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Jüdische Rundschau · 1926-12-17 · Heft 99 (17.12.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 99 (17.12.1926)
Date
1926-12-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 7!8 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 99 Antisemitismus als Gruppenersdieinung Die Judenfrage ist eine nationale Frage und nur als solche zu lösen. Auf dieser Erkenntnis hat Herzl die zionistische Ideologie begründet und hat recht behalten. Gegen diese Erkenntnis hat sieh das Assimilantcntum krampfhaft gewehrt und ist durch die Wirklichkeit widerlegt worden. Denn all seine Versuche, den Antisemitismus als Vorurteil oder Bös- Willigkeit zu erklären und durch Volksaufklärung oder Strafprozesse zu bekämpfen, sind gescheitert; Der Antisemitismus besteht fort, muß fortbestchen. Warum? Weil er eine gesellschaftliche Notwendigkeit ist. Diese Erkenntnis, die ja schon Herzl ausgesprochen hat, bemüht sich F. Bernstein gruppenpsychologisch in einem Werke zu begründen, das unter dem Titel ״Der Antisemitismus als Gruppenersehe! nun g; Versuch einer Soziologie des Judenhasses“ im Jüdischen Verlag, Berlin, kürzlich erschienen ist. In einem ausgezeichneten begriffskritischen Einleitungskapitel bestimmt der Verfasser den Gegenstand seiner Betrachtung, den Antisemitismus, als jegliche Form von Judengegnerschaft. Der gemeinsame Vorwand aller Arten von Judenteindschaft ist die ״jüdische Minderwertigkeit“. Die nähere Untersuchung zeigt, daß diese Minderwertigkeit keine objektive, den Juden wirklich anhaftende Eigenschaft, sondern das Erzeugnis eines vorhandenen und immer wirksamen primären Abneigungssentiments gegen die Juden ist. Ursprung und Aeußerungsform derartiger Sentiments sucht Bernstein durch eine gruppenpsychologische Analyse festzustellen. Jedem Menschen eignet ein elementares Streben nach Luft. Störungen dieses Luftstrebens, seien sic durch Menschen, seien sie durch objektive Gegebenheiten verursacht, erwecken Unlustempfindungen, die entfernt sein wollen. Der im Unterbewußten immer sehr starken Vorstellung von der Freiheit des menschlichen Willens entspringt die Tendenz, die Unlustempfindungen, auch wenn sie durch außermenschliche Ursachen hervorgerufen wurden, in Feindschaftsäußerungen gegen Nebenmenschen umzusetzen. Da Konvention und Rechtsnormen der willkürlichen Haßäußerung Schranken setzen, kommt immer nur ein Teil der Feindschaftssentiments zur Entladung; die übrigen werden aufgestaut, jederzeit bereit, sich in der Riehtung irgendeines Anlasses auszuwirken. Der Auswirkung stehen aus dem menschlichen Gemeinschaftsleben entwickelte Hem* mungen. die Rechtsvorstellungen, entgegen. Jede Feindschafts• äußerung sucht deshalb nach einem Vorwände, durch den sie ferechtfertigt erscheint: sie konstruiert eine Schuld auf seiten es Angegriffenen. Die Eigenart der* menschlichen Gemeinschaft als eines Verhältnisses gegenseitiger Hilfeleistung macht es notwendig, daß jedermann aus dem Kreise der ihm Nahestehenden affe Feindschaftssentiments fernhält und — da sie ja einen Ab- Schluß haben müssen — nach außen richtet: das Kollektiv* Individuum der Onippe läßt die antisozialen Regungen seiner Mitglieder nach außen wirken. Aus dieser Gruppenfunktion ergibt sich notwendig die Selbstüberschätzung jeaer Gruppe, der Glaube an die eigene Auserwählthelt und die Minder- Wertigkeit der anderen. Die Gruppenbildung erfolgt nach verschiedenen