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Jüdische Rundschau · 1926-12-30 · Heft 102-103 (30.12.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 102-103 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10203! ׳ JÜEDTSCHE RONÖSCHAÜ Sehe 74S Die zwei Wege Von Dr. Eugen Mayer, Frankfurt 3. M. Der nachstehende Beitrag zu dem gerade jetzt wieder akuten Agency-Problem erörtert die (auch schon bei früheren Gelegenheiten aufgetauchte) Anregung, die Kooperation lediglich für wirtschaftliche Angelegenheiten anzustreben. Red. Beim diesjährigen Ordenstag der drei Frankfurter Bnc- Brith-Logcn am 11. November hielt Justizrat Dr. Blau eine bemerkenswerte Rede, deren Gedankengänge, soweit sie die zionistische Welt interessieren, hier kurz wiedergegeben seien. Anknüpfend an die Bemerkungen Karl Lamprechts über die für jedes Uebergangszeitalter charakteristischen Kontrastbewegungen kam der Redner auf die Idee der Wiederaufrichtung eines jüdischen Staates in Palästina zu sprechen und hob den tiefgehenden Einfluß hervor, den dieser Plan gerade auf Kreise ausgeübt habe, die sonst dem Judentum fernstehen. Es habe sich aber auch gezeigt, daß die Gegensätze zwischen Anhängern und Gegnern des Zionismus sich im Laufe der Zeit verschärft hätten, was wiederum auf die Einheit und den Frieden innerhalb des deutschen Judentums eine verhängnisvolle Wirkung ausübe. Wenn es gelingen könne, den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas zu einem gemeinsamen Arbeitsfeld für die gesamte Judenheit zu machen, dann wäre sowohl fty• die innere Befriedung viel gewonnen, als auch eine eminent jüdische Aufgabe gefördert und zugleich eine Zusammenfassung der Kräfte für Gemeinschaftsarbeit auf anderen Gebieten vorbereitet Bisher seien solche Bestrebungen an der politischen Aufmachung des Aufbauwerks gescheitert, da der Mehrheit der deutschen Juden der politische Zionismus als eine Gefahr und ein Unglück erscheine. Wenn aber das Werk entpolitisiert und seine Leitung einer Körperschaft von Juden der verschiedensten Länder übertragen werde, dann seien alle Befürchtungen beseitigt, denn dann könne dem Außenstellenden klargemacht werden, daß das Wiederaufbauwerk eine wichtige jüdisch-religiöse und soziale Aufgabe sei, die ihn mit seinem deutschen Gewissen nicht in Konflikt setze, und für deren Erfüllung die Welt dankbar sein werde, ln einer solchen Umgestaltung liege für den politischen Zionisten kein allzu schwerer Verzicht, weil diese Gruppe als die am meisten interessierte auch am meisten arbeiten und darum immer den größten Einfluß haben werde. Um das in Aussicht genommene Ziel zu erreichen, bedürfe es einer gemeinsamen Plattform und eines gemeinsamen Resonanzbodens. Hierfür sei der Orden U. O. B. B. in erster Linie geeignet, und er rufe die Führer der Frankfurter Logen auf, die von ihm gegebene Anregung zunächst unter sich und dann mit zionistischen Brüdern zu erörtern, worauf zusammenfassende Schritte unternommen werden könnten, die bei gutem Willen den Erfolg gewährleisten müßten. Diese von Ernst und Verantwortungsgefühl getragenen Ausführungen verdienen schon um der Person des Redners willen erhöhte Aufmerksamkeit Blau nimmt als Vorsitzender des Vorstands einer der bedeutendsten Gemeinden der Diaspora und als Laienführer des deutschen liberalen Judentums eine hervorragende Stellung; ein, darüber hinaus verfügt er auch im Bne-Brith-Orden über starken Einfluß, der hoch durch seine Zugehörigkeit zum ’״ ' ־g. der Ica und der von dieser gemeinsam mit dem Joint begründeten Reconstruction Foundation gesteigert wird. Au sich würden diese ״notablen“ Eigenschaften freilich nicht ausreichen, um ihren Träger von vornherein auch in unserem Sinn als Führer zu legitimieren, aber die oben skizzierten Darlegungen trugen durchaus den Charakter einer programmatischen Kundgebung für Erez-Israel und sind schon um ihrer ökumenischen Einstellung willen als Ausdruck einer