viel s e r Wir wie ■nde iber ziel! begen und Ite :hrs 1em gen Brief aus Bulgarien Von unserem Berichterstatter. Sofia, Ende November 1926. Vor etlichen Wochen fanden die Wahlen für die Kreisrälc statt. Abgeordnete und Minister durchzogen das Land und hielten in öffentlichen Versammlungen Agitationsreden. Auch der Handelsminister des Kabinetts Liaptscheff, Boboschewsky, hielt bei einer von der Handelskammer in Rustschuk veranstalteten öffentlichen Versammlung eine solche Agitationsrede und erwähnte ein Gesetzesprojekt, durch welches der Hausierhandel eingeschränkt, beziehungsweise den Kriegsinvaliden als Vorrecht reserviert werden soll. Und da entschlüpfte dem Minister die Bemerkung, daß gegenwärtig Armenier und . ״T s c h i f u 1i“ den ambulanten Handel in der Hand haben. Das Wort ״Tschifut“ ist in der Türkei und auf dem ganzen Balkan ein gemeines Schimpfwort auf die Juden; etymologisch läßt sich dieser Ausdruck schwer deuten, genug an dem, daß es von einem Juden als tiefkränkeude Beleidigung empfunden wird. Es wirkt auf den spaniolischcn Juden wie ein Peitschenhieb, verletzt ihn wie das Wort ״Saujud“ den deutschsprechenden Juden. Und nun mußten die bulgarischen Juden dieses Schimpfwort aus dem Munde eines ״demokratischen“ Ministers hören,...! Die jüdische Gemeinde von Rustschuk, eine der ältesten und angesehensten Gemeinden auf dem Balkan, teilte die Provokation dem Zentralkonsistorium in Sofia mit, und das Konsistorium als legale Vertretung der bulgarischen Judenheit beschloß, beim Minister vorstellig zu werden und um eine Erklärung zu ersuchen. Anfangs schien jer Minister eine Aussprache nicht zu wollen, denn er ließ las Ersuchen um eine Audienz unbeantwortet; erst nach etlichen Tagen wurden die Herren vom Konsistorium telephonisch ersucht, bei Boboschewsky zu erscheinen. Inzwischen war nämlich im ״H a s c 11 o f a r“ in Philippopel, dem Organ der bulgarischen zionistischen Organisation, eine ebenso scharfe wie gerechte und würdige Abfertigung an die Adresse des Handelsiniuisters erschienen. Darin wurde ausgeführt, daß die Zeiten vorbei sind, da man die Juden ungestraft als ״Tschifuti“ schmähen durfte. Die bulgarischen Juden sind sich ihres Wertes als nützliche, friedfertige und achtungswürdige Bürger dieses Landes vollkommen bewußt, und sie gestatten es auch einem aktiven Minister nicht, ihre nationale Würd! und Ehre zu schmälern. Von dieser Stellungnahme des zionistischen Blattes offensichtlich betroffen, erklärte Boboschewsky den Herren des Zentialkonsistoriums, daß es nicht seine Absicht gewesen wäre, die Juden als «<־>• he zu schmähen und zu beleidigen, daß er mit dem otnia!:n Worte ״Tschifuti“ lediglich die im Lande herumziehenden, hausierenden Fremdlinge fragwürdiger Herkunft bezeichnen wollte, die unter der Maske von Hausicrern ganz andere, nichts weniger denn harmlose Geschäfte und Gewerbe betreiben 1».,.. Pn1;rJ:,e im Gegenteil Freunde und Parteianhänge! unter j;סחו״, mrenen Juden des Landes, wisse die Tilgende. n׳i 4 5,ta;1׳ki •1« jüdischen Bürger zu würdigen, und w ־klag♦*. fish ׳ ■Pt &״# ..■jSteaat 4§tTr darüber' hinwegtliischen Juden und nicht ״hauste: Boboschewslcy bein» ״HaschofarfV den 1.-litelt.-.,:4:..... ־׳ ״.״,.;ministers nicht er mit!