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Jüdische Rundschau · 1926-12-23 · Heft 100-101 (23.12.1926) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 100-101 (23.12.1926)
Date
1926-12-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 734 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.!00/101 Lileralur-Blalt Religionswissenschaft Der christlichen Bibelwissenschaft verdanken wir wertvollste Aufschlüsse über unsere eigene Urgeschichte Ihrer Aufhellung von Zusammenhängen, ihre Erforschung der ge- Schichthöhen und ethnologischen Bedingungen haben wir nichts Gleichartiges an die Seite zu steilen, und schon diese Tatsache muß die Einwendungen, die zuweilen von jüdischer Seite egen die Beschäftigung mit dieser Wissenschaft erhoben weren, verstummen lassen. Vor allem spricht aus den Werken der meisten dieser christliehen Forscher eine leidenschaftliche Liebe zum jüdischen Schrifttum und Bewunderung für Israels originales Schöpfertum; dies sind Momente von stärkster nationaler Bedeutung für jeden Juden. Hat die erste Phase der Bibelkritik in vielen Punkten fraglos übers Ziel geschossen, so wurde durch den Fortschritt der Ausgrabungen, durch stärkere Berücksichfigung geschichtlicher neben den literarischen Gesichtspunkten eine starke Korrektur bewirkt. Die Befreiung aer altjüdischen Geschichte aus ihrer Isolierung, ihre Ein- Stellung in den vorderorientalischen Völkerkomplex hat dazu beigetragen, das Verständnis auch vieler literarischer Dokumente zu fördern. Als das Haupt der Schule, die diese geschichtlichen Momente zu voller Würdigung kommen läßt, kann heute wohl Prof. Sellin angesehen werden, der bekapntlich jetzt in Palästina Ausgrabungen leitet, besonders bei Sichern (über dessen Rolle bei der Eroberung des Landes er zwei Broschüren geschrieben hat. beide vor einigen iahren im Delchertschen Verlag in Lein; erschienen). Sellin hat über seine wrhtigen Re־ultate au.ii in Berlin, in Hamburg (beim Orientalistenkongreß) und in Jerusalem Vorträge gehalten (über den interessanten Jerusalemer Vortrag berichtete der dortige Korrespondent der ״Frankfurter Zeitung“ ausführlich am 2. Dezember). Durch die verschiedenen Funde ist vielfach überraschenderweise der Bericht der Bibel im Gegensatz zur kritischen Konstruktion bestätigt worden, so daß Sellin, Kitte! u. a. in vielen Punkten, besonders was Datierung von Quellen und Ereignissen anlangt, der. Tradition sich wieder nähern. Sellin hat kürzlich eine neue ״Einleitung in das alte Testament“ erscheinen lassen (Quelle 8: Meyer, Leipzig, M. 6,80), die mit der überlegenen Sachkenntnis des Gelehrten in knappster Form in den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft einführt. Das Buch gibt einen vollständigen Ueberblick über die literarische Zusammensetzung der Bibel und die literarische Eigenart der einzelnen Bücher. In dem von Sellin veranstalteten großen ״Kommentar zum Alten Testament“ (von welchem bereits mehrere Bände an dieser Stelle früher angezeigt wurden), erschien als neuester Band soeben: ״Die Samuelbiicher“ von D. Wilhelm Caspar! (A, Deichertsche Verlagsbuchhandlung, Dr. Werner Scholl, Leipzig 1926, 674 S., 25 M ). Die Quellenkritik der Samuelbücher ist sehr umstritten und Caspari polemisiert in seiner Einleitung u. a. auch mit Sellin; er gibt seine eigene Auffassung in einer genauen Tabelle, in der jeder einzelne Vers oder Versbestanateil den verschiedene!) Quellen zugeteilt werden. Das Werk selbst bringt eine vollständige Uebersetzung des Textes mit einem großen Apparat philologischer, sach- Ifcfier ttpd geschichtlicher Erklärungen. An manchen Stellen pa|fet4״eser;,df1» einfachen, ßlheljtext pl!u*. 