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Jüdische Rundschau · 1926-12-23 · Heft 100-101 (23.12.1926) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 100-101 (23.12.1926)
Date
1926-12-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr.!00/101 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 731 Innerzionistische Diskussion Oer Revisionismus und seine Kritiker Von Richard Lichtheim. Auf die Reden, welche Jabotinsky in Berlin und anderen Städten gehalten hat, liegen zwei Gegenäußerungen vor: eine Rede Blumenfelds vom 2. Dezember und ein umfangreicher Leitartikel der ״Jüdischen Rundschau“ vom 10. Dezember. Man darf wohl annehmen, daß diese Aeußerungen das wesentliehe Material enthalten, mit dem der offizielle deutsche Zionistnus den revisionistischen Angriff abzuschlagen hofft. Was vom Standpunkt des Revisionismus auf diese ״Wider• legungen“ zu erwidern wäre, läßt sich kaum in einen Artikel zus-mmenfassen; liegen doch den Aeußerungen von Blumenfeld und Dr. Weltsch Vorgänge und Entwicklungen zugrunde, die sich über mehrere Jahre erstrecken, deren Darstellung und Deutung mindestens den Raum einer Broschüre von zwei Oder drei Bogen erfordern müßte. Jene Rede und jener Artikel sind nur die Quintessenz von Anschauungen, die di: offiziellen Leiter des deutschen Zionismus seit Jahren vertreten, tut denen sie seit langem in Gegensatz zu einer Oppo Lion »tehen, die über kein Organ verfügt und schon aus diesem Gründe fast wehrlos der amtlichen Geschichtschreibung gegen- Übertritt. Nur die systematische Darstellung, nur die ständige Darlegung der eigenen Auffassung in einem eigenen Blatte kann die Opposition in den Stand setzen, ihre Sache überzeugend zu vertreten und das zionis'lsche Publikum für den *«visionist.'schen Standpunkt zu gewinnen. ln dieser Notlage bleibt mir nur der Ausweg, die umjhssende Erörterung, die hier erforderlich wäre, durch eine Reihe von Feststellungen zu den wichtigsten Streitpunkten zu ersetzen. Ob diese Feststellungen überzeugend auf ein Publikum zu wirken vermögen, d :s sich seit Jahren gewöhnt hat, seine politischen Ansichten aus den Reden Blumenfelds und den Artikeln der ,.Jüdischen Rundschau“ zu empfangen —- dies vermag ich nicht zu beurteilen. Immerhin sei der Versuch unternommen, der Aniikri fk des offiziellen deutschen Zionismus mit den folgenden Darlegungen zu begegnen. 1. Das Weißbuch: In der Rede Blumenfelds wie in dem Artikel der ,.Jüdischen Rundschau“ wird als Argument gegen die Revisionisten die Tatsache verwertet, daß der Exekutive, die das Weißbuch akzeptierte, Jabotinsky, Soloweitschik und ich angehörten. Da diese Tatsache von niemandem bestritten worden ist, so kann der Sinn dieses Arguments wohl nur der sein, daß die heute in der Opposition befindlichen ehemaligen Mitglieder der Exekutive damals andere Anschauungen als jetzt vertreten haben — nämlich die Anschauungen, die im ״Weißbuch“ niedergelcgt sind — oder aber, daß sie damals ihre wahren Ansichten verleugnet«!. In Wirklichkeit handelte es sich jedoch bei der Annahme des Weißbuches keineswegs um die freie Bekundung der eigenen Ansicht der Exekutive, sondern um ein aus taktische» Gründen notwendig gewordenes Eingehen auf die WpsÄe \Sk.ll«d»etii.,S|j||1el»,,,pjsef.M;.Ja b§k»nntlid! der VeÄerrfcs Weißbuches. Nicht das der zionistische Oberkommissar hielt es für notwendig, nur Beruhigung der Araber auszusprechen, daß der Zionismus nicht beabsichtige, den Arabern in einem jüdischen Staat die jiidisehe Nationalität aufzuzwingen. Für eine zionistische Exekutive bestand kein Anlaß, eine so extreme Idee, die vielleicht in den Köpfen arabischer Fanatiker spukte, feierlich abzuschwören. Und hier lag unser Widerstand gegen das Weißbuch: Nicht der eigentliche Inhalt, nicht die positiven Erklärung«!, nicht di: programmatischen Feststellungen dieses