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Jüdische Rundschau · 1926-12-23 · Heft 100-101 (23.12.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 100-101 (23.12.1926)
Date
1926-12-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. mim Seite 730 Oer Sprecher der Liberalen Prof. Türk (liberal): Die Kundgebung für Palästina wird sicher auf viele Eindruck machen, die sich bisher ablehnend verhalten haben. Freilich handelt es sich um nichts Neues, denn schon während des Krieges gab es ein Pro Palästina Comite. Im übrigen kann.jeder liberale Jude unterschreiben, was bei der Orfmdungsversammlung des Pro Palästina Comites über das Werk der Humanität, das dort entstellt, gesagt wurde. Wenn wir gegen Palästina Stellung genommen haben, geschah es, well von den Zionisten ein nationales Moment hineingetragen wurde. Warum sind wir zu dieser Veranstaltung nicht eingeladen worden? Wir hätten dann Gelegenheit gehabt, unseren Standpunkt darzulegcn. Zur Affäre Sonn eil f cid übergehend, anerkannte der Redner, daß Dr. Klee in ruhiger und versöhnlicher Form gesprochen hat Sonncnfeld hat die Konsequenzen gezogen und der Fraktion sein Mandat zur Verfügung gestellt. Es zeigte sich, daß die Liberale Fraktion nicht über alle Sen ritte Sonftenfelds unterrichtet war; sie hätte sonst den Brief an den Minister sicher nicht geschrieben. Auf mich, sagte der Redner, wirkte der Brief des Ministers wie ein Dachziegel auf den Kopf. Aber auch der Minister ist ein Mensch und nicht unfehlbar. Die Liberale Fraktion hat mit einer Mehrheit beschlossen, die Proteste nicht zurückzuziehen. Vor Wahlen haben wir keine Angst. Es gibt aber andere Gründe, für eine Vermeidung der Wahlen: der Wunsch, daß endlich Ruhe in die Gemeinde einkehrt. Was ist ״Humanität"? Dr. Sandler berichtigt die Anschauungen Prof. Türks über das Pro Palästina Comite. Es war doch keine öffentliche Versammlung und kein Diskussionsabend, sondern die Gründungsversammlung einer GeseüschafL zu der nur eingeladen wurde, wer das Programm gebilligt hatte und beitreten wollte. Dazu konnten doch die Liberalen nicht eingeiaden werden, da wir wußten, sie würden nicht bei treten. Wenn Türk sagt, auch er könne unterschreiben, was Minister Becker und andere gesprochen haben, so beruht das auf einem Mißverständnis des Wortes Humanität. Keiner von den Herren war sich darüber im unklaren, daß es sich um eine nationale Kolonisation handelt. Ja sogar der Vorsitzende der Liberalen Vereinigung, Rechtsanwalt Stern, hat vor kurzem in einer Versammlung in Breslau erklärt, er sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Kolonisation Palästinas, die er aus anderen Gründen ablehnte, nur auf nationaler Grundlage möglich ist. Was sollen denn die Juden Palästinas in nationaler Hinsicht sein, wenn nicht Juden? Wenn Minister Becker und Graf Bernstorff von Humanität gesprochen haben, so war damit nicht Philanthropie gemeint, sondern jene höhere humanitas, auf die sich die zionistische Idee stützt. Es ist dasselbe Humanitäts-Ideal, das schon im jesajanischen Gedanken untrennbar mit der nationalen Existenz des Judentums verbunden ist. Zum Schluß verlas Prof. Türk das Antwortschreiben der Liberalen Fraktion an Minister Grzcsinski, in weichem gesagt ist: ״Den am Schlüsse des Schreibens gegen uns erhobenen Vorwurf der grundlosen Verdächtigung sehen wir uns genötigt zurückzuweisen. Die Fraktion hat keine Verdächtigung ausgesprochen, insbesondere nicht die allgemeine Objektivität eines ihnen unterstellten Beamten angezweifelt. Die Fraktion war und ist lediglich der Auffassung, daß in einem bestimmten Einzelfalle die Mitwirkung eines bestimmten Beamten nicht anfebracht sei, weil in jüdisch-liberalen Kreisen die Besorgnis esteht, daß •de!