Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 100-101 (23.12.1926)
- Date
- 1926-12-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 732 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. lOO'lOl dasselbe, wenn er schreibt: ״Nur eine große, kompakte, wirtschaftlich und sozial konsolidierte jüdische Siedlung wird die Funktion der Belebung des Judentums ausüben können, die der Zionismus von ihr erhofft,“ Aber das heißt ja, von einer abstrakten Formel ins Konkret- Anschauliche übersetzt: Eine Miüior.ensicdlung in dem kleinen Lande, das ja doch nicht beliebige Millionen von Juden (z. B. nicht sieben Millionen) in ein oder zwei Generationen aufnehmen kann, sondern bestenfalls drei oder vier Millionen! Und das heißt wiederum: Erreichung der Majorität in ein oder zwei Generationen, weil wir sonst angesichts der arabisehen Vermehrung keinen Raum zur Siedlung mehr haben werden! Wenn im Westjordanland zwei Millionen Araber und nur einige hunderttausend Juden sitzen werden, so ist der Zionismus aus v, irfschaftliehen wie aus politischen Gründen nicht mehr durclirusetzen. Wenn die Mandatsmacht geneigt ist, von Jahr zu Jahr In immer größerem Umfang die Selbstverwaltung des Landes auszubilden, wen ף sie ,,unparteiisch‘• alle Gruppen der Bevölkerung zu fördern sucht, so wird sie sich immer mehr auf das Element stützen, welches zahlenmäßig das stärkste ist oder'zu werden verspricht Bleibt die jüdische Kolonisation in den nächsten Jahrzehnten hinter den Hoffnungen und Erwartungen weit zurück, die die Juden und die Engländer zur Zeit der Balfour-Deklaration hegten; gelingt es nur, eine so kleine Einwanderung ins Land zu bringen, daß daraus in absehbarer Zeit nach aller Wahrscheinlichkeit eine jüdische Majorität nicht zu werden vermag, so muß die Haltung der Mandatsmacht sich ändern; dann wird sie Palästina als arabisches Land befrachten und kein Mandat und keine Balfour-Deklaration wird dies verhindern. Wd! wir das Problem so sehen, erklären wir, daß durch aktive Unter- Stützung der Regierung (die heute fehlt) und durch völlige Aenderung der Wirtsehattsmetboden die Voraussetzungen für eine viel größere Kolonisation geschaffen werden müssen. — Kindlich und von der Erkenntnis politischer Wirklichkeiten meilenweit entfernt ist jene neuerdings auch von Blumenfeld vertretene Konstruktion, wonach die jüdischen und arabischen Bevölkerungsteile, in jüdischen und arabischen ״Kantonen“ wohnend, ihre nationalen Interessen in voller Freiheit wahrnehmen sollen. Das sind blutleere Formeln, die in Palästina gar keine Bedeutung gewinnen können. Die ״Binationalität“ des Landes ist eine gegebene Tat- Sache, die kein Mensch bestreiten kann. Wenn in einem bestimmten Zeitpunkt eine Million Juden neben einer Million Arabern wohnen, so ist Palästina in der Tat ״binational“, und zwar genau ״fifty-fifty“. Aber nun beginnt ja erst das Problem! Wie soll nun das Parlament, die Verwaltung, die Regierung eingerichtet werden, damit die Interessen aller Einwohner geschützt werden und zugleich die jüdische Kolonisation forfschreiten kann? In Fragen der Kultur, der Sprache und Schule ist die Lösung einfach. Die Juden wollen die Araber durchaus nicht judaisieren und die Araber können und werden die Juden nicht arabisieren. (Obwohl später bei dichterer Besiedlung eine teilweise Vertu!;chung der beiden Nationen