beginnenden Wandlung in den Anschauungen der ״herrschenden Klasse“ zu werten und festzuhalten. Zugleich aber erhebt sich die Frage nach unserer eigenen Einstellung um so drängender, als das Problem der Agency ohnehin wieder in den Vordergrund gerückt ist. ln seiner Eröffnungsrede bei der vorjährigen Völkerbunds- Versammlung sagte der französische Ministerpräsident P a i n - 1 ev6 über den Völkerbund: ״Seine Geschichte wird notwendigerweise aus Stunden der Begeisterung — schöpferischen Stunden, ohne die es nur Stagnation und Stillstand geben würde — und in ihrer Folge aus weniger glänzenden, aber ebenso nützlichen Perioden der Regelung und Anpassung an die Wirklichkeit zusammengesetzt sein.“ Es scheint, daß auch wir, aus unserer zionistischen Verantwortung heraus, der zu weit gewordenen Spanne zwischen Idee und Wirklichkeit größte Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Soll die äußere Stoßkraft der Bewegung wachsen, so muß die der nichtzionistischen Judenheit zugewandte Flanke verstärkt werden. Statisch gesprochen: der zu unterstützende ״gefährliche Punkt“ liegt in dein Mißverhältnis zwischen unserem Wollen und unserem Können, zwischen der Tragfläche und dem Aufbau. So ungeheuer die Leistung der Zionistischen Organisation ist, sic hat sich als unzureichend erwiesen. Also muß, da eine ausreichende Vergrößerung der Organisation nicht zu erwarten ist, die Leistung von außen herangezogen werden. Die Keren Hajessod-Propaganda für sich allein genügt nicht, weil sic offenbar zum größeren Teil immer wieder nur den zionistischen Juden erfaßt, also in der Hauptsache nur innerhalb der Organisation wirksam wird, sich aber nicht auf die Organisationen der nichtzionistischen Judenheit stützen kann. In dieser letzteren Richtung liegt der Agency-Gedanke in der Form, die er seit den im Frühjahr 1923 von der Exekutive bei der Anglo-Jewish-Association und danach bei den amerikanischen Verhandlungen getanen Schritten angenommen hat. Eine Erweiterung der organisatorischen und wirtschaftlichen Unterlage des Aufbaus ist aber nicht nur eine von den Notwendigkeiten der gegenwirtigen Lage diktierte Forderung, sondern sie ist mit deutliehen Worten bereits in Artikel 4 des Entwurfs zum P a 1 ä ־ stina-Mandat (Februar 1921) und später im endgültigen Wortlaut vorgezeichnet, wo der Zionistischen Organisation aufgegeben wird, ״Schritte zu unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu erlangen, die gewillt sind, beider Errichtung der jüdischen nationalenHeimstä'ttc zu helfe 11“. Bei den früheren Versuchen sollte an Stelle der Zionistischen Organisation eine Körperschaft als Jewish Agency konstituiert werden, die zum Teil aus Abgeordneten der Zionistischen Weltorganisation, zum andern Teil aus Abgeordneten nichtzionistischer Verbände bestehen sollte, wobei den amerikanischen Repräsentanten ein überwältigender Einfluß zugefallen wäre. Aber so brennend der Geldkomplex sein mag, mit Geld allein kann Palästina nie und nimmer in Erez-Israel verwandelt w׳erden, und das Baumaterial an Ideen und Menschen ist bisher fast ausschließlidi von Europa gestellt worden. Die Schwierigkeit i!1 der Auseinandersetzung mit Nichtzionisten liegt jedoch in der Hauptsache gar nicht in der amerikanischen Frage, sondern in dem ״fifty-fiftv“-Prinzip. Man könnte sich freilich denken, daß eine sehr weit ausschauende zionistische Politik aus dieser bisher erhobenen Forderung keine Kabinettsfrage machen würde, denn in der Gleichzahl liegt ja nur ilic Gewähr, daß Mehrheitsbeschlüsse nicht gegen die Vertreter der Zionistischeu Organisation Zustandekommen können; zugleich aber liegt darin die gegenteilige Wirkung, daß auch gegen den Willen der andern nichts beschlossen werden könnte. Dieses Parallelogramm der Kräfte würde also im Streitfall nur negative Wirkung auslösen. Auch ist es wohl richtig, daß die am stärksten interessierte und aktivste zionistische Gruppe m^rCT!»