*׳;betreffende ■■•Herr 'befangen:; .*.,׳׳ . 510 Iutlt‘'SdhMt5ttrÄie'׳sdW•• Wbb;lf »׳WM-fiW n aH ta. drei Lesungen einstimmig angenommen. (Wir nehmen auf der ersten Seite zu der Angelegenheit Stellung. — Red.) Tagung des Einigdirekt Vom 19. bis 21. d. M. fand in Berlin in der Kleist- Straße die diesjährige Tagung des Großen Rates der!Vereinigten jüdischen Emigrationsgesellschaften ״Emigdirekt“ statt. Der Präsident des Emigdirekt, Dr. Miron Krainin, begrüßte die Ratsmitglieder und insbesondere das Mitglied des amerikanischen Direktorenrates von Hias, den jüdischen Arbeiterführer und Publizisten, W1 a d e k. Wladek war es, der mit großer Energie dafür wirkte, daß Hias den vorjährigen Beschluß, die Emigrationsarbeit zu üquläieren, aufgab. Es wurden sodann Dr. Leo Motzkin zum Präsidenten, Schipper und Schalit zu Vizepräsidenten gewählt. Rechtsanwalt Eh־. Alfred Klee begrüßte die Tagung im Namen dar Jüdischen Gemeinde Berlin. Wladek begrüßt die Tagung im Namen des amerikanischen Hias-Direktoriums und sagte, man wisse es nun auch in Amerika, daß das Emigrationsprobiem zu den wichtigsten und schwersten Problemen gehöre. Seitdem die Tore der Vereinigten Staaten für neue Einwanderer gesperrt sind, erwuchs für die amerikanischen Juden eine um so größere moralische Pflicht, an der Seßhaftmachung jüdischer Emigranten in anderen Ländern mitzuwirken. Hias wird jede Unternehmung von Emigdirekt, die geeignet ist, die Lage des jüdischen Wanderers zu erleichtern, mit allen Kräften stützen. J. Dijour erstattet •den Bericht des Zentralbüros von Emigdirekt. Er berichtete im einzelnen über die ausgedehnten und zum Teil schwierigen Verhandlungen mit den jüdischen Organisationen und Einzelfaktoren in den Einwanderungslindern, insbesondere in Südamerika und erinnerte an die Südamerikareise des Herrn Latzki-Bertholdi. Allmählich wird die jüdische Oeffentlichkeit in den Einwanderungsländern für die Idee der konstruktiven jüdischen Emigration gewonnen. Er berichtete auch über das System der organisierten Emigrantentransporte, die Paß- und Reiseverbilligungsaktion. die Schutzaktion gegen Ausbeutung und schlechte Behandlung seitens der Schiffsgcsellschaften usw. Es folgen dann Berichte aus den Ländern. Ueber Ruminien berichtet Direktor P i c u s - Bukarest. Dort bestehen drei Komitees: in Bukarest, Czernowitz und Kischinew, die alle eine sehr ausgedehnte Tätigkeit entfalten. Ueber Polen referierte Sejmabgeordneter Dr. Ignatz Schipper, der Sekretär der Sejmkommission für Emigfationsangelegenheiten. Er führte aus, die Emigration sei die brennendste Frage im jüdischen Leben. Die jüdische Bevölkerung wird unter der Steuerlast geradezu erdrückt. Nahezu zwei Drittel aller Staats- und Kommunalsteuern werden von der jüdischen Bevölkerung geleistet. Die ökonomischen Bedingungen sind deprimierend. Im letzten Jahre haben sich rund 25 000 jüdische Familien an das Warschauer Emigdirekt- Büro um Information wegen Auswanderungsmöglichkeiten gewandt. Es kamen dabei mehr als 30 Länder in Betracht. Die polnische Regierung stützt die jüdische Eraigrationsarbeit auch finanziell. Es folgen dann Berichte von Ing. Gelman-Beßarabien, Dr. R el ß n er - Konstantinopel, G r i bos c h ok-Riga, Ro - 5 o w s k i - Kowno, Sichert- Warschau, Grünberg - Paris, Dr. Werosub - Danzig u. a. tn. In der Abendsitzung