־"seiner Beschimpfung die Fremdlinge" treffen wollte. Vor kurzem konnten wir zu unserer Freude Wladimir Jabotinsky in Sofia begrüßen. Auf der. Rückreise von Palästina machte er auf Einladung seiner hiesigen Freunde in Sofia Halt und sprach tu einer öffentlichen Versammlung. Leider sprach er russisch, was von der in dichten Scharen herbeigeeiifen Zuhörerschaft wenig oder gar nicht verstanden wurde. Trotzdem machte seine Rede einen tiefen Eindruck und wird innerhalb der hiesigen Judenheit mächtig nachwirken. Solche Besuche zionistischer Redner von Bedeutung sind im europäischen Südosten von hohem Wert, denn die Begeisterung für das nationaljüdisch-palistinensische Problem muß bei den Spaniolen immer von neuem angefacht werden. Die Spaniolen im allgemeinen sind rasch zu entflammen, aber ebenso schnell und widerstandslos lassen sie sich entmutigen. Als vor etwa vier Jahren die Auswanderung aus Polen und Rumänien nach Palästina in größerem Maßstabe begann, wurde auch unter den bulgarischen Juden die Sehnsucht nach dem gelobten Lande wach, und einige hundert Familien aus dem Mittelstände haben kurz entschlossen ihr Geschäft, liquidiert, Haus und Hof verkauft und sind hinübergezogen. Leider waren es zumeist Leute, die physisch den harten Arbeiten nicht gewachsen und materiell nicht stark genug fundiert waren, um der schweren wirtschaftlichen Krisis in Tel-Awiw standhalten zu können. Jetzt, da viele von ihnen erschöpft und materiell ruiniert wieder zurückkommen, muß diese traurige Rüde- Wanderung auf die einfachen Menschen hier, die die wahre Sachlage nicht kennen, einen deprimierenden Eindruck machen. Schon aus diesem Grunde sollte die Leitung der Weltorganisation darauf bedacht sein, periodisch Emissäre zu entsenden, die die Massen über den Zusammenhang der Dinge und die wahre Lage aufklären. Bei dieser Gelegenheit darf nicht unerwähnt bleiben, daß sich diese Rückwanderer vielfach beklagen, daß die Sephar* d i m in Palästina von den Askenasitn nicht eben brüderlich behandelt, ja vielfach vernachlässigt und abgewiesen werden. Wir wissen nun nicht, ob und was an dieser Beschwerde wahr ist, aber sie wird von allen Rückwanderern vorgebracht und verdient aus diesem Grunde die Beachtung aller zionistischen Kreise. Der Umsturz in Litauen kowno, 26. Dezember. (J.T.A.) In einem Gespräch mit dem Chefredakteur der offiziösen Zeitung ״Ritas“ erklärte Ministerpräsident Prof. Wolde raaras u. a.: Die Regierung fuhrt eine staatlich nationale Politik,, ihr Ziel ist die Schaffung eines litauischen nationalen Staates, sie wird nur mit jenen Parteien Zusammenarbeiten, die das gleiche Ziel verfolgen. Der Umsturz hat die Rechte der Minderheiten nicht berührt, die Regierung wird diese Rechte in einem Gesetz fcstlegcn. .Die Minderheilen sollten deshalb kein Interesse daran haben, in eine Opposition zur Regierung zu treten. Das Feldgericht in Kowno verurteilte zwei jüdische und zwei christliche Arbeiter, die beschuldigt waren, einen koiriniinistisrhen Widerstand organisiert zu haben, zum Tode. Eine Abordnung, bestehend aus Rabbiner Schapiro, Dr. Ko zi n und Fabrikant Lus zi n $k i, besuchte den Staats- Präsidenten S meto na und richtete an ihn die Bitte, die Verurteilten zu begnadigen. Einer WTB-Meldung zufolge hat Präsident Smetona die zum Tode Verurteilten begnadigt. Am 8. Dezember wurde in Warschau das erste Akademikerhoim für jüdische Studenten, das auf einem Territorium der Vorstadt Praga erbaut ist, in feierlicher Weise eröffnet. Die Lage der türkischen