Dokuments machten seine Annahme bedenklich. Das Weißbuch in seiner endgültigen Fassung enthält nämlich viele treffende und für uns günstige Fest- Stellungen. Seine Aussagen über Ziel und Weg des Zionismus enthalten kaum etwas, was von uns als falsch oder schädlich abzulehnen wäre. Man sollte einmal das Weißbuch ln der ״Rundschau“ neu publizieren, um die übertriebenen Meinungen pro und contra richtigzustellen. Der Widerstand d^r Exekutive ergab sich vielmehr aus dem Mißbehagen über die ultimatl c Form, in der wir auf Betreiben Samuels zur Annahme gedrängt wurden und aus dem Bedenken, daß es der Bewegung nicht würdig sei, feierlich von übertriebenen oder törichten Forderurigen abzurücken, die niemals im zionistischen Programm gestanden hatten. In dieser Auffassung war die gesamte in London versammelte Exekutive einig. Jabotinsky war damals in Amerika und kam erst in letzter Stunde nach London, als die Annahme des Weißbuches schon so gut wie entschieden war. Seine Verantwortung ist daher rein formaler Natur. Dr. Weizmann fühlte sich dadurch verletzt und getroffen, daß Sir Herbert Samuel in dem Weißbuch eine Polemik gegen jenen bekannten Ausspruch Dr. Weizmanns führte, daß ״Palästina so jüdisch wie England englisch“ werden solle, ln der Sitzung der Exekutive vom 9. Juni 1922 teilte Dr. Weizmann mit, es sei ihm trotz größter Bemühungen nicht gelungen, Samuel zur Zurücknahme dieses Passus zu bewegen. Die Aenderung mancher anderen bedenklichen Textstellen war erfolgt mit Ausnahme administrativer Hinweise, die heute nicht mehr zur Debatte stehen (zumal sie nicht ausgeführ( wurden), und so entschloß sich schlicfflich die gesamte Exekutive, entsprechend dem Vorschlag Dr. Welzmanns, das Weißbuclj. zu akzeptieren. Was folgt hieraus? Daß gar kein wesentlicher Unterschied in den Meinungen der Exekutivmitglieder bestand, daß das Weißbuch der Exekutive von Samuel aufgezwungen wurde, daß die Bedenken der Exekutive sich weniger auf den sachlichen Inhalt des Weißbuch es als auf die Begleitumstände und die in ihm enthaltene überflüssige Polemik bezogen. Welcher Vorwurf kann danach den heute in der Opposition stehenden Mitgliedern der Exeku'ive gemacht werden? Etwa der, daß sie — ebenso wie Dr. Weizmann — in einer bcstimmten Situation nachgaben, um nicht größere Interessen m gefährden? Nun, das kommt in der Politik alle Tage vor, und das Wesen eines Revisionisten besteht nicht darin, unter allen Umständen mit dem Kopfe durch die Wand zu wollen. Ich für meine Person bin noch heute bereit, die Annahme des Weißbuches aus den besonderen Umständen der damaligen Zeit zu recht,'ec.igen und stimme dennoch der Kritik des Revisionismus zu. Aber der Hörer Blumenfelds und der Leser der ,.Rundschau‘׳, in der das Weißbuch seit langem gerühmt und gefeiert wird, mußte aus der Ver- Wendung dieses -Arguments“ schließen, daß Jabotinsky, Soloweitschik, Lichtheim grundsätzlich über das Weißbuch anders dachten als etwa Weizmann und Sokolow, und daß sie damals ihren wahren Standpunkt verleugneten, während die anderen ihrer Uebcr/cugung folgend freudig das Weißbuch akzeptierten. Das ist eine Legende, die zerstört werden mußte. Es sei zum Ueberfluß noch darauf hingewiesen, daß Herr Sokolow sich nach der Annahme des Weißbuches in einer Rede in Berlin über dieses Dokument so kritisch äußerte, daß die Aufmerksamkeit des Colonial Office erregt wurde. Freilich, Dr. Weltsch vertritt einen ganz besonderen, wohl nur von ihm eingenommenen Standpunkt. Er sieht in dem Weißbuch Samuels eine politische Notwendigkeil und den Ausdruck höchster politischer Weisheit. Er hat schon auf dem Kongreß erklärt, daß w i r dieses Weißbuch hätten schreiben sollen, statt es uns aufnötigen zu lassen. Das ist ein Standpunkt, aber es war und ist nicht der Standpunkt der Exekutive von 1922, deren sämtliche Mitglieder