und wechselseitige kulturelle Beeinflussung leicht vorauszusehen ist.) Entscheidend aber sind die Fragen der Wirtschaftspolitik, der Kolonisation^- und Immigrationcpoii'.ik, der Besteuerung, der Wirtschafiskonzesslbnen, der Zölle V«p-5 Wendung der Wasserkräfte und der Landesefnkßnfte, der Polizei und des Militärs. Sollen die beiden Nationen hierüber in getrennten Kurien verhandeln? Und was soll dabei herauskommen? Nein, das Problem liegt anders; Solange es keine jüdische Majorität im Lande gibt, kann die jüdische Kolonisation nur vorwärtskommen, wenn die Mandatsmacht im Sinne des Mandats diese Kolonisation schützt und förderi Für Parlament und Selbstverwaltung — sofern sie ernstgemeint und kein Scheinmanöver sind — können wir erst ehtreten, wenn die jüdische Majorität vorhanden ist. Niemand von uns will den arabischen Landesbewohnern etwas Böses antun. Aber es gibt kein Argument, das die Araber für den Zionismus gewinnen könnte — solange die Juden in Paläs'ha in der Minderheit sind. Die Stunde der wirklichen Verständigung mit den Arabern wird gekommen sein, wenn unter dem Schutze der Mandatsmacht die jüdische Siedlung eine solche Stärke erreicht hat, daß die Araber das jüdische Palästina als gegebene Tatsache akzeptieren. Dann wird sich zeigen, ob die Juden Mäßigung und politische Einsicht bekünden werden. Dann werden die heutigen Revisionisten, weil sie politisch zu denken verstehen, als Freunde der Araber auftreten — und es könnte,,, sein, daß umgekehrt unsere heutigen Arabophilen, die kein politisches Ziel und Maß begreifen, sich dann als die schlimmsten Chauvinisten erweisen werden... 5. Legion. Jabotinskys Grundgedanke ist einfach: Er glaubt, daß die wachsende jüdische Siedlung gegen drohende pefahren auf die Dauer nur geschützt werden kann, wenn die Juden imstande sind, sich zu verteidigen. Er hält — mit Recht — den jetzigen Zustand für gefährlich, da die englischen Truppen zurückgezogen wurden, während die Polizei zu 70 «0׳ und das Grenzkorps fast zu 100 «b aus Arabern besteht. Daß hieraus Gefahren erwachsen können, falls die jüdische Ein- Wanderung und Kolonisation erheblich zunimmt — andernfalls vielleicht nicht — sollte von allen Seifen begriffen werden. Die öffentliche Diskussion ist freilich nicht erwünscht. Sie ist das Resultat der Verständnislosigkeit und Sorglosigkeit jener zionistischen Kreise, die die Gefahr nicht sehen wollen und sich für fjie Störung ihrer Ruhe an dem unbequemen Warner rächen möchten. Die Angelegenheit des Gren/korps «Iir:rakferisiert die Haitung der Regierung, die nur mit d, :!׳genblicklichen Status der Bevölkerung rechnet, die für ü.e künftige Entwicklung nicht vorsorgt und die jüdischen Inieressen kaum beachtet. Jetzt nennt die ״Jüdische Rundschau“ die Vorgänge bei der Aufstellung des arabischen Grenzkorps ״Akte, die mit aller Energie bekämpft werden müssen“. Aber als der Waad Leumi — nicht die Exekutive, die viel zu spät eingriff, dann angebliche Erfolge meldete und schließlich völlig erfolglos blieb —, als der Waad Leumi bei der Regierung protestierte, fiel ihm die ״Jüdische Rundschau“ mit scharfer Kritik in den Rücken. Mit allen Künsten der Dialektik hat damals Dr. Weltsch meine Darstellung des Tatbestandes bekämpft und niemals hat die ״jüdische Rundschau“ zugegeben, daß die von der Exekutive gemeldete angebliche Auflösung