Joden Einer unserer Redakteure hatte Gelegenheit, mit einem hervorragenden MftgliededcrKonstantinoplerjüdischen Gemeinde über die gegenwärtige Lage der Juden in der Türkei nach dem erfolgten formellen Verzicht auf die durch den Lausanncr Vertrag garantierten Minderheitsrechte zu sprechen. In der Türkei leben ungefähr 140 01)0 Juden, davon 80000 in Konstantinopcl, 40 000 in Smyrna, 10000 in Adrianopel und der Rest zerstreut im ganzen Lande. Die Mehrheit besteht aus Nachkommen der eingewanderten spanischen Juden. Die Zahl der aschkenasischen Juden beläuft sich auf ungefähr 10000 bis 12000. Diese leben fast alle in Konstantinopel und unterhalten innige Beziehungen zu den Sefardim. Neben den ungefähr 150000 in der Türkei!ebenden Griechen und etwa 100 000 Armenicrcn stehen die Juden der etwa 8 Millionen Seelen betragenden türkischen Bevölkerung als Minderheit gegenüber. 13er Verzicht auf die luanspruchnähme der Minoritatenbestimmungen bedeutet keineswegs den Verzicht auf selbständige jüdische Institutionen. Die Judenheit in der Türkei ist überzeugt, daß die Wahrung ihrer eigenartigen Interessen im Rahmen der türkischen Staatsverfassting möglich ist. Verhandlungen in dieser Richtung sind gegenwärtig.in Angora im Gange und erregen selbstverständlich bei der türkischen Judenheit das größte Interesse. Die Hauptsorge der türkischen Juden konzentriert sich auf die Schul frage. Man hat insbesondere Bildungs- und Fachschulen dringend nötig. Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung ist sehr arm und die Entwicklung eines jüdischen Handwerkerstandes würde segensreich wirken. Vor einigen Jahren gab es eine ziemlich starke jüdische Auswanderung. Diese hat jetzt fast ganz aufgehört. Die türkischen Juden sind durchaus loyale Staatsbürger, was von den türkischen Behörden in immer höherem Maße anerkannt wird. Selbstverständlich freuen sich die türkischen Juden wie alle jüdischen Gemeinschaften in den verschiedensten Ländern über das wachsende Interesse, das steh in der ganzen jüdischen Welt für die zerstreuten Volks- Splitter, darunter die auch in der Türkei lebenden Juden, kundgibt. Doch bemüht man sich hauptsächlich durch Selbsthilfe das Bildungs- und wirtschaftliche Niveau der tiirkisehen Judenheit zu heben. Die vom Joint ins Leben gerufenen Leihkassen finden die Unterstützung der heimischen Judenheit ■und wirken nach dieser Richtung. Man muß sich aber immer vor Augen halten, daß durch die historischen Ereignisse die Zahl der in der Türkei lebenden Juden, die einst eine halbe Million betrug, sehr stark zusammctigeschmolzen ist. Brief aus der Schweiz Von unserem N. W.-Korrespondenten. Der Herbstbeginn wurde mit dem um ein halbes Jahr v«!r$d!0b£n|a Delegiertentag in .fern eingeleitet. Im Kam ' f*&ekgjr, Nach ßlitfjähngfer sehr erfolgreicher Arbeit trat Herr S.Lewin in St Gallen von der Leitung des Jüdischen Nationalfonds zurück; an seine Stelle wurde Herr H. Reicheibauch in Zürich gewählt Die Propaganda besorgt zur f,: als Delegierter des Jerusalemer Direktoriums Herr Dr. s, Weinert. Die Reise von Oberregierungsrat Hans Goslar, der innerhalb einer Woche oft mit zwei Vorträgen an einem Tage in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich sprach,!unterließ die besten Eindrücke. Seine Persönlichkeit gewann auch vielfach die Herzen der zionistischen Gegner in der Orthodoxie. Die schweizerische