die Aufzwingung dieses Weißbuches als politische Niederlage empfanden. In den Vorverhandlungen über den Text des Weißbuches hatte Sir Herbert Samuel von Dr. Weizmann zur Beruhigung der Ar: ber noch eine Kleinigkeit ge .'ordert: Den Verzicht auf Artikel 4 des Mandats. Dr. Weizmann mußte hierauf erwidern, daß die gesamte Exekutive in London und Palästina zurücktreten würde, wenn Simuel auf dieser Forderung bestünde. Samuel gab schließlich nach — aber vielleicht gibt dieser Vorfall manchem Leser der ״Jüdischen Rundschau“ Anlaß zum Nachdenken über den politischen Charakter des ״großen jüdischen Staatsmanns“, Herbert Samuel, in dem gewisse Kreise den künftigen Nachfolger Dr. Weizmanns oder den Präsidenten der ״gemischten“ Jewish Agency erblicken. 2. Geschichtskiitterung. ״Keine Geschichteklitterung kann diese Tatsachen aus der Welt schaffen“, heißt es in der ״Jüdischen Rundschau“. Welche Tatsachen? ״Auf Grund dieses Weißbuches hat die zionistische Sache einen überwältigenden Sieg im Unterhaus erfochten, und kurz darauf wurdedasMandatbcstätigt“ (Im Original gesperrt) ״Herbert Samuel, dem Verfasser des Weißbuches, war es gelungen, die öffentliche Meinung Englands für den Zionismus zu erobern.“ Wer, unkundig der Tatsachen, diese Sätze liest, muß glauben, daß die Gewinnung der öffentlichen Meinung Englands für den Zionismus, die uns günstige Abstimmung im Unterhaus und sogar die Bestätigung des Mandats ein direktes Resultat der Bemühungen Samuels und der Wirkung seines Weißbuches war. Wer aber die Vorgänge an Ort und Stelle miterlebt hat und die Einzelheiten kennt, wird in dieser Darstellung eine typische ״Geschichtsklitterung“ sehen. Ueber die Vorgeschichte des Weißbuches haben wir schon einiges bemerkt Wichtig ist, festzuhalten, daß nicht das Colonial Office, sondern Samuel das Weißbuch für nötig •' hielt Bei seiner Äpw<ta«n®l!it‘'־׳Sl/tiöndötf-lßi• ׳Juni• #22;;%^' stimmte er das Cotonial Office, die Annahme des Weiß־ buches von der Exekutive zu fordern. Sicherlich glaubte Samuel, auf diesem Wege die gefährlichen Wirkungen der damals sehr heftigen arabischen Kampagne abschwächen zu können. Noch stärker dürfte sein Wunsch gewesen sein, der Regierung und der konservativen Opposition als ״unpartelischer“ Administrator zu erscheinen — eine Tendenz, die in seiner ganzen Amtsführung immer deutlicher wurde und zu jener glorreichen Abschiedsproklamation beim Verlassen Palästinas führte, in der nur von der allgemeinen Wohlfahrt des Landes die Rede ist, während die Balfour-Deklaration und die jüdische Kolonisation mit keiner Silbe berührt werden.... In jenen kritischen Tagen des Juni 1922 hatte die antizionistische Kampagne in England ihren Höhepunkt erreicht. Was waren ihre Ursachen? Dr. Weltsch führt sie auf die arabische Propaganda und ״auf gewisse Aeußerungen von zionistischen Persönlichkeiten wie Zangwill und Jabotinsky“ zurück. Der Beweis für letztere Behauptung dürfte ihm schwer werden. Wenn schon einzelne Aeußerungen gegen uns benutzt wurden, so allenfalls jene schon erwähnte Dr. Weizmanns, gegen die das Weißbuch polemisiert. Wir haben keinen Raum, um Geschichte zu schreiben und müssen in Schlagworten reden: Die Ursachen jener antizionistischen Kampagne waren: Wütender Haß der Konservativen gegen die Regierung Lloyd George, die man mit allen Mitteln zu stürzen suchte, wobei die angeblich kostspielige und gefährliche Zionisfenpolltik der Regierung herhalten mußte; dazu Treibereien von vielen Seiten gegen das Mandat, Intriguen gewisser katholischer Kreise und schließlieh die von allen Feinden der Regierung, des Mandate und der Juden angefeuerte und finanziell unterstützte Agitation der arabischen Delegation in London. Endlich suchten gewisse Kolonialpolitiker, die die Gründung des großarabischen Reiches unter englischem Protektorat befürworteten — von ihrem