äft st^k^^pnlüß ..a1usfll^B..,|v4.*'4% und daß ferner in allen Lebensfragen des Aufbaus ohnehin nach dem Urteil der besten Sachkenner und nicht nach Majorität zu entscheiden wäre. Wie auch immer, es ist nicht anzunehmen, daß in diesem Punkt eine Einigung b31d zu erzielen ist. Die nichtzionistisdien Kreise in Deutschland werden sich der hoffentlieh bald verwirklichten Agency oder auch nur dem deutschen Keren Hajessod nicht anschließen wollen, so daß nur zwei Möglichkeiten bleiben: die Gründung einer deutschen Organisation, die in eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Keren Hajessod eintritt oder der interterritoriale Zusammenschluß aller nichtzionistischen Palästinafreunde — beide zunächst auf rein wirtschaftlicher Basis, ln beiden Fällen besteht die erste und vorläufig einzige Aufgabe in der Aufbringung großer Mittel für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas zu einem Zentrum jüdischer Einwanderung und Siedlung. Am Beginn der Arbeiten müßte nach meiner Ansicht neben der Finanzierung bestimmter laufender Ausgaben eine in allergrößtem Maßsfab unternommene Aktion zur Vergrößerung des jüdischen Landbesitzes unter Ausschaltung des Individualeigentums stehen. Solange der anbaufähige Boden Palästinas noch nicht zu einem Zwölftel in jüdischer Hand ist und auch dieser Besitz sich nur langsam vergrößern kann, ist jede Hoffnung auf großzügige Siedlungspoütik vergebens. Gerade vom Wirtschaftliehen Standpunkt aus wäre eine auf dieses Ziel gerichtete Kraftanstrengung gerechtfertigt, weil die Vorbereitung von Siedlungsland um so rationeller ist, je• größer die Landkomplexe sind. Wenn die Frage zu bejahen ist — und wer wagt sie, zu verneinen! —, daß wir die Mitarbeit der nichtzionistischen Judenheit brauchen, nicht wegen der gegenwärtigen Krisis im Land, sondern um unseres größeren Zieles willen, dann wird man die neuen Pläne mit größter Aufmerksamkeit verfolgen müssen und sich zugleich bemühen, sie auf eine unserer Sache nützliehe Bahn zu leiten. Für diese Sache ist das Tempo immer sehr wichtig gewesen. Wir können uns nicht damit be« gnügen, daß in 30 Jahren 30 0(1) Seelen landwirtschaftlich angesiedelt werden wie in Argentinien, sondern wir müssen eine weltgeschichtliche Chance ausnützen. Auch wenn uns Opportunismus und Abkehr von der Idee vorge- Worten werden sollte. Die Ueberzeugung darf uns genügen, daß in allem, was Erez-Israel angeht, der Zionismus stets der treibende Motor bleiben wird, und daß hinter allem wirtschaftlichen Geschehen ein anderes steht, von dem man nicht reden muß. Denn auf zwei Wegen scheint die Verwirklichung sich zu vollziehen. Der eine, der rasche und allen sichtbare, ist der wirtschaftliche Aufbau, die organisatorischc Leistung. Hier liegt unsere Zeitlichkeit, und ihn gehen wir mit den Mitteln und Methoden der gegenwärtigen Welt. Der andere Weg ist sehr lang und unsichtbar, und seine Bewegung tragt uns, so wie die Erde einen Eisenbahnzug trägt. Auf diesem anderen Weg bereitet sich unsere Ewigkeit Der United Palestine Appeal NcwYork, 24. Dezember. (J.T.A.) In verschiedenen Zentren der Vereinigten Staaten werden 1m Verlauf der nächsten Wochen große Kundgebungen stattfinden, um den United Palestine Appeal zu fördern. Bei den Kundgebungen werden Dr. Weiznunn, Dr. Georg Halpern, Dr. Arlosoroff, Dr. Selig Brodctzky und Lieut-Commandet Kenworthy sprechen. Am 26. Dezember findet in B u f f a I o die Konferenz des West-New York-Staates, am 2. Januar die Zusammenkunft für Ost-Pennsylvania in Atlantic City statt. Am 20. Februar tritt in Atlanta die Konferenz für den Staat Ost-Ncw York, am 27. Februar die für Süd-Neu- England in New Haven zusammen. Die November-Eingänge des Keren Hajessod Wie der Ziko vom Hauptbüro des Keren Hajessod In Jerusalem telegraphiert wird, betrugen die Novembereinglnge des Keren Hajessod £ 57900 gegen £ 329S4 im November 1925. Die Keren Hajessod-Eingänge weisen somit eine Steigerung von £ 25000 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres auf. Zu diesen Eingängen trugen bei: 35000 £ Amerika 5000 ״ Südafrika 4042 ״ Deutschland 3260־׳ ״ .. ,-״ ־- ■GeKmddt..