Agudah holt zum Gegenschlag aus, um die Wirkung Goslars zu paralysieren. Sie hat sicli für Januar Dr. Breuer als Redner verschrieben. In der letzten Woche weilte als Gast unter den Zionisten an der Makkabäerfeier der Zionistischen Ortsgruppe Zürich Colonel Wedgewood. Man hatte versäumt, für ihn eine froße öffentliche Veranstaltung zu arrangieren. Er ergriff as Wort und gab seiner Freude Ausdruck, zum ersten Male einem jüdischen Feste beizuwohnen, wenn er auch schon vielfach in jüdischen Versammlungen gesprochen habe. Wedgew׳ood führte, deutsch beginnend und englisch fortfahrend, ungefähr dasselbe aus, was er, wie bereits bekannt, In Wien gesagt hatte. Es Ist wohl überflüssig, zu berichten, daß ihm von den Anwesenden eine herzliche Ovation bereitet wurde. Tags darauf, am 5. November, fand die Generalversammlung des Keren Hajessod statt. Nationalrat Dr. Farbstein trat nach vier Jahren seiner Tätigkeit aus prinzipiellen Gründen zurück, da er auch in der Kultusgemeinde und in anderen Körperschaften sich dafür einsetze, daß die Vorsitzenden nicht allzu lange ihres Amtes walten. An seine Stelle beschloß das Komitee, den jungen Rechtsanwalt Dr. Georg ü u g g e « ־ heim zu wählen. Es wurde eine Resolution angenommen, die den Wunsch ausdrückt, daß das Keren Hajessod-Direktorium den Zeichnern Gelegenheit zur Rücksprache in der Verwendung der Gelder gäbe, aa es nicht angängig wäre, daß Schekelzahler, darunter solche, die nichts für den Aufbaufonds beitrügen, das alleinige Bestimmungsrecht besäßen. Wie im vorigen Winter wirkt auch in diesem wieder als Delegierter des Direktoriums Herr Walter Samuel in der Schweiz. Das Ergebnis des letzten Jahres beläuft sicli auf 45 000 Eres, an Zeichnungen. Die zionistischen und nichtzionistisdien Frauen in Zürich und St Gallen, die sich zu Ortsgruppen des Kulturvcrbandes zusa mm engeschlossen haben, sind erfolgreicher als die rein zionistischen Gruppen. Dieser Tage werden 7000 Frcs. nach Tel-Awiw abgehen, bestimmt zum Teil für Schulspeisungen, zum Teil für ein Kinderheim. Brief ans Transsylvanien Vor einigen Wochen fand in Oradeaniare der siebente Delegierte n tag der Zionisten Transsylvaniens unter Teilnahme des Vertreters der Zionistischen Exekutive, Herrn Felix־ Rosen bl üt 11, des Vertreters des Keren Kajemeth-Hauptbüros, Herrn Dr. W o 11 s t e i n , sowie des Vertreters der Zionistischen Organisation in der Bakowina, Herrn Dr. Mayer Ebner, statt. Pne ident Dr. josenli Fischer eröffnete die Tagung mit einem Bericht über die siebenjährige Tätigkeit de« Verbandes auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete. Dem Berichte schloß sicli eine programmatische Erklärung über jüdische Landespolitik sowie ein Referat über die Entwicklung des Zionismus und Palästinas an. Darauf ergriff der Vertreter der Zionistischen Exekutive, Herr Felix Rosen biiith, das Wort zu einer mit großem Beifall aufgenommenen Ansprache über die Aufgabe des Zionismus. Es folgte eine Ansprache des Vertreters des Hauptbüros des K. K. L. und ein Referat des Ab׳.!wnlueten Dr. Mayer Ebner über die Lage der Juden in Rumänien. Der zweite tag der Konferenz war ganz der Generaldebatte gewidmet, die durch ein Referat des Generalsekretärs des Nationalvcrbandcs, Ferdinand Weinberger, über die Aufgaben zionistischer Arbeit in Siebenbürgen eingeleitet wurde. In der Diskussion sprachen die Vertreter