Standpunkt mit Recht--, die zionistische Sache zu lmrnieren. Gewiß sind auch die angeblich extremen Forderungen der Zionisten von den Gegnern der Sache als Beweismittel herangezogen worden, aber es bedeutet eine völlige Verkennung der Situation, wenn Dr. Weltsch glaubt, daß in jenen kritischen und gefährlichen Tagen die Formulierungen in Samuels Weißbuch entscheidend für oder gegen uns in die Wagschale fielen. Wer — wie ich — jene Zeiten in London und die Unterhausdebatte miterlebt hat, kann solche naive Meinung nur belächeln. Es ging um die Sache — nicht um Definitionen. Richtig ist, daß die Regierung auf Samuels Verlangen die Annahme des Weißbuches durch die Exekutive unmittelbar vor jener Unterhausdebatte forderte. Der Oeffent'lchkeit war das Weißbuch unbekannt, und für die Parlamentarier, die für oder gegen die Regierung stimmten, war sein Inhalt ohne jede Bedeutung. Wer es nicht glaubt, lese die Debatte im Stenogramm nach. Vor der Sitzung hatte der Kolonial- Staatssekretär Churchill, der für die Regierung die antizio- Die! nächste Nummer der ״Jüd. Rundschau“ erscheint als Doppelnununer am 30. d. Mts. Die Dienstag - Ausgabe fällt ans. nistische Interpellation des konservativen Joynsohn-Hieks beant- Worten sollte, folgendes gesagt: 1״ shati laugh the whole thing• out of Court“, und das machte er denn auch sehr geschickt In seiner Rede verwies er darauf, daß er im Colonial Office die Balfour-Deklaration als Erbschaft vorgefunden habe, daß die Regierung ihre feierlichen Erklärungen nicht zuriieknehmen könne, er schilderte dann die jüdischen Kolonien, befaßte sich ausführlich mit dem Rutenbergprojekt und verlas unter großer Heiterkeit aus einem dicken Buch die früheren Zustimmungserklärungen der konservativen In'.erpellanten zur Balfour-Deklaration. ln der ganzen Rede Churchills und in der folgenden Debatte war vom Weißbuch und seinen schönen Definitionen überhaupt keine Rede! Joynon-Hicks konzentrierte seinen Angriff auf die Rutenberg-Konzession. Die * Abstimmung ergab den Sieg der Regierung — im Gegensatz zur vorangegangenen Abstimmung des Oberhauses, wo die konservative Opposition der Reg'erung eins aus« lachen wolffe. In dieser ganzen Parlamentsaffäre hat das Weißbuch für die beiden Häuser des Parlaments und für die öffentliche Meinung gar keine Rolle gespielt, und es ist daher, gelinde gesagt, eine starke Uebertreibung, wenn die ״Jüdische Rundschau“ behauptet, Herbert Samuel habe durch das Weißbuch die öffentliche Meinung Englands für den Zionismus gewonnen. ln der Tat ging die Kampagne gegen den Zionismus weiter — bis die Regierung Lloyd George gestürzt, die großarabische Politik gescheitert war und die von England mit größter diplomatischer Energie durchgesetzte Bestätigung des Palästinamandats vielen Gegnern die Hoffnung geraubt hatte. An dieser Entwicklung wäre nichts geändert worden, wenn Sir Herbert Samuel das Weißbuch nicht geschrieben hätte. 3. Judenstaat. Die prinzipielle Erörterung des Begriffe* ״Judenstrat“ ist neuerdings dadurch provoziert worden, daß die ״Jüdische Rundschau“ über Ziel und Methoden der jüdischen Kolonisation Ansichten verbreitet hat, die den Sinn der zionistischen Bewegung, den konkreten Inhalt des zionistischen Programms in Frage stellen. Die Opposition ist bei ihrer Kritik von den aktuellen Problemen der Politik, Wirtschaft und Organisationsleitung ausgegangen. Sie hatte gar kein Verlangen, staatsrechtliche Definitionen zu prägen oder die längst erledigte Diskussion über den Herzischen Judenstaatsbegriff wieder aufzunehmen. Die Haltung der ״Jüdischen Rundschau“ aber ließ in vielen Zionisten die Frage entstehen, ob das, was Dr. »Weltsch lehrte, überhaupt noch Zionismus sei, und so entstand der Ruf ״Zurück zu Herzl“, so entstand eine neue Propaganda unter dem Namen ״Juden- Staat“. Es ist klar, daß kein