-. ־׳2000 ־ V׳ "׳■ ־Engflahti . V־ ־.,. 1494 ,. Rumänien 1000 Polen 1000 ״ Kanada Die Konferenz der Revisionisten Paris, 28. Dezember. (J. T. A.) Am 26. Dezember wurde in Paris die zweite Konferenz der Revisionisten in Anwesenheit von etwa 60 Delegierten eröffnet. Die Begrüßungsrede hielt 111g. Wladimir Temkin, worauf Jabotinsky in einer längeren Rede die politische Lage des Zionismus und das Programm der Zionisten-Revisiomsten auseinandersetzte. M. Großmann referierte über ״Die aktivistischen Aufgaben im gegenwärtigen Moment“. Richard Lichtheim, Berlin, sprach über das Problem der Jewish Agency. — Am 27. Dezember erstattete Wladimir Temkin den Bericht des Zentralkomitees. Es wurden dann Referate über Organisation»- Probleme und Finanzen gehalten. Am 28. Dezember sprach Dr. So s k i n über Kolonisationspnobleme und Dr. Tn vus über städtische Kolonisation. Palästinensischer Kunstbrief Musik — Theater —• Film. Jerusalem, im Dezember. Wie vieles ia Palästina steht das palästinensische Kunstleben erst am Anfang seiner Entwicklung und die vielen tastenden Versuche streben alle einem Ziele zu: aus der Menge fremder Elemente ein selbständiges Kunstiebcn zu schaffen. Gerade dies ist dem geistig hochstehenden palästinensischen arbeitenden Menschen außerordentlich notwendig. Die am Kunstleben Schaffenden und ein großer Teil des Publikums kommen aus Ländern hochkultivierter Kunstformen, mit festen Traditionen und so entsteht der Zwiespalt: von vorn an gefangen, sich mit Surrogaten behelfen und langsam den Gegensatz zwischen Wollen und Können überbrijeken — oder gar nichts versuchen. Mrist fällt die Entscheidung zugunsten der Versuche und so sieht man verschiedentlich Ansätze, Versuche und zum Teil recht beachtenswerte Resultate. In Te 1 -Awiw hat der Verein Beth-Haam in diesem Sinne viel Gutes gewirkt; eine große Zahl von Konzerten, Vorträgen und neuerdings ein Kino vermitteln dem Publikum wertvolle Inhalte. Diese Institution, welche in ihrem Aufbau der ״Urania“ ähnelt, hat eminent volksbildenden Charakter. Die Aufführungen finden allerdings auf einem Gelände statt, das für europäische Begriffe unvorstellbar ist: eine mit einem Bretterzaun eingefriedete Sanddüne, mit einfachen Holzbänken, eine Holzbaracke als Bühne; und hier finden fast täglich zum Einheitseintrittspreis von 2 Pt. (40 Pfennig) Opernaufführungen, Symphoniekonzerte, Vorträge, Kurse und Solistenkonzerte statt. Der Versuch ist, selbst an europäischen Verhältnissen gemessen, enorm: 2000 Personen sind die Regel und sehr oft versammeln sich hier 4000 und mehr ״esucher. Eigentlich erforderte diese Institution und überhaupt das Musikleben einen entsprechenden Konzertraum. doch ist dieses Problem auch in Jerusalem und Haifa noch ungelöst. Als Notbehelf dienen die Kinotheater, welche aber selbst bescheidenen Ansprüchen nicht genügen können. In Tel-Awiw wird die Ausstellungshalle als Konzert- und Theatersaal benützt, aber ihre akustischen und räumlichen Mängel beeinträchtigen die Wirkung der Aufführungen außerordentlich. Tel-Awiw dürfte allerdings nach zwei Jahren ein großes Theater besitzen, dessen Bau nach Plänen des Prager Ingenieurs Pacovsky soeben begonnen wurde; der Besitzer ist ein reicher Jude aus Damaskus, Moghrabin. # Außerordentliche Betrachtung verdienen die Bestrebungen eines jungen Wiener Kapellmeisters Max Lampel, eines Schülers Alexander Zemlinskys. In der verhältnismäßig kurzen Zeit von sechs Monaten schuf er mit unbeugsamer Energie unter größten Schwierigkeilen mit ungelernten Kräften einen Chor von 120 Menschen. Ebenso sind seine Leistungen auf dem Gebiete der symphonischen Musik sehr beachtenswert. Mit einem Orchester, welches fast zur Hälfte aus Dilettanten bestand, vermittelte er in einem