der verschiedenen Gruppen, der Jabotinsky-Eraktion, des Brith Haavoda, des Misrachi, der Jugendvereinigung, und endlich Herr Felix Rosrnblüth, der ein großangelegtes Referat über die politische und kolonisatorische Tätigkeit der Zionistischen Exekiuive sowie über die Ursachen der gegenwärtigen Krise in Palästina hielt. An die Generaldebatte schloß sich ein Vortrag des llrrrti Dr. Wo 11 stein über die Aufgaben und die Tätigkeit des K. K. L. an. 1 Der dritte Tag der Konferenz diente der Fortsetzung der Generaldebatte und der Beschlußfassung über die vorliegenden Anträge. Von den Beschlüssen verdient besondere Hervorhebung einer, der zur Frage der jüdischen Landes- Politik im Sinne der Forderung nationaler Minderheitsrechte für die sich zum jüdischen Volke bekennenden Juden Rumäniens Stellung nimmt und zum Zwecke der Erlangung dieser Rechte die Schaffung einer .,Jüdischen Partei Großrumämens“ fordert. Auf dem Gebiete der organisatorischen Arbeit wurde ebenfalls eine Reihe von Beschlüssen angenommen; der wichtigste von ihnen betraf die Einleitung einer großzügigen Mitglicderkampagne für die Chanukkahwoche. Bei den Neuwahlen für die Leitung des Verbandes wurde einstimmig unter großem Beifall Herr Dr. Joseph Fischer zum vierten Male zum Präsidenten des Nationalverbandes gewählt. Darauf wurde die Konferenz, die bei ihrer Eröffnung ein Begrüßungstdegramm an Präsidenten Dr. W e i z - mann abzusenden beschlossen hatte, vom neugewähltcn Präsidenten des Verbandes mit einer umfassenden Programmrede geschlossen. Die zionistische Linke in Polen Die ״linke“ Poale Zion — Die ״Hltachduth“ (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, Mitte Dezember. Die zionistische Linke in Polen besteht aus zwei Föderationen: der ״Hitachduth“ und ״Poale Zion“ (״r echt s“). Nicht parteimäßig sind noch hinzuzurechnen der ״Hechaluz“ und ״Hasehomer Hazair“. Diese Verbände bilden zusammen in Polen nicht nur ideologisch (wie die zionistische Gesaintorganisation), sondern auch organisatorisch das Hinterland der palästinensischen jüdischen Arbeitcrfroni, verkörpert in der ״Histadruth“. Die ״linke“ Poaie Zion in Polen haben trotz ihres Namens mit Zionismus und Palästina nichts mehr Gemeinsames. Ihre platonische Solidarität mit dem arbeitenden Erez-lsrael, die sie kaum veranlaßt hatte, auch nur einen realen Schritt für die Institutionen des arbeitenden Ercz-israels zu tun, verwandelte sich schon letztens in einen offenen Kampf gegen Palästina und Zionismus. Ihr Name erinnert nur an einstige ״romantische“ Träume. — Sowohl Theorie als auch Praxis dieser mancherorts noch verhältnismäßig starken Partei ist kaum verschieden von der des ״Bund“, dem gleichzumachen aller Flöß und Ehrgeiz der ״linken“ Poale Zion gilt Die ״Bundisten“ ,itaes4£an10%etto*jä*» und möchten sie zu ihren Verbündeten machen, dagegen betrachten sie die ״rechte“ Poale Zion als ihren Feind, der jedoch infolge seiner Schwäche aber als ״quantite negligeable“ behandelt wird. Wo sie doch beide einen gemeinsamen Vater haben, um den aber jahrjährlich — am Todestage Ber Borochows im Dezember — heil? und ״feierlich“ gestritten wird. Also rein organisatorisch bilden den linken zionistischen Flügel in Polen die ״Hitachduth“ und (״rechte“) ״Poale Zion“. Aus ihrer Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation und tätiger Solidarität mit dem arbeitenden Palästina