Prinzipien, In verschiedenen Kategorien. Bernstein unterscheidet biolo* fische, lokale, kulturelle, sozialwirtschaftliche Kategorien und weckverbände. Dank der Kompliziertheit menschlicher Be- Ziehungen gehört der einzelne stets mehreren Oruppeu- Jrategorien gleichzeitig an. Welche dominiert im Konfliktsftlle? Die ethnische, weil sie ״ein veränderliches Faktum Ist, das von fiktiven Vorstellungen nicht berührt wird“. WH das InlivMuiia», so sucht auch das Kollektivlniividuani, 'jni־"׳fedWfert1|in1r Zu־ diesem Zwick‘bellailpfet '•sie bei-'der ßegengrtippe das Vorhandensein von KöllekHveigenschaften, die eo ipso als minderwertig gelten und eine als gültig empfundene Rechtfertigung für jeden Angriff abgeben. Denn die Annahme der Kollektiveigenschaften ermöglicht es, die andere Gruppe kollektiv für ein tatsächliches Vergehen irgendeines ihrer Mitglieder haftbar zu machen, erscheint jenes Vergehen doch nur als die typische Aeußerung der schlechten Grupnenelgenschaften. Der Orad der Feindschaftsspannung ist dort am stärksten, wo die verfeindeten Gruppen einander berühren, am Rande. Erst wenn in eine geschlossene Gruppe Teile einer Fremdgruppe als Minorität eingesprengt werden, besteht zwischen dieser und der Majorität auf jjer ganzen Linie und fortgesetzt ein relativ hoher Spannungszustand, der besonders intensiv ist, wenn es sich um ethnische Gruppen handelt, die in den alferwichtigsten Gruppenmerkmalen unveränderlich und daher gegensätzlich sind. Verschärft wird diese Spannung durch die Machtlosigkeit der Minorität Die Majorität hat das Streben, die Minorität aufzusaugen. Wese reagiert daraut entweder mit Abwehr und erhöht dadurch die Haßspannung (denn die Gegner werfen ihr Bosheit vor) oder mit Assimilation und erhöht dadurch erst recht die Haßspannung (denn «He Gegner werfen ihr nun vollends Minderwertig* keit vor). In dieses durch Analyse gewonnene Schema des Gruppen- Verhaltens ordnet Bernstein auch das Phänomen des Judenhasses, mag cs unter der Maske des religiösen, wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen oder Rassenantisemitismus auftreten, mit einer meist überzeugenden Gedankenführung ein. Antisemitismus ist eine Form des Gruppenhasses gegen eine Minorität. Er ist, wie jede Gruppenfeindschaft, unverschuldet und unüberwindlich; er ist, wie jeder gegen eine Minorität gerichtete Gruppenhaß, für diese verderblich. Schaffung einer geschlossenen judcnsiedlung im Judeniande ist der einzige Ausweg. Man kann gegen Bernsteins Buch viel einvvenden. Der Aufbau ist nicht sehr glücklich, die Gedankenführung nicht immer präzis. Einzelheiten sind schief, mitunter gar sachlich falsch. Die Ausführungen über die Bedeutung ethnischer Gruppen sind unzulänglich und besonders für eine derartige Untersuchung zu lückenhaft. Dasselbe gilt von der Dar- Stellung itna Bewertung des wirtschaftlichen Antisemitismus. Vom fachsoziologischen Standpunkt sind methodologische Bedenken zu erheben. Sachlich abzulehnen, weil einseitige Ueberspitziing einer richtigen Erkenntnis ist die These, daß mit ״der Aeußerung von Freundlichkeitssentiments nach innen und von Unfreundlichkeitsscntiments nach außen Ursache und Zweck der Gruppenbildung im Wesen erschöpfend dargestellt sind“. Und doch, was verschlägt das alles! Die Bedeutung des Bernsteinschen Werkes wird auch durch solche Kritik nicht gemindert. Bisher kannten wir neben wissenschaftlich nicht faßbaren, weil ins Metaphysische reichenden Begründungen