politischer Kopf daran denken kann, jetzt die Forderung eines unabhängigen ״Staates“ aufzustellen. Die Revisionisten und vor ihnen alle anderen politisch denkenden Zionisten haben seit den Tagen des ersten Kongresses die Idee des unabhängigen Staates niemals als praktisch erreichbares Ziel proklamiert» sondern — wie e§ h meiner vor-41 Jahren׳ erschienenen Rwgrammtofpchftre hieß y~i: , als' litten ׳jdrjÜgMätfft'V fis־׳ÜT' daher '׳ ״Rundschau“ schreibt, Jabotinsky ״ließ zunächst den Staatsbegriff fallen“. Er brauchte ihn nicht fallen zu lassen, da er ihn nicht aufgestellt hatte. 4. Majorität. Eine ganz andere Frage ist die des zionistischen Zieles und der jüdischen Majorität. Der Standpunkt der ״Rundschau“ ist sehr klar mit den folgenden Zitaten gekennzeichnet: ״Die Frage ist sinnlos“, sie ist ״ungegefähr ebenso sinnreich wie die Frage, ob jemand in der nächsten Lotterie den Haupttreffer machen will“. Das ist deutlich. Dr, Weltsch hat natürlich nichts dagegen, daß eine jüdische Majorität entsteht, aber er würde es für einen besonderen Glückszufall halten, wenn sie erreicht würde. Vorläufig bezweifelt er die Möglichkeit der Errarhung dieses Ziels aus ökonomischen Gründen. Er braucht dabei unseres Erachtens nicht gegen eine imaginäre Tendenz zu polemisieren, die durch künstliche Mittel eine vom Ausland her unterhaltene große jüdische Bevölkerung schaffen will. Die ökonomische Solidität der Siedlung ist ein von allen Seiten anerkanntes Axiom, das keiner Partei gehört ganz gewiß nicht jenen Gruppen, die bis vor kurzem blind und kritiklos einem System zustimmten, das höchst unwirtschaftlich verfuhr, das in der Tat ״künstlich“ durch Unterstützung vom Ausland Siedlungen und andere Wirtschaftskörper schuf, die keine ״wirkliche Existenzkraft“ besi'zeu. Also vorausgesetzt, daß nunmehr alle Gruppen im Zionismus eine Kolonisation wollen, die Wirtschaft’!ah gesund ist, d. h. eine solche, die nach einer gewissen Zeit — i 1 der Unterstützungen von außen sehr wohl zu rechtfertigen sind — sich selbst zu tragen vermag: Ist die Frage nach der jüdischen Majorität dann wirklich sinnlos? Der Meinung der Jikli-.chen Rundschau“ stellen wir klipp und klar die unsere entgegen: Ohne das Ziel der jüdischen Majorität ist der Zionismus sinnlos. Dr. Weltsch erklärt, auch er wolle eine möglichst starke Judensiedlung und schließe sich dem Wunsch an, daß diese in ein oder zwei Generationen drei Millionen Seelen betragen solle; aber er fügt hinzu, die Ziffer sei willkür'kh konstruiert und man könne auch zwei oder sieben Millionen sagen. ״Das kann man eben nicht, und hier enthüllt sich der Gegensatz der Meinungen. Wenn wir von zwei bis drei Millionen sprechen, so ist dies keine willkürlich gewählte Zahl, sondern sie basiert auf der Größe und ungefähren Aufnahmefähigkeit Palästinas während der nächsten Jahrzehnte. Es wäre denkbar, daß wir uns irren, daß unsere Sachverständigen sich seit 20 Jahren täuschen, daß Palästina überhaupt nur noch wenige hunderttausend Menschen aufnehmen kann oder daß das Tempo der jüdischen Kolonisation unter keinen Bedingungen so zu beschleunigen ist, daß wir jemals auch nur die Zahl der Araber erreichen, die in ein oder zwei Generationen etwa eine bis zwei Millionen Seelen betragen werden. Wenn dies der Fall ist, so erklären wir offen und deutlich, daß wir uns geirrt haben, daß Palästina keine territoriale Teillösung der Judenfrage ist, daß eine jüdische Minorität in einem vorwiegend von Arabern bewohnten Palästina keine Gewähr dafür bietet, daß eine jüdische Nation dort neu entsteht, die eine Rückwirkung auf die Diaspora ausüben kann, daß der zionistische Traum ausgeträumt ist und unsere Gegner recht behalten haben. Aber sagt nicht Eh־. Weltseh in schärfsten! Widerspruch zu seinen früheren Thesen genau f

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