resultiert zunächst das Gemeinsame und Verbindende beider Föderationen. Es verbindet sie das Streben nach einer neuen jüdischen Arbeitsgesellschaft in Erez-lsrael auf nationaler Grundlage. Im ״Hechaluz“ und im ״Komitee für das arbeitende Erez-lsrael“ und zusammen mit den anderen zionistischen Gruppen im K. K. L. und im K. H. bildete sich die gemeinsame Arbeitsstätte. Und in sehr vielen Orten, wo die ״Hitaehduth“ auch in die Arbeitermasse und die ״Poale Zion“ in die Intelligenzkreise eindringt, wird um dieselben Anhänger geworben. Die ״Hitaehduth“ ist die zahlenmäßig stärkere und programpi- und gefühlsmäßig der allgemein-zionistischen Organisation nähere Partei. Sie vereinigt in sich Elemente, die von verschiedenen Ausgangspunkten heute zum gleichen Bekenntins gelangten. Also solche, denen die zionistische Organisation noch vor dem Kriege zu wenig volkstümlich vorkant (die ehern. Zeire Zion), solche, die im Streben nach konkreter, oft persönlicher Verwirklichung des zionistischen Ideals ihren Blick dem palästinensischen Hapoel-Hazai'r zuwandten, sich seine Ideologie und sein Tätigkeitsprogramm aneigneten und in der Galuth sozusagen eine verlängerte Front des Hapoel-Hazair organisierten. Dann kamen diejenigen, welche ihre Kritik an der heutigen bürgerlichen Gesellschaft und kapitalistischen Wirtschaftsordnung mit einer kritischen Betrachtung der spezifischen ökonomischen Struktur des jüdischen Volkes verbanden und zu einem sozialistischen Zionismus gelangten, welcher aber in Wichtigem vom ״proletarischen“ Zionismus abwich. Je mehr der allgemeine Zionismus, insbesondere in [,ölen einen bürgerlichen, wirtschafts-kapitalistiselien Stempel bekam, rückten von ihm sehr viele ab, die erst spät die soziale Seite des Zionismus erfaßten. Die zionistische Gcgenwartsarbeit brachte es auch mit sich, daß sich die Wege so mancher Zionisten, an soziale und wirtschaftliche Probleme anstoßend, schieden. In der heute bereits vereinheitlichten Partei wird lebendig1 das Vorbild des palästinensischen ״ ׳Hapoel-Hazai'r“, dessen 20jährige Existenz jetzt in allen Teilen Polens von der ״Hitachduth“ in Jubiläumsveranstaltuugen gefeiert wird. Die ״Hitacliduth“ ist diejenige zionistische Gruppe in Polen, welche am stärksten die Palästina-Aufgaben und hebräische Erziehung betont. Ja, es gibt sogar innerhalb der ״Hitachduth“ eine! Strömung, welche die Tätigkeit der Partei ganz und gar auf dieses Gebiet beschränkt haben will. Der Partei gehören an vornehmlich geistige Arbeiter (diplomierte Intelligenz, Privatbeamte, Handelsangestellte), kleine Handwerker, Arbeiter- und Schuljugend. Immer mehr aber — und dies ist das aktuellste Problem gegenwärtig in der polnischen ״Hilachduth“ gewinnt die Ueberzeugting an Boden, daß eine politische Partei, und als solche will die 1״ litarhduth“ gelten, zu einer Massenpartei werden inuß, was auch die Verwirklichung der Palästina-Aufgaben fördern könnte. Nun aber entsteht die Frage nach der sogenannten ״sozialen Basis“. Welche Schicht der jüdisehen Bevölkerung soll die ״Hitachduth“ in ihrem politischen und vornehmlich sozial-wirtschaftlichen Kampf vertreten? (Im!leidigen Staat verwände!( sich der politische Kampf in einen Machtkampf wirtschaftlicher und sozialer Interessen.) Wie ist diese Gegenwartsarbeit in Einklang zu bringen mit der hier in

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