des Zionismus nur eine historische, die Herzls. Bernstein hat die alte Erkenntnis, daß die Judenfrage eine nationale sei, in allgemeiner soziologischer Form neu begründet und ist damit den Bedürfnissen unserer alles Historische relativierenden Zeit entgegengekommen, welcher die abstrakt-soziologische Methode besser entspricht. Darin liegt die große Bedeutung dieses Buches, das auch im einzelnen reich ist an Feinheiten und plastischen Beispielen. Möge es viele Leser finden, zumal im Lager der Assimilation. Dr. Hubert Pollack. Die Lage In Kisehinew Kischinew, 12. Dezember. (J. T. A.) Bischof Ourie erklärte gegenüber Rabbi Zirelsohn, der ihn im Zusammenhang mit den Studenten exzessen besucht, er habe die Studenten gar nicht zu sich geladen; er werde nunmehr versuchen, aut die christliche Bevölkerung beruhigend einzuwirken. An der Sitzung des Gemeinderats erklärte Bürgermeister Teodorescu, jeder in Kischinew bedauere die Gescbehn i s s e; die Unruhen seien von ortsfremden Elementen hervorgerufen worden; die Ortsbevölkerung wolle in Frieden mit den Juden leben. Der Minister für Beßarabien, Niza, ist in Kischinew eingetroffen, um die Angelegenheit der Judenausschreitungen persönlich zu untersuchen. * Die (von uns wiedergegebene) J. T. A.-Meldung, daß der jüdische Parlamentsklub den Abß. w y s c h I i c k i aufgefordert nat, seinen an den rumänischen König gerichteten Brief zurückzuziehen, beruht auf einen Irrtum. Der Klub hat Im Gegenteil beschlossen, daß der Brief Wyschlickis nicht zurückzuziehen sei, ־.׳•iie' na« lieleri Bukarest, Jl. Dezember. (J.T.A.) Am 10. Dezember feierte die Bukarester antisemitische Studentenschaft das fünfjährige Jubiläum ihres Kampfes um die Einführung des Numerus clausus für jüdische Studierende an den rumänischen Hochschulen. Da man Ausschreitungen befurchtete. wurden mehrere Abteilungen Gendarmerie aufgeboten. Während der Tag zunächst ruhig verlief, kam es in den Abendstunden in mehreren Straßen zu sehr turbulenten Szenen, die in schwere Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung ausarteten. Um 6 Uhr abends hielten die Studenten in ihrem Heim »eine Massenversammlung ab. Nach Schluß derselben zogen die Teilnehmer zur Hauptstraße Bukarests, der Calea Victoriea. Dort versperrte ihnen ein Kordon Gendarmen den Weg. Die Studenten durchbrachen die Kette, k§men in die Sarindarstraße und eröffneten ein Steinbombardement gegen die Redaktionshäuser der fortschrittlichen Zeitungen ״Rampa“ und ״Adeverul", in denen sämtliche Fensterscheiben zerschlagen wurden. Von dort teilte sich der Demonstrationstrupp, ein Teil zog in die Belvederestraße, wo in allen Antiquitätenladen, die Juden gehören, die Auslagefenster unaVitrin#n zerschlagen wurden, in der Bacanstraße wurde die Werkstätte des Schneidermeisters Aron Bluraenfeld zerstört, der Besitzer schwer mißhandelt und verletzt. Die gleiche Gruppe zerstörte die Auslagefenster und Vitrinen der jüdisehen Geschäfte in der Spinzistraße, sowie die Werkstätten und Geschäftsläden von Ignatz Goldstein, German, vom Juwelenladen ״Elita“, Goldmann, Abramovici, Polgar, Grünberg, Fischer, Steiner, Adler. Gegen die Wohnungen der * benachbarten Brüder Abrara und Leon Moritz wurde ein heftiges Steinbombardement durchgeführt. In der Wohnung des letzteren lagen zwei erkrankte Kinder zu Bett; beide wurden von schweren Steinen getroffen und verletzt. In einigen Modeläden wurden die Auslagefenster zerstört und sämtliche Waren