51111er als die Konjekturen, die^Ja^ür^llfiößtiffterNomhar gelten sollten. Aber die ungeheure Leistung dieses Konjmrntars bringt eine solche Menge von Anregungen, daß' nicht nur der Forscher, sondern auch der Laie daraus Gewinn riehen wird. Im Mittelpunkt der Samuelbiicher steht die Gestalt Davids. Ueber ihn lesen wir in Casparis Vorwort folgenden merkwürdigen, nicht völlig verständlichen Satz: ״Herkömmliche Meinungen, z. B. von David als einem intellektuellen Attentäter, als einem Massenmörder, die fast als unantastbar geschätzt werden, können sich einer Vergewisserung hinsichtlich des ihnen zugrundeliegenden quellenmäßigen Befundes kaum entziehen . . . Auf solche Feststellung sind die Entscheidungen über den Wert der israelitischen Geschichte für Nichtisraeliten, über den Verbleib des Alten Testaments in der christlichen Kirche, über den Wertgrad beider Testamente angewiesen.“ Das Deutsch und der Sinn sind dunkel. Ein Kapitel jüdischer Oeschichte und zwar die entscheidenden Kämpfe des makkabäischen Aufstandes sucht eine kleine, Scharfsinnige und interessante Schrift über die ״C h ז onologie des Danielbuches“ von Martin Thilo (Verlag Alexander Schmidt, Bonn 1926, M. 2,50) aufzuhellen. Der Verfasser, der von der gewöhnlichen Annahme der Entstehung des Danielbuches zur Zeit des Antiochus Epiphanes ausgeht, kommt bei der Nachprüfung der chronologisch^! Angaben des Buches zu sehr glaubwürdigen Ergebnissen. Der Vortrag, den der Göttinger Professor Alfred Bert hol et beim Hamburger Orientalistenkongreß gehalten hat, erschien jetzt in der ״Sammlung gemeinverständlicher Vorträge aus dem Gebiet der Theologie und Religionsgeschichte“ des Verlags J. C. B. Mohr (Tübingen) unter dem Titel ״Da s Dynamistische im Alten Testament“. Das ״dynamistische“ Element ist die Vorstellung einer besonderen Kraftgeladenheit gewisser Dinge, z. B. Simsons Haare, das Blut der Opfertiere usw. Bertholet gibt also eine folkloristische Studie über die magische Komponente des jüdischen Volksglaubens. Das Entscheidende ist dabei die materialistische Auffassung, die Kraft und sogar Geist an einen bestimmten Stoff bindet, sogar die Sünde (z. B. Sündenbock). Wese Untersuchung altjüdischer Vorstellungswelt führt unmittelbar zum Vergleich mit den Vorstellungen der benachbarten Völker. Dieses Gebiet, freilich zu einer späteren Zeit, wird anschaulich in dem von Johannes Leipoldt zusammengestellten Bilder-Atlas ״Die Religionen in der Umwelt des Urchristentums“ (A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1926, M. 12,80). In 193 schön reproduzierten Abbildungen wird hier die religiöse und kultische Welt der Nachbarländer Palästinas in hellenistischer Zeit vorgeführt, mit einer kurzen sachverständigen Einleitung. Für uns von größtem Interesse sind die Denkmäler aus Syrien, das ja ebenso wie Aegypten in engem Verkehr mit Palästina stand. Aus Syrien wird eine seltsame Silbermünze produziert, mit der Inschrift J H W und einer Wonysos gleichenden Gottheit! Die philistinisch-arabischen Heiden haben sich also den Judengott mit ihren Göttern kombiniert Des weiteren sehen wir Denkmäler aus dem berühmten syrisch-hellenistischen Tempel zu Baalbeck, den auch heute viele Palästinafahrer aufsuchen. Ein monumentales Werk über den Tempel zu Baalbeck und die dort entdeckten Bauwerke una Kunstgegenstände erscheint, von Theodor Wiegand herausgegeben, im Verlag von Walter de Gruyter & Co., Berlin. Der dritte Band (1925, mit 213 Textbildern und 24 Tafeln) enthält u. a. zwei Abhandlungen von M. Sobernheira, und zwar ״Oeschichte Baalbecks im Mittelalter“ und ״We