Zyklus von acht Konzerten Schöpfungen von Bach, Händel, Mozart, Beethoven, Schubert, Menaelsonn und lenkte die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich. Der außerordentlich große Besuch (bis 4000 Menschen) der Konzerte, welche er mit Unterstützung des Beth Haatn aufführte, bewies das Interesse des Publikums an ernster symphonischer Musik. Diese ersten zyklischen Aufführungen, welche ein Bemerkensniveau erreichten, lassen eine günstige Entwicklung erwarten. Ein in den nächsten Wochen zu erwartendes Orgelkonzert in Jerusalem wird Max Lampel die Möglichkeiten geben, seine Fähigkeiten auch auf diesem Gebiete zu erweisen. Durch diese Arbeit wurde der Anstoß zur Bildung eines ständigen symphonischen Orchesters gegeben, welches demnächst an aie Oeffentlichkeit treten wird. ln der Erkenntnis, daß solche künstlerischen Aufgaben eine Förderung durch das Publikum verlangen, hat sich eine Gesellschaft der Mu§ikfreunde gebildet, welche mit namhaften Persönlichkeiten an der Spitze, die Mittel zur Förderung der Musik schaffen will. Diese Gesellschaft wird eine fruchtbare Aufgabe erfüllen können, denn die Finanzierung von Konzerten, Erhaltung eines Orchesters, Schaffung eines entsprechenden Konzertraumes erfordert überall öffentliche Mittel. Die Gesellschaft hofft auch ausländische Mitglieder zu werben, welche durch Beiträge, Beschaffung von Notenmaterial und Instrumental ihre Ziele fördern sollen. * Mit frischen Kräften geht jetzt die Oper unter der Leitung von Golikia an aie Eröffnung ihrer dritten Saison. Auch nie* gilt dasselbe wie überall im Lande: Kleine Mittel und große Anforderungen. Bis jetzt wurden die ttHugenotten“ erfolgreich herausgebracht. Wenn auch bis jetzt strenge europäische Maßstäbe noch nicht angelegt werden können, berechtigen die Leistungen der Oper zu guten Hoffnungen. Allerdings wäre zu wünschen, aaß das Programm mit Rücksicht auf die vorhandenen Mittel gewählt wird und eine organische Entwicklung des Spielplanes Platz greift. Große Ausstattungsopern begegnen doch zu großen Schwierigkeiten und Aufführungen von kleineren Spielopem können mit den* vorhandenen Kräften oft wertvollere Wirkungen erzielen als vorgetäuschte reiche Ausstattungsstücke. * In dieser Hinsicht scheint die Vereinigung einer Anzahl Menschen aus dem Arbeiterstand, das Theater O h e 1 (das Zelt) den richtigen Weg beschritten zu haben. In dem Schaffen dieser jungen Menschen fühlt man vielleicht am stärksten das Streben nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen im Bereich des palästinensischen Kunstlebens. Unter der Obhut und Förderung der Waadat Tarbuth (Kulturdezernat der palästinensischen Arbeiterorganisation) wirkt die kleine Gruppe an der Pflege des hebräischen Schauspieles. Sie steht unter der Leitung eines Moskauer Regisseure und hat u. a. in einer Reihe von dramatisierten Novellen von Perez außerordentlich interessante Abende vermittelt. Ihre ausdrucksvollsten Mittel sind einfachste Regie, knappste konzentrierte Sprache, lebendigste Bewegung und Musik. Tiefer Ernst und Hingabe erfüllen ihr Sprel mit jener geheimnisvollen Spannung, welche die tiefsten Wirkungen großer Schauspieler erzeugen. Dabei kann man am nächsten Tage dieselben Menschen als Betonarbeiter und die wundervolle Künstlerin, die uns in einer Wahnsinnsszene nach dem Tode ihres Mannes bis zu Tränen erschütterte — Steine klopfend auf der Straße begegnen. C’est la Palestine — der Kontrast. * Mitten auf der staubigen Straße, die von Jaffa nach Tel- Awiw führt, wohin das bunte arabische Leben gerade noch hinreicht* finden wir vor dem Kino Plakate una Bilder des urdeutschen N i b e 1 u n g e n - F i 1 m e s, die starren, strengen Bilder, der Abklatsch Europas und davor einige braune Araberjungen und verschleierte Frauen, die neugierig die Bilder anstarren — dies selbst fast ein Kinobild.... auch dies sind Kontraste.

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