erstattete Dr. IC rainin sein Haupt-. referat. Er berichtete zunächst über seine Reise nach Amerika, wo beschlossen wurde, eine Aktion zur Aufbringung von Der ״Goldene Schekel" Gesinnungsgenossen! Die Schekelaktion für das Jahr 5687 (192627׳׳) hat begönnen. Ihr gebührt die tätige Anteilnahme aller Zionisten. Der Kauf des Schekels bedeutet Bekenntnis zur Zionistischen Organisation, zum Glauben an unsere nationale Idee; an der Zahl der Schekaüm mißt die Welt die Macht und Bedeutung unserer Bewegung. Von den Schekeleingängen hängt die Aufrechterhaltung und Ausdehnung der Tätigkeit der zionistischen Exekutive ab. Kongresse, Landeskonferenzen, zahllose Zionisten aller Länder verlangen seit Jahren, daß der Exekutive die Möglichkeit gegeben wird, Ihre politische und propagandistische Aktion zu erweitern und organisatorisch fühlbarer zu machen. Das ist — immer wieder muß es gesagt werden — zu einem wesentliehen Teil eine Frage der verfügbaren finanziellen Mittel. Auch eine erfolgreiche Schekel-Kampagne kann nur einen Teil der Mittel liefern, die hierfür notwendig sind. Deshalb ist der goldene Sehekel geschaffen worden. Der Mindestbeitrag des Goldenen Schekels ist £ 20,50 Rm. Wer an die entscheidende Bedeutung der Organisation für das Gelingen unseres großen Werkes glaubt, darf sich der Verpflichtung zur Zahlung dieses wichtigen Organisationsbeitrages nicht entziehen! Jeder Zionist, dessen Vermögens- Verhältnisse es gestatten, ist verpflichtet, ejn Mehrfach« des Mindestbeitrages zu entrichten. Schon zahlen viele Gesinnungsgenossen in allen Ländern den Goldenen Schekel. Ihre Zahl muß wachsen. Die Landesverbinde müssen die Aufbringung zahlreicher Goldener Sehekalim als eine wichtige Aufgabe in Angriff nehmen und durchführen. Das ganze Jahr gehöre der energischen Arbeit für den Goldenen Schekel! Eure Leistung, Zionisten, wird in einer gesteigerten Tätigkeit Eurer Leitung־ Ihr Entgelt finden! Die Exekutive der Zionisttsdieit Organisation 500000 Dollar für jüdische Emigrationszwecke durchzuführen und dem Werk von Hias-Emigdirekt in Europa mindestens 100 000 Dollar jährlich zuzuwenden. Im vorigen Jahre sind außer nach Palästina etwa 30000 jüdische Emigranten nach verschiedenen Ländern gewandert. Diese Wanderung war unkontrolliert und regellos, so daß viele Wanderer die Rückreise antreten mußten. Es gilt nun, diese Panikemigration zu bekämpfen und Ordnung in das Wanderungswesen zu bringen.. Die Verwandtenhilfe von Hias-Emigdirekt hat gute Aussicht auf Erfolg. Mit der Zionistischen Organisation sind Hias- Emigdirekt in dauernder Verbindung. Auch mit Ort wird wegen der Berufsausbildung der Emigranten eine Zusammenarbeit hergestellt. An den Bericht Dr. Krainins schloß sich eine Generalaussprache, die sich auch über die Montagssitzung erstreckte. * In den letzten Tagen haben in Berlin Besprechungen zwischen den Präsidenten der in Europa vereinigten Etnigrationsgesellschaften Hias und Emigdirekt, Dr. James Bernstein und Dr. Miron Krainin, und dem Generaldirekter der Jewish Colonisatio» Association (Ica), Herrn . Ut!ls..jQLu11||P’el .)stattgefundejt.' Es vÄrile über 1'die menfäsiüüig: 'der Afbeif dleser*0ifefll׳c«lfted aKtrtonzQcbitftc-' der jüdischen Emigration beraten. Es soll ein gemeinsames Komitee gegründet werden mit einem Direktorium, bestehend aus je einem Vertreter von Emigdirekt, Hias und Ica, welches das gesamte jüdische Emigrationswesen leiten und kontrollieren soll. Ke Arbeit dieses Gemeinsamen Komitees soll sich sowohl auf die Emigrationsals auch auf die Immigrationsländer erstrecken. Der Sitz des Vereinigten Ausschusses soll Berlin sein. Die Hias hat für die neue konstruktive Emigrationsarbeit 100000 Dollar jährlich bestimmt Für den Fall der Verein!