arabischen In- Schriften“, weiter eine genaue Analyse der ״Arabischen Burg“ von H. Kohl und eine Arbeit von S a r re über die Keramik. In diesem Zusammenhang sei zunächst nur kurz hingewieseu auf eine Neuerscheinung, die aus den Kreisen der hebräisehen Universität Jerusalem hervorgegangen ist: Es ist ein besonders für Sammler, aber darüber hinaus für alle archäologisch Interessierten und alie Freunde Palästinas wichtiges Buch ״Palästinensische Kleinkunst“ von Adolf Reifenberg (Verlag Rj hard Carl Schmidt & Co.,Berlin, in der ״Bibliothek für Kunst- und Antiquitäten-Sammler“), worin die Denkmäler palästinensischer Kunst aus vielen Jahrhunderten auf 157 Abbildungen gezeigt und gewürdigt werden. Aus der Vermischung der Ideen, Mysterien und Kulte des Vorderen Orients ist das s nkretistische Christentum hervorgegangen. Diesen mythische:! Ursprung und die Ungeschichtlichkeit der neutestcincntiichen Berichte nachzuweisen su ht seit Jahren Prof. Dr. Arthur Drews, dessen Buch ״Die Christusmythe“ (Diederiehs, Jena) bekannt ist. Er hat jetzt eine zusemmenfassende Darstellung: ״De Leugnung der Geschichtlichkeit Jesu in Vergangenheit und Gegenwart“ (bei G. Braun, Karlsruhe 192&, 4,80 M.) herausgegeben, worin er die Hauptgedanken der ״ketzerischen“ Forschung seit der französischen Aufklärung bis zum heutigen Tag in leicht faßlicher Weise auseinandersetzt. Von Juden sind an dieser Forschung vor allem Samuel Lublinski, d r seinerseits auf Moriz Friedländer fußt, sowie in neuester Zeit Georg Brandes beteiligt, deren Verdienste Drews hervorhebt. An diesen für das Schicksal des Judentums so bedeutung-vollen Problemen sollte kein Jude Vorbeigehen. Die geistige Atmo- Sphäre der ״alexand:•mischen Weit“, in der auch die Juden ein nicht wegzudenkendes Element sind, schildert in gewcl'.ntcr Meisterschaft der bekannte Philosoph Georg Mehlis in seiner Monographie über ״Plotin“ (Frommans Verlag, Stuttgart, 3 M.). Der Neuplatonismus bildet nicht nur eine Komponente des werdenden Chrirtentums des Abendlandes, er hat auch auf die jüdische Mystik und Religions- Philosophie eingewirkt, von der ihn freilich ein Abgrund trennt. Mehlis gibt eine klare und schöne Darstellung von Plotins Philosophie. Die Geschichtlichkeit der Person Jesu ist von sekundärer Bedeut!!;’״ für Prof. Rud. Bultmann, der in seiner in der Reihe ״Die Unsterblichen“ (Deutsche Bibliothek, Berlin) erschienenen Monogr phie über Jesus eine geistesgeschichtliche Studie gibt, die für uns insolern interessant ist, als sie die Lehre Jesu in das Judentum einbettet und ihre Abhängigkeit von bestehenden jüdischen Ideen und Vor- Steilungen nachweist, oft im bewußten Gegensatz zur chri t ichkirchlichen Tradition. Die ״Gotteskindschaft“ z. B. wird u. E. richtig verstanden als a 11 g e m e 1 n e , j e d e n Mens'hen betreffende Qualität, ebenso wie die Erlösung dur.h Zusammenwirken von Gott und Mensch eine jüdische Anschauung ist. Für die früher von der christlichen Theologie wenig beachtete Abhängigkeit der Lehren Jesu von dem gleichzeitigen Judentum, dessen Denken uns fragmentarisch im talmudischen Schrifttum erhalten ist, ist außer dem Strack-Billerbecksehen ״Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch“ (Verlag C. H. Beck, München) vor allem die lehrreiche Schrift von Paul F iebi g: ״Jesu Bergpredigt“ (Verlag Vandenhoeck & Rupprecht, Göttingen, M. 10) ein Beweis. Es enthält ״Rabbinische Texte zum Verständnis der Bergpredigt, ins Deutsche übersetzt, in ihren Ursprachen dargeboten und mit Erläuterungen und Lesarten versehen“. Fiebig, ein guter Kenner des rabbinischen Schrifttjims, legi nicht pur auf den Inhalt, sondern