der arabischen Truppe des Emir Abdullah (an deren Stelle nach Behauptung der ״Rundschau“ das neue arabische Korps treten sollte), genau so wenig der Wahrheit entsprach, wie die Aufnahme von 100 Juden in das Grenzkorpa. Dr. Weltsch meint nun, die Revisionisten hätten unrecht getan, ihre Legionspropaganda mit dieser Angelegenheit zu verknüpfen. Aber der Waad Leumi ist anderer Meinung. Mehr noch als Verstimmungen und Befürchtungen der Araber fürchten die Juden Palästinas die simple Tatsache, daß alle bewaffneten Kräfte im Lande — mit Ausnahme von wenigen hundert im Lande verstreuten englischen Soldaten und einem Drittel der Polizei — arabisch sind. Man mag das Problem des Schutzes so oder anders beurteilen; man mag diese oder jene Lösung Vorschlägen: Grundsätzlich abzulehnen ist die Vogelstrauß-Politik der leitenden Kreise, die das Problem zu lösen glauben, wenn sie Jabotinsky einen Militaristen nennen. 6. Programm der Zukunft Im Schlußtcil seine* Artikels übernimmt Dr. Weltsch viele Forderungen der revisionlstischen Kritiker. Auch er fordert Hilfe der Regierung, er verlangt ein neues Finanzprogramm, ein neues Kolonisationsprogramm, ein neues Einwanderungs- Programm. Wenn diese Wünsche nicht nur ausgesprechen werden, um dem Revisionismus den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn sie der Erkenntnis entspringen, daß es so nicht weitergeht, so wollen wir uns solcher Einsicht freuen. Die Versuche Dr. Weizmanns, die Jeuhh Agency zu erweitern, gehören freilich nicht in das Kapi.el ernsthafter Reformarbeif. Diese undurchdachten, planlosen, seit 4 Jahren laut ausposaunten und gänzlich ergebnislosen Experimente werden zu nichts führen — selbst wenn demnächst wieder einmal angebliche ״Erfolge“ aus Amerika gemeldet werden. Ebensowenig werden neue Definitionen und Beteuerungen helfen, die Dr. Weltsch im Sinne des Weißbuchs und der Deklaration des 12. Kongresses formuliert sehen möchte. Nötig ist in der Tat eine ״Offensive“ — nicht gegen ״di» Basis unserer Politik in Palästina“, sondern gegen eine Lri ung, deren Zeit längst vorbei ist, die die wahren Probleme der Kolonisation nicht erkennt, die kein Programm und keine Meinung hat, von der im Grunde kein erfahrener Zionist die Parolen erwartet, die unsere Sache vorwärtsbringen können. Der Revisionismus will den Versuch unternehmen, die neue Politik des Zionismus zu formulieren und zu gestalten. Ob es ihm gelingen wird, vermag niemand zu sagen. Aber der Versuch muß gemacht werden, und die Kritik der Vergangenheit, die Erkenntnis der begangenen Fehler und Unterlassungen, die Einsicht in die entscheidenden Probleme des heutigen Zionismus sind die ersten Voraussetzungen zur Erneuerung der Bewegung. Die Neophyten des Revisionismus Von Robert Weltsch. Herr Lich t h e 1 m hat völlig unbehindert und uneingeschränkt seinen Standpunkt zu den politischen Problemen des Zionismus auseinandergesetzt. Die Diskussion fortzuspinnen, halte ich für unmöglich, da sie den ganzen Raum der ״Jüdisehen Rundschau“ verschlingen würde und die ״Jüd. Rdsch.