fortgeschleppt in der Moschilorgasse zerstörte eine andere Gruppe die Läden der Schneidermeister Lupu. Horovici und des Spenglermeisters J. Solomon. Ein Trupp Studenten zog in das jüdische Viertel von Bukarest, zerstörte in der Straße Vacarteschti sämtliche Fensterscheiben und demolierte das Kinotheater ״Gloria“. Zahlreiche jüdische Passanten wurden in den Straßen beschimpft und blutig geschlagen. Etwa 30 Studenten wurden von der Polizei und Gendarmerie sistlert, aber nach Abnahme der Legitimationen wieder auf freien Fuß gesetzt. Bis 3 Uhr nachts dauerten die Manifestationen. Militär patrouillierte in den Straßen und trieb die sich versammelnden Studenten- und Huligantruppen immer wieder auseinander. Kleine Nachrichten Lieut. Comantlcr Kenworthy, Mitglied des britischen Unterhauses, ist in Jerusalem eingetroffen. Er begibt sich von hier zu einem längeren Besuch der jüdischen Kolonien. Der für den 6. bis 8. Januar nach Baceu einbertifene Kongreß der rumänischen Zionisten wurde wegen der unruhigen Stimmung im Lande auf den 23. Januar ver• schoben. Nachdem die Sozialdemokraten den an sie ergangenen Auftrag, das neue lettilndische Kabinett zu bilden, abgelehnt haben, lud der Staatspräsident Tschakste den Führer des demokratischen Minderheitenblocks, Rabbiner Dr. M. Nurok, zu sich und beauftragte ihn mit der Kabinettsbildung. Nurok nahm den Antrag mit Vorbehalt an. Herr Dr. Alexander Goldstein, der zuletzt in Berlin geweilt hat, begab sich im Aufträge des Hauptbüros des Keren Hajcssod auf eine längere Reise nach dem Fernen Osten. Er wird Australien. Neu-Seeland, Indien. Singapore . Der Orangenexport aus Palästina hat am 15. November begonnen. Auf zwei Schiffen wurden 45000 Kisten Orangen nach England versandt. Me Qualität ist dieses Jahr eine gute, und quantitativ soll die diesjährige Ernte die vorjährige um einige hunderttausend Kisten übersteigen. Sir Ronald Storrs hat vor seiner Abreise aus Jerusalem die von ihm vor acht Jahren begründete Gesellschaft ״Pro- J erusalem“, die den Schutz von Baudenkmälern und Ver• schönerung der Stadt zum Ziele hatte, für aufgelöst erklärt. ln der Plenarsitzung des litauischen Sejm wurden die Novellen zum Sonntagsruhegesetz, welche Erleichterungen der Zwangasonntagsruhe vorsehen, in erster Lesung angenommen. essen gebildet. Me Liga will tauch gegen das Uebergreifen des Kommunismus auf die jüdische Arbeiterschaft ankämpfen. Der Professor am Polytechnikum, David Emanuel, der einzige jüdische Universitätsprofessor in Rumänien, wurde bei Erreichung des 70. Lebensjahres pensionslos entlassen. Monsignore Robinson, der Bevollmächtigte des Vatikans in P a I ä s t i n a, ist nach längerem Aufenthalt in Rom wieder nach Palästina abgereist. Am Tage seiner Abreise wurde er vom Papst empfangen. Dieser Tage trat in Pros kur ow die erste Kreiskonferenz der jüdischen Dorfräte zusammen. 53 D>ele- . schließen. Im Distrikt Uraan wird demnächst ein besonderer jüdischer Milizbezirk geschaffen, dessen Geschäftssprache jiddisch sein wird. Es wurde ferner beschlossen, alle behörtliichen Bekanntmachungen im Uman zweisprachig, ukrainisch und jiddisch, erscheinen zu lassen. Zum Hauptrabbiner von Florenz wurde der bekannte Gelehrte Prof. Dr. Elia Artom gewählt. ״Das reißende lamm“ (Zur Uraufführung von Emil Cohn-Bernhards Drama in Breslau.) Er war bedrängt, aber er ergab sich und tat nicht auf seinen Mund, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt und tat