auch auf die Fö rm־ö#wieht tifld weist nadh, daß die Formen der Redji ln der Bergpredigt allgemein jüdisches Gut jener Zeit waren. — Die Erlösung durch den Glauben an die einmalige, als geschichtliches Ereignis verstandene ״Hei'statsacbe“ des Todes Jesu, diese vom Juden'um ein fül־ allemal abgelehnte Idee, wurde erst durch Paulus zur Grundläge des Christentums. Diesen Heidenapostel Paulus, der die Geschichte des Abendlandes und auch des Judentums entscheidend beeinflußt hat, schildert der Franzose Emile Baumann in seinem jetzt ins Deutsche übertragenen sprachgewaltigen Paulusbuch (Verlag Kösel & Pustet, München 1926, übersetzt von Marie Am. von Ciodin). ln der bereits genannten Serie ״Die Unsferb'iehen" erschienen in der g'elchen guten Ausstattung (mit Bildern) bisher Buddha von Dr. Julius Reiner und Konfuzius von Dr. Erich Schmitt (jeder Band 3 M.). Gibt schon der obenerwähnte Bibelatlas Leipoldt! u. a. auch Einblick in die bacchischen, orphischen und cleusischen Mysterien, so soll hier noch auf ein Werk verwiesen werden, das tiefste Aufschlüsse über die urspnng'i.hen rel'g'ösen An- Behauungen der Menschen und über die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen chaotisch-religiösem Urtrleb und gegenständlichen Symbolen gibt. Es ist der in letzten Jahren (vor allem durch Ludwig Klages) neuentdeckte Baseler Ge'ehrle Johann Jakob Bachofen, aus dessen Schriften C. A, B e r n o u 11 i eine schöne, übersichtliche und gemelnverständliehe Auswahl (bei R c c 1 a m, Leipzig, drei Bände, geb. ä 4,80 M.) herausgegeben hat Bernoulu hat das riesige Material systematisch geordnet, jeden. Abschnitt eingeleltet und mit seiner Erläuterung auch die notwendige Kritik gegeben, so daß sich auch der Laie zurechtfindet Der Haupiteil des Buches ist Bachofens Hauptwerk, dem ״Muiterrecht“ entnommen, das die ursprüngliche Gesellschaft als eine raatriarchalische konstruiert, in der das weibliche, tellurische Prinzip Leben und Geist beherrschte. Das andere Hauptwerk, ״Gräbersymbolik der Alten“, ist, gleichfalls von Bernoulli eingeleitet, mit einer Würdigung von Ludwig Klages, ungekürzt (im Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 7,50 M.) in zweiter Auflage (die erste erschien 1860) erschienen. Dieses gedankenreiche Werk, das gelegentlich auch ins Gebiet der jüdischen Folklore hinüberweist (z. B. in den Ausführungen über die ״dynamistische“ Bedeutung des Esels, vgl. Bileams Esel, Simsons Eselskinnbacken, Ez. 23, 20 usw.), wird jeder religionsgeschichtlich Interessierte mit Genuß und Gewinn lesen. Schließlich sei hier nochmals das Monumentalwerk ״Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ (Mohr, Tübingen) angezeigt, dessen zweite Lieferung (96 Spalten, Aegypten — Albrecht, M. 1,80) jetzt vorliegt. Das Werk gibt einen Querschnitt durch die Religionswissenschaft unserer Tage. In der vorliegenden Lieferung ist für uns am interessantesten der Artikel ״Aegypten und die Bibel“, bearbeitet von Greßmann, worin die Wechselbeziehungen Aegyptens und Palästinas seit frühester bis in spätjüdischer Zeit dargestellt werden. Weiter erwähnen wir die Artikel ״Ahab“, ,,Ahasver" (dieser u. E. nicht ganz genügend), Rabbi Akiba (prägnant bearbeitet von Prof. I. Elbogen) usw. Der Verlag verspricht, daß ab Januar die Lieferungen monatlich erscheinen werden. Zum Schluß noch zwei Bücher, die nicht über Religion handeln, sondern aus denen lebendige Religiosität spricht — von solcher Art, die jeden Menschen jenseits aller Konfessionalität angeht: Das eine ist Carl Vogl, ״Peter Cheltsehizki“ (Rotapfel-Verlag, Zürich, M. 5,30) — vom Autor dem Andenken (!•:׳;.