“ auch andere Aufgaben hat. Ueberdies würden die Artikel und Gegenartikel immer länger werden, da begreiflicherweise viel Details herangezogen werden müßten. Für die ständigen Leser dieses Blattes kann ich mich also darauf beschränken, auf frühere Artikel zu verweisen, in denen bereite die Antwort auf viele Teile der Lichtheimschen Ausführungen enthalten ist Für Leser jedoch, die gerade diese Nummer zufällig in die Hand bekommen, muß ordnungsgemäß festgestellt werden, daß die von Herrn Llchtheim vertretenen Anschauungen beim letzten DeJegiertentag der deutschen Zionisten nur von einer kleinen Minderheit geteilt wurden, während der von ihm bekämpfte Kurs der ״Jüdischen Rundschau“ von der überwältigenden Mehrheit gebilligt wurde. Ohnealsohierin eine Polemikeinzu treten, möchte ich nur eine Reihe von Punkten in Liehtheims Artikel unterstreichen, da sie auf gewisse politische Vorgänge innerhalb des Zionismus eitt merkwürdiges Licht werfen. Lichtheim erklärt, das Weißbuch enthalte ״viele treffende und für uns günstige Feststellungen. Seine Aussagen über Ziel und Weg des Zionismus enthalten kaum etwas, was von uns als falsch und schädlich abzulehnen wäre.“ Er schlägt sogar vor, dies durch nochmaligen Abdruck des Weißbuches in der ״Jüdischen Rundschau“ zu beweisen. Für uns bedarf es dieses Beweises nicht, denn wir haben stets behauptet, daß jeder, der das Weißbuch liest, zu diesem Ergebnis gelangen muß. Daß manche — sogar prominente — Herren, die auf dem Delegiertentag Lichtheims Ansicht teilten, den Text des Weißbuches offenbar nicht gegenwärtig hatten, haben wir schon in Erfurt festgestellt. W i r waren es, die stets die ״Aufzwingung“ des Weißbuches bedauert haben, weil man sich Selbstverständlichkeiten nicht erst aufzwingen läßt. Der Widerstand gegen die ״Aufzwingung“ mußte aber notwendigerweise als ein Widerstand gegen den Inhalt erscheinen. Daß er dies auch tatsächlich war, beweisen unzählige zionistische Aeußerungen seit 1922. Gerade in der letzten Zeit ist der Inhalt des Weißbuches, d. h. die Ablehnung eines jüdisehen Nationalstaates und die Feststellung der gegebenen Tatsache der Binationalität Palästinas — der Zielpunkt hysterischer Angriffe aus verschiedenen zionistischen Lagern geworden. Die Revisionisten stehen dabei in der vordersten Reihe. Gewiß hat auch Dr. Weizmann aus Prestigegründen, die Lichtheim selbst charakterisiert, das Weißbuch ungern geschluckt Aber als reifer Politiker hat er es verstanden, daß solche Sentimcnte ausscheiden müssen, wenn politische Interessen auf dem Spiel stehen, und er hat, allen innerzionistischen Angriffen zum Trotz, in der loyalsten Weise daran festgehalten, daß ein Dokument, unter weichem die Unterschrift der zionistischen Exekutive steht, für uns verbindlich ist. Er hat immer wieder darauf hingewiesen, daß im Weißbuch nichts steht, was unsere Arbeit und das Wachstum der jüdischen Positionen behindern könnte; mit seinen Worten: daß es unsere Sache sei, ״aus dem Weißbuch ein Blau-Weißbuch zu machen“. Der Widerstand gegen das Weißbuch mußte dahin gedeutet werden, daß die Zionisten die darin enthaltene Definition, das ״national home“ bedeute keine jüdische Herrschaft und keine Aufzwingung der jüdisehen Nationalität für die Nichtjuden Palästinas, ablehnen. Dies mußte unsere politische Position gegenüber Engländern und Arabern maßlos verschlechtern, wofür sich unzählige Beweise anführen lassen. Diese Tatsache nicht zu sehen, und die Bedeutung der Tat Herbert Samuels, für uns die Selbst- Verständlichkeiten gesagt zu haben, die zu sagen der Zionistenkongreß nicht den Mut gegenüber den eigenen Sentimenten hatte, nicht zu würdigen, scheint mir eine politische Blindheit, die sich grausam rächen muß. ■ ־■־—.