nicht auf seinen Mund. Jes. 53, 7. Uralte Gedankengänge, von Prophetenlippen dem Elendsgesicht der Welt entgegcngestammelt, die sich mit Mord und Unterdrückung den Weg bahnt, werden von neuem lebendig. Gestalten entstehen, die ihrem Willen entsprechen und die sich zu ihm emporringen. Schicksale erhalten ihre Formung, die um diesen einen übermenschlichen Gedanken menschlich leiden und kämpfen. Am Sonnabend erlebte Emil Cohn-Bernhards Drama ״D a s reißende Lamm“ im Lobe-Theater zu Breslau unter großem Beifall des überfüllten Hauses seine Uraufführung, Eine Gesellschaft, der die Kriegsschauer noch in den Nerven zucken und die sich im tiefsten Innern bewußt ist, daß der Fluch der Zeit die Abkehr von allem Natürlich-Geraden, Menschlich-Guten ist, hörte ergriffen die Lehre vom Einfachen und Ersten, das zunächst ersehnt und getan werden muß. Güte — Leben — das Einfache; und darum Glück und darum Notwendigkeit! Haß — Tod — das Schwierige, und darum Unglück und darum Unmöglichkeit! Aber der Menschen Geist wählt den Ffuch und stößt den Segen aus seinem Kreis. Wäre das Bibelworf lebendig, dann lebte jeder im Frieden, dann wärmte er sich im Glück seines Hauses, an den frohen Blicken seiner Lieben. Nun kauern die Menschen, einer Feind dem andern, in Schützengräben, den Tod als stummen Gefährten zur Seite, verdorren hinter Gefängnismauern, verbluten unter Rutenstreichen. Und Haß und Mißtrauen ist■ die Botschaft, die einer für den anderen hat. Einer kämpft den Kampf dagegen, Boris Tvversköj. Aber sein Kampf ist sanft, lautlos, ohne Waffen. Ist die einzige Lösung aller Verwicklungen der unnatürlichen Welt der Krieg, so sei die seine der Frieden, ist ihr stärkstes Gefühl Mißtrauen und Haß, so sei das seine Vertrauen und Liebe, ist ihr einziger Glauben die Ueberzeugung von der Lügenhaftigkeit aller, so sei der seine die Achtung vor der Wahrhaftigkeit und der unzerstörbaren Güte eines jeden, der Menschenantlitz trägt. Dieser waffenlose Kämpfer entwaffnet. Unerbittliche werden vor ihm weich, Grausame zittern ob ihrer Härte und lernen sie hassen, Unnatur schämt sich ihrer Lüge, Verbitterte und Verstockte finden Worte und Irregegangene Aufopferungsfähigkeit lernt ihr wahres Ziel von neuem erkennen. Das sind die Grundzüge des Erlebens, das die Hauptestalten des Dramas Twerskoj, Obraszoff, Irene, Popow, en General, miteinander verknüpft. Der Grausamste, der sich in wildem Egoismus über den zerfleischten Körper des gehaßten und zugleich geliebten Sträflings den Weg in eine glänzendere Welt bahnen wollte, sinkt in die Knie und stöhnt die tief verborgene Qual, die ihn in sein jähes Tun hineinpeitschte, allen ins Gesicht: Gut sein! Gut sein! Im Grunde genommen ist dieser Grausame, Obraszoff, der Held. Denn in ihm zittert das Allmenschliche und darum Allverständliche: die Tragik des unendlichen Leidens, das nicht Krankheit, nicht Einsamkeit, nicht Zurücksetzung heißt, sondern jämmerliches Untermenschentum vor dem Angesicht des Ewigen. Staub und Asche vor göttlicher Erhabenheit, unerträgliches Bewußtsein von der Unähnlichkeit des seelischen Antlitzes mit dem heiligen Urbild, nach dem der Schöpfer es formen wollte. Klar ist der Zusammenhang für den, der den Ursprung kennt. Das alte Buch, das Lehrbuch der Menschheit, hat mit seinem Blut die Gestalten des Dramas getränkt. Von Jesajas demütigem Gottesknecht geht die Linie zu Twerskoj, vom bußfertigen Sünder, dessen Lippen das Gebet nach einem neuen Herzen