׳.!v Landauers gewidmet. Peter, ein j tschechischer Bauer, leb׳.־.' Anfang des 15. Jahrhunderts und I verfocht in der hussitisci! e.1 Bewegung die Idee der Gewalt- ן iosigkeit in ähnlicher Weise wie heute Gandhi. Die geistigen Kämpfe, an denen er teilnahm und von denen Vogl berichtet, sind verwandt dem Ringen unserer Zeit um neue Gestaltung der Gemeinsehaftsformen, um geistige Erneuerung erstarrter Begriffe. — Das zweite Buch ist eines der menschlich schönsten und ergreifendsten Bücher der letzten Jahre: ״Die Tagebücher Sören Kierkegaards, in zwei Bän-. den ausgewählt und übersetzt von Theodor H a e c k e r (im Brenner-Verlag, Innsbruck). Fs wäre unsinnig, einem solchen Buche gegenüber etwa seine konkrete Beziehungen zu Juden und Judentum zu untersuchen und die Stellen hervorzulieben, wo er über Jüdisches spricht (»,׳ B. im Fall Goldschmidt, den als Juden ״das Mitleid schützt“, oder über Komperts Ghetto-Geschichten, die er als Beispiel der zum ״Interessanten“ degradierten Religion verwirft). Auch für jüdische Menschen macht nicht solches den Wert des Buches aus, sondern seine menschliche Haltung, seine geistige Radikalität, die Originalität und Leidenschaft des religiösen Denkens. Kierkegaards Subjektivismus steht im Kampf mit dem hergebrachten Christentum; diese seine Konfessionen, gleichzeitig die eindrucksvollste Biographie des großen Denkers, sind keine intern christliche Angelegenheit und sein Christentum hat mit den offiziellen Kirchen nichts zu tun, diese Tagebücher sind eines der großen Dokumente der Menschheit. O. E. VölkerbnnisHlcralur Dr. Hans W e h b e r g; Die Völkerbundsatzung. Gemeinverstündlich erläutert. Mit Berücksichtigung des Paktes von Locarno, des Berliner Vertrages mit Sowjet-Ruß'and usw. Verlag Hensel & Co,, Berlin 1926. 145 S,, 3,— M. Dr. Frhr. v. Frevtag-Loringhoven: Die Satzung des Völkerbundes. Mit Einleitungen und Erläuterungen. (Stilkes Rechtsbiblioihek Nr. 51.) Verlag Georg Stilke, Berlin 1926. XXIV 4- 330 S. 8,— M. Dr. Fritz Wertheimer: Deutschland, die Minderheiten und der Völkerbund. Carl Heymanns Verlag. Berlin 1926. 152 S., 6,— M. Dr. Jan A u e r 11 a n: Die sprachlichen Minderheiten in Europa. Verlag Hensel & Co., Berlin-Friedenau 1926. 155 S,, 4,— M. Dr. Wolfgang Schneider: Das völkerrechtliche Mandat in historisch-dogmatischer Darstellung. Ausland und Heimat Verlags-A.-G., Stuttgart 1926. 103 S., 3,20 M. Während die jüdische Oeftentlichkeit an der Arbeit und Fortentwicklung des Völkerbundes von Anbeginn interessiert war — hatte er doch die Aufgabe, die Durchführung der Mandate und des Minderheitenschutzes zu überwachen —, sah man in Deutschland im Völkerbund zunächst nur einen Zusammenschluß der Siegermächte und stand ihm daher im allgemeinen ablehnend gegenüber. Erst mit der Einleitung der aut Deutschlands Eintritt hinzielenden Politik der Reichsregierung begann man sich in weiteren Kreisen mit den Fragen des Völkerbundes zu beschäftigen. Jetzt erst entstand auch eine deutsche Literatur über den Völkerbund. Im folgenden sollen einige Schriften besonderer Beachtung empfohlen werden, für die wohl an dieser Stelle Interesse voraus gestzt werden darf. Zunächst seiet! zwei Kommentare zur Völkerbundsatzung erwähnt, diiS geeignet:stni, ־weillfl» K«ise« ein».,Uebefhltt&J über die gesamte Tätigkeit des Völkerbund« zu ermöglichen. Der eine dieser Kommentare hat mü Verfasser den bekannten Pazifisten Dr. Hans Wehbergl der andere ist herausgegeben von dem deutschnationalen Reichstagsabgeordneten una Universitätsprofessor Dr. Frhr. v. Frejtag-Loringhoven. Zunächst sei erwähnt, daß beide in objektiver Weise neben einleitenden