- gung mit der Ica wird Hias einen Beitrag von 125 000 Dollar leisten, wogegen die Ica 75 000 Dollar jährlich zu leisten haben würde; die genaue Summe wird erst noch festgesetzt werden. Die drei Organisationen werden einen aus 20 Personen bestehenden Rat wählen, und zwar entsendet die Ica 10, Hias und Emigdirekt ebenfalls 10 Vertreter in den Rat. Dieser wählt einen zehngliedrigen Ausschuß, der allmonatlich eine Sitzung abzuhalten hat. An der Spitze des Ausschusses stehen drei Direktoren, je einer von Hias und Emigdirekt und einer von Ica; der Parität entsprechend werden die beiden Direktoren von Hias und Emigdirekt eine Stimme, der Ica-Direktor ebenfalls eine Stimme haben. Der Sitz des Gemeinschaftlichen Komitees wird Berlin sein. Die Emigrationsarbeit wird sich in erster Reihe auf die südamerikanischen Länder (Argentinien, Brasilien, Chile, Uruguay und Paraguay) aber auch auf alle anderen Emigrationsländer erstrecken. Das Abkommen soll zunächst für drei Jahre Gültigkeit haben. Brief aus Königsberg Eine Berichterstattung der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“. (Aus der jüdischen Gemeinde.) In der letzten Nummer der ״Jüdisch-liberalen Zeitung' berichtet ein Anonymus über Vorgänge in der Königsberger Gemeinde. Er teilt mit: In der letzten RepräsentantenVersammlung lag ein liberaler Antrag vor, dahingehend, es möchten vor der bevorstehenden Repräsentantenwahl alle Repräsentanten ihr Amt freiwillig niederlege 11, da die neue Wahlordnung bezüglich der Personen, der Wähler, der Wählbarkeit, des Aufrückens der Ersatzmänner, besonders aber durch die Einführung des Frauenwahlrechts wesentliche Aendcrangen vorsehe und dadurch eine ganz neue Situation geschaffen sei. Zur Begründung dieses Antrages hatte der Sprecher der Liberalen ausgeführt, es hätten auch vor drei Jahren mit Rücksicht auf das damals neueingeführte Proportionalrecht alle Repräsentanten freiwillig ihr Amt niedergelegt Das gleiche erfordere diesmal insbesondere die Neueinführung des Frauen- Wahlrechts, weil für den Fall, daß statutengemäß nur die Hälfte der Repräsentanten ausscheiden würde, den Frauen nicht die Möglichkeit gegeben sei, eine ausreichende Zahl von Sitzen in der Versammlung zu gewinnen. Auch wäre eine vollkommene Neuwahl aller Repräsentanten deshalb erforderlich, weil sonst die beiden Hälften der Ver- Sammlung nach verschiedenen Grundsätzen gewählt sein würden. Ein anderer liberaler Repräsentant erklärte, es widerspräche der ״wahren Demokratie', auf der einen Seite den Frauen das Wahlrecht zu gewähren, es ihnen dann aber für die Hälfte der Sitze wieder zu entziehen. (Ich zitiere die in dem Bericht bereits wiedergegebenen Argumente für den liberalen Antrag vollständig.) Schließlich wird mitgeteüt, daß bei namentlicher Abstimmung der Antrag ״mit 13 Stimmen der Zionisten, Orthodoxen und Mittelparteilern gegen 8 liberale Stimmen" abgelehnt wurde, und es werden die Namen der Herren, die dafür und dagegen stimmten, abgedruckt. Weser Bericht ist richtig ln dem, was er sagL Er ist aber von einer überraschenden UnWahrhaftigkeit durch das, was er verschweigt. Hier mögen die Tatsachen sprechen; sie werden eines Kommentars nicht bedürfen. Seit dem Wahlkampf im Jahre 1912 hat in der Königsberger Repräsentanten Versammlung der Block des Gemeinde- Vereins, dem alle nichtliberalen Richtungen der Gemeinde angehören (Mittelpartei, Zionisten, ״Alte Gemeinde" und Adaß Jisroül), die Majorität. Nachdem während des Krieges den Liberalen zweimal Sitze gütlich abgetreten waren, oestand das Zahlenverhältnis 17 zu 11. 