und einem reinen Sinn stammeln, die Verbindung zu Obraszoff, und von dem Geiste der Bibel, der die Menschen als Kinder eines Vaters erkennen lehrte, lebt die Grundidee des Stückes, die brüderliche Liebe der Menschen zueinander. Wer im tiefsten Innern weiß, daß die Lehre in die Fundamente der Welt eingesenkt Ist und die Grundfesten stützt und hält, wer daran glaubt, daß Sie die Urkraft ist, die wie der König vor dem Knecht vor ihr einherwandert und über sie hinaus existiert, der glaubt auch an die Aufgabe eines Dichtertums, das die ewigen Wahrheiten in neuer und lebendiger Gestalt den Augen enthüllt, die das Göttliche zu schauen verlangt haben. Noch sind die Pfadbereiter notwendig, die den Weg durch die Wüste bahnen. Emil Cohn hat mit starker dichterischer Gestaltungskraft um diese uralten Ideen die Körperlichkeit moderner Menschen gegossen. Es war ein glücklicher Griff, daß er zu ihren Trägern Menschen der tief erschütterten leidens- und aufopferungsfähigen russischen Welt gemacht hat. Typen wie Obraszoff entsprechen der Zwiespältigkeit der russischen Seele, die, taumelnd in Lebensgier, nicht zur naiven Seibstverständlichkeit bloßen Genusses herabsinken kann. Er ist vom Blut Dostojewskischer Gestalten, die das Bild gewaltiger Reinheit sehnsüchtig verfolgen und das flüchtige nicht einholcn können. Die Differenziertheit seiner Seele, der Konflikt, der sie zerreißt, gibt nicht nur dem Stück starke dramatische Kraft und den Pulsschlag lebendigen Lebens, sondern auch die Stärke psychologischer Deutungskraft. Das Strindbergmotiv der zerstörten and zerstörenden Ehe leuchtet diesem meisterhaft gezeichneten Charakter bis in die letzte Einsamkeit und die feinsten Motivierungen seines Leidens und Handelns. Etwas schattenhaft ist Twerskojs Tolstoitum. Das Machtwort, mit dem er dem Uebel der Welt abhelfen will, ״Widerstehe ihm nicht!“ ist für ihn kein Problem, was es doch schließlich dem Judentum war. Kämpfe liegen allerdings schön hinter dem Heiligen, der nun in unbeirrbarer Sicherheit seinen Weg schreitet. ״Wenn er sich zum Sühneopfer gebracht, sieht er einen Samen, der lange dauert.“ Sein Tod öffnet die Bahn zu neuem Leben. Hier nimmt allerdings das Drama eine die jüdische Seele ungewöhnlich anmutende Wendung. Passivität war niemals die Losung des Judentums. Weder Barmherzigkeit allein, noch strenges Gesetz vermögen nach jüdischer Auffassung die Welt zu regieren. Nur durch eine Harmonie von Recht und Müde gewährt Gott der Erde Bestand. Die Lösung Twerskojs bfeibt uns fremd. Um die Wirkung der göttlichen Harmonie von Recht und Liebe, getragen durch die Tat des Menschen, betet der Jude zu seinem Gott. Die anderen stürmen zur ■ Freiheit und bleiben gebannt. Das Gebet des Juden, das symbolhaft die Handlung schließt, führt den Sinn des Dramas zu seinem jüdischen Ursprung zurück. Da%. Ensemble des Lobe-Theaters nahm sich des Dramas mit Liebe und Verständnis an und brachte es zu voller Wirkung. Dr. Eise Rabin. Nr. 09 Eine der wr Judenfra! •dwjetrepubli Schaft zur f 17. Novembe berichtet, fa! jüdischer Bai Verbände au u. a. auch d gatianen bet zipiclle Aus! Kalinin hat Frische ang lungen der einseitig, vit aber nicht Wir wo dieser Rede regierung v ausländische vergleicht di in manchen meinsam tni die refortni bei diesen fi verschieden aber macht geoisie des schickt, lusi den verhöh wenigstens werben“ zu auf die St eingehen, Diese Rede. 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