Ausführungen über Entstehung, Rechtsnatur und Aufgaben des Bundes zu jedem Artikel der Satzung ausführliche Erläuterungen geben, die sowohl die grundsätzliche Bedeutung wie auch die bisherige Anwendung, vor allem auf Grund der Verhandlungen des Rates und der Bundesversammlung, behandeln. Da der Völkerbund jedoch eine in hohem Maße politische Bedeutung hat, ist die grundsätzliche Einstellung der Verfasser, wie sie vor allem in den einleitenden Erörterungen zum Ausdruck kommt, von großem Interesse. Ais Pazifist, der von jeher für eine Befriedung der Welt durch rechtliche Organisation der Völker eingetreten ist, mußte Wehberg die Schaffung des Völkerbundes aufs wärmste begrüßen, wenn er auch seine großen Mängel keineswegs verkennt v. Freytag-Loringhoven dagegen gehört einer Richtung an, die den Völkerbund von Anfan״ an als Machtinstrument der Siegerstaaten aufs schärfste bekämpft hat; hieraus ergibt sich für ihn auch die Forderung, die Völkerbundsatzung aus ihrer Verbindung mit den Frledensverträg.-n zu lösen. Beachtet man diese politischen Voraussetzungen, die mitunter den Verfasser zu skeptischen Bemerkungen veranlassen, so wird man auch diesen Kommentar mit Nutze׳! gebrauchen. Unter den einzelnen Tätigkeitsgebieten des Völkerbundes dürfte liier vor allem die Mandatsverwaltung interessieren. Abgesehen von den Arbeiten Bileskis und den kurzen Darstellungen in den größeren völkerrechtlichen Werke!! fehlte es bisher Tn Deutschland an einer zusammenfassenden Arbeit über das völkerrechtliche Mandat. Diese Arbeit liegt jetzt 1:1 einer Schrift von Dr. Wolfgang Schneider vor. Der Verfasser gibt zunächst eine Darstellung der tntwicklungsgeschichte des Mandatsbegriftes, der zum ersten Male in de!! Vorschlägen des Präsidenten Roosevelt anläßlich der Marokko• Streitigkeiten des Jahres 1905 auftauchte und der im Art 2'i der Völkerbundsatzung vorliegenden Formulierung aut einem Entwurf des General Smuts beruht. In außerordentlich sorg• faltiger und gründlicher Weise wird sodann das Wesen des Mandates behandelt und eine Darstellung der verschiedene״ Gruppen gegeben. Von großem Wert ist der Abdruck samt• licher Mandatssatzungen, deren Wortlaut bisher schwer zugäng• lieh war. Diese Schrift kann denen, die sich über das Weser des Mandatssystems, insbesondere auch über das Palästinamandat, unterrichten wollen, nur empfohlen werden. Das andere Gebiet der Völkerbundstätigkeit, das in jüdi• sehen Kreisen größte Beachtung findet, ist der Schutz de! ■nationalen Minderheiten. Hierzu liegt eine ausgezeichnete Schrift von Dr. F r. W e rt h e i m e r: ״Deutschland, die Minder heiten und der Völkerbund“ vor, die m allgemeinverständüchei Form das umfangreiche Material, das sich im Laute der letzte! Jahre gehäuft hatte, zu einer übersichtlichen Darstellung de.־ gegenwärtigen Standes der Minderheitenfrage verarbeitet, Di« unter Garantie des Völkerbundes stehenden Minderheitenschutz• Verträge werden nach Entstehung und Inhalt behandelt. Di« Darstellung des Verfahrens vor dem Völkerbund bei Verletzung dieser Verträge läßt erkennen, daß dieses Verfahren noch recht unzureichend ’ist, so daß die Minderheiten daneben ihre Sache selbst in die Hand genommen haben und in dem Gelder Minderheitenkongreß, der in diesem Jahre bereits zum zweiten Male tagte, ein Forum schuf, das den Führern der Minderheiten Gelegenheit gibt, gemeinsame Grundlagen für ihre Arbeit zu schaffen, aber auch der Welt die Bedeutung der Minderheitenfrage für die Erhaltung des Friedens vor Augen zu führen. Diese ganze Entwicklung findet in der vorliegenden

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