1921 und 1924 wurden Wahb kompromissc auf Grand der Erhaltung dieses Besitzstandes abgeschlossen, und zwar 1924 nachdem zuvor wegen des neucingeführten Proportionalwahlrechtes alle Herren ihre Sitze nicdergelegt hatten, was jedoch wegen des gleichzeitig abgeschlossenen friedlichen Wahlabkommens nur insoweit eine praktische Wirkung hatte, als nunmehr alle Repräsentanten auf sechs Jahre gewählt wurden. Damit nach drei Jahren das satzungsgemäße Ausscheiden der Hälfte der Repräsentanten reibungslos erfolge, ohne daß man sich dem Zufalle deä Lösens aussetzen müßte, vereinbarten die beiden Gruppen für die Wahl 1927, daß ״die Parteien dafür Sorge tragen werden, daß von den Herren ihrer Richtung die Hälfte freiwillig ausscheld e“. Dieses Abkommen, daß von drei bekannten Herren der fiberalen Richtung unterschrieben war, hatte natürlich die Wirkung, daß bei der diesmaligen Wahl entsprechend den Majoritäts- Verhältnissen 8 positive und 5 liberale Repräsentanten in der Versammlung Zurückbleiben würden, also bereits vor der Wahl ein Vorsprung der Gemeindevereinsrichtung von drei Plätzen. Als daher im letzten Sommer im liberalen Lager plötzlich die überraschende Forderung auftauchte, daß diesesmal wieder alle Repräsentanten ihr Amt niederlegeo müßten, ja sogar der — allerdings vergebliche — Versuch gemacht wurde, die positiv gerichteten Repräsentanten durch die Drohung mit einem behördlichen Eingreifen einzuschüchtern, war es klar, daß die Liberalen den Versuch machen wollten, sich der unbequemen Wirkung ihrer vertraulichen Verpflichtung durch den Hinweis auf eine veränderte Situation zu entziehen. Weser Versuch der Liberalen, durch einen Vertragsbruch auf bequeme Weise den bisherigen Vorsprung der konservativen Richtung im Zahlenverhältnis zu beseitigen, was sie seit ihrer Niederlage Im Jahre 1912 durch einen Wahlkampf unter normalen Umständen zu erreichen nicht mehr versucht hatten, kam in der letzten Repräsentantensitzung zur öffentlichen Diskussion. Diese Aussprache, die den größten Teil der Sitzung in Anspruch nahm, hat der anonyme Berichterstatter ebenso verschwiegen wie die Tatsache des Vertrages und den Versuch, ihn zu brec hen. ln Wahrheit aber wurde von konservativer Seite den Herren sehr deutlich nachgewiesen, daß wesentliche Veränderungen der bereits 1924 neu geschaffenen Wahlordnung außer der Einführung des Frauen Wahlrechts nicht vorliegen. Durch das freiwillige Ausscheiden der Hälfte jeder Gruppe aber (wozu sich auf konservativer Seite gleich nach Vertragsschluß 9 Herren durch Unterschrift verpflichtet hatten), würden 13 Plätze frei, wodurch doch wahrlich genügend Raum für «׳eibliche Repräsentanten geschaffen sei. Gegenüber dem durchsichtigen versuche, mit emphatischen Hinweisen auf demokratische Gerechtigkeit die Frauen für die bevorstehende Wahl zu gewinnen, wurde den Herren ganz deutlich gesagt, daß doch lediglich der Wunsch mit besseren Chancen in den Wahlkampf zu gehen, Ihren Antrag veranlaßt hätte; wenn sie mit 8 gegen 5 in der Versammlung zurückbleiben würden, hätten sie ihre» Antrag keinesfalls gestellt;M|kl#ß'keilten Zwtjfel darüber, daß das Behpfen wMfeft׳ liberateri Portierung ־ da )Äiü^eitifagt&iuelt sein würde, ich bemerke als einer der Unterzeichner des Abkommens, der bei den Verhandlungen im Jahre 1924 