־׳־־...־״...יד.-...... Die Diskussion über das Weißbuch ist nur die Kehrseite der Diskussion über den ״Judenstaat“. Ich habe vor einiger Teit in einem Vortrag in Berlin einen Abschnitt aus Lichtheims Broschüre aus dem Jahre 1911 vorgelesen, der sich auf den Begriff ״Judenstaat“ bezieht, um zu beweisen, daß schon 1011 man sich darüber klar war, daß die Ent- Stellung des jüdischen Gemeinwesens ein dynamischer Prozeß ist, dem gegenüber das Wort ״Judenstaat“ höchstens die Bedeutung eines ״Grenzbegriffes“, aber keinerlei real politischen Inhalt hat. Daraus zog ich den Schluß, daß also die Ablehnung des Wortes ״Judenstaat“ im Sarauelscheu Weißbuch nur etwas aussprach, was wir ohnedies wußten und längst selbst hätten erklären sollen. Herr Lichthelm beruft sich jetzt gleichfalls auf jene Broschüre. Er erklärt, die Idee des unabhängigen Staates sei auch für die Revisionisten ״niemals als praktisch erreichbares Ziel proklamiert worden“, er erklärt weiter, die ״Binationalität des Landes sei eine gegebene Tat- Sache“. Darüber, daß wir aus diesen Erkenntnissen andere Folgerungen ziehen als er, sind die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ informiert und wir wollen, wie oben schon gesagt, die Polemik hier nicht erneuern. Eines aber muß jeder fragen: Warum hat sich in einem Teile der zionistischen Welt ein Sturm der Entrüstung erheben, warum hat man uns Hochverrat vorgeworfen, warum wurde gegen Felix Rosenblüth eine Kampagne entfesselt, die in ihrer grotesken Lächerlichkeit geradezu zum Weinen ist? Rosen blüth hat, wasdie Fragejuden Staat betrifft, inWien nichts anderes gesagt, als was Lichtheim jetzt für selbstverständlich erklärt und was in der Tat auch selbstverständlich ist. Daraufhin haben in allen Ländern revisionistische Gruppen, von denen man freilich nicht genau weiß, aus wem sie bestehen, Protest- Versammlungen arrangiert, bombastische Resolutionen gefaßt, diese in dienstbereiten Presseorganen verbreitet, und die arme! Exekutive in London, die wahrhaftig andere Sorgen hat, mit Telegrammen überschüttet, die den sofortigen Rücktritt des Verräters Rosenblüth fordern. Wichtige Teile des revisio* nistischen Verbandes haben sogar offiziell den Antrag für den nächsten Zionistenkongreß angekündigt, das Baseler Programrn zu ändern, und an Stelle von ״öffentlich-rechtlich gesicherter Heimstätte“ das Wort ״Judenstaat“ zu setzen. Dabei ist zu beachten, daß mit Rücksicht auf die tobende Kontra■ verse dieser Schlachtruf ״Judenstaat“ jetzt einen ganz besonderen Inhalt hat. Die Parole ״Judenstaat“ ist uns allen teuer, denn sie war für uns seit Anbeginn des Zionismus eine Losung im Kampfe gegen die Assimilation und gegen die Liquidierung des Judentums. In der jetzigen Kontroverse aber, die eine innerzionistische ist, hat das Wort einen ganz andern Sinn: es bedeutet die Forderung eines jüdischen Nationalstaates gegenüber der von uns vertretenen Auffassung eines die Juden als Staatsnation umfassenden palästinensischen Nationalitätenstaates als alleiniger realer Möglichkeit der Verwirklichung des Zionismus. Und obwohl bei ruhiger Ueberfegung der ״gegebenen Tatsachen“ jedermann zumindest zu den Ergebnissen Lichtheims kommen muß, wird mit diesem uns teuern Wort ,Judenstaat“ ein verantwortungsloses demagogisches Spiel getrieben. Wer hat diese leichtfertige Demagogie und diese Theatralik in unsere Bewegung gebracht, die in schwierigster Zeit jund -unter schwierlpt« :.