beteiligt war, daß das einzige auf den ersten Blick etwas bestechende Argument der Liberalen, nämlich das neue Frauenwahlrecht, abgesehen von seiner Unerheblichkeit bei dem Freiwerden von soviel Plätzen auch deshalb hinfällig Ist, weil bei Abschluß des Abkommens vor drei Jahren allerseits durchaus mit seiner Einführung, sei es durch Gewährung seitens der Behörde, sei es durch Aufhebung des Judengesetzes, gerechnet wurde. Die drei liberalen Herren haben also damals ihre Unterschrift gegeben in voller Klarheit darüber, daß mit großer Wahrscheinlichkeit für die nächste Wahl mit dem Frauenwahlrecht zu rechnen sei. Von einem Reservat in diesem Punkte war aber damals keine Rede. Von allem diesem schweigt der Be• rieht der ״Jüdisch-liberalen Zeitung", und er weiß von Argumenten der Gegenseite nichts weiter anzugeben, als den in der Sitzung ganz nebenbei gemachten Hinweis, daß man auf sechs Jahre gewählt sei und keine Veranlassung hätte, noch hinaus über das satzungsgemäße Ausscheiden der Hälfte der Versammlung, wozu man bereit sei, dieses Recht aufzugeben. Zum Schlüsse wird dann noch in dem Berichte von unserent allverehrten Repräsentantenvorsteher, Prof. Dr. Rudolph Cohn, die Behaiwdung aufgestellt, er habe verhindern wollen, daß die Namen «r Abstimmenden im ״Königsberger Jüdischen Gemeindcblatte" veröffentlicht werden. Es mag zur weiteren Illustration dieser Berichterstattung dienen, wenn das nach dem bisher Gesagten noch nötig ist, daß dieser unglaubliche Vorwurf gegen den Repräsentantenvorsteher veröffentlicht wurde, obgleich sofort Verhandlungen zur freundschaftlichen Regelung der Angelegenheit eingeleitet wurden und daß diese unterdessen durch ein anerkennenswertes und einsichtiges Entgegenkommen einiger liberaler Herren im Sinne des Reprisentantenvorstehers der lediglich pflichtgemäß gehandelt hatte, geordnet ist. _ Dr. Stein. Einweihung 4er Tachkemonl-Schule in Td-Awiw ln den Clwnukkahtagen ist das neue Schulgebäude de! Tachkemoni - Schule in Tel-Awiw seiner Bes timmung übergehen worden. Das Schulwerk des Misrachi in Tel-Awiw hatte feit Jahren schwer unter dem Fehlen geeigneter Schulräumc zu leiden. In den letzten Jahren mußten Hunderte von Kindern, die die Schule besuchen wollten, abgewiesen werden, da keine geeigneten Räumlichkeiten zur Erweiterung der Schule vorhanden waren, und diese waren gezwungen, entweder das Oheder oder eine nicht von traditionellem Geist getragene Schule zu besuchen. Der Misrachi besaß schon seit vor dem Kriege ein großes Grundstück in Tel-Awiw, das für den Neubau bestimmt war und hat man endlich vor zwei Jahren mit de nselben begonnen. Jetzt ist dieser Bau in seinen unteren Räumen fertiggestellt und vor einigen Wochen bezogen worden. Zurzeit werden dort 1100 Schüler unterrichtet, nach Fertigstellung des ganzen Baus wird) die Schule das Eioppelte an Schülern fassen können. Bisher hat der Misrachi in dem Gebäude, Grund und Boden nicht mit eingerechnet, £ 22000.—.— investiert, von denen etwa ein Viertel von der zionistischen Exekutive beigesteuert wurde. Die Fertigstellung des zweiten und dritten Stockwerice3 wird noch wesentliche Geldmittel erfordern, uni deren Aufbringung der Misrachi sich bei seinen Anhängern und nichtzionisli'chen Freunden des palästinensischen religiösen Schulwcrks lebhaft bemüht. Der ״Haarez“ schreibt über die Einweihung des Gebäudes, daß dieses Ereignis in seiner Bedeutung weit über die täglichen Vorfälle des Lebens des Jischuws hinausreicht.

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