||idta®Wge«-- ..am 4die,Vensfrk)- licliuftg unserer Idiale" ringt? :.." Wir wissen nicht, ob die Revisionisten nun auch gegen Lichtheims Artikel Protesttelegramme regnen lassen werden. Sollte sein *Artikel dazu beitragen, manche Leute zur Besinnung zu bringen, die Luft von den gefährlichsten Miasmen zu reinigen und die Diskussion wieder auf ein menschüches Niveau zu bringen, dann können diesen Artikel auch die, welche mit seinem Inhalt und seiner Tendenz ganz und gar nicht übereinstimmen, begrüßen. Der Zionismus steht heute vor einer Aufgabe, für die Konzentration aller seiner Kräfte nottut und es ist seine Existenzfrage, ob er sie, ungeachtet aller Inneren Differenzen, noch einmal mit der alten Macht zu geduldig aufbauender Aktion vereinigen kann. Wirtschaftsrevisionismus Von Heinrich Marguiics. Wir beginnen heute mit der Veröffentlichung einer Artikelserie von Heinrich Margulies, die die wirtschaftlichen Probleme Paläs'inas kritisch erörtert. Ausgangspunkt ist ihm dabei die Verhandlung, die er und eine Gruppe von Wirtschaftlern in Palas Ina mit Jabotinskv geführt hat, um ein Wirtschaftיprogramm des Revisionismus zu entwerfen. Dabei hat es die ״wirtschaftsrevisionistische“ Gruppe, trotz vieler Berührung*- pinkte abgelehnt, der revisionis'ischen Partei be׳zutrcten. Der Schwerpunkt müsse auf die Wirtschaft ge egt werden. Im ersten Artikel begrüßt der Verfasser die Belebung, die der Zionismus durch den ״Revisionismus“ erfahren habe; im zweiten Artikel, den wir nachstehend wiedergeben, erörtert er das Verhältnis der Wirtschaffier für die er spricht, zu den zionistischen Parteien. Wir glauben, daß die Ausführungen des Verfassers auch für die interessant sein werden, die seine Meinungen nicht oder nicht in allen Punkten teilen. — Red. Der Haupteinwand, den Jabofinsky gegen die Haltung der sogenannten Wirtschaftsrevisionisten und gegen ihr Fernbleiben von der revisionistischen Partei geltend macht, ist der: Ihr sagt selber, daß ohne eine entsprechende Regierungs• Politik eure Wirtschaft sich nicht entwickeln kann. Wer also soll euch das Terrain bereiten, wer dlt Regierung zu einer solchen Politik zwingen, wenn nicht die revisionistische Partei? Hierzu ist zunächst zu bemerken, daß die revisionistische Partei an sich gar kein Druckmittel auf die Regierung hat. Sie kann Artikel schreiben das können die Wirtschattier auch, und die nichtrevisionistischen Zeitschriften ״Mischar w’Taassia“ und ״Palestine and Near East“ können es sogar besser als revisionistische Blätter. Und Deputationen schicken können die Wirtschaftler viel besser als die Revisionisten, weil sie nämlich der Regierung gegenüber als die Vertreter wirtschaftlicher Landesinteressen und Interessenten• gruppen auftreten können. Es ist durchaus nicht so schwer, für diese Dinge, wenn sie konkret und vernünftig sind, Gehör zu finden. Die Liste der Zollbefreiungen und Zollschutzmaßnahmen, die man im letzten Jahre bei Mr. S t ead, dem Zolldirektor, durchgesetzt hat, ist eine absolut ״revisionistische“ Liste, aber sie wurde durchgesetzt von den Wirtschaftlem allein. Die Revisionisten haben auf